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Hymnen zum Erwachsenwerden: Casper begeistert junges Publikum im ausverkauften Hyde Park

Osnabrück. „Also ich kann mit der Musik absolut nichts anfangen“, erzählt eine Mutter vor den Türen des Hyde Parks. Ihre 16-jährige Tochter höre aber nichts anderes mehr. Der groß gehypte Bielefelder Rapper Casper war am Sonntagabend mit seiner ausverkauften „Der Druck steigt“-Tour zu Gast in Osnabrück und sorgte damit für große Begeisterung.

Die ersten Fans standen bereits ab 11 Uhr vor der Halle, um ganz nah dabei zu sein. Das Publikum ist an diesem Abend auffällig jung, hauptsächlich halbstarke Jungs und Teenager-Mädchen, von denen einige sogar noch von ihren Eltern begleitet werden. Diese lassen das Konzert wohl eher über sich ergehen, als dass sie es genießen.

Für die Fans scheint es aktuell nichts Besseres als Casper zu geben. Als der 29-Jährige, von dichtem Trockeneisnebel umwabert, geradezu feierlich die Bühne betritt und unter donnernden Beats seine Show mit „Der Druck steigt“ beginnen lässt, zieht ein tosender Begeisterungssturm durch den Hyde Park, der sich bis zum Ende des Konzerts kaum legt.

Casper begeistert mit seiner ganz eigenen Interpretation von deutschem Rap. Statt auf klassische Hip-Hop-Beats bettet Casper seine Lyrics auf einen bunten Stilmix verschiedener Genres. Der Bielefelder kombiniert seinen Rap mit Indierock- und Elektroelementen, die nicht vom Band, sondern mit viel Power von seiner Live-Band gespielt werden. So wundert es dann auch fast schon nicht mehr, dass Casper während des Songs „Rock’n’Roll“ Rockshow-Elemente wie „Wall of Death“ und Pogo-Tanz von seinem Publikum verlangt.

Caspers Texte handeln von Freundschaft, Liebe und Enttäuschungen, von Verlusten, Zukunftsangst und dem Erwachsenwerden. Die kratzig-raue und oft aggressiv klingende Stimme ist gewöhnungsbedürftig, kontrastiert aber geschickt die häufig melancholisch-emotionalen Inhalte seiner Texte. Mal gibt er sich laut und rebellisch, im nächsten Moment wieder leise und regelrecht zerbrechlich. nahezu wie das emotionale Auf und Ab der Pubertät.

Das teils noch pubertäre Publikum zeigt sich absolut textsicher, schreit sich fast jede einzelne Zeile mit voller Kraft aus dem Leib. Es hat fast den Anschein, als ob Caspers Texte für sie ihre Hymnen zum Erwachsenwerden wären, die alle Antworten auf die Fragen liefern, die sie in dieser Zeit beschäftigen.

Der Bielefelder hat die junge Masse fest im Griff, lässt sie die Arme zum Beat schwenken, schreien und vollkommen durchdrehen. Einzig die Hormone einiger Mädchen kann er nicht kontrollieren. So flammen den ganzen Abend über immer wieder ohrenbetäubende „Ausziehen! Ausziehen!“-Sprechchöre auf, die man sonst doch eher von Popkonzerten kennt. Casper nimmt es mit Humor, macht sich einen Spaß daraus, „alle über 18 und Geschlechtsreifen“ allein skandieren zu lassen, und ist sichtlich überrascht, als der Saal an dieser Stelle nicht vollkommen stumm bleibt.

Nach gut 90 Minuten und insgesamt 19 Stücken aus der aktuellen Platte „XOXO“ und älteren Alben beendet Casper seine Show vor einem völlig ekstatischen Publikum mit dem Song „So perfekt“. Die Textzeile „Alles wird perfekt, so perfekt!“ spricht den Fans wohl aus der Seele.

Nur noch kurz Osnabrück retten – Tim Bendzko begeistert 1700 Fans im Osnabrücker Hyde Park

Osnabrück. Die Schlange vor dem Hyde Park windet sich vom Eingang quer über den Parkplatz bis weit hinaus auf den Fürstenauer Weg. 1700 Fans kamen am Mittwochabend, um das Nachholkonzert des Berliner Sängers Tim Bendzko mitzuerleben. Mit einer virtuos vielseitigen Show bewies der Sänger, dass er kein künstlich hochgejubeltes Medienphänomen ist, sondern allein durch sein Talent überzeugen kann.

