Schlagwort-Archive: Musik

Freiheit, Freiheit, Wirklichkeit. – Ein Film über das Leben mit Musik

Wie sieht eigentlich die Wirklichkeit von Berufsmusikern in der unabhängigen Musikszene in Deutschland aus? Fernab von der Kontrolle der großen Labels, bunten Presseterminen und glitzernder Rock’n’Roll-Illusion? Der Dokumentarfilm Freiheit, Freiheit, Wirklichkeit. nimmt Euch mit in die Realität einiger Künstler und zeigt stark, wie schwer es ist, von der Musik zu leben. Aber auch, dass es nicht ohne geht.
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5 Mal Vorfreude aufs Hurricane Festival 2016

Als ich am Donnerstagmorgen aufgewacht bin, sah das in etwas so aus: Gähnen, Strecken, einige Sekunden desorientiert an die Wand starren… und plötzlich senkrecht im Bett sitzen. Heute in einer Woche geht es los zum Hurricane Festival! Guten Morgen Hurricane Festival 2016!!! Happy 20th Birthday! Ich habe Euch da mal eine kleine Liste gebastelt, was bei mir für die größte Vorfreude sorgt. 5 Mal Vorfreude aufs Hurricane Festival 2016 weiterlesen

BILLY. Tokio Hotel-Sänger Bill Kaulitz als Gesamtkunstwerk

Bill Kaulitz von Tokio Hotel macht jetzt solo. Unter dem Künstlernamen BILLY versucht sich Herr Frontmann nicht nur als Musiker, sondern gleich als Multimedia-Hybrid-Gesamtkunstwerk. Weg vom Image des Teenie-Schwarms, hin zum nachdenklichen, von Liebeskummer geplagten Künstler und Fashion Icon.  Und wenn mir mal jemand vor einigen Jahren erzählt hätte, dass mich das mal interessieren würde, hätte ich ihm wohl einen Vogel gezeigt. Doch nun bin ich hier, bei der Vernissage von Billy in der Seven Star Gallery in Berlin. Offiziell eingeladen.
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Milliarden Energie in der Kleinen Freiheit – Konzertbericht

Es ist 6 Uhr morgens. Ich sitze gerade im Zug nach Berlin, während ich diesen Text schreibe. Und das passt auch irgendwie, schließlich kommen Milliarden aus Berlin. Am Samstag waren die beiden Herren Ben und Johannes mit ihrer Band und ihrer Blaue Augen Tour in der Kleinen Freiheit in Osnabrück am Start. Jetzt habe ich wieder eine Band, die ich Euch live wärmstens empfehlen kann. Milliarden Energie in der Kleinen Freiheit – Konzertbericht weiterlesen

16 Musiktipps für die Maiwoche 2016

Wenn das Wetter draußen meint, Dezember spielen zu müssen, muss ich mir wohl ein wenig warme Gedanken machen. Ob man es glaubt oder nicht, die Maiwoche Osnabrück fängt in gerade einmal zwei Wochen an. Vom 13. bis 22. Mai geht’s rund in der Stadt. Dieses Jahr ist vieles anders. Neue Bühnen, ein anders gestaltetes Angebot. Ich habe mich für Euch jetzt schon mal durch das Musikprogramm gewühlt, damit Ihr nicht versehentlich von einem Helene Fischer-Double gequält werdet.  16 Musiktipps für die Maiwoche 2016 weiterlesen

Popsalon 6 – Der Freitag mit Gloria, Motorama & TÜSN

Da ist er vorbei, der zweite Abend des 6. Popsalon in Osnabrück. Ich sitze hier mit präseniler Bettflucht um 7 Uhr morgens auf der Couch, ein hartnäckiger Ohrwurm von TÜSN sitzt neben mir, dazu läuft die frisch erstandene Kassette von Motorama und irgendwo schwirren auch noch die Geister von Gloria und Klaas Heufer-Umlauf durch meinen Kopf. Hallelujah, was für ein Abend! Popsalon 6 – Der Freitag mit Gloria, Motorama & TÜSN weiterlesen

