Ein Traum von Schlossgarten Open Air

Nach etwas über einer Woche habe ich endlich all meine konfusen Gedanken zur Premiere des Osnabrücker Schlossgarten Open Air sortiert. Revolverheld, Die Fantastischen Vier, Tonbandgerät, Gregor Meyle, Seven. Alle auf einer riesigen Bühne, die sich nicht mal vor dem Hurricane Festival verstecken müsste. Endlich hat Osnabrück wieder ein Open Air Event, das die musikalische A-Liga in die Stadt holt und den geliebten Schloga für ein paar Tage in eine pulsierende Partyarena verwandelt. 

Anders als bei „normalen“ Festivals war ich beim Schlossgarten Open Air schon ab dem ersten Tag des Bühnenaufbaus dabei. Gemeinsam mit der lieben Marie, die mich ja schon auf dem Hurricane Festival begleitet hat, und Raoul, der mich beim Interview mit Revolverheld gefilmt hat (stay tuned!), habe ich das Festival mit Kamera begleitet. Und den Liveticker für die Neue Osnabrücker Zeitung gefüllt. Und auch noch ein paar Fotos für Revolverheld geschossen. Manchmal hätte ich mich gerade am Freitag gerne in drei Personen aufgeteilt, aber wenn viel los ist, kann es auch niemals langweilig werden.

Countdown zum Schlossgarten Open Air

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie binnen weniger Tage ein komplettes Festival mitten in der Stadt einfach so aus dem Boden wächst. Bei meinem ersten Besuch des Geländes am Montag kann man sich noch kaum vorstellen, dass hier vier Tage später knapp 10.000 Menschen feiern sollen. Mehrere Kilometer Bauzaun, Rasenschutzmatten und Teile der Bühne stapeln sich neben dem Schloss. Der FOH Turm deutet sich mit ein paar spirreligen Stangen an. Immerhin stehen die Zelte des zukünftigen Backstage schon.

Schlossgarten Open Air Aufbau, Tag1Aufbau Schlossgarten Open Air 2015, Osnabrück,

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Monday, July 13, 2015

Bei meinem zweiten Besuch am Mittwoch lässt sich schon etwas mehr erahnen. Die Rasenmatten liegen und während ich mit Booker Christoph Hengholt über das Gelände laufe, werden gerade die Planen für das Bühnendach auf das Gestänge gezogen. Die Ecktraversen lassen erahnen, was sich da für ein monströses Bühnengebilde entwickelt.

Die Bühne und die Aufbauten für das Schlossgarten Open Air wachsen langsam in die Höhe. Foto: Katharina Leuck

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Wednesday, July 15, 2015

Am Donnerstagabend dann ist eigentlich alles fertig. Die Bühne steht, die letzten Fressbuden haben ihren Platz unter den alten Kastanien gefunden und ich darf mit Christoph zusammen auf dem fertigen FOH-Tower herumklettern, um noch ein paar Fotos für das Festivalalbum zu machen. Hier oben ist es verdammt hoch und im direkten Gegenüber mit der 37 Meter langen Bühne, die auch noch mal eben 15 Meter hoch und tief ist, kommt man sich doch schon verdammt klein vor.

Die Bühne steht, die letzten Handgriffe und dann kann das Schlossgarten Open Air 2015 starten! Fotos: Katharina Leuck

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Friday, July 17, 2015

Normalerweise bin ich eigentlich gar nicht so der Selfie-Typ, aber so hoch über der Erde, mit meinen Pässen für die nächsten Tage in der Tasche, kommt doch das quietschige Festival-Fanmädchen in mir raus und muss den FOH-Besuch für die Nachwelt festhalten.

