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CD Review: KRIS – „Immer wenn ich das hier hör‘ „

Eigentlich ist Kristoffer Hünecke alias KRIS für den richtigen Gitarrensound bei der Hamburger Kapelle Revolverheld zuständig. Doch was macht ein Revolverheld, wenn sich die Band für 2012 selbst eine Pause verschrieben hat und Sänger Johannes Strate bereits seit einigen Monaten auf Solopfaden durch die Republik wandelt?

Statt gelangweilt Däumchen zu drehen, tauscht KRIS kurzerhand die Position auf der Bühne, macht einen großen Schritt hinüber ins große Spotlight und schiebt den Regler für sein Mikrofon von Background auf Hauptgesang. „Immer wenn ich das hier hör'“ heißt das Ergebnis langer Tage im heimischen Studio und steht nun seit dem 1. Juni in den Plattenläden.
Bei so manchen Soloalben, die irgendwelche Mitglieder irgendwelcher Bands in der Vergangenheit herausgebracht haben, fragte man sich schnell, ob das denn jetzt wirklich hätte sein müssen. Da liegt es also nahe, auch bei diesem Silberling eine gesunde Portion Skepsis an den Tag zu legen. KRIS ist schließlich Gitarrist und kein Sänger. Doch was der mittlerweile 34-jährige Hamburger mit seinem Soloalbum hier vorlegt, dreht sich überraschend flüssig auf den Plattentellern. 
Zwölf Tracks mit persönlichen Texten vom Feiern, Lieben, Leben und Leiden, die im Gegensatz zum gewohnten Revolverheld-Poprock-Sound erstaunlich beat-betont daher kommen. Mal in ein HipHop-Gewand gehüllt („Immer wenn ich das hier hör'“ und „Soundtrack“), oder dann doch wieder unterlegt mit tanzbaren Elektrobeats („Glücksrausch“, „Meine Wohnung ist ein Klub“) zeigt KRIS hier eine Seite von sich, die bei Revolverheld bisher, wenn überhaupt, nur äußerst selten Platz gefunden hat. Unterstützt wird er dabei vom Hamburger Rapper Nico Suave und Bakkushan-Sänger Daniel Schmidt. Für seine Single und potenziellen Sommerhit „Diese Tage“ stärkt ihm kein geringerer als Dante Thomas den Rücken, der mit seinem Song „Miss California“ noch heute die Clubs zum Kochen bringt.

Zugegeben, KRIS erfindet mit „Immer wenn ich das hier hör'“ das musikalische Rad nicht neu. Die Songs leben durch die Bank weg durch auffällig catchige Hooklines und eingängig glaubhafte Texte mit Charme, Witz und ein wenig Selbstironie, die mal zum Mitgrölen und dann doch wieder zum verständnisvollen Mitnicken animieren. Vieles klingt altbewährt, stellenweise vielleicht sogar etwas simpel, aber es bedarf eben nicht immer einer Revolution um ein schönes, solides Pop-Album zu produzieren. Schon gar nicht, wenn man damit schlichtweg so einen geradezu sorglos entspannten Sommersoundtrack liefern kann. 
Alle Infos zu KRIS gibt es hier: www.krisofficial.de

Foto: Sony Music

LEISE/laut empfiehlt: 
KRIS – „Immer wenn ich das hier hör'“ hört man am besten im Auto, im Freibad oder einfach beim Grillen mit Freunden im Park oder auf der Terrasse. 

„Das Album ist mein Spiegelbild“ – Revolverheld-Gitarrist KRIS im Interview zu seinem Solo-Projekt

Als Gitarrist von Revolverheld stand Kristoffer Hünecke alias KRIS in den letzten Jahren schon auf den ganz großen Festivalbühnen in Deutschland, spielte mit seiner Band Konzerte in China und der Türkei. Jetzt gönnt sich die Hamburger Band eine Pause. Nachdem Revolverheld-Sänger Johannes Strate bereits vergangenen Herbst seine Solo-Karriere ankurbelte, zieht Gitarrist KRIS nun nach. Als nahezu unbekannter Newcomer veröffentlicht er Mitte Mai sein Soloalbum „Immer wenn ich das hier hör“ und präsentiert sich dort erstmalig als Sänger. Der er eigentlich gar nicht ist.
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CD Review: Y’akoto – Babyblues

Y‘akoto – Wer ist das überhaupt?

