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Donots JAK 2012: Nackter Schweiß und Amplify The Good Times im Rosenhof Osnabrück

Osnabrück. Die Donots aus Ibbenbüren haben am Freitagabend ihr traditionelles Jahresabschlusskonzert im Osnabrücker Rosenhof gespielt. Auf dem Programm: Das Album Amplify the Good Times, das in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiern durfte. Aber was haben nackte, schweißgetränkte Männerkörper, ein Saxophon im Bühnengraben und ein Eimer auf der Theke damit zu tun?

Foto: Katharina Leuck

Nicht besonders viel, doch sind es ja immer die kleinen Randerscheinungen, die einen Konzertabend unvergesslich machen. So startet er für mich gleich ganz ungewohnt. Im Bühnengraben liegt ein Saxophon, inklusive Ständer. „Gehört das irgendwem hier?“ fragt uns der Sicherheitsmann verdutzt, als wir Fotografen uns am linken Bühnenrand häuslich einrichten. Haben die Donots etwa einen Altsaxophonisten engagiert? Gerade beim Jahresabschlusskonzert ist den Ibbenbürenern ja viel zuzutrauen, aber das Saxophon gehört wohl nicht dazu.

Stattdessen nutzt die Münchner Posthardcore-Band Marathonmann ihre Support-Position und rockt sich 45 Minuten lang den alten Kinosaal. Das Quartett klingt wie das Erbe von Turbostaat. Intelligente deutsche Texte, rotzige Stimme, Melancholie, Wut und Energie. Ein bisschen erinnern sie auch an Frau Potz, jedoch weniger wütend und eine Ecke entspannter. Das gefällt und wird im Kopf auf der „Im Auge behalten“-Liste notiert.

Umbaupause. Immer noch weiß niemand, wem das Saxophon im Graben gehört. Von der Bühne ist es auch nicht gefallen, auch wenn es sich sicher gerne hinter dem Keyboard versteckt hätte, das wir von unserer Position aus gar nicht sehen können. Die Donots legen gegen 21 Uhr mit Vollgas los. Statt der üblichen Setliste des Jahres gibt es Amplify The Good Times. Und zwar komplett, in der richtigen Reihenfolge, wie auf CD. „Wir dürfen die Vergangenheit nicht ändern!“ ruft Ingo der Masse entgegen. Wer weiß, was sonst passiert. Die Gefahren hat man schließlich zuhauf bei „Zurück in die Zukunft“ gesehen.

Foto: Katharina Leuck

Manchmal merkt man ein wenig, dass die Jungs viele der Songs seit Jahren nicht mehr gespielt haben. Ingo gibt zu: „Wir mussten ein paar Texte wirklich im Internet nachgucken. Das ist gerade ein bisschen wie eine große Covershow für uns. Bei manchen Songs wussten wir gar nicht mehr, dass die wirklich von uns sind!“ Doch was macht das schon. Die Stimmung ist ab der ersten Sekunde auf dem Siedepunkt. Die Crowdsurfer fliegen nur so in den Graben und die Herren ziehen sich aus. Ganz.

Naja, fast jedenfalls. Nach den ersten fünf Songs ist es vor der Bühne schon so heiß, dass die ersten Kleidungsstücke auf die Bühne fliegen. Daraus wird schließlich eine Art musikalisches Strippoker. Nach jedem Song muss ein einziger Auserwählter im Publikum ein Kleidungsstück auf die Bühne werfen. Erst fliegen die Gürtel, dann die Schuhe. Am entgeisterten und angeekelten Gesichtsausdruck der weiblichen Fans um ihn herum lässt sich bald ablesen: Oh Gott, er ist nackt! Oder so gut wie. Nur mit Boxershorts und einer soliden Schweißpelle bekleidet, steht der kräftige Junge Mann in der Menge und feiert sich und die Welt.

Als er und ein anderer Fan ähnlicher Statur beide halbnackt über die Köpfe der Leute gesurft kommen, haben die Ordner alle Hände voll zu tun, um die beiden wieder sicher auf den Boden zu stellen. Eine glitschige Angelegenheit. Da wird dann auch mal der Wassereimer, der eigentlich zur Versorgung der ersten Reihe gedacht war, als Waschbecken zweckentfremdet. Es ist den beiden Secu-Jungs definitiv nicht zu verdenken. Und keine Sorge, der Eimer blieb für den Rest des Abends das private Ordner-Waschbecken. Der Inhalt wurde nicht mehr in Bechern weitergereicht.

Das ist auch gut so, denn einige Herren haben schon beim Bier zu tief ins Glas geschaut. Wer nach der ersten Hälfte des Sets an die Theke geht, wird Zeuge eines Rockshow-Schauspiels: Ein völlig fertiger Fan hängt mit einem Eimer über dem Tresen und isst rückwärts. Glanzvoll. Immerhin geht anscheinend nichts daneben. Die Herren Donot zocken sich dafür weiter durch die Amplify The Good Times-Trackliste. Big Mouth, Saccharine Smile, Lady Luck. Nichts fehlt, nicht einmal der Bonustrack. Doch weil ein Donots-Konzert keinesfalls nur 16 Songs lang sein kann, geht es danach gleich weiter. Songs vom aktuellen Album Wake The Dogs kommen als Krönchen noch obendrauf. Insgesamt stehen letztlich amtliche 27 Stücke auf dem Kassenzettel. Die Akustikzugabe, die es bereits beim Grand Münster Slam gab, fehlt natürlich auch nicht und wird kurzerhand aus dem Pit heraus gespielt. Lagerfeuer-Romantik. Herrlich. Und da ist es natürlich logisch, dass „Good Bye Routine“ als Closer des Abends auch am Start ist. Die Masse ist gerührt, die Band auch. Was will man mehr? Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf’s 10. JAK im nächsten Jahr!

Foto: Katharina Leuck

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Luxuslärm punkten mit simpler Unterhaltung

Osnabrück. „Habt ihr Bock zu rocken?“ schreit die strahlende Luxuslärm-Frontfrau Janine „Jini“ Meyer ihren Fans im Rosenhof entgegen. Frenetischer Jubel, sofort fliegen unzählige Hände zum Mitklatschen in die Höhe. Die Band Luxuslärm aus Iserlohn gastierte am Freitagabend mit ihrer „Irgendwo da draußen“-Tour in Osnabrück. Vor ausverkauftem Haus legte sich die Band mächtig ins Zeug und hielt das Publikum mit viel Energie auf Trab.