Die Bühne ist in tiefblaues Licht getaucht. Die Menge jubelt, als der von vielen Fans lang ersehnte Abend mit den ruhig groovenden Tönen von „Du warst noch nie hier“ endlich seinen Lauf nimmt. Fast zwei Monate hatten sie auf diesen Moment warten müssen, da das Konzert im Januar wegen Krankheit verschoben werden musste.

Statt Tim Bendzko bekommt das Osnabrücker Publikum jedoch zunächst nur die sechsköpfige Liveband des Musikers zu Gesicht. Bendzko bleibt im Verborgenen, lässt seine gespannten Fans nur durch seinen Gesang wissen, dass er wirklich hier ist. Der Jubel ist ohrenbetäubend, als sich Bendzko endlich zu erkennen gibt. Als er sich dann auch noch offen für die Absage des ursprünglichen Konzerttermins entschuldigt, gibt es für die Menge zum ersten Mal kaum ein Halten mehr.

Bendzko gibt sich an diesem Abend erstaunlich vielseitig. Mit herzergreifenden Pop-Balladen wickelt er die überwiegend weiblichen Fans im Handumdrehen um den kleinen Finger, nur um im nächsten Moment wieder mit durch Hip-Hop beeinflussten, groovenden Tanznummern das Rhythmusgefühl seiner Zuschauer auf die Probe zu stellen.

Bendzko ist gut gelaunt und wirbelt gut bei Stimme über die Bühne. Die Töne sitzen, auch bei seiner Band. Diese unterstützt den blonden Lockenkopf mit beachtlicher Spielfreude. Wahre Multitalente hat sich der Berliner da zusammengesucht. Neben der Standardbesetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard finden unter anderem regelmäßig Akkordeon, Cello und Orgel ihren Einsatz. Viele Stücke erreichen dank dieser großen Virtuosität eine unerwartet greifbare Tiefe.

Die Show folgt einer ausgefeilten Dramaturgie, mit der Tim Bendzko das Osnabrücker Publikum gute eineinhalb Stunden lang in seinen Bann zieht. Die Songtitel sind stets an der rechten Stelle platziert. So beginnt beispielsweise die Zugabe mit dem Titel „Viel mehr davon“, der von den Osnabrücker Fans mit strahlenden Gesichtern aus vollem Hals mitgesungen wird. Auch sie wollen mehr. Keine Nummer seines aktuellen Albums „Wenn Worte meine Sprachen wären“ fehlt, die Liste wird sogar noch um einige unbekanntere, alte Stücke erweitert.

Als absolute Highlights entpuppen sich die großen Chart-Erfolge des Sängers. Mit „Nur noch kurz die Welt retten“ will Bendzko auch kurz Osnabrück retten. Zur Überraschung holt er dafür den Rapper F.R. aus dem Vorprogramm auf die Bühne, der den Song mit fetzenden Raps auffrischt. Eine wohltuende Verjüngungskur für den fast totgespielten Titel. Während „Wenn Worte meine Sprache wären“ scheint es dann so, als hätte sich ein überdimensionaler Mädchenchor in den Hyde Park verirrt. Voller Inbrunst singt die begeisterte Menge jede Zeile mit, teils sogar beinahe lauter als Bendzko selbst. Dieser genießt die unerwartete Serenade sichtlich.

Tim Bendzko überzeugt an diesem Abend auf ganzer Linie. Er ist eben doch ein wahres Talent und kein künstliches Medienprodukt.

Lauscher auf! – P:lot – Zuhören

P:lot sind wahrlich nicht erst seit gestern im Musikgeschäft. Am 24.02.2012 erscheint bereits ihr drittes Album „Zuhören“. Grund genug, mal die Lauscher zu spitzen und richtig hinzuhören.



Wer oder was ist P:lot?