Vom Kultur-TV-Sender arte wird Y‘akoto bereits als echte musikalische Sensation gefeiert. Die junge Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Jennifer Yaa Akoto Kieck heißt, wurde in Hamburg geboren, wuchs in Ghana auf, machte in ihrem Leben Zwischenstopps in Kamerun, Togo und dem Tschad. Inzwischen lebt sie wieder in Hamburg, Lomé und Paris. Als echte Weltenbummlerin hat die staatlich geprüfte Tanz-Pädgogin viele Themen, die sie in ihren gefühlvollen Soul-Nummern verarbeitet. Dabei fällt Y‘akoto besonders durch ihre außergewöhnliche Stimme auf.
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Nur noch kurz Osnabrück retten – Tim Bendzko begeistert 1700 Fans im Osnabrücker Hyde Park

Osnabrück. Die Schlange vor dem Hyde Park windet sich vom Eingang quer über den Parkplatz bis weit hinaus auf den Fürstenauer Weg. 1700 Fans kamen am Mittwochabend, um das Nachholkonzert des Berliner Sängers Tim Bendzko mitzuerleben. Mit einer virtuos vielseitigen Show bewies der Sänger, dass er kein künstlich hochgejubeltes Medienphänomen ist, sondern allein durch sein Talent überzeugen kann.

Die Bühne ist in tiefblaues Licht getaucht. Die Menge jubelt, als der von vielen Fans lang ersehnte Abend mit den ruhig groovenden Tönen von „Du warst noch nie hier“ endlich seinen Lauf nimmt. Fast zwei Monate hatten sie auf diesen Moment warten müssen, da das Konzert im Januar wegen Krankheit verschoben werden musste.

Statt Tim Bendzko bekommt das Osnabrücker Publikum jedoch zunächst nur die sechsköpfige Liveband des Musikers zu Gesicht. Bendzko bleibt im Verborgenen, lässt seine gespannten Fans nur durch seinen Gesang wissen, dass er wirklich hier ist. Der Jubel ist ohrenbetäubend, als sich Bendzko endlich zu erkennen gibt. Als er sich dann auch noch offen für die Absage des ursprünglichen Konzerttermins entschuldigt, gibt es für die Menge zum ersten Mal kaum ein Halten mehr.

Bendzko gibt sich an diesem Abend erstaunlich vielseitig. Mit herzergreifenden Pop-Balladen wickelt er die überwiegend weiblichen Fans im Handumdrehen um den kleinen Finger, nur um im nächsten Moment wieder mit durch Hip-Hop beeinflussten, groovenden Tanznummern das Rhythmusgefühl seiner Zuschauer auf die Probe zu stellen.

Bendzko ist gut gelaunt und wirbelt gut bei Stimme über die Bühne. Die Töne sitzen, auch bei seiner Band. Diese unterstützt den blonden Lockenkopf mit beachtlicher Spielfreude. Wahre Multitalente hat sich der Berliner da zusammengesucht. Neben der Standardbesetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard finden unter anderem regelmäßig Akkordeon, Cello und Orgel ihren Einsatz. Viele Stücke erreichen dank dieser großen Virtuosität eine unerwartet greifbare Tiefe.

Die Show folgt einer ausgefeilten Dramaturgie, mit der Tim Bendzko das Osnabrücker Publikum gute eineinhalb Stunden lang in seinen Bann zieht. Die Songtitel sind stets an der rechten Stelle platziert. So beginnt beispielsweise die Zugabe mit dem Titel „Viel mehr davon“, der von den Osnabrücker Fans mit strahlenden Gesichtern aus vollem Hals mitgesungen wird. Auch sie wollen mehr. Keine Nummer seines aktuellen Albums „Wenn Worte meine Sprachen wären“ fehlt, die Liste wird sogar noch um einige unbekanntere, alte Stücke erweitert.

