Die Katha und das Hurricane – Blog 2010

Mittwoch, 16.06. – Kabelbinder kann man ja immer mal gebrauchen…

23:37 Uhr – So, ich gebe auf. was jetzt nicht in meinem Rucksack ist, ist halt nicht in meinem Rucksack und kommt auch nicht mehr mit. Morgen früh geht es los Richtung Norden zum Hurricane Festival 2010. Wie letztes Jahr beim Area4 werde ich zusammen mit einer Bekannten live vom Festival bloggen – sofern das denn in der Wildnis möglich ist. Fotos wird es auch geben, aber nur vom Gelände und nicht von den Bands. Das dürfen nur die ganz großen dieses Jahr. Dazu gehören wir nun leider nicht.

Während ich in den letzten Jahren immer noch fleißig für alle Festivals vorgeplant und vorgepackt habe, herrscht bei mir dieses Jahr eher das Chaos. Die Verpflegung muss dieses Jahr noch auf dem Weg gekauft werden, das obligatorische Gaffa Tape ist unauffindbar und überhaupt liegt 90% meiner Camping-Hardware noch in Osnabrück, und muss ebenfalls noch eingesammelt werden. Dafür habe ich circa 80 Kabelbinder in verschiedensten Größen in meinen Rucksack geworfen. Man weiß ja nie, wozu die noch gut sein können.

So long, bis morgen!
Katharina


___________________________

Freitag, 18.06. – Es geht loooos!

In zwanzig Minuten beginnt offiziell das Hurricane Festival 2010 in Scheeßel. Wie jedes Jahr zieht das Festival wieder über 60.000 Besucher an, die sich 3 Tage lang mit guter Musik von über 70 Bands und viel Feierei auf den Campingplätzen vergnügen wollen. Musikalische Highlights sind neben vielen anderen die Beatsteaks, Jack Johnson, Billy Talent, The Strokes, Mando Diao, The Prodigy, Deichkind, Faithless und Massive Attack. Kristin und ich werden Euch das ganze Wochenende über so gut es geht live an dieser Stelle mit Updates und Fotos rund um Musik, Campingplatz und neueste Festivaltrends versorgen.

__________________________

Freitag, 18.06.2010; 14:40 Uhr

Gerade spielt Deutschland. Über 20.000 Festivalbesucher haben sich vorhin beim Public Viewing auf dem Campingplatz die Seele aus dem Leib geschrien, als Klose gelb-rot gesehen hat. Der Campingplatz ist seit gestern Abend schon brechend voll und die Stimmung ähnelt mal wieder einem riesigen Jungesellen-Abschied auf Klassenfahrt. Kristin dürfte in den nächsten Minuten auch eintrudeln, so dass das Blogging-Duo-Infernale dann endlich komplett und zu jeder Schandtat bereit ist.

Bandtechnisch steht heute einiges auf dem Programm. Ich will unbedingt Biffy Clyro, Hot Water Music, Paramore, Dropkick Murphys, The Temper Trap und Tegan & Sara sehen. Leider überschneidet sich da eine ganze Menge, so dass ich mich wohl entweder klonen oder nach der Hälfte des Auftritts zur anderen Bühne rennen muss.

Dass die Beatsteaks heute Abend richtig gut abgehen werden, ist gesichert. Ich konnte vorhin schon kurz beim Soundcheck zusehen, und das war wirklich grandios, was es da auf die Ohren gab.

Auf dass die fetten Regenwolken sich endlich verziehen.

Beste Festivalgrüße!
____________________________

Freitag, 18.06.2010; 20:30 Uhr

Kennt ihr das Gefühl, wenn sich nach einem fiesen Sonnenbrand das halbe Gesicht abschält? So ähnlich geht es meinem gerade – nur nicht von der Sonne, sondern vom Staub. Es ist verdammt windig, so dass Sand und Erde von den Camping-Stoppelfeldern immer wieder schön verteilt werden. Wenn dann das Publikum vor der Bühne noch abgeht als gäbe es keinen Morgen mehr, liegt ein dunstiger Grauschleier über dem gesamten Festivalgelände. Dass hier noch kein Flugverbot wie bei der Aschewolke herrscht, ist auch alles. Aber was wäre das Hurricane Festival auch schon ohne Matsch, Staub, Wind, Kälte, Hitze, Regen und Sonne? Und bitte in der Reihenfolge. Oder eigentlich gleich alles auf einmal.