Die Kölner Band P:lot spielt sich bereits seit 10 Jahren mit eingängiger, deutscher Indiepopmusik durch die Republik. Ihr erstes, selbstproduziertes Album mit dem Titel „Debüt“ veröffentlichte die Band 2004, trennte sich dann trotz Erfolg von ihrer Plattenfirma und schickte 2008 das zweite Album „Mein Name ist“ ins Rennen. Vier Jahre Später steht jetzt das dritte Album „Zuhören“ in den Startlöchern. Mit „Zuhören“ will P:lot weg von der traurig pessimistischen Melancholie, die man ihrer Meinung nach viel zu oft im deutschen Pop wieder findet, und die auch P:lot lange genug bedient hat.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Weg von der Melancholie, hin zum Optimismus – So könnte man den Plan der Band zusammenfassen. Wenn man auch noch dem Albummotto „Zuhören“ folgt und besonders den Texten „einfach mal zuhört“, merkt man auch, dass P:lot diesen Plan relativ erfolgreich verwirklichen. Während einige Melodien zwar immer noch melancholisch getragen daher kommen, haben doch die meisten Stücke trotz allem einen positiven Grundtenor. Statt überwiegend herzverschmerzter Balladen reiht sich hier eine Midtempo-Popnummer mit leichtem 60er und 70er-Jahre-Rock-Einschlag an die andere. Die ruhigen Momente der Platte erinnern streckenweise an alte Ohrwürmer von Oasis, nur mit etwas weniger Schwere im Unterton. Dabei wirken die Nummern nie wie krampfhaft auf gute Laune oder Friede, Freude, Eierkuchen gebürstet.

Butter bei die Fische…

P:lot erfinden mit „Zuhören“ die deutschsprachige Popmusik nicht neu, verlieren sich aber auch nicht im gerade so präsenten Singer/Songwriter-Einheitsbreigedudel. Die Stücke sind mit viel Liebe fürs Detail arrangiert. Wer die Ohren spitzt, entdeckt immer wieder kleine instrumentale Spielereien, die sich im Radioalltag sonst kaum finden lassen. P:lot gelingt es, ihren ganz eigenen Sound zu basteln und weiter zu entwickeln. Statt auf künstliche Gefühlsduselei in den Texten zu setzen, sagt die Band ohne großen Kitsch wie es ist. Nur manchmal klingt die Stimme von Sänger Alexander Freund dabei fast schon etwas zu emotional, sodass man die positive Message der Songtexte erst richtig wahrnimmt, wenn man konzentriert zuhört. Aber das passt ja zu der Platte.

Bewertung:

Positive Energie: 4/5
Vielseitigkeit: 3,5/5
Klang-Kreativität: 4/5

CD Tipp: YA-HA! – „Immer & Überall“

Einfach mal rausgehen und „YA-HA!“ schreien kann man überall, findet zumindest die gleichnamige Band, hinter der sich unter anderem Florian Schuster von Blumentopf und Janna Wonders verbergen. Wer zur Zeit genug von all den aus dem Boden schießenden Singer/Songwriter-Platten hat, könnte mit „Immer & Überall“ der Münchner Formation glücklich werden, das seit dem 3. Februar zu haben ist. Elektrobeats gepaart mit einer riesigen Portion Achtziger-Oldschool-Sound und einer Prise NDW mit frechen deutschen Texten und vorsichtigen Emotionen zeichnen die Musik von YA-HA aus.

Tanzbar, kritisch, geradeaus. YA-HA labern nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sagen in ihren Songs direkt wie es ist. In ihrer Single „Fake Coco Chanel“ nehmen sie die Fashion Victims der großen Metropolen aufs Korn, in „Made in China“ setzen sie sich mit dem Konsum- und Plastikrausch auseinander. Dabei laufen sie aber nie mit weltverbesserndem, erhobenen Zeigefinger durch die Gegend, sondern halten lediglich tanzend den Spiegel vor. Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.

Interview: Tim Bendzko ist nicht ehrgeizig, aber hat eine Mission

Tim Bendzko ist der deutsche Pop-Durchstarter des Jahres. Im Frühjahr kannte ihn niemand, heute räumt er einen Preis nach dem nächsten ab und konnte für seine Single „Nur noch kurz die Welt retten“ in kürzester Zeit Platin einfahren. Auch sein Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ ist inzwischen vergoldet. Wir haben mit Tim gesprochen und ihn zu seinen Ambitionen und seiner Musik interviewt. Interview: Tim Bendzko ist nicht ehrgeizig, aber hat eine Mission weiterlesen

Osnabrücker Nachtschwärmer wollen Glanz & Gloria erhalten

Osnabrück (kle). Dem Glanz & Gloria droht die Schließung. Aufgrund von Raumnot und angeblichen gravierenden Sicherheitsmängeln sieht die Universität Osnabrück vor, den Mietvertrag des Glanz & Glorias nicht zu verlängern. Diese Nachricht hat sich in der letzten Woche unter Osnabrücker Studenten und Nachtschwärmern wie ein Lauffeuer verbreitet.