Popsalon 6 – Der Donnerstag mit Beats und Schabernack

Endlich wieder Popsalon! Nach einem Jahr Pause ist gestern die Ausgabe Popsalon 6 des Osnabrücker Clubfestivals gestartet. The Lytics, OK KID und Schnipo Schranke haben mir gestern einen super Abend und einen tollen Start in die Festivalsaison beschert. Popsalon 6 – Der Donnerstag mit Beats und Schabernack weiterlesen

Bon Iver – Wohltuend wie Ahorn-Syrup

Es gibt Bands und Künstler, die ich im ersten Moment nicht mag, weil sie in meinem Umfeld scheinbar jeder gerade toll findet. Wahrscheinlich fühlt sich in dem Moment mein Ego angekratzt, weil ich sie mal ausnahmsweise nicht zuerst gehört oder irgendwo entdeckt habe. Hierzu gehört auch Bon Iver. Bon Iver – Wohltuend wie Ahorn-Syrup weiterlesen

Sepalot im Interview – Den Wolken hinterher jagen

Sepalot alias Sebastian Weiss hat ein Herz für den Topf. Bei der HipHop-Band Blumentopf ist er seit Jahren als DJ für ordentliche Beats und besten Sound verantwortlich. Wenn Sepalot nicht gerade mit dem Topf auf der Bühne steht, produziert er künstlerisch wertvolle Solotracks und jagt mit den dabei geborenen Klängen den Wolken hinterher – ganz frisch auf seinem neuen Album Chasing Clouds, das diesen Freitag in die Läden kommt. Der sympathischen Bayer hat mit mir ein bisschen über die neue Platte gequatscht und verraten, wie er solche Tracks eigentlich produziert.

Du bringst am Freitag dein neues Album Chasing Clouds auf den Markt. Jagst du auch den Wolken hinterher oder was bedeutet der Titel für dich?

Der Titel bedeutet wörtlich natürlich das, was du gesagt hast. Den Wolken hinterher jagen. Gleichzeitig hat er aber auch so etwas fantastisches, etwas nicht greifbares, auch so ein bisschen was verträumtes. Für mich ist das ein schönes Sinnbild für alle Dinge, die schwer zu umschreiben und nur schwer begreiflich sind, genauso wie Musik das manchmal ist.

Wo und wie soll man dein Album am besten hören?

Wenn man ein Album macht, sollte immer eine Vision im Kopf haben, wo die Reise hingehen und welche Emotion dieses ganze Album transportieren soll. Man sollte sich also nicht nur Gedanken über jeden einzelnen Song machen, sondern sich die Zeit nehmen, das Album als ein Gesamtkunstwerk zu betrachten, was am Ende dann einen prägnanten Sound hat und eine bestimmte Stimmung transportiert. Das finde ich zum Beispiel immer sehr spannend. Wo jetzt jeder einzelne am besten in die passende Stimmung für das Album kommt, hängt natürlich vom Hörer ab. Bei einem ist es sicher die grüne Wiese, beim nächsten ist es der Strand und wieder beim nächsten ist es die Autobahnfahrt. Mit 120 km/h oder so. Ich weiß es nicht genau. Musik braucht den Hörer, der Ort ist nicht vorgegeben, wo man das Album am besten hört. Das muss jeder selber wissen.

Wo hörst du dein Album denn am liebsten?

Für mich ist das ein Album, was ich sehr gut zu Hause hören kann. Das heißt jetzt nicht, dass es bei mir rauf und runter läuft, aber ich finde es nicht so sehr cluborientiert. Es ist einfach ein Album, das auch sehr gut außerhalb der Tanzfläche funktioniert. Da sind so ein paar leicht melancholische, fast schon depressive Stimmungen drauf und das mag ich sehr gerne. Für mich ist es ein perfektes Autofahreralbum.

