Laut und familiär – Das Reload Festival 2013

Bestes Wetter, großartige Musik und bestens gelaunte Menschen auf einem Festival, das man einfach nur als gemütlich bezeichnen kann. So war’s vergangenes Wochenende auf dem Reload Festival in Sulingen. Ich war mit Karsten für den Terrorverlag dabei. Wunderfeinste Fotos von den ganzen Bands gibt es dort zu sehen.


Freitag

Marathonmann aus München spielen gerade ihre letzten drei Songs, als ich mit dem Auto nach der Arbeit bei angenehm sonnig-bewölkten Festivalwetter über die aufgeweichte Wiese des Crew- und Presse-Campingplatzes holpere. In den Tagen zuvor hat es hier ordentlich geschüttet, sodass man in der Mitte der Wiese noch kleine Papierschiffchen auf einem kleinen Tümpel schwimmen lassen könnte. Einige Autos haben sich bereits fest gefahren und warten auf trockenere Zeiten. Zum Glück liegen noch die Gummistiefel vom Hurricane Festival im Kofferraum. So bleibt mir zumindest beim Zeltaufbau ein unfreiwilliges Schlamm-Catchen erspart.
Frisch angekommen auf dem Festival. Ich bin zu
bunt angezogen. Definitiv.

Also auf zum Festivalgelände. Die Wege sind kurz, die Securities am Einlass extrem höflich, was will man mehr. Auf der Bühne schreit sich gerade die, Achtung, Frontfrau von iwrestledwithabearonce die Seele aus dem Leib. Der ganze Auftritt der Mathcore-Band aus Louisiana wirkt ein wenig wie eine Seite aus einem mittelmäßigen düsteren Manga-Comic. Laut, dunkelbunt, gut gemeint, irgendwie auch ganz amüsant, aber bei der Umsetzung gibt’s noch Luft nach oben. Gerade in den ruhigeren, melodischen Passagen sitzen die Töne nicht so recht und gehen in einem Wust aus Gitarre und Schlagzeug auch schon mal unter. Dabei freue ich mich doch ein bisschen, dass sich bei dem Festival tatsächlich eine Frau auf die Bühne traut.

Trotzdem guckt man sich da doch lieber noch mal das kulinarische Angebot auf dem Gelände an. Sehr löblich: Neben typischen Currywurst-Pommes-Angebot und dem für das Reload-Festival schon obligatorischen Spanferkel am Spieß, gibt es in diesem Jahr unter anderem auch noch frische (auf Wunsch vegane) Falafel, riesige Burritos und Handbrot. Lecker! Da werden sogar Vegetarier glücklich. Während ich mich stärke, geben sich vorne gerade Slime die Ehre. Die Altpunks sind in ihrem Element, grölen zusammen mit dem Publikum ihre Parolen und Texte. „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ darf da bei dem halbstündigen Auftritt natürlich nicht fehlen. Der Meute im Pit gefällt das, besonders die älteren Nummern werden mit viel Pogo abgefeiert.

Kein Wunder also, dass es wenig später bei The Gaslight Anthem wieder um einiges leerer ist. Man muss sich eben für Hatebreed ausruhen. Da passt es auch ganz gut, dass sich der Schlamm der vergangenen Tage vor Bühne durch die Sonne in eine merkwürdig feste, aber immer noch leicht feuchte Masse verwandelt. Man sackt zwar ein, wird aber nicht wirklich dreckig. Wie praktisch. Es ist fast so, als ob man auf einer großen Memory-Schaum-Matratze steht. Der Rücken freut sich, meistens zumindest. So wird das Set von The Gaslight Anthem dann auch zu einer sehr gemütlichen Angelegenheit. Musikalisch zeigt sich die Band rund um Sänger Brian Fallon von ihrer professionellen Seite. Die Songs sitzen alle fast perfekt, inklusive Ramones- und Social Distortion-Cover. Allerdings schmeckt es dem Herrn Fallon offensichtlich nicht so recht, dass das Publikum ihm nicht aus der Hand frisst und sich eher zurückhaltend gibt – wenn man mal von den x Crowdsurfern absieht, die aus allen Himmelsrichtungen in den Graben geflogen kommen.