Während bisher noch keine weiteren Entscheidungen über die Zukunft des beliebten Clubs im Keller des ehemaligen Kreishauses am Neuen Graben getroffen worden sind, formieren sich im Internet die Anhänger des Glanz & Gloria, um ihren Lieblingsclub zu retten.

„Pro Glanz & Gloria“ heißt die Facebook-Gruppe, die Florian Wesselkamp kurzer Hand gründete, nachdem er letzte Woche vom drohenden Aus des Clubs erfahren hatte. Für ihn ist das Glanz der beste Club der Stadt und ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in Osnabrück, der nicht verloren gehen darf. „Osnabrück wäre um Einiges ärmer, wenn das Glanz tatsächlich schließen muss“, erklärt Wesselkamp gegenüber unserer Zeitung. Mit dieser Meinung ist Wesselkamp nicht allein. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden konnte die Gruppe bereits über 1500 Mitglieder verzeichnen.

Aktuell sind es knapp 2300 Osnabrücker Studenten und Nichtstudenten, die sich für den Erhalt des Glanz einsetzen und Ideen für Rettungsaktionen sammeln. Diese reichen von nicht ganz ernstgemeinten Hausbesetzungen bis hin zu Unterschriftenaktionen, Flashmobs und kollektiven Besuchen öffentlicher Sitzungen. „Konkrete Aktionspläne gibt es noch nicht“, so Wesselkamp dazu, aber man wolle der Uni und der Öffentlichkeit zeigen, dass man hinter dem Glanz & Gloria steht.

In einer offiziellen Mitteilung betont indes der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität, dass er sich zu keiner Zeit für die Schließung oder gegen das Glanz & Gloria ausgesprochen habe. Man setze sich lediglich dafür ein, anstatt normaler Seminarräume in den Räumlichkeiten ein Studierendenzentrum einzurichten, sollte eine Schließung unabwendbar sein. Genauso wenig sehe man Anlass, an den vom Präsidium vorgebrachten Aussagen bezüglich der Sicherheitsmängel zu zweifeln.

Die Sicherheitsfrage soll in einer erneuten Begehung der Räumlichkeiten geklärt werden, die für den heutigen Dienstag angesetzt ist. Vertreter des Staatlichen Baumanagements Osnabrück-Emsland, der Universität Osnabrück, des StuPa, der Stadt und der Feuerwehr wollen sich zusammen mit den Betreibern des Glanz & Gloria ein Bild von der aktuellen Brandschutz- und Fluchtwegsituation machen. Das Ergebnis könnte darüber entscheiden, ob es für das Glanz & Gloria eine Zukunft gibt.

Interview mit Tiemo Hauer – Großer Pop in Eigenregie

Ein blonder Lockenkopf, Sonnyboy-Gesicht, selbstgeschriebene, emotionale Popsongs, das Abi frisch in der Tasche. „Der perfekte Teeniestar“, dachte sich da vor knapp zwei Jahren eine große Plattenfirma, und versuchte den heute 21-jährigen Tiemo Hauer mit Songs wie „Nacht am Strand“ in die schmachtenden Herzen pubertierender deutscher Teenager-Mädchen zu pressen. Doch nicht mit Tiemo. Inzwischen hat sich der Stuttgarter aus den Klauen des Label-Riesen befreit und hat kurzerhand sein eigenes Label gegründet um sich vor dem endgültigen Teeniestar-Stempel zu retten und sich künstlerisch selbst verwirklichen zu können.

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Muss das Glanz & Gloria in Osnabrück schließen?

Osnabrück. Konzerte, Lesungen, Unipartys – Das Glanz & Gloria, im Keller des ehemaligen Kreishauses am Neuen Graben, gehört in der Osnabrücker Partyszene, besonders unter Studenten, zu den beliebtesten Locations. Wenn es jedoch nach dem Willen der Universität Osnabrück geht, könnte es sich im Glanz bald ausgefeiert haben. Schuld daran ist ein auslaufender Mietvertrag, den das Glanz & Gloria mit dem Studentenwerk der Uni Osnabrück abgeschlossen hat. Dieser soll nun wohlmöglich nicht verlängert werden. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat bereits Interesse bekundet, in den Räumlichkeiten ein neues Studierendenzentrum einzurichten.

