Schlagwort-Archive: Kleine Freiheit

Liza & Kay im Interview: Schöne Musik am Campfire

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen Tag großartig machen. So zum Beispiel, wenn Liza & Kay aus Hamburg beim Campfire in Osnabrück spielen und man sich dann spontan im Sonnenuntergang zum Interview trifft. Worum es in ihrer Musik geht und was ein Kühlschrank damit zu tun hat, haben die beiden mir vor der Kamera erzählt. Liza & Kay im Interview: Schöne Musik am Campfire weiterlesen

Campfire 7 – Ein bisschen weite Welt am Lagerfeuer

Wenn drinnen die Musik schweigt und stattdessen auf dem Außengelände der Kleinen Freiheit in Osnabrück das Lagerfeuer brennt, zahllose Menschen in den Liegestühlen chillen, in den Strandkörben in der untergehenden Sonne ein Bierchen trinken oder ihre nackten Zehen im weichen Sand vergraben, ist nicht nur Sommer. Es ist Campfire Campfire 7 – Ein bisschen weite Welt am Lagerfeuer weiterlesen

Konzertbericht: We Were Promised Jetpacks & Neufundland in der Kleinen Freiheit

Zwischen all den Festivals war am Dienstagabend noch kurz Zeit für ein sehr feines Clubkonzert. We Were Promised Jetpacks waren in der Kleinen Freiheit in Osnabrück zu Gast, als Support waren Neufundland mit am Start. Ein schöner Abend voller wunderbar wabernder Klangwände und noch mehr waberndem Nebel. Konzertbericht: We Were Promised Jetpacks & Neufundland in der Kleinen Freiheit weiterlesen

Popsalon 5 – I Heart Sharks springen kurzfristig für OK KID ein

Heute Abend startet die fünfte Ausgabe des Osnabrücker Popsalons. Das kleine Indie-Indoorfestival kann auch in diesem Jahr mit tollen Namen wie Max Prosa, James Heresy, Bilderbuch, Blaudzun, Ahyumjot, Marie, Marie, Messer, Go Go Berlin und einigen anderen aufwarten. Eigentlich hätten sich am morgigen Freitag auch die Newcomer von OK KID die Ehre geben sollen, jedoch mussten diese aufgrund einer Knieverletzung ihre komplette Tour im April absagen. Kurzfristig springen nun I Heart Sharks ein.
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Konzert-Tipps: The Ocean und The Intersphere im März in der Kleinen Freiheit Osnabrück

Während sich in diesen Tage die TV Sender mit ihren unerträglichen Jahresrückblicken gegenseitig versuchen im Niveau zu unterbieten, schauen wir doch einfach mal nach vorne und freuen uns auf das, was da 2014 kommen mag. Zum Beispiel auf die im März 2014 anstehenden Konzerte von The Ocean und The Intersphere in der Kleinen Freiheit in Osnabrück.

Während Osnabrück grundsätzlich ja eher eine Stadt ist, die im Mittelmaß versinkt, hat sich im Konzertsektor in den letzten Jahren unglaublich viel getan. Dank einiger engagierter Konzertveranstalter muss man sich mittlerweile im Bereich der kleinen und mittelgroßen Konzerte ganz bestimmt nicht mehr hinter den Nachbarstädten verstecken.

Im Indie-Sektor ist Zukunftsmusik maßgeblich daran beteiligt, dass eine Menge spannender Bands vorwiegend in der Kleinen Freiheit am Alten Güterbahnhof spielen. Ein regelmässiger Besuch der Homepage von Zukunftsmusik lohnt sich daher immer. Bei den eher geringen Eintrittspreisen lohnt es sich ebenfalls, auch mal für meist 10-15 Euro eine einem bis dato unbekannte Band „auszuprobieren“. In den meisten Fällen wird man keineswegs enttäuscht, zumal Guido Remmert und seine Kollegen von Zukunftsmusik selbst Fans sind, was sich natürlich auch auf die Auswahl der gebuchten Bands niederschlägt.

Alleine im März 2014 gibt es in der Kleinen Freiheit gleich zwei Konzerte herausragender Bands, die ich jedem hiermit wärmstens empfehle: The Ocean am 1. März und The Intersphere am 12. März 2014.

