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Beat & Soul: Rhonda im Interview und Bildergalerie

Einer geht dieses Jahr noch. Ich habe kurz vor Weihnachten die wunderbare Band Rhonda in der Kleinen Freiheit in Osnabrück zum Interview getroffen und mit Frontfrau Milo Milone über ihre Musik, Einflüsse, beste Konzerterlebnisse und musikalische Kindheitserinnerungen gequatscht. Aber seht selbst. Beat & Soul: Rhonda im Interview und Bildergalerie weiterlesen

Konzert-Tipp: Y’akoto

In manche Stimmen möchte man sich am liebsten einfach nur einkuscheln oder gleich damit zudecken. Soulsängerin Y’akoto hat so eine davon. Seit gestern ist Y’akoto auf  Deutschlandtour und stattet auch einem meiner Lieblingsclubs in Osnabrück einen Besuch ab. Am 10. Dezember spielt sie im Rosenhof. Konzert-Tipp: Y’akoto weiterlesen

Interview mit Nneka – Es weht ein Wind der Veränderung

Die nigerianische Sängerin Nneka veröffentlicht am 7. Oktober ihr neues Album „Soul is Heavy“. Mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihren tiefgründigen Texten bewegt die Musikerin Menschen weltweit. Selbst die amerikanische TV-Koryphäe David Letterman hat Nneka schon in seine Sendung eingeladen. Mit uns hat Nneka über ihre neue Platte, ihre Ängste und ihr Heimatland Nigeria gesprochen.





Du bist weltweit erfolgreich, trotzdem kennen viele unserer Leser deine Musik noch nicht. Wie würdest du unseren Lesern deine Musik beschreiben?

Ich finde sie sehr vielseitig, authentisch und eklektisch. Ich mische viele verschiedene Sounds. Afrobeats, Soul, R&B und auch Reggae.

Welche Themen behandelst du in deinen Texten?

Ich singe über viele verschiedene Themen. Das Leben, die Liebe, Korruption, Ungerechtigkeit, politische Themen, Rassismus. Im Prinzip geht es um mein alltägliches Leben, um Dinge die ich erlebe oder irgendwann einmal erlebt habe.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Musik?

Vom Leben. Ich lasse mich von meinen Erfahrungen und den Erfahrungen anderer inspirieren. Gleichzeitig inspirieren mich auch einfach Menschen, die ich auf meinem Weg treffe.

Was ist dir persönlich am wichtigsten, wenn du einen Song schreibst?

Am wichtigsten ist, dass ich immer eine emotionale Bindung zu dem Song behalte und niemals mein Gefühl für den Song verliere. Es ist mir wichtig, meinen Kopf einzuschalten, aber gleichzeitig nicht zu rational mit meiner Musik umzugehen. Ich möchte ein Verbindung zu den Leuten da draußen herstellen, und ich glaube, dass wir alle gemeinsame Emotionen haben, die uns miteinander verbinden. Wenn man keine emotionale Bindung zu dem aufbaut, was man macht, dann kann man auch keine richtige Verbindung zu seinen Zuhörern schaffen.

Dein neues Album „Soul is Heavy“ erscheint am 7. Oktober. Was ist die Hauptessenz der Platte?

Naja, es ist ein drittes Album. Ich musste ein neues Album veröffentlichen. Das ist eine Sache. Aber ich mache natürlich immer Musik, egal ob ich ein neues Album herausbringen muss oder nicht. Die Musik, die man auf dem neuen Album hören wird, dreht sich um Erfahrungen, Gedanken und Emotionen, die ich in den letzten drei Jahren gesammelt habe. Einige Songs sind schon vor zwei Jahren entstanden, einige erst vor ein paar Monaten. Einige sind neu, einige sind alt. Es ist also eine Mischung aus all meinen Gefühlen und Emotionen der letzten drei Jahre. Ich habe versucht, zwischen allen Songs auf dem Album eine Verbindung zu schaffen. Jeder Song muss zu dem darauf folgenden passen, damit sie alle unter einem Hut Platz finden. So kann man die Platte als solche besser begreifen.

Meine persönliche Motivation für dieses Album ist mein ganzes mentales Durcheinander, das Chaos in meinem Kopf und all meine persönlichen Konflikte, die mich immer wieder einholen; der Gott in mir, der mir immer wieder ins Gewissen redet, der ganze Wahnsinn um mich herum und gleichzeitig diese Leere, die ich in mir spüre. Aber um all das wirklich zu verstehen, müsste man wohl in meinen Kopf hinein kriechen.

