Schlagwort-Archive: Rosenhof

Philipp Dittberner Tickets im Adventskalender #10

Mein Adventskalender schwebt heute auf Wolke 4. Hinter Türchen Nr. 10 verbergen sich nämlich 1×2 Plätze auf Gästeliste zum Konzert von Philipp Dittberner (& Band) am 8. März 2016 im Rosenhof in Osnabrück. Cheers!  Philipp Dittberner Tickets im Adventskalender #10 weiterlesen

Heißer Tanz – Beatsteaks im Rosenhof in Osnabrück

Unglaublich heiß, unglaublich geil und unglaublich stark – so kurz und knapp könnte man Konzert der Beatsteaks im Rahmen ihrer Club Magnet Tour vergangenen Mittwoch, 13. August, im Rosenhof Osnabrück zusammenfassen. Von manchen Konzerten muss man sich aber auch erst einmal vier Tage erholen, bevor man das Erlebte wirklich verarbeitet und angemessene Worte dafür gefunden hat. Schließlich soll der Leser hier doch etwas mehr als ein einfaches, über fünf Seiten geschrieenes „GEEEEEEEEEEEIIIIIL“ vorfinden. Heißer Tanz – Beatsteaks im Rosenhof in Osnabrück weiterlesen

Beatsteaks: Doch keine lokalen Vorverkaufpartys für Clubkonzerte im August

Nur noch wenige Wochen, dann gehen die Beatsteaks nach langer Zeit erstmalig wieder auf die Bühne. Vor ihrem ersten großen Festivalwochenende beim Highfield Festival und Rock’n’heim geht es noch auf eine kleine Warm-Up Tour durch ausgewählte kleine Clubs. Die Tickets sind heißbegehrt. Eigentlich hätte ich hier über die am 26.07. dazu geplanten Vorverkaufpartys, unter anderem im Rosenhof Osnabrück und schreiben wollen, doch heute kam die ernüchternde Nachricht: Abgesagt. Beatsteaks: Doch keine lokalen Vorverkaufpartys für Clubkonzerte im August weiterlesen

Beatsteaks kommen für Warm-Up-Show in den Rosenhof Osnabrück

Welch großartige Nachricht durfte ich da vorhin über die Kanäle des Osnabrücker Rosenhofs lesen? Die Beatsteaks kommen nach Osnabrück! Jetzt wirklich. In echt! Am 13. August 2014 werden die Beatbuletten höchst persönlich den Rosenhof rocken, um sich nach ihrer langen, langen gesundheitlich bedingten Pause live wieder aufzuwärmen.
Beatsteaks kommen für Warm-Up-Show in den Rosenhof Osnabrück weiterlesen

77 Bombay Street & Marie Katzer im Rosenhof Osnabrück

Wir haben eine Premiere: Der erste Gast-Beitrag für LEISE/laut. Karsten Rzehak, Haus- und Hof-Fotograf des Rosenhof Osnabrück, hat für uns seine Eindrücke des Konzerts von 77 Bombay Street am 5. Oktober 2013 mit Marie Katzer als Support ausführlich in Wort und Bild festgehalten.

Vor nicht ganz einem Jahr muss es gewesen sein, als ich durch irgendeinen Zufall auf die mir bis dato unbekannte Band 77 BOMBAY STREET und deren Song „47 Millionaires“ stieß. Ich war sofort ziemlich angetan von der fröhlichen und sommerlichen Musik. Eine kurze Internetrecherche zeigte, dass es sich ganz offensichtlich nicht um einen Ausnahme-Hit handelte. Schon bald war das Debutalbum „Up in the sky“ das Meine und offenbarte 12 erfreulich leichte und unbeschwerte Pop/Indie-Rock-Songs mit leichtem Folk-Einschlag. Damit kam die Band ganz oben auf meine geistige Liste derer die ich einmal live zu erleben hoffte.

Umso größer die Freude als dann ein Konzert mit 77 BOMBAY STREET in meinem Stammclub, dem Rosenhof in Osnabrück, angekündigt wurde in dem ich seit langen Jahren als Haus- und Hof-Fotograf aktiv bin. Aufgrund der von mir gehörten Musik stand es für mich außer Zweifel, dass der Rosenhof die richtige Location mit der richtigen Größe für dieses Konzert sein dürfte. Die mittlerweile erschienene zweite CD „Oko town“ bestärkte mich in diesem Eindruck noch.