The Ocean

Am Samstag, den 01. März spielen The Ocean in der Kleinen Freiheit. Achtung! Abweichend von den „üblichen“ Zeiten (Einlass ca. 20 Uhr, Beginn 21 Uhr), beginnt dieses Konzert bereits um 19.30 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 17 Euro im Vorverkauf. Zu spät kommen sollte man keinesfalls, denn ansonsten würde man den Support DER WEG EINER FREIHEIT verpassen. Diese haben es eh schon leicht, vor THE OCEAN bestehen zu müssen, aber mit etwas Wohlwollen des Publikums können die Würzburger mit ihrem progessiven Black-Metal sicherlich überzeugen.

THE OCEAN selbst sind dann viel mehr als nur eine Band im herkömmlichen Sinne. Die Presseinfo versucht das Phänomen so zu beschreiben:

„Zwei Konzeptalben, die sich mit dem christlich geprägten geozentrischen Weltbild auseinandersetzen, ein weiteres zu einem Zeitabschnitt aus der Frühzeit der Erde, zuletzt mit Peligial eines zu den verschiedenen Schichten der Ozeane: Die Themen, mit denen sich das Prog-Metal-Kollektiv The Ocean rund um Gitarristen-Mastermind Robin Staps auf seinen Alben beschäftigt, sind weit weg von leichter Kost. Das gilt auch für den Sound der Musiker: Sludge Metal, Postrock, klassische Musik und progressive Elemente fließen bei der ursprünglich in Berlin beheimateten Band zu einem kraftvollen Sound zusammen, der gleichermaßen komplex und eingängig ist – und sich natürlich vor allem live mächtig entfaltet, wenn The Ocean weite, melodische Klangflächen aufspannen, atmosphärischen Gesang ausbreiten und dann alles mit nervenzerrenden Metal-Eruptionen erschüttern, während im Hintergrund Animationen und Lichteffekte über eine Leinwand flimmern.“

Begonnen haben The Ocean ebenfalls als Kollektiv. Wenn man sich einmal die Liste der ehemaligen Mitglieder in Wikipedia anschaut, ist es schon beachtlich, wie viele Personen bisher beteiligt waren. Dadurch entstand aber auch Musik in einer schier unendlichen Bandbreite und mit unterschiedlichsten Einflüssen. Mittlerweile wurde der Bandname von THE OCEAN COLLECTIVE in THE OCEAN geändert, es gibt einen festen Musikerstamm der die Band in der jetzigen Form bildet und live auftritt, aber die musikalische Bandbreite ist geblieben.

Auch abseits der Musik tut die Band alles, um The Ocean als Gesamtkunstwerk zu präsentieren. Die CDs sind allesamt liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltet, und auch in der visuellen Untermalung der Songs bei den Live-Shows setzt sich diese Durchdachtheit und Liebe zum Detail fort. Leichte Kost ist es sicher nicht, was man da präsentiert bekommt. Aber wenn man sich nur ein wenig darauf einlässt, bekommt man ein wirklich großartiges und außergewöhnliches Konzertereignis geboten, das noch lange nachwirken wird.

The Intersphere

Etwas ruhiger wird es da beim zweiten März-Highlight zugehen. The Intersphere spielen am Mittwoch, den 12. März 2014. Beginn der Show ist um 21 Uhr, Einlass ist bereits um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt für diese Band 15 Euro. Das ist mehr als günstig, denn die Band ist jeden Cent davon doppelt wert. Die Presseinfo verspricht:

„Mitreissende Songs voller unbändiger Energie, Schöngeist und Komplexität machen jedes Konzert zu einem einmaligen Erlebnis. Nackenschmerzen UND ein wohliger Schauer sind garantiert. Die Klassikerwirkung entfacht die Band mit einer Subtilität, die vergleichbaren Acts wie Muse, Dredg oder Incubus in nichts nachsteht.“

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Da THE INTERSPHERE am 10. März ihr neues und bereits 4. Album mit dem Titel „Relations in the unseen“ veröffentlichen werden, darf man sich bestimmt auf einige neue Songs freuen. Auf ihrer Homepage bekommt man nach einer kurzen Anmeldung einen Song zum Download geschenkt, um schon mal auf den Geschmack zu kommen. Ebenso kann man aber auch Snippets aller Song der letzten CD „Hold on, liberty!“ sowie die Alben „Interspheres – Athmospheres“ und „S.O.B.P.“ in ganzer Länge anhören.

