Schlagwort-Archive: Pop

Liza & Kay im Interview: Schöne Musik am Campfire

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen Tag großartig machen. So zum Beispiel, wenn Liza & Kay aus Hamburg beim Campfire in Osnabrück spielen und man sich dann spontan im Sonnenuntergang zum Interview trifft. Worum es in ihrer Musik geht und was ein Kühlschrank damit zu tun hat, haben die beiden mir vor der Kamera erzählt. Liza & Kay im Interview: Schöne Musik am Campfire weiterlesen

Mikky Ekko’s Demo von „Stay“ – So klingt das Original ohne Rihanna

Dass die meisten großen amerikanische Pop-Diven ihre Songs nicht allein schreiben, ist hinlänglich bekannt. Sie bekommen die Stücke von Songwritern angeboten oder auf den Leib geschrieben. Rihanna ist da keine Ausnahme. Spannend ist es da, wenn das Original-Demo eines Songs auftaucht. So geschehen jetzt mit dem Song „Stay“ von Mikky Ekko. Im Duett mit Rihanna läuft der Song aktuell im Radio hoch und runter und war am Wochenende sogar für einen Grammy nominiert. Doch wie klingt „Stay“ eigentlich ohne Rihanna?
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CD Kritik: Schoenholz – Ceylon


Für Schoenholz ist etwas nur wirklich gut, wenn es weh tut. So, oder so ähnlich, könnte man das Album „Ceylon“ vereinfacht zusammenfassen, wenn man sich nicht näher damit auseinander setzen möchte. Und zugegeben, es ist keine leichte Kost, was die Berliner Band mit ihren neun Tracks hier serviert.

„Mir fällt es schwer, über rein fröhliche Themen zu schreiben. Das klingt häufig einfach nur banal und berührt keinen. Der Schmerz in all seinen Facetten hat für mich eine viel stärkere Kraft“, erzählt Sängerin Daniela Schönwald über ihre Musik. Das ist während der gesamten Dauer des Albums eindeutig spürbar. Melancholie, Weltschmerz und Zukunftsangst sind ständige Begleiter der Platte. Das macht es nicht gerade leicht, sich Ceylon wirklich von vorne bis hinten an einem Stück anzuhören. Theatralisch singt Schönwald von düster ungewissen Zukunftsszenerien, von zwischenmenschlichen Katastrophen. Stellenweise kann man schon fast von Glück sprechen, dass sich die musikalische Untermalung dieser dunklen Geschichten gleichmäßig beruhigend im Hintergrund hält, anstatt den Hörer ebenfalls noch mit der Melancholie-Keule zu erschlagen.

Die Schwere des Albums ist zum Einen sein größter Feind, jedoch zum Anderen auch gleichzeitig sein stärkstes Wiedererkennungsmerkmal. Denn auch wenn man sich als Hörer immer mal wieder überfordert vorkommt, lohnt es sich doch, genauer auf die Texte zu achten. Auch düstere Geschichten sind immer wieder hörenswert. Lässt man sich darauf ein, entdeck man filigrane und zerbrechliche Passagen, die ein wenig schüchtern verspielt miteinander kokettieren, nur um dann doch wieder kompromisslos direkt zu sein.

Schoenholz liefern auf Ceylon Indiepop mit hohem Anspruch, der interessant daher kommt, geballt seinen Hörern jedoch einiges abverlangt. Deshalb sollte man sich bei der „Lektüre“ des Albums immer wieder einmal eine Pause gönnen, um nicht selbst vollkommen im Strudel aus Weltschmerz und Untergangsstimmung zu versinken.

Schoenholz – Ceylon
VÖ: 6. Juli 2012
Timezone Records
http://www.myspace.com/schoenholz

CD Review: Augen auf – „Hier und nicht in Hollywood“

 Albumproduktionen sind teuer. Daher ist es kein Wunder, dass es in der heutigen Zeit immer weniger Bands gibt, die ihr fertig produziertes Baby tatsächlich als Hardcopy an die Medien rausschicken. Allein schon deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich „Hier und nicht in Hollywood“ der Band Augen auf eines Tages überraschend in meinem Briefkasten fand. Das ist inzwischen schon etwas her, aber ich habe den Jungs eine ehrliche Review versprochen. Und Versprechen halte ich – auch, wenn es wie in diesem Fall manchmal etwas länger dauert.