Ich war daher einigermaßen erstaunt, als ich ziemlich pünktlich um 20 Uhr ankam und erst einmal niemanden sah. Leider änderte sich dieser Eindruck nach Betreten des Clubs auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt waren vielleicht um die 50 Personen in einem Club der auch locker einmal 800-900 Zuschauer fasst.

Marie Katzer als Support

Nach der ersten kleinen Enttäuschung konzentrierte ich mich auf das, was das gerade auf der Bühne passierte. Dort hatte bereits der Support des Abends begonnen. Alleine mit ihrer Akustikgitarre stand die Osnabrücker Singer/Songwriterin MARIE KATZER auf der Bühne. In Osnabrück ist die noch recht junge (Anfang 20 ist sie erst) Sängerin kein unbeschriebenes Blatt mehr und konnte als Support auf diversen Konzerten in kleineren Clubs oder auch bei dem in der Lagerhalle stattfindenden Singer-Songwriter Slam Live-Erfahrung sammeln.

Das Problem wenn ein lokaler Singer/Songwriter als Support einer Band eingesetzt wird ist ja meist, dass das Publikum eher wegen der Hauptband kommt und während der Vorband dann große Unruhe herrscht, weil sich alle unterhaltend die Wartezeit zum Hauptact vertreiben. Anders jedoch an diesem Abend bei MARIE KATZER. Während diese zwischen den Songs und bei den Ansagen sichtlich nervös wirkte (zwar dürfte sie selten in so einem großen Club, aber dennoch meistens vor mehr Publikum gespielt haben) und etwas verloren auf der für eine Person doch recht großen Bühne des Rosenhofs stand, war diese Unsicherheit während der Songs komplett verflogen. MARIE KATZER tauchte tief in ihre Songs ab und schaffte es das Publikum mit ihrer großartigen Stimme direkt zu packen und gespannt lauschen zu lassen. Der Applaus wurde von Song zu Song größer (und das nicht nur, weil nach und nach noch einige weitere Gäste eintrudelten).

Während der überwiegende Teil der Songs eher ruhig und melancholisch klang, schaffte es MARIE KATZER aber auch immer wieder durch ihre Stimme etwas kraftvoller zu werden und die Intensität innerhalb der Songs dezent zu variieren, so dass nie der Eindruck auftrat die Musik würde nur vor sich hinplätschern. Gegen Ende ihres Sets widmete sie dann etwas semi-charmant ihren Song über ältere Menschen einem Mitarbeiter des Rosenhofs und erhielt von diesem dann auch direkt im Anschluss eine Rose auf die Bühne gereicht.

Als MARIE KATZER dann die Bühne verlassen wollte, schafften es die wenigen Zuschauer umso lautstärker diese mit Klatschen und Zugaberufen noch einmal zurückzuholen. So gab es zum Abschluss nach das KATE NASH Cover „We get on“. Auch hier schaffte es MARIE KATZER dem Song durch ihre Stimme eine ganz neue und eigene Note zu geben. Dieser Auftritt war auf jeden Fall die erste positive Überraschung des noch jungen Abends.

Mehr Fotos von Marie Katzer findet Ihr hier.

Gute Laune, beste Stimmung

Die nächste sollte direkt im Anschluss folgen nach einer kaum nennenswerten Umbaupause von nicht einmal 10 Minuten. Dann kamen direkt 77 BOMBAY STREET auf die Bühne wie man sie von den Covern ihrer CDs kennt: In bunten Uniformen, die direkt an die BEATLES erinnerten (wie ja manchmal die Musik in Teilen auch ein bisschen).

Die Band wirkte an diesem Abend genauso unbeschwert, leicht, frisch und unverbraucht wie ihre Musik. Statt schlechte Laune zu haben, dass lediglich an die 100 Fans den Weg in den Rosenhof gefunden hatten, dankten die Schweizer eben diesen 100 Leuten für ihr Kommen. Das wirkte auch völlig ehrlich und überhaupt sah man mit 77 BOMBAY STREET eine völlig lockere und authentische Band auf der Bühne, die sich auf die bereits in der Schweiz erreichten Erfolge (die ja nicht ganz gering sind mit dem erreichten Gold-Status, Charts-Platzierungen, Radiopräsenz und ausverkaufter Club-Tour) rein gar nichts einzubilden schien. Dies war eben Deutschland, Osnabrück und da musste man nochmal von vorne anfangen und die wenigen Fans, die gekommen waren von seinen Live-Qualitäten überzeugen.