Dieser Vorbericht ist ein Gastbeitrag von Karsten Rzehak.

Foto: PR

Anneke van Giersbergen und Trillium in der Kleinen Freiheit

Manchmal lasse ich mich dazu überreden, zu Konzerten von Bands und Künstlern zu gehen, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört habe. Karsten, von dem Ihr hier schon so manches Konzertfoto gesehen habt, lag mir über Wochen in den Ohren, dass ich mir Anneke van Giersbergen am 30. Oktober in der Kleinen Freiheit doch unbedingt anhören müsste. Und so ließ ich mich von dem zierlichen roten Lockenkopf mit der starken Stimme einfach überraschen.

Vorweg, falls Ihr so alt seid wie ich (Ende 20) und auch keine Ahnung habt, wer denn diese sagenumwobene Anneke Giersbergen ist, seid beruhigt. Sofern Ihr Eure Jugend nicht mit ausgeprägtem Headbanging und dem Hören überwiegend metal- und hardrockverwandter Bands verbracht habt, sind The Gathering aus den Niederlanden, wo Anneke van Giersberg über Jahrzehnte als Frontfrau unterwegs war, genauso in den späten 1990er und frühen Nuller Jahren an Euch vorbei gezogen, wie an mir.
Entsprechend schwer kann ich mir daher also vorstellen, dass diese so brav und sympathisch vom Plakat lächelnde Frau Anfang 40, früher mit wilden Dreadlocks geschmückt, richtig hart abgeliefert hat. Aber man soll ja Bücher nicht nach ihrem Cover beurteilen. Und so bedeuten mir schon die Fan-Shirts der Vorband, dass hier am heutigen Abend sicher nicht mit Wattebäuschen geschmissen wird.

Ich komme nicht ganz pünktlich in die Freiheit. Trillium stehen bereits auf der Bühne, die strohblonde Frontfrau, Amanda Somerville, wirbelt mit fliegender Mähne von einer Bühnenseite zur anderen. Ihre Fans lassen die Frau in ihrem sexy Outfit nicht aus den Augen. Wie gebannt verfolgen sie jede Bewegung. Man weiß auch gar nicht genau, welchen Aspekten man nun mehr Aufmerksamkeit schenken soll. Der offensichtlich klassisch ausgebildeten Stimme, die sich da energetisch oft in den höchsten Tönen über die harten Gitarrenriffs und Drumbeats legt, den seidenen superlangen blonden Haaren, auf die selbst Barbie neidisch wäre, oder doch den weiblichen, schneeweißen Rundungen, die im krassen Kontrast zur Musik und der schwarzen Kleidung stehen, und gerade den männlichen Zuschauern ganz schön den Kopf verdrehen.

Die Musik von Trillium trifft jetzt nicht unbedingt meinen ganz persönlichen Geschmack. Diese Art Metal und ich sind bisher einfach noch keine besten Freunde geworden. Aber dennoch muss ich zugeben, dass ich von dieser Frau auf irgendeine merkwürdige Art und Weise fasziniert bin. Sie weiß, wie man mit dem Publikum spielt und wie sie ihre Fans mit einem zuckersüßen Lächeln und einem gezielten Blick im Nu um den Finger wickelt. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass gleich mehrere Fans direkt nach ihrem Auftritt zur Theke stürmen, um dort für einen Plausch mit der gebürtigen Amerikanerin zu warten.

Anneke van Giersbergen

Nach einer kurzen Umbaupause dann kommt endlich der Moment, auf den das aus treuen Fans bestehende Publikum schon den ganzen Abend gewartet hat. Anneke van Giersbergen betritt zusammen mit ihrer fünfköpfigen Band die Bühne. Mit ihrem bezaubernden Lächeln nimmt die eher klein geratene Dame sofort den gesamten Raum ein und spielt sich vor geschätzt 80 strahlenden Gesichtern durch ihr aktuelles Album „Drive“.