Bereits zum vierten Mal sind Luxuslärm in Osnabrück zu Gast, zum ersten Mal ist ein Konzert von ihnen in der Stadt ausverkauft. Die Fans sind zum Teil von weit her angereist, um „ihre Luxuslärmer“ zu sehen. Bevor die fünfköpfige Band jedoch die Bühne entert, darf sich zunächst Sänger Nicolas Kuri von der Freiburger Band A5 Richtung WIR mit einem ruhigen Akustik-Set dem Publikum beweisen. Trotz intelligenter Texte und starker Stimme hat es der 21-Jährige nicht leicht, sich mit seinen melodiösen Indie-Popnummern richtig Gehör zu verschaffen. 
Luxuslärm genießt dagegen sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Menge. Vor einer Jahrmarkt-Kulisse, passend zum aktuellen Album „Carousel“, energiegeladen wirbelt Sängerin Jini Meyer wie ein kleiner blonder Derwisch über die Bühne, während sie mit starker Stimme die Masse mitreißt. Ihre Bandkollegen bereiten ihrem Organ ambitioniert laute und opulente Rockbetten mit kraftvollen Melodien, die oft von der eigentlichen Simplizität der Songs ablenken. 
Die direkten und absolut unmissverständlichen Texte kommen bei den Fans gut an. Dank äußerst eingängiger Melodien singen sie schnell jede Zeile aus vollem Hals mit und klatschen begeistert im Takt, was die Arme hergeben. Zeitweise kommt regelrechte Zeltfeten-Stimmung auf, was nicht unbedingt nur der Popcorn-Maschine auf der Bühne geschuldet ist. Luxuslärm feuern während ihrer gut 100-minütigen Show ganze Salven aus dem Handbuch der Publikumsanimation ab und sind stets darauf bedacht, ihre Fans per direkter Ansprache in das Geschehen einzubinden. 
Ganz besonders verzückt ist das Publikum von Luxuslärms intensiven Balladen. Die Sängerin gibt die vor Emotionalität fast überschäumenden Stücke mit viel Pathos zum Besten. Zwischen so viel Gefühl liefert die ebenso eingängige Luxuslärm-Single „Mehr Gewicht“ willkommene Abwechslung. Die simple Tanznummer gegen den Schlankheitswahn scheint der Menge aus der Seele zu sprechen. Die Band weiß offensichtlich, was ihre Fans glücklich macht. Eine ausgiebige Autogrammstunde nach dem Konzert gehört in Osnabrück auch dazu. 
Insgesamt bestritten Luxuslärm ein handwerklich absolut solides Konzert, das einfache, publikumswirksame Unterhaltung versprach und genau diese auch geliefert hat. Nicht mehr und nicht weniger. 

Interview mit Tiemo Hauer – Großer Pop in Eigenregie

Ein blonder Lockenkopf, Sonnyboy-Gesicht, selbstgeschriebene, emotionale Popsongs, das Abi frisch in der Tasche. „Der perfekte Teeniestar“, dachte sich da vor knapp zwei Jahren eine große Plattenfirma, und versuchte den heute 21-jährigen Tiemo Hauer mit Songs wie „Nacht am Strand“ in die schmachtenden Herzen pubertierender deutscher Teenager-Mädchen zu pressen. Doch nicht mit Tiemo. Inzwischen hat sich der Stuttgarter aus den Klauen des Label-Riesen befreit und hat kurzerhand sein eigenes Label gegründet um sich vor dem endgültigen Teeniestar-Stempel zu retten und sich künstlerisch selbst verwirklichen zu können.

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Video-Interview mit Royal Republic: „Richtig guter Sex“

Im letzten Jahr machten sich Royal Republic als Support der Donots einen Namen und heizten den Massen mit Songs ihres Debüt Albums We are the Royal ordentlich ein. Die vier Jungs liefern schwedischen Rock’n’Roll at its best, immer mit einem frechen Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Schalk im Nacken. Bevor sie am 17. November mit ihrer „Full Steam Space Machine“ in der Kleine Freiheit Station machen, standen uns Sänger Adam und Gitarrist Hannes schon mal Rede und Antwort.

Ihr macht selber auch großartige Musik und Ihr habt mit We are the Royal ein tolles Album vorgelegt.  Was braucht Ihr, um einen guten Rocksong zu schreiben?
Adam: Instrumente und Inspiration? Ich habe immer die besten Ideen, wenn ich eben nicht bewusst versuche, einen Song zu schreiben. 
Hannes: Wenn ich einen Song höre, den ich wirklich mag, versuche ich ihn nachzuahmen. Also, wenn Ihr einen unserer Songs hört und denkt, „hey, der Song erinnert mich an den und den Song“, dann ist das wahrscheinlich kein Zufall
Was für Musik hört Ihr zu Hause, wenn Ihr nicht gerade selbst Musik macht?
Adam: Alles Mögliche. Zurzeit höre ich sehr viel softe, ruhige Musik. Tom Petty, John Mayer, Bob Dylan. Viele akustische Sachen, um mich zu beruhigen und zu entspannen, wenn wir nicht auf Tour sind. 
Tolle Auswahl! Wie sieht’s bei dir aus, Hannes?
Hannes: Ich bin eher der Heavy Metal Typ der Band.
 Was war das beste Konzert, bei dem Ihr je wart? 
Hannes: Metallica haben vor ein paar Jahren in Kopenhagen gespielt. Ich hatte die Tickets schon ein Jahr im Voraus gekauft, weil ich so ein großer Fan bin. Ich musste die anderen Jungs zwar regelrecht dahin schleifen, aber sie waren doch recht beeindruckt. Ich war einfach nur im Himmel, ich liebe diese Band!
Ihr seid gerade auf großer Deutschlandtour. Wie würdet Ihr eine typische Royal Republic Show beschreiben?
Adam: Wie richtig guten Sex.
Hannes: An einem guten Abend. An einem schlechten Abend ist es aber nur wie mittelmäßiger Sex. Aber das ist immer noch schön.
Spielt Ihr lieber kleine, intensive Clubshows oder bevorzugt Ihr große Festivals?
Adam: Na Hannes, kommt es bei dir auf die Größe an?
Hannes: Vor dem Start der Festivalsaison habe ich riesig auf die großen Bühnen und das draußen spielen gefreut. Aber jetzt vermisse ich die richtig kleinen Punkrock-Clubs und freue mich richtig auf die kleinen Shows. 
Was macht Ihr 5 Minuten bevor Ihr auf die Bühne geht?
Adam: Wir machen ernsthafte Aufwärmübungen. Wir tanzen im Kreis herum und tun so, als ob wir Frösche, oder andere coole, rückgratlose Tiere wären. 
Ich habe Euch letztes Jahr als Support der Donots gesehen. Dabei warst gerade du, Adam, sehr um dein Aussehen bemüht. Mal ehrlich, wie lange braucht Ihr morgens um Euch fertig zu machen?
Adam: Mit der Frisur, die ich damals hatte, musste ich schon etwa eine Stunde vor den anderen Jungs aufstehen, weil ich nämlich duschen musste, um sie richtig hinzubekommen. Föhnen, Volumenzeugs, nochmal föhnen, Wachs, kämmen, wieder föhnen, Haarspray. Das hat immer eine Menge Zeit und Geld gekostet. 
Wie wichtig sind Euch Äußerlichkeiten allgemein?
Adam: Naja, ein „du siehst aber doof aus“ hört niemand gerne.
Hannes: Das ist eine sehr gute Antwort, die solltest du aufschreiben.
Adam: Mach ich, sobald wir hier fertig sind.