Das wiederum klappte hervorragend ab der ersten Minute. Die Band startete furios und spielte schon sehr früh mit „47 Millionaires“ und „In the war“ zwei der besten Songs ihres Debütalbums. Von Anfang an wurde dabei das Publikum entweder aktiv eingebunden und zum mitmachen aufgefordert oder sang bereits von sich aus lautstark die Songs zur offensichtlichen Freude der vier Brüder mit. Ja genau: 77 BOMBAY STREET besteht aus vier Brüdern im Alter zwischen 23 und 31 Jahren und das scheint dabei ziemlich konfliktfrei und harmonisch zu funktionieren (man muss ja nicht immer von OASIS ausgehen).

So ist wahrscheinlich auch erblich bedingt, dass gleich alle vier eine gute Stimme haben. Dementsprechend wurden munter die Plätze auf der Bühne am Mikro und zum Teil auch die Instrumente getauscht. Nur Esra blieb die überwiegende Zeit seinem Schlagzeug treu, hatte aber auch seine drei ganz großen Momente während des Auftrittes und bekam daher seinen wohlverdienten Anteil am großen Applaus ab. Zum ersten Mal, als er bei einem Akustiksong nach vorne kam und das Geräusch einer Trompete imitierte. Das begeisterte die Fans so stark und es gab so laute Zwischenrufe nach Zugaben, dass die Band die entsprechende Stelle gleich dreimal wiederholen musste. Doch auch, als er einen Part eines Songs sang konnte er Applaus einheimsen und letztendlich gab es dann noch einmal großen Jubel bei seinem Schlagzeugsolo gegen Ende des regulären Sets. Warum sollte was bei großen Rockkonzerten üblich und meist abgedroschen langweilig ist nicht auf einem Indie-Folk-Rock-Konzert funktionieren? Auf jeden Fall war das Schlagzeugsolo absolut unerwartet und machte einfach nur Spaß.

Längst hatte man das komplette Publikum vor der Bühne versammelt und außer dem Mischer stand niemand mehr im hinteren Bereich des Clubs. Längst stand auch überhaupt niemand mehr still und alle tanzten und sangen begeistert mit. Selten, nein eigentliche niemals, habe ich erlebt, dass ein so kleines Publikum eine so großartige Stimmung erzeugt hat. Das gipfelte dann tatsächlich darin, dass am Ende des Sets 3 oder 4 Konfettikanonen im Publikum gezündet wurden und den Raum in bunte Luftschlangen hüllten.

Live-Überraschung des Jahres

Insgesamt schafften es 77 BOMBAY STREET inklusive der Zugaben einen 90-minütigen Live-Auftritt hinzulegen, der zu keiner Zeit auch nur den Anflug von Langeweile aufkommen ließ. Selten kann man einer Band heutzutage noch so viel Spaß an der Musik ansehen und selten legen sich die Musiker noch so dermaßen ins Zeug. Die Uniformen waren entweder bereits nach der halben Show ausgezogen oder nun komplett durchnässt. Die Haare aller Bandmitglieder waren schweißnass und die Gesichter strahlten fröhlich ins Publikum. Ein Auftritt, der zu den für mich größten und großartigsten Überraschungen dieses Jahr zählt, und eine Band, der man unbedingt ein noch größeres Publikum wünscht, und vor allen Dingen, dass sie sich diese Freude am Auftreten bewahren kann. Ich freue mich auf die nächste Gelegenheit, 77 BOMBAY STREET live sehen zu können, auch wenn dieser positive Überraschungsmoment dann leider nicht wiederkommen wird.

Noch mehr Fotos von 77 Bombay Street findet Ihr hier.

Text und Fotos: Karsten Rzehak

Interessanter Abend mit Nora Tschirner und ihrer Band PRAG im Rosenhof

Es gibt zwei Dinge, die mir bis vor einigen Tagen kaum bewusst waren: Nora Tschirner macht Musik und das in einer dreiköpfigen Band namens Prag. Eine Sache, die mir bis gestern Abend vollkommen unklar war: Nora Tschirner macht all das hochschwanger. Auf der Bühne. Am Donnerstagabend waren Prag mit ihrer „Premiere“-Tour im Rosenhof in Osnabrück zu Gast.