Welcher Song deines Albums bedeutet dir besonders viel?

Ich mag „Soul is Heavy“ wegen der Message und der Intensität des Songs. Ich beschwöre viele Geister großer, bereits verstorbener Menschen der Vergangenheit wieder hinauf, die alle für die Freiheit Afrikas gekämpft haben. Das ist einer meiner Hauptpunkte. Mit diesem Song will ich die Leute wachrütteln und zum einen zeigen, was in meiner Heimat passiert, zum anderen aber daran erinnern, wie die Welt miteinander verknüpft ist. Wie zum Beispiel die USA und Europa mit Afrika verbunden sind, die ganze Globalisierung und die dahinterstehende Korruption, aber auch der Zusammenhalt, den wir in Afrika für uns selbst erreichen müssen, damit sich die Lebensbedingungen verbessern.

Ein anderer Song, den ich sehr mag, ist „Do you love me now“. Man glaubt erst, dass es ein Liebeslied ist, aber in Wirklichkeit geht es um die Beziehung zwischen mir und dem System. Es geht darum, wie das System es geschafft hat, dass ich mich selbst aufgegeben habe um in diesem System zu funktionieren, allein für die Anerkennung und das Wohl dieser Gesellschaft. Also geht es darum, wie die Welt es geschafft hat, uns an eine unechte Realität glauben zu lassen. Wir benutzen unsere Sinne nicht mehr, jedenfalls nicht alle unserer Sinne. Wir wissen nicht mehr, wer wir wirklich sind. Jeder nimmt sich selbst viel zu ernst. Keiner weiß mehr, wofür er eigentlich steht. Es geht in dem Lied darum, dass man sich selbst verliert, nur um es einer anderen Person recht zu machen.

Du hast „Soul is Heavy“ erwähnt. Ist deine Seele auch schwer?

Ja, deshalb habe ich den Titel gewählt.

Du singst in deinen Songs über sehr wichtige Themen wie Rassismus, Unterdrückung, Politik, Religion, Armut und so weiter. Siehst du dich selbst eher als Künstlerin und Musikerin, oder vielleicht doch eher als eine politische Aktivistin, die ihre Musik dazu benutzt, ihre Nachricht in die Welt hinaus zu tragen?

Ich würde mich nicht unbedingt als Aktivistin bezeichnen. Ich bin einfach nur eine Person, die ihre Musik dazu benutzt um auf diese Themen aufmerksam zu machen. Diese Themen sind mir persönlich einfach sehr wichtig. Ich habe sie selbst erlebt und äußere daher nur meine Meinung, für mich selbst und für viele andere, die vielleicht nicht den Mut oder die Möglichkeit dazu haben, diese Dinge offen zu thematisieren. Es geht hier also keinesfalls um mich allein. Ich benutze nur meine Gabe, um diese Punkte direkt anzusprechen. Wenn   ich es nicht machen würde, würde jemand anderes aufstehen und sprechen.

Deine erste Single heißt „My Home“. Was bedeutet „zu Hause“ für dich?

Ganz ehrlich, zu Hause ist nirgendwo. Davon singe ich in diesem Song. Zu Hause ist einfach mein Anfang, meine Mitte, mein Ende – die Dreifaltigkeit des Nichts. Zu Hause ist kein Platz oder ein Ort, kein geografischer Punkt, den man an etwas Realem festmachen kann. In diesem Song ist Zu Hause ganz eng mit Gott verbunden, der unsichtbar ist und den wir uns eigentlich auch gar nicht vorstellen können. Also geht es in diesem Song darum, dass ich versuche, meinen Frieden mit mir und Gott zu machen.

Du gehst im Herbst wieder auf große Europatour. Gibt‘s ein Land oder eine Stadt, in der du besonders gerne spielst?

Nein, eigentlich nicht. Ich spiele einfach, nehme und gebe die Liebe weiter, egal wo ich gerade bin. Es ist immer etwas Besonderes, im positiven wie im negativen Sinne. Ich bin immer offen für neue Erfahrungen. Manchmal weiß ich auch gar nicht, wo ich gerade bin. Daher zählt für mich immer mehr der Moment an sich und nicht der Name der Stadt oder der Konzerthalle.

Bist du gerne auf Tour?

