Schlagwort-Archive: Rock

CD Review: Augen auf – „Hier und nicht in Hollywood“

 Albumproduktionen sind teuer. Daher ist es kein Wunder, dass es in der heutigen Zeit immer weniger Bands gibt, die ihr fertig produziertes Baby tatsächlich als Hardcopy an die Medien rausschicken. Allein schon deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich „Hier und nicht in Hollywood“ der Band Augen auf eines Tages überraschend in meinem Briefkasten fand. Das ist inzwischen schon etwas her, aber ich habe den Jungs eine ehrliche Review versprochen. Und Versprechen halte ich – auch, wenn es wie in diesem Fall manchmal etwas länger dauert.

„Hier und nicht in Hollywood“ ist bereits das zweite Album von Augen auf. Auf der Platte mit dem hübsch gestalteten Cover (das vom Stil her irgendwie an Karpatenhund erinnert) verstecken sich 13 sauber und solide produzierte rockige Indie-Popnummern mit hin und wieder ganz leicht durchschimmernden Pop-Punk-Appeal, zumindest was den Sound angeht. Kurzzeitig catchige Melodien, nicht zu simple Hooks und Texte, in denen sich der typische Mittzwanziger, Bachelor-Student und das eine oder andere verlorene Abiturienten-Fanmädchen wiederfinden kann. Leben, Liebe, Leid und ein bisschen Weltschmerz sind verpackt in schrammelnde Gitarrenbetten und nette deutschsprachige Indie-Poprock-Päckchen. Der Stimme des Sänger kann man gut zuhören, über einige sperrige Textzeilen lässt sich in Anbetracht des großen, hübschen Ganzen guten Gewissens hinweg sehen. Man könnte den Jungs noch etwas wenig Variation und Abwechslung ankreiden, aber die gewohnten Akkorde und Tonlagen spiegeln wohl das Grund-Sentiment des Albums wieder, sodass es irgendwo auf die eine oder andere Art und Weise doch alles wieder passt. Das gefällt. Fein. 
Es könnte alles so schön sein. Wenn, ja wenn, es leider nicht schon so viele andere Bands geben würde, die ähnlich oder fast genauso klingen, wie das, was Augen auf da auf „Hier und nicht in Hollywood“ präsentieren. Bereits nach den ersten fünf Songs schwirren einem diverse andere Namen durch den Kopf, an die die Platte und ihr Sound erinnert. Allen voran Schrottgrenze, dann ein bisschen Herrenmagazin, an einigen Stellen eine etwas rockigere Version von Mikroboy, ein bisschen altes Zeug von Jupiter Jones oder Bosse, Prisen von Madsen, Muff Potter, Kante, Turbostaat. Die Liste ließe sich wohl noch beliebig fortsetzen. 
Zugegeben, es ist wirklich nicht einfach, den ganz eigenen Sound zu finden und sich selbst dann auch noch an den Haaren aus den Untiefen des allgemein schwammigen Independent Rock/Pop-Sumpfes heraus zu ziehen. Vor allen Dingen, wenn man sich dazu dabei auch noch von all den anderen, unzähligen schwimmenden Sumpfbewohnern deutlich abheben müsste. Es gab schließlich fast alles schon mal irgendwann. Augen auf dümpeln mit „Hier und nicht in Hollywood“ keinesfalls ganz tief im Sumpf oder gar am Grund, aber es fehlt der Band leider noch der notwendige Wiederkennungswert und die markanten Alleinstellungsmerkmale, die das sichere Ticket in das Ruderboot oben auf der Wasseroberfläche des Sumpfes bedeuten würden. So müssen Augen Auf wohl leider erst mal noch die Gummistiefel anbehalten, auch den ein oder anderen Tauchgang in Kauf nehmen und weiter um das Boot herum waten. Vielleicht schaffen sie es beim nächsten Mal trockenen Fußes hinein. 
Wertung: 5/10 Sternchen 
(c) Klangapartment
(c) Klangapartment
Mehr Infos zur Band findet Ihr hier.
Augen auf
„Hier und nicht in Hollywood“
Klangapartment
VÖ: 30.09.2012
Trackliste:
01 Alle für Einen
02 Jede Woche wieder
03 Lippenbekenntnisse
04 Dieses Spiel
05 Niemals wie früher
06 Jeder weitere Schritt
07 Heute Nacht
08 Alles um dich herum
09 Kosmetikwerbung
10 Keine Freudentränen
11 An allen Ecken und Enden
12 Luftschlossbau AG
13 4:15 AM

Wir für Wen – Soweit alles Gut

Bereits über 120 Konzerte haben WirFürWen auf ihrem Band-Buckel. Nachdem die Live-Routine der vierköpfigen Truppe aus Bremen und Umgebung seit langem sitzt, ist seit April das neue Album „Soweit alles gut“ am Start, und wartet darauf, unter die Lupe genommen zu werden.