Höflich ist sie, die Anneke. Nach jedem Song bedankt sie sich brav, sucht die Verbindung zum Publikum, fragt nach seinem Befinden und reißt die Menge mit ihrer kraftvollen Stimme ab dem ersten Ton mit. Metal ist das nicht, was sie da zum Besten gibt. Und das kommt mir auch ganz gelegen. In schöne Melodien und feines Rock-Appeal mit leichtem Pop-Einschlag verpackt, singt Anneke van Giersberg ihre Geschichten voller Inbrunst in die Nacht hinaus. Bei den höheren Tönen stößt sie manchmal fast an ihre Grenzen, kriegt aber immer im letzten Moment noch die Kurve. Sie ist eben nicht mehr die allerjüngste, aber immer noch ein Vollprofi durch und durch. An ihrer Art, wie sie sich auf der Bühne gibt und mit dem Publikum spricht, merkt man deutlich, dass sie das in früheren Zeiten sicher auch schon vor vielen Tausend Menschen getan hat.


Aus diesen alten Tagen stammen dann auch zwei Songs, die sie zur großen Freude des Publikums vorträgt. Von The Gathering spielt sie „Saturnine“ und „You learn about it“, was den Anwesenden, die  alle alte Fans von früher zu sein scheinen, in große Verzückung stürzt. Verträumt stehen sie da, kleben an ihren Lippen und man kann nahezu den Film sehen, der sich vor ihren strahlenden Augen abspielt. Ich finde es unendlich interessant, die Fans zu beobachten, wie sie auf die Stimme und die Ansagen dieser kleinen, sympathischen Frau reagieren, und wie sie sich von ihrer Musik davon tragen lassen.

Ich bin von der Gesamtsituation zu sehr fasziniert, fühle mich in dieser Menge ein wenig fremd, da ich offensichtlich die einzige bin, die bis vor wenigen Stunden noch kaum ein einziges Lied dieser Künstlerin in Gänze gehört hat. Aber dann, bei der Zugabe, da hat sie mich. Sie erklärt, die Band sei am nächsten Morgen beim niederländischen Radiosender FM3 in der Morningshow eingeladen, in der sie und ihre Band einen Coversong und ihre aktuelle Single „We live on“ performen müssten. Ob sie an dieser Stelle einmal proben dürfe. Natürlich darf sie das. Und so holt sie kurzerhand Amanda von Trillium und die Babysitterin ihres Kindes auf die Bühne. Mit geballter Frauenpower performen so 9 Leute auf der Bühne „Wicked Game“ von Chris Isaak, ganz eigen interpretiert, hochwertig und sehr berührend. Darauf folgt die Single „We live on“ – ein Dauergrinsen hat sich im Saal eingestellt.

Den Abend beendet Anneke van Giersbergen mit dem emotionalen Powersong „The best is yet to come“. Wenn sie den Titel selbst Ernst nimmt, wird sie noch viele Jahrzehnte auf den Bühnen dieser Welt stehen und nicht nur ihre alten Fans von früher begeistern.

Young Rival und Cousins in der Kleinen Freiheit

Vergangene Woche hatte ich die Tour der kanadischen Indierockband Young Rival im Blog schon angekündigt. Eine großartige Band, aus der meiner Meinung nach schon noch etwas größeres werden könnte. Irgendwann einmal zumindest. Wenn Ihr meinen Blog hier regelmäßig lest, wisst Ihr, dass ich gerne auf Konzerte von Bands gehe, die hierzulande noch kaum jemand kennt. Und so war dann auch der Freitagabend in der Kleinen Freiheit wieder ein echter Genuss für mich. Mit feinster, handgemachter Rockmusik und ihrem Support Cousins im Gepäck, hat Kanada gestern für eine Handvoll Zuschauer die alte Güterbahnhofskantine gerockt.

