CD Kritik: Jupiter Jones – „Jupiter Jones“

Jupiter Jones kannten bis vor knapp einem Jahr fast nur Leute, die entweder ständig auf Konzerte und Festivals pilgern, oder seit Jahren ihre myspace- und LastFM-Profile wie eine Bibel pflegen. Drei Alben auf eigenem Label haben die Jungs aus Münster und der Eifel in den letzten 7 Jahren produziert. Jetzt steht mit „Jupiter Jones“ seit dem 25. Februar das erste Major-Album in den Läden, die Single „Still“ hat es bereits an die Spitze einiger Hörer-Charts geschafft.

„Still“, der erste Vorbote des Albums, lässt glauben, dass da schon wieder irgendsoeine deutsche Indie-Poprock-Truppe um die Ecke kommt, gefangen irgendwo zwischen Kettcar und Revolverheld. Doch weit gefehlt. Jupiter Jones können weit mehr, als sich nur verschachtelter Texte und gefühlsschwangerer Melodien zu bedienen. Auf ihrem neuen Album beweisen sie durchaus, dass man Jupiter Jones in keine einzelne musikalische Schublade stecken kann.

Statt Schubladen sollte man sich eher ein riesiges Expedit-Regal eines großen schwedischen Möbelhauses vorstellen – In jedes Fach passt ein Stückchen Jupiter Jones: Ein bisschen Pop, viel Rock, ein gehöriges Stückchen Punk, eine dicke Scheibe Indie, ein Brocken Singer/Songwriter, ein Töpfen Gefühlsduselei, ein Glas voll Melancholie, eine Tütchen Wut, eine Reisetasche voll Wortwitz, ein Pott voll rotzig-rauhalsiger Stimme, eine gute Portion Rock‘n‘Roll Attitüde, ein Haufen Lautstärke und ein See voll nachdenklicher Ruhe. Und das sind noch lange nicht alle Bestandteile, die Jupiter Jones auf ihrem gleichnamigen Album vereinen.

Jupiter Jones singen vom Leben. Von Selbstzweifeln und Liebeskummer, komischen und schönen Gefühlen in der Magengegend, vom Nachgrübeln über die Gesellschaft und Zukunft. „Komm niemals nach Bad Bentheim“ warnen sie, wenn man nicht am falschen Ende des Kneipenbretts des Lebens enden will.

Die zwölf Titel auf „Jupiter Jones“ reißen mit. Tracks wie „Der Hund, der Stock, die Tür“ oder „Immerfürimmer.“ machen es fast unmöglich, die Füße stillzuhalten. „Alter Mann wo willst du hin?“ und „Sonne? Scheint!“ haben riesiges Potenzial zum Mitgrölen. Dann die Zäsur – Auf wilden Pogo folgt Gänsehaut. Mit „Still“, „Berlin“ und „Hier oben (…Jupp)“ wissen Jupiter Jones zu berühren ohne dabei zu tief in die Kitschkiste zu greifen. Wo andere Bands sich stumpfer Klischees bedienen und hinter schnulzigen Textzeilen verstecken, macht Jupiter Jones-Sänger Nicholas Müller einfach nur den Mund auf, und drückt mit seiner unverkennbaren rauen Stimme genau das aus, was man sonst selber nie so treffend in Worte fassen kann. Aufrichtig, gefühlvoll und gnadenlos ehrlich, aber immer ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Da fragt man sich, wie es einer Band gelingen kann, immer so passende Texte zu schreiben und diese dann auch noch so treffend mit der richtigen Melodie zu verbinden. Jupiter Jones machen scheinbar einfach das, was ihnen gefällt und stehen zu 100 Prozent hinter ihrer Musik. Das hört man und das spürt man.

Foto: Sony Music / Columbia

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