Als absolute Highlights entpuppen sich die großen Chart-Erfolge des Sängers. Mit „Nur noch kurz die Welt retten“ will Bendzko auch kurz Osnabrück retten. Zur Überraschung holt er dafür den Rapper F.R. aus dem Vorprogramm auf die Bühne, der den Song mit fetzenden Raps auffrischt. Eine wohltuende Verjüngungskur für den fast totgespielten Titel. Während „Wenn Worte meine Sprache wären“ scheint es dann so, als hätte sich ein überdimensionaler Mädchenchor in den Hyde Park verirrt. Voller Inbrunst singt die begeisterte Menge jede Zeile mit, teils sogar beinahe lauter als Bendzko selbst. Dieser genießt die unerwartete Serenade sichtlich.

Tim Bendzko überzeugt an diesem Abend auf ganzer Linie. Er ist eben doch ein wahres Talent und kein künstliches Medienprodukt.

Lauscher auf! – P:lot – Zuhören

P:lot sind wahrlich nicht erst seit gestern im Musikgeschäft. Am 24.02.2012 erscheint bereits ihr drittes Album „Zuhören“. Grund genug, mal die Lauscher zu spitzen und richtig hinzuhören.



Wer oder was ist P:lot?

Die Kölner Band P:lot spielt sich bereits seit 10 Jahren mit eingängiger, deutscher Indiepopmusik durch die Republik. Ihr erstes, selbstproduziertes Album mit dem Titel „Debüt“ veröffentlichte die Band 2004, trennte sich dann trotz Erfolg von ihrer Plattenfirma und schickte 2008 das zweite Album „Mein Name ist“ ins Rennen. Vier Jahre Später steht jetzt das dritte Album „Zuhören“ in den Startlöchern. Mit „Zuhören“ will P:lot weg von der traurig pessimistischen Melancholie, die man ihrer Meinung nach viel zu oft im deutschen Pop wieder findet, und die auch P:lot lange genug bedient hat.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Weg von der Melancholie, hin zum Optimismus – So könnte man den Plan der Band zusammenfassen. Wenn man auch noch dem Albummotto „Zuhören“ folgt und besonders den Texten „einfach mal zuhört“, merkt man auch, dass P:lot diesen Plan relativ erfolgreich verwirklichen. Während einige Melodien zwar immer noch melancholisch getragen daher kommen, haben doch die meisten Stücke trotz allem einen positiven Grundtenor. Statt überwiegend herzverschmerzter Balladen reiht sich hier eine Midtempo-Popnummer mit leichtem 60er und 70er-Jahre-Rock-Einschlag an die andere. Die ruhigen Momente der Platte erinnern streckenweise an alte Ohrwürmer von Oasis, nur mit etwas weniger Schwere im Unterton. Dabei wirken die Nummern nie wie krampfhaft auf gute Laune oder Friede, Freude, Eierkuchen gebürstet.

Butter bei die Fische…

P:lot erfinden mit „Zuhören“ die deutschsprachige Popmusik nicht neu, verlieren sich aber auch nicht im gerade so präsenten Singer/Songwriter-Einheitsbreigedudel. Die Stücke sind mit viel Liebe fürs Detail arrangiert. Wer die Ohren spitzt, entdeckt immer wieder kleine instrumentale Spielereien, die sich im Radioalltag sonst kaum finden lassen. P:lot gelingt es, ihren ganz eigenen Sound zu basteln und weiter zu entwickeln. Statt auf künstliche Gefühlsduselei in den Texten zu setzen, sagt die Band ohne großen Kitsch wie es ist. Nur manchmal klingt die Stimme von Sänger Alexander Freund dabei fast schon etwas zu emotional, sodass man die positive Message der Songtexte erst richtig wahrnimmt, wenn man konzentriert zuhört. Aber das passt ja zu der Platte.