Interview mit Johannes Oerding – „Ich habe viele kreative Fans“

Johannes Oerding macht Popmusik. Er unterhält, macht seine Fans mit seinen lebensnahen Texten und seinen eingängigen Melodien glücklich. Zurzeit tourt der gebürtige Rheinländer mit seinem aktuellen Album „Boxer“ im Gepäck durch die Lande. Am 11.11. ist er in Osnabrück im Rosenhof zu Gast. Wir haben vorab schon mal mit Johannes gequatscht und ihn zu seinen Fans, seiner Lieblingsmusik und dem Tourleben befragt.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?

Das ist unterschiedlich. Vieles kommt so aus mir heraus, wenn mich gerade etwas bedrückt oder beeindruckt. Dann muss ich das einfach aufschreiben. Das ist meine Möglichkeit, das zu verarbeiten. Aber es kommt auch oft vor, dass ich einfach anderen Leuten zuhöre, was die so zu erzählen haben. Ganz egal ob das jetzt Freunde sind, Familie, Bekannte oder ganz Wildfremde, wenn man da genau hinhört, findet man dabei ganz viele Geschichten, in die man sich hineinversetzen kann. Und schon hat man wieder eine gute Idee.

Wie viel Persönlichkeit steckt in deinen Texten? Wie viel hast du davon selbst erlebt, wie viel eher andere?

Entweder habe ich die Geschichte wirklich eins zu eins so erlebt, oder aber ich weiß wirklich, wie es sich anfühlt, wenn man sich frisch trennt oder verliebt. Die meisten Songs hat man aber so erlebt und das sind so die Sachen, die einem selber passiert sind oder über die man nachdenkt.

Wenn du einen Song schreibst, wie musst du da gelaunt sein? Schreibst du eher wenn es dir gut geht oder wenn es dir schlecht geht?

Ich habe überhaupt kein System, muss ich sagen. Manchmal sitze ich abends rum und dann fällt mir eine Zeile ein. Das kann unter der Dusche sein oder im Bett. Dann muss man schnell aufstehen und das irgendwo aufschreiben, damit man das auch wirklich hat. Wenn mir was auf den Sack geht und ich traurig bin, kann ich auch direkt über die Geschichte schreiben. Ich habe jetzt gerade einen neuen Song angefangen. Das war so ein Tag, wo wirklich eine schlechte Nachricht nach der anderen kam. So fängt der Song auch an: „Schlechte Nachrichten kommen selten allein, es scheint als sprächen sie sich ab.“ Da war ich richtig genervt und konnte den Song richtig schön runter schreiben.

Welche Künstler haben dich in deinem Werdegang als Musiker beeinflusst?

Ich habe wie viele andere Jugendliche alles einmal durchgemacht. In der Schulzeit habe ich ganz viel HipHop gehört, auch deutschsprachigen HipHop, dann kam so ein bisschen Soulmusik. Die Klassiker, Stevie Wonder, Michael Jackson, Prince, Otis Redding. Dann kam so eine Phase, wo ich wieder deutschsprachige Künstler gehört habe, auch so Singer/Songwriter, die ganzen alten wie Grönemeyer und Lindenberg. Das hat mich sicherlich auch dazu inspiriert, selber auf Deutsch zu schreiben.

Was hörst du denn aktuell so?

Ich bin da gar nicht auf ein Genre festgelegt, das ist wirklich eine bunte Mischung. Am Ende des Tages ist es mir am wichtigsten, dass mich ein Song flasht oder auf irgendeine Art und Weise berührt. Dann schafft er es auch auf meinen iPod. Gerade ist da zum Beispiel Stevie Wonder, Udo Lindenberg, Jeff Buckley, Radiohead, Michael Jackson, Amos Lee, Paolo Nutini, The Script, Prince, Adele. Ganz viele unterschiedliche Sachen.

Du hast in den letzten Jahren schon so einige, eigene ausverkaufte Konzerte gespielt, warst aber auch als Support für ganz große Acts unterwegs. Was gefällt dir besser? Deine eigenen Fans zu „beglücken“ oder ein neues Publikum von einer riesigen Bühne aus mitzureißen?

Ich finde es natürlich geiler, eigene Konzerte zu spielen. Die Leute kommen wegen der eigenen Songs und singen die mit. Man wird für die ganze harte Arbeit belohnt. Als Support zu spielen ist dagegen immer eher eine Herausforderung. Du weißt vorher nicht, ob die Leute es geil finden oder ob du vielleicht eine Flasche Bier an den Kopf geschmissen kriegst. Deshalb gibst du dir dann extrem viel Mühe, denn du willst die Leute ja dazu bringen, später zu deinen eigenen Konzerten zu kommen. Bisher ist mir das eigentlich immer ganz gut gelungen.

Was ist an deinen eigenen Konzerten das Besondere?

Da ist für Jeden was dabei. Man kann da lachen, man kann da weinen, man kann sich in den Arm nehmen, man kann sich neu verlieben, man kann laut sein, man kann die Augen zu machen, die ganze Gefühlspalette ist an so einem Abend dabei. Dazu klingt jeder Song von unserer Platte live auch anders, weil wir vieles umarrangiert haben. Oft denken wir uns auch ein lustiges Medley aus. Da kommt dann schon mal plötzlich Billy Jean in einem Song vor, sowas eben. Ein Konzert muss sich meiner Meinung nach von der Platte abheben und ein ganz anderes Erlebnis sein, damit die Leute auch Bock haben, wieder zu kommen.

