Popsalon 6: Der Samstag mit Kelvin Jones, Neufundland & Olympique

Ich hatte lange kein mehr so perfektes Wochenende wie gerade. Danke lieber Popsalon! Am Samstag ist ging es noch mal richtig nach vorn Kelvin Jones, Neufundland, Olympique, Jungle by Night und Feierei bis um 6 Uhr morgens.

Träumen mit Kelvin Jones

Eigentlich will ich meinen Popsalontag schon am Samstagnachmittag bei Shock Records in der Hasestraße beginnen lassen. Es ist schließlich Record Store Day und Bewilder geben dort ein Akustikset. Ich bin allerdings vom letzten Popsalon-Abend noch so müde, dass ich Bewilder schweren Herzens ausfallen lasse und lieber direkt zu Kelvin Jones ins Haus der Jugend fahre. Dort angekommen, stehen die Leute noch brav in Schlange. Die Türen sind noch geschlossen. Wenn man genau hinhört, dringt durch die Wände noch Musik nach draußen. Der Herr Jones soundcheckt wohl noch. Dann kann ich ja noch mal fix zum Stadtgalerie Café rüber flitzen und Marie Katzer viel Glück für ihren Gig in der Campfire Lounge wünschen. Echt praktisch, dass die drei der vier Popsalon Locations keine 200 Meter auseinander liegen.

Im Haus der Jugend ist es heute nicht ganz so voll wie am Abend vorher bei Gloria. Schade eigentlich, denn Kelvin Jones ist musikalisch um Klassen besser als die Band von Klaas Heufer-Umlauf. Kelvin Jones begrüßt das Publikum auf deutsch und spielt sich dann durch ein hervorragendes Set, das emotional zwischen bester guter Laune und melancholischer Sehnsucht alles abdeckt. Dabei ist er noch genauso natürlich und sympathisch wie im Dezember, als ich ihn beim Interview kennenlernen durfte. Mit seiner grandiosen Stimme und seiner unprätentiösen Art schafft er es, im großen Saal vom Haus der Jugend eine ganz intime Verbindung zum Publikum aufzubauen.

Besonders viel Gänsehaut gibt es bei „Call you home“, und bei der nicht geplanten Zugabe „New York City“. Dabei steht der Rest der Band hinter mir mit im Saal und lauscht den Klängen von diesem sehr persönlichen Song. Das Publikum ist so begeistert, dass es sogar Zwischenapplaus gibt und hängt zusätzlich zur Gänsehaut auch noch ein halbes Tränchen im Auge.

Marie Katzer in der Campfire Lounge

Puh, das war schön. Jetzt geht es weiter zu Neufundland in die Lagerhalle. Da Kelvin Jones ein insgesamt relativ kurzes Set gespielt hat (er hat ja auch erst ein Album), bleibt noch kurz Zeit, um auf dem Weg die Nase nochmal in die Campfire Lounge zu stecken. Wie schön! Hier spielt Marie Katzer gerade vor vollem Haus  „Caught in a time warp“, einer meiner Lieblingssongs von ihr. Dafür ist noch Zeit, auch für einen kleinen Post bei Instagram und weiter zu Neufundland.

Halt dich an Neufundland fest

Auf Neufundland bin ich besonders gespannt. Leider überschneiden sie sich mit Bewilder in der Kleinen Freiheit, und so ich überlege ich im noch halbleeren Saal, ob ich es gleich wohl schaffe, nach der Hälfte zu gehen. Während ich so vor mich hin überlege, mache es sich zwei leicht angeschickerte Damen mit ihren Weingläsern neben mir an der Bühnenkante bequem und regen sich lautstark darüber auf, dass Neufundland um 21.37 Uhr noch nicht angefangen haben. Aus dem Gemecker werden irgendwann Stadiongesänge und schließlich etwas, dass ich nur sehr schwer nicht als Pöbelei bezeichnen kann. Peinlich. Wumms, die Backstagetür fliegt zu.