Bewertung:

Positive Energie: 4/5
Vielseitigkeit: 3,5/5
Klang-Kreativität: 4/5

1Live Krone 2011: Große Show, Promis und Party

Bochum. Am Donnerstagabend wurde vom jungen WDR Radiosender 1LIVE bereits zum zwölften Mal die 1LIVE Krone verliehen. Der größte Radioaward Deutschlands kürte in der Jahrhunderthalle in Bochum die Top-Acts der deutschen Musikszene. Über eine Millionen Hörer des jungen Radiosenders hatten im Vorfeld in sechs Kategorien ihre Stimme für ihre Lieblingsstars abgegeben.

Bevor es an die Kronenkugeln ging, gaben sich neben vielen anderen die Fantastischen Vier, Clueso, Tim Bendzko und Altmeister Udo Lindenberg auf dem Roten Teppich die Klinke in die Hand. Hier hatte man allerdings häufig den Eindruck, dass einige geladene Gäste „vom Winde verweht“ worden waren. Nicht immer war hier das Sturmtief „Friedhelm“ Schuld, dass sich den ganzen Abend über der Jahrhunderthalle kräftig austobte. So kamen unter anderem die Fantastischen Vier nur zu dritt, Jennifer Rostock flanierten mit einer Ersatz-Jenny am Besenstil aus Pappe über die rote Auslegeware und auch von den Söhnen Mannheims ließen sich nur eine Handvoll blicken.

Ähnlich stürmisch wie draußen ging es dann auch während der Show weiter. 1LIVE Radiomoderatorin Sabine Heinrich und TV-Moderator Tobi Schlegl fegten flott durch das straff getimte Programm. Kaum eine Spur mehr von den sich ziehenden Durststrecken, zu denen die Show in den Jahren zwischenzeitlich neigte. Auf sich in die Länge ziehende Talk-Runden mit den anwesenden Promis wurde weitestgehend verzichtet, dafür sorgte das leicht renovierte Show-Konzept für ordentliche Abwechslung.

Noch während der Show spielten der nominierte Philipp Poisel und der spätere „Bestes Album“-Gewinner Casper in einem Nebengebäude exklusive Kronenkonzerte für die Hörer von 1LIVE, während in der Halle erlesene Künstler in der Show unter dem Motto „Lieblingslieder“, begleitet von Clueso und seiner Live Band, mal nicht unbedingt immer nur ihre eigenen Songs zum Besten gaben. So performte das Techno-Trio Scooter den Billy Idol-Klassiker „White Wedding“, zur Überraschung der Gäste ganz ohne stampfende Techno Beats. Mädchenpop-Duo Boy überraschte mit einer berührenden Version von Coldplays „Yellow“, Selig-Frontmann Jan Plewka gab Rio Reisers „Halt dich an deiner Liebe fest“ zum Besten und Musik-Dinosaurier Udo Lindenberg spielte zusammen mit Clueso die neue Version seines Klassikers „Cello“. Als internationaler Showact begeisterte Marlon Roudette aus Großbritannien mit einer besonderen Akustikversion seines Hits „New Age“.

Während das Showprogramm mit einigen Überraschungen aufwartete, blieben diese bei den Kronen-Preisen weitestgehend aus. Die meisten Preise gingen an wahre Kronen-Stammgewinner, wie Clueso (Bester Künstler), Beatsteaks (Beste Band) und Die Fantastischen Vier (Bester Live-Act). Auch der Sieg vom Überflieger des Jahres Tim Bendzko mit seiner „besten Single“ „Nur noch kurz die Welt retten“ hatten viele Besucher erwartet. Einzig dass Rapper Casper mit seinem Erfolgsalbum „XOXO“ selbst Udo Lindenberg auf die Plätze verwies, überraschte nicht nur das Publikum sondern vor allen Dingen Casper selbst. Vollkommen überwältigt nahm er den Preis entgegen. Als bester „Plan-B“-Act wurde Tomte-Sänger Thees Uhlmann ausgezeichnet, der Preis für Beste Comedy ging an Puppenspieler Rene Marik. Einen Sonderpreis bekamen die Tatort-Teams der Sektor-„Tatorte“ aus Münster und Köln.

Nach guten zwei Stunden glamouröser Show verwandelte sich die Jahrhunderthalle schließlich in eine riesige Partyzone. Stars, Sternchen und geladene Gäste feierten auf der berühmt berüchtigten Krone Aftershow Party feuchtfröhlich zu treibenden DJ-Sets von Jan Delay bis in die frühen Morgenstunden.

