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Interessanter Abend mit Nora Tschirner und ihrer Band PRAG im Rosenhof

Es gibt zwei Dinge, die mir bis vor einigen Tagen kaum bewusst waren: Nora Tschirner macht Musik und das in einer dreiköpfigen Band namens Prag. Eine Sache, die mir bis gestern Abend vollkommen unklar war: Nora Tschirner macht all das hochschwanger. Auf der Bühne. Am Donnerstagabend waren Prag mit ihrer „Premiere“-Tour im Rosenhof in Osnabrück zu Gast.

Ich habe mir die Musik von Prag vorher nicht angehört und möchte mich überraschen lassen. Und das machen Prag. Ein komplettes Orchester mit Streichern und Trompete, goldener Schlager-Glitzervorhang und zwei Typen in schrecklich-schönen Endsiebziger-Schlager-Gedächtnisanzügen, bei denen ich unweigerlich immer an die Kapelle von Heinz Strunk in „Fleisch ist mein Gemüse“ denken muss, bespielen den Saal. Auf der linken Seite steht Nora Tschirner. Auch wenn sie nur an der Seite steht, bleibt Tschirner doch irgendwie im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. In einem dunkelblauen Matrosenkleid und mit dickem Babybauch tanzt sie erstaunlich graziös und bearbeitet nebenbei auch noch furios Glockenspiele, Baritongitarre und das Mikrofon. Letzteres vor allen Dingen zwischen den Songs.

Was Prag da auf der Bühne zum Besten geben, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Einerseits hört man ganz klar: Wir sind eine Indie-Rockband, andererseits überwiegen auch schon mal deutliche 50er/60er/70er-Schlager-Einflüsse im zart-rosa Chanson-Gewand. Wie passend ist es da doch, dass Nora Tschirner im altehrwürdigen Kinosaal gerne einen Tanztee veranstalten würde. Alles wirkt ein wenig wie ein großes, in Musik verpacktes, leicht plüschiges Theaterstück in sehr vielen kurzen Akten – zumindest wenn man den Texten einmal etwas näher lauscht. Manchmal könnte man fast meinen, das sei Kunst. Manchmal auch eher Olli Schulz (im positiven Sinne).

Knappe eineinhalb Stunden lang spielen sich Prag vor einem kleine Publikum durch die Songs ihres Debüt-Albums „Premiere“. Dabei wechseln sich wilde Tanzrocknummern mit getragenen Art-Pop-Passagen und typisch sympathischem Tschirner-Klamauk ab. Cowboyhüte, Pferdespiele, Tanztee. Dem Publikum gefällt es, wohl nicht nur weil es immer wieder aktiv in das Konzertgeschehen eingebunden wird. Da passiert es schon mal, dass Sänger Erik plötzlich von der Bühne klettert und mit den Zuschauern tanzt oder Nora Tschirner ein paar besonders fleißig mitsingende Fans einfach auf die Bühne holt.

Ein interessanter Abend in einer schräg entrückten musikalischen Realität, mit dem wahrscheinlich nicht jeder gemeine Konzertgänger etwas anfangen konnte. „Bitte mehr Tschirner und weniger Musik“, haben sich anscheinend einige wohl gedacht. Nichtsdestotrotz, ich habe mich in dieser merkwürdigen Chanson-Indie-Klangwelt recht gut unterhalten gefühlt.