Young Rival sind zum ersten Mal in Deutschland unterwegs, genauso wie das sympathische Support-Duo Cousins aus Halifax, die dem Aussehen nach zu urteilen tatsächlich Cousin und Cousine sein könnten. Sie am Schlagzeug, er an der Gitarre. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, mit welch minimalem Setup man eine derart kraftvolle und vielseitige Musik erzeugen kann. Und so spielen sich die beiden mit vollem Einsatz durch ihr gut halbstündiges Vorband-Set, dessen roter Faden sich irgendwo zwischen Indie, Punk und fröhlich rotzigem Garagenrock herrlich verheddert. Ein bisschen erinnert mich das an An Horse aus Australien, nur eine ordentliche Spur rockiger. Damit haben Cousins es in diesem Jahr bereits zum legendären SXSW-Festival in Austin, Texas geschafft und dort ebenfalls das Publikum begeistert.

Man merkt nicht nur durch die etwas eigene Art der beiden Musiker auf der Bühne, dass Cousins sich vom Rest der Bands abheben, die ich bisher in diesem Jahr sehen durfte. Der Aha-Moment des Abends: Cousins stehen unglaublich auf Tapes. Ja, auf echte, altertümliche Kassetten. Und die verkaufen sie auch an ihrem Merch-Stand. Hand-aufgenommen und mit drei unterschiedlichen Covern zur Auswahl. Meine Begleitung entscheidet sich für die Variante „Snacks“ und Cousins freuen sich über 5 Euro mehr in ihrer Bandkasse. Nur wo wir uns das Band anhören werden, ist noch fraglich. Funktionstüchtige Kassettenrekorder sind in meinem Haushalt Mangelware. Zum Glück habe ich meinen Kinderkassettenrekorder von circa 1989 noch aufbewahrt. Und der tut es auch noch.

Gerade als mir die Schlagzeugerin ihr Kassetten-Faible näher bringen will, beginnen Young Rival auch schon ihre Show. Das Trio gibt sofort Vollgas und bringt das kleine Publikum direkt zum Tanzen. Ihre eingängigen Melodien und mitreißenden Beats verwandeln sich sofort in hartnäckige Ohrwürmer, die mich den ganzen Abend über nicht mehr loslassen. Mal abgesehen von der äußerlichen Erscheinung komme ich mir ein bisschen so vor, als ob ich geradewegs auf das Konzert einer waschechten Beat-Band aus den Sechzigern gebeamt worden wäre. Dass die Beatles bei diesem Sound neidisch geworden wären, ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber anerkennend genickt hätten sie bestimmt allemal. Großartiger handgemachter Rock, bei dem sich selbst meine Eltern in ihre Studentenzeit zurück versetzt fühlen würden.


In ihren Songs voll überschäumender Energie, in den Spielpausen mit kanadischer Gelassenheit. So sympathisch spielen sich Young Rival durch ihr gut einstündiges Konzert, das zum größten Teil aus Songs aus ihrem aktuellen Album Stay Young besteht. Dabei darf ihre Ohrwurm-Single „Two Reasons“ natürlich nicht fehlen.

Auch die frisch gelernten Wörter auf Deutsch müssen mit eingebaut werden. „Prost“ steht dabei wieder einmal ganz weit oben auf der Liste. Die authentische Art der drei Kanadier kommt beim Publikum sehr gut an. Ausgelassene Tanzeinlagen wechseln sich mit langem, anerkennenden Applaus ab. Als die Band schließlich ihren vorletzten Song des Abends ankündigt, sind wir doch alle etwas wehmütig, dass diese heiße Rockshow jetzt gleich schon wieder vorbei sein soll. Der Beifall will nach der letzten Nummer einfach nicht verstummen, was bei einer Besucherzahl von etwas über 30 Leuten schon echt etwas heißen will. Von so viel Zuspruch lassen sich die drei Herren gerne wieder auf die Bühne locken. Sie verabschieden sich mit einem donnernden Ramones Cover von den Osnabrückern. Wunderbar!

Ich hoffe sehr, dass Young Rival in der Zukunft noch mal nach Deutschland zurück kommen und dann vor größerem Publikum spielen dürfen. Auch als Festivalband würden sie von mir beide Daumen hoch bekommen. 