Liveticker von der 1Live Krone 2011

Heute Abend wurde in Bochum die 1LIVE KRONE 2011 verliehen. Deutsche Musikgrößen wie Die Fantastischen Vier, Philipp Poisel, Beatsteaks, Tim Bendzko, Söhne Mannheims und viele andere waren für den begehrten Preis nominiert. KatieMcKatts war für Euch vor Ort. Per Ticker hielt sie Euch auf dem Laufenden.

16:30 Uhr – Die Ruhe vor dem Sturm
Über Bochum braut sich gerade ein Sturm zusammen. Der Wind rüttelt an den Wänden des Pressezelts. Hier drinnen ist es schön warm, die meisten Fotografen stärken sich noch kurz mit ordentlich Gulaschsuppe, damit man den Fotomarathon am Roten Teppich gleich gut überlebt. Draußen stehen schon ganze zwei Fans und frieren sich an der Absperrung vor dem Roten Teppich die Finger ab. Dabei fahren die Stars doch erst in einer Stunde frühestens ein. Drückt mir die Daumen, dass ich gleich einen guten Fotoplatz zugeteilt bekomme.

17.30 Uhr – Fotografen sind wie Terrier
Wahrend Clueso noch in der Halle Soundcheck macht, watscheln die ersten C-Promis über den Teppich und stürmen schon mal die Bar. Auf dem Weg müssen sie an der bellenden Fotografenhorde vorbei, die jedem weiblichen Wesen anzügliche Kommentare zurufen. Ich muss mich hier gegen 40 andere Fotografen-Kerle durchsetzen. So müssen sich Frauen bei der Bundeswehr vorkommen.

17:45 Uhr – Philipp Poisel mag nicht lange posen
Comedian David Werket kommt unerkannt an der Meute vorbei. Bisher u.a. eingelaufen: Patrice, die Donots, Klee, Sarah knappik und einige Fußballer vom VfL Bochum.

20:10 Uhr – Schluss mit Foto-Wahnsinn, lasst die Show beginnen
1LIVE Moderator Thorsten Schorn heizt gerade die Halle an. Zuschauerin Manuela möchte gerade am liebsten im Boden versinken, aber Thorsten lässt Ihr keine Chance. Er macht sie zum Modern Talking Fan und wird während der Show die ganze Zeit zu sehen sein. Nach zweieinhalb Stunden Foto-Wahnsinn am Roten Teppich weiß ich nicht mehr genau, wie ich heiße. 8 Gigabyte Fotos warten gerade auf mich, gesichtet zu werden. Highlights am Roten Teppich: Udo Lindenberg. Der Altmeister hat gepost wie ein junger Gott und wollte den Teppich gar nicht mehr verlassen. Mehr seht Ihr gleich in der Bildergalerie. In zwei Minuten startet die Live-Schalte ins Radio. Hallo Krone 2011!

20:15 Uhr – Pappkameraden
Viele Acts sind heute übrigens unvollständig aufgelaufen. Die Fanta 4 waren nur zu dritt, Revolverheld haben ihren Sänger verloren und Jennifer Rostock ist ohne Jenny aufgetaucht. Die vier Rostock-Jungs haben ihre Jenny aber trotzdem immer dabei: Her mit der überdimensionalen Pappkameradin am Besenstil!

20:27 Uhr – Scooter singt live!
Tobi Schlegel und ehemalige Glitzerwurst Sabine Heinrich haben die Show eröffnet. Die passende Musik dazu kommt von Cluesos Band, aber der Gesang kommt von… Scooter! H.P. Baxxter und seine Kumpanen singen gerade allen ernstes White Wedding von Billy Idol. Und man muss zugeben, es könnte schlimmer sein. Viellieicht sollten die Jungs dem Techno abschwören?

