Review: Mando Diao – Good Times

Morgen erscheint Good Times, das neue Album von Mando Diao. Ich durfte mir die Platte letzte Woche schon mal anhören und muss zugeben, dass ich das Ding gar nicht mal so schlecht finde. Besser als erwartet, sozusagen.

Ich habe zu Mando Diao ein etwas gespaltenes Verhältnis. Live habe ich sie auf Festivals schon so einige Male gesehen (das erste Mal 2005 beim Monster Rock Festival in Münster). Während fast alle um mich herum jedes Mal völlig ausgerastet sind und jedes Wort, jede Note und jedes Riff der Schweden hart abfeierten, stand ich in der Menge und dachte so… meh. Irgendwie kickt mich das jetzt nicht so richtig. Warum, habe ich nie so recht herausgefunden.

Vor nicht mal zwei Wochen habe ich einem Bekannten noch erzählt, wie wenig ich Mando Diao eigentlich mag. Tja, und jetzt schreibe ich dieses Review. Manchmal braucht es anscheinend eine längere Pause, um mit einer Band warm zu werden. Das letzte Album Aelita fand ich auch nur so mittel, den Vorgänger Infruset dagegen ganz interessant.

Mando Diao. Foto: Charli Ijung – BMG Rights Management.

Jetzt also Mando Diao mit Good Times.

Kann Good Times was? Irgendwie schon. Früher habe ich häufiger gesagt, dass sich für mich alles von Mando Diao gleich anhört. Das Gefühl habe ich bei Good Times nicht. Es klingt zwar alles noch unverwechselbar nach Mando Diao, unverkennbar tanzbar. Gleichzeitig kommt es aber recht abwechslungsreich daher, ohne dabei zu gewollt vielseitig zu wirken. Ohne dieses ganze „Wir sind die geilsten Rockstars der Welt“-Gehabe von früher. Sehr angenehm. Das mag daran liegen, dass jetzt nur noch Björn Dixard als Sänger am Start ist, Gustaf Noren hat die Band 2015 verlassen. Laut Info hat die Band diese schwere Zeit in Good Times verarbeitet. Wie sagt man so schön, die besten Songs schreibt man, wenn es einem beschissen geht. Anscheinend trifft das auch hier zu.

Denn Dreiviertel der Zeit will ich eigentlich durch meine Wohnung tanzen, auch wenn das in dem jeweiligen Moment hoffnungslos unpassend wäre. Aber dieser Sixties-lastige Sound gepaart mit elektronischen Spielereien ist tatsächlich ziemlich elektrisierend. Bei „One Two Three“, „Shake“ oder „Dancing all the Way to Hell“ fällt mir das Stillsitzen besonders schwer. Dazwischen immer wieder mal ruhigere Stücke mit einer riesigen Portion Schmerz und Melancholie. „Hit me with a Bottle“ könnte ich tatsächlich für eine Weile auf Repeat hören.  

Zwischen Skip und Repeat

Die Melancholie der ruhigen Nummern findet sich an vielen Stellen auch in den Ohrwurm-Nummern wieder, doch unterschwellig gepaart mit irgendeiner Form von Hoffnung und Optimismus. Mal eine Textzeile, mal die Passage einer Melodie. Vielleicht treffen sie deshalb gerade einen Nerv bei mir. Verrückt. Einzig mit „Money“ kann ich überhaupt nichts anfangen. Das klingt mir dann doch zu gewollt, zu kitschig und ich muss an Stefan Raab denken. Skip! Nichtsdestotrotz, wer hätte gedacht, dass ich Mando Diao auf dieser Platte fast jeden Song und fast jede Zeile direkt abkaufen würde.

Der Pressetext schreibt zum Schluss: „Good Times ist ein Manifest der Liebe und des Lebens in finsteren Zeiten.“  

Ob ich soweit gehen würde und den Satz unterschreiben würde, weiß ich nicht. Aber es steckt spürbar eine ganze Menge Emotionen aller Art und wundgespielte Fingerkuppen darin. Und sicher auch Schweiß und Tränen. Kurzum, die Platte kann man sich getrost auf die Ohren packen, ob im Park, allein auf dem Balkon oder auf der nächsten WG-Party. Und wahrscheinlich werde ich mir Mando Diao auch beim Hurricane Festival ansehen. Freiwillig 😉 

Good Times von Mando Diao erscheint am 12.05.2017.

Fotos: BMG Rights Management

2 Gedanken zu „Review: Mando Diao – Good Times“

  1. Liebe Katharina … Dein Problem mit MANDO DIAO ist: Du bist zu jung 🙂 Ich liebe „Hurricane Bar“, „Ode to ochrasy“und „Never seen the light of day“. Gerade letztgenanntes erinnert mich immer wieder an einen Urlaub mit Wohnmobil in Südschweden, wo ich klischeekitschig abends durch von der untergehenden Sonne leuchtende Felder gefahren bin und dann kam der Song „Misty Mountains“. Hör ihn Dir an und stell Dir die Szene vor. Mehr Fernweh geht nicht. Dann kam „Give me fire“ und der Überhit „Dance with somebody“. Zu der Zeit habe ich aber oft die Extreme Playgrounds geknipst und bin durch den Veranstalter auf den Telekom Streetgig nach Dresden gekommen und hab die Band dort fotografiert im Ballsaal Orpheum. Saugeile Location, Freigetränke für die Presse und ein richtig gutes Konzert. Ich habe allerdings auch schon größere Konzerte mit MANDO DIAO gesehen wo es mir ging wie Dir: Die Band wirkte arrogant und unnahbar und da hielt ich sie auch für völlig überbewertet. Die „Infruset“ war dann ein sehr interessantes Nebenprojekt und die „Aelita“ einfach ziemlicher Mist, ich weiß gar nicht ob ich es geschafft habe die mal komplett zu hören. Und jetzt … werde ich mir mal die neue Scheibe anhören

    1. Das klingt nach einer ganz wunderbaren Zeit. Es stimmt, dass ich Mando Diao nie bei einer Clubshow gesehen habe. Vielleicht hätte ich dann anders reagiert. Ich bin gespannt, wie du sie findest 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.