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Interview: Glänzende Zeiten für Frida Gold

Es ist noch nicht mal ein ganzes Jahr her, als in Deutschland kaum jemand etwas mit dem Namen Frida Gold anfangen konnte. Als Support für Revolverheld tingelte die Band aus dem Ruhrgebiet mit der hübschen Frontfrau Alina Süggeler im Winter 2010 durch die Republik und gab einige Kostproben aus ihrem für 2011 angekündigten Debüt „Juwel“ zum Besten. „Pop all the way“ betitelte die Band einst ihre musikalische Mischung aus poppigen Texten und elektronischen Indie-Elementen.
Inzwischen hat sich Frida Gold Dank intensiver Marketingbemühungen einer großen Plattenfirma zu einem der deutschen Pop-Phänomene des Jahres gemausert, ihre Songs „Zeig mir wie du tanzt“, „Wovon sollen wir träumen“ und „Unsere Liebe ist aus Gold“ sind aus dem Radio kaum noch wegzudenken und bohren sich dank eingängiger Hooks hartnäckig direkt ins Ohrwurmzentrum. Eine Support-Tour mit Kylie Minogue, eine erste eigene, ausverkaufte Headliner-Tour, zahlreiche Auftritte bei Großereignissen wie dem Eurovision Songcontest und dem Bundesvision Songcontest sowie eine massive mediale Präsenz lassen kaum einen Zweifel: Der Frida-Gold-Hype geht um.
Doch wie empfindet die Band selbst diese plötzliche, riesige Aufmerksamkeit, die ihr da zuteilwird? Im Interview stand Bassist Andreas Weizel alias „Andi“ unserem Magazin Rede und Antwort: „Der Hype wird mir immer erst dann bewusst, wenn man aufgezählt bekommt, was in den letzten Monaten alles passiert ist. Wir empfinden das aber alles eher als einen Prozess. Wir sind ja nicht erst vor einem Jahr aus dem Boden gestampft worden, sondern haben schon die letzten drei Jahre an unserem Album gearbeitet. Die Aufmerksamkeit und die Reaktionen, die wir gerade von den Fans bekommen, haben wir uns natürlich immer gewünscht. Das erleben wir selbst aber eigentlich nur, wenn wir auf der Bühne stehen. Ansonsten sind wir immer schon dabei, die nächsten Schritte zu planen und zu entwickeln. Wir wollen den Leuten schließlich auch etwas bieten.“ 
Wohlgeplante Schritte, persönliche Weiterentwicklung. Die Band Frida Gold folgtihrem Plan, lebt ihren Traum. Ihr Ehrgeiz treibt sie an. „Wir sind als Band sehr ehrgeizig und wollen als Band noch ganz viel erreichen“, erzählt Andi. „Man braucht einen starken Willen, um das alles wirklich durchziehen und diesen Lebensstil mit allen Konsequenzen leben zu können. Ständig unterwegs zu sein, immer aus dem Koffer zu leben und die freien Tage an einer Hand abzählen zu können, sind auf der einen Seite dabei natürlich die schwierigen Aufgaben. Aber gerade bekommen wir sehr viel positive Energie zurück und diese Energie-Symbiose treibt uns weiter voran.“
Die allgegenwärtige Medienpräsenz ist für die Band eine Aufgabe, in die sie erst hineinwachsen musste. Trotz des Hypes können die Bandmitglieder noch ungestört auf die Straße gehen. Sie sind ihrer Heimat, dem Ruhrgebiet, treu geblieben und verbringen nach eigenen Angaben jede freie Minute mit ihren Familien und alten Freunden. Vermutlich hilft ihnen gerade der Kontakt zur „normalen“ Welt auf dem Boden zu bleiben. Auf die Frage, was es für ein Gefühl ist, nach so kurzer Zeit schon dieses Jahr bei den MTV Europe Music Awards als „Best German Act“ nominiert zu sein, antwortet Andi schon fast verlegen. „Das ist einfach toll. Wir fühlen uns unglaublich geehrt, zwischen so großen Namen aufgezählt zu werden.“ Mit Frida Gold gehen unter anderem die Beatsteaks, Clueso, Culcha Candela und Lena ins Rennen. „Wir sind da schon ein bisschen sprachlos“, so Andi weiter.