Viele der Osnabrücker Studenten sind über die drohende Schließung ihres Lieblingsclubs alles andere als erfreut. Dr. Wilfried Hötker, Vizepräsident für Personal und Finanzen, sowie Manfred Blome, Leiter des Dezernats für Gebäudemanagement der Universität Osnabrück, nahmen gestern auf einer außerordentlichen Sitzung des Studierendenparlaments (StuPa) Stellung und erklärten ihre Bedenken gegenüber der Vergabe eines neuen, langfristigen Mietvertrags. Die Situation scheint kompliziert. Zum Einen stehe die allgemein beengte Raumsituation der Uni im Innenstadtbereich einer Verlängerung im Wege. Zum Anderen seien bei einer Begehung der Räumlichkeiten durch das Staatliche Baumanagement Osnabrück-Emsland bereits vor zwei Jahren angeblich erhebliche, bauliche Sicherheitsmängel festgestellt worden, die von den Betreibern bis heute nicht beseitigt worden wären, erklärte Dr. Hötker gestern Abend. Des Weiteren wies Manfred Blome darauf hin, dass zudem die zulässige Gesamtkapazität der Räumlichkeiten aus baurechtlicher Sicht angeblich lediglich bei 199 Personen liege, und diese im Tagesgeschäft des Glanz & Glorias regelmäßig überschritten würde. Die Kosten seien zu hoch, als dass die Universität diese aufbringen könnte, um den Ort für so viele Menschen sicher zu machen.

Die anwesenden Anhänger des Glanz & Gloria, sowie Mitbetreiber Falk Schlukat, zeigen sich auf der Sitzung über die Begründung der Universität überrascht und verärgert. „Wir hören von diesen Sicherheitsmängeln heute zum ersten Mal. Das Protokoll der Begehung ist uns auch nach mehrfachem Nachfragen nicht zugestellt worden“, so Schlukat. Trotzdem habe man von sich aus bereits vor fünf Jahren 120.000 Euro in die Renovierung und die Sicherheit der Lokalität investiert und sei außerdem selbstverständlich bereit, sämtliche Kosten für eventuell notwendige, sicherheitsrelevante Baumaßnahmen zu übernehmen. Auch die Argumente der regelmäßigen Überschreitung der angeblich zulässigen Gesamtkapazität, sowie der Mängel im Brandschutz und bei den Fluchtwegen, lässt Schlukat nicht gelten. „Das Glanz & Gloria ist konzessioniert als Erlebnisgastronomie. Wir haben von den entsprechenden Behörden der Stadt Osnabrück die Genehmigung, den Laden so zu betreiben, wie er betrieben wird“. Außerdem weist Schlukat darauf hin, dass die aktuelle Brandschutz- und Fluchtwegsituation von der Feuerwehr offiziell genehmigt sei.

Die Situation scheint verfahren. Viele Mitglieder des StuPa, darunter die Fraktion der htw+friends Hochschulgruppe, sowie die Hochschulgruppe der Jungen Union, sprechen sich explizit für den Erhalt des Glanz & Gloria und gegen das vom AStA angedachte Studierendenzentrum aus. „Wer will denn schon in einem Keller lernen?“, gibt der Sprecher der htw+friends zu denken.

Letztendlich einigen sich alle Beteiligten auf eine neue Begehung der Räumlichkeiten, um sich ein Bild vom tatsächlichen Sicherheitszustand zu machen. Auf das Drängen einiger Studenten signalisiert Vizepräsident Dr. Hötker, dass man bei einem positiven Ergebnis der Begehung unter Umständen über neue Verhandlungen nachdenken könnte. Trotzdem wirkt Schlukat nach der Sitzung zerknirscht: „Das wirkt hier von Seiten der Uni alles sehr gewollt. Man hätte uns als GmbH über die Gründe auch vorher informieren können. Das ist nie passiert.“

Video-Interview mit Royal Republic: „Richtig guter Sex“

Im letzten Jahr machten sich Royal Republic als Support der Donots einen Namen und heizten den Massen mit Songs ihres Debüt Albums We are the Royal ordentlich ein. Die vier Jungs liefern schwedischen Rock’n’Roll at its best, immer mit einem frechen Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Schalk im Nacken. Bevor sie am 17. November mit ihrer „Full Steam Space Machine“ in der Kleine Freiheit Station machen, standen uns Sänger Adam und Gitarrist Hannes schon mal Rede und Antwort.