Worauf freust du dich bei dieser Tour am meisten?

Ich freue mich in erster Linie am meisten darauf, überhaupt endlich wieder auf Tour zu sein. Es gibt für mich nichts schlimmeres, als einen Monat lang in Hamburg zu Hause zu sitzen. Das war jetzt so. Ich hatte so viel Freizeit und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Insgeheim konnte ich es gar nicht abwarten, endlich wieder „auf Klassenfahrt“ zu sein. Du bist die ganze Zeit mit deinen Freunden unterwegs, machst das, was du liebst, nämlich Musik, schläfst abends im Hotel und musst morgens nicht dein Zimmer aufräumen. Besser geht’s nicht.

Die meisten Künstler haben einige eingefleischte Fans, die immer wieder auf Konzerte gehen und die ersten Reihen belagern. Ist das bei dir auch so?

Es gibt Fans der ersten Stunde, die das zu ihrem Hobby gemacht haben. Das finde ich total geil. Die fahren viele hundert Kilometer zu den Konzerten und sind quasi immer dabei. Die gucken sich so viele Konzerte an, dass sie eigentlich manche Moderationen fast schon mitsprechen können müssten. Aber das schöne ist ja, dass bei meinen Konzerten immer wieder etwas anderes und etwas Neues passiert, zumindest sagen sie das, und deshalb kommen sie immer wieder, weil eben jedes Konzert was Besonderes ist. Ich finde das toll. Da ich ja medial gesehen eigentlich gar nicht so bekannt bin, läuft bei mir vieles über Mund zu Mund-Propaganda und dazu braucht man natürlich viele treue Fans.

Wie ist das für dich, dann fast jeden Abend die gleichen Leute zu sehen?

Das sind alles nette Menschen und irgendwie gehören die schon mit zum Inventar. Man kennt sich mittlerweile. Ich freue mich dann immer darüber, dass da scheinbar so eine große Bindung zwischen der Musik und den Menschen besteht, dass sie diesen Aufwand auf sich nehmen. Wir haben aber auch keine Stalker, die dann rumnerven, sich im Tourbus verstecken oder sowas.

Das Musikvideo zu „1000 Menschen“ besteht aus ganz vielen Fan-Videos. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee hatten mein Mitbewohner, ein guter Freund und ich in einer lustigen Minute. Wir dachten uns, lass doch mal die Fans was drehen, dann haben wir weniger Arbeit (lacht). Nein, ich weiß, dass die Fans wahnsinnig aktiv und auch kreativ sind. Das hat wirklich gut funktioniert. Wir haben unter allen Teilnehmern Wohnzimmerkonzerte verlost und haben wirklich wahnsinnig viel geiles Zeug geschickt bekommen. Das lief jetzt sogar schon bei MTV.

Wie wichtig ist dir das, deine Fans in solche Aktionen einzubinden?

Ich habe das ehrlich gesagt noch gar nicht so oft gemacht. Bisher war ich immer eher faul, was solche Facebook-Aktionen anbelangt. Oder auch T-Shirts zu machen, das habe ich jetzt erst auf die Reihe bekommen. Aber man merkt jetzt auch, dass es den Leuten total Spaß macht und ihnen es viel bedeutet, bei solchen Aktionen wie dem Video mitzumachen. Von daher werden da in Zukunft sicher noch ein paar andere lustige Aktionen kommen.

Viele Medien stellen dir immer wieder Fragen zu deinem Privatleben, speziell zu deiner Beziehung zu Ina Müller. Wie geht’s dir damit? Wie findest du es, dass viele versuchen, Privates in die Öffentlichkeit zu zerren?

Eigentlich ist das recht entspannt. Es kommt ja immer darauf an, wie man darauf angesprochen wird oder ob es die einzige Sache ist, die denjenigen interessiert. In Deutschland gehört dieser Feenstaub auch einfach mit dazu, wenn man ein bisschen bekannt ist. Man hat es ja selber in der Hand, was man dazu sagt. Man kann sich dazu äußern und ewig lange Interview s in der Bildzeitung geben, oder man sagt einfach gar nichts. Letzteres ist dann eher meine Strategie.

Frida Gold sexy aber nicht überzeugend in Osnabrück

Osnabrück. Die Aussicht im Rosenhof ist heiter bis goldig, mit leichten Tendenzen zu Schweißbildung und vorsichtigen Tanzeinlagen. Frida Gold, Deutschlands derzeit groß gehyptes Pop-Phänomen, machte am Montag mit ihrer „Juwel“-Tour in Osnabrück Station. Mit ihren fast schon hymnenhaften Elektropop-Nummern sorgte die vierköpfige Band rund um Model und Frontfrau Alina Süggeler für viele zufriedene Gesichter in dem ehemaligen Kinosaal.

Als Support mit im Gepäck haben die selbsternannten Goldkinder an diesem Abend die Kölner Band P:lot, die eine halbe Stunde lang deutschen Poprock aus ihrem im Februar erscheinenden Debütalbum zum Besten gibt. Ein wenig chaotisch, aber durchweg sympathisch, bringt das Trio die etwa 500 Zuschauer mit einem lockeren Aufwärmprogramm aus eingängigen Songs über Liebe und andere Alltäglichkeiten auf Temperatur.

Ebenfalls gut aufgewärmt, betritt wenig später Alina Süggeler die Bühne zu dröhnenden Beats und sphärischen Synthesizer-Samples ihrer Band und eröffnet den Pop-Reigen mit der leicht melancholischen Nummer „Morgen“. In 15cm hohen Plateau-Stiefeletten und einer hautengen, schwarzen Latexhose zieht sie den Rosenhof schnell in ihren Bann. Unter ihrer dunklen College-Jacke trägt sie lediglich einen schwarzen BH und viel funkelnden Schmuck, passend zum Tourmotto „Juwel“. Spätestens bei all diesem Sex Appeal wird klar, dass viele der männlichen Fans definitiv nicht nur wegen der Musik zum Konzert gekommen sind.