Ich habe mir die Musik von Prag vorher nicht angehört und möchte mich überraschen lassen. Und das machen Prag. Ein komplettes Orchester mit Streichern und Trompete, goldener Schlager-Glitzervorhang und zwei Typen in schrecklich-schönen Endsiebziger-Schlager-Gedächtnisanzügen, bei denen ich unweigerlich immer an die Kapelle von Heinz Strunk in „Fleisch ist mein Gemüse“ denken muss, bespielen den Saal. Auf der linken Seite steht Nora Tschirner. Auch wenn sie nur an der Seite steht, bleibt Tschirner doch irgendwie im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. In einem dunkelblauen Matrosenkleid und mit dickem Babybauch tanzt sie erstaunlich graziös und bearbeitet nebenbei auch noch furios Glockenspiele, Baritongitarre und das Mikrofon. Letzteres vor allen Dingen zwischen den Songs.

Was Prag da auf der Bühne zum Besten geben, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Einerseits hört man ganz klar: Wir sind eine Indie-Rockband, andererseits überwiegen auch schon mal deutliche 50er/60er/70er-Schlager-Einflüsse im zart-rosa Chanson-Gewand. Wie passend ist es da doch, dass Nora Tschirner im altehrwürdigen Kinosaal gerne einen Tanztee veranstalten würde. Alles wirkt ein wenig wie ein großes, in Musik verpacktes, leicht plüschiges Theaterstück in sehr vielen kurzen Akten – zumindest wenn man den Texten einmal etwas näher lauscht. Manchmal könnte man fast meinen, das sei Kunst. Manchmal auch eher Olli Schulz (im positiven Sinne).

Knappe eineinhalb Stunden lang spielen sich Prag vor einem kleine Publikum durch die Songs ihres Debüt-Albums „Premiere“. Dabei wechseln sich wilde Tanzrocknummern mit getragenen Art-Pop-Passagen und typisch sympathischem Tschirner-Klamauk ab. Cowboyhüte, Pferdespiele, Tanztee. Dem Publikum gefällt es, wohl nicht nur weil es immer wieder aktiv in das Konzertgeschehen eingebunden wird. Da passiert es schon mal, dass Sänger Erik plötzlich von der Bühne klettert und mit den Zuschauern tanzt oder Nora Tschirner ein paar besonders fleißig mitsingende Fans einfach auf die Bühne holt.

Ein interessanter Abend in einer schräg entrückten musikalischen Realität, mit dem wahrscheinlich nicht jeder gemeine Konzertgänger etwas anfangen konnte. „Bitte mehr Tschirner und weniger Musik“, haben sich anscheinend einige wohl gedacht. Nichtsdestotrotz, ich habe mich in dieser merkwürdigen Chanson-Indie-Klangwelt recht gut unterhalten gefühlt. 

Music Calling Festival im Rosenhof bot große Bühne für Newcomer

Einen Platz für Newcomer bot vergangenes Wochenende das Music Calling Festival im Osnabrücker Rosenhof. Von Donnerstag bis Samstag präsentierten sich aufstrebende Bands und Künstler aus den Bereichen Hip Hop, Pop und Rock/Indie dem Publikum. Ich war für LEISE/laut beim Pop Day (Freitag) und Rock/Indie Day (Samstag) am Start und mir  den Osnabrücker Singer/Songwriter Fabian von Wegen, Tom Lüneburger aus Berlin, die Hamburger Band Tonbandgerät, die niederländischen Indie-Rocker von Go Back to the Zoo, Mega! Mega! Und Balthazar angehört.

Pop Tag

Los ging es am Freitagabend mit Fabian von Wegen. Der junge Mann kann was, schreibt alle seine Texte selbst und weiß auch, sich auf der Bühne zu präsentieren. Begleitet von seiner Band singt er seine Songs mit viel Hingabe und Emotion.  Zu 100% überzeugen kann er mich jedoch nicht – mir fehlt hier die Abwechslung, die Töne sitzen oft nicht so recht und nach einer guten halben Stunde hört sich doch fast jedes Stück irgendwie gleich an.  Ein bisschen zu schnulzig und radiopoppig ist die Musik für mich, austauschbar… aber mir kann ja auch nicht alles gefallen.

