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Popsalon 4.0: Erster Tag mit Patrick Richardt, HONIG und Der Liga der gewöhnlichen Gentlemen

Es ist wieder Popsalon-Zeit! Vermisst habe ich ihn, weil ich im letzten Jahr leider nicht dabei sein konnte. Am gestrigen Donnerstag öffnete das gemütliche Indoor-Festival in Osnabrück zum vierten Mal sein Pforten und feierte mit Auftritten von Patrick Richardt und HONIG in der Lagerhalle, sowie Der Liga der gewöhnlichen Gentlemen in der Kleinen Freiheit, einen schönen musikalischen Auftakt für das große Festival-Wochenende.
Eine kurze Sache vorweg: Gute Fotos gibt es voraussichtlich erst ab Sonntag! Bitte habt soweit Geduld.

Los geht es mit dem Singer-Songwriter Patrick Richardt. Etwas zerzaust und abgehetzt komme ich mit meinem Fotogepäck in der Lagerhalle an. Das schönste am Popsalon ist, dass ich so ziemlich alle Locations von zu Hause aus in 10 Minuten zu Fuß erreichen kann. Allerdings leidet da eben schon mal die Frisur, wenn das Wetter nicht ganz mitspielt. Oder man einfach zwischen Arbeit, Geburtstag der Oma und Konzert keine Zeit mehr hat, sich Festival-fein zu machen.

Aber so what. Alle mädchenhaften Frisur-Probleme sind gegen kurz vor halb neun vollkommen vergessen, als Patrick Richardt zunächst allein die Bühne im großen Saal der Lagerhalle betritt. Mit seiner etwas rauen, außergewöhnlichen Stimme singt er sich, später von seiner Band begleitet, nach bester Liedermacher-Manier eine gute Stunde lang quer durch sein Album „So wie nach Kriegen“. Es läuft nicht alles ganz glatt – der Bassist fabriziert fast einen „braunen Ton“, hin und wieder quietscht es mal von irgendwo. Aber bei Patrick Richardts sympathischem Auftreten ist das auch alles vollkommen egal. Wer will schon ein komplett glattgebügeltes Konzert sehen? Da könnte man ja schließlich auch gleich allein die CD hören.

Das nicht perfekte unterstreicht auf charmante Art und Weise die tiefgründigen Texte des 24-jährigen Krefelders.  Zwischen den Stücken unterhält er das Publikum mit kleinen Anekdoten rund um die Entstehung seiner Songs. So verrät er, dass er beim Schreiben häufig konfuse Bilder im Kopf hat, die er dann versucht in seinen Texten umzusetzen. Ein Bild war das einer Hexe, die mit brennenden Peitschen ein Eichhörnchen jagt. Leider hat es das Stück dann nicht auf das Album geschafft. Verdammt. Die Geschichte hätte er nicht erzählen dürfen – ich und alle anderen um mich herum sind jetzt neugierig und wollen unbedingt den Hexensong hören. Den spielt er aber nicht. Bedauernswert. Wir werden wohl leider nie erfahren, wie sich dieses Stück wohl angehört hätte.

Nach kurzer Umbau- und Getränkepause geht der Abend in der Lagerhalle schließlich mit HONIG weiter. Der Name klingt komisch, der Herr Singer-Songwriter Stefan heißt allerdings wirklich so, wie er betont, als er mit seiner Band im Schlepp die Bühne betritt. Ein bisschen nervös ist er. Er habe sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass wirklich Menschen zu seinen Konzerten kommen. Und wie sie kommen. Der Raum ist für einen Donnerstagabend ordentlich gefüllt und man lauscht entspannt dem schönen, englischsprachigen Singer-Songwriter-Pop mit Folk-Einschlag, den der Düsseldorfer auf der Bühne da von sich gibt. Songs aus den beiden Alben „Treehouse“ und „Empty Orchestra“ stehen auf dem Programm. Wie Patrick Richardt erzählt auch Stefan Honig zwischen den Stücken gerne mal einen Schwank aus seinem Musikerdasein. Und Band und Publikum verstehen sich. Oder auch nicht. HONIGs Witze kommen nicht richtig an, aber trotzdem lacht man miteinander. So sehr, dass ein Song mehrere Anläufe braucht. Lachkrämpfe und Situationskomik sind eben unbezahlbar.

