CD Review mal persönlich: Revolverheld mit „Immer in Bewegung“

Revolverheld sind zurück. Drei Jahre lang haben sie sich für ihr neues Album Immer in Bewegung Zeit gelassen, eine lange Pause gemacht und sich in Teilen solo ausprobiert. Jetzt ist die Platte schon seit dem 20. September am Start, hat vergangene Woche die Top 10 geentert und ist …anders. Ob gut oder schlecht anders? Da müsst Ihr schon klicken und…

Weiterlesen!

Wer LEISE/laut bereits seit den Anfängen verfolgt, und sich auch hin und wieder in die Galerien meines Flickr-Accounts verirrt, hat sicher schon längst gemerkt, dass mich persönlich die Musik und die Konzerte von Revolverheld bereits seit vielen Jahren begleiten. Und gerade wenn man so wie ich so sehr mit der Musik einer Gruppe vertraut und auch irgendwo ein Stück erwachsen geworden ist, fällt es einem manchmal im ersten Moment besonders schwer, die richtigen Worte für eine neue Platte zu finden. Gerade, wenn man nicht nur ein klassisches „Fan-Urteil“ im Sinne von „alles super, alles toll, egal wie“ abgeben möchte. Also habe ich mir ein wenig länger als gewohnt Zeit gelassen, um mit mir und meinen Worten zu Immer in Bewegung eins zu werden. Dass dies mit meiner Vorgeschichte also trotzdem wohl keine vollkommen objektive Review sein kann, sei mir bitte verziehen 😉

Foto: Benedikt Schnermann

Heavy Rotation. Die Single „Das kann uns keiner nehmen“ wird nun schon seit Wochen auf allen Radiosendern hoch und runter gespielt. Ein guter Platz in den Airplay Charts ist wohl gesichert. Es gibt so gut wie keinen Radio- und halbwegs vernünftigen TV-Sender, der nicht von den inzwischen nur noch vier Hamburger Musikern im vergangenen Monat besucht wurde. Talks, Interviews, Akustiksets, Show-Auftritte. Nach einer so langen medialen Pause bin ich kaum noch daran gewöhnt, die mir so bekannten Gesichter jetzt wieder so häufig über die Mattscheibe flimmern zu sehen. Es erinnert mich an früher, an die alten Zeiten, als wir fast sämtliche Tourtermine auswendig kannten, mein Auto mit Stickern, Flyern und allerhand anderem Promo-Material diverser Bands vollgestopft war, ich als Streetteam-Mädchen durch die Gegend fuhr und wir so neben der Uni manchen Praktikanten bei diversen Radiosendern nahezu in den Wahnsinn getrieben haben. An die Tage, an den man auf der Suche nach sich selbst dachte, man könne mit der „Generation Rock“ die Welt erobern und dass man „Nie Erwachsen“ würde.

Heute ist alles doch ein wenig anders. Aus der Möchtegern-Rebellischen „Generation Rock“ ist nach fast 10 Jahren wohl eher eine solide Generation Pop geworden. Doch erwachsen. So scheint es zumindest, wenn ich mich selbst betrachte und Immer in Bewegung von Revolverheld höre. Vor gut fünf Jahren hätte ich das sicherlich schrecklich gefunden, aber man selbst verändert sich ja nun auch einfach. Man feiert zwar auch noch mal ein Wochenende durch, aber doch nicht mehr jedes. Und dann sind da plötzlich tatsächlich manchmal doch so ernsthafte Dinge wie Job, neue Wohnung und bei manchen sogar Familie. 

Ist das etwa Spießig?

Klingt spießig? Ein bisschen vielleicht. Aber das muss nun ja nicht sofort etwas schlechtes bedeuten,  schließlich bewegt sich ein großer Teil der deutschen Bevölkerung in Varianten dieser mehr oder weniger klassischen Lebenskonstrukte. Also ist es vielleicht auch eher eine gewisse Bodenständigkeit, die da plötzlich sichtbar wird. Und jetzt gibt es eben genau für so eine erwachsene, bodenständige Generation Pop sozusagen den Soundtrack. Von Revolverheld. Songs für jede Lebenslage eines Anfang- und Mitt-Dreißigers, der zwar schon einiges erreicht hat, aber vielleicht noch nicht so Recht am Ziel angekommen ist, und hin und wieder doch schon mal etwas sehnsüchtig auf seine „Jugend“ zurückblickt.

