Joy Denalane: „Ich bin einfach Joy“

Viele nennen sie Deutschlands Queen of Soul. Joy Denalane veröffentlicht am 20. Mai ihr neues Album „Maureen“, auf das ihre Fans fast 5 Jahre lang warten mussten. Was Joy in den letzten Jahren gemacht hat, was ihre größten Macken sind und wie persönlich ihr neues Album wirklich ist, hat sie uns am Telefon verraten.

Was hast du zwischen deinem letzten Album und jetzt gemacht?

2008 habe ich mit der Platte angefangen, die jetzt rauskommt. Ich habe die erst mal geschrieben und aufgenommen, und zwar auf Englisch. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich es wagen wollte, die Platte ins Deutsche zu übersetzen um zu gucken, was damit passiert. Da habe ich mir auf der Arbeitsebene den Max zum Texten dazu geholt, und auch noch Baris Aladag, der sonst auch viel mit Clueso zusammen macht. Zusammen haben wir dann angefangen zu übersetzen.  Und es hat wirklich geklappt, was mich sehr überrascht hat. Auf meinem letzten Album „Born and Raised“ hatte ich ja auch schon versucht, Texte vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen, hatte das aber als nicht gut befunden. Vielleicht war damals die Bereitschaft dazu noch nicht so da.

Jetzt hatten mich in den letzten drei Jahren so viele Fans und Leute aus meiner Familie angesprochen, warum ich denn nicht mal wieder was auf Deutsch machen würde. Ich hatte dann immer als Argument, dass ich es so schwer finde, auf Deutsch einzusingen und dass ich die deutsche Sprache speziell für Soulmusik nicht so optimal finde. Das reichte dann aber irgendwann nicht mehr, und dann habe ich das als Herausforderung gesehen, das Übersetzen doch noch mal zu probieren. Das hat dann geklappt. Zwischendrin habe ich immer mal wieder Songs rausgeworfen und neue mit reingenommen, die ich erst mal frisch schreiben musste.

So ist dann die Zeit ins Land gezogen. Ich bin an die Uni gegangen und habe studiert, habe mich um meine Kinder gekümmert.  Und irgendwie waren dann plötzlich 5 Jahre vorbei.

Du singst auf Deutsch und auf Englisch. In welchen Situationen singst du lieber Deutsch, in welchen auf Englisch?

Schwierige Frage. Solange der Song nur auf dem Papier steht und die Melodie in meinem Kopf ist, ist der Song abstrakt. Sobald er dann auf einer Sprache eingesungen ist, hat er seine Daseinsberechtigung und ist gesetzt. Beide Sprachen haben dann eine ausgewogene Berechtigung.
Witzigerweise ist es wenn ich singe so, dass ich gerade diese Zwischentöne erst mal auf Englisch raus ausdrücken will, obwohl meine Muttersprache wirklich absolut Deutsch ist. Ich erkläre mir das so, dass die Soulmusik, mit der ich ja auch aufgewachsen bin, nunmal Englisch geprägt ist und mich selbst auch so geprägt hat, dass ich mit diesem Genre per se die englische Sprache verbinde. Das hat sich so richtig eingebrannt. Daher kann es durchaus sein, dass mir bestimmte Emotionen, die ich beim Singen ausdrücken will, erst mal auf Englisch ins Ohr kommen, bevor sie mir auf Deutsch einfallen. Komisch, oder?

Wie würdest du dein neues Album „Maureen“ beschreiben?

Es ist durch und durch ein Album der Liebe. Es ist ein sehr klassisches Joy Denalane-Album, hat aber als Neuerung eine Facette, die es vorher so nicht gab. Eine Nahbarkeit oder vielleicht auch Verletzbarkeit, die die Alben davor so nicht hatten.

Du sagst, dass du mit dem Album die beiden Seelen in deiner Brust erforschst. Wie sehen die beiden aus und was hast du über sie herausgefunden?

Das ist erst mal als Metapher zu verstehen. Man trägt einfach zwei Seiten in sich. Die eine führt ein relativ konventionelles Leben und bewegt sich in einer gewissen Ordnung. Und dann ist da noch die andere Seite, die sich überlegt, was passiert, wenn ich jetzt auf den Knopf oder den anderen Knopf drücke. Da habe ich in den letzten Jahren einfach meine Erfahrungen gemacht.

„Maureen“ ist dein zweiter Vorname. Warum hast du den Titel gewählt?

Der beschreibt einfach ganz gut den Reifeprozess oder auch die Zerrissenheit, die während so eines Reifeprozesses entsteht. Ich habe mich auf der Platte auch viel mit Trennung auseinander gesetzt und mit allem, was so eine Trennung mit sich bringt. Manche Dinge im Leben tut man, obwohl man weiß, dass sie Folgen haben werden. Das meine ich auch mit „Maureen“, dass man zwei Seiten in sich trägt. „Maureen“ beschreibt einfach sehr passend  die Dualität in mir aber auch die neue Facette der Platte. Weil es ja auch mein Name ist, finde ich den Titel dafür einfach sehr passend. Vielleicht hört man das ja auch.

Welcher Titel vom Album geht dir gerade besonders nah?

Im Moment „Frei“.

Warum?

Weil ich den gestern in Berlin performt habe. Der Song hatte auf einmal für mich so eine Tiefe, die mich selbst richtig gerührt hat. Als Song. Manchmal steigt man, wenn man Songs singt, die man auch vielleicht selbst geschrieben hat, aus allem raus und ist dann gar nicht mehr der Schreiber sondern eine ganz andere Person, die das alles fühlt. Gestern hatte ich plötzlich das Gefühl, während ich den Song performt habe, dass es eine andere Frau ist, die diesen Schmerz im Song empfindet.