Nach knapp er Hälfte des Sets packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg gen Kleine Freiheit. Gerne hätte ich noch weiter mit dem Herrn Honig gelacht und seiner Musik gelauscht, doch wie es bei Festivals nun mal so ist, kann man dank Überschneidungen nicht alles haben. Zumindest, wenn man denn dann auch noch die Liga der gewöhnlichen Gentlemen am alten Güterbahnhof sehen möchte. Zu dieser Band habe ich schließlich eine ganz besondere Beziehung. Vor knapp einem halben Jahr saß ich bei einem großen Medienkonzern in Berlin im Vorstellungsgespräch für ein großes Musikmagazin und mir wurde das neue Heft vorgelegt. Willkürliche Seite, Konzertankündigungen. Die erste Band, die ich NICHT kannte, war… ja, genau. Die Liga. Also muss ich diesen furchtbaren Fauxpas heute unbedingt ausbügeln.

Mit etwas Verspätung legt die Hamburger Spaß-Truppe gegen kurz vor 23 Uhr auch endlich los. Und ab dem ersten Ton bereue ich, diese Band nicht damals schon gekannt zu haben. Partymucke, trockener Norddeutscher Humor und jede Menge gute Stimmung verbreitet die Truppe da per Gitarre, Bariton-Saxophon, Schlagzeug, Bass und Gesang in der alten Güterbahnhofskantine. Gunther Gabriel haben sie ganz speziell auf dem Kieker und auch Bernd Begemann wird nicht geschont. Der hat den Jungs nämlich angeblich eine gebrauchte Gitarren-Amp verkauft – die diesen Auftritt leider nicht überlebt hat. Schon zu Beginn des zweiten Songs stürzt diese von einem großen Verstärker hinunter und zerschellt in ihre Einzelteile. Ein zu kurzes Kabel war Schuld. Erstaunlich: Das Ding gibt immer noch Töne von sich. Amp-Witze werden zwangsläufig zum Running Gag des späten Abends. Trotz des Malheurs spielen die Jungs munter weiter und beschließen den Popsalon-Donnerstag vor vollem Haus mit besten tanzbaren Rock’n’Roll-Klängen.

Heute Abend geht es weiter mit Luca, Sophie Hunger, Käptn Peng, Bizarr, Retro Stefson, Thomas Azier und Cosmo Jarvis. Ich bin gespannt, wen ich letztendlich wirklich hören werde.

Popsalon 4 in Osnabrück: Gemütliches Indoor Festival lockt mit Indie-Größen

Nur noch wenige Wochen, dann ist schon wieder Popsalon4-Zeit! Es ist ein bisschen so, als hätte es sich eine abgespeckte Version des Reeperbahnfestivals in Osnabrück bequem gemacht. Kleine gemütliche Clubs und ein großartiges Line-Up, bei dem es neben bekannten Künstlern auch wieder viele neue Acts zu entdecken gibt. Vom 11. bis 13. April findet das kleine, feine Indoor-Festival bereits zum vierten Mal statt. Ich will Euch heute mal ein bisschen das Programm vorstellen.

Das Popsalon Festival ist in diesem Jahr gewachsen geworden. Neben der drei klassischen Locations Lagerhalle, Glanz und Gloria und Kleine Freiheit ist beim Popsalon4 auch das Haus der Jugend mit am Start. Somit sind drei Locations bequem zu Fuß erreichbar. Damit man in der Kleinen Freiheit ebenfalls möglichst nichts verpasst, wird ein Pendelbus im Einsatz sein. Wie gut das funktioniert, kann ich leider nicht beurteilen, da ich im vergangenen Jahr nicht dabei war. Bisher habe ich aber nur Gutes gehört.

Das Programm kann sich auch 2013 wieder mehr als sehen lassen. Es springen einem Namen entgegen, die sich auch gerne Mal unter den Plattentipps der großen independent orientierten Musikmagazine tummeln.

Los geht’s am Donnerstag, 11. April, mit Patrick Richardt und Honig in der Lagerhalle, bevor Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen später die Kleine Freiheit auseinander nimmt. Das wird ein schöner Festival-Start.

Patrick Richardt ist im April mit seinem neuen Album So, wie nach Kriegen unterwegs, das bei mir seit ein paar Wochen auf Dauerschleife im Auto läuft (nur da habe ich noch einen funktionierenden CD Player). Die Single „Adé, Adé“ ist ein großartiger Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird.