„Hier und nicht in Hollywood“ ist bereits das zweite Album von Augen auf. Auf der Platte mit dem hübsch gestalteten Cover (das vom Stil her irgendwie an Karpatenhund erinnert) verstecken sich 13 sauber und solide produzierte rockige Indie-Popnummern mit hin und wieder ganz leicht durchschimmernden Pop-Punk-Appeal, zumindest was den Sound angeht. Kurzzeitig catchige Melodien, nicht zu simple Hooks und Texte, in denen sich der typische Mittzwanziger, Bachelor-Student und das eine oder andere verlorene Abiturienten-Fanmädchen wiederfinden kann. Leben, Liebe, Leid und ein bisschen Weltschmerz sind verpackt in schrammelnde Gitarrenbetten und nette deutschsprachige Indie-Poprock-Päckchen. Der Stimme des Sänger kann man gut zuhören, über einige sperrige Textzeilen lässt sich in Anbetracht des großen, hübschen Ganzen guten Gewissens hinweg sehen. Man könnte den Jungs noch etwas wenig Variation und Abwechslung ankreiden, aber die gewohnten Akkorde und Tonlagen spiegeln wohl das Grund-Sentiment des Albums wieder, sodass es irgendwo auf die eine oder andere Art und Weise doch alles wieder passt. Das gefällt. Fein. 
Es könnte alles so schön sein. Wenn, ja wenn, es leider nicht schon so viele andere Bands geben würde, die ähnlich oder fast genauso klingen, wie das, was Augen auf da auf „Hier und nicht in Hollywood“ präsentieren. Bereits nach den ersten fünf Songs schwirren einem diverse andere Namen durch den Kopf, an die die Platte und ihr Sound erinnert. Allen voran Schrottgrenze, dann ein bisschen Herrenmagazin, an einigen Stellen eine etwas rockigere Version von Mikroboy, ein bisschen altes Zeug von Jupiter Jones oder Bosse, Prisen von Madsen, Muff Potter, Kante, Turbostaat. Die Liste ließe sich wohl noch beliebig fortsetzen. 
Zugegeben, es ist wirklich nicht einfach, den ganz eigenen Sound zu finden und sich selbst dann auch noch an den Haaren aus den Untiefen des allgemein schwammigen Independent Rock/Pop-Sumpfes heraus zu ziehen. Vor allen Dingen, wenn man sich dazu dabei auch noch von all den anderen, unzähligen schwimmenden Sumpfbewohnern deutlich abheben müsste. Es gab schließlich fast alles schon mal irgendwann. Augen auf dümpeln mit „Hier und nicht in Hollywood“ keinesfalls ganz tief im Sumpf oder gar am Grund, aber es fehlt der Band leider noch der notwendige Wiederkennungswert und die markanten Alleinstellungsmerkmale, die das sichere Ticket in das Ruderboot oben auf der Wasseroberfläche des Sumpfes bedeuten würden. So müssen Augen Auf wohl leider erst mal noch die Gummistiefel anbehalten, auch den ein oder anderen Tauchgang in Kauf nehmen und weiter um das Boot herum waten. Vielleicht schaffen sie es beim nächsten Mal trockenen Fußes hinein. 
Wertung: 5/10 Sternchen 
(c) Klangapartment
(c) Klangapartment
Mehr Infos zur Band findet Ihr hier.
Augen auf
„Hier und nicht in Hollywood“
Klangapartment
VÖ: 30.09.2012
Trackliste:
01 Alle für Einen
02 Jede Woche wieder
03 Lippenbekenntnisse
04 Dieses Spiel
05 Niemals wie früher
06 Jeder weitere Schritt
07 Heute Nacht
08 Alles um dich herum
09 Kosmetikwerbung
10 Keine Freudentränen
11 An allen Ecken und Enden
12 Luftschlossbau AG
13 4:15 AM

CD Review: Andru Donalds – Trouble in Paradise

Foto: Sony Music

Es ist sein erstes Soloalbum nach acht langen Jahren. Andru Donalds, gebürtiger Jamaikaner und Künstler mit Ausnahmestimme, liefert mit „Trouble in Paradise“ eine neue Platte, die an gute, alte Zeiten anknüpfen möchte.

