Freifeld Festival Oldenburg – Der Ticker vom Samstag

Der Duft von Sonnencreme liegt überall in der Luft. Eigentlich wollte ich gestern schon auf dem freifeld Festival in Oldenburg ankommen, aber mein Kreislauf hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also bin ich heute erst angekommen und genieße diesen wunderschönen Sommertag auf dem Festivalgelände der ehemaligen Donnerschwee Kaserne. Ich versuche, den Tag in einem kleinen Ticker festzuhalten. Lest mit! Der neueste Post steht oben.


23:42 Uhr: Wie ich es mir gedacht habe, das Duo I’m not a Band kann die Stimmung nicht so intensiv aufbauen wie Testsieger. Dafür ist die Art Elektro des nicht Band Duos einfach zu speziell. Eher etwas düster melancholisch angehaucht, gleichzeitig auch etwas fragil durch die schöne Stimme der Sängerin. Dabei ist das auch wirklich recht beeindruckend, was die beiden da alles für Instrumente mit ins Spiel bringen. Zwei echte Geigen sind bisher mein Highlight. 
Gleich geht’s in den freifeld Clubs in den alten Kasernengebäuden weiter. Ich bin gespannt, was da noch so geboten wird und wie lange ich durchhalte.

23:13 Uhr: Die Festivalleitung vermeldet soeben ausverkauft! Das hätte wohl heute Nachmittag noch niemand gedacht, aber nun ist es vor der Bühne rappelvoll und die Party ist extrem gut im Gange. Hinter mir feiert ein wilder Mob den letzten Song von Testsieger, bevor es gleich zur letzten openair Session des Tages auf der Kasernenbühne geht. Dort spielen gleich I’m Not a Band. Ich bin gespannt, ob die Testsieger von der Stimmung her noch toppen können.

22:37 Uhr: tanzend zu bloggen ist gar nicht so einfach! Gerade spielen Testsieger auf der der Wiesenbühne und reißen hier ordentlich einen runter. Und das, obwohl die Lautstärke zum Schutz der Nachbarn schon erheblich reduziert werden musste. Die Truppe, die man am ehesten neben frittenbude und Co einsortieren kann, macht fett Laune mit treibenden Elektro/Technobeats, guten Texten und nem schicken live Schlagzeug. So macht das Laune. Ich muss weiter feiern!

21:38 Uhr: Zum ersten mal heute ist es vor einer Bühne so richtig, richtig voll. Golden Tears machen richtig guten, fein melodiösen Indie Elektro Krams, auf den man schon mal ordentlich abgehen kann. Zuvor hat Me and Oceans solo ein beeindruckendes Set hingelegt, ein Highlight war die Polonäse Hommage an Klaus und Klaus. So ganz anders, so Super gut. 
Übrigens, ein paar Menschen sind mit den Fahrrad gekommen, so wie das freifeld es sich gewünscht hat. Das Bild zeigt höchstens ein Fünftel der Drahtesel auf dem Radler-Parkplatz. 


20:06 Uhr: Woran erkennt man, dass Musiker zu viel Big Bang Theory gucken? Genau, sie bauen ein Theremin in ihre Show mit ein – oder im Fall von Mikrofisch hat die Band dem schrägen Instrument sogar einen Song gewidmet. Mit ihrem Elektropop ist das Trio für meinen Geschmack etwas zu tief in den Achtzigern stecken geblieben und bei der Sängerin weiß man nicht, ob sie sich da gerade selbst verschaukelt. Aber wenn man ein Genre so sehr liebt, dann soll man seine liebe auch ausleben. Und immerhin steht noch eine Handvoll Menschen vor der Bühne.

Ein Abendgruß von der Wiesenbühne:


19:34 Uhr: Die Meute hat Hunger! Die Schlange beim Inder und Wutburger hat Dimensionen vom Handbrot beim Hurricane angenommen.
Vielleicht sollten beim nächsten mal zwei oder drei Fressbuden mehr an den Start kommen, dann würde es sich vielleicht etwas besser verteilen zu den Stoßzeiten. Übrigens, ich habe Fleisch gefunden. An der Grenze zum Gelände gibt es einen zünftigen Biergarten, indem es auch Currywurst und Fischbrötchen gibt. Für 1,50 €. Das sind faire Preise. 
Musikalische Überraschung für mich waren gerade Long Voyage. Das deutsch-kanadische Duo verzauberte buchstäblich mit fragil akustischen Gitarrenklängen und harmonischem Gesang. Die Wiesenbühne ist eindeutig die chilloutzone des Festivals, vor der Kasernenbühne darf auch getanzt werden. Und da geht es jetzt erst mal mit Mikrofisch weiter.

19:01 Uhr: Die Groove Garderobe hat nicht zu viel versprochen: sie hat gegroovt. Mit sehr feinem handgemachten deutschen Hiphop, Bläsern und Party Attitüde. Ganz angesehen habe ich mir den Auftritt allerdings schon wieder nicht, weil mich ein kleiner unscheinbarer Eingang neben der Bühne mit einem Pfeil und der Aufschrift „Ausstellung“ magisch angezogen hat. Hinein in den Schlund der Donnerschweer Kaserne, hinein in die verlassenen langen Gänge des uralten Gebäudes. In einem ganzen Flügel hat das Freifeld Team hier eine wirklich beachtliche Kunstausstellung zusammengestellt. Moderne Malerei, Installationen und auch verstörende Dinge. Ein Künstler hat beispielsweise Obst und Gemüse hinter Glas auf Leinwand verschimmeln lassen. Äh.. Ja… Vorsichtshalber stand unter den Bilder auch ein kleiner Raumduftspender. Besser ist das wohl. 
Ach ja, falls ihr euch immer schon mal gefragt habt, was man alles aus Klebeband erschaffen kann: 