Dabei bedeuten der Band Nominierungen und Awards im Vergleich zu einer normalen Liveshow eher wenig. „Mit Awards kann man sich zwar schmücken, und in gewisser Weise sind sie auch eine Bestätigung für das, was man macht. Es ist aber kein direkter Austausch, es ist keine Emotion, die man zurück bekommt. Auf Tour ist das ganz anders. Uns ist es im Verhältnis viel wichtiger, jeden Abend mit Fans und Freunden zu feiern, Emotionen zu geben und genauso Emotionen zurück zu bekommen.“ Trotz großem Ehrgeiz verfolgt die Band bei dem MTV EMAs das Motto „Dabeisein ist alles.“ Chancen, wirklich zu gewinnen, rechnet man sich nicht aus.
Dank vollgepacktem Tourplan ist bisher auch noch gar nicht klar, ob die vier Hattinger am 6. November überhaupt bei der Award Show in Belfast live dabei sein werden. Der zweite Teil ihrer „Juwel“ Tour 2011 treibt sie von Mitte Oktober bis Anfang Dezember kreuz und quer durch Deutschland. Dabei soll jede freie Minute genutzt werden, um kreativ zu sein und an neuen Songideen für ein zweites Album zu arbeiten, verrät Andi.
Am Montag, den 24. Oktober haben sie ein Gastspiel im Rosenhof in Osnabrück. Die Erwartungen der Zuschauer sind hoch, die Band freut sich auf ihre Tournee, der Bassist besonders auf den geregelten Tagesablauf. „Wir fahren jetzt zum ersten Mal mit einem großen Nightliner“, schwärmt Andi. „Das Schöne an so einer Tour ist, dass man nach der ersten Woche schon fast so etwas wie einen geregelten Tagesablauf hat. Man fährt nachts, wacht auf, frühstückt, macht Soundcheck, gibt Interviews und abends spielt man das Konzert. Das fordert dann zwar etwa 90 Prozent der Kraft des Tages, aber insgesamt sind die Tage viel strukturierter als sonst.“ In Anbetracht der kommenden Konzerte mit verbesserter Liveshow und der gemeinsamen Zeit nehmen sie die mangelnde Privatsphäre im Tourbus gerne in Kauf: „Die nächsten Wochen werden für uns eine Zeit der Nähe. Wir sind endlich wieder alle zusammen. Das wird sehr schön.“
Die Musikwelt hat viele Stars und Sternchen aufund untergehen sehen. Für viele gehypte Bands ging es genauso schnell wieder abwärts, wie sie einst in den Pop-Olymp geschossen wurden. Angst vor einem medialen Absturz hat die Band aber nicht. „Medial gesehen kann man natürlich wahnsinnig schnell wieder verschwinden. Wir sind als Band und einzeln in unseren Persönlichkeiten aber so sehr gefestigt, dass wir in der Konsequenz auch weiter Musik machen würden, auch mit der gleichen Beständigkeit. Was uns ausmacht, ist ja nicht, dass wir in den Medien präsent sind, sondern dass wir die Möglichkeit haben, mit unserer Musik Menschen zu berühren. Das hat für uns mehr Bestand als die Nachrichten.“ Entsprechend verfolgt die Band für die Zukunft ein recht bodenständiges Ziel: „Wir wollen uns selbst treu bleiben und gleichzeitig unsere Musik weiter entwickeln. Wir haben uns immer gewünscht, Menschen mit unserer Musik zu berühren. Daran arbeiten wir weiterhin mit all unserer Kraft.“ 
Foto: Robert Wunsch