HONIG habe ich zum ersten Mal vergangenen November als Support von Kettcar live gesehen. Wie Patrick Richardt macht auch Stefan Honig feinsten Singer/Songwriter Pop, der dank viel musikalischer Raffinesse aus dem aktuellen Einheitsbrei sofort heraus sticht.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist mir erst ein Begriff, nachdem ich beim Vorstellungsgespräch bei einer großen deutschen Musikzeitschrift in Berlin leider kleinlaut zugeben musste, sie nicht zu kennen. Was hatte ich bis dahin nur alles verpasst? Die ehemaligen Superpunk-Mitglieder Carsten Friedrichs und Tim Jürgens haben nach der Superpunk-Auflösung kurzerhand ein neues Projekt gestartet. Ihr erstes Album Jeder auf Erden ist wunderschön ist seit Herbst auf dem Markt und dürfte nicht nur diejenigen erfreuen, die sonst über den trockenen Humor von Olli Schulz lachen können.

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Am Freitag, 12. April, sind Luca, Sophie Hunger, Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Sizarr, Retro Stefson, Thomas Azier und Cosmo Jarvis am Start.

Luca ist in diesem Jahr die Lokalmatadorin des Popsalon und darf als einzige Osnabrücker Künstlerin des Tages den Samstag in der Lagerhalle eröffnen. Interessanter Singer-/Songwriter-Pop, den man entweder mag oder nicht. Die inzwischen in Berlin lebenden Musikstudentin hat aber auf jeden Fall was drauf. Überzeugt Euch am besten selbst.

Mit Sophie Hunger geht es danach im ähnlichen Stil in der Lagerhalle weiter. Die Schweizerin besticht durch tierschürfende Texte und beeindruckend ausgefeilte, musikalische Arrangements. Nicht unbedingt die leichteste Kost, aber auf jeden Fall einen Besuch wert, nicht nur für Liebhaber.

Wer mehr auf guten deutschen HipHop mit genialen Texten steht, kommt am Freitag im Haus der Jugend mit Käptn Peng und Die Tentakel von Delphi auf seine Kosten. Wie praktisch, dass das Debütalbum Expedition ins O des Künstlerkollektivs genau an diesem 12. April in die Läden kommt. Die große Release-Party in Osnabrück sollte also eigentlich nur noch reine Formsache sein.

Mit Sizarr geht es in der Kleinen Freiheit derweil eher elektronisch zu. Gerade noch war das junge deutsche Trio in den USA beim SXSW unterwegs und haben dort das Publikum mit ihrem eigenwilligen Sound begeistert, jetzt geht es wieder in Deutschland weiter. Aus den Jungs kann noch etwas ganz, ganz großes werden. Also nicht verpassen.

Im Anschluss geht es dort mit der isländischen Pop-Band Retro Stefson weiter, die bei diesem Festival wohl am weitesten von ihrem Zuhause weg sein dürfte. So weit, dass viele ihrer offiziellen Musikvideos in Deutschland noch gar keine GEMA-Freigabe bekommen haben. Wer sich sonst von Kakkmaddafakka oder Friska Viljor bestens unterhalten fühlt, wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Regelrecht epische Klänge und sphärische Sounds liefert derweil der Niederländer Thomas Azier im Glanz und Gloria. Wer sich gerne von Musik in ferne, fiktionale Welten transportieren lässt oder einfach gerne tanzt, bis man alles um einen herum vergisst, ist hier auf jeden Fall richtig.

Das große Finale des Tages liefert Künstler Cosmo Jarvis ebenfalls im Glanz. Der 23-jährige kommt mit großartig arrangierter und einfach guter Popmusik um die Ecke, bei der für jeden was dabei ist. Vielleicht nicht ganz so rotzig wie Lukas Graham, aber definitiv eine Reise wert.