Was inspiriert deine Musik und deine Texte?

Natürlich mein eigenes Leben und meine Gedanken, aber auch meine Beobachtungen. Ich schaue immer, was die Menschen in meinem Umfeld, aber auch außerhalb meines Umfelds, machen, wie sie sich Verhalten. Da bin ich relativ wachsam. Daher inspiriert mich alles Mögliche zum Schreiben, nicht immer nur meine eigenen Geschichten.

Wie persönlich ist „Maureen“ als Album?

Das ist mit Sicherheit mein persönlichstes Album, weil ich auch Lieder darauf habe, die sehr nah mir dran sind, in denen ich auch mit mir selber spreche und meine Gefühle beschreibe. An anderen Stellen ist es dagegen aber eher beobachtend und feststellend.

Warum hast du „Niemand“ als erste Single auswählt?


Weil ich ihn stark fand. Es ist ein sehr persönlicher Song. Im Vordergrund geht es um Liebe, aber es ist schon eine Erinnerung und eine Art Mahnmal für mich selbst, durchlässig, aufmerksam und wach für die Dinge zu bleiben, die in meinem persönlichen Umfeld, aber auch im weiteren Sinne, passieren.  Der Song hat einfach eine Energie, die mir als Person relativ nah kommt. Ich empfinde mich auch als eine Frau, die eine bestimmte Energie hat und hoffnungsvoll ist. Es soll kein Lied sein, das einen verzagen lässt. Im besten Fall soll es ein Lied sein, dass einen animiert, zu überlegen, ob man sich daraus was nehmen kann. Ich fand ihn dazu auch musikalisch sehr ansprechend, da er diese Energie einfach sehr gut transportiert.

Ein anderer, sehr intensiver Song auf deinem Album ist „Nie wieder, nie mehr“. Erzähl doch mal etwas dazu.

Der Song ist entstanden, als ich mich gerade getrennt hatte. Ich wollte meinem Unmut richtig Luft machen. Ich bin keine Person, die so in sich gekehrt ist, wenn es ihr nicht gut geht, oder die lange trauern kann. Das entspricht einfach nicht meinem Charakter. Ich werde eher wütend, wenn ich mich mit nicht so schönen Erfahrungen auseinandersetze. Diese Wut will der Song ausdrücken, die ich damals empfunden habe. Mir war aber wichtig, dass man jetzt keine schmutzige Wäsche wäscht und die Geschichte eindimensional darstellt, deswegen wollte ich unbedingt diesen männlichen Gegenpart in Form eines Sängers, der dann seine Geschichte in diesem Song erzählt, und das alles relativiert. Das war mir wichtig, dass man dem Ex-Partner in dem Moment noch den nötigen Respekt zollt.

Du wirst oft als Deutschlands Soulqueen bezeichnet. Setzt dich dieser Titel manchmal unter Druck? 
 
Nein, fast gar nicht. Es ist zwar auf eine Art und Weise sehr ehrbar, so einen Titel verliehen zu bekommen. Ich freue mich zwar über so einen Titel, aber ich definiere mich nicht darüber. Ich definiere mich nur über die Arbeit, die ich leiste. Alles andere ist dann so oberflächlich und hat nichts mit meinem eigenen Dasein als Künstler oder meiner Musik zu tun. Ich würde es außerdem vermessen finden zu sagen, ich bin diejenige dem dieser Titel gebührt. Ich habe diesen Titel irgendwann, irgendwie bekommen und anscheinend ist er bisher noch an niemand anders weitergegeben worden. Aber das beeinflusst nichts in meinem  musikalischen Wirken oder meiner Selbstwahrnehmung. Ich bin einfach Joy.

Was ist deine größte Macke?

Ungeduld! Ich bin super ungeduldig. Jeden Morgen wenn die Kinder nicht schnell genug sind und nicht an der Tür stehen, wenn wir los müssen. Ich komme so ungern zu spät. Ich möchte immer gerne pünktlich sein, und sobald ich auch nur 5 Minuten über der Zeit bin, werde ich extrem nervös. Das geht sofort durch meinen ganzen Körper. Ich habe so eine allgemeine Ungeduld. Die kommt immer relativ schnell und das bekommen am meisten die zu spüren, die mir am nächsten stehen.

Du bist wieder mit Max Herre zusammen. Hat Euch das Album wieder zusammen gebracht?

Nein, wir waren vorher schon wieder zusammen, es ist nur jetzt erst rausgekommen. Wir haben uns echt gewundert und waren angenehm überrascht, dass uns die Presse so lange in Ruhe gelassen hat, obwohl wir öfter zusammen gesehen wurden.  Da hätte man schon annehmen können, dass da was im Busche ist. Wir waren aber schon zusammen, als es um die Aufnahmen der deutschsprachigen Songs ging. Wir haben uns einfach wieder angenähert, weil wir durch die Kinder trotzdem im ständigen Austausch waren und dann irgendwann auch genügend Abstand gewonnen hatten, sodass wir die tollen Seiten an uns wieder sehen konnten.

Wie sieht’s mit einer Tour in diesem Jahr aus?

Ich spiele diesen Sommer ein paar Festivals und die Tour kommt dann auf jeden Fall im Herbst.

Fotos: Jackie Hardt

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