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Hütte Rockt 10 – Ein Festival-Rückblick

Vor gut zwei Wochen war ich für die NOZ beim 10. Hütte Rockt Festival in Georgsmarienhütte unterwegs. Am Freitag habe ich die Welt im Liveticker unterhalten, am Samstag gab es einen Online-Artikel von mir und Montag dann eben noch einen großen Artikel in der Zeitung.  Damit Ihr auch lesen könnt, wie es mir zwischen den Donots und Jupiter Jones gefallen hat, gibt’s hier noch mal eine kleine Zusammenfassung.  Hütte Rockt 10 – Ein Festival-Rückblick weiterlesen

Jupiter Jones zurück mit „Brüllenden Fahnen“

Jupiter Jones haben eine ganze Zeit lang mit zu einer meiner Lieblingsbands gehört. Nachdem ich sie ca. 2009 zum ersten Mal auf einem Festival sah, war ich absolut hingerissen. Sound, Stimme, Texte. Alles passte wie Arsch auf Eimer. Bis 2014 