Dabei zeigt Frida Gold, dass sie eben nicht nur von einer perfekt gestylten Frontfrau leben, sondern auch gerade musikalisch live einiges zu bieten haben. Gute zwei Stunden lang spielt sich die Band mit vollem Stimm- und Körpereinsatz durch ihr Debütalbum „Juwel“. Neben ihren Radio-Ohrwürmern „Wovon sollen wir träumen“, „Zeig mir wie du tanzt“, und „Unsere Liebe ist aus Gold“ hat die Ruhrpott-Band als kleine Überraschung auch eine Coverversion des Achtziger-Hits „Gold“ von Spandau Ballett mit im Gepäck. Mit purem Pop und vielen musikalisch glitzernden Spielereien entführt Frida Gold das Publikum in ihr eigenes kleines goldiges Universum.

Trotz Model-Styling wirkt Sängerin Alina auf der Bühne überraschend natürlich und sucht zwischen den Songs den Kontakt zum Publikum, geht auf Tuchfühlung und gibt den Osnabrückern die Chance, ein Teil ihres glitzernden Mikrokosmos zu werden. Die Masse scheint jedoch manchmal derart von Alinas Look hypnotisiert zu sein, dass der Sängerin häufig, statt des erwarteten lautstarken Jubels, nur fasziniertes Schweigen entgegen schlägt. Dadurch hat die 26-Jährige oftmals ihre liebe Mühe, die Spannung der sonst so dramatisch wirkenden Bühnenshow aufrecht zu erhalten. Unfreiwillige Pausen aufgrund verschwundener Instrumente und nicht geplanter Kostümwechsel – „Diese Latexhose bringt mich um! Das fühlt sich an wie Wasser in Gummistiefeln. Sorry ihr Lieben!“ – wirken zwar nur menschlich und sympathisch, helfen der Show an sich aber nicht immer weiter.

Insgesamt wirkt der Auftritt noch etwas grob gestrickt und nicht unbedingt so professionell, wie ihn manch einer bei einer derart gehypten und bei den MTV Europe Music Awards als „Best German Act“ nominierter Band erwarten würde. Der Abend zeigt, Frida Gold ist letztendlich auch nur eine Newcomerband, die gerade zu Beginn ihrer Tour noch ganz natürlich auf der Suche nach ihrer Showroutine ist und eigentlich erst noch in ihre riesigen, goldenen Medienhype-Schuhe hineinwachsen muss.

Interview: Glänzende Zeiten für Frida Gold

Es ist noch nicht mal ein ganzes Jahr her, als in Deutschland kaum jemand etwas mit dem Namen Frida Gold anfangen konnte. Als Support für Revolverheld tingelte die Band aus dem Ruhrgebiet mit der hübschen Frontfrau Alina Süggeler im Winter 2010 durch die Republik und gab einige Kostproben aus ihrem für 2011 angekündigten Debüt „Juwel“ zum Besten. „Pop all the way“ betitelte die Band einst ihre musikalische Mischung aus poppigen Texten und elektronischen Indie-Elementen.
Inzwischen hat sich Frida Gold Dank intensiver Marketingbemühungen einer großen Plattenfirma zu einem der deutschen Pop-Phänomene des Jahres gemausert, ihre Songs „Zeig mir wie du tanzt“, „Wovon sollen wir träumen“ und „Unsere Liebe ist aus Gold“ sind aus dem Radio kaum noch wegzudenken und bohren sich dank eingängiger Hooks hartnäckig direkt ins Ohrwurmzentrum. Eine Support-Tour mit Kylie Minogue, eine erste eigene, ausverkaufte Headliner-Tour, zahlreiche Auftritte bei Großereignissen wie dem Eurovision Songcontest und dem Bundesvision Songcontest sowie eine massive mediale Präsenz lassen kaum einen Zweifel: Der Frida-Gold-Hype geht um.
Doch wie empfindet die Band selbst diese plötzliche, riesige Aufmerksamkeit, die ihr da zuteilwird? Im Interview stand Bassist Andreas Weizel alias „Andi“ unserem Magazin Rede und Antwort: „Der Hype wird mir immer erst dann bewusst, wenn man aufgezählt bekommt, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Wir empfinden das aber alles eher als einen Prozess. Wir sind ja nicht erst vor einem Jahr aus dem Boden gestampft worden, sondern haben schon die letzten drei Jahre an unserem Album gearbeitet. Die Aufmerksamkeit und die Reaktionen, die wir gerade von den Fans bekommen, haben wir uns natürlich immer gewünscht. Das erleben wir selbst aber eigentlich nur, wenn wir auf der Bühne stehen. Ansonsten sind wir immer schon dabei, die nächsten Schritte zu planen und zu entwickeln. Wir wollen den Leuten schließlich auch etwas bieten.“ 
Wohlgeplante Schritte, persönliche Weiterentwicklung. Die Band Frida Gold folgtihrem Plan, lebt ihren Traum. Ihr Ehrgeiz treibt sie an. „Wir sind als Band sehr ehrgeizig und wollen als Band noch ganz viel erreichen“, erzählt Andi. „Man braucht einen starken Willen, um das alles wirklich durchziehen und diesen Lebensstil mit allen Konsequenzen leben zu können. Ständig unterwegs zu sein, immer aus dem Koffer zu leben und die freien Tage an einer Hand abzählen zu können, sind auf der einen Seite dabei natürlich die schwierigen Aufgaben. Aber gerade bekommen wir sehr viel positive Energie zurück und diese Energie-Symbiose treibt uns weiter voran.“
Die allgegenwärtige Medienpräsenz ist für die Band eine Aufgabe, in die sie erst hineinwachsen musste. Trotz des Hypes können die Bandmitglieder noch ungestört auf die Straße gehen. Sie sind ihrer Heimat, dem Ruhrgebiet, treu geblieben und verbringen nach eigenen Angaben jede freie Minute mit ihren Familien und alten Freunden. Vermutlich hilft ihnen gerade der Kontakt zur „normalen“ Welt auf dem Boden zu bleiben. Auf die Frage, was es für ein Gefühl ist, nach so kurzer Zeit schon dieses Jahr bei den MTV Europe Music Awards als „Best German Act“ nominiert zu sein, antwortet Andi schon fast verlegen. „Das ist einfach toll. Wir fühlen uns unglaublich geehrt, zwischen so großen Namen aufgezählt zu werden.“ Mit Frida Gold gehen unter anderem die Beatsteaks, Clueso, Culcha Candela und Lena ins Rennen. „Wir sind da schon ein bisschen sprachlos“, so Andi weiter.
Dabei bedeuten der Band Nominierungen und Awards im Vergleich zu einer normalen Liveshow eher wenig. „Mit Awards kann man sich zwar schmücken, und in gewisser Weise sind sie auch eine Bestätigung für das, was man macht. Es ist aber kein direkter Austausch, es ist keine Emotion, die man zurück bekommt. Auf Tour ist das ganz anders. Uns ist es im Verhältnis viel wichtiger, jeden Abend mit Fans und Freunden zu feiern, Emotionen zu geben und genauso Emotionen zurück zu bekommen.“ Trotz großem Ehrgeiz verfolgt die Band bei dem MTV EMAs das Motto „Dabeisein ist alles.“ Chancen, wirklich zu gewinnen, rechnet man sich nicht aus.
Dank vollgepacktem Tourplan ist bisher auch noch gar nicht klar, ob die vier Hattinger am 6. November überhaupt bei der Award Show in Belfast live dabei sein werden. Der zweite Teil ihrer „Juwel“ Tour 2011 treibt sie von Mitte Oktober bis Anfang Dezember kreuz und quer durch Deutschland. Dabei soll jede freie Minute genutzt werden, um kreativ zu sein und an neuen Songideen für ein zweites Album zu arbeiten, verrät Andi.
Am Montag, den 24. Oktober haben sie ein Gastspiel im Rosenhof in Osnabrück. Die Erwartungen der Zuschauer sind hoch, die Band freut sich auf ihre Tournee, der Bassist besonders auf den geregelten Tagesablauf. „Wir fahren jetzt zum ersten Mal mit einem großen Nightliner“, schwärmt Andi. „Das Schöne an so einer Tour ist, dass man nach der ersten Woche schon fast so etwas wie einen geregelten Tagesablauf hat. Man fährt nachts, wacht auf, frühstückt, macht Soundcheck, gibt Interviews und abends spielt man das Konzert. Das fordert dann zwar etwa 90 Prozent der Kraft des Tages, aber insgesamt sind die Tage viel strukturierter als sonst.“ In Anbetracht der kommenden Konzerte mit verbesserter Liveshow und der gemeinsamen Zeit nehmen sie die mangelnde Privatsphäre im Tourbus gerne in Kauf: „Die nächsten Wochen werden für uns eine Zeit der Nähe. Wir sind endlich wieder alle zusammen. Das wird sehr schön.“
Die Musikwelt hat viele Stars und Sternchen aufund untergehen sehen. Für viele gehypte Bands ging es genauso schnell wieder abwärts, wie sie einst in den Pop-Olymp geschossen wurden. Angst vor einem medialen Absturz hat die Band aber nicht. „Medial gesehen kann man natürlich wahnsinnig schnell wieder verschwinden. Wir sind als Band und einzeln in unseren Persönlichkeiten aber so sehr gefestigt, dass wir in der Konsequenz auch weiter Musik machen würden, auch mit der gleichen Beständigkeit. Was uns ausmacht, ist ja nicht, dass wir in den Medien präsent sind, sondern dass wir die Möglichkeit haben, mit unserer Musik Menschen zu berühren. Das hat für uns mehr Bestand als die Nachrichten.“ Entsprechend verfolgt die Band für die Zukunft ein recht bodenständiges Ziel: „Wir wollen uns selbst treu bleiben und gleichzeitig unsere Musik weiter entwickeln. Wir haben uns immer gewünscht, Menschen mit unserer Musik zu berühren. Daran arbeiten wir weiterhin mit all unserer Kraft.“ 
Foto: Robert Wunsch