Denn das können die Revolverjungs mit Frontmann Johannes Strate auch auf ihrem vierten Album weiter richtig gut: Songs schreiben, mit denen man sich in einem gewissen Lebensabschnitt identifizieren kann, verpackt in Melodien, die meistens einfach schlicht und ergreifend schön sind und im Ohr bleiben. Auch wenn die Texte stilistisch jetzt nicht gerade unbedingt immer einen Literaturpreis verdient hätten, die Stories und Bilder stimmen und ich kaufe sie ihnen sofort ab. Manche sind niedlich („Ich lass für dich das Licht an“), in manchen finde ich mich auch ein bisschen wieder (z.B. „Bands deiner Jugend“), bei manchen singe ich plötzlich mit, und weiß eigentlich gar nicht so recht warum. Aber an manchen Tagen will ich die Welt auch gar nicht verstehen, gar nicht unbedingt um die Ecke denken oder mich in wilden Metaphern und Tonexperimenten verlieren.

Auch die musikalischen Rahmen zu all den bunten Bildern des Lebens in den Stücken sind bei genauem Hinhören an vielen Stellen mit sehr viel Liebe für’s Detail sehr aufwändig abgesteckt. Da entdeckt man plötzlich Vocal Percussion und die Posaune von Helgi Jonsson, die es auch schon in anderer Form auf Johannes‘ Soloalbum zu hören gab. An anderen Stellen wurde ebenfalls groß gefeilt und geschraubt. Die Hand von Produzent Philipp Steinke, der auch für den Sound von Boy mitverantwortlich ist, erkenne ich inzwischen sehr gut und mag sie meist sehr gerne. Manchmal klingt das auf dieser Platte sogar ein bisschen nach Coldplay. Da gibt’s einen ähnlichen Hang zu Hymnen und gleichzeitig hochemotionalen eher kompakt gehaltenen Stücken.

Doch nicht so ganz erwachsen

Insgesamt ist Immer in Bewegung ein sehr rundes, sehr harmonisches Album, bei dem ich bisher noch kein kategorisches Skip-Stück habe (und auch noch keine Anwärter), wie das bei den anderen Alben nach einer Weile irgendwann der Fall war. Vielleicht ist das aber auch gerade der Punkt, weshalb ich die Platte aber trotzdem „nur“ solide „schön“ finde und nicht sofort jeden Song bildlich gesprochen sofort einfach umarmen möchte (dafür aber viele kleine Detailpassagen). Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit meinem Finger auf das Warum tippen konnte. Streckenweise fehlt mir wohl aber tatsächlich ein wenig der Wumms der älteren Platten. Ein paar mehr Ecken und Kanten wie bei „Wir schmeißen unsere Herzen ins Feuer“, das mich genau an die alten Zeiten erinnert, hätten ruhig sein dürfen. Ein kleiner Teil von mir ist eben vielleicht doch noch nicht so ganz erwachsen geworden. Und von den Konzerten weiß man, dass die Revolverhelden wohl auch so einen kleinen Teil in sich tragen, denn da hatten sie den Wumms bisher weiterhin im Gepäck. Ich würde mich freuen, wenn der bei der Tour im März auch wieder auf der Bühne herumspringt 😉

Revolverheld mit Immer in Bewegung bei Spotify

Revolverheld auf Tour

Im März 2014 gehen Revolverheld wieder auf ausgedehnte „Immer in Bewegung“ – Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Hier die Daten:
12.03.2014 Köln, E-Werk
13.03.2014 Saarbrücken, Garage
14.03.2014 Bremen, Aladin
15.03.2014 Berlin, Huxleys
16.03.2014 Dortmund, FZW
18.03.2014 Leipzig, Werk II
19.03.2014 München, Tonhalle
20.03.2014 Stuttgart, LKA Longhorn
21.03.2014 CH-Zürich, Komplex Klub
22.03.2014 A-Wien, Szene
25.03.2014 Frankfurt, Batschkapp
26.03.2014 Hannover, Capitol
27.03.2014 Münster, Skaters Palace
28.03.2014 Hamburg, Sporthalle
Alle Infos auf www.revolverheld.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert