Schlagwort-Archive: Frida Gold

Monday Madness – I don’t like Reggae, oder Thees Uhlmann und das Faultier Wolfgang

Auf der Suche nach einem würdigen Monday Madness-Video stolperte ich gestern über folgendes, unterhaltsames Lichtspiel. Eine seltsames Wesen, das wie eine Mischung aus Flat Eric, dem Yeti und Samson aus der Sesamstraße anmutet, wandert zu den Klängen von Thees Uhlmanns „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf“ durch die Landschaft. In einer Reggae-Version!
Monday Madness – I don’t like Reggae, oder Thees Uhlmann und das Faultier Wolfgang weiterlesen

Frida Gold sexy aber nicht überzeugend in Osnabrück

Osnabrück. Die Aussicht im Rosenhof ist heiter bis goldig, mit leichten Tendenzen zu Schweißbildung und vorsichtigen Tanzeinlagen. Frida Gold, Deutschlands derzeit groß gehyptes Pop-Phänomen, machte am Montag mit ihrer „Juwel“-Tour in Osnabrück Station. Mit ihren fast schon hymnenhaften Elektropop-Nummern sorgte die vierköpfige Band rund um Model und Frontfrau Alina Süggeler für viele zufriedene Gesichter in dem ehemaligen Kinosaal.

Als Support mit im Gepäck haben die selbsternannten Goldkinder an diesem Abend die Kölner Band P:lot, die eine halbe Stunde lang deutschen Poprock aus ihrem im Februar erscheinenden Debütalbum zum Besten gibt. Ein wenig chaotisch, aber durchweg sympathisch, bringt das Trio die etwa 500 Zuschauer mit einem lockeren Aufwärmprogramm aus eingängigen Songs über Liebe und andere Alltäglichkeiten auf Temperatur.

Ebenfalls gut aufgewärmt, betritt wenig später Alina Süggeler die Bühne zu dröhnenden Beats und sphärischen Synthesizer-Samples ihrer Band und eröffnet den Pop-Reigen mit der leicht melancholischen Nummer „Morgen“. In 15cm hohen Plateau-Stiefeletten und einer hautengen, schwarzen Latexhose zieht sie den Rosenhof schnell in ihren Bann. Unter ihrer dunklen College-Jacke trägt sie lediglich einen schwarzen BH und viel funkelnden Schmuck, passend zum Tourmotto „Juwel“. Spätestens bei all diesem Sex Appeal wird klar, dass viele der männlichen Fans definitiv nicht nur wegen der Musik zum Konzert gekommen sind.

Dabei zeigt Frida Gold, dass sie eben nicht nur von einer perfekt gestylten Frontfrau leben, sondern auch gerade musikalisch live einiges zu bieten haben. Gute zwei Stunden lang spielt sich die Band mit vollem Stimm- und Körpereinsatz durch ihr Debütalbum „Juwel“. Neben ihren Radio-Ohrwürmern „Wovon sollen wir träumen“, „Zeig mir wie du tanzt“, und „Unsere Liebe ist aus Gold“ hat die Ruhrpott-Band als kleine Überraschung auch eine Coverversion des Achtziger-Hits „Gold“ von Spandau Ballett mit im Gepäck. Mit purem Pop und vielen musikalisch glitzernden Spielereien entführt Frida Gold das Publikum in ihr eigenes kleines goldiges Universum.

Trotz Model-Styling wirkt Sängerin Alina auf der Bühne überraschend natürlich und sucht zwischen den Songs den Kontakt zum Publikum, geht auf Tuchfühlung und gibt den Osnabrückern die Chance, ein Teil ihres glitzernden Mikrokosmos zu werden. Die Masse scheint jedoch manchmal derart von Alinas Look hypnotisiert zu sein, dass der Sängerin häufig, statt des erwarteten lautstarken Jubels, nur fasziniertes Schweigen entgegen schlägt. Dadurch hat die 26-Jährige oftmals ihre liebe Mühe, die Spannung der sonst so dramatisch wirkenden Bühnenshow aufrecht zu erhalten. Unfreiwillige Pausen aufgrund verschwundener Instrumente und nicht geplanter Kostümwechsel – „Diese Latexhose bringt mich um! Das fühlt sich an wie Wasser in Gummistiefeln. Sorry ihr Lieben!“ – wirken zwar nur menschlich und sympathisch, helfen der Show an sich aber nicht immer weiter.