Vielen Besuchern ist die Musik einfach zu soft und sind mit den vergleichsweise sanften Gaslight-Klängen nicht so einfach zu begeistern, wie die Band das normalerweise gewohnt ist. Aber wenn man ja auch eigentlich auf Hatebreed wartet, ist das kein Wunder. Die donnern dann auch pünktlich um 23.45 Uhr los. Mit einem Hardcore-Unwetter brettern sie ab dem ersten Ton wie wahnsinnig nach vorne, unaufhaltsam, immer volle Kraft voraus. Hunderte Hände recken sich zum Metal-Horn geformt gen Himmel und skandieren voll Inbrust die Lyrics mit, bevor im Pit die Hölle losbricht. Circle Pit, Windmills, eine Gummipuppe, das volle Programm. Und während Hatebreed schließlich Slayer covern, wehen dazu immer wieder kleine Seifenblasen über den Platz.

Wer nach Hatebreed noch nicht vollkommen erledigt ist, feiert in der Aftershow Area weiter. Im Zelt dort spielen gerade noch Massendefekt ihre letzte Handvoll Songs und sorgen da noch mal richtig für Partystimmung. Nach so vielen Metal- und Hardcore-Gewittern den Abend über ist der Punk & Roll der niederrheinischen Band für mich eine willkommene Abwechslung. Wegen mir könnten die Jungs auch ruhig noch etwas länger spielen, aber Crushing Caspars stehen ja auch noch auf dem Programm. Für die reicht dann aber nachts um 2.30 Uhr meine Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr, sodass ich mich doch lieber in meinen Schlafsack verkrümele.

Samstag

Nach einer kalten Nacht knallt die Sonne schon in den frühen Morgenstunden auf mein Zelt und schmeißt mich bereits um 8 Uhr aus dem Schlafsack. Erst mal Frühstück besorgen. Zur Wahl steht da einmal das Frühstücksbuffet im Partyzelt für 5 Euro – oder ein kleiner Ausflug in den Ort. Da ich keine Lust habe, irgendwo anzustehen, schnappe ich mir mein Longboard und düse los, Mission: Finde das E-Center. Das ist dann auch gar nicht so weit entfernt wie gedacht. Gerade mal 10 Minuten brauche ich vom Platz aus und komme unterwegs sogar noch an einem Freibad vorbei. Sowas nennt man dann wohl optimale Gelände-Lage für ein Festival.

Überhaupt scheint das Festival in Sulingen vollkommen angekommen und und seinen Bewohnern absolut akzeptiert zu sein. Der Edeka hat seinen Vorrat an unterschiedlichsten Dosenbier-Sorten aufgestockt, das Freibad lässt Reload Besucher für faire 1,50 Euro duschen und in die Fluten springen. Zwei ältere Herren auf dem Fahrrad zeigen mir ungefragt den Weg zum Supermarkt und bieten sogar an, mich auf meinem Board den Berg hinauf zu ziehen. Das habe ich als Festivalgänger in anderen Orten schon ganz anders erlebt.

Das etwas andere Frühstücksbrett. Oder Tablett. 

Dank der anschließenden ausgiebigen Frühstücksorgie verpassen wir die Reload Bandwettbewerb-Gewinner Bonez aus Wuppertal, die heute den Festivalreigen eröffnen dürfen. Dank einer Lautstärkemessung vom Ordnungsamt verzögert sich hiernach der Spielplan erst einmal um gut 10 Minuten. Hacktivist stört das kein Stück. Die Briten soundchecken im Anschluss so lang, dass sich die Fotografen im Graben fragen, ob denn heute überhaupt noch gespielt wird. Nach einer gefühlten Ewigkeit legen sie dann aber doch los. Leicht hyperaktiv rasen die fünf zu ihrer Musik über die Bühne, ganz so als müssten sie wettmachen, was dem noch etwas verschlafenen wirkenden Publikum an Energie fehlt. Bei den dicken Rap/Nu-Metal-Wänden fühlt man sich gleich an den Anfang des Jahrtausends zurück versetzt. Es wirkt fast so, als hätte man Linkin Park mal ordentlich in den Arsch getreten und dann aber irgendwie heimlich doch noch Bloc Party für ein bisschen Abwechslung mit ins Schlauchboot geholt. Optisch jedenfalls.