20:33 Uhr – Die Krone „Beste Band“ geht an…
Die erste Krone des Abends, und gleich geht es in die Königskategorie Beste Band. Nominiert sind die Beatsteaks, Söhne Mannheims, Klee, Jennifer Rostock und Culcha Candela. Und die Krone geht an… die Beatsteaks! Ehrlich gesagt war das keine Überraschung, oder nicht? Arnim hat sich richtig in Schale geschmissen und holt sich mit seiner Drag Queen zusammen und mit Schirm, Scharm und Melone die Kronenkugel nach Hause.

20:45 Uhr – Boy sind „Yellow“
Das Mädchenduo Boy singt ihr Lieblingslied: Yellow von Coldplay. Wunderschön, sollte es öfter geben. Bisher geht das Programm noch recht kurzweilig über die Bühne. Mal sehen, ob es sich dieses Jahr auch irgendwann wieder zieht, wie Kaugummi. Die Selbstbeweihräucherungen starten schon… Ich sortiere mal weiter Fotos.

20:50 Uhr – „Bester Liveact“ Krone für…
Fanta 4, Gentleman, Philipp Poisel, Guano Apes oder Broilers? Wer holt das Ding nach Hause? *trommelwirbel* Die Fantastischen Vier schlagen um Haares Breite Philipp Poisel. Auch dieser Gewinner war vorhersehbar. „Wie jedes Jahr, oder?“ kommentiert mein Fotografenkollege aus Köln.

20:57 Uhr – Marlon Roudette singt uns ein Schlaflied
Marlon Roudette, einziger internationaler Act des Abends, singt eine besondere Version von „New Age“. Wunderschön, aber auch fast schon zu beruhigend. Ich habe gerade das Bedürfnis mich in meine Daunenjacke zu kuscheln und ein Nickerchen zu machen.

21:00 Uhr – „Todesgruppe“ Beste Single
„Beste Single“ ist heute mit Abstand die härteste Kategorie des Abends. „Die Todesgruppe“, wie Sabine Heinrich so charmant sagt. Jupiter Jones, Revolverheld, Lena, Frida Gold, Andreas Bourani und Frida Gold. Das Rennen ist hart, wochenlang haben sich die Bands bei facebook um die Hörerstimmen gebattelt. Das Rennen macht Überflieger Tim Bendzko. Bei seinem Höhenflug eigentlich kaum noch ein Wunder, dass er die anderen Titel auf die Plätze verweist. Aber kann man denn schon zum dritten Mal sagen „War ja klar!“?

21:15 Uhr – Rapante Beste Comedy
Rene Marik bekommt die beste Comedy und zeigt seinem Laudator Jimmy Breuer, wie man wirklich Comedy macht. Das Publikum bekommt eine kleine Kostprobe aus seinem Puppenprogramm, dass er angeblich an den Nagel hängen will. Na da muss ich mich doch noch auf die Aftershow Party schleichen und ihn dazu überreden, es nicht zu tun. Gut, Tobi Schlegl hatte schon die gleiche Idee.

21:20 Uhr – Bestes Album für…
Casper! Der junge Rapper aus Bielefeld verweist damit Altmeister Udo Lindenberg auf die Ränge. „So perfekt“ dröhnt aus den Boxen und Casper kann es nicht glauben. Ihm zittert die Stimme, als er sich bedankt. Da freut sich ja noch einer richtig und von ganzem Herzen. Endlich mal eine kleine Überraschung.

21:30 Uhr – Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
Thees Uhlmann hat die Krone als bester Plan-B Act, also den Preis abseits des Mainstreams, nach Hause geholt. Die meisten im Studio hätten wohl mit Kraftklub gerechnet, aber Alter geht vor Hype. „Ich bin so alt, kurz vor Lebenswerk“, sagt Uhlmann. Da hat er das Ding auch verdient. Und es geht ohne Pause weiter mit dem besten Künstler. Man scheint Zeit aufholen zu wollen. Im Pressezentrum werden derweil munter Rätsel geraten, wen man denn da auf dem Roten Teppich überhaupt fotografiert hat. Viele Acts glänzen nämlich mit (teilweiser) Abwesenheit. Und wenn der Frontmann fehlt, wer erkennt dann schon den Rest der Band?