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Am Samstag, 13. April, geht es kunterbunt und vielseitig weiter. Mit am Start sind Trümmer, We Were Promised Jetpacks, Fuck Art, Let’s Dance!, Frittenbude, Turboweekend, LaingCody und Robots Don’t Sleep
Trümmer aus Hamburg gibt es erst seit knapp einem Jahr und haben es schon auf den Titel des SPEX Magazins geschafft. Große Texte, tolle Melodien, ein bisschen wie Fotos, Herrenmagazin und Tomte früher, nur viel besser. Die Jungs spielen nur eine halbe Stunde, die man sich besser nicht entgehen lässt. Außer natürlich, es ist einem egal, eines der „next big things“ zu verpassen 😉 Das sage ich jetzt einfach mal so.
Ein offizielles Trümmer-Video gibt es noch nicht, dafür aber einen Demo-Song bei Soundcloud.
We Were Promised Jetpacks hätten eigentlich schon 2011 beim Popsalon2 spielen sollen, haben dann aber kurzfristig wieder abgesagt. Zwei Jahre später stehen sie nun wieder im Programm. Und kommen dieses Mal hoffentlich auch. Ihre inzwischen vier Jahre alte Debüt-Single „Quiet Little Voices“ darf auf keiner guten Party-Playliste fehlen und ich persönlich wäre auch ganz verzückt, wenn sie diese Nummer in Osnabrück auch spielen würden.

Fuck Art, Let’s Dance! sind ihrem Bandnamen ganz treu und liefern feinsten minimalen Dance Pop, zu dem man bestens tanzen, aber auch Gameboy spielen kann. Wahrscheinlich würde das bei dem Audiolith-Trio nicht einmal auffallen, wenn man einen guten alten 90er-Gameboy dabei hätte… Wie dem auch sei, die Melodien gehen ins Ohr, grooven sich in die Beine und machen Spaß im Haus der Jugend.

Zu Frittenbude muss man ja an sich nicht mehr viel sagen. Großartige Elektro-Punk-Kapelle, die unter Garantie jeden Laden in Schutt und Asche rockt, und jedem der richtig hinhört, mit ihren Texten auch noch starke Geschichten zwischen den Zeilen erzählt.

Turboweekend aus Dänemark sorgen beim diesjährigen Popsalon für die ordentliche Portion nordischen Poprock. Tolle Melodien, tolle Texte, tolle Typen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Auf in die Kleine Freiheit und los tanzen.

Direkt im Anschluss geht’s mit Laing weiter. Die Mädchen-Kombo ist spätestens seit ihrer überraschend grandiosen Platzierung beim Bundesvision Songcontest mit dem Song „Morgens immer müde“ ein Begriff. In Osnabrück werden sie ihr Debütalbum Paradies naiv im Gepäck haben und den Leuten mit ihren Elektro-Soul-Pop ordentlich einheizen.

Mit Cody spielt eine zweite Band aus Dänemark auf dem Popsalon. Dänemark ist ja bekannt dafür, in Sachen Pop unglaublich innovativ zu sein. Cody sind eins der besten Beispiele dafür. Große Melodien und Emotionen mit Folk Einschlag bringt die siebenköpfige Band ins Glanz und Gloria. Beeindruckende Sache.

Robots Don’t Sleep ist das Beat-Projekt von Produzent und DJ Robot Koch, das wie zu vermuten war, sehr beatlastig um die Ecke kommt. Trotzdem besticht der Sound gleichzeitig durch filigrane Melodien und softe Vocals.



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Insgesamt gibt es also mindestens 18 gute Gründe, den vierten Popsalon zu besuchen. 3-Tages-Tickets gibt es für 48,90 Euro im Kartenwerk in der Dielinger Straße in Osnabrück und an allen Vorverkaufsstellen. Alle weiteren Infos zum Festival, zu den Locations, zum Programm und weiteren Ticket-Optionen (Tages- und 2-Tagestickets) findet Ihr unter www.popsalon-os.de

Popsalon2: Indoor Festival begeistert Besucher in Osnabrück

Auch der dritte Tag des Popsalon lockte mit einem abwechslungsreichen Line-Up die Musikliebhaber Osnabrücks in Lagerhalle, Glanz & Gloria und Kleine Freiheit. Straighter Indie-Rock, experimentelle Elektrosounds, gefühlvoller Singer/Songwriter-Pop und individuelle Tanzbeats standen auf dem Programm.

