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CD Review: Listener – „Time is a Machine“

Nach vielen leichten, melodiösen Reviews im Blog, gibt es heute mal wieder etwas aus einer etwas düstereren Ecke. Das amerikanische Rock-Trio Listener veröffentlichen am 2. August 2013 sein offiziell drittes Album mit dem philosophischen Titel Time is a Machine. Früher waren Listener einfach zwei Typen mit Gitarren, einem Macbook und einer Waschmaschine, heute sind sie zu dritt und bauen auf ihrer neuen Platte unglaublich massive und gleichzeitig fragile Klanggebilde, die eine ganz eigene Version des Sprechgesangs effektvoll untermalen. Reinhören empfohlen!

Wer jetzt zuerst mal denkt, ich leide unter Verwirrung, weil ich Sprechgesang und Rockmusik in einem Absatz erwähnt habe, den kann ich beruhigen. Hier handelt es sich nicht um irgendwelche merkwürdigen Rap-Versuche ein paar bärtiger, weißer Amerikaner, und auch um keinen schrägen Nu Metal-Crossover Kram a la Linkin Park. Listener gehören vielmehr zu den Vertretern ein ganz neues Genres: Talk Music. Hierbei werden teilweise radikale Poetry Texte halb gesungen, halb rezitiert und gleichzeitig mit eher urtypischen Folk- und Rockelementen unterlegt. Soweit, so gut.

Listener spielen vor allen Dingen mit wuchtigen Post-Rock Elementen. Time is a Machine startet düster und malt ab dem ersten Ton eine Klangwelt, die von Schmerz, Zweifel, Wut und Melancholie bestimmt zu sein scheint. Intensiv und beinahe überwältigend dicht bauen sich hier die Klangwände auf, die in ihrer Intensität immer wieder mal an Dredg erinnern, während sich der Rhythmus der Vocals auch in Auszügen in einigen Tenacious D Stücken wiederfinden lässt. Der konsequente Wechsel zwischen musikalisch ruhigen Abschnitten, lauter Stimme, intensiver, grafischer Lyrics und wieder donnernden Instrumentalpassagen treibt den Hörer schnell an emotionale Grenzen. Man spürt förmlich jedes Gefühl, jedes Fünkchen Emotion, jede Schweißperle und jede Träne die Vocalist Dan Smith bei der Produktion des Albums anscheinend begleitet haben.

Selten habe ich ein Album erlebt, dem es gelingt, während all seiner Stücke die Spannung immer weiter aufzubauen. Selbst wenn man denkt, der Bogen sei bis zum zerbersten gespannt, setzen Listener noch eins obendrauf. Das ist definitiv keine leichte Kost, aber trotz oder gerade aufgrund der düsteren Grundstimmung unglaublich berührend und mitreißend. Auf den ersten Blick mag das Album kurz wirken.

Acht Songs sind andernorts häufig nichts weiter als eine etwas zu lang geratene EP. Doch hier passt alles nahtlos zusammen, kein Song zu viel, keiner zu wenig. Das Drama – oder gar die Tragödie? – hat hier keine fünf, sondern eben acht Akte. Das Album endet, wie es begann. Düster, voller belastender Emotionen und der scheinbaren Gewissheit, dass man die Maschine Zeit nicht anhalten kann. It will all happen the way it should. Und trotzdem ist da ein kleines Fünkchen Hoffnung. Wunderschön.

Listener – Time is a Machine
Tangled Records / Alive
LP/Digital
VÖ: 2. August 2013

Alle Infos zu Listener findet Ihr unter www.iamlistener.com //

Dank Bandcamp könnt Ihr Euch das ganze Album hier direkt anhören und bei Gefallen auch kaufen.

Listener live in Deutschland

Euch gefällt, was Ihr da hört? Listener sind im August auch noch für ein paar Konzerte in Deutschland unterwegs.

14.08.2013 / Hafenklang, Hamburg
24.08.2013 / Musikbunker, Aachen
27.08.2013 / FZW, Dortmund
28.08.2013 / Jugendhaus West, Stuttgart
29.08.2013 / Brotfabrik, Frankfurt
30.08.2013 / Privatclub Berlin, Berlin
31.08.2013 / Sound of Bronkow, Dresden
01.09.2013 / Kinos im Andreasstadel, Regensburg
03.09.2013 / Ex-Haus, Trier