Insgesamt wirkt der Auftritt noch etwas grob gestrickt und nicht unbedingt so professionell, wie ihn manch einer bei einer derart gehypten und bei den MTV Europe Music Awards als „Best German Act“ nominierter Band erwarten würde. Der Abend zeigt, Frida Gold ist letztendlich auch nur eine Newcomerband, die gerade zu Beginn ihrer Tour noch ganz natürlich auf der Suche nach ihrer Showroutine ist und eigentlich erst noch in ihre riesigen, goldenen Medienhype-Schuhe hineinwachsen muss.

Interview: Glänzende Zeiten für Frida Gold

Es ist noch nicht mal ein ganzes Jahr her, als in Deutschland kaum jemand etwas mit dem Namen Frida Gold anfangen konnte. Als Support für Revolverheld tingelte die Band aus dem Ruhrgebiet mit der hübschen Frontfrau Alina Süggeler im Winter 2010 durch die Republik und gab einige Kostproben aus ihrem für 2011 angekündigten Debüt „Juwel“ zum Besten. „Pop all the way“ betitelte die Band einst ihre musikalische Mischung aus poppigen Texten und elektronischen Indie-Elementen.
Inzwischen hat sich Frida Gold Dank intensiver Marketingbemühungen einer großen Plattenfirma zu einem der deutschen Pop-Phänomene des Jahres gemausert, ihre Songs „Zeig mir wie du tanzt“, „Wovon sollen wir träumen“ und „Unsere Liebe ist aus Gold“ sind aus dem Radio kaum noch wegzudenken und bohren sich dank eingängiger Hooks hartnäckig direkt ins Ohrwurmzentrum. Eine Support-Tour mit Kylie Minogue, eine erste eigene, ausverkaufte Headliner-Tour, zahlreiche Auftritte bei Großereignissen wie dem Eurovision Songcontest und dem Bundesvision Songcontest sowie eine massive mediale Präsenz lassen kaum einen Zweifel: Der Frida-Gold-Hype geht um.
Doch wie empfindet die Band selbst diese plötzliche, riesige Aufmerksamkeit, die ihr da zuteilwird? Im Interview stand Bassist Andreas Weizel alias „Andi“ unserem Magazin Rede und Antwort: „Der Hype wird mir immer erst dann bewusst, wenn man aufgezählt bekommt, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Wir empfinden das aber alles eher als einen Prozess. Wir sind ja nicht erst vor einem Jahr aus dem Boden gestampft worden, sondern haben schon die letzten drei Jahre an unserem Album gearbeitet. Die Aufmerksamkeit und die Reaktionen, die wir gerade von den Fans bekommen, haben wir uns natürlich immer gewünscht. Das erleben wir selbst aber eigentlich nur, wenn wir auf der Bühne stehen. Ansonsten sind wir immer schon dabei, die nächsten Schritte zu planen und zu entwickeln. Wir wollen den Leuten schließlich auch etwas bieten.“ 
Wohlgeplante Schritte, persönliche Weiterentwicklung. Die Band Frida Gold folgtihrem Plan, lebt ihren Traum. Ihr Ehrgeiz treibt sie an. „Wir sind als Band sehr ehrgeizig und wollen als Band noch ganz viel erreichen“, erzählt Andi. „Man braucht einen starken Willen, um das alles wirklich durchziehen und diesen Lebensstil mit allen Konsequenzen leben zu können. Ständig unterwegs zu sein, immer aus dem Koffer zu leben und die freien Tage an einer Hand abzählen zu können, sind auf der einen Seite dabei natürlich die schwierigen Aufgaben. Aber gerade bekommen wir sehr viel positive Energie zurück und diese Energie-Symbiose treibt uns weiter voran.“