Chasing Clouds ist dein zweites Soloalbum. Viele haben an so ein zweites Album hohe Erwartungen. Hat dich das unter Druck gesetzt?

Von den Erwartungen anderer Leute fühle ich mich nicht unter Druck gesetzt. Es ist dann eher so der Druck, den man sich selbst macht, denn man will sich ja schließlich neu erfinden und mit seiner neuen Musik selbst begeistern. Die Suche nach dem speziellen Sound für das Album setzt einen dann unter Druck. Da war ich gerade am Anfang der Produktion noch etwas orientierungslos, weil ich nicht genau wusste, wo es hingehen sollte. Ich wollte nichts machen, was sehr elektronisch klingt. Ich wollte was machen, was sehr organisch, warm und sample-lastig klingt, wollte aber auch nicht, dass es sich wie ein HipHop-Album aus den 90er Jahren anhört. Das war so die Aufgabe, die ich mir im Kopf gestellt hatte, bei der ich aber lange Zeit nicht wusste, wie ich die lösen kann.

Woher nimmst du die Inspiration zu deiner Musik?

Die meisten musikalischen Inspirationen habe ich tatsächlich, wenn ich andere Musik höre. Das ist sehr breit gefächert, alle Genre inspirieren mich. Ich werde jetzt nicht nur von Soul oder HipHop inspiriert, das ist alles total offen. Das sauge ich alles auf wie ein Schwamm, zu meinem eigenen Leidwesen.

Wieso zu deinem eigenen Leidwesen?

Weil es einem manchmal unmöglich macht, einfach nur Musik zu hören, ohne dass der Kopf mitläuft.

Wenn du eine Idee hast, wie entsteht dann so ein typischer Sepalot-Track?

Mittlerweile mache ich fast alles unterwegs. Ich habe so ein kleines mobiles Studio. Die meisten Ideen oder Layouts sind tatsächlich in irgendwelchen ICE-Zügen oder auf Autofahrten hinten auf der Rückbank entstanden. Es gibt gar nicht so einen festen Weg. Manchmal ist es ein Melodiefragment, das mir im Kopf hängen bleibt, mal ist es eine Textzeile oder eine Emotion, die ich gerne in einem Song verarbeiten würde. Dann schaltet man am besten den Kopf aus, soweit das geht, und versucht dann einfach, irgendwelche Skizzen zu komponieren. Ich versuche das immer alles ganz kurz und knapp festzuhalten und lasse es dann erst mal eine Weile liegen. Erst wenn man sich das Ganze später dann noch mal mit etwas Abstand anhört, kann man feststellen, ob die Idee oder die Essenz des Songs es wert ist, daran weiter zu arbeiten. Wenn die Ursprungsidee des Songs nicht stark genug ist, kann man ihn wieder vergessen.

Funktioniert dein kreativer Prozess auch so, wenn du mit Blumentopf zusammenarbeitest?

Da ist der kreative Prozess ganz anders. Wenn ich solo einen Song mache, ist das etwas vollkommen egoistisches und irrationales. Man braucht auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen. Am besten denkt man auch gar nicht daran, wie und ob das anderen Leuten gefallen könnte und lebt man sich als Künstler voll aus. Erst nachher guckt man, ob man diese Songs verwerten kann. Nur so schafft man wirklich kreative Impulse. In einem Bandkontext kann man nicht so egoistisch vorgehen. Da geht es dann ja darum, dass sich fünf Leute in dem Song verwirklichen und final wieder finden können. Das bedeutet natürlich viele Kompromisse, die nicht immer leicht sind. Bei fünf Leuten hat man aber auch fünf mal so viel Input wie allein. Das hat dann einfach eine ganz andere Dynamik. Da sind dann auf einmal Ideen da, auf die man allein niemals gekommen wäre.