Young Rival ab Montag auf Tour – Auch in Osnabrück

Habt Ihr schon etwas von der kanadischen Band Young Rival gehört? Nicht? Dann solltet Ihr jetzt auf jeden Fall weiter lesen. Das Trio aus Ontario fabriziert richtig schönen Indierock mit leichten Late-60s-Beat Einschlägen, die sofort ins Ohr und die Beine geht. Auch zu den Hochzeiten des Rock’n’Roll hätten sich Young Rival mit ihrer Mucke auf keinen Fall verstecken müssen. Ab Montag, 27. Mai, ist das Trio in Deutschland und Österreich auf Tour. Neben den obligatorischen Medienstädten statten sie auch der Kleinen Freiheit in Osnabrück einen Besuch ab.

Hier ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Musik. Der Song „Two Reasons“ist ein fieser Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird. Dazu bin ich von diesem Video wirklich fasziniert. Die atemberaubenden Gesichtsbemalungen stammen von dem Künstler James Kuhn, der insgesamt 25 kleine Lipsynching-Videos gedreht hat, die zu diesem Young Rival-Video zusammengefügt wurden. Mehr Fotos davon findet Ihr in seinem Flickr-Account.

Aber zurück zu Young Rival. Auch das Video zu „Nothing You Know Well“ kann sich sehen und hören lassen:

Wie „Nothing You Know Well“ ist „Two Reasons“eine Single aus dem neuen Album Stay Young, das am 10. Mai auch in Deutschland erschienen ist. In Kanada steht die Platte bereits seit Herbst 2012 in den Regalen. In einem meiner nächsten Blog Posts werde ich das Album auch noch einmal näher unter die Lupe nehmen und auf Herz und Nieren prüfen. Bis dahin empfehle ich Euch auf jeden Fall schon die Konzerte, die Ihr ab Montag weitestgehend für schmales Geld (in Osnabrück gerade mal 9 Euro plus Gebühren im VVK) besuchen könnt.

Als Support ist die ebenfalls aus Kanada stammende Band Cousins mit am Start, deren Musik sich ebenfalls sehr gut hören lässt.

Hier die Tourdaten:

27. Mai 2013 – Wien, Rhiz
28. Mai 2013 – Innsbruck, PMK
29. Mai 2013 – Berlin, Crystal
30. Mai 2013 – Hamburg, Molotow Bar
31. Mai 2013 – Osnabrück, Kleine Freiheit
01. Juni 2013 – Mannheim, Mayfield Derby
19. Juli 2013  – Cuxhaven, Deichbrand Festival
20. Juli 2013 – Ingolstadt, Taktrum Festival

Vielleicht trifft man sich ja auf dem ein oder anderen Gig 🙂

Fotos: Screenshots

Popsalon 4 in Osnabrück: Gemütliches Indoor Festival lockt mit Indie-Größen

Nur noch wenige Wochen, dann ist schon wieder Popsalon4-Zeit! Es ist ein bisschen so, als hätte es sich eine abgespeckte Version des Reeperbahnfestivals in Osnabrück bequem gemacht. Kleine gemütliche Clubs und ein großartiges Line-Up, bei dem es neben bekannten Künstlern auch wieder viele neue Acts zu entdecken gibt. Vom 11. bis 13. April findet das kleine, feine Indoor-Festival bereits zum vierten Mal statt. Ich will Euch heute mal ein bisschen das Programm vorstellen.

Das Popsalon Festival ist in diesem Jahr gewachsen geworden. Neben der drei klassischen Locations Lagerhalle, Glanz und Gloria und Kleine Freiheit ist beim Popsalon4 auch das Haus der Jugend mit am Start. Somit sind drei Locations bequem zu Fuß erreichbar. Damit man in der Kleinen Freiheit ebenfalls möglichst nichts verpasst, wird ein Pendelbus im Einsatz sein. Wie gut das funktioniert, kann ich leider nicht beurteilen, da ich im vergangenen Jahr nicht dabei war. Bisher habe ich aber nur Gutes gehört.

Das Programm kann sich auch 2013 wieder mehr als sehen lassen. Es springen einem Namen entgegen, die sich auch gerne Mal unter den Plattentipps der großen independent orientierten Musikmagazine tummeln.

