Die Happy – Unplugged im Rosenhof


Normalerweise sind Die Happy für ordentlich laute und energiegeladene Rockshows bekannt, bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. Da fiel es dem nicht eingefleischten Fan zunächst doch etwas schwer zu glauben, was es da auf den Tour-Plakaten zu lesen gab: Die Happy – Live & Acoustic Tour 2009. Jawohl, akustisch. Unplugged. Einfach mal den Stecker rausgezogen.

Das so etwas funktioniert, haben große Bands wie zum Beispiel Die Toten Hosen oder Nirvana bereits in den berühmten „MTV Unplugged“ Shows gezeigt. „Warum also eigentlich nicht auch Die Happy?“ fragte sich bestimmt auch so einige der Anwesenden am Freitag Abend im Osnabrücker Rosenhof, während sie gespannt auf den Auftritt der Band um Marta Jandová warteten.

Zum Aufwärmen enterte aber zunächst erst mal Support Act Jake Roeder alleine mit seiner Klampfe die Bühne. Der Regensburger stimmte den gut gefüllten Rosenhof mit einem 30-minütigen Set aus feinstem Gitarrenpop a la John Mayer und Dave Matthews auf das bevorstehende Unplugged-Spektakel ein. Neben einem grandiosen Cover des Counting Crows Songs „Mister Jones“ überzeugte der sympathische Bayer die Die Happy Fans besonders bei seinen eigenen Songs durch seine gefühlvoll soulige Stimme und starke Bühnenpräsenz. Sein Debüt „Finally“ ist übrigens auch seit Freitag im Handel erhältlich, von dem auch so manche Kopie nach dem Konzert über die Merch-Theke wanderte.

Nach Jake Roeder luden dann endlich Die Happy in ihr Unplugged-Wohnzimmer auf der Bühne ein. Mit Lammfellen, kleinen Couchtischchen, roten Tischlampen und dem dazu passenden Rotwein sorgten sie für eine wunderbar gemütliche und intime Atmosphäre. Dass dieser Abend etwas ganz besonderes werden würde, ließ nicht nur die Getränkeauswahl auf der Bühne vermuten, sondern auch der vorherrschende Dresscode: die Band hatte zerrockte Jeans durch schicke, schwarze Anzüge und Kleider ersetzt, und sogar die Techniker hatten sich dementsprechend heraus geputzt.

Mit ihrer eigenen Version von Justin Timberlakes „Señorita“ öffnete Die Happy dann bestens gelaunt die Pforten zu ihrem musikalischen Gala-Abend. Unterstützt durch Percussionist Taifun, Gitarrist Patrick und Lutz am Klavier spielte sich die sonst vierköpfige Band quer durch 16 Jahre Bandgeschichte und ließ kaum einen ihrer Hits aus. Manche Songs präsentierten sich dank des Akustiksets auch in einem ganz anderen Arrangement, so dass man hin und wieder schon mal genauer hinhören musste, um zum Beispiel „Ordinary Song“ hinter seiner neuen, ruhigen, fast schon traurigen Piano-Fassade wieder zu erkennen.

Über zwei Stunden lang wirbelte Sängerin Marta über die Bühne und bewies zusammen mit ihren Bandkollegen, dass nicht alles was gut ist, auch gleichzeitig immer laut sein muss. Vielmehr waren es gerade die ruhigeren Momente, in denen Martas überaus vielseitige Stimme besonders gut zu Geltung kam und in denen man durch ihre vielen Geschichten und Anekdoten auf der Bühne die Verbindung zwischen Band und Fans förmlich spüren konnte. Insgesamt zeigte sich Die Happy an diesem Abend von ihrer musikalisch hochwertigsten Schokoladenseite, und bewiesen auch den Zweiflern, dass sie eine unglaublich sympathische Band sind, die auch unplugged und ohne großen technischen Firlefanz absolut überzeugen kann.

Fotos vom Konzert gibt es hier.


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