Mit „Soweit alles gut“ haben WirFürWen, die ihren deutschsprachigen Poprock stilistisch zur Bremer Schule zählen, zwölf Tracks ins Rennen geschickt, die sich mal heiter, mal wolkig ihren Weg in die Gehörgänge suchen. WirFürWen legen viel Wert auf ihre Texte, dessen Aussagen sie als augenzwinkernd bis appellierend charakterisieren. Beim ersten Hören merkt man sofort, dass für eben diese Texte Sänger und Gitarrist Daniel Hohorst selbst verantwortlich ist.  Seine Stimme transportiert spürbar jede Emotion, jeden versteckten, noch so kleinen Seitenhieb, wie es eben nur der Schreiber selbst kann. Dabei singt er von Alltagsproblemen, Liebe, Spaß und Sehnsucht. Teilweise wirken die so entstehenden Songgebilde dadurch fast schwerelos, an anderen Stellen beschwert die große, oft vorherrschende Melancholie das Album wie Blei und überschattet an einigen Stellen manchmal ein wenig die textliche Qualität.

Musikalisch wird das ganze von Daniels Bandkollegen Dennis Bokelmann, Jörg Niedderer und Torben Abt begleitet. Neben dem klassischen Rock-LineUp bringt die Band gerne Piano und Mundharmonika ins Spiel, um ihrem Sound eine eigene Note und einen Hauch von Abwechslung zu verleihen. Leider bleibt es oft bei dem Hauch. Je mehr man versucht, anders zu klingen, desto mehr ähneln sich die einzelnen Songs. Erst bei mehrmaligem Hören fallen die kleinen musikalischen Unterschiede auf, die beim einfachen Hören leider viel zu schnell übersehen werden.

Läuft das Album einmal, weiß man nach dem ersten Song „Mir ist schlecht“, der durch den eingebauten Keyboard-Orgel-Sound ein wenig an eine Schülerband erinnert, nicht so recht, ob man in diesem fahrenden Zug sitzen bleiben oder sich doch lieber einen Platz in der Nähe vom Ausgang suchen sollte um im Notfall schnell aussteigen zu können. Der Notfall kommt Gott sei Dank nicht, allerdings vermutet man hinter so manchem Tunnel doch noch die ein oder andere schwer einschätzbare Überraschung. Dabei erwarten einen erfreulicherweise auch einige positive. Der zweite Song „Ende vom Tag“ sowie der dritte „Auf der Suche“ gehören dazu, von denen letzterer auf dem ganzen Album wohl das größte Ohrwurmpotenzial mit sich herumträgt. Auch schön: die tiefgreifend melancholische Ballade „Du denkst zu viel“ oder der letzte Song des Albums „Nacht und Nebel“.

Insgesamt präsentiert sich hier eine Band mit viel musikalischem Potenzial, dass auf diesem Album an vielen Stellen jedoch erst beim zweiten und dritten Hören wirklich zu Tage tritt. „Soweit alles gut“ bietet einige wirklich schöne Ideen, Melodien und Arrangements, sowie fast durchweg gute Texte, nur gibt es auf der Platte einfach zu wenig Songs mit „Den muss ich jetzt sofort noch mal hören“-Charakter. Die so oft wiederkehrende Melancholie wiegt dazu zu schwer, sodass man nach der Reise durch „Soweit alles gut“ nicht unbedingt entspannt aussteigt, auch wenn die Aussicht gut war.

Radiohead – King of Limbs

Auf was lasse ich mich ein, wenn ich „King of Limbs“ höre?
Man lässt sich auf eine extrem anspruchsvolle Reise durch sphärische und sehr aufwändig arrangierte Klangwelten ein, auf der man mal winzig minimalistisch und dann wieder riesengroß und prachtvoll unterwegs ist. Durchhaltevermögen ist hier vorgeschrieben. Ohne dies wird die Reise schnell anstrengend.

Wo hört man das Album am besten?

Mit „King of Limbs“ auf den Ohren setzt man sich am besten zur Stoßzeit ganz ruhig auf eine Bank mitten in einer belebten Fußgängerzone und schaut dem hektischen Treiben zu. Wenn man jetzt noch einen Zeitrafferknopf für die Umgebung hätte, würde man einen Preis für die beste moderne, künstlerische Filminstallation im eigenen Kopf bekommen. „King of Limbs“ eignet sich hierzu perfekt als Soundtrack.

Was fehlt der Platte?

Der Platte fehlt eine eingebaute riesige Festivalbühne mit überdimensionierter Lichtshow. Ohne diese schon mal gesehen zu haben, ist es schwer sich das gesamte Potenzial des Albums vorstellen zu können. So fällt man leicht vorschnell ein Urteil, dass der Gesamtqualität des Albums nicht gerecht wird.

Anspruch 5/5
Verständlichkeit 2,5/5
Eigenwilligkeit 4,5/5