Die allgegenwärtige Medienpräsenz ist für die Band eine Aufgabe, in die sie erst hineinwachsen musste. Trotz des Hypes können die Bandmitglieder noch ungestört auf die Straße gehen. Sie sind ihrer Heimat, dem Ruhrgebiet, treu geblieben und verbringen nach eigenen Angaben jede freie Minute mit ihren Familien und alten Freunden. Vermutlich hilft ihnen gerade der Kontakt zur „normalen“ Welt auf dem Boden zu bleiben. Auf die Frage, was es für ein Gefühl ist, nach so kurzer Zeit schon dieses Jahr bei den MTV Europe Music Awards als „Best German Act“ nominiert zu sein, antwortet Andi schon fast verlegen. „Das ist einfach toll. Wir fühlen uns unglaublich geehrt, zwischen so großen Namen aufgezählt zu werden.“ Mit Frida Gold gehen unter anderem die Beatsteaks, Clueso, Culcha Candela und Lena ins Rennen. „Wir sind da schon ein bisschen sprachlos“, so Andi weiter.
Dabei bedeuten der Band Nominierungen und Awards im Vergleich zu einer normalen Liveshow eher wenig. „Mit Awards kann man sich zwar schmücken, und in gewisser Weise sind sie auch eine Bestätigung für das, was man macht. Es ist aber kein direkter Austausch, es ist keine Emotion, die man zurück bekommt. Auf Tour ist das ganz anders. Uns ist es im Verhältnis viel wichtiger, jeden Abend mit Fans und Freunden zu feiern, Emotionen zu geben und genauso Emotionen zurück zu bekommen.“ Trotz großem Ehrgeiz verfolgt die Band bei dem MTV EMAs das Motto „Dabeisein ist alles.“ Chancen, wirklich zu gewinnen, rechnet man sich nicht aus.
Dank vollgepacktem Tourplan ist bisher auch noch gar nicht klar, ob die vier Hattinger am 6. November überhaupt bei der Award Show in Belfast live dabei sein werden. Der zweite Teil ihrer „Juwel“ Tour 2011 treibt sie von Mitte Oktober bis Anfang Dezember kreuz und quer durch Deutschland. Dabei soll jede freie Minute genutzt werden, um kreativ zu sein und an neuen Songideen für ein zweites Album zu arbeiten, verrät Andi.
Am Montag, den 24. Oktober haben sie ein Gastspiel im Rosenhof in Osnabrück. Die Erwartungen der Zuschauer sind hoch, die Band freut sich auf ihre Tournee, der Bassist besonders auf den geregelten Tagesablauf. „Wir fahren jetzt zum ersten Mal mit einem großen Nightliner“, schwärmt Andi. „Das Schöne an so einer Tour ist, dass man nach der ersten Woche schon fast so etwas wie einen geregelten Tagesablauf hat. Man fährt nachts, wacht auf, frühstückt, macht Soundcheck, gibt Interviews und abends spielt man das Konzert. Das fordert dann zwar etwa 90 Prozent der Kraft des Tages, aber insgesamt sind die Tage viel strukturierter als sonst.“ In Anbetracht der kommenden Konzerte mit verbesserter Liveshow und der gemeinsamen Zeit nehmen sie die mangelnde Privatsphäre im Tourbus gerne in Kauf: „Die nächsten Wochen werden für uns eine Zeit der Nähe. Wir sind endlich wieder alle zusammen. Das wird sehr schön.“
Die Musikwelt hat viele Stars und Sternchen aufund untergehen sehen. Für viele gehypte Bands ging es genauso schnell wieder abwärts, wie sie einst in den Pop-Olymp geschossen wurden. Angst vor einem medialen Absturz hat die Band aber nicht. „Medial gesehen kann man natürlich wahnsinnig schnell wieder verschwinden. Wir sind als Band und einzeln in unseren Persönlichkeiten aber so sehr gefestigt, dass wir in der Konsequenz auch weiter Musik machen würden, auch mit der gleichen Beständigkeit. Was uns ausmacht, ist ja nicht, dass wir in den Medien präsent sind, sondern dass wir die Möglichkeit haben, mit unserer Musik Menschen zu berühren. Das hat für uns mehr Bestand als die Nachrichten.“ Entsprechend verfolgt die Band für die Zukunft ein recht bodenständiges Ziel: „Wir wollen uns selbst treu bleiben und gleichzeitig unsere Musik weiter entwickeln. Wir haben uns immer gewünscht, Menschen mit unserer Musik zu berühren. Daran arbeiten wir weiterhin mit all unserer Kraft.“ 
Foto: Robert Wunsch