17:58 Uhr: Ich habe ein Tshirt gedruckt! Ok, ich habe es bedrucken lassen und mir nur das Oberteil aus der etwas merkwürdigen Auswahl ausgesucht. Hätte ich gewusst, dass man auch eigene Kleidungsstücke bedrucken lassen kann, hätte ich etwas entsprechendes mitgebracht. Jetzt trocknet es gerade in der Abendsonne, während ich vor der Wiesenbühne im Gras sitze und Petula lausche. Ein sympathischer junger Typ aus Berlin, der mit minimalem Indie-Pop mit elektronischen Enflüssen für eine absolut relaxte Stimmung sorgt. 
Überhaupt muss das Freifeld Festival wohl das entspannteste Festival sein, auf dem ich in diesem Jahr bisher war. Es gibt kaum Betrunkene. Gut, wenn ich das näher betrachte, trinkt hier tagsüber so gut wie niemand überhaupt alkoholhaltige Getränke. Entsprechend fehlen hier auch die sonst so typischen Festival Krawallkinder. Denen ist das hier definitiv eine ganze Nummer zu anspruchsvoll. Den Nachmittag über sieht man hier weitestgehend Menschen Anfang 20 bis Mitte 40, viele haben ihre Kinder dabei, die die ganzen Workshops und Angebote auch extrem neugierig begutachten. Einige haben Häkeln gelernt oder auch mit mir die Garderoben aus Besteck gebaut. 
Auf der Kasernenbühne geht es jetzt mit der Groove Garderobe weiter. Da soll es wohl etwas flotter zugehen. Schauen wir doch mal vorbei.

16:37 Uhr: Man hat das Gefühl, das ganze freifeld Festival stünde im Zeichen des Selbermachens und selbst ausprobieren. Die Musik rückt hier am Nachmittag regelrecht in den Hintergrund und ich muss sagen, es stört kein bisschen. Gerade steht noch das Duo Mona la Phona auf der Wiesenbühne und untermalt das allgemeine Relaxen auf dem Festivalgände mit melancholischem Mädchen-SingerSongwriter-Pop.
Nach meinem Upcycling-Abenteuer bin ich weiter auf Erkundungstour gegangen. Essen gibt es ausschließlich selbstgemachte vegetarische und vegane Speisen (ich habe indisches Dal Hall gegessen und bin begeistert), und sogar seine Getränke kann man sich hier selbst machen. Charitea bzw. Lemonaid+ haben hier einen Stand, an dem man sich die Limonade nach Belieben selbst zubereiten kann. Da habe ich mich natürlich nicht zweimal bitten lassen und nuckele nun an einer leckeren Bio Limo. An der anderen Bühne ist noch ein Stand, an dem man sein eigenes Festival merch Siebdrucken kann. Da schaue ich als nächstes mal vorbei 🙂

14.45 Uhr: Ich versuche mich ebenfalls im Upcycling. Bei den Jungs einer Fahrradwerkstatt kann man an einem umgebauten alten Krankenwagen nützliches und hübsches aus alten Fahrradteilen und anderem Schrott bauen, der sonst beim Sperrmüll gelandet wäre. Im Angebot sind Gürtel aus alten Fahrradschläuchen und Reifen, hängende Gärten aus ausgemusterten Seilzügen und PET Flaschen oder Garderoben/Schlüsselbretter aus altem Besteck und alten Brettern. Ich habe mich für letzteres entschieden und biege gut eineinhalb Stunden an einem Schraubstock an alten Gabeln und Löffeln herum. Da wir uns den Schraubstock auch noch mit den Gürtelmenschen teilen müssen, fehlen mir noch zwei Gabeln. Aber das Zwischenergebnis kann sich schon sehen lassen. Was meint Ihr?

13.37 Uhr: Das Freifeld Festival ist wahrlich kein Festival wie jedes andere. Statt einem klaren Musikfokus gibt es hier ein Programm aus allen Kulturbereichen: Musik, Literatur, Kunst, Film und Performance. Hinter jeder Ecke lässt sich etwas neues entdecken. In der ehemaligen Kantine und Küche ist eine überraschend umfangreiche Ausstellung unterschiedlichster Illustrationen regionaler Künstler, die Kühlräume sind zum Teil in ganze Installationen verwandelt worden. In den alten Panzergaragen versteckt sich ein Theater und ein Kino, auf den Rasenflächen zwischen den Gebäuden sonnen sich die Besucher, versuchen sich im Upcycling oder Hulahoop, lassen Drachen steigen oder lauschen vor der Wiesenbühne den Kurzgeschichten und Gedichten junger Nachwuchsschriftsteller. Später am Abend spielen hier die Bands.

Ein Fazit

Was für ein absolut niedliches, gelungenes, super liebenswertes Festival! Es mag jetzt vielleicht übertrieben klingen, aber für mich persönlich war das Freifeld Festival in diesem Jahr definitiv das schönste Festival, das ich besucht habe. Das Gelände, die Liebe für’s Detail, das abwechslungsreiche, überraschend vielfältige Programm, all die netten und entspannten Menschen… Da konnte man ja gar nicht anders, als sich ein bisschen zu verlieben. Beinahe an jeder Ecke, mit jeder noch so kleinen selbstgebastelten Dekoration hat man richtig spüren können, wie viel Herzblut in dieser Veranstaltung steckt. Da kann man nur hoffen, dass diese tolle Veranstaltung im nächsten Jahr wieder stattfindet und sich diesen großartig unkonventionellen Geist bewahrt. Bis hoffentlich 2014! 

2 Gedanken zu „Freifeld Festival Oldenburg – Der Ticker vom Samstag“

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