Die erste Single deines Albums ist der Song „Rainbows“. Erzähl doch mal, was steckt dahinter?

„Rainbows“ ist vom Genre ein totaler Zwitter. Es klingt ein bisschen nach Disko, gleichzeitig aber auch nach Indierock, Soul und ist für mich einfach wahnsinnig schwierig einzuordnen. Der Song transportiert eine ganz starke, relativ melancholische Stimmung. Darin steckt auch die maßgeblich Textzeile „You better find someone to love you, someone who‘s gonna paint rainbows above you“. Das ist etwas sehr trauriges, etwas sehr abschließendes, so nach dem Motto „such dir jemanden der dich liebt, ich bin es nicht“. Gleichzeitig ist dieser Song aber auch sehr hoffnungsvoll und hat sehr viel Freude, sodass eine ganz intensive Spannung zwischen dem Depressiven und der Hoffnung entsteht.

Das Video zu dem Song ist sehr gelungen. Woher kam die Idee?

Die Idee habe ich zusammen mit dem Kameramann entwickelt. Es greift im Endeffekt diese Emotion auf; jemand verabschiedet sich von seiner Liebe. In dem Fall fährt derjenige zu seiner eigenen Beerdigung und ich bin der Chauffeur, der diese ganze Story erzählt. Ich kutschiere ein 60er, 70er Jahre High Society Pärchen durch die Gegend, sie macht ihm andauernd Szenen, er ist schon total resigniert, am Schluss steht sie nur noch allein da und er hat sich verabschiedet.

Du arbeitest auf deinem Album unter anderem auch mit Fashawn zusammen. Wie kam es zu der Kollaboration?

Ich fand Fashawns Sachen schon immer richtig gut, auch die letzten Alben, ganz großartig. Ich hatte diesen Song „Change“ schon fertig, ohne Vocals, und habe Fashawn einfach drauf gehört und dachte, das ist die perfekte Kombination. Fashawn und das Instrumental. Zu der Kollaboration kam es dann ganz unromantisch, ich habe ihn einfach angefragt und dann gab‘s den Song.

Du hattest auf deiner Homepage auch die Aktion „Change“ feat. Fashawn and You – Add your 16 Bars, bei der deine Fans ihre eigene Strophe dazu schreiben konnten. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee kam mir, weil ich so viel Feedback auf das Instrumental von „Change“ bekommen habe, nachdem ich das Anfang des Jahres schon mal auf meiner Homepage gepostet hatte. Leute haben dazu gerappt, ihre Konzerte damit eröffnet und so. Dann habe ich den Track mit Fashawn gemacht und wollte auch, dass er nur eine Strophe und einen Chorus rappt, weil ich nicht so einen langen Rapsong haben wollte. Ich wollte immer, dass die Gäste auch die Gäste auf meiner Musik bleiben und nicht den ganzen Song übernehmen. Das finde ich immer relativ langweilig bei so Producer-Alben. Da verstehe ich mich auch zu sehr als Künstler, als dass ich da meinen ganzen Platz für den Gast aufgeben könnte. Aber da ich immer so viel Feedback auf den Track bekommen habe, dachte ich mir, dass die anderen Leute einfach einen zweiten Part dazu schreiben könnten. Größtenteils sind da wahnsinnig tolle Sachen gekommen und es hat mich echt gefreut, dass sich so viele Leute auf so kreative Art mit meiner Musik auseinandersetzen und dazu neue Texte schreiben. Richtig cool!

Du hast im Juni auch noch dein „Beat Konducta – Bavaria“ mit 10 Tracks als Free Download herausgebracht. Was hat es damit auf sich?