Ihr macht selber auch großartige Musik und Ihr habt mit We are the Royal ein tolles Album vorgelegt.  Was braucht Ihr, um einen guten Rocksong zu schreiben?
Adam: Instrumente und Inspiration? Ich habe immer die besten Ideen, wenn ich eben nicht bewusst versuche, einen Song zu schreiben. 
Hannes: Wenn ich einen Song höre, den ich wirklich mag, versuche ich ihn nachzuahmen. Also, wenn Ihr einen unserer Songs hört und denkt, „hey, der Song erinnert mich an den und den Song“, dann ist das wahrscheinlich kein Zufall
Was für Musik hört Ihr zu Hause, wenn Ihr nicht gerade selbst Musik macht?
Adam: Alles Mögliche. Zurzeit höre ich sehr viel softe, ruhige Musik. Tom Petty, John Mayer, Bob Dylan. Viele akustische Sachen, um mich zu beruhigen und zu entspannen, wenn wir nicht auf Tour sind. 
Tolle Auswahl! Wie sieht’s bei dir aus, Hannes?
Hannes: Ich bin eher der Heavy Metal Typ der Band.
 Was war das beste Konzert, bei dem Ihr je wart? 
Hannes: Metallica haben vor ein paar Jahren in Kopenhagen gespielt. Ich hatte die Tickets schon ein Jahr im Voraus gekauft, weil ich so ein großer Fan bin. Ich musste die anderen Jungs zwar regelrecht dahin schleifen, aber sie waren doch recht beeindruckt. Ich war einfach nur im Himmel, ich liebe diese Band!
Ihr seid gerade auf großer Deutschlandtour. Wie würdet Ihr eine typische Royal Republic Show beschreiben?
Adam: Wie richtig guten Sex.
Hannes: An einem guten Abend. An einem schlechten Abend ist es aber nur wie mittelmäßiger Sex. Aber das ist immer noch schön.
Spielt Ihr lieber kleine, intensive Clubshows oder bevorzugt Ihr große Festivals?
Adam: Na Hannes, kommt es bei dir auf die Größe an?
Hannes: Vor dem Start der Festivalsaison habe ich riesig auf die großen Bühnen und das draußen spielen gefreut. Aber jetzt vermisse ich die richtig kleinen Punkrock-Clubs und freue mich richtig auf die kleinen Shows. 
Was macht Ihr 5 Minuten bevor Ihr auf die Bühne geht?
Adam: Wir machen ernsthafte Aufwärmübungen. Wir tanzen im Kreis herum und tun so, als ob wir Frösche, oder andere coole, rückgratlose Tiere wären. 
Ich habe Euch letztes Jahr als Support der Donots gesehen. Dabei warst gerade du, Adam, sehr um dein Aussehen bemüht. Mal ehrlich, wie lange braucht Ihr morgens um Euch fertig zu machen?
Adam: Mit der Frisur, die ich damals hatte, musste ich schon etwa eine Stunde vor den anderen Jungs aufstehen, weil ich nämlich duschen musste, um sie richtig hinzubekommen. Föhnen, Volumenzeugs, nochmal föhnen, Wachs, kämmen, wieder föhnen, Haarspray. Das hat immer eine Menge Zeit und Geld gekostet. 
Wie wichtig sind Euch Äußerlichkeiten allgemein?
Adam: Naja, ein „du siehst aber doof aus“ hört niemand gerne.
Hannes: Das ist eine sehr gute Antwort, die solltest du aufschreiben.
Adam: Mach ich, sobald wir hier fertig sind.

Interview mit Johannes Oerding – „Ich habe viele kreative Fans“

Johannes Oerding macht Popmusik. Er unterhält, macht seine Fans mit seinen lebensnahen Texten und seinen eingängigen Melodien glücklich. Zurzeit tourt der gebürtige Rheinländer mit seinem aktuellen Album „Boxer“ im Gepäck durch die Lande. Am 11.11. ist er in Osnabrück im Rosenhof zu Gast. Wir haben vorab schon mal mit Johannes gequatscht und ihn zu seinen Fans, seiner Lieblingsmusik und dem Tourleben befragt.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?