Maxim im Interview – „Zahlen und ich sind Feinde“

Melancholische Musik, Nachdenklichkeit, Zukunftsangst. Diese Themen bestimmen Maxims neues Album „Asphalt“, das am Freitag frisch in die Regale kommt. Der Singer/Songwriter hat sich nicht immer der emotionalen, akustischen Gitarrenmusik verschrieben – früher hat der sympathische Musiker aus Bonn bereits zwei Reggae-Platten rausgebracht. Passend zum Release seines neuen Albums habe ich ihm ein bisschen auf den Zahn gefühlt um herauszufinden, was für eine Person Maxim ist, was ihn inspiriert und was er macht, wenn er mal gerade keine Klampfe in der Hand hat.

Wenn dich jemand auf der Straße trifft und du ihm erzählst, dass du Musik machst – wie würdest du so einer zufälligen Begegnung deine Musik beschreiben?

Das ist Gitarrenmusik mit geilen Texten. Nein, Spaß. Es ist einfach Musik mit Fokus auf Gesang, auf Texte und Gitarre. Das Problem ist, dass man es nicht so richtig einordnen kann. Für Musik, die da irgendwo zwischen Pop und Singer/Songwriter wandelt, gibt es ja keine richtige Schublade, die da einen richtigen Sinn ergibt. Nicht so wie bei Heavy Metal. Wenn man Heavy Metal sagt, weiß ja jeder, was gemeint ist. Bei meiner Musik ist das schwierig zu beschreiben. Sie ist auf jeden Fall noch melancholisch.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Musik?

Ich kann jetzt nicht genau sagen, welche Künstler mich zu welchem Song inspiriert haben, aber ich glaube schon, dass es im Prinzip ein Gedächtnis für Harmonien gibt, oder für Stimmungen, an die man sich dann irgendwann wieder erinnert und die dann mit in die Musik einfließen. Wenn man einen Song oft hört, den geil findet, und der einen prägt, versucht man ja nicht direkt danach, den eins zu eins oder ähnlich noch mal so zu machen. Das würde man nie tun, man will sich ja unterscheiden. Aber wenn man das dann verarbeitet hat und Zeit vergangen ist, glaube ich schon, dass das mit in die eigene Musik einfließt. Dann erinnert man sich vielleicht auch gar nicht mehr daran, dass das in Wirklichkeit genau die fünf Akkorde von dem einen Lied sind, dass man vor Jahren irgendwann mal geil fand.

Hast du irgendwelche Künstler, die dich beeinflusst haben?

Ja klar. Bob Marley, Dylan, vieles von meinem Vater. Ich glaube, dass die musikalische Erziehung, die man unbewusst durch seine Eltern bekommt, dass diese Musik einen krass prägt. Bei meinem Vater war das auch viel Singer/Songwriter Kram wie Bob Dylan, Hannes Vader, deutsche Liedermacher oder sogar die Dire Straits. Im Nachhinein ist das teilweise zwar gar nicht immer so geil, aber ich glaube trotzdem, dass das einen beeinflusst. Aktuell finde ich „The Tallest Man On Earth“ extrem geil. Das ist auch ein Typ nur mit Gitarre, extrem geiler Künstler. Aber ich höre auch nach wie vorne gerne Nas und Damian Marley. Also eine ganz bunte Mischung quer durch‘s Beet.

Wie entsteht bei dir ein Song? Erst der Text oder erst die Musik?

Beides gleichzeitig. Ich sitze da, habe die Gitarre in der Hand und spiele rum. Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben. Mir fallen dabei Wörter ein, die ganz geil sind und die es wert sind, weiter zu schreiben. Dann schreibe ich auch weiter, aber es kann dann auch sein, dass ich die Akkorde noch mal verändern muss oder anders herum. Auf jeden Fall sitze ich immer mit meiner Gitarre da und irgendwann gibt es nen Song, den ich dann mit dem Text und der Melodie so jemandem vorsingen könnte. Das mache ich dann auch. Wenn ich dann mal irgendwo nur mit Gitarre spiele, probiere ich vor den Leuten auch gerne mal ganz neue Songs aus um zu sehen, wie das so klappt.

Gibt‘s dann auch Songs, die du nach so einem Vorspiel noch mal umschreibst, wenn das Publikum nicht so darauf reagiert wie erhofft?

Ja, oder anders. Das kann schon passieren. Jetzt nicht direkt beim ersten Mal. Da ist das oft noch schwer zu beurteilen, weil das ja keine Musik zum Abfeiern ist. Die Leute brauchen auch nicht laut zu klatschen. Ich fordere die Leute auch nicht auf „jetzt seid mal laut“ oder so‘n Kram, das würde ja auch gar nicht zu der Musik passen. Manchmal ist das ein bisschen schwer zu durchschauen, was finden sie geil, was finden sie nicht geil. Da muss man dann schon erkennen ob die Augen leuchten oder nicht. Wenn einem dann die großen Scheinwerfer ins Gesicht ballern, ist das natürlich nicht so einfach, aber man spürt natürlich was gut ankommt und was nicht. Wenn ich das ein paar mal gemacht habe, merke ich einfach ob sich das richtig oder falsch angefühlt hat. Je nach dem würde ich den Song dann so beibehalten oder wieder verwerfen und noch mal neu versuchen.

