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Intim, intensiv, mitreißend: Tina Dico unplugged im Rosenhof Osnabrück

Ein bisschen müde sieht Tina Dico aus, als sie am Sonntagabend in einem bodenlangen roten Abendkleid die Bühne im Osnabrücker Rosenhof betritt. Mit ihrer „On the other Side“-Tour ist die dänische Singer/Songwriterin in Deutschland unterwegs. Ganz akustisch, ohne Band, nur von ihrer Gitarre und ihrem isländischen Musikerfreund Helgi Jonsson begleitet.  Die Dänin ist erkältet, wirkt dadurch im ersten Moment noch fragiler als sonst – bis sie den ersten Ton anstimmt.

Was ist das? Kommt diese gewaltige, leicht rauchige Stimme wirklich aus dieser zarten Person? Der Rosenhof ist gefesselt und verschmilzt ab der ersten Sekunde mit der Musik der blonden Ausnahmemusikerin. Bewegend erzählt Tina Dico die Geschichten, die hinter ihren Songs stecken. Das minimale Setup aus Gitarre und Keyboard verstärkt die Intensität ihrer emotionalen, tierschürfenden Texte um ein Vielfaches. Plötzlich fühlt man sich, als ob man mit Dico zusammen am Fenster sitzt und sich über die schöne Aussicht freut (Room with a View), ist zutiefst aufgewühlt, als sie von ihrer Nacht nach den Bombenanschlägen 2005 in London singt (Some other Day) und hat plötzlich Tränen in den Augen, als sie über eine Freundin singt, die sie nach langer Zeit in einer Bar wiedergetroffen hat (Friend in a Bar). Tina Dico nimmt einen mit auf eine große Reise, die sich unglaublich real anfühlt, obwohl man gerade auf einem schmalen Stuhl im Rosenhof sitzt.

Zusammen mit Helgi Jonsson spielt sich Dico quer durch ihre Diskografie. Man ergänzt sich perfekt, witzelt über die Angewohnheiten des anderen und trägt ganz alte und ganz neue Stücke in andere musikalische Sphären. Zwei Stunden lang herrscht absolute Stille im Saal, absolute Aufmerksamkeit, Gänsehaut-Stimmung. Der Rosenhof ist plötzlich ein großes Wohnzimmer, Tina Dico die weise Geschichtenerzählerin, der man jede Silbe von den Lippen abliest, deren Verse am besten niemals enden sollten. Trotz Erkältung und Heiserkeit legt Tina an diesem Abend einen nahezu perfekten Auftritt hin, den nur wenige andere Künstler selbst bei bester Gesundheit jemals so hinbekommen hätten. Die Standing Ovations am Ende des Abends sind mehr als verdient.

Danke an Karsten Rzehak für die Fotos!

Tina Dico verzaubert im Rosenhof

Blond, hübsch und unglaublich zerbrechlich, fast wie aus Porzellan, wirkt Tina Dico, als sie am vergangenen Donnerstagabend die Bühne im Rosenhof betritt. Bei ihrem puppenhaften Äußeren ist es zunächst schwer zu glauben, dass dieses zarte Wesen über ein derartiges kraftvolles und ausdrucksstarkes Stimmorgan verfügt.

Mit diesem wickelt sie den gut gefüllten Rosenhof binnen Sekunden um den Finger. Die Konzertbesucher lauschen andächtig, halten fast den Atem an um ja keinen einzigen Ton zu verpassen. Während der einzelnen Songs ist es so ruhig, dass selbst das leise Klicken der Kameras der Pressefotografen schon fast störend wirkt. Nach jedem Song folgt tosender Beifall.

Das dänische Ausnahmetalent spielt sich knapp zwei Stunden lang quer durch ihre Alben und sorgt im Publikum nicht nur mit den bekannten Songs „Sacre Coeur“, „Count to ten“ und „Let’s get lost“ gleichermaßen für Gänsehaut und Begeisterungsstürme. Erfreulich abwechslungsreich zwischen laut und leise kommt die zarte Dänin daher und überzeugt mit Witz, Grazie und bodenständiger Authentizität. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band gelingt es Tina Dico, eine unglaublich intensive Atmosphäre aufzubauen und jeden Anwesenden mit dem Wesen ihrer Musik zuzudecken. Mit jedem Ton und jeder Textzeile hat man das Gefühl, einen exklusiven Einblick in die Seele der Künstlerin zu bekommen.