Ja, ich bin gerne auf Tour, so lange es nicht zu stressig ist. Wenn man viele Interviews am Tag hat und die ganze Zeit rumrennen muss, bevor man auf die Bühne geht, ist das schon etwas anstrengend. Wenn die Tour gut geplant ist und das Essen gut ist, ist alles in Ordnung. Was wirklich nervt, ist, dass man keine Kontrolle über sein Essen hat, besonders wenn man noch kein richtig großer Künstler ist und sich entsprechend noch kein eigenes Catering leisten kann. Das mag ich wirklich nicht. Aber sonst mag ich das Tourleben, auch weil ich wieder eine engere Verbindung zu meiner Band aufbauen kann. Dazu entwickelt sich auf Tour auch immer eine ganz besondere Beziehung zu mir selbst und zu Gott. Es ist einfach alles so anders. Es ist fast so, als ob man in den Krieg zieht.

Hat man dir schon mal richtig ekeliges Essen hingestellt?

(lacht)Nichts gegen die Niederlande, aber das Brot da ist wirklich furchtbar. Es ist wie Gummi. Oder wenn man im Backstage nur künstlichen Orangensaft hingestellt bekommt – ich will wirklich nicht hochnäsig klingen, wir sollten froh sein, dass wir überhaupt etwas zu trinken bekommen – aber auf lange Sicht ist das wirklich nicht gesund. Essen ist immer so eine Sache. Aber letztendlich müssen wir auch einfach dankbar sein, dass etwas zu essen auf den Tisch kommt, deshalb essen wir dann trotzdem immer.

Du hast in den letzten Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt, warst bei Letterman in den USA in der Sendung und hast auch sonst einiges erreicht. Was bedeutet das für dich?

Es ist eine großartige Errungenschaft, aber ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken. Ich will nicht, dass es mir zu Kopf steigt. Letterman war toll, allein diese Chance zu haben. Wenn man einmal bei Letterman war, bekommt man weltweite Aufmerksamkeit. Das war wirklich wunderbar. Aber ich wusste nicht einmal, wer Letterman überhaupt ist. Genauso wenig war mir die Tragweite bewusst, den mein Auftritt in seiner Show haben würde. Ich habe das erst nach der Sendung erfahren. Mir hat das auch zu mehr Anerkennung in Afrika verholfen. Aber auch Leute zu treffen wie NAS oder Erykah Badou, und mit ihnen auf einer Couch zu sitzen, das hätte ich mir nie träumen lassen. Es war so großartig, von diesen Leuten ermutigt zu werden, weiter Musik zu machen. Diese Erfahrung hat mich wirklich sehr inspiriert.

Hat noch ein anderer Moment in deiner Karriere einen bleibenden Eindruck bei dir hinterlassen?

Mich beeindruckt es immer noch schwer, dass ich überhaupt so wie jetzt Musik machen darf. Ich hätte mir das niemals träumen lassen, dass auch nur eine Person mir zuhört. Das kann ich manchmal immer noch nicht so recht glauben. Ich mache das jetzt bereits seit 7 Jahren, ich habe ein wunderbares Team hinter mir, Leute, die mich ermutigen. Ohne das Team wäre ich Niemand. Die Menschen, die so hart in diesem Team arbeiten, die mir vertrauen und an meine Musik glauben, haben mir sehr geholfen. Es ist für mich das allergrößte Geschenk, Teil einer so starken „Business Family“ zu sein.

Du bist in Nigeria aufgewachsen. Welche drei Dinge sollte man unbedingt über dein Heimatland wissen?

Wir sind auf dem Weg in bessere Zeiten. Ich beschäftige mich sehr viel mit dem Thema Korruption, bin aber von Hamburg zurück nach Nigeria gezogen um diese Dinge hautnah zu erleben und mit eigenen Augen zu sehen, wie sie sich weiter entwickeln. In Nigeria ist nicht alles rückständig. Es gibt so viele aufgeklärte, clevere junge Schwarze, die wieder nach Nigeria zurückkehren. Es weht der Wind der Veränderung. Das alles braucht Zeit, aber die Menschen investieren wieder ihr Wissen und ihre Energie in Afrika. Es ist dort also nicht alles rückständig, zwielichtig und korrupt. Das ist eine Sache, die man wissen sollte.