Was machst du, wenn du keine Musik machst?

Musik (lacht). Nein, was mache ich denn? Langweilige Sachen, die jeder sonst auch macht. Am Rhein ein bisschen Joggen gehen, durch die Stadt latschen, auf der Brücke ein Bierchen trinken oder, was mache ich denn noch gerne, wenn ich keine Musik mache? Ich mache ziemlich viel Musik, das ist gar keine leichte Frage. Man muss sich ja auch immer noch um so viel Mist kümmern, wie Emails checken, die Steuererklärung und so Zeug. Natürlich auch noch Freunde treffen, Familie treffen und was jeder sonst auch so macht.

Hast du dein ganzes Leben lang schon Musik gemacht, oder hast du beruflich auch schon mal andere Versuche gestartet?

Nicht wirklich. Ich habe schon mal so Studierversuche gestartet, die dann auch immer nach dem ersten Semester wieder direkt gescheitert sind. Ich war eigentlich ganz gut in der Schule. Es ist also nicht so, dass ich es nicht könnte, aber es interessiert mich einfach extrem wenig. Studium ist so eine Situation, mit der ich einfach nicht klarkomme. Da ist jemand, der dir sagt, jetzt muss du das und das lernen. Das fand ich in der Schule immer schon schlimm, da habe ich mich da aber irgendwie durchgebissen, weil es auch gar nicht anders geht. Schule muss man ja nunmal machen. Aber nach dem Abi hatte ich ganz krass das Gefühl „so was will ich nie wieder haben“. Ich will nur noch Sachen machen, die mir konkret was bringen. Ich habe auch nicht Musik studiert, ich habe mich einfach hingesetzt und versucht besser zu werden, in dem was ich mache. Learning by Doing halt. Insofern kann ich wirklich nicht behaupten, dass ich ernsthaft schon mal andere Sachen versucht hätte.

Wenn‘s so klappt, ist doch super. Studieren kann man ja immer noch, wenn man dann irgendwann wirklich Lust dazu hat. Das läuft einem ja nicht weg.

Ich hoffe es. Ich habe schon ein bisschen Angst davor, wenn dann so eine riesige Lücke dazwischen entsteht, zwischen den Dingen, die man lernen muss aber gar nicht lernen will, und dann muss man doch noch mal dahin zurück. Da habe ich echt Panik vor, wieder zurück in den Hörsaal zu gehen. Oder zu rechnen, das ist das allerschlimmste. Wenn man die ganze Zeit mit Sprache und Musik auseinandersetzt, dann gehen Zahlen einfach nicht mehr. Zahlen und ich sind einfach Feinde. Je mehr man sich mit Sprache und Texten beschäftigt, desto mehr löscht man seine Beziehung und sein Verständnis für Zahlen, habe ich das Gefühl. 

 

Du bringst am 23.09. dein neues Album „Asphalt“ an den Start. Insgesamt ist das bereits dein dritter Longplayer. Was ist im Vergleich zu deinen letzten Alben anders?

Vieles ist anders. Es ist gibt darauf keinen Reggae mehr, außerdem gibt es einen klaren Focus auf Gitarre und Texte. Dazu ist wesentlich weniger fröhlich. Meine Stimme hat sich auch verändert, aber das ist normal. Über die Jahre verändert sich eine Stimme eben.

Insgesamt ist „Asphalt“ mit allen Singles und EPs schon dein zwölfter Release. Du wirst aber immer noch als „Newcomer“ betitelt, zum Beispiel von N-JOY als „Newcomer des Monats“. Was ist das für ein Gefühl, nach so langer Zeit immer noch so gesehen zu werden?

Tja, keine Ahnung. Ich denke da nicht wirklich drüber nach, kann das aber auch verstehen. Bei mir ist es eben nicht so, dass ich der „Star“ bin, noch nicht (lacht). Insofern ist doch klar, die N-JOY-Hörer kennen mich nicht, weil die dort meine Musik nicht gespielt haben, deshalb bin ich für die der Newcomer. Das ist vollkommen ok. Ich war zwar auch schon mit meinem ersten Album „Newcomer des Jahres“ in der Riddim, der Reggae Zeitschrift. Das ist auch schon 1000 Jahre her, aber ich versuche mir einzureden, dass das nichts mit der Qualität meiner Musik zu tun hat.