Im Gegensatz zu den beiden Tagen davor, hatte am Samstag auch eine Lokalband die Ehre, sich mit hochkarätigen Bands wie Slut und Who Made Who die Bühne zu teilen. So eröffnete die Osnabrücker Band Taiga am frühen Samstagabend den letzten Tag des Popsalon in der Lagerhalle. Vor noch recht dünnem Publikum spielte das Trio gut gelaunt eine halbe Stunde lang,  und überzeugte dabei aber mit ordentlicher Bühnenpräsenz und Spielfreude. Sie freuten sich sichtlich darüber, ihre musikalischen Vorbilder, die Ingolstädter Band Slut, an diesem Abend supporten zu dürfen.

Diese enterten dann auch nach einer kurzen Umbaupause die Bühne im Saal, und begeisterten das inzwischen deutlich angewachsene Publikum mit künstlerischen Lichtprojektionen und ihrer ganz eigenen Indierock-Variante in einem einstündigen Querschnitt durch ihre bisherigen Alben und 17 Jahre Bandgeschichte.

Während Slut in der Lagerhalle noch den Leuten die Tanzwut in die Beine trieben, versuchte Gregor McEwan, seines Zeichens deutscher Singer/Songwriter mit englischen Texten, das aufmüpfige und erstaunlich junge Publikum im Glanz & Gloria zu bändigen. Seine ruhigen, gefühlvollen Balladen gingen im lauten Gemurmel der Leute oftmals fast unter. Ärgerlich, denn eigentlich kann er sonst mit diesen besonders auftrumpfen.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums hatten hingegen Who Made Who in der Lagerhalle. Zu späterer Stunde gingen die Dänen direkt vom Soundcheck in ihre Show über und sorgten mit ihren eigenwilligen, treibenden Symbiosen aus Discosounds und vollen Rockklängen für wilde Tanzeinlagen vor der Bühne.

Unterdessen spielten sich noch Kevin Haman alias ClickClickDecker im Glanz & Gloria und das britische Duo Scroobius Pip vs. Dan le Sac durch die letzten Stunden des Abends. Im Anschluss feierte das Popsalon-Partyvolk im Glanz & Gloria zu Elektrobeats von „DJ Jens Bond und dem Schuhbotter“ oder  der Kleinen Freiheit bei der Starclub-Party bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Der Popsalon bescherte den Musikfans der Region drei Tage voll hochwertiger Musik mit einem facettenreichen  Programm und ausgelassener Partystimmung. Die gute Stimmung in den meist gut gefüllten Locations zeigte, dass auch Osnabrück erstklassige Livebands fernab des Mainstreams durchaus zu würdigen weiß.

An Horse, Kraftklub oder doch lieber Bosse? – Zweiter Tag des Popsalon2

Am gestrigen Freitagabend sorgte der zweite Tag des Popsalons für ordentlich Bewegung in Osnabrück. Muntere Wanderungen zwischen Lagerhalle, Glanz & Gloria und der Kleinen Freiheit standen für die Festivalbesucher auf dem Plan, wenn sie möglichst viele Bands an diesem Abend mitnehmen wollten.

Ein Abend voller Entscheidungen
Mit der großen, vielfältigen Auswahl hatte der Popsalon gestern so Einiges zu bieten. Schlichtweg schönen Indiepoprock und Singer/Songwriter-Mucke von Boy, Kat Frankie und Newcomer des Jahres Bosse in der Lagerhalle, totales Durchdrehen zu Kraftklub und den treibenden Elektrobeats der Schweizer Kombo Saalschutz im Glanz & Gloria oder auch feinsten, melodiösen Independent-Rock aus Australien von An Horse in der Kleinen Freiheit. Allerdings überschnitten sich auch hier, wie eigentlich bei allen Festivals, die besten Bands, was so manchen Musikjünger zu vielen, nicht einfachen Entscheidungen zwang.

Besonders schmerzhaft war für viele die Überschneidung von Bosse und An Horse, sollten diese doch ursprünglich hintereinander und nicht gegeneinander spielen. So teilte sich zu späterer Stunde das Publikum in die Sparte Mainstream und Indie. Der Mainstream blieb in der Lagerhalle bei Bosse, Gruppe Indie wanderte zum australischen Pferd in die Kleine Freiheit.

Schöne Melodien und Melancholie in der Lagerhalle
Den Musikreigen eröffnete das Hamburg-Schweizerische Mädelsduo Boy in der Lagerhalle und spielte eine gute halbe Stunde lang unter anderem die melodiösen Popsongs ihrer EP „Hungry Beast“, die streckenweise ein kleines bisschen an Ingrid Michaelson erinnerten.