Optisch erinnern Eskimo Callboy mit ihren geradezu durchchoreographierten Headbang-Moves und blutigen Tierkostümen dagegen eher an eine, dem System entflohene, Boyband. Mit ihrem Porno-Metal/Trancecore machen sie schon am Nachmittag den Platz voll und bringen die Menge komplett zum Ausrasten. Die Grabencrew von OKS freut sich da besonders über die 150 Meter Gartenschlauch, die endlich geliefert worden sind, und machen die Meute beim Moshen erst mal ordentlich nass. Eskimo Callboy ist definitiv eine Band, die polarisiert: „Achte bloß niemals auf die Texte. Die sind echt zum Kotzen,“ erzählt ein Mädchen neben mir ihrer Freundin, die sich über die Energie auf der Bühne freut. Einzelne Festivalbesucher nehmen die Texte dabei nahezu wörtlich. Als Frontmann Sushi die Menge dazu auffordert sich hinzuhocken, bleibt ein Typ in der Mitte stehen und lässt es sich und seinem besten Freund eindeutig ein klein wenig zu gut gehen. In der Textzeile zuvor lautete es unter anderem „this is not a lollipop“.

Zu Fiddlers Green ist es wieder etwas leerer, doch das tut der Stimmung beim Set der Irish Folk Punks keinen Abbruch. Wer bei diesen Herren keine gute Laune bekommt, ist selbst Schuld. Zu den Emil Bulls zieht es dann schon wieder ein paar mehr Leute. „Here Comes the Fire“, „The Most Evil Spell“, „Battle Royal“ – Die Jungs aus München wissen, was sie für Menge gleich zu Beginn spielen müssen, damit der frühe Abend direkt zur Emil Bulls-Partysause wird. Publikumsanimation deluxe, inklusive Konfetti in Bandfarben, dürfen da natürlich auch nicht fehlen. Man merkt, dass die Band diesen Job schon seit fast zwei Jahrzehnten macht: Sie sind einerseits ganz die Bühnenprofis und gleichzeitig doch noch die sympathisch verrückten Jungs von nebenan, mit denen man auch schon mal bis morgens um 6 auf dem Campingplatz feiern kann.

Ähnlich energetisch geht es bei Sick of it All weiter. Laut, heiß und dreckig prügeln die Bässe die Menge in Extase. Moshen, Crowdsurfen, Wall of Death. Die Security sind die heimlichen Helden des Festivals und werden auch immer wieder von den Bands für ihre gute Laune gelobt. Inzwischen haben sie nicht nur die 150 Meter Gartenschlauch, sondern auch jede Menge Wasserbomben, Wasserpistolen und den Schlauch der örtlichen Feuerwehr am Start und sorgen dafür, dass keiner im Pit trocken bleibt. Sick of it All donnern sich durch ihre übliche Festival Setlist, dann plötzlich bricht der Song ab: „We have an announcement to make!“ Einer der Security Guards im Graben hat Geburtstag. Sick of it All singen zusammen mit der Menge „Happy birthday“. Nach großem Jubel bitten sie aber noch einmal um Ruhe. Auf der Bühne stehen zwei kleine Mädchen im Kindergartenalter in Sommerkleidchen. Der Sick of it All-Sänger hält ihnen das Mikro hin und man hört zwei piepsige Kinderstimmen singen: „happy birthday, lieber Papa, happy birthday!“ Zuckersüß. Dabei geht für eine Sekunde selbst dem härtesten Metal-Fan auf dem Gelände das Herz auf, die kleinen Mädchen werden mit viel Beifall von der Bühne verabschiedet. Danach donnern Sick of it All weiter, als ob es kein Morgen gäbe.

Eigentlich hätten Motörhead heute Abend das Highlight sein sollen, doch aufgrund der gesundheitlichen Lage von Lemmy musste kurzfristig Ersatz besorgt werden. Den haben die Organisatoren des Reloads schnell gefunden: Die australischen Hardrocker von Airbourne haben sich bereit erklärt, auf dem Weg von Frankreich zum Roskilde Festival in Dänemark noch einen kurzen Zwischenstopp in Sulingen einzulegen. Eine absolut würdige Vertretung. Airbourne zelebrieren vor einer monströsen Wand aus Marshall-Amps ihren Auftritt regelrecht. Die Posen sitzen und die Riffs ebenfalls. Der ganze Platz feiert die Australier, als hätte es in den letzten 35 Jahren keine andere Musik gegeben. Und dabei ist die Bands selbst doch erst 10 Jahre alt. Heute Abend leben alle in den frühen Achtzigern. Als Frontmann Joel O‘Keeffe sich dann auch noch eine Bierdose am Kopf zerdeppert und etwas später die Bühnentraverse erklimmt und in luftiger Höhe ein Gitarrensolo hinlegt, gibt es für das Publikum kein Halten mehr. Airbourne sind das absolute Highlight des Tages, selbst wenn man mit der Musik eigentlich gar nicht so viel anfangen kann. Chapeau!

