Zu Besuch bei Esther lädt ein mit Matze Rossi

Es gibt eine neue Konzertreihe in der Stadt. Esther lädt ein, in ihr Wohnzimmer im Polly Esther’s in Osnabrück. Der erste Gast war am Montagabend gleich kein geringerer als Matze Rossi. Ob sich der gute Mann mit seiner Gitarre bei Esther wohl wohlgefühlt hat?

Seinem Grinsen nach zu urteilen, ja. Und ich mich auch. Und alle anderen Gäste ebenfalls. Aber von Anfang an. Kurz vorweg, Esther lädt ein ist eigentlich nur der Name der Konzertreihe, bei der der Osnabrücker Singer/Songwriter Joseph Myers Künstler in (Polly) Esthers musikalisches Wohnzimmer einlädt, die er selbst besonders gerne mag. Neben Musik gibt es dazu noch interaktive Sequenzen mit dem Publikum und Talk-Einlagen, in denen man als Zuschauer den Menschen hinter der Musik besser kennenlernt.

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Zur heutigen Premiere ist dieser Mensch also Matze Rossi. Joseph Myers verrät, dass er ihn früher aufgrund des Künstlernamens für einen merkwürdigen italienischen Popmusiker gehalten habe, bevor er Jahre später zum ersten Mal bewusst seine Musik hörte. Starker, im Punk verwurzelter (überwiegend) deutschsprachiger Songwriter-Gitarrenpop. Wunderbar.

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Bevor Matze Rossi das Publikum mit seiner Musik und den sympathischen Geschichten rund herum in eine andere Welt entführt, betont Joseph Myers, wie nervös er doch sei. Schließlich mache er „dieses Moderatoren-Ding“ heute zum ersten Mal. Aber nicht nur dafür macht er das sehr gut. Es macht Spaß dabei zuzusehen, wie er und Matze sich sehr spontan die Bälle zuspielen. Wie sie zwischen schrägen Witzen und tiefgründig philosophischen Gesprächen wechseln und dabei gleichzeitig noch das bestens aufgelegte Publikum mit einbeziehen. Ratespiele, gemeinschaftliches Interview. Und dann wieder Musik.

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Für mich ist die Mischung aus eingängigen Melodien und einfach echten, bewegenden Texten an diesem Abend genau das richtige. Es gibt nicht viele Künstler die es schaffen, mich so schnell nur mit Stimme und Gitarre so weit weg beamen. Und dann doch gleichzeitig noch den perfekten Soundtrack für das emotionale Chaos in meinem Kopf zu liefern. Kurz vor dem Konzert habe ich mich noch von einer gerade verstorbenen Großtante verabschiedet. Bei „Wenn ich mal“ habe ich deshalb kurz ein paar Tränen in den Augen. Es gibt für diese Situation kaum einen passenderen Song.

Matze Rossi

Insgesamt ist dieser Abend für mich eine großartige Überraschung. Ich fühle mich wie in einer Mischung aus TV Noir und Zimmer frei. Es ist nicht alles perfekt. Da ist es vorne plötzlich ein bisschen zu eng, als Matze mit einigen Publikumsgästen ein Ratespiel spielen soll. Oder es tauchen sehr ähnliche Fragen in der Besucher-Interview-Box auf. Oder Matze glaubt mitten in einem Song, dass er diesen heute schon einmal gespielt hätte (hatte er nicht, nur am Morgen bei einem Konzert in der Montessori Schule). Aber gerade das macht alles so angenehm und authentisch, so absolut passend für das stilisierte Wohnzimmer. Hier fühle ich mich wohl. Hier will ich bleiben.

Auch wenn es ein bisschen kitschig klingt, nach den knapp drei Stunden wabert so viel positive Energie durch den Raum, dass man bei der letzten Zugabe von Matze Rossi wirklich das Gefühl hat, für einen Moment mitten in einer großen Familie zu setzen. Wie passend, dass der letzte Song dann wirklich „Best Friends“ ist.

Das nächste Esther lädt ein findet am 3. April  2017 statt.

 

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