 

Let the Games begin: Tonbandgerät, Gregor Meyle, Revolverheld

Hallo Freitag, hallo Festival. Ich wache wie gestochen um sechs Uhr morgens auf. Kein Wunder, später soll es 31 Grad heiß werden. So aufgeregt wie heute war ich schon lange nicht mehr. Vielleicht, weil ich zum ersten Mal seit langem nicht nur für mich selbst auf einem Festival fotografiere, sondern für den Veranstalter. Und für Revolverheld. Und dann tickere ich auch noch live für noz.de. Habe ich schon erwähnt, dass ich am frühen Nachmittag auch noch ein Interview mit Revolverheld habe? Für das ich noch diverse Requisiten besorgen will? Aber unter Zeitdruck planen kann ich ja zum Glück ganz gut.

Während Revolverheld Soundcheck haben, wandere ich mit Raoul über das Gelände, wo wir uns entschließen, das Interview im Schlossinnenhof zu machen. Hier können dann auch wirklich meine Campingstühle zum Einsatz kommen, die ich extra für diesen Zweck noch kurz vorher gekauft habe. Ein Hoch auf Summer Sales.

Wenig später kommen Jakob und Johannes vorbei und quatschen mit mir gut gelaunt über ihre Musik, alte Zeiten und gute und schlechte Fan-Momente.  Das Video seht Ihr hier ganz bald., wenn Ihr auf das Bild klickt.

Revolverheld im Interview mit LEISE/laut

 

Warum war ich noch mal so aufgeregt? Ach ja. Fotos. Liveticker. Meine Planung ist gut gelaufen, nur eins habe ich vergessen: feste Schuhe zum Arbeiten. Für meine Sandalen werden sich meine Füße heute Nacht noch bedanken, aber zum Wechseln ist keine Zeit. Während Raoul und Marie fleißig das Publikum filmen, bin ich gleichzeitig überall und nirgendwo. Vor der Bühne, hinter der Bühne, im Fotograben. Zeitweise kleben drei Pässe auf meinem Oberteil: Crew, Media, Foto/TV Revolverheld. Ich komme mir ein wenig vor wie eine fliegende Litfaßsäule.

Musik, bitte!

Während ich also mit zwei Kameras, diversen Objektiven und zwei iPhones bewaffnet über das Konzertgelände flitze, in der Abendsonne chillende Menschen fotografiere und über die Menschen im VIP-Bereich schreibe, höre ich auch noch Musik. Wer hätte das bei einem Konzert nur vermutet!

Tonbandgerät reißen das Osnabrücker Publikum mit ihren eingängig schönen Popsongs schnell aus der Hitze-Lethargie. Da wippt man einfach gerne mit, grinst über die teilweise echt witzigen Texte und lauscht den gut gelaunten Melodien, die die einstige Schülerband da auf die Bühne bringt. Tonbandgerät überzeugen mich von Auftritt zu Auftritt mehr, sowohl mit ihrer sympathischen Art als auch mit ihrer Musik. Ich bin gespannt, wo sich die Vier in den nächsten Jahren noch hin spielen werden.

Was Tonbandgerät innerhalb von ein paar Songs an Stimmung aufgebaut haben, fahren die Umbaupause und Gregor Meyle schnell wieder runter. Gregor Meyle ist ein toller Musiker, ohne Frage, aber was der Mann hier gerade abliefert, passt einfach nicht zum Publikum. Oder zum Event. Gemeinsam mit seiner Band spielt er sich sehr versiert durch viele Neuinterpretationen vieler seiner eher unbekannten Songs… und verliert damit irgendwo die Verbindung zu seinem Publikum. Manchmal macht es eher den Anschein, als ob man gerade in einer riesigen Beach Bar wäre und Meyle für die (anspruchsvolle) Hintergrundmusik zuständig. So konzentriert sich der Schlossgarten dann auch lieber auf die Cola oder Weißweinschorle als auf die Bühne und klatscht zwischen dem Schnack über das neue Auto und den bevorstehenden Urlaub eher desorientiert pflichtbewusst.