So will keiner es so recht wahr haben, als der Abend sich langsam seinem Ende zuneigt. Osnabrück fordert mit Standing Ovations eine Zugabe nach der anderen und Tina Dico lässt sich von ihren Fans bereitwillig zu immer noch einem Song hinreißen. Sie zelebriert den Abschluss ihrer erfolgreichen Tour in Osnabrück geradezu. Nach der dritten Zugabe verabschiedet sich die Vollblutmusikerin dann doch endgültig und sichtlich beeindruckt mit einer tiefgründigen und gefühlvollen Version von „The Road“ von der Bühne.

Wenn es nach den Besuchern ginge, könnte Tina Dico ruhig öfter im Rosenhof vorbeischauen.

Das Fest 2009 in Karlsruhe – Oder, wie viele Menschen passen auf einen Hügel?


Menschen, Menschen, Menschen. Soweit das Auge reicht. Die Kulisse, die sich dort am Freitagabend im Sonnenuntergang bietet, muss so manchem Künstler schon Pipi in die Augen getrieben haben. Es ist einfach überwältigend, und das nicht nur von der Bühne aus.

Gefühlte 100.000 Menschen drängen sich auf dem Hügel und im Tal vor der Hauptbühne. Die meisten warten auf das Farin Urlaub Racing Team, wiederum viele lauschen gerade bereits ihren Helden: Schandmaul. Die Mittelalterrocker drehen ordentlich auf, bearbeiten ihre Flöten, Dudelsäcke und Drehleiern gekonnt und beeindrucken an vielen Stellen nicht nur die schwarzgekleideten Zuschauer.
Kurz darauf brettert das Farin Urlaub Racing Team (FURT) los und feiert mit der Meute vor der Bühne eine wilde Party. Es wird gehüpft, gepogt und mitgegröhlt was das Zeug hält. Besonders hinter der zweiten Absperrung ist es abartig eng, weil immer mehr Menschenmassen dort hin drängen. Für nicht wenige bleibt da nur die Flucht und das frühe Aus auf der Ersatzbank. Egal, man kann auch im Sitzen feiern.
Wer die Massen bei FURT schon unerträglich fand, sollte am nächsten Tag dann noch einmal sein blaues Wunder erleben.
Während es am frühen Abend bei Tina Dico, die zusammen mit Helgi Johnsson wirklich eine ganz bezaubernde Show hinlegte, noch sehr gechillt zuging, braute sich in den zwei Stunden nach ihrem Auftritt im Umkreis der Hauptbühne ein wahrer Hexenkessel zusammen. Menschen strömten in ungekanntem Ausmaß auf den Hügel, vor, neben und hinter die Bühne. Der Grund? Peter Fox. Bei einigen Eingängen zum Gelände hieß es gegen 21 Uhr zeitweise: „Wegen Überfüllung geschlossen“.
Glück für die, die bereits seit Tina Dico an ihrem Platz festgehalten hatten. Pech für die, die erst später kamen oder sich noch mal am WC Häuschen angestellt hatten. Als Peter Fox mit 20 Minuten Verspätung endlich loslegte, konnte man vor lauter Menschen und je nach Standort überhaupt nichts mehr sehen und teilweise auch kaum etwas hören, obwohl man nicht weit von der Bühne entfernt war. Doch das war den meisten vollkommen egal.
Alles neu, Schüttel deinen Speck, Haus am See, Schwarz zu Blau. Nichts fehlte auf der Setliste und dicht gedrängt feierte man einfach trotzdem, soweit der Bewegungsspielraum es denn zuließ.
Die Kulisse erinnerte zeitweise ironischerweise an Szenen aus alten Bibelfilmen, wo die Menschen auf den Berg strömen um die Bergpredigt zu hören. Unglaublich einfach.
Gedanken für das nächste Jahr:
1) Versuche nicht, deine Freunde wieder zu finden. Zwischen 20 und 23 Uhr klappt das sowieso nicht mehr.
2) Wenn man noch ne Chance hat beim Hauptact nach vorne zu kommen, beachte man Punkt 1 und verteidige seinen Platz mit allen Mitteln die Recht sind.
3) Baby, du siehst gut aus! Vielleicht verirren sich diese Herren von Bakkushan nächstes Jahr ja dort auch auf die Bühne? 😉 Genügend Sticker haben sie dieses Jahr auf jeden Fall schon verteilt.
Fotos folgen!