Biffy Clyro hat heute nachmittag wunderbar chillig den Festivalreigen eröffnet. Hot Water Music, die ich danach eigentlich unbedingt sehen wollte, habe ich leider nur vom Pressezelt aus neben der Bühne gehört. Worauf verzichtet man nicht alles, um seine Freunde wieder zu finden. Leider erfolglos bisher.

Überraschend gut waren Paramore. Sängerin Haley hat sich sichtlich gefreut, wie die Hurricanianer vor der Bühne das Tanzbein und die pinken Telekom-Patschehändchen geschwungen haben. Und Madsen, Hut ab! Energiegeladen wie kaum eine Band heute hat Frontmann Sebastian die Menge ordentlich nach vorne gepeitscht. Und das keine 4 Monate nach seinem schweren Unfall, bei dem er während des Videodrehs zu seiner aktuellen Single „Lass die Liebe regieren“ aus 5 Meter Höhe auf einen Betonboden stürzte und sich das Handgelenk zertrümmerte. Die Staubwolke wabert immer noch vor der Green Stage. Die wird dort auch noch länger bleiben, denn jetzt kommen die Dropkick Murphys. Direkt danach die Beatsteaks… Da wird die Hölle losbrechen!

So, und wer sperrt jetzt den Luftraum über Scheeßel wegen Staub?

…das fragt sich Katha.
_________________________________

Freitag, 18.06.2010; 21:57 Uhr

Hurricane!!! Nach einer gefühlt ewig-langen Fahrt erreiche ich endlich das Gelände, den Staub und die Masse an Zelten. Der Freitag startet recht langsam: „Kashmir“ und die „shout out louds“ liefern eine solide – aber recht langweilige und vorhersehbare – Show. „It’s impossible“ dröhnt es von den Lautsprechern und genau das denke ich, während ich mich von der Bühne entferne. Auf der anderen Seite aber bereits jetzt schon diese besonderen Momente: die Ruhe, die einkehrt bevor die Band die Bühne betritt, die Freude, Aufregung und Spannung, die man mit so vielen Menschen teilt; Zeltnachbarn, die sich zur Feier des Jahres in Entenkostüme zwingen, Grill-Geruch in der Luft und überall Ausgelassenheit.

Der große Konflikt ist am Samstag Abend zu lösen: schaut man sich die neunziger Jahre Helden von den „Stone Temple Pilots“ an oder setzt man ein Zeichen für der Jetztzeit mit „Archiv“ und „The XX“. Während diese Frage meine Freunde beschäftigt, frage ich mich, wohin mit meinem Notebook. Im Gedächtnis habe ich die große Diebstahl-Aktion aus dem letzten Jahr. Zwei Freunde klauten aus Zelten die linken Schuhe und bastelten aus ihnen eine lange Kette. Nun, eine Notebookkette würde sich wohl kaum herstellen lassen. – In diesem Sinne gehe ich guten Mutes zu den „Beatsteaks“ und „Mando Diao“, was einen sowieso die Furcht vor Diebstahl vergessen lässt. Eine gute und irgendwann geruhsame erste Nacht wünsche ich mir und auch Euch, Eure Kristin_la_bien.

___________________________________

Samstag, 19.06.2010; 11:00 Uhr

Aufwachen mit Rückenschmerzen und nicht zuordbaren blauen Flecken am ganzen Körper. War der letzte Abend das wert? Und wie. Nach der nachmittags Flaute zeigten die Beatsteaks was gekonnte Publikumsunterhaltung ist. Auch wenn sie sich so langsam an die Menschenmengen bei ihren Konzerten gewöhnt haben dürften, spürte der Zuschauer auch dieses Mal wie überwältigt die Band von ihrem Erfolg ist. Um mich blickend konnte ich in viele lächelnde Gesichter schauen. Die Beatsteaks machen glücklich. Einzig die Ordner haben die Freude bei diesem Konzert getrübt: Eine dreiviertel Stunde vor Beginn schlossen sie bereits den vorderen Bereich ab, der verhältnismäßig leer blieb. Hinter der ersten Absperrung staute sich entsprechend die Fangemeinde.

