Musik zum Sonntag: Mobilée – „Walking on a Twine“-Tour

Die besten Konzerte sind jene, auf die man absolut ohne jede Erwartung geht. Und dann auch noch spontan. Genauso bin ich durch einen netten Zufall vorhin auf dem Konzert der Duisburger Folkpop-Band Mobilée in der Kleinen Freiheit in Osnabrück gelandet (Danke Marie!) und nun begeistert nach Hause gekommen. Mobilée live macht einfach rund herum Spaß. Nicht nur deshalb ist die sechsköpfige Truppe heute LEISE/laut’s Musik zum Sonntag. Allerdings mit einer Einschränkung: Vorerst nur live.

Nach längerer Zeit hat mich eine Band mal wieder ab dem ersten Ton live derartig überzeugt, dass ich am Ende des Konzerts gleich eine CD gekauft habe. Und einen Jutebeutel. Und einen Button. Aber auch nur, weil der Spruch darauf ach so niedlich war und man nicht sieht, dass er zu einer Band gehört. Dazu kann ich um Eulen einfach keinen Bogen machen. Auch nicht auf Buttons. Aber weg vom Merchandise und zurück zur Band.

Foto: Katharina Leuck

Zugegeben, hätte ich im Vorfeld etwas recherchiert, wäre ich möglicherweise nicht auf das Konzert gegangen. Nun war ich vollkommen unvoreingenommen dort, ohne auch nur einen Song vorab gehört zu haben oder irgendwelche Details über die Band zu kennen. Das war auch wahrscheinlich besser so. Mobilée machen seit drei Jahren zusammen Musik, sind inzwischen bei Universal unter Vertrag und haben bereits die komplette Support- und TV-Schiene hinter sich. Roxette, Tim Bendzko, Harald Schmidt, Fernsehgarten. Entsprechend glattgebügelt und aufgepoppt klingen ihre Singles „Genesis“ und „Little Sister“ in den Musikvideos. Dem Album „Walking on a Twine“ geht es da leider auch nicht viel besser, wie ich gerade feststellen musste. Wirklich sehr schade.

Als ich die CD vorhin in den Player geschoben habe, war ich fast geschockt. Was mir da entgegen plärrte, war unmöglich die Band, die ich eben noch in der Kleinen Freiheit gesehen hatte. Statt einer gestandenen Indiefolkpopband mit Seele (so mein unvoreingenommener Eindruck) kommt regelrecht totgemischter, fast schon nerviger Radiopop aus den Boxen.

Live ist alles ganz anders. Dort klingen Mobilée mit ihrer sympathischen Frontfrau Caro fröhlich, wach und authentisch. Caros Stimme klingt süß, aber trotzdem groß und raumeinnehmend, ja erinnert streckenweise sogar an Tina Dico oder LeAnne Rimes. Die Band rockt sich voll positiver Energie durch ihr Programm, flachst auf Augenhöhe mit dem Publikum und nimmt kleine Pannen locker mit Humor. Selbst Balladen, von denen es durchaus so einige gibt, klingen in diesem kleinen Club nicht kitschig, sondern einfach nur wahr und persönlich.

Die Begeisterung für ihre Musik sprüht während der Show nur so aus allen sechs Bandmitgliedern heraus. Ebenso ihr Talent, ohne dass die Jungs und die Dame dabei jemals in irgendeiner Form angeberisch rüber kommen würden. Vierstimmiger Gesang? Klar doch. Bis zu fünf unterschiedliche Nebeninstrumenten? Gar kein Thema. All das wirkt bei Mobilée live so normal wie sich morgens beim Frühstück ein Brötchen zu schmieren. Wer weiß, was er kann, braucht auch nicht mit viel Trallala darauf hinzuweisen.

Aber zurück zur Platte. Man nehme Katy Perry, Taylor Swift, und Mumford & Sons, ver-xfache die Stimme von Sängerin Caro dazu, drehe alles gut durch den Soundwolf und fertig ist… das Mobilée-Album?!

Es klingt fast so, als hätten die Produzenten versucht, aus dem ursprünglich so liebenswerten, authentischen Mobilée-Sound (ich setze den aktuellen Live-Sound jetzt mal mit einem mehr oder weniger unverfälschtem Ursprungssound gleich) eine wirre Klanganlehnung an sämtliche international gerade populären Sängerinnen zusammen zu panschen. Das klingt nicht schön. Mit den letzten Klangerinnerungen an den schönen Konzertabend noch im Ohr, klingt das gerade im Moment sogar eher nervig. Es fehlt die Tiefe. Und die Seele.

Wieso, weshalb und warum muss eigentlich, sobald ein großes Label die Strippen zieht, aus fast jeder Band, die live richtig gut abrockt und gleichzeitig auch tolle Melodien hat, so ein übersüßter Zuckerpop gemischt werden? Und dabei meine ich nicht nur Mobilée sondern auch einige andere Bands aus den aktuellen und ehemaligen Artist-Pools der „Großen“. Das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

So kann ich nur feststellen: Mobilée live sind super und die Tickets gerade in süßen kleinen Clubs absolut jeden Cent wert. Auf meiner Konzertskala bekommt der Abend 9 von 10 Sternchen. Ob man die Platte dagegen dann auch im Ganzen mag, hängt ganz von der Radiopopaffinität des Hörers ab… Meine ist gerade offensichtlich nicht so hoch, deshalb gibt es für Mobilée auf Platte nur 5 von 10 Sternchen. Schade.

Wer Mobilée live erleben möchte, kann und sollte das in folgenden Städten tun:

Mobilée – Walking on a Twine-Tour

29.11.2012 Duisburg – Grammatikoff
01.12.2012 Köln – Luxor
02.12.2012 Frankfurt – Nachtleben
03.12.2012 Stuttgart – Universum
05.12.2012 Nürnberg – Hirsch
06.12.2012 München – 59:1

 

Bandfotos: Universal Music

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Dankeschön, das freut mich sehr 🙂

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