Singer/Songwriterin Kat Frankie übernahm im Anschluss die Bühne und verzückte die Lagerhalle mit ihren getragenen und von Melancholie und Traurigkeit geprägten, aber dennoch hoch melodiösen und einfach schönen Songs. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und Kreativität gelang es ihr ein abwechslungsreiches Set mit schönen Höhepunkten hinzulegen. Das Publikum dankte es ihr mit großem Beifall.

Gegen 22.30 Uhr enterte dann Bosse zusammen mit seiner vierköpfigen Band die Bühne. Ab dem ersten Ton riss er die gut gefüllte Lagerhalle von der ersten Reihe bis zur Theke mit. Mit Songs aus den letzten beiden Alben Taxi und Wartesaal, sowie einigen Herzstücken aus Guten Morgen Spinner und Kamikazeherz, sorgte Bosse für Anflüge von Tanzwut, große Gänsehaut und viele glückliche Gesichter, nicht nur im vorderen Teil des Saals.

Totales Durchdrehen im Glanz & Gloria
Während Bosse das Mainstreampublikum in der Lagerhalle verzückte und An Horse in der kleinen Freiheit Osnabrücks Indiegemeinde begeisterte, ging es im Glanz & Gloria gleichzeitig sehr wild und laut zu. Kraftklub aus Chemnitz heizten Osnabrück in ihren Collegejacken ordentlich ein und brachten mit viel Körpereinsatz, Lautstärke, Krach, Beats und Wahnsinn das Glanz fast zum Einsturz. Kraftklub hat besondere Erinnerungen an Osnabrück. Auf der Maiwoche absolvierten sie ihren ersten Festivalauftritt.

Zu später Stunde übernahmen dann Saalschutz die von Kraftklub gut aufgeheizte, und inzwischen um das doppelte angewachsene Masse. Mit ihren heißen Elektrobeats verwandelten sie den Saal im Nu in eine einzige, kochende Partyzone. Und da sage noch einer, Schweizer wären langweilige Zeitgenossen.

Und heute…
Der heutige letzte Tag des [ilink=Magazin/Spezial/Popsalon/16]Popsalon[/ilink] lockt noch einmal mit hochkarätigen deutschen und internationalen Bands und Künstlern. In der Lagerhalle machen um 19.30 Uhr die Lokalmatadoren Taiga den Anfang, gefolgt von der Ingolstädter Band Slut und den Dänen von Who Made Who. Im Glanz & Gloria gibt Hein Siems alias Gregor McEwan ab 21.30 Uhr seinen Singer/Songwriter-Gitarrenpop zum besten, bevor ClickClickDecker dann die Bühne entern. In der Kleinen Freiheit sorgen dann Dan Le Sac vs. Scoobius Pip für ordentlich Tanzbares.

Penis und Wahnsinn: Bondage Fairies beim Popsalon2

Gestern Abend fiel der Startschuss des Osnabrücker Indoor-Festivals Popsalon. In der Kleinen Freiheit begeisterten Bondage Fairies.

Die verrückte Band aus Schweden heizten der Kleinen Freiheit ordentlich ein und spielten vor fast vollen Haus Songs wie „Indie Girl“ oder „Wanna dance“. Dass die Band ein wenig irre ist, fiel den Zuschauern sofort auf. Zum einen natürlich durch die schrägen Masken, die jedes Bandmitglied trägt und zum anderen durch die freakigen Zwischenmoderationen des Leaders. Dem hat es vor allem das deutsche Wort für das männliche Geschlechtsteil angetan – zumindest sagt er es an diesem Abend sehr häufig.

Mit ihrem Auftritt eröffneten Bondage Fairies das Indoor-Festival Popsalon, das schon zum zweiten Mal in Osnabrück stattfindet. In den Locations Kleine Freitheit, Glanz&Gloria und Lagerhalle werden an drei Tagen dreizehn Bands auftreten.

Heute Abend geht es zunächst in der Lagerhalle weiter. Dort spielen Boy, Kat Frankie und Bosse. In der Kleinen Freiheit tritt An Horse auf und im Glanz&Gloria geben sich KraftKlub und Saalschutz die Ehre.