Setlist von Tom Lüneburger

Viel besser gefällt mir da schon Tom Lüneburger. Der Berliner Singer/Songwriter packt mir ab dem ersten Ton mit seiner markant, rauchigen Stimme, einfühlsamen Melodien und schrägen Anekdoten, die angeblich alle sein Pianist erlebt hat. Der sitzt übrigens nicht etwa an einem echten Klavier, auch wenn das erst so aussieht. Da sich die Dinger bekanntlich so schlecht transportieren lassen, hat man dem handlicheren E-Piano einfach ein großes Gehäuse in Klavierform gebaut. Auch nicht schlecht. Darauf steht stilsicher ein Armleuchter mit brennenden Kerzen, daneben eine Stehlampe aus Omas Wohnzimmer. Tom Lüneburger weiß, wie man es schafft, dass das
Publikum einem an den Lippen klebt, jede nächste Textzeile ungeduldig erwartet und jeden Song komplett in sich aufsaugt wie ein hungriger Schwamm. So geht es mir zumindest. Vielleicht ist dieser junge Mann da auf der großen Bühne in zwei, drei Jahren der nächste Aki Bosse? Man weiß es nicht. Ich kaufe mir jedenfalls nach seinem Set beide Alben, die seither in meinem Auto rauf und runter laufen.

Zu fortgeschrittener Stunde lockern Tonbandgerät aus Hamburg die bis hierhin doch sehr gemütliche Stimmung ein wenig auf. Es darf ein bisschen getanzt werden. Ich bin im Vorfeld ein wenig skeptisch, da mich die zwei Jungs und Mädels zwei Wochen zuvor im Vorprogramm von Bosse nicht so ganz überzeugen konnten. Wie schön ist es da zu sehen, dass sie an diesem Abend anscheinend wesentlich weniger aufgeregt sind und sich souverän durch ihr Programm spielen. Manchmal möchte man zwar immer noch zur Gitarristen rennen und für sie ein bisschen am Effektgerät herumspielen, aber längst nicht so dringend wie damals in Dortmund. Gut machen sie ihre Sache und vielleicht trauen sie sich in den nächsten Jahren ja auch bei ihrer Musik mal ein bisschen mehr. Potenzial ist auf jeden Fall genug vorhanden.

Mega! Mega! rocken den Rosenhof mit jeder Menge Party-Attitüde.

Rock Tag

„Los, hopp, ab in den Rosenhof! Die Jungs aus Holland haben mehr Publikum verdient!“ schreibt mir eine Freundin am Samstagabend per SMS. Da stehe ich schon längst auf meinem Longboard und bin schon fast am Rosenplatz. Go Back to the Zoo eröffnen heute den Abend des letztes Music Calling Tages und müssen sich vor einer Handvoll Menschen beweisen. Alle, die an diesem Abend nicht dabei waren, haben wirklich etwas verpasst. Die Niederländer spielen straighten Indie-Rock, der auch auf größeren Festivals die Menge begeistern dürfte. Leider sind sie hierzulande noch recht unbekannt, aber das wird sich in den nächsten Monaten hoffentlich ändern. Die Herren haben nämlich echt was auf dem Kasten und bringen schließlich auch das behäbige Osnabrücker Konzertpublikum zum Tanzen.

Weiter geht’s kurz darauf mit Mega! Mega! Die ursprünglich aus dem Saarland stammende Postpunk-Kapelle ist für mich das überraschende Highlight des Abends. Schnell und rau, freche Texte und unterschwellige Partyattitüde. Sehr sympathisch. Die Jungs sprühen nur so vor Energie und verleiten die Leute mit ihren Mitgröhl-Texten zu wilden Tanzeinlagen. Ein volles Moshpit ist das einzige was gerade noch fehlt. Irgendwie erinnert mich die Darbietung an eine durchgeknallte Mischung aus Fotos, Kraftklub und Turbostaat – wenn man diese Band überhaupt mit irgendwas vernünftig vergleichen kann. Was die Jungs da mit mitreißender Spielfreude aus den Boxen donnern lassen, macht unglaublich viel Spaß. Das Debüt-Album erscheint Ende Juni und ich wage es jetzt einfach mal, den Herren einen sehr heißen, sehr erfolgreichen Festivalsommer zu prophezeien. Auf meiner Must-See-Again-Liste stehen sie zumindest schon mal.

Balthazar aus Belgien überzeugen mit hochkarätigem Avantgarde-Indie.

