Throwback: Meine Lieblingsbilder vom Popsalon 8 – Freitag

Er ist schon wieder ein paar Monate her, der Popsalon 8 in Osnabrück. Es ist das schönste Clubfestival, das die Stadt zu bieten hat. Zwischen Musik, Lesungen und Party war ich für noz.de drei Tage lang mit Stift und Kamera unterwegs. Dabei sind ein Haufen schöner Bilder entstanden, die ich der Welt nicht vorenthalten möchte. Gut, sie sind teilweise auch schon mal auf noz.de veröffentlicht worden, aber es ist nie der falsche Zeitpunkt, um ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen. Hier sind meine Lieblingsbilder vom Freitag.

Zwischen Literatur und Party: Zweiter Tag des Popsalon

Der zweite Tag des Popsalon hat am Freitagabend in Osnabrück mit einer bunten Mischung zwischen Literatur, Pop und Party das Wochenende eingeläutet. Trotz des schlechten Wetters pendeln die Besucher gut gelaunt zwischen Lagerhalle, Haus der Jugend, Stadtgalerie Café und Kleiner Freiheit hin und her – zu Fuß, per Rad oder Shuttlebus.

Thorsten Nagelschmidt
Thorsten Nagelschmidt liest aus seinem Buch „Der Abfall der Herzen“. Foto: Katharina Leuck

Premiere: Zum ersten Mal sind beim Popsalon auch Autoren vertreten. Damit Thorsten Nagelschmidt, bekannt als Nagel von der Punkband Muff Potter, in Ruhe aus seinem autobiografischen Werk „Der Abfall der Herzen“ lesen kann, geht es heute schon ungewohnt früh in den Abend. Das stört die Popsalon-Bersucher jedoch nicht. Bereits um 18 Uhr ist das Stadtgalerie Café rappelvoll, jeder Sitzplatz besetzt und jeder Quadratzentimeter Wand zum Anlehnen belegt. Statt Bier schlürft man Kaffee, statt Pommes gibt es Kuchen. Wer kurz nach Beginn der Lesung noch rein will, wird freundlich auf später vertröstet. Ausverkauft. Diejenigen, die einen Platz ergattern konnten, lachen herzlich über Nagelschmidts Anekdoten über seinen Sommer 1999 in Rheine. 

Die Höchste Eisenbahn unterstützte spontan Thorsten Nagelschmidt bei seiner Lesung. Foto: Katharina Leuck

Nach der Lesung, bei der die Band Die Höchste Eisenbahn mit einem Gastauftritt überrasche, haben die Besucher die Qual der Wahl: Um 20 Uhr irische Singer-Songwriter-Musik von Ryan O’Reilly im Haus der Jugend oder thematisch kontroverse Lieder vom kanadischen Wahl-Berliner Sam Vance-Law in der Lagerhalle. Diejenigen, die es ins Haus der Jugend zieht, bekommen den klassischen Singer-Songwriter mit viel Humor und leichtem Country-Appeal zum Träumen. In der Lagerhalle unterhält Sam Vance-Law sein aufmerksames Publikum mit kompletter Band und kurzweiliger Musik vollgepackt mit Geschichten aus seinem Leben als homosexueller Musiker. Beide Pop-Varianten kommt jeweils auf ihre ganz eigene Art in den gut gefüllten Locations bestens an.

Ryan O’Reilly verzauberte sein Popsalon-Publikum im Haus der Jugend mit viel Humor und irischer Singer-Songwriter-Musik. Foto: Katharina Leuck

Ein guter Indikator für den Füllstand des jeweiligen Saals sind die vor der Tür geparkten Fahrräder.  Als Die Höchste Eisenbahn im Haus der Jugend in ihr Set starten, sieht es draußen fast so aus, als gäbe es in Osnabrück keine Autos. Entsprechend kuschelig ist es drinnen. Das Publikum feiert die Popmusik für Erwachsene.

Die Höchste Eisenbahn überzeugte mit ihrer Popmusik für Erwachsene beim Popsalon 8. Foto: Katharina Leuck

Wer dagegen keine Lust auf deutschprachigen Pop hat, wandert in die Lagerhalle: Hier animiert der Belgier J. Bernardt mit markanter Stimme, elektronischen Spielereien, starken Beats und jeder Menge Energie zum Tanzen und stimmt so auf den Rest der Nacht ein.

J. Bernardt brachte das Publikum in der Lagerhalle zum Tanzen. Foto: Katharina Leuck

Die wird der Popsalon tanzend zu Hiphop von Johnny Rakete und den offiziellen Aftershowpartys in Kleiner Freiheit und Glanz & Gloria ausklingen lassen.

Johnny Rakete brachte Reime im Old-School-Hiphop-Style zum Popsalon. Foto: Katharina Leuck

Kontrastreicher Singer-Songwriter-Pop

„Ich bin heute zum ersten Mal in Osnabrück“, verrät Ryan O’Reilly zu Beginn seines Sets. Allein mit seiner markanten, leicht rauchigen Stimme, Mundharmonika und Akustikgitarre wickelt der gebürtige Ire sein Publikum im Haus der Jugend mühelos um den kleinen Finger. Verträumt lächelnd lauscht man hier seinen Songs, in denen der Wahlberliner mit viel Humor, Charme und Gefühl kleine Geschichten erzählt, mit denen sich anscheinend viele Zuhörer im Raum identifizieren können – inklusive des Gefühls, per Facebook herauszufinden, dass der oder die Ex neu vergeben ist. O’Reilly überzeugt beim Popsalon durch gewitztes Songwriting mit leichtem Country-Appeal, starke Melodien und charismatisch authentischer Bühnenpräsenz. Trotz oder Dank seines minimalen Setups gelingt es dem sympathischen Struwwelkopf, den großen Saal des Haus der Jugend für eine Stunde in ein großes Wohnzimmer zu verwandeln.

Sam Vance-Law verpackte kontroverse Themen in charmanten Pop-Melodien. Foto: Katharina Leuck

Parallel zu Ryan O’Reilly steht in der Lagerhalle Sam Vance-Law auf der Bühne, dessen Programm unterschiedlicher nicht sein könnte. Der aus ursprünglich aus Kanada stammende und ebenfalls in Berlin lebende Musiker wird an diesem Abend von seiner dreiköpfigen Band begleitet. Verpackt in poppig bunte Indie-Hüllen und filigran konstruierte Klangwelten präsentiert Vance-Law kontroverse Geschichten aus seinem Album „Homotopia“.

Sam Vance-Law verpackte kontroverse Themen in charmanten Pop-Melodien. Foto: Katharina Leuck

Dort beschreibt er provokativ und gleichzeitig humorvoll Anekdoten. Trotz kleinerer Pannen beweist der Singer-Songwriter große Virtuosität an Piano und Violine sowie mit seiner ebenfalls vielseitig starken Stimme, die seinem Set hin und wieder einen leichten Hauch von Musical verleiht.

 

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