Ein paar Minuten später entern die Jungs von Neufundland dann endlich die Bühne und kurze Zeit später sind die merkwürdigen Damen dann auch verschwunden. Schade. Nicht. Neufundland sind mit Vollgas dabei und heizen mit ihrem deutschen Indie-Rockpop der Lagerhalle gut ein. Nach drei Songs ist für mich klar, hier bleibe ich. Neufundland sind mit ihrer Kombination aus guten Texten, Synthies, Gitarren, Kraft und ihrer Art zu singen für mich die perfekte Mischung aus Herrenmagazin, Bratze, Schrottgrenze und einem klitzekleinen bisschen Mikroboy.

Mit jedem Song wächst meine gute Laune, und die des restlichen Publikums ebenfalls. Anscheinend haben sich ein paar der Songs vorher schon heimlich von Spotify aus in meinen Kopf geschlichen. Jedenfalls merke ich, wie ich bei zwei oder drei Stücken plötzlich in Ungedanken mitsinge. Ein Highlight ist für mich tatsächlich der letzte Song, ein Cover des Ton Steine Scherben – Klassikers „Halt dich an deiner Liebe fest“. Dazu hat die Band am Freitag ein wunderschönes Video veröffentlich, das ich auch spontan zum Musikvideo des Tages erkoren habe. Hiermit verabschieden sich Neufundland nach einer guten Stunde.

Olympique

Ich bin jetzt richtig angestachelt und in Feierlaune. Hoffentlich ändert sich das bei Olympique nicht. Hier muss ich noch mal offiziell fotografieren und bin ein wenig irritiert, als tatsächlich nur zwei Leute auf die Bühne kommen. Irgendwas muss ich da im Vorfeld falsch verstanden haben. Nun denn. Das österreichische Duo kommt mit recht viel Gitarren-Wumms und buntem Licht um die Ecke, sind aber aufgrund ihrer Positionierung auf der Bühne nicht gerade einfach zu fotografieren. Was die Herren da musikalisch abliefern, ist definitiv erstklassig, nur passt das sphärische, leicht düster wavige nicht so richtig in meine bunte Feierlaune. Das tut mir leid und da muss ich den Herren irgendwann wo noch mal eine zweite Chance geben.

Foto: Katharina Leuck
Foto: Katharina Leuck

Ich frage mich zwischendurch, ob ich nicht doch noch mal rüber in die Kleine Freiheit zu Leyya hätte fahren sollen. Wie ich von einigen Leuten später aber höre, waren sie eher enttäuscht. Ein wenig eintönig und die Stimmung soll auch nicht so bombig gewesen sein. Naja. Also alles richtig gemacht.

Jungle by Night

Was dagegen zu später Stunde wirklich hervorragend zu meiner Feierlaune passt, sind Jungle by Night aus Amsterdam. Es ist bereits „mitten in der Nacht“, als die Band, bewaffnet mit allerhand Instrumenten, loslegt. Ich fühle mich ein bisschen an meine Bigband und Marchingband-Zeit zurück erinnert und habe tatsächlich Bock, mein Saxophon mal wieder auszupacken. Mit ihrer Mischung aus Fusion, Rock, Jazz, Dub und Afrobeats schaffen es die Jungs, dass wirklich so gut wie kein Bein in der Lagerhalle mehr still steht. Der Saal wird zumindest im vorderen Teil zur Partyzone. Hinten leert es sich langsam, aber es ist auch schon nach 1 Uhr nachts. Egal, weiter tanzen. Mir fällt erst kurz vor Ende des Sets um kurz vor 2 Uhr auf, dass ja die ganze Zeit eigentlich kein mal gesungen wurde. Ein Gig komplett instrumental in großartig. Ich hoffe, dass mir Jungle by Night diesen Sommer noch öfter auf Festivals begegnen.

Afterparty

Und dann? Feierei. Ich werfe kurz zu Hause meine Kamera ab und radele zurück zur Kleinen Freiheit. Habe ich es also doch wenigstens so halb einmal hier her geschafft. Mit Kapelle Kapelle aka Caught Indie Act wird die Hütte abgerissen. Mittendrin auf der Tanzfläche auch die ein oder andere Band. Als ich stunden später zurück zu meinem Fahrrad laufe, ist es schon fast richtig hell. Irgendwer hat meine Lampe geklaut. Aber nach dem genialen Abend stört mich das nicht mal wirklich.

Fotos, Fotos, Fotos

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