Das war eine Idee, die ich schon länger im Kopf hatte, bei der ich aber nicht wusste, in welchem Rahmen ich das veröffentlichen kann. Ich wollte daraus kein reguläres Sepalot-Album machen. Dafür ist das Projekt einfach zu abgeschlossen und zu limitiert. Kurz zur Erklärung, ich habe mich ausschließlich bayrischer Musik und irgendwelcher Traditionals bedient, habe die auseinander gesägt, neu zusammengesetzt und daraus ein Instrumental-Beat-Album gemacht. Ich hatte damit schon öfters experimentiert und hatte hier einiges liegen, aber es war doch immer eher nur eine Idee. Ich wusste noch nicht, wohin damit. Dann bin ich irgendwann wieder über die Instrumental-Alben von Madlip gestolpert. Der hat die Serie „Beat Konducta“ herausgebracht. Dabei gibt es die Folgen Africa und Asia. Da habe ich mir gedacht, alles klar: Africa – Asia – Bavaria, das ist es! Das war dann auch der perfekte Name für so ein Projekt, denn das Ganze soll jetzt nicht als drittes Sepalot-Album verstanden werden, sondern ist vielmehr eine Studie bayrischer Musik in Bezug auf HipHop – nicht mehr, nicht weniger. Jetzt macht das gerade die ganz große Runde, was ich mir nie erträumt hätte. Inland, Ausland, überall kommt es wahnsinnig gut an, echt interessant. Ich bin mal gespannt, ob das Oktoberfest der Sache noch mal Extraschub gibt.

Wie baut man so einen Track überhaupt?

Bei diesem Beat Konducta Ding habe ich ausschließlich Tonquellen aus der Originalaufnahme genommen und habe also nicht noch zusätzlich Gitarre oder mit Keyboards darüber gespielt. Bei dem Ding wollte ich zeigen, wie sehr man diese einzige Aufnahme durch den Wolf drehen und etwas Neues daraus formen kann, ohne Geschmacksverstärker und künstliche Zusatzstoffe. Da ist es dann wirklich so, dass man sich einzelne Soundschnipsel auf Tasten legt, und dann damit etwas Neues einspielt. Das ist dann zum Beispiel eine freistehende Snare oder Bass Drum, ein Bläser-Akkord oder so. Bei meiner Platte war das natürlich ein bisschen anders, da habe ich auch einiges selbst eingespielt, aber hier war das ja eine Studie darüber, was man aus diesen alten Aufnahmen alles bauen kann.

Du gehst jetzt auf Tour. Was kann man da denn so erwarten?

Ich werde alles mögliche spielen. Natürlich sehr viel von meinen eigenen Sachen, von diesem aber auch vom letzten Album, aber ich werde auch viel Musik von anderen Leuten auflegen. Das sollen einfach sehr schöne, breit gefächerte Clubabende werden.

Was sind jetzt deine Ziele? Wo willst du mit der ganzen Geschichte hin?

Die nächste Etappe nach der Veröffentlichung ist dann natürlich, die ganzen Konzerte oder vielmehr DJ Gigs zu spielen. Da freue ich mich schon sehr drauf. Das macht letztendlich auch immer sehr viel Spaß, endlich wieder aufzulegen und den Leuten die Musik zu präsentieren, die man zum einen selbst gemacht hat, zum anderen aber auch die man selber gut findet. Danach muss man einfach mal gucken, wo es einen noch hintreibt. Ende des Jahres steht auch wieder ein neues Blumentopf Album an, wir werden also ins Studio gehen und wieder kreativ arbeiten. Bei mir stehen sonst noch ein paar Auslandstermine auf dem Plan und man muss jetzt einfach mal gucken, wo die Reise hingeht. Das Feedback auf das Album ist jetzt schon riesig. Ich bin gespannt, was sich da noch so ergibt.

Chasing Clouds von Sepalot erscheint am 30. September 2011.