Sonntag

Der Nachtteil an perfektem Festivalwetter ist eindeutig, dass man viel zu früh geweckt wird. Wenigstens kann man dann aber auch mal das Festivalangebot des Freibads nutzen. Die Idee haben anscheinend noch ein paar andere Reloader, und so mischen sich unter die sonntäglichen Frühschwimmer im Rentenalter auch diverse Festivalbesucher, von denen sich einige allerdings erst noch Handtücher und selbst die Badeklamotten bei der Bademeisterin ausleihen müssen.

Alyssa und ich während unserer kleinen Wasserschlacht
mit Jan von OKS Security Service 😉 Wir haben 
verloren.

Der Reload-Sonntag steht ganz im Zeichen der verschlafenen Menschen. Bis zum frühen Abend wird es auf dem Platz nie so richtig voll, viele haben schon gegen Mittag die Heimreise angetreten. So kommt es dann, dass bei Gasmac Gilmore auch gerade mal eine Handvoll Menschen auf dem Gelände zugegen ist. Die hat dafür aber eine Menge Spaß mit der verrückten Mischung aus Gypsy Punk, Rock und Metal, die die Österreicher da zum besten geben. Mal mutet das Ganze etwas Rumänisch an, dann wieder eher wie eine kurze Fahrt durch eine Gypsy-Punk-Version der alten Piratenwelt von Pirates of the Caribbean in Disney World, und dann doch wieder, als hätten die Geschwister von Serj Tankian eine neue Band gegründet. In ihren eigenwilligen Outfits aus einheitlichen weißen Hemden und Anzugwesten, ziehen sie ihre Show professionell und gleichzeitig sympathisch durch. Die Security im Graben hat derweil nicht viel zu tun und vertreibt sich die Zeit mit Wasserschlachten und damit, Festivalbesuchern Schlauchduschen zu verpassen. Wer nicht nass werden will, sollte nicht zu nah an der Bühne stehen oder nicht mit bekannten Securities in Freizeit über den Platz schlendern. Ein Feuerwehrschlauch hat eben doch eine bemerkenswerte Reichweite. Und eine durchschlagende Wirkung. Die Folge sind triefende Menschen, von denen sich später einige auch noch ein Schlammbad vor der Bühne gönnen. Woodstock lässt grüßen!

So richtig wach wird das Reload dann zum ersten Mal bei den Monsters of Liedermaching. Zuvor haben Between the Buried and Me und Kadavar zwar auch schon ganz gut vorgelegt, aber erst mit den Monsters kommt die Partystimmung. Die Hamburger Liedermacher-Meister spielen sich gewohnt souverän durch ihr angestammtes Festivalprogramm, bei dem Songs wie „Marzipan“, „Tod in der Nordsee“, „Türen“ und „Laterne“ natürlich nicht fehlen dürfen. Das Publikum lässt sich gerne zum Mitgrölen, Klatschen, Arme schwenken und Sitzpogo animieren und feiert die Monsters begeistert ab. Punkrock akustisch, auch das geht.

Alles andere als akustisch geht es im Gegensatz später bei Betontod zu. Party-Prollpunk deluxe – so könnte man den Auftritt zusammenfassen. Eingängige Melodien mit Textzeilen, die sich auch noch mit etwaigen Promille mitgrölen lassen, gespickt mit den üblichen Mittelfinger hoch-Phrasen und einer gewissen Sehnsucht nach einer besseren Welt geben den Ton an. Gleich mehrfach hört man danach auf dem Platz den Satz: „Wenn es ein Mallorca oder Ibiza für Punks gäbe, würde dort statt Schlager mit Sicherheit Betontod gespielt.“ Beim Publikum vor der Bühne kommt der Partypunk der Antirockstars gut an, das restliche Festival sucht sich derweil lieber Abendessen. Man braucht schließlich noch etwas Energie für Caliban, die Donots und Papa Roach.

Caliban machen den Platz dann noch mal fast richtig voll und geben das letzte Metalcore-Stelldichein des diesjährigen Reload Festivals in Sulingen. Die strahlende Abendsonne gibt ein schönen Kontrast zu den brettharten Klängen, mit denen das Urgestein-Quintett des deutschen Metalcores die Menge da vom Circle Pit in die Wall of Death und wieder zurück prügelt. Es wird gemosht, was die Knochen noch so aushalten, Sänger Andreas Dörner gibt alles, was die Stimmbänder zulassen und die Security dreht die Wasserhähne noch mal so richtig auf. Eine Stunde lang hält der feuchtfröhliche Metalreigen das Reload in Atem und hinterlässt jede Menge dreckverschmierter, glückliche Gesichter.