Revolverheld

Ich bin schon wieder nervös. Für mich gibt es heute nämlich eine Premiere, ich darf zum Fotografieren gemeinsam mit Revolverheld auf die Bühne. Die Bühne beim Schlossgarten Open Air ist nämlich so hoch, dass ich im Fotograben entweder die ganze Zeit mit hochgereckter Kamera im Live View fotografieren muss, oder es eben immer abgesägte Gliedmaßen gibt. Ich freue mich wie ein Kleinkind, als der Tourmanager und später auch der Produktionsleiter mir das Go geben, über den gefühlt kilometerlangen „Laufsteg“ mit auf die Bühne zu klettern. Mit jedem Schritt über die Gangway werde ich nervöser. Während auf der Bühne langsam das mir so gut bekannte Intro lauter wird, die Menge bereits begeistert klatscht und johlt, stehe ich ein kleines bisschen verloren zwischen Bühnencrew, Management und Band hinter den riesigen schwarzen Stoffbahnen der Bühnenverkleidung… und bin aufgeregter als vor meinen Diplomprüfungen, vermutlich auch aufgeregter als die Band selbst. Es ist fast so, als ob auf der anderen Seite der Bühne ein Sonnensturm aus Energie tobt, der langsam aber sicher wie eine Art positive Strahlung in meinen Nacken gekrochen ist, mir Gänsehaut bereitet und gleichzeitig doch das Herz in die Hose rutschen lässt. Wenn ich mich jetzt nicht konzentriere, fangen meine Beine auch noch an zu zittern. Wie alle anderen bekomme auch noch  einen „Viel Glück“-Faustcheck aufgedrückt und… los geht’s! (Selbst während ich das hier schreibe werde ich schon wieder nervös. Und es ist über eine Woche her!)

Revolverheld – Immer in Bewegung Tour Edition

Revolverheld geben ab der ersten Sekunde Gas. Das Publikum, welches bei Gregor Meyle noch so lethargisch war, wirkt wie ausgewechselt und lässt sich zu allen Klatsch-, Schwenk- und sonstigen Animationseinlagen hinreißen. Man spielt sich durch das aktuelle Album „Immer in Bewegung“, holt die jüngsten Fans gleich für mehrere Songs auf die Bühne und schafft es, trotz der beeindruckenden Zuschauerzahl und riesigen Bühnengröße und zwei Stunden Programm doch so etwas wie eine Art intime Bindung zum Publikum aufzubauen. Respekt. Selbst mein Vater, der Revolverheld an diesem Abend zum ersten Mal live sieht (um nach 10 Jahren auch endlich mal zu wissen, warum sich die Tochter das immer wieder ansieht), ist tatsächlich begeistert. Guter Sound, tolle Show, gute Sache.

 

Nach der Show bin ich so kaputt, dass ich erst mal eine gute Stunde auf einer Bank hinter der Bühne sitzen und drei Wasserflaschen leeren muss. Ja, bei 31 Grad im Schatten sollte man regelmäßig Wasser trinken. Und ja, das habe ich an diesem Abend vor lauter Euphorie und Fotografie teilweise einfach so vergessen.

Sommer, Sonne, Schlossgarten Open Air. Ein paar Impressionen vom Freitag. Foto: Katharina Leuck

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Saturday, July 18, 2015

 

Samstag ist Fanta-Tag

Neuer Tag, neues Konzert. Neue Energie. Irgendwo zumindest. Eine halbe Stunde vor Einlass wandere ich über das Gelände und fotografiere alles, wozu ich gestern keine Gelegenheit hatte. Meine Füße freuen sich mit ihren Blasen heute über richtige Schuhe. Noch mal darf ich mir so einen Patzer auch nicht erlauben. Anstelle der gefühlten vier Jobs des Vortags habe ich heute nur zwei: allgemeine Festivalfotos und natürlich wieder der Liveticker für noz.de. Das ist schon fast entspannt.

Überhaupt ist es heute ruhiger und entspannter auf dem Gelände, obwohl mehr Menschen anwesend sind. Während gestern vor allen Dingen Familien mit ihrem Nachwuchs im Unterstufenalter da waren, ist heute alles zwischen 25 und 55 anwesend. Die deutlich abgekühlte Luft macht dazu alles perfekt.