Gibt‘s auf dem Album einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?

Nein, kann ich gar nicht sagen. Es sind einige Songs und immer eher einzelne Zeilen, die mir am Herzen liegen. Ich kann mich auf keinen Fall selbst zitieren, das ist ekelhaft. Aber dass ich sage, der Song spiegelt mich perfekt wieder und die anderen stehen da drunter, kann ich überhaupt nicht sagen. Ich glaube, es ist einfach ein gutes Album.

Abhängig von der Tagesform, welchen Song würdest du heute als Anspieltipp rausgeben?

Heute wäre das „Meine Worte“. Da haben wir gerade auch ein Video zu gedreht, das hat mega Spaß gemacht. Deshalb habe ich mega Bock auf den Song und würde den zeigen.

Was bedeutet der Titel „Asphalt“ für dich?

Eigentlich hängt das an dem Song. Man bewegt sich in der Stadt, mit all den Möglichkeiten, die man da eigentlich hat, aber man findet trotzdem nicht richtig Halt. Es gibt so eine Zerrissenheit, die unsere Generation auch ein bisschen spiegelt. Man möchte nicht so ein Spießerleben führen, alles durchgeplant und festgefahren ist, und irgendwann gibt‘s Hochzeit und Kinder, aber man möchte auch nicht komplett nur die Stadt und die Nächte fliegen. Man sucht irgendwo Halt. Man ist immer so ein bisschen hin und her gerissen zwischen den Zukunftsängsten. Man will frei sein, aber auch nicht einsam sein. Also immer so Sachen, die niemals klappen werden. Es ist ja immer so, dass nie etwas perfekt ist und dass man nie das bekommt, was man eigentlich will. Um diese ganzen Sachen dreht sich dieser Song und er spiegelt ganz gut meine allgemeine Situation und die vieler Leute in meinem Alter wieder. Deswegen habe ich diesen Titel gewählt. Außerdem kam dann auch noch dazu, dass ich in der Endphase des Albums einen extremen Asphalt-Koller hatte. Man ist ja ständig davon umgeben und ich hatte das ganz krasse Bedürfnis da raus zu kommen, aber das ging leider nicht. Ich musste weiter in den Keller und Musik machen, ich konnte nicht einfach in den Wald ziehen oder an den Strand gehen. Im Endeffekt geht es einfach um Zerrissenheit und das mangelnde Talent, glücklich zu sein.

Bist du denn aus deinem Asphalt-Koller wieder raus gekommen?

Ja, wir haben das Video dazu komplett in der Natur gedreht. Einen Tag oben in Kiel, noch ein bisschen weiter nördlich, direkt am Meer. Ein Tag kann alles schon wieder besser machen. Dann ist auch noch die Sonne rausgekommen. Ein riesiger menschenleerer Strand, wunderschön.

Erzähl uns doch bitte noch etwas zu ein paar Songs: „Schüsse in die Luft“.

Um ganz ehrlich zu sein, geht es bei „Schüsse in die Luft“ und „Alles versucht“ weniger um mich und eher um familiäres Geschehen. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, das auch sehr spät. Irgendwann war das alles passiert und man hat das alles verarbeitet, dann findet das Ganze seinen Weg in den Song. Wenn man dann die Eltern wieder sieht, die so lange zusammen waren, und dann ist plötzlich alles vorbei, fühlt sich das an wie Schüsse in die Luft. Man hat halt viel investiert, und am Ende ist es eigentlich nichts geworden. Genauso bei „Alles versucht“. Die beiden Songs sind thematisch sehr ähnlich. 

„Gefährliche Zeiten“ – Worum geht‘s?

„Gefährliche Zeiten“ ist ein Song über Big Brother. Man kann immer alles darauf schieben, dass ja alles so gefährlich ist, und deswegen muss hier noch eine Kamera aufgestellt und hier das Internet überwacht werden. Da ist so der prägnante Satz, man ist in einem Glashaus, doch die Scheiben sind verspiegelt. Die können dich sehen, du kannst sie nicht sehen. Das ist so ein paranoides Gefühl und darum geht es in dem Lied.

Du gehst im Oktober auf Tour. Was ist das besondere an deinen Livegigs?