Eine ganz andere Situation dagegen bei Mando Diaos Auftritt. Von den Beatsteaks lief ich hinüber zur Blue-Stage mit mäßigen Erwartungen. Mando Diao waren vor vier Jahren meine Helden – aber jetzt? Durch Zufall konnte ich in den vorderen Bereich und durfte ein unglaubliches Konzert verfolgen. Mit Licht und einer Stahlblume als Mikrofonständer schaffte die Band schon eine besondere Atmosphäre, die Gustav und Björn durch eine Wahnsinnsperformance steigerten. Alle großen Erfolge wurden gespielt und zum Schluss drei Akustikversionen, bei denen das Können der Brüder im Umgang mit ihren Instrumenten (Gesang und Gitarre) überwältigte. Zum Schluss Regen und Gustav bedankte sich bei dem Publikum, das trotzdem blieb. Ganz reizend. Jetzt erst mal raus aus dem Zelt für die erste Zigarette. Eure Kristin_la_bien

___________________________________

Samstag, 19.06.2010; 12:25 Uhr

Guten Morgen Sonnenschein! Die erste offizielle Festivalnacht ist wohl an keinem spurlos vorbei gegangen. Bei mir machen sich die 12kg Kamera-Equipment bemerkbar. Mein Nacken ist so steif, dass ich meinen Kopf kaum noch drehen kann. Eigentlich könnte ich mir gleich Scheuklappen umhängen. Aber was tue ich nicht alles, damit Ihr hier schöne Fotos sehen könnt

Mein persönlicher Erfolg des Tages: ich habe die Security endlich davon überzeugen können, dass ich mit meinem Auto auf den VIP-Campingplatz darf! Endlich keine 3 Kilometer mehr morgens und abends laufen, um die Kamera zu verstauen. Mein Nacken freut sich gerade nen Ast!

Musikalisch geht es am frühen Morgen schon ordentlich los. The Blackout haben vorhin schon so derbe Alarm gemacht, dass nicht nur die eingfleischten Fans und Punks schon um 12 auf das Gelände gekrabbelt kamen.
Ansonsten steht heute der Tag der schweren Entscheidungen bevor. Charlie Winston überschneidet sich mit Billy Talent, Marina & The Diamonds mit Skunk Anansie, We are Scientists mit Timid Tiger… ich könnte das jetzt ewig so fortführen. Meine vorläufiger Plan für heute: We are Scientist, dort früher gehen und rüber zu Timid Tiger, Coheed and Cambria, Deftones, Skunk Anansie, Jack Johnson, Archive, Charlie Winston und Massive Attack.

Irgendwo dazwischen gibt’s noch eine kleine Überraschung mit Marina and the Diamonds, wenn alles klappt. Mehr verrate ich Euch aber noch nicht

Es winkt Euch aus Scheeßel
Die Katha.
________________________________

Samstag, 19.06.2010; 17:30 Uhr

Schnell die frischen Eindrücke von den Deftones: Rock’n’Roll, Baby! Durchgeschwitzt und dreckig bis zum geht nicht mehr und leider ein Verletzter. Die Band forderte zum Kreishüpfen auf, was die schon aufgeheizte Menge nicht mehr wirklich kontrollieren konnte. Plötzlich Aufruhr: ein Junge liegt mit verdrehtem Bein am Boden, kann nicht mehr aufstehen. Die sonst so engagierten Ordner bemerken nichts – im Gegensatz zum Publikum, das einen Kreis um den jungen Mann bildet, dann einen Gang zu den Ordnern – nach fünf Minuten reagiert die Band, sichtlich schockiert, und stoppt die Musik.

Ansonsten bisher ein ruhiger Tag mit Gang zum Auto, grillen und die Zeit mit den Freunden genießen. Eine kleine Punkband spielte auf einem Teppich, in der Hoffnung darauf entdeckt zu werden oder einfach um Spaß zu haben. Der legendäre Nackttrompeter ist auch wieder am Start und die Müllberge häufen sich. Auch die Suche nach einem stillen Plätzchen in den angrenzenden Waldstücken ähnelt bereits einem Gang durch ein „Mienenfeld“. In zwei Stunden werde ich mich nach vorne drängen, um dann bei den Stone Temple Pilots (21:30) einen guten Platz zu haben – die Nachteile von großen Festivals. Bis später, Eure Kristin_la_bien
_____________________________

Samstag, 19.06.2010; 18:50 Uhr

So, ich muss mich hier ganz schrecklich beeilen, weil ich Jack Johnson auf keinen Fall verpassen möchte.