Den Support Seven dürfen Marie, Raoul und ich heute so viel und so lange filmen und fotografieren, wie wir möchten. Das ist gut, denn mit der hohen Bühne komme ich auch nach dem Fotomarathon für Revolverheld gestern immer noch nicht so recht klar. Der freundliche Schweizer begeistert sein Publikum mit flotten Popsongs und Soulmelodien. So sehr, dass die Zuschauer am Ende sogar lautstark eine Zugabe von ihm fordern. Zu Recht, wie ich finde. Der Herr hat wirklich großes Talent.

Mein persönlicher WTF-Grinsemoment des Abends kommt heute schon ganz früh: Während ich irgendwann ganz alleine im Bühnengraben stehe und für den Liveticker ein Foto vom Publikum mache, kitzelt mich plötzlich etwas am Hinterkopf. Erschrocken drehe ich mich um und blicke in das grinsende Gesicht von Seven, der direkt hinter mir an der Bühnenkante hockt, und mir einfach mal zum Spaß durch die Frisur gewuschelt hat. Davon hätte ich ja immer noch gerne ein Video 😉

Immer noch tight, Fanta 4

Und dann sind sie da. Andy, Smudo, Thomas, Michi rocken jetzt die ganze City. Oder eben den ganzen Schlossgarten. Dass die Herren mittlerweile alle um die 50 Jahre alt sind, merkt man ihnen nicht an. Mit einer wahnsinnigen Energie fliegen sie von einer Seite der Bühne zur anderen, machen Faxen für die Kamera und scherzen mit dem Publikum. Ihre riesige Liveband sorgt für die perfekten Soundbetten und so feiert sich Osnabrück mit den Schwaben durch den Abend. Ich bin selbst erstaunt, wie viele Songs ich mitsingen kann, obwohl ich mich eigentlich nie als klassischer Fan bezeichnen würde, wenn es zu den Fantas kommt. Man mag sie halt einfach. Muss sie mögen. Besonders, wenn man die Qualität sieht, die sie da auf die Bühne bringen.

Nach den üblichen drei Songs im Graben, stürme ich mit einem anderen Fotografen zusammen zum FOH. Noch einmal klettern. Mit meinem Crew-Pass darf ich das ja. Im Vergleich zum Donnerstag stehen die Leitern heute etwas „kletterfreundlicher“, ist aber immer noch steil wie ein Baumstamm. Nichts für Menschen mit Höhenangst. Während wir beide noch entspannt unsere Bilder machen, hört man es plötzlich unter uns rumoren. Binnen weniger Augenblicke verwandelt sich die „Loge“ der Beleuchter hier oben zu einem Wespennest aus hektischen Fotografen, die sich gegenseitig im Weg stehen und die Männer hinter den Spots ganz schön in Bedrängnis bringen. Das ist mir nun wirklich zu doof. Ich klettere wieder nach unten und fotografiere lieber wieder die Menge von vorne. Gesichter sind eben doch schöner als Hinterköpfe. Unten lasse ich mich durch die Menge treiben, fotografiere, tanze. Ein wirklich schöner „Arbeitstag“.

Die Eindrücke sind noch frisch und wir sind immernoch sehr geflasht von dem Schlossgarten Open Air Osnabrück 2015!Vielen Dank an das tolle Publikum, die wunderbaren Bands und allen fleißigen Menschen,die dies erst möglich gemacht haben!Kamera & Schnitt: Marie Katzer, Raoul Nikulla

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Monday, July 20, 2015

Und so insgesamt?

Insgesamt bin ich wirklich froh darüber, dass es in Osnabrück endlich wieder ein musikalisches Großereignis gibt, bei dem auch Bands hier her kommen, die sonst aufgrund der miserablen Hallensituation sonst einen Bogen um die Stadt machen. Das Festival war super organisiert, die Stimmung großartig und die Tickets (vor allem die VIP-Tickets) ihr Geld wert. Ich bin schon gespannt aufs nächste Jahr.

Foto: Katharina Leuck

Posted by Schlossgarten Open Air Osnabrück on Sunday, July 19, 2015

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