Das ist unterschiedlich. Vieles kommt so aus mir heraus, wenn mich gerade etwas bedrückt oder beeindruckt. Dann muss ich das einfach aufschreiben. Das ist meine Möglichkeit, das zu verarbeiten. Aber es kommt auch oft vor, dass ich einfach anderen Leuten zuhöre, was die so zu erzählen haben. Ganz egal ob das jetzt Freunde sind, Familie, Bekannte oder ganz Wildfremde, wenn man da genau hinhört, findet man dabei ganz viele Geschichten, in die man sich hineinversetzen kann. Und schon hat man wieder eine gute Idee.

Wie viel Persönlichkeit steckt in deinen Texten? Wie viel hast du davon selbst erlebt, wie viel eher andere?

Entweder habe ich die Geschichte wirklich eins zu eins so erlebt, oder aber ich weiß wirklich, wie es sich anfühlt, wenn man sich frisch trennt oder verliebt. Die meisten Songs hat man aber so erlebt und das sind so die Sachen, die einem selber passiert sind oder über die man nachdenkt.

Wenn du einen Song schreibst, wie musst du da gelaunt sein? Schreibst du eher wenn es dir gut geht oder wenn es dir schlecht geht?

Ich habe überhaupt kein System, muss ich sagen. Manchmal sitze ich abends rum und dann fällt mir eine Zeile ein. Das kann unter der Dusche sein oder im Bett. Dann muss man schnell aufstehen und das irgendwo aufschreiben, damit man das auch wirklich hat. Wenn mir was auf den Sack geht und ich traurig bin, kann ich auch direkt über die Geschichte schreiben. Ich habe jetzt gerade einen neuen Song angefangen. Das war so ein Tag, wo wirklich eine schlechte Nachricht nach der anderen kam. So fängt der Song auch an: „Schlechte Nachrichten kommen selten allein, es scheint als sprächen sie sich ab.“ Da war ich richtig genervt und konnte den Song richtig schön runter schreiben.

Welche Künstler haben dich in deinem Werdegang als Musiker beeinflusst?

Ich habe wie viele andere Jugendliche alles einmal durchgemacht. In der Schulzeit habe ich ganz viel HipHop gehört, auch deutschsprachigen HipHop, dann kam so ein bisschen Soulmusik. Die Klassiker, Stevie Wonder, Michael Jackson, Prince, Otis Redding. Dann kam so eine Phase, wo ich wieder deutschsprachige Künstler gehört habe, auch so Singer/Songwriter, die ganzen alten wie Grönemeyer und Lindenberg. Das hat mich sicherlich auch dazu inspiriert, selber auf Deutsch zu schreiben.

Was hörst du denn aktuell so?

Ich bin da gar nicht auf ein Genre festgelegt, das ist wirklich eine bunte Mischung. Am Ende des Tages ist es mir am wichtigsten, dass mich ein Song flasht oder auf irgendeine Art und Weise berührt. Dann schafft er es auch auf meinen iPod. Gerade ist da zum Beispiel Stevie Wonder, Udo Lindenberg, Jeff Buckley, Radiohead, Michael Jackson, Amos Lee, Paolo Nutini, The Script, Prince, Adele. Ganz viele unterschiedliche Sachen.

Du hast in den letzten Jahren schon so einige, eigene ausverkaufte Konzerte gespielt, warst aber auch als Support für ganz große Acts unterwegs. Was gefällt dir besser? Deine eigenen Fans zu „beglücken“ oder ein neues Publikum von einer riesigen Bühne aus mitzureißen?

Ich finde es natürlich geiler, eigene Konzerte zu spielen. Die Leute kommen wegen der eigenen Songs und singen die mit. Man wird für die ganze harte Arbeit belohnt. Als Support zu spielen ist dagegen immer eher eine Herausforderung. Du weißt vorher nicht, ob die Leute es geil finden oder ob du vielleicht eine Flasche Bier an den Kopf geschmissen kriegst. Deshalb gibst du dir dann extrem viel Mühe, denn du willst die Leute ja dazu bringen, später zu deinen eigenen Konzerten zu kommen. Bisher ist mir das eigentlich immer ganz gut gelungen.

Was ist an deinen eigenen Konzerten das Besondere?

Da ist für Jeden was dabei. Man kann da lachen, man kann da weinen, man kann sich in den Arm nehmen, man kann sich neu verlieben, man kann laut sein, man kann die Augen zu machen, die ganze Gefühlspalette ist an so einem Abend dabei. Dazu klingt jeder Song von unserer Platte live auch anders, weil wir vieles umarrangiert haben. Oft denken wir uns auch ein lustiges Medley aus. Da kommt dann schon mal plötzlich Billy Jean in einem Song vor, sowas eben. Ein Konzert muss sich meiner Meinung nach von der Platte abheben und ein ganz anderes Erlebnis sein, damit die Leute auch Bock haben, wieder zu kommen.