Ich wollte Euch eigentlich heute einen kleinen Backstage-Einblick gewähren. Ich hatte durch Zufall heute Nachmittag ein Meet & Greet mit Marina and the Diamonds. Vielen lieben Dank, Becks Music Experience! Nur war das nicht gerade besonders ergiebig. Erst gab die gute Dame im Neon-Outfit zu spät – typisch Musiker – und dann nahm sie sich ganze 3 Minuten für uns Zeit. Hallo, wie geht‘s, Foto, viel Spaß noch. Ein wenig enttäuschend und auch die liebe Nicole von Beck‘s war über das flotte Abrauschen etwas verdattert. Dafür durften wir dann zusehen, wie Billy Talent nebenan von MTV interviewt wurden. Der Sänger der Band, Ben, trägt übrigens ganz festivalstandesgemäß Gummistiefel. Und wenn er dann schon mal in Deutschland ist, müssen die auch von St. Pauli sein.

Oh nein, noch 2 Minuten bis es Stage Time für Jack Johnson heißt!

Ich bin erst mal weg – die Katha.
_____________________________

Sonntag, 20.06.2010; 11:25 Uhr

„Lena Meyer-Landrut ist eine Schildkröte“ – mit solchen schönen Schriftzügen entließen gestern Massive Attack die Festivalwütigen in die Nacht. Die Schrift lief als Teil der Laser- und Lichtshow hinter der Band auf Leinwand. In ihren pompösen Kleidern und mit stoischer Gelassenheit selbst bei den höchsten Tönen beeindruckte die Sängerin und bildete einen schönen Gegenpol zum nordisch kühlen Mastermind. Ich war schon körperlich an jeglichen Grenzen und wippte einfach mit Augen zu.

Bereits um 19 Uhr hatte meine große Abendshow begonnen: zuerst zwangsläufig Porcupine Tree – gar nicht meine Musik, irgend ein seltsamer Romantik-Metal. Mit meinem Desinteresse an der Band war ich nicht allein; einige warteten im vorderen Bereich wie ich auf die Stone Temple Pilots; andere bereits auf Billy Talent. Man saß also zusammen, trank was und quatschte, während sich diese wirkliche seltsame Band vorne abmühte. Dann warten und … endlich: Scott Weiland die Coolness in Person, mit ganz großen Rock-Gesten und natürlich wurde das erste Mal am Ende des Auftritts über den Applaus gelächelt. Eine gelungene Mischung zwischen Klassikern wie Plush, Interstate love song und dem fulminanten Vasoline sowie den neuen Songs, die auch auf eine sinnvolle Reunion hoffen lassen. Sehr kurz erschien mir die Show; es gab keine Zugabe und gerade das war irgendwie erfrischend im Vergleich zum vorprogrammierten „und noch eins, ein letztes, nur für Euch“.

Für viele der Höhepunkt des ganzen Festivals: Billy Talent. Während ich warte, komme ich mir verdammt alt vor. Ich unterhalte mich mit drei Jungen, alle siebzehn – das heißt Jahrgang 1993, da besuchte ich schon die dritte Klasse. Für viele ist Billy Talent die Generationsband wie früher Nirvana. Und live sind sie wirklich, nicht zuletzt wegen des abgehenden Publikums, der Wahnsinn, es wird getanzt und geschüttelt was die Halswirbel hergeben und die Musiker sind einfach sympathisch authentisch, erzählen davon, dass sie niemandem mehr vertrauen können, nachdem sie von ihren Ex-Freundinnen betrogen wurden und widmen ein Lied den Beatsteaks, „ohne die sie nicht hier wären“. Schön. Eure Kristin_la_bien
________________________________

Sonntag, 20.06.2010; 11:30 Uhr

Freunde der Sonne, es ist Finaltag! Es geht in die letzte Runde mit Good Shoes, Does it Offend you, yeah?, Revolverheld, Gaslight Anthem, Turbostaat, Donots, Ash, Vampire Weekend, Deichkind und The Strokes. Hallelujah!

Damit ihr auch mal sehen könnt, wie wir beide die letzten Tage verbracht haben, haben wir auch mal ein Foto von uns hier bei der Arbeit hochgeladen. Die Farbe der Tischdecken im Pressebereich ist wirklich wunderschön, nicht?