Tina Dico verzaubert im Rosenhof

Blond, hübsch und unglaublich zerbrechlich, fast wie aus Porzellan, wirkt Tina Dico, als sie am vergangenen Donnerstagabend die Bühne im Rosenhof betritt. Bei ihrem puppenhaften Äußeren ist es zunächst schwer zu glauben, dass dieses zarte Wesen über ein derartiges kraftvolles und ausdrucksstarkes Stimmorgan verfügt.

Mit diesem wickelt sie den gut gefüllten Rosenhof binnen Sekunden um den Finger. Die Konzertbesucher lauschen andächtig, halten fast den Atem an um ja keinen einzigen Ton zu verpassen. Während der einzelnen Songs ist es so ruhig, dass selbst das leise Klicken der Kameras der Pressefotografen schon fast störend wirkt. Nach jedem Song folgt tosender Beifall.

Das dänische Ausnahmetalent spielt sich knapp zwei Stunden lang quer durch ihre Alben und sorgt im Publikum nicht nur mit den bekannten Songs „Sacre Coeur“, „Count to ten“ und „Let’s get lost“ gleichermaßen für Gänsehaut und Begeisterungsstürme. Erfreulich abwechslungsreich zwischen laut und leise kommt die zarte Dänin daher und überzeugt mit Witz, Grazie und bodenständiger Authentizität. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band gelingt es Tina Dico, eine unglaublich intensive Atmosphäre aufzubauen und jeden Anwesenden mit dem Wesen ihrer Musik zuzudecken. Mit jedem Ton und jeder Textzeile hat man das Gefühl, einen exklusiven Einblick in die Seele der Künstlerin zu bekommen.

So will keiner es so recht wahr haben, als der Abend sich langsam seinem Ende zuneigt. Osnabrück fordert mit Standing Ovations eine Zugabe nach der anderen und Tina Dico lässt sich von ihren Fans bereitwillig zu immer noch einem Song hinreißen. Sie zelebriert den Abschluss ihrer erfolgreichen Tour in Osnabrück geradezu. Nach der dritten Zugabe verabschiedet sich die Vollblutmusikerin dann doch endgültig und sichtlich beeindruckt mit einer tiefgründigen und gefühlvollen Version von „The Road“ von der Bühne.

Wenn es nach den Besuchern ginge, könnte Tina Dico ruhig öfter im Rosenhof vorbeischauen.

Guido Donot im Interview: „Ich mache Urlaub in Münster“

Rekord für die Donots: Nach nur einer Woche waren alle Karten für ihr Jahresabschlusskonzert am 27.12. im Rosenhof weg. Grund genug für die Band aus Ibbenbüren, eine Zusatzshow am 28.12. anzuhängen. Gitarrist Guido Knollmann hat vorab mit uns über verrückte Shows in Japan, Urlaub in Münster und soziales Engagement gesprochen. 
Eure „The Long Way Home“-Tour ist jetzt erst mal vorbei. Was waren Eure Highlights? 

Da waren schon eine Menge geiler Konzerte dabei. In Wiesbaden war der Laden mit 1600 Leuten rappelvoll und wir haben uns echt gefragt, „für wen sind die denn jetzt alle gekommen?“ Richtig geil war aber auch unsere „Short Way Home“-Tour mit drei Konzerten von ganz klein bis ganz groß in Münster. Erst in der Gorilla Bar, dann im Gleis 22 und dann in der Halle Münsterland vor 3000 Leuten. Wahnsinn!
Das Konzert in der Halle Münsterland war das größte eigene Eurer Bandgeschichte. Was ist das für ein Gefühl, wenn man da steht und weiß „die 3000 Leute sind jetzt nur für uns gekommen“?

Die tun mir dann erst mal alle Leid, weil die ja total verwirrt sein müssen, wenn die wirklich alle nur für uns gekommen sind! (lacht) Das ist schon ein geiles Gefühl, dass das jetzt nach 16 Jahren Bandgeschichte so nach vorne geht. Wir haben die Band gegründet um live zu spielen und wenn dann 3000 Leute bei der Sause mitmachen, ist das um so genialer. 
Anfang Dezember stehen Euch noch ein paar Gigs in Japan ins Haus. Wie kam‘s dazu? 

Das wird jetzt schon unsere sechste Japantour. Über den Import haben die da früher schon laufend Platten von uns gekauft, aber wir wussten da gar nichts von. Als wir dann irgendwann mal in New York gespielt haben, sind wir von ein paar Japanern angesprochen worden. Als sie unseren Bandnamen gehört haben, waren sie ganz begeistert und meinten, dass wir in Japan total angesagt wären. Wir dachten, das wäre nur japanische Höflichkeit, aber es war wirklich so und unsere alte Plattenfirma hat uns dann da drüben rausgebracht. Es macht aber echt Spaß dort zu spielen. Die Leute sind total verrückt, haben immer gute Laune und alles ist bunt. 
Was ist bei den Konzerten da drüben anders als hier?

Die Leute dort leben ihren Alltag ja sehr geregelt und lassen dafür auf den Konzerten dann so was von die Kuh fliegen. Unfassbar! Es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Beim ersten Mal haben wir unseren ersten Song gespielt, dann gab es 4 oder 5 Sekunden tierischen Applaus und plötzlich war Totenstille. Wir dachten schon wir hätten was falsch gemacht. Das war aber nach jedem Song so. Die Leute wollen einfach die Ansagen nicht unterbrechen, so höflich sind die. Das muss man auch erst mal wissen. 
Auf Festivals bringen die ihren eigenen tragbaren Aschenbecher mit, weil die nicht auf den Boden Aschen wollen. In Deutschland sieht‘s nach Konzerten ja meistens aus, als ob da gerade „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Alles ist im Arsch. Da drüben räumen alle nach den Konzerten zusammen auf. Das ist echt Wahnsinn! 
Was für eine Rolle spielt der traditionelle Jahresabschluss in Osnabrück für Euch?

Das ist schon was ganz besonderes. Ein richtig schönes Fest mit ein bisschen in die Saiten hauen. Über die Jahre hat sich das so etabliert. Das geile ist, dass es keine normale Donots-Show ist. Wir spielen da jedes Mal ein komplett anderes Set als sonst und lassen uns auch ganz spezielle Sachen für die echten Die-Hard-Fans einfallen. Das ist schon was besonderes weil alle unsere Freunde und Familien auch da sind. Ich hab‘s ja nicht so mit Lampenfieber aber wenn meine Eltern da sind, geht mir schon ein bisschen der Kackstift. Da ist dann der Ehrgeiz alles richtig zu machen.  
Wenn man Euch im Netz verfolgt hat man fast den Eindruck dass Ihr jetzt so beliebt seid wie noch selten. Wie geht ihr damit um?

Darüber machen wir uns eigentlich nicht so viele Gedanken. Wir genießen das einfach und freuen uns, das jetzt so viele Leute zu unseren Shows kommen. Das bockt einen als Band auch noch mal ein bisschen an, und wenn es dann jetzt so viele Leute interessiert, was wir machen, ist das umso geiler. 
Wird Euch die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Internet manchmal auch zu viel?

Man darf sich da einfach nicht stressen lassen. Wir haben alle noch eigene Facebook-Profile und wenn ich da online gehe, dauert das keine 3 Minuten und mir schreiben 20 Leute gleichzeitig im Chat „Hey, wie geht‘s?“ und alle fragen immer dasselbe. Ich versuche zwar meistens alles zu beantworten. Aber das ist dann schon etwas schwer, wenn man eigentlich mit seinen richtigen Freunden schreiben will. Das klappt dann nicht immer. 
Wie viele „Freunde“ hast du da?

Puh, so knapp 3000 etwa, glaube ich. Ich kenne mich in dem Laden so schlecht aus.
Respekt, wenn du da versuchst wirklich noch jedem zu antworten.

Ja, ich probier das zumindest. Es ist ja auch erst mal schön, wenn sich die Leute für einen interessieren. Das nimmt zwar manchmal etwas überhand, aber dann sag ich den Leuten halt, dass ich gerade keine Zeit zum Antworten habe. 
Ihr beginnt Euer Bandjahr 2011 mit drei Konzerten im Januar. Was macht ihr danach?

Wir werden uns schon wieder an die neue Scheibe setzen. Ich bin auch jetzt schon wieder dabei, neue Songideen zu sammeln und zu schreiben. Das ist zwar immer ein langwieriger Prozess, aber wir wollen jetzt nicht lange warten, sondern sehr bald ein neues Album nachlegen. Und ich hab schon wieder so Bock auf Studio! Das ist immer das lustige, wenn wir auf Tour sind, will ich ins Studio und im Studio kann ich‘s kaum erwarten wieder auf die Straße zu kommen. Das ist immer ne ganz schöne Abwechslung. 
Also keine Pause?

Richtig Pause gönnen wir uns jetzt vielleicht einen Monat, wo wir gar nichts machen. Ich bleib in Münster, ich weiß, nicht ob die anderen weg fahren. Ich werde auf jeden Fall weiter Songs schreiben und Urlaub in Münster machen. In meiner Lieblingskneipe nebenan, da kann man super Urlaub machen (lacht). Danach werden wir uns dann im Probenraum zusammensetzen und an neuen Songs basteln. 
Du sagst du gönnst dir nur einen Monat Ruhe. Was bedeuten Pausen für Euch?

Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich stehe komischerweise gar nicht so auf Urlaub. Ich hab auch schon ein bisschen Bammel vor dem Monat, weil mir da echt schnell die Decke auf den Kopf fällt. Deshalb mache ich da auch nicht die ganze Zeit Pause, sondern schreibe weiter Songs und bleibe hier in Münster. Wenn ich mal wegfahre, ist mir nach einer Woche so stinklangweilig, unglaublich. Die anderen freuen sich immer, wenn sie richtig wegfahren können, wenn wir frei haben. Ich bin da einfach froh, wenn ich mal am Stück zu Hause bin und richtig was mit meinen Freunden in Münster unternehmen oder einfach meine Eltern in Ibbenbüren besuchen kann. Das ist eigentlich so mein Urlaub. 
Ihr unterstützt viele soziale Organisationen wie Viva con Agua oder Peta. Welchen Stellenwert hat soziales Engagement für Euch?

Generell sind wir keine Band, die großartig politische Texte hat. Aber uns ist es wichtig, dass wir uns auch engagieren. So Geschichten wie Viva Con Agua, die Trinkwasserquellen ausbauen, sollte man unterstützen. Das ist echt ne gute Sache. Wenn man als Band schon so eine Art Vorbildfunktion hat, muss man den Leuten auch mal sagen, dass es nicht immer nur Party gibt, sondern auch noch wichtigere Sachen.
Könntet Ihr Euch vorstellen, selber so etwas ins Leben zu rufen?

Das ist natürlich ne Menge Arbeit und wir haben einfach wahnsinnig viel um die Ohren, weil wir ja unser eigenes Label haben. Aber wenn da mal irgendwann etwas mehr Luft wäre, fände ich so etwas in die Richtung aber auch ganz cool.
16 Jahre Punkrock made in Ibbenbüren, Shows in Japan, große Festivals. Ihr habt schon sehr viel erreicht. Wo wollt Ihr mit Eurer Band noch hin?

Das klingt zwar wie ein Klischee, aber eigentlich ist ja der Weg das Ziel. Ich bin einfach dankbar, dass ich das so machen darf. Ich kann von meiner Musik leben, ich bin mein eigener Chef, lerne viele Leute kennen, fahre quer durch die Weltgeschichte und hab ne gute Zeit. Das ist eigentlich das Größte. In dem Sinne haben wir wirklich das Leben bei den Eiern gepackt. Ich will nichts anderes. Wenn das alles so bleibt wie es jetzt ist, wäre dass das allerschönste für mich.

Fettes Brot, Dendemann und Die Sterne bereiteten „Zauberhaften Abend“

„Zauberhafte Abende“ – so heißt die Open-Air-Reihe, die seit 2008 jährlich im Schloßpark des Jagdschloss Herdringen bei Arnsberg im Sauerland stattfindet. An insgesamt vier Abenden locken Größen aus Musik und Comedy die Massen in den beschaulichen Ort. 
Den diesjährigen Musikreigen eröffneten vergangen Donnerstag Die Sterne, Überraschungsgast Dendemann und die Hamburger HipHop-Urgesteine Fettes Brot.
Während am Donnerstag anderswo die Welt langsam unterging, war Petrus den Besuchern des „Zauberhaften Abends“ wohl gesonnen und hielt die Regenschleusen die meiste Zeit über fest geschlossen. Ein kräftiger Regenguss hätte das ohnehin schon aufgeweichte Areal in eine riesige Schlammschlacht verwandelt. In weiser Voraussicht hatten die Veranstalter den Bereich vor der Bühne großzügig mit weißen Plastikplatten ausgelegt, so dass dem musikhungrigen Publikum eine unfreiwillige Rutschpartie im Takt der Musik größtenteils erspart blieb.
Mit etwas Verspätung enterten gegen 18.30 Uhr Die Sterne aus Hamburg die Bühne. Die  sympathische selbsterklärte Deutschrockband spielte sich mit viel eigenwilligem Humor durch ihr 45-minütiges Set, in dem Songs wie der Klassiker „Was hat dich bloß so ruiniert?“ oder Stücke aus ihrem neuen Album „24/7“ wie „Gib mir die Kraft“ und „Deine Pläne“ nicht fehlen durften. Trotz einer soliden Vorstellung hatten es die drei Herren nicht leicht, das noch etwas träge wirkende, und darüber hinaus fest auf Fettes Brot eingeschworene Publikum mit ihrem nicht immer einfachen Indierock aus der Reserve zu locken. 
Dendemann hatte es dagegen um einiges leichter. Kurz vor 20 Uhr trat der als Überraschungsgast Angereiste, unterstützt von DJ und ansehnlicher Live-Band vor das stark angewachsene Publikum und lieferte ab dem ersten Ton feinsten frech provokativen Kopfnicker-HipHop, gespickt mit rockigen Abgehelementen. Ohne Probleme zog der gebürtige Mendener die Leute in Windeseile auf seine Seite. Begeistert tanzte, bouncte und feierte die Menge Tracks wie „Stumpf ist Trumpf“ und „Endlich Nichtschwimmer“. Inspiriert vom Anblick des Jagdschlosses widmete Dendemann zum Schluss seinen Song „Gangsterbraut“ kurzerhand den Raubrittern, die dort seiner Meinung nach mit Sicherheit einmal gehaust hatten. 
Gegen 21.20 Uhr folgte endlich das, worauf die Masse seit Stunden sehnlich gewartet hatte. Das Intro von „Emanuela“ wummerte über das Gelände und Fettes Brot stürmten endlich die Bühne. Ab der ersten Sekunde gab es kein Halten mehr. Zu fetten Bässen und heißen Bläsersätzen der Liveband tanzte sich die Meute vor der Bühne die Seele aus dem Leib, feierten neuere Hits wie „Erdbeben“ und „Bettina“ und ließ sich ebenso von alten Klassikern wie „Jein“, „Definition von Fett“, „Da draussen“, „Schwule Mädchen“ und „The Grosser“ mitreißen. Mit ihrem Programm lieferten die drei Hamburger einen energiegeladenen massentauglichen Querschnitt durch 18 Jahren Bandgeschichte, der nach circa 80 Minuten mit „Nordisch by Nature“ ein großes, aber für den Geschmack der durch und durch heißgetanzten Zuschauer, viel zu frühes Ende fand. 


Fotos: Katharina Leuck