Los geht’s am Donnerstag, 11. April, mit Patrick Richardt und Honig in der Lagerhalle, bevor Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen später die Kleine Freiheit auseinander nimmt. Das wird ein schöner Festival-Start.

Patrick Richardt ist im April mit seinem neuen Album So, wie nach Kriegen unterwegs, das bei mir seit ein paar Wochen auf Dauerschleife im Auto läuft (nur da habe ich noch einen funktionierenden CD Player). Die Single „Adé, Adé“ ist ein großartiger Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder los wird.

HONIG habe ich zum ersten Mal vergangenen November als Support von Kettcar live gesehen. Wie Patrick Richardt macht auch Stefan Honig feinsten Singer/Songwriter Pop, der dank viel musikalischer Raffinesse aus dem aktuellen Einheitsbrei sofort heraus sticht.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist mir erst ein Begriff, nachdem ich beim Vorstellungsgespräch bei einer großen deutschen Musikzeitschrift in Berlin leider kleinlaut zugeben musste, sie nicht zu kennen. Was hatte ich bis dahin nur alles verpasst? Die ehemaligen Superpunk-Mitglieder Carsten Friedrichs und Tim Jürgens haben nach der Superpunk-Auflösung kurzerhand ein neues Projekt gestartet. Ihr erstes Album Jeder auf Erden ist wunderschön ist seit Herbst auf dem Markt und dürfte nicht nur diejenigen erfreuen, die sonst über den trockenen Humor von Olli Schulz lachen können.

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Am Freitag, 12. April, sind Luca, Sophie Hunger, Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Sizarr, Retro Stefson, Thomas Azier und Cosmo Jarvis am Start.

Luca ist in diesem Jahr die Lokalmatadorin des Popsalon und darf als einzige Osnabrücker Künstlerin des Tages den Samstag in der Lagerhalle eröffnen. Interessanter Singer-/Songwriter-Pop, den man entweder mag oder nicht. Die inzwischen in Berlin lebenden Musikstudentin hat aber auf jeden Fall was drauf. Überzeugt Euch am besten selbst.

Mit Sophie Hunger geht es danach im ähnlichen Stil in der Lagerhalle weiter. Die Schweizerin besticht durch tierschürfende Texte und beeindruckend ausgefeilte, musikalische Arrangements. Nicht unbedingt die leichteste Kost, aber auf jeden Fall einen Besuch wert, nicht nur für Liebhaber.

Wer mehr auf guten deutschen HipHop mit genialen Texten steht, kommt am Freitag im Haus der Jugend mit Käptn Peng und Die Tentakel von Delphi auf seine Kosten. Wie praktisch, dass das Debütalbum Expedition ins O des Künstlerkollektivs genau an diesem 12. April in die Läden kommt. Die große Release-Party in Osnabrück sollte also eigentlich nur noch reine Formsache sein.

Mit Sizarr geht es in der Kleinen Freiheit derweil eher elektronisch zu. Gerade noch war das junge deutsche Trio in den USA beim SXSW unterwegs und haben dort das Publikum mit ihrem eigenwilligen Sound begeistert, jetzt geht es wieder in Deutschland weiter. Aus den Jungs kann noch etwas ganz, ganz großes werden. Also nicht verpassen.

Im Anschluss geht es dort mit der isländischen Pop-Band Retro Stefson weiter, die bei diesem Festival wohl am weitesten von ihrem Zuhause weg sein dürfte. So weit, dass viele ihrer offiziellen Musikvideos in Deutschland noch gar keine GEMA-Freigabe bekommen haben. Wer sich sonst von Kakkmaddafakka oder Friska Viljor bestens unterhalten fühlt, wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Regelrecht epische Klänge und sphärische Sounds liefert derweil der Niederländer Thomas Azier im Glanz und Gloria. Wer sich gerne von Musik in ferne, fiktionale Welten transportieren lässt oder einfach gerne tanzt, bis man alles um einen herum vergisst, ist hier auf jeden Fall richtig.