Ich bin Euch noch einen Kurzbericht zum musikalischen Geschehen schuldig. Coheed and Cambria und die Deftones gestern waren reinster Zucker. Es ging ab wie die Luzi und vom Rasen im vorderen Pit ist nun wirklich nichts mehr übrig. Die Stone Temple Pilots haben sich meinen vollsten Respekt verdient. Wie man in dem Alter noch so viel Energie und Charisma haben kann, ist wirklich unglaublich. Und sogar Billy Talent hat sich gestern gut in meine Beine gerockt. Ich habe die Kanadier inzwischen schon auf diversen Festivals mindestens 5 mal live gesehen, aber bisher konnten sie mich nie so richtig mitreißen. Ganz anders gestern. Alle vier Mannen haben sich die Seele aus dem Leib gespielt. Wahrscheinlich weil sie sich so darüber gefreut haben, endlich nach 4 Jahren Hurricane endlich die Headliner-Rolle bekleiden zu dürfen. Leider trug Ben am Abend nicht mehr die St. Pauli Gummistiefel… Trotzdem Hut ab!

Größte musikalische Enttäuschungen des gestrigen Tages: Jack Johnson. Der smoothe Singer-Songwriter ist mit seiner ruhigen Musik auf der Blue Stage einfach untergegangen. An einem schönen Lagerfeuer oder einfach auf der Zeltbühne hätte seine schöne Stimme einfach viel besser wirken können… Und wahrscheinlich hätte man sie sogar gehört.

Zeltbühnenprobleme gab es gestern dann auch noch im ganz großen Stil. Die White Stage, die es dieses Jahr zum ersten Mal mit fettem Elektroprogramm gibt, war dem unglaublichen Ansturm nicht gewachsen. Für Frittenbude hatten sich mehrere Tausend Besucher schon über eine Stunde vor Beginn am bereits vollen Zelt angestellt. Als Frittenbude dann loslegte, brach draußen das totale Chaos aus. An einem Eingang warfen die anstehenden Fans kurzerhand die Absperrungen um und stürmten das überfüllte Zelt. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin das restliche Programm des Abends auf der White Stage abgesagt. Ich bin gespannt, wie die Veranstalter das Problem heute lösen wollen…

Ich besetze dann schon mal meinen Platz in der ersten Reihe. Oder auch weiter hinten. Eure Katha.
________________________________

Sonntag, 20.06.2010; 14:50 Uhr

Ein ganz kurzes Update: Katzenjammer und La Brass Banda sorgen hier gerade musikalisch für echte Abwechslung. Das ganze VIP Zelt neben der Bühne groovt mit. In der Zwischenzeit bin ich den Herren von Revolverheld über den Weg gelaufen. Dank der Jungs darf ich gleich doch noch ein paar Bandfotos machen. Zwar „nur“ von Revolverheld, aber immerhin seht ihr dann auch mal wie die Bühne von nahmen aussieht

Vielen Dank an Mika (Tourmanager) und Revolverheld Johannes!

Rein in den Graben!
Katha
________________________________

Sonntag, 20.06.2010; 15:40 Uhr

Liebe Leser und Leserinnen, meine Gesundheit hat mir einen Strich durch den letzten Festivaltag gemacht. Nun sitze ich mit hochgezogener Nase im Zug und darf mich von komischen anderen Fahrgästen anmaulen lassen: Ich finde glücklich einen Platz mit der Reservierung Köln-Mainz, setzte mich, da die Kommentare: „Unglaublich, da setzt sie sich einfach hin, unverschämt“. Ich blicke fragend um mich, mir keiner Schuld bewusst. „Das sind unsere Plätze, was fällt ihnen ein.“ Kann ich hellsehen oder was? Schon beginne ich den Frieden auf dem Festivalgelände zu vermissen; die vielen schönen jungen Menschen, die auch im größten Dreck und trotz enormer Lautstärke höflich miteinander umgehen können.