Übrigens laufen bei uns keine Löwen oder Tiger auf den Straßen herum, oder wilde Buschmänner in Blätterkleidern, die um ihre Hütten herumtanzen (lacht). Wir haben große Wolkenkratzer und 115 Millionen Menschen, die alle sehr aktiv sind. Und sie tragen alle Kleidung (lacht). Lagos Town ist fast wie ein afrikanisches New York, eine richtige Metropole. Hier arbeiten sogar einige Weiße. Weiße sind hier nicht verhasst, es gibt viele verschiedene Nationalitäten, die sich dort aufhalten, arbeiten und sich wohl fühlen.

Eine negative Sache ist Boko Haram. Boko Haram ist eine Art Ableger der Taliban, der sich im Norden Nigerias entwickelt hat. Ich weiß nicht genau, seit wann es sie gibt. Es gibt hier einen großen Religionskonflikt. Sie haben große Proteste organisiert und im Norden auch viele Menschen umgebracht. Sie glauben, dass der Islam die einzig wahre Religion für Afrika und die Welt ist, da der Islam viel früher in Afrika präsent war, schon lange bevor dir Christen dorthin kamen um den Kontinent zu kolonisieren. Sie sind sehr fundamentalistisch. Sie lehnen die westliche Zivilisation, westliche Erziehung und westliche Lebensart strikt ab.

Foto: Jens Boldt

Joy Denalane – Maureen

Wer ist eigentlich diese „Maureen“?
„Maureen“ ist ein großer Teil von Joy Denalane. Genauer gesagt handelt es sich dabei um ihren zweiten Vornamen, den sie für das Album wählte, um ihre inneren Reifeprozess und die damit einhergehende, innere Zerrissenheit zu verdeutlichen. Entsprechend viel Emotion und Herzblut stecken in diesem Album. Wer sich die Zeit nimmt, besonders auf die Texte zu achten, wird einen fast schon intimen Einblick in Joy Denalanes Wesen gewinnen, und bei vielen Stücken recht deutlich sehen, wie es ihr nach der Trennung von Max Herre ergangen sein muss. Aber nicht nur die düsteren Seiten des Lebens von Joy Maureen Denalane werden hier nach außen gekehrt. Trotz aller Melancholie und Trennungsschmerz schwingt in fast jedem Ton auch eine gehörige Portion Liebe und Optimismus mit, der den Blick nach vorne lenkt und daran erinnert, dass sich die Welt auch morgen noch weiter dreht.

Was sind die Stärken des Albums?
Die größte Stärke von „Maureen“ ist mit Sicherheit die starke Frau hinter dem Mikrofon, den Texten und Geschichten. Joy Denalane überzeugt auf „Maureen“ wie gewohnt durch ihre überaus gefühlvolle und ausdrucksstarke Stimme, mit der sie den puren Soul in jedes Wohnzimmer zaubert und einen die Geschichten und Emotionen in den Songs nicht nur hören, sondern regelrecht spüren lässt. Wenn man sich auf diese hohe Emotionalität allerdings nicht richtig einlassen kann, wirken besonders einige langsame Stücke, darunter „Lass es Liebe sein“ und „Happiness“, durch ihre Instrumentierung etwas überladen und je nach Situation fast schon ein wenig kitschig. Dafür schreiten die restlichen zehn Songs des Albums auf ihre eigene Art mit großer Eleganz und Stärke selbstbewusst nach vorne, und spiegeln mit ihrem persönlichen Groove die Stärke und Energie hinter Joys Geschichten wieder.

Was sollte man noch über dieses Album wissen?

Viele Songtexte der Stücke auf „Maureen“ wurden von Joy ursprünglich auf Englisch geschrieben und erst später ins Deutsche übersetzt. Dafür holte Joy sich Hilfe von ihrem ehemaligen Ex-Partner Max Herre, der auch in einigen Songs zu hören ist, sowie von Baris Aladag, der bereits viele Texte für und mit Clueso geschrieben hat. Ab 20. Mai ist das Werk zu haben.

Frauenpower: 4,5/5
Vielfalt: 3/5
Herzblut: 5/5

Joy Denalane – Maureen
VÖ: 20.05.2011
Nesola (Sony Music)

Joy Denalane: „Ich bin einfach Joy“

Viele nennen sie Deutschlands Queen of Soul. Joy Denalane veröffentlicht am 20. Mai ihr neues Album „Maureen“, auf das ihre Fans fast 5 Jahre lang warten mussten. Was Joy in den letzten Jahren gemacht hat, was ihre größten Macken sind und wie persönlich ihr neues Album wirklich ist, hat sie uns am Telefon verraten.