Das große Finale des Tages liefert Künstler Cosmo Jarvis ebenfalls im Glanz. Der 23-jährige kommt mit großartig arrangierter und einfach guter Popmusik um die Ecke, bei der für jeden was dabei ist. Vielleicht nicht ganz so rotzig wie Lukas Graham, aber definitiv eine Reise wert.


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Am Samstag, 13. April, geht es kunterbunt und vielseitig weiter. Mit am Start sind Trümmer, We Were Promised Jetpacks, Fuck Art, Let’s Dance!, Frittenbude, Turboweekend, LaingCody und Robots Don’t Sleep
Trümmer aus Hamburg gibt es erst seit knapp einem Jahr und haben es schon auf den Titel des SPEX Magazins geschafft. Große Texte, tolle Melodien, ein bisschen wie Fotos, Herrenmagazin und Tomte früher, nur viel besser. Die Jungs spielen nur eine halbe Stunde, die man sich besser nicht entgehen lässt. Außer natürlich, es ist einem egal, eines der „next big things“ zu verpassen 😉 Das sage ich jetzt einfach mal so.
Ein offizielles Trümmer-Video gibt es noch nicht, dafür aber einen Demo-Song bei Soundcloud.
We Were Promised Jetpacks hätten eigentlich schon 2011 beim Popsalon2 spielen sollen, haben dann aber kurzfristig wieder abgesagt. Zwei Jahre später stehen sie nun wieder im Programm. Und kommen dieses Mal hoffentlich auch. Ihre inzwischen vier Jahre alte Debüt-Single „Quiet Little Voices“ darf auf keiner guten Party-Playliste fehlen und ich persönlich wäre auch ganz verzückt, wenn sie diese Nummer in Osnabrück auch spielen würden.

Fuck Art, Let’s Dance! sind ihrem Bandnamen ganz treu und liefern feinsten minimalen Dance Pop, zu dem man bestens tanzen, aber auch Gameboy spielen kann. Wahrscheinlich würde das bei dem Audiolith-Trio nicht einmal auffallen, wenn man einen guten alten 90er-Gameboy dabei hätte… Wie dem auch sei, die Melodien gehen ins Ohr, grooven sich in die Beine und machen Spaß im Haus der Jugend.

Zu Frittenbude muss man ja an sich nicht mehr viel sagen. Großartige Elektro-Punk-Kapelle, die unter Garantie jeden Laden in Schutt und Asche rockt, und jedem der richtig hinhört, mit ihren Texten auch noch starke Geschichten zwischen den Zeilen erzählt.

Turboweekend aus Dänemark sorgen beim diesjährigen Popsalon für die ordentliche Portion nordischen Poprock. Tolle Melodien, tolle Texte, tolle Typen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Auf in die Kleine Freiheit und los tanzen.

Direkt im Anschluss geht’s mit Laing weiter. Die Mädchen-Kombo ist spätestens seit ihrer überraschend grandiosen Platzierung beim Bundesvision Songcontest mit dem Song „Morgens immer müde“ ein Begriff. In Osnabrück werden sie ihr Debütalbum Paradies naiv im Gepäck haben und den Leuten mit ihren Elektro-Soul-Pop ordentlich einheizen.

Mit Cody spielt eine zweite Band aus Dänemark auf dem Popsalon. Dänemark ist ja bekannt dafür, in Sachen Pop unglaublich innovativ zu sein. Cody sind eins der besten Beispiele dafür. Große Melodien und Emotionen mit Folk Einschlag bringt die siebenköpfige Band ins Glanz und Gloria. Beeindruckende Sache.

Robots Don’t Sleep ist das Beat-Projekt von Produzent und DJ Robot Koch, das wie zu vermuten war, sehr beatlastig um die Ecke kommt. Trotzdem besticht der Sound gleichzeitig durch filigrane Melodien und softe Vocals.



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Insgesamt gibt es also mindestens 18 gute Gründe, den vierten Popsalon zu besuchen. 3-Tages-Tickets gibt es für 48,90 Euro im Kartenwerk in der Dielinger Straße in Osnabrück und an allen Vorverkaufsstellen. Alle weiteren Infos zum Festival, zu den Locations, zum Programm und weiteren Ticket-Optionen (Tages- und 2-Tagestickets) findet Ihr unter www.popsalon-os.de