„Chasing Clouds“ Club Tour 2011
29.09.11 Mainz, Audiotreats Red Cat
01.10.11 Krefeld, Bosi Club
07.10.11 Bayreuth, Kolping Haus
08.10.11 Lüneburg, Salon Hansen
15.10.11 Erfurt, Centrum Club
20.10.11 München, Bob Beaman Club
22.10.11 Augsburg, Schwarzer Scharf
29.10.11 Münster. Skaters Palace

Foto: Brecheis

CD Review: Johannes Strate – Die Zeichen stehen auf Sturm

Johannes Strate ist eigentlich die Stimme von Revolverheld. Mit seiner Band tourt er seit Jahren durch die Lande und macht erfolgreich „recht laute Musik“. Aber schon fast genauso lange schreibt Johannes kleine musikalische Geschichten und akustische Songs, die nicht so recht in den gewohnten Band-Kontext passen wollen, ja, die seiner Meinung nach einfach zu intim sind, als dass man sie zusammen mit vier anderen Jungs und verzerrten Gitarren in großen Hallen spielen könnte.

Entsprechend lässt sich bereits erahnen, dass die zwölf Songs auf Johannes‘ Soloalbum Die Zeichen stehen auf Sturm im Großen und Ganzen nicht mehr viel mit der „recht lauten Musik“ zu tun haben. Und richtig, verzerrte Gitarren und lautes Schlagzeug wird man auf diesem Album nicht finden. Es regiert die Akustikgitarre zusammen mit Piano, Posaune, Streichern, Banjo und Glockenspiel. Dabei immer im Vordergrund: Johannes unverkennbar markante Stimme, voller Gefühl und offener Emotion. Johannes Strate erzählt mit seinen Songs kleine gefühlsschwangere Geschichten über das Leben und die Liebe, die mal fröhlich optimistisch, aber noch öfter traurig melancholisch, kurze, sensible Einblicke in das Wesen des Sängers erlauben.

Teilweise erinnern die Stücke an Philipp Poisel, wie das zarte und leise „Wenn es um uns brennt“, „Ich mach meinen Frieden mit mir“ erinnert in seiner Gesamtwirkung an „This is the New Year“ vom New Yorker Singer/Songwriter Ian Axel. Leise, minimalistische Stücke a la „Gespenster“ koexistieren friedlich neben, dagegen fast schon pompös wirkenden, Nummern wie „Die Tür ist immer offen“. Wer genau hinhört, entdeckt stellenweise die Handschrift des isländischen Produzenten Helgi Jonsson, der unter anderem auch für den Sound von Tina Dico, Sigur Rós oder Damien Rice verantwortlich ist.

Strate überrascht auf seinem Solo-Werk mit aufwändigen Arrangements, filigranen Instrumentierungen und teilweise unerwartet ehrlichen und tiefgründigen Textpassagen, die einige Revolverheldfans vielleicht erst einmal überfordern, Neuentdecker aber umso mehr erfreuen dürften. Liest man zwischen den Zeilen, den einzelnen Tönen und Akkorden, serviert einem dieses Album gefühlt das gesamte Herzblut des 31-Jährigen auf dem Silbertablett – einfach, ehrlich, authentisch und ohne große Maskerade.

So überraschend wie das Album begonnen hat, endet es auch. Die 47-minütige Reise durch fast sieben Jahre Songwriting auf Die Zeichen stehen auf Sturm schließt mit „An Rosalinde“, einem kindlich verspielten Lied eines Worpsweder Liedermachers. „Das singe ich mit meinem Papa“, verrät Johannes im Interview mit unserem Magazin.

Mit Die Zeichen stehen auf Sturm präsentiert sich Johannes Strate von einer ganz anderen, unerwarteten Seite. Der Solo-Ausflug zeigt, dass er viel mehr kann, als nur einfach fröhlich-energetische, massenkompatible Poprocknummern zu singen und schnulzige Balladen zu trällern. Die Zeichen stehen auf Sturm – auch für einen Johannes Strate.

Johannes Strate
Die Zeichen stehen auf Sturm
VÖ: 30.09.2011
Columbia Four Music