21:36 Uhr – Mal wieder Clueso
Und wieder gewinnt ein Kronen-Altstar: Clueso. Zum gefühlten 10. Mal in Folge holt sich der Erfurter die Kugel ab. Angeblich hat er nicht damit gerechnet. Schöne Geste: Die Krone wird ein Fan-Wanderpokal und verstaubt so nicht in Cluesos Erfurter Zughafen, sondern in Fan-Regalen.

21:50 Uhr – Kronenendspurt
Im Pressezentrum bricht Unruhe aus. Gleich geht es wieder an die Fotowand, die Gewinner ablichten. Gerade werden die Tatortkommissare mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Schnell weg, damit ich noch einen guten Platz in der ersten Reihe bekomme!

22:15 Uhr – Er spielt Cello und wir knipsen
Während noch Udo Lindenberg seinen großartigen Auftritt zusammen mit Clueso absolviert, steht die Fotografenmeute schon wieder kampfbereit vor der Fotowand. Die Gewinner werden abgelichtet. Zu den Klängen von „Cello“ laufen die Fantastischen Vier, Thees Uhlmann, die Tatort-Kommissare, Tim Bendzko und Rene Marik durchs Bild. Von Casper und den Beatsteaks keine Spur. Sehr schade. Dafür begibt sich Clueso mit seiner kompletten Band noch mal ins Blitzlichtgewitter, nachdem er fleißig mit Udo Lindenberg „Cello“ gespielt hat. Letzterer saß übrigens noch drei Minuten vor seinem Auftritt munter mit Getränk an der Bar. Dann: Prost!

22:50 Uhr – Fotos!
Es ist vollbracht – gerade laden sich nach und nach 150 Fotos in eine schöne Galerie für Euch. Große Stars und kleine Sternchen vom Roten Teppich und ein paar Bilder der Gewinner sind dabei. Angeblich ist der Upload in 10 Minuten fertig. Hoffen wir mal, dass die Verbindung hält. Im Übrigen konnte Casper ja gar nicht vor die Fotowand kommen – er spielt gerade noch parallel zu der Veranstaltung ein Konzert in einem Nebengebäude. Mein eigener kleiner Erfolg: Ich habe es geschafft, eine der heißbegehrten Goodie Bags abzustauben. Hurrah! Darin enthalten ist viel Schokolade, Beauty Artikel, Lesestoff, Parfum und viel schöner Kleinkram. Hat mich der Nikolaus also doch nicht vergessen 😉

23:10 Uhr – Aftershow Party und Gute Nacht
Nach der Pflicht kommt die Kür. In der Jahrhunderthalle feiert die Prominenz bereits zu heißen Beats von richtig guten DJs oder schlägt sich den Bauch am Buffet voll. Auch ich werde mich in ein paar Minuten aus dem Pressezirkuszelt, das von einem Sturmtief ziemlich durchgeschüttelt wird, verabschieden und mal sehen, ob Tim Bendzko auch ohne Sonnenbrille feiern kann. Hier läuft im Übrigen ein täuschend echt aussehender Udo Lindenberg Doppelgänger rum, der es sogar auf den Roten Teppich geschafft hat. Viel Spaß mit den Fotos. Morgen gibt es hier einen Abschlussbericht, vielleicht auch mit ein paar Insidern von der Aftershow Party 😉

Danke für’s Mitlesen! Es grüßt KatieMcKatts mit einem eigenen Krönchen.

Diesen Liveblog habe ich damals für das Magazin der OSCommunity geschrieben.

Interview: Tim Bendzko ist nicht ehrgeizig, aber hat eine Mission

Tim Bendzko ist der deutsche Pop-Durchstarter des Jahres. Im Frühjahr kannte ihn niemand, heute räumt er einen Preis nach dem nächsten ab und konnte für seine Single „Nur noch kurz die Welt retten“ in kürzester Zeit Platin einfahren. Auch sein Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ ist inzwischen vergoldet. Wir haben mit Tim gesprochen und ihn zu seinen Ambitionen und seiner Musik interviewt. Interview: Tim Bendzko ist nicht ehrgeizig, aber hat eine Mission weiterlesen

Osnabrücker Nachtschwärmer wollen Glanz & Gloria erhalten

Osnabrück (kle). Dem Glanz & Gloria droht die Schließung. Aufgrund von Raumnot und angeblichen gravierenden Sicherheitsmängeln sieht die Universität Osnabrück vor, den Mietvertrag des Glanz & Glorias nicht zu verlängern. Diese Nachricht hat sich in der letzten Woche unter Osnabrücker Studenten und Nachtschwärmern wie ein Lauffeuer verbreitet.

