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Irie Révoltés mit guter Laune und politischem Zeigefinger im Skaters Palace Münster

Am vergangenen Dienstag war ich für den Terrorverlag in Münster beim Konzert von Irie Révoltés und Guaia Guaia im Skaters Palace. Hier ist der Bericht für Euch.

„A! Anti! Anticapitalista!“ schallte es am Dienstag, 1. Oktober, immer wieder durch den Skaters Palace in Münster. Die Irie Révoltés aus Heidelberg waren zu Gast und verbreiteten mit bester Laune und musikalischer Energie ihre Message gegen Faschismus, Rassismus und Homophobie, dafür für Respekt, Nächstenliebe und die Einhaltung der Menschenrechte.

Guaia Guaia 

Bevor die neunköpfige Band jedoch den gut 350 Leuten im Palast mit ihrer wilden Mischung aus frankophilem Ska, Dancehall, Reggae, HipHop und Punk so richtig einheizt, ist erst einmal das ehemalige Straßenmusiker-Duo Guaia Guaia an der Reihe. Es ist schon ein etwas ungleiches Paar, was sich da auf der Bühne an Posaune und Gitarre sowie an deutschen Raptexten und etwas schiefem Gesang verdingt. War ihr Auftritt für Mecklenburg Vorpommern beim Bundesvision Songcontest eine Woche zuvor bereits als „eigenwillig“ betitelt worden, so steht der Auftritt in Münster diesem Urteil in keinster Weise nach.

Elias Gottstein und Carl Luis Zielke singen gemeinsam schräge Songs über das Tanzen, Analphabetismus und das Pfandflaschenbusiness, die größtenteils in stampfende Elektrobeats vom Band, Posaunenlicks, Gitarrenriffs, schiefe Hooks und sozialkritische Raps verpackt sind. Das Ganze versprüht streckenweise einen leicht düsteren Kinderlieder-Charme und man weiß teilweise nicht so recht, ob man gerade einem gruseligen Comedy-Duo auf Drogen oder einem sehr durchgeknallten Impro-Theaterstück lauscht. Interessant. Da wird das Haus gegen Rassismus geputzt und gemeinsam mit dem verbliebenen Publikum zum Supermarktgott gebetet. Die beiden Herren haben definitiv eine Message. Es geht um Revolution. Und um Terroristen. Mit letzteren haben sie scheinbar so einige Geschichten erlebt, denn sie kommen mindestens in jedem zweieinhalbsten Song vor.

Die Menge ist von dieser Darbietung sichtlich gespalten. Ein Teil ist hellauf begeistert und folgt brav jeder Animationsanweisung von der Bühne. Ein anderer Teil weiß dagegen nicht so recht, ob es schockiert oder einfach nur desinteressiert da stehen soll. Der Rest sitzt im Café oder draußen und wartet lieber im Stillen auf den Auftritt von Irie Révoltés.

Irie Révoltés

Um 21.25 Uhr ist es dann endlich soweit. Im Skaters Palace ist es stockdunkel. Auf der Bühne erkennt man schemenhaft die Silhouetten der neun Bandmitglieder, die mit Taschenlampen die Suchscheinwerfer der Polizei imitieren. Allesamt haben die Kapuzen ihrer schwarzen Hoodies tief ins Gesicht gezogen. Im dunklen schwarz-weiß-roten Nebellicht und überwacht von der Antifa-Flagge eröffnen die Jungs ihr Set mit den Textzeilen „Ich wurde so geboren! Antifaschist für immer, für immer!“. Die Masse ist begeistert. Ab dem ersten Ton strömen alle von draußen in die Skatehalle und im Nu ist es vor der Bühne gleich viermal so voll als noch bei Guaia Guaia.

Das Münsteraner Publikum ist vollkommen auf Durchdrehen programmiert und feiert die Heidelberger ab dem ersten Ton frenetisch ab. Irie Révoltés geben sich abwechslungsreich und verbreiten mit ihrer bunten Musikmische extrem viel positive Energie und gute Laune, obgleich der sozialkritisch erhobene Zeigefinger gedanklich ununterbrochen gen Himmel gereckt bleibt.

Diskriminierung, Rassismus, Homophobie, Nazis, Terroristen. Es ist wahrlich nicht leicht, auf einem einzigen Konzert der Menge derart viele brennende Themen um die Ohren zu hauen und gleichzeitig noch für beste Stimmung zu sorgen. Den Irie Révoltés gelingt das hier jedoch spielend. Sie haben einfach genau das richtige Verhältnis aus politischer Message und Partystimmung im Gepäck. Dazu gehen sie auch herzallerliebst auf ihr Publikum ein. Als einer der beiden Frontmann-Brüder einen etwa 9-jährigen Jungen in der erste Reihe entdeckt, wird dieser kurzum auf die Bühne geholt. Der kleine Jeremy darf einen Song lang auf der Bühne mittanzen und bekommt noch etwas Nachhilfe bei den richtigen Moves. Am Ende klappt der Ska-Tanz schon sehr gut 😉

Nicht ganz zwei Stunden lang spielen sich die Heidelberger quer durch ihre Alben „Allez“, „Mouvement Mondial“ und „Voyage“. Als Haus-und-Hof-Band von Viva con Agua dürfen an diesem Abend der „Viva con Agua“-Song und die Becherjäger natürlich nicht fehlen. Heute sammelt hier mal nicht Skate Aid den Becherpfand ein, sondern das Original. Begleitet wird die Aktion von den üblichen linksgerichteten Parolen gegen die Polizei, den Kapitalismus und die Missachtung der Menschenrechte.

Die Irie Révoltés sind einfach eine Klasse für sich. Wenn man doch jetzt nur auch noch damals ordentlich im Französischunterricht aufgepasst hätte. So verstehen viele offensichtlich immer nur einen Bruchteil der ausgefeilten Lyrics, aber was soll‘s. Die Stimmung ist gut und die Jungs der Band stellen im Vorfeld mit ihren Ansagen immer sicher, dass auch wirklich jeder die Hauptbotschaft der Songs versteht. In die Höhe gereckte Fäuste, durch die Luft wirbelnde T-Shirts und begeisterte Sprechchöre. Man spürt regelrecht, wie das Publikum und Band an diesem Abend mit jeder Songzeile zu einem hochmotivierten Kollektiv verschmelzen. Man ist angestachelt und hat das Gefühl, man müsse jetzt sofort losmarschieren um für eine bessere Welt zu kämpfen. Auf der Stelle. Dank all der positiven Energie im Raum besteht noch mindestens für den Rest des Abends und auf der Heimfahrt die Hoffnung, auch wirklich etwas Großes verändern zu können.

Fotos: Karsten Rzehak – Danke! 

Monday Madness – I don’t like Reggae, oder Thees Uhlmann und das Faultier Wolfgang

Auf der Suche nach einem würdigen Monday Madness-Video stolperte ich gestern über folgendes, unterhaltsames Lichtspiel. Eine seltsames Wesen, das wie eine Mischung aus Flat Eric, dem Yeti und Samson aus der Sesamstraße anmutet, wandert zu den Klängen von Thees Uhlmanns „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf“ durch die Landschaft. In einer Reggae-Version!
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