Ich tue mich immer schwer damit zu sagen, bei mir ist irgendwas besonders. Im Endeffekt mache ich mit zwei Leuten einfach Musik, wir sind ein Trio, wie jedes andere auch. Ich mache halt Mucke auf der Bühne, fertig aus. Für mich ist das was besonderes, weil ich mich dabei ausleben kann. Das ist viel intensiver als im Studio. Man schafft das nie, die gleiche Stimmung, die krasse Energie und das Gefühl, das man live hat, im Studio nachzubauen. Ich hoffe einfach, dass es auch für das Publikum einige Momente gibt, die für den Zuschauer besonders sind. Aber das könnten die Leute dann auch nicht beschreiben.

Was ist dein Lieblingsmoment bei Konzerten?

Meistens gibt es so nach zwei Songs einen Moment, in dem es richtig geil wird. Da pendelt sich das Adrenalin dann wieder auf ein normales Level ein. Der erste Moment ist nämlich immer ganz besonders aufgeladen und energetisch. Der Moment ist auch extrem cool. Man will ja unbedingt raus und muss dann so lange warten, bis man endlich auf die Bühne darf. Wenn man dann draußen auf der Bühne ist, ist das auch sehr erleichternd. Natürlich ist auch immer ein toller Moment, wenn man den Song spielt, den man aktuell am schönsten findet.

Gibt‘s ein Konzert, an das du dich immer wieder erinnerst?

So spontan fällt mir das Chiemsee Reggae Summer ein, vor zwei oder drei Jahren. Das war super geil. Wir hatten eine gute Zeit, klatschnass geschwitzt von oben bis unten. Das war auf jeden Fall ein super geiles Konzert. Ich erinnere mich aber auch Akustikkonzerte ein, wo ich ganz alleine war und mir die Leute zwei Stunden lang an den Lippen geklebt haben. Das ist schon was besonderes für einen Künstler. Im Endeffekt schreibe ich das, was mich interessiert und nicht das, was dem Publikum gefallen könnte. Wenn du das dann singst, und die Leute es auch interessiert, ist das natürlich ein Segen.

Spielen wir ein bisschen „Dein/e letzte/r…“. Was war das letzte Album, dass du dir gekauft hast?
Ich weiß gar nicht genau wie es heißt, weil ich es gerade erst heruntergeladen habe. Es ist aber auf jeden Fall von Warpaint. Gleichzeitig habe ich mir aber noch „Viva la Vida“ von Coldplay geholt.

Dein letzter Film?

Das ist schon ein Weilchen her, da muss ich kurz nachdenken. „True Grit“ müsste das gewesen sein.

Dein letztes Konzert, dass du dir privat angesehen hast?


Das war The Tallest Man on Earth.

Fotos: Thomas Schermer

Feels Like Home #4 in Bremen: Von Spinnern und begeisterten Musikern

„Es ist unglaublich, wie leise und aufmerksam ihr alle seid,“ stellen sowohl Van Risseghem als auch Ben Rector fest, während sie im Rahmen von Feels Like Home #4 in der Schwankhalle in Bremen mit viel Gefühl jeweils ihre selbstgeschriebenen Songs präsentieren. Und wirklich, man hätte an diesem Abend eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt lauschte das Publikum den Musikern, die die Initiatoren Dannie Quilitzsch und Johannes Strate zum ersten Mal nach auf deutsche Bühnen geholt hatten.

Bereits zum vierten Mal fand in der vergangenen Woche die Benefiz-Veranstaltung statt. Dabei ging die Feels Like Home Taube zum ersten Mal auf Tour und begeisterte in Hamburg, Berlin, Bremen und Lüneburg ihre Besucher. Mit Van Risseghem und Ben Rector standen wieder einmal zwei taufrische amerikanische Singer/Songwriter auf der Bühne. Beide entführten die Bremer Zuschauer in ihre eigenen musikalischen Gefühlswelten.

Als deutsche Vertretung gab sich Jacob Brass aus München die Ehre, der sich bereits im Vorprogramm von Tina Dico einen Namen machen konnte. Als Überraschungsgast nahm der New Yorker Musiker Ari Hest für vier Songs seine Klampfe in die Hand. Ihn hatten Quilitzsch und Strate bereits für Feels Like Home #2 im letzten Jahr nach Deutschland geholt und Vertigo Records hatte den jungen Mann daraufhin unter Vertrag genommen. Da seine Deutschlandtour kurz bevor steht, kehrte er spontan in sein Feels Like Home-Zuhause zurück und gab auf allen vier Veranstaltungen einen kleinen Vorgeschmack auf sein Solo-Programm.