Was hast du zwischen deinem letzten Album und jetzt gemacht?

2008 habe ich mit der Platte angefangen, die jetzt rauskommt. Ich habe die erst mal geschrieben und aufgenommen, und zwar auf Englisch. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich es wagen wollte, die Platte ins Deutsche zu übersetzen um zu gucken, was damit passiert. Da habe ich mir auf der Arbeitsebene den Max zum Texten dazu geholt, und auch noch Baris Aladag, der sonst auch viel mit Clueso zusammen macht. Zusammen haben wir dann angefangen zu übersetzen.  Und es hat wirklich geklappt, was mich sehr überrascht hat. Auf meinem letzten Album „Born and Raised“ hatte ich ja auch schon versucht, Texte vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen, hatte das aber als nicht gut befunden. Vielleicht war damals die Bereitschaft dazu noch nicht so da.

Jetzt hatten mich in den letzten drei Jahren so viele Fans und Leute aus meiner Familie angesprochen, warum ich denn nicht mal wieder was auf Deutsch machen würde. Ich hatte dann immer als Argument, dass ich es so schwer finde, auf Deutsch einzusingen und dass ich die deutsche Sprache speziell für Soulmusik nicht so optimal finde. Das reichte dann aber irgendwann nicht mehr, und dann habe ich das als Herausforderung gesehen, das Übersetzen doch noch mal zu probieren. Das hat dann geklappt. Zwischendrin habe ich immer mal wieder Songs rausgeworfen und neue mit reingenommen, die ich erst mal frisch schreiben musste.

So ist dann die Zeit ins Land gezogen. Ich bin an die Uni gegangen und habe studiert, habe mich um meine Kinder gekümmert.  Und irgendwie waren dann plötzlich 5 Jahre vorbei.

Du singst auf Deutsch und auf Englisch. In welchen Situationen singst du lieber Deutsch, in welchen auf Englisch?

Schwierige Frage. Solange der Song nur auf dem Papier steht und die Melodie in meinem Kopf ist, ist der Song abstrakt. Sobald er dann auf einer Sprache eingesungen ist, hat er seine Daseinsberechtigung und ist gesetzt. Beide Sprachen haben dann eine ausgewogene Berechtigung.
Witzigerweise ist es wenn ich singe so, dass ich gerade diese Zwischentöne erst mal auf Englisch raus ausdrücken will, obwohl meine Muttersprache wirklich absolut Deutsch ist. Ich erkläre mir das so, dass die Soulmusik, mit der ich ja auch aufgewachsen bin, nunmal Englisch geprägt ist und mich selbst auch so geprägt hat, dass ich mit diesem Genre per se die englische Sprache verbinde. Das hat sich so richtig eingebrannt. Daher kann es durchaus sein, dass mir bestimmte Emotionen, die ich beim Singen ausdrücken will, erst mal auf Englisch ins Ohr kommen, bevor sie mir auf Deutsch einfallen. Komisch, oder?

Wie würdest du dein neues Album „Maureen“ beschreiben?

Es ist durch und durch ein Album der Liebe. Es ist ein sehr klassisches Joy Denalane-Album, hat aber als Neuerung eine Facette, die es vorher so nicht gab. Eine Nahbarkeit oder vielleicht auch Verletzbarkeit, die die Alben davor so nicht hatten.

Du sagst, dass du mit dem Album die beiden Seelen in deiner Brust erforschst. Wie sehen die beiden aus und was hast du über sie herausgefunden?

Das ist erst mal als Metapher zu verstehen. Man trägt einfach zwei Seiten in sich. Die eine führt ein relativ konventionelles Leben und bewegt sich in einer gewissen Ordnung. Und dann ist da noch die andere Seite, die sich überlegt, was passiert, wenn ich jetzt auf den Knopf oder den anderen Knopf drücke. Da habe ich in den letzten Jahren einfach meine Erfahrungen gemacht.

„Maureen“ ist dein zweiter Vorname. Warum hast du den Titel gewählt?