Ab dem ersten Ton fühlt man sich zurückversetzt in die späten 1990er, als Andru Donalds mit seiner Single „All out of Love“ als leuchtender Stern am Chart-Himmel stand und von allen Sendern hoch und herunter gespielt wurde. Fast schon nostalgisch wechseln sich treibende Raggae-Grooves mit herzzerreißenden Popballaden ab. Dabei steht immer eins im Mittelpunkt: Große Emotionen und Andru Donalds unverkennbar kraftvolle und emotionsgeladene Stimme.

Wie eh und je transportiert Andru Donalds auf dieser Platte jede noch so kleine Emotion, jedes Fünkchen Sorglosigkeit, Liebe, Sehnsucht und den ganz großen Weltschmerz über seinen markanten Gesang. Gepaart mit effektiven instrumentalen Arrangements bohrt sich so beim Hören jede noch so kleine, versteckte Gefühlsregung ins Gehirn und wartet dort darauf, verträumt mitgesummt zu werden. Der Titelsong „Trouble in Paradise“ offenbart binnen wenigen Sekunden seinen Ohrwurmcharakter, während die melancholische Ballade „Out of this World“ einem genauso schnell zeigt, wie viel Herzblut und Persönlichkeit ein Künstler in einen einzigen Song stecken kann.

Musikalisch und inhaltlich hat Andru Donalds‘ insgesamt sechstes Soloalbum einige eingängige Highlights zu bieten. Das augenzwinkernde „Girl with the Marble Eyes“ und der als Bonustrack mitgelieferte Remix von „Falling Down“ lassen einen mitgrooven, während die emotionsgeladenen Balladen wie ein Pfeil mitten ins Herz treffen. Dabei erinnern das kritische „Leaders of Tomorrow“, der Titeltrack „Trouble in Paradise“ oder das hoffnungsvolle „Walk on Water“ an die großen Popsongs der Neunziger.

Diejenigen, die mit dieser Art von Popmusik groß geworden sind und dazu nichts gegen hübsch eingestreute, würzende karibische Elemente haben und immer schon ein Fan von Andru Donalds gefühlvoller Stimme und seinen Balladen voller Pathos waren, dürften sich über dieses Album sehr freuen. Andere fragen sich hier dagegen vielleicht, warum Andru Donalds hier nicht mal neue Wege beschritten und musikalisch kein großes, neues Land betreten hat. Und wie viel pure Emotion verträgt so ein Album und, viel wichtiger, der vor der HiFi-Anlage sitzende Hörer?

Ändere niemals ein funktionierendes System, könnte man entgegen. Andru Donalds macht auf seinem neuen Album das, was er einfach am besten kann und wieso sollte er das ändern? Für alle, die 1999 bei „All out of Love“ schon dahin geschmolzen sind, ist dieses Album nur zu empfehlen. Wer den Song damals schon viel zu kitschig fand, sollte die Finger von der Platte lassen. Und diejenigen, die damals noch zu klein waren, sollten dringend herausfinden, was die Mama damals von dem Superhit hielt. Falls sie lächelnd in Gedanken versinkt und vor ihrem geistigen Auge im Fotoalbum der Erinnerungen blättert, ist „Trouble in Paradise“ höchstwahrscheinlich ein sehr passendes Geschenk zum Muttertag.

Andru Donald – Trouble in Paradise
Label: 7 Days Music
VÖ: 15. April 2011