Während bisher noch keine weiteren Entscheidungen über die Zukunft des beliebten Clubs im Keller des ehemaligen Kreishauses am Neuen Graben getroffen worden sind, formieren sich im Internet die Anhänger des Glanz & Gloria, um ihren Lieblingsclub zu retten.

„Pro Glanz & Gloria“ heißt die Facebook-Gruppe, die Florian Wesselkamp kurzer Hand gründete, nachdem er letzte Woche vom drohenden Aus des Clubs erfahren hatte. Für ihn ist das Glanz der beste Club der Stadt und ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in Osnabrück, der nicht verloren gehen darf. „Osnabrück wäre um Einiges ärmer, wenn das Glanz tatsächlich schließen muss“, erklärt Wesselkamp gegenüber unserer Zeitung. Mit dieser Meinung ist Wesselkamp nicht allein. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden konnte die Gruppe bereits über 1500 Mitglieder verzeichnen.

Aktuell sind es knapp 2300 Osnabrücker Studenten und Nichtstudenten, die sich für den Erhalt des Glanz einsetzen und Ideen für Rettungsaktionen sammeln. Diese reichen von nicht ganz ernstgemeinten Hausbesetzungen bis hin zu Unterschriftenaktionen, Flashmobs und kollektiven Besuchen öffentlicher Sitzungen. „Konkrete Aktionspläne gibt es noch nicht“, so Wesselkamp dazu, aber man wolle der Uni und der Öffentlichkeit zeigen, dass man hinter dem Glanz & Gloria steht.

In einer offiziellen Mitteilung betont indes der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität, dass er sich zu keiner Zeit für die Schließung oder gegen das Glanz & Gloria ausgesprochen habe. Man setze sich lediglich dafür ein, anstatt normaler Seminarräume in den Räumlichkeiten ein Studierendenzentrum einzurichten, sollte eine Schließung unabwendbar sein. Genauso wenig sehe man Anlass, an den vom Präsidium vorgebrachten Aussagen bezüglich der Sicherheitsmängel zu zweifeln.

Die Sicherheitsfrage soll in einer erneuten Begehung der Räumlichkeiten geklärt werden, die für den heutigen Dienstag angesetzt ist. Vertreter des Staatlichen Baumanagements Osnabrück-Emsland, der Universität Osnabrück, des StuPa, der Stadt und der Feuerwehr wollen sich zusammen mit den Betreibern des Glanz & Gloria ein Bild von der aktuellen Brandschutz- und Fluchtwegsituation machen. Das Ergebnis könnte darüber entscheiden, ob es für das Glanz & Gloria eine Zukunft gibt.

Interview mit Comedian Oliver Polak

Am Montag wird im Hörsaal des HTW-Gebäudes der Uni Osnabrück mal nicht zwei Stunden lang gelehrt, sondern zwei Stunden lang gelacht. Die Fachschaft WiWi lädt zur Abendvorlesung mit den Comedians David Werker und Oliver Polak. David Werker, Germanistik-Student „auf gut Glück“ hat einen Koffer voll mit Geschichten aus dem Studienalltag dabei. Oliver Polak stammt aus dem emsländischen Papenburg und kombiniert im Hörsaal seine Lesetour zu seinem Buch „Ich darf das, Ich bin Jude!“ und seine prämierte Stand Up-Show „Jud süss sauer“ zu einem großen Lachspektakel mit Konfetti. Im Interview hat uns Oliver Polak unter anderem verraten, was einen am Montag erwartet und was er mit Osnabrück verbindet. Interview mit Comedian Oliver Polak weiterlesen