Der beschreibt einfach ganz gut den Reifeprozess oder auch die Zerrissenheit, die während so eines Reifeprozesses entsteht. Ich habe mich auf der Platte auch viel mit Trennung auseinander gesetzt und mit allem, was so eine Trennung mit sich bringt. Manche Dinge im Leben tut man, obwohl man weiß, dass sie Folgen haben werden. Das meine ich auch mit „Maureen“, dass man zwei Seiten in sich trägt. „Maureen“ beschreibt einfach sehr passend  die Dualität in mir aber auch die neue Facette der Platte. Weil es ja auch mein Name ist, finde ich den Titel dafür einfach sehr passend. Vielleicht hört man das ja auch.

Welcher Titel vom Album geht dir gerade besonders nah?

Im Moment „Frei“.

Warum?

Weil ich den gestern in Berlin performt habe. Der Song hatte auf einmal für mich so eine Tiefe, die mich selbst richtig gerührt hat. Als Song. Manchmal steigt man, wenn man Songs singt, die man auch vielleicht selbst geschrieben hat, aus allem raus und ist dann gar nicht mehr der Schreiber sondern eine ganz andere Person, die das alles fühlt. Gestern hatte ich plötzlich das Gefühl, während ich den Song performt habe, dass es eine andere Frau ist, die diesen Schmerz im Song empfindet.

Was inspiriert deine Musik und deine Texte?

Natürlich mein eigenes Leben und meine Gedanken, aber auch meine Beobachtungen. Ich schaue immer, was die Menschen in meinem Umfeld, aber auch außerhalb meines Umfelds, machen, wie sie sich Verhalten. Da bin ich relativ wachsam. Daher inspiriert mich alles Mögliche zum Schreiben, nicht immer nur meine eigenen Geschichten.

Wie persönlich ist „Maureen“ als Album?

Das ist mit Sicherheit mein persönlichstes Album, weil ich auch Lieder darauf habe, die sehr nah mir dran sind, in denen ich auch mit mir selber spreche und meine Gefühle beschreibe. An anderen Stellen ist es dagegen aber eher beobachtend und feststellend.

Warum hast du „Niemand“ als erste Single auswählt?


Weil ich ihn stark fand. Es ist ein sehr persönlicher Song. Im Vordergrund geht es um Liebe, aber es ist schon eine Erinnerung und eine Art Mahnmal für mich selbst, durchlässig, aufmerksam und wach für die Dinge zu bleiben, die in meinem persönlichen Umfeld, aber auch im weiteren Sinne, passieren.  Der Song hat einfach eine Energie, die mir als Person relativ nah kommt. Ich empfinde mich auch als eine Frau, die eine bestimmte Energie hat und hoffnungsvoll ist. Es soll kein Lied sein, das einen verzagen lässt. Im besten Fall soll es ein Lied sein, dass einen animiert, zu überlegen, ob man sich daraus was nehmen kann. Ich fand ihn dazu auch musikalisch sehr ansprechend, da er diese Energie einfach sehr gut transportiert.

Ein anderer, sehr intensiver Song auf deinem Album ist „Nie wieder, nie mehr“. Erzähl doch mal etwas dazu.

Der Song ist entstanden, als ich mich gerade getrennt hatte. Ich wollte meinem Unmut richtig Luft machen. Ich bin keine Person, die so in sich gekehrt ist, wenn es ihr nicht gut geht, oder die lange trauern kann. Das entspricht einfach nicht meinem Charakter. Ich werde eher wütend, wenn ich mich mit nicht so schönen Erfahrungen auseinandersetze. Diese Wut will der Song ausdrücken, die ich damals empfunden habe. Mir war aber wichtig, dass man jetzt keine schmutzige Wäsche wäscht und die Geschichte eindimensional darstellt, deswegen wollte ich unbedingt diesen männlichen Gegenpart in Form eines Sängers, der dann seine Geschichte in diesem Song erzählt, und das alles relativiert. Das war mir wichtig, dass man dem Ex-Partner in dem Moment noch den nötigen Respekt zollt.

Du wirst oft als Deutschlands Soulqueen bezeichnet. Setzt dich dieser Titel manchmal unter Druck? 
 
Nein, fast gar nicht. Es ist zwar auf eine Art und Weise sehr ehrbar, so einen Titel verliehen zu bekommen. Ich freue mich zwar über so einen Titel, aber ich definiere mich nicht darüber. Ich definiere mich nur über die Arbeit, die ich leiste. Alles andere ist dann so oberflächlich und hat nichts mit meinem eigenen Dasein als Künstler oder meiner Musik zu tun. Ich würde es außerdem vermessen finden zu sagen, ich bin diejenige dem dieser Titel gebührt. Ich habe diesen Titel irgendwann, irgendwie bekommen und anscheinend ist er bisher noch an niemand anders weitergegeben worden. Aber das beeinflusst nichts in meinem  musikalischen Wirken oder meiner Selbstwahrnehmung. Ich bin einfach Joy.