Worauf freust du dich bei dieser Tour am meisten?

Ich freue mich in erster Linie am meisten darauf, überhaupt endlich wieder auf Tour zu sein. Es gibt für mich nichts schlimmeres, als einen Monat lang in Hamburg zu Hause zu sitzen. Das war jetzt so. Ich hatte so viel Freizeit und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Insgeheim konnte ich es gar nicht abwarten, endlich wieder „auf Klassenfahrt“ zu sein. Du bist die ganze Zeit mit deinen Freunden unterwegs, machst das, was du liebst, nämlich Musik, schläfst abends im Hotel und musst morgens nicht dein Zimmer aufräumen. Besser geht’s nicht.

Die meisten Künstler haben einige eingefleischte Fans, die immer wieder auf Konzerte gehen und die ersten Reihen belagern. Ist das bei dir auch so?

Es gibt Fans der ersten Stunde, die das zu ihrem Hobby gemacht haben. Das finde ich total geil. Die fahren viele hundert Kilometer zu den Konzerten und sind quasi immer dabei. Die gucken sich so viele Konzerte an, dass sie eigentlich manche Moderationen fast schon mitsprechen können müssten. Aber das schöne ist ja, dass bei meinen Konzerten immer wieder etwas anderes und etwas Neues passiert, zumindest sagen sie das, und deshalb kommen sie immer wieder, weil eben jedes Konzert was Besonderes ist. Ich finde das toll. Da ich ja medial gesehen eigentlich gar nicht so bekannt bin, läuft bei mir vieles über Mund zu Mund-Propaganda und dazu braucht man natürlich viele treue Fans.

Wie ist das für dich, dann fast jeden Abend die gleichen Leute zu sehen?

Das sind alles nette Menschen und irgendwie gehören die schon mit zum Inventar. Man kennt sich mittlerweile. Ich freue mich dann immer darüber, dass da scheinbar so eine große Bindung zwischen der Musik und den Menschen besteht, dass sie diesen Aufwand auf sich nehmen. Wir haben aber auch keine Stalker, die dann rumnerven, sich im Tourbus verstecken oder sowas.

Das Musikvideo zu „1000 Menschen“ besteht aus ganz vielen Fan-Videos. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee hatten mein Mitbewohner, ein guter Freund und ich in einer lustigen Minute. Wir dachten uns, lass doch mal die Fans was drehen, dann haben wir weniger Arbeit (lacht). Nein, ich weiß, dass die Fans wahnsinnig aktiv und auch kreativ sind. Das hat wirklich gut funktioniert. Wir haben unter allen Teilnehmern Wohnzimmerkonzerte verlost und haben wirklich wahnsinnig viel geiles Zeug geschickt bekommen. Das lief jetzt sogar schon bei MTV.

Wie wichtig ist dir das, deine Fans in solche Aktionen einzubinden?

Ich habe das ehrlich gesagt noch gar nicht so oft gemacht. Bisher war ich immer eher faul, was solche Facebook-Aktionen anbelangt. Oder auch T-Shirts zu machen, das habe ich jetzt erst auf die Reihe bekommen. Aber man merkt jetzt auch, dass es den Leuten total Spaß macht und ihnen es viel bedeutet, bei solchen Aktionen wie dem Video mitzumachen. Von daher werden da in Zukunft sicher noch ein paar andere lustige Aktionen kommen.

Viele Medien stellen dir immer wieder Fragen zu deinem Privatleben, speziell zu deiner Beziehung zu Ina Müller. Wie geht’s dir damit? Wie findest du es, dass viele versuchen, Privates in die Öffentlichkeit zu zerren?

Eigentlich ist das recht entspannt. Es kommt ja immer darauf an, wie man darauf angesprochen wird oder ob es die einzige Sache ist, die denjenigen interessiert. In Deutschland gehört dieser Feenstaub auch einfach mit dazu, wenn man ein bisschen bekannt ist. Man hat es ja selber in der Hand, was man dazu sagt. Man kann sich dazu äußern und ewig lange Interview s in der Bildzeitung geben, oder man sagt einfach gar nichts. Letzteres ist dann eher meine Strategie.