 Für Lachkrämpfe sorgte Nachwuchsautor Benedict Wells, der aus seinem zweiten Roman „Spinner“ vorlas. „Der Junge ist extra mit dem Zug aus Barcelona hier her gefahren und war über 24 Stunden unterwegs. Nur weil er Flugangst hat,“ verriet Strate bei der Ansage des Schreiberlings. Der sympathische Bayer wickelte das Publikum mit seiner natürlichen Art und humorvollen Schreibe binnen Sekunden um den Finger.

Insgesamt bestach der gesamte Abend durch seine besondere Atmosphäre aus neuer Musik, frischer Literatur und unterstützungswerter Charity. Alle Einnahmen von Feels Like Home #4 fließen dem gemeinnützigen Verein Lukulele zu, der unter dem Motto „Lust an Kunst und Lust am Leben“ Kindern und Jugendlichen unter anderem Kurse in Stimmtraining, Songwriting, HipHop und Breakdance ermöglicht.

LO PARKER aus Bersenbrück live bei Rock am Ring!

Sie sind heißbegehrt, die Slots für einen Auftritt bei Rock am Ring. Die ganz besondere  Ehre, beim 25-jährigen Jubiläum des größten Festivals in Deutschland aufzutreten, hat jetzt die junge Rockband LO PARKER aus Bersenbrück – Beim Finale des Rock am Ring Band Contest 2010 in der ausverkauften Zeche Karl in Essen hat sie sich mit ihrem spanischen Rock in die Herzen der Fans gespielt und sich im Publikumsvoting in einer denkbar knappen Entscheidung gegen die vier anderen Final-Bands durchgesetzt. 
Die vier Jungs Daniel Liening-Ewert (Gesang/Gitarre), Florian Gahm (Gitarre), Christian Reinke (Bass) und Johannes Fels (Drums) dürfen nun diesen Samstag um 16:15 Uhr auf der Clubstage ordentlich Alarm machen. Ein absoluter Ritterschlag für die Band, schließlich treten bei dem Festival dieses Jahr internationale Bands wie Muse, Rammstein, Kiss und Rage Against the Machine auf.
Seit gestern sind LO PARKER „on the road“ Richtung Süddeutschland, wo ihnen jetzt wie den alten Hasen bei Rock am Ring unter anderem TV-Termine bevorstehen. Heute Abend sind sie um 22:15 Uhr auf dem digitalen Sender ARD EinsPlus in der Sendung in.puncto zu Gast. Hier werden sie Moderatorin Nicole Köster erzählen wie es sich anfühlt, vor dem größten Auftritt ihres Lebens zu stehen. Natürlich darf hier eine Live-Kostprobe ihrer musikalischen Qualitäten nicht fehlen!
Wie es den Jungs in diesen Tagen bei all diesem Trubel ergeht, könnt Ihr in ihrem Blog nachlesen: www.LoParker.de 
Auf einen Blick
LO PARKER im TV:
01.06.2010 – EinsPlus, in.puncto – 22:15 Uhr
LO PARKER bei Rock am Ring:
05.06.2010 – Clubstage – 16:15 Uhr
Noch mehr Infos auf www.myspace.com/loparkerband

Monday Madness: Baby, Du siehst gut aus!

Fast hätte ich es vor lauter Freude über meinen Semesterferienanfang beinahe schon wieder vergessen. Monday Madness – Das Video der Woche.

Heute ist die Wahl auf Bakkushan mit ihrer ersten Single „Baby, du siehst gut aus!“ gefallen. Die vier Jungs aus Mannheim machen erfrischend locker fetzige Rockmucke mit tollen deutschen Texten, bei der man alles machen kann außer stillstehen und sich langweilen. Ihr Debütalbum erscheint am 11. September. Für ihr Video haben sie das Hurricane Festival mit ihren Stickern überfallen und damit so einiges an Aufmerksamkeit erregt. MTV wollte es prompt haben – ein Grund mehr es Euch hier zu zeigen.
Mehr Infos und Musik gibt’s auf www.myspace.com/bakkushan oder www.baby-du-siehst-gut-aus.de