Doch noch ist das Festival ja nicht vorbei. Jetzt geht es im Endspurt von einem Tageshöhepunkt zum nächsten. Die Donots graben gewohnt tief und kreativ in der Kiste der Publikumsbelustigungsmaßnahmen. Warum nicht mal ein Circle Pit auf der Bühne? Und dann auch noch aus den ganzen Graben-Fotografen? Gibt es alles bei den Donots. Menschen, die sich splitterfasernackt für sieben Mal Gästeliste und sieben Tshirts in der Menge ausziehen und dann auch noch auf der Bühne tanzen? Gibt es ebenfalls bei den Donots. Dazu bekommt das Reload eine bunte Mischung vornehmlich aus Songs der letzten drei Alben plus einem Hosen-Cover von „All die ganzen Jahre“. Natürlich stehen auch „Whatever Happened to the 80s“ und „We‘re not gonna take it“ ebenfalls auf der Setlist. Die Masse lässt sich nur allzu gern zu riesigen Circle Pits, Dreckraketen und Mitgröl-Arien hinreißen und feiert die Ibbenbürener frenetisch ab. Dazu Crowdsurfer soweit das Auge reicht. Die Knollmänner und Co. haben sichtlich Spaß und zu guter Letzt lässt Ingo sich von der Masse auf Händen tragen. Wenn es nach der Stimmung im Publikum ginge, hätten die Donots auch gerne noch ein Stündchen länger spielen dürfen.

Dann das große Finale mit Papa Roach. Zu einer dicken Lichtshow brettern Jacoby Shaddix und seine Mannen mit „Still Swingin‘“ los und liefern 90 Minuten lang eine ausgewogene Mischung aus alten Hits und einigen neueren Songs. Die Energie ist absolut mitreißend, sämtlich Arme recken sich gen Himmel, fast jeder tanzt und singt mit, und gefühlt fängt die Security alle 10 Sekunden einen neuen Crowdsurfer auf. Shaddix ist von dem Anblick all der surfenden Menschen schwer beeindruckt: „Look at all those crowdsurfers! Beautiful! This is what gets me off!“ Und auch die OKS Security im Graben hinterlässt bei ihm einen bleibenden Eindruck für ihre gute Laune und Tanzeinlagen – „best security crew ever!“ nennt Shaddix sie. Den letzten großen Knall gibt es mit der Zugabe. Auf „Last Resort“ hat der ganze Platz bis zuletzt sehnsüchtig gewartet. Noch einmal alles geben, noch einmal vollkommen durchdrehen. Papa Roach liefern sich mit dem Gig in Sulingen selbst einen gelungenen Abschluss ihrer Europatour, bevor es weiter nach Russland geht. Mit dem letzten Ton ist für die meisten das Reload Festival 2013 dann auch vorbei, man rennt förmlich direkt zum Auto, um schnell Richtung Heimat aufzubrechen.

Insgesamt präsentierte sich das Reload Festival auch in diesem Jahr wieder als sehr herzliches, familiäres Festival mit einer weitestgehend tollen Organisation und einem sehr friedlichen, bestens gelaunten Publikum. Einziger Kritikpunkt vieler Festivalbesucher war die Regelung des Müllpfandes, der am Sonntag nur zwischen 12 und 16 Uhr und am Montag zwischen 8 und 12 Uhr abgeholt werden konnte. Viele bereitwillige Müllsammler blieben so verärgert auf ihren Tüten und Pfandmarken sitzen. Das könnte im kommenden Jahr besser gelöst werden. Die Veranstalter gaben sich rundum zufrieden, auch wenn das Line Up auch noch ein paar mehr Besucher als die 7500 im Durchschnitt pro Tag verdient gehabt hätte. Rettungsdienste und Security hatten zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am Nachmittag jeweils lediglich fünf im Vergleich etwas ernstere Zwischenfälle zu verzeichnen. Noch ist nicht ganz klar, wo das Reload Festival im nächsten Jahr stattfinden wird. Eine Möglichkeit sei aber das Stoppelmarktgelände in Vechta, falls es im Sulinger Industriegebiet aufgrund diverser Baumaßnahmen nicht mehr genug Platz geben sollte. Egal wo, zum Reload kommt wohl jeder gerne wieder.

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