Was ist deine größte Macke?

Ungeduld! Ich bin super ungeduldig. Jeden Morgen wenn die Kinder nicht schnell genug sind und nicht an der Tür stehen, wenn wir los müssen. Ich komme so ungern zu spät. Ich möchte immer gerne pünktlich sein, und sobald ich auch nur 5 Minuten über der Zeit bin, werde ich extrem nervös. Das geht sofort durch meinen ganzen Körper. Ich habe so eine allgemeine Ungeduld. Die kommt immer relativ schnell und das bekommen am meisten die zu spüren, die mir am nächsten stehen.

Du bist wieder mit Max Herre zusammen. Hat Euch das Album wieder zusammen gebracht?

Nein, wir waren vorher schon wieder zusammen, es ist nur jetzt erst rausgekommen. Wir haben uns echt gewundert und waren angenehm überrascht, dass uns die Presse so lange in Ruhe gelassen hat, obwohl wir öfter zusammen gesehen wurden.  Da hätte man schon annehmen können, dass da was im Busche ist. Wir waren aber schon zusammen, als es um die Aufnahmen der deutschsprachigen Songs ging. Wir haben uns einfach wieder angenähert, weil wir durch die Kinder trotzdem im ständigen Austausch waren und dann irgendwann auch genügend Abstand gewonnen hatten, sodass wir die tollen Seiten an uns wieder sehen konnten.

Wie sieht’s mit einer Tour in diesem Jahr aus?

Ich spiele diesen Sommer ein paar Festivals und die Tour kommt dann auf jeden Fall im Herbst.

Fotos: Jackie Hardt

CD Review: Adele – 21

Nachdem Adele seit Wochen als DER neue Star am Soulhimmel gefeiert wird, musste ich doch auch mal in dieses angeblich so grandiose Album hinein hören.

Noch vor ein paar Monaten galt Adele hierzulande als Geheimtipp, obwohl die 22-jährige Soul- und Jazzsängerin aus England bereits 2009 zwei Grammys als „Best New Artist“ und „Best Female Vocalist – Pop“ einheimsen konnte. Im Sommer 2008 konnte man ihre ersten Gehversuche im deutschen Radio mit „Chasing Pavements“ beobachten. Mit genau diesem Song spielte sie sich in England und den USA in die erste Liga der Künstlerinnen ihres Genres.

Spätestens mit ihrem neuen Album „21“ wird Adele auch hier endgültig den Pop-Olymp erobern. Mit ihrer ausdrucksstarken und überaus wandelbaren Stimme verleiht sie ihren druckvollen, aber gleichzeitig gefühlvollen Songs ein ganz besonderes Flair, dass einen sofort aufhorchen lässt. Mal laut, rauchig und sexy und gleich wieder leise und verführerisch singt sich die junge Britin subtil aber dennoch bestimmt in jeden Kopf hinein. Egal ob langsam oder schnell, die Songs sind durch die Band weg fesselnd arrangiert und haben in den meisten Fällen großes Ohrwurmpotenzial.

Dieses Ohrwurmpotenzial hat allerdings auch seine Schattenseiten. Hört man die durchweg herzschmerzigen Liebesballaden zu oft, kommt es zu einem Adele-Schnulzen-Overkill. Wenn man also nicht gerade in großer Kuschel- oder Herzschmerzlaune ist, wird so ein ganzes Adele-Album am Stück nach einer Weile etwas nervig.

Zum Glück gibt es zum Ausgleich auf der Scheibe auch noch ein paar wenige tanzbare Stücke; Allen voran das durch stampfende Beats getriebene „Rumour Has It“. Genauso lädt der Song „He Won‘t Go“ sowie die aktuelle Single „Rolling in the Deep“, die sich im Januar schon auf Platz 3 der deutschen Charts vorarbeiten konnte, zum verstärkten Mitgrooven ein.

Ansonsten ist das Album wohl hauptsächlich für Valentinstagsfanatiker geeignet. Entweder zum Heulen, weil man als Single nur den Hund zum Kuscheln hat, oder für Paare die sich zu „Someone like you“ in wilden Knutschorgien verlieren.