Mein Highlight in diesem Jahr wären vermutlich die Strokes gewesen, da ich sie nicht sehen konnte….am meisten Spaß hatte ich bei den Deftones, am schönsten war das Konzert von Mando Diao. Und noch zum Thema nette Menschen, das sich mir jetzt so aufdrängt: die meiste Zeit war ich auf den Konzerten alleine, um davor und danach mit meinen Freunden Zeit zu verbringen; man muss dann keine Rücksicht nehmen, kann kommen und gehen, wann man möchte und alleine ist man auf dem Hurricane-Festival nie. Einfach auf die Leute zu gehen und unterhalten; in so kurzer Zeit so viele tolle, seltsame und interessante Menschen kennenlernen – das kenne ich nur von Festivals und auf Backpacker-Tours in Hostels. In diesem Sinne auf zum nächsten Festival mit hoffentlich stabilerer Gesundheit. Gute Reise, Eure etwas wehmütige Kristin_la_bien

_____________________________

Sonntag, 20.06.2010; 18:10 Uhr

„Die hat kein Band für den Graben, darf aber trotzdem rein!“ Mit den paar Worten bin ich kurz vor Revolverheld in den Bühnengraben geschleust worden und konnte ein paar feine Bilder schießen. Die sind noch unterwegs, gerade streikt das Internet ein wenig im Pressezelt.

Was für ein wunderbarer letzter Festivaltag!
Ich komme gerade aus dem Frontpit von The Gaslight Anthem und bin absolut blitzverliebt in die Musik, in die Band und überhaupt alles. Endlich, endlich ist die Sonne richtig rausgekommen und man konnte für einen Moment einen wunderschönen Sommerhauch spüren. Die Menschen sind bestens gelaunt. Kaum zu glauben, dass der Zauber in ein paar Stunden schon wieder vorbei ist.

Vorhin war auch noch die offizielle Pressekonferenz. Die Veranstalter konnten bisher ein recht positives Resümee ziehen. Laut Polizei etwas über 70.000 Besucher, relativ wenige Zwischenfälle (wenn man einmal von den Taschendiebstählen und einer Portion Paintballkugeln absieht, die auf dem Campingplatz von einer Festivalnase so lange auf einem Gaskocher gekocht worden sind, bis sie einfach explodierten…), und mehr als 78.000 verkaufte Dosen Bier alleine auf dem Campingplatz.

Bei den Zahlen frage ich mich, wie viele Hektoliter Bier wohl dieses Wochenende getrunken wurden. Könnt Ihr das schätzen? Ich nicht. Aber es dürfte ein mittelgroßer See sein.

Prost!

Eure Katha (die für Euch die Stellung hält und der armen Kristin ein dickes „Gute Besserung“ hinterher schickt!)
______________________________

Sonntag, 20.06.2010; 21:05 Uhr

Hilfe, die Welt geht unter! Zumindest dachte ich das, als ich vorhin meine Kamera umgeschnallt hatte, um noch ein paar Sonnenbilder zu machen. Draußen schüttete es plötzlich, als ob Petrus helfen wollte, dass das Hurricane auch wirklich seinem Namen gerecht wird. Ich hoffe, mein Zelt ist bisher noch nicht weggeschwommen.

Gerade donnern neben mir Faithless ihr Programm runter. Ich nicke die ganze Zeit mit dem Kopf mit, ob ich es will oder nicht. Die Altmeister der elektronischen Musik wissen einfach immer noch mit am besten, was sie da tun.

Weiteres musikalisches Highlight vom frühen Abend: VAMPIRE WEEKEND! Ich bin fast so blitzverliebt in die fröhliche Musik und Ausstrahlung der Band wie bei The Gaslight Anthem. Da hüpfte es sich gleich ganz beschwingt durch das Unwetter und als die Sonne wieder heraus kam, hätte die Szene auch aus einer etwas grotesken aber trotzdem merkwürdig schönen Bibelverfilmung sein können. Oder so in der Art. Beide Bands bewegen sich gerade ganz weit vorne auf meiner „Beste Bands beim Hurricane 2010 – Top 10“.
Gleich kommen noch The Strokes und danach heißt es für hier auch langsam FEIERABEND. Um 23 Uhr macht das Pressezelt zu. Ich bin wirklich etwas wehmütig und will nicht, dass so ein grandioses Festival schon wieder vorbei ist!

An dieser Stelle eine kleine Entschuldigung an Userin annepuh – Die Liebe hatte Kristin und mich netterweise zum Grillen in ihr Camp eingeladen. Leider haben wir es einfach nicht dort hinüber geschafft. Nächstes Mal, versprochen!

So, ich hole mir dann noch ein letztes Kaltgetränk und begebe mich zurück in die Menge. Vielen Dank fürs Mitlesen und die ganzen tollen Kommentare. Hurricane 2010, ich hab dich sehr, sehr gern!

Allerbeste Grüße von Eurer Hurricanianerin
Katha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.