Das absolute Kontrastprogramm liefern im Anschluss Balthazar aus Belgien. Musikalisch extrem hochwertigen Avantgarde Indierock haben die Damen und Herren da im Gepäck. Die Bühne ist vollgepackt
mit Musikern, unterschiedlichsten Instrumenten und jeder Menge experimenteller Klänge. Nach dem ganzen Partyalarm zuvor habe ich ein wenig Schwierigkeiten, mich richtig auf die Band einzulassen und ihr die Aufmerksamkeit zu schenken, die dieser hochkarätigen Leistung da eigentlich gebührt. Zuletzt habe ich mich so gefühlt, als ich das Album von Emanuel and the Fear zum allerersten Mal gehört habe. Das Album ist übrigens absolut großartig, setzt aber für den vollen Genuss eine gewisse Ernsthaftigkeit voraus. An diese großartige New Yorker Band erinnern mich Balthazar sehr. Und auch wenn mein Innerstes an diesem Abend nicht so richtig bei Balthazars Musik ankommen will, genießt der überwiegende Teil des Publikums das anspruchsvolle Set sichtlich. Die Tanzfläche ist im Vergleich zum Rest des Tages proppenvoll, die Menge schwoft und groovt enthusiastisch und verliert sich zufrieden in den raumeinnehmenden Klängen.

Insgesamt ist das Music Calling Festival eine Bereicherung für die Osnabrücker Konzertszene. Super Bands zum fairen Kurs, deren Namen man für die nächsten Jahre auf jeden Fall im Hinterkopf behalten sollte. Bleibt zu hoffen, dass sich der gemeine, musikinteressierte Osnabrücker zukünftig mal etwas beherzter von der Couch herunter traut und sich ganz mutig Konzerte ansieht, bei denen nicht die ganz großen Namen auf dem Line Up stehen. Denn wer weiß, einige der Unbekannten von heute könnten schließlich die ganz großen von morgen sein.

Der T, der O, der P, der F – Blumentopf im Rosenhof Osnabrück

Das ist der T, der O, der P, der F! Fette Beats, bouncende Arme, springende Menschen. Am vergangenen Mittwoch war die Münchener HipHop-Band Blumentopf in Osnabrück im Rosenhof zu Gast und haben der Masse mit ihrer zweieinhalbstündigen Show mal richtig ordentlich eingeheizt.

Mit ihrem aktuellen Album „Nieder mit der GbR“ im Gepäck entern Blumentopf an diesem Abend die Bühne. Die Stimmung im ehemaligen Kinosaal ist ab dem ersten Ton auf dem Siedepunkt, es wird getanzt, gesprungen und, da wo es geht, mit gegrölt.  Man ist gekommen, um eine wilde Party zu feiern, das ist mehr als offensichtlich. Das Bier fließt in Strömen und schnell verwandelt sich die Tanzfläche in eine dünne Bierlache. Fast schon klischeehaft weht einem hier und da ein süßlicher Duft um die Nase, der verrät, dass so einige Fans offenbar nicht nur Labello und Zigaretten in der Tasche mit sich herum tragen.

Blumentopf geben alles, flowen sich durch neue und alte Tracks und beeindrucken die Menge immer wieder mit endlosen Freestyle Sessions, die vom Publikum mit begeistertem Applaus quittiert werden. Dafür ignoriert man dann auch schon mal eine fette Erkältung, mit der Florian Schuster aka Schu zu kämpfen hat. Ein Fan aus der ersten Reihe wird an diesem Abend wohl besonders glücklich nach Hause gehen: Als er eine der Sessions mit dem Handy filmt, schnappt sich Cajus spontan das iPhone und filmt für ihn von der Bühne aus weiter. Das Resultat sehr Ihr hier:


Bei so viel Einsatz wird auf der Bühne auch schon mal die Kehle trocken (trotz des scheinbar unerschöpflichen Vorrats an Augustiner Bier), sodass der Barkeeper auch schon mal per Freestyle die nächsten Bestellungen aufgesagt bekommt: Astra und Schnaps hätten die Herren gerne – und das bekommen sie auch, ganz persönlich vom netten Barkeeper auf die Bühne getragen.

Fast zweieinhalb Stunden lang dauert das Beat- und Reimegewitter. Zweieinhalb Stunden totale Party-Extase, und das an einem Mittwochabend. Nach drei Zugabenblöcken, bei denen „Party Safari“ natürlich nicht fehlen darf, verabschiedet sich das bayrische Rap-Quintett von der Bühne. Nur um direkt im Anschluss noch fleißig am Merch-Stand Autogramme zu geben. Ein sympathischer Haufen, der hoffentlich auch noch weitere 20 Jahre der Musikwelt erhalten bleiben wird.

Intim, intensiv, mitreißend: Tina Dico unplugged im Rosenhof Osnabrück

Ein bisschen müde sieht Tina Dico aus, als sie am Sonntagabend in einem bodenlangen roten Abendkleid die Bühne im Osnabrücker Rosenhof betritt. Mit ihrer „On the other Side“-Tour ist die dänische Singer/Songwriterin in Deutschland unterwegs. Ganz akustisch, ohne Band, nur von ihrer Gitarre und ihrem isländischen Musikerfreund Helgi Jonsson begleitet.  Die Dänin ist erkältet, wirkt dadurch im ersten Moment noch fragiler als sonst – bis sie den ersten Ton anstimmt.

Was ist das? Kommt diese gewaltige, leicht rauchige Stimme wirklich aus dieser zarten Person? Der Rosenhof ist gefesselt und verschmilzt ab der ersten Sekunde mit der Musik der blonden Ausnahmemusikerin. Bewegend erzählt Tina Dico die Geschichten, die hinter ihren Songs stecken. Das minimale Setup aus Gitarre und Keyboard verstärkt die Intensität ihrer emotionalen, tierschürfenden Texte um ein Vielfaches. Plötzlich fühlt man sich, als ob man mit Dico zusammen am Fenster sitzt und sich über die schöne Aussicht freut (Room with a View), ist zutiefst aufgewühlt, als sie von ihrer Nacht nach den Bombenanschlägen 2005 in London singt (Some other Day) und hat plötzlich Tränen in den Augen, als sie über eine Freundin singt, die sie nach langer Zeit in einer Bar wiedergetroffen hat (Friend in a Bar). Tina Dico nimmt einen mit auf eine große Reise, die sich unglaublich real anfühlt, obwohl man gerade auf einem schmalen Stuhl im Rosenhof sitzt.

Zusammen mit Helgi Jonsson spielt sich Dico quer durch ihre Diskografie. Man ergänzt sich perfekt, witzelt über die Angewohnheiten des anderen und trägt ganz alte und ganz neue Stücke in andere musikalische Sphären. Zwei Stunden lang herrscht absolute Stille im Saal, absolute Aufmerksamkeit, Gänsehaut-Stimmung. Der Rosenhof ist plötzlich ein großes Wohnzimmer, Tina Dico die weise Geschichtenerzählerin, der man jede Silbe von den Lippen abliest, deren Verse am besten niemals enden sollten. Trotz Erkältung und Heiserkeit legt Tina an diesem Abend einen nahezu perfekten Auftritt hin, den nur wenige andere Künstler selbst bei bester Gesundheit jemals so hinbekommen hätten. Die Standing Ovations am Ende des Abends sind mehr als verdient.

Danke an Karsten Rzehak für die Fotos!

Donots JAK 2012: Nackter Schweiß und Amplify The Good Times im Rosenhof Osnabrück

Osnabrück. Die Donots aus Ibbenbüren haben am Freitagabend ihr traditionelles Jahresabschlusskonzert im Osnabrücker Rosenhof gespielt. Auf dem Programm: Das Album Amplify the Good Times, das in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiern durfte. Aber was haben nackte, schweißgetränkte Männerkörper, ein Saxophon im Bühnengraben und ein Eimer auf der Theke damit zu tun?

Foto: Katharina Leuck

Nicht besonders viel, doch sind es ja immer die kleinen Randerscheinungen, die einen Konzertabend unvergesslich machen. So startet er für mich gleich ganz ungewohnt. Im Bühnengraben liegt ein Saxophon, inklusive Ständer. „Gehört das irgendwem hier?“ fragt uns der Sicherheitsmann verdutzt, als wir Fotografen uns am linken Bühnenrand häuslich einrichten. Haben die Donots etwa einen Altsaxophonisten engagiert? Gerade beim Jahresabschlusskonzert ist den Ibbenbürenern ja viel zuzutrauen, aber das Saxophon gehört wohl nicht dazu.

Stattdessen nutzt die Münchner Posthardcore-Band Marathonmann ihre Support-Position und rockt sich 45 Minuten lang den alten Kinosaal. Das Quartett klingt wie das Erbe von Turbostaat. Intelligente deutsche Texte, rotzige Stimme, Melancholie, Wut und Energie. Ein bisschen erinnern sie auch an Frau Potz, jedoch weniger wütend und eine Ecke entspannter. Das gefällt und wird im Kopf auf der „Im Auge behalten“-Liste notiert.

Umbaupause. Immer noch weiß niemand, wem das Saxophon im Graben gehört. Von der Bühne ist es auch nicht gefallen, auch wenn es sich sicher gerne hinter dem Keyboard versteckt hätte, das wir von unserer Position aus gar nicht sehen können. Die Donots legen gegen 21 Uhr mit Vollgas los. Statt der üblichen Setliste des Jahres gibt es Amplify The Good Times. Und zwar komplett, in der richtigen Reihenfolge, wie auf CD. „Wir dürfen die Vergangenheit nicht ändern!“ ruft Ingo der Masse entgegen. Wer weiß, was sonst passiert. Die Gefahren hat man schließlich zuhauf bei „Zurück in die Zukunft“ gesehen.

Foto: Katharina Leuck

Manchmal merkt man ein wenig, dass die Jungs viele der Songs seit Jahren nicht mehr gespielt haben. Ingo gibt zu: „Wir mussten ein paar Texte wirklich im Internet nachgucken. Das ist gerade ein bisschen wie eine große Covershow für uns. Bei manchen Songs wussten wir gar nicht mehr, dass die wirklich von uns sind!“ Doch was macht das schon. Die Stimmung ist ab der ersten Sekunde auf dem Siedepunkt. Die Crowdsurfer fliegen nur so in den Graben und die Herren ziehen sich aus. Ganz.

Naja, fast jedenfalls. Nach den ersten fünf Songs ist es vor der Bühne schon so heiß, dass die ersten Kleidungsstücke auf die Bühne fliegen. Daraus wird schließlich eine Art musikalisches Strippoker. Nach jedem Song muss ein einziger Auserwählter im Publikum ein Kleidungsstück auf die Bühne werfen. Erst fliegen die Gürtel, dann die Schuhe. Am entgeisterten und angeekelten Gesichtsausdruck der weiblichen Fans um ihn herum lässt sich bald ablesen: Oh Gott, er ist nackt! Oder so gut wie. Nur mit Boxershorts und einer soliden Schweißpelle bekleidet, steht der kräftige Junge Mann in der Menge und feiert sich und die Welt.

Als er und ein anderer Fan ähnlicher Statur beide halbnackt über die Köpfe der Leute gesurft kommen, haben die Ordner alle Hände voll zu tun, um die beiden wieder sicher auf den Boden zu stellen. Eine glitschige Angelegenheit. Da wird dann auch mal der Wassereimer, der eigentlich zur Versorgung der ersten Reihe gedacht war, als Waschbecken zweckentfremdet. Es ist den beiden Secu-Jungs definitiv nicht zu verdenken. Und keine Sorge, der Eimer blieb für den Rest des Abends das private Ordner-Waschbecken. Der Inhalt wurde nicht mehr in Bechern weitergereicht.

Das ist auch gut so, denn einige Herren haben schon beim Bier zu tief ins Glas geschaut. Wer nach der ersten Hälfte des Sets an die Theke geht, wird Zeuge eines Rockshow-Schauspiels: Ein völlig fertiger Fan hängt mit einem Eimer über dem Tresen und isst rückwärts. Glanzvoll. Immerhin geht anscheinend nichts daneben. Die Herren Donot zocken sich dafür weiter durch die Amplify The Good Times-Trackliste. Big Mouth, Saccharine Smile, Lady Luck. Nichts fehlt, nicht einmal der Bonustrack. Doch weil ein Donots-Konzert keinesfalls nur 16 Songs lang sein kann, geht es danach gleich weiter. Songs vom aktuellen Album Wake The Dogs kommen als Krönchen noch obendrauf. Insgesamt stehen letztlich amtliche 27 Stücke auf dem Kassenzettel. Die Akustikzugabe, die es bereits beim Grand Münster Slam gab, fehlt natürlich auch nicht und wird kurzerhand aus dem Pit heraus gespielt. Lagerfeuer-Romantik. Herrlich. Und da ist es natürlich logisch, dass „Good Bye Routine“ als Closer des Abends auch am Start ist. Die Masse ist gerührt, die Band auch. Was will man mehr? Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf’s 10. JAK im nächsten Jahr!

Foto: Katharina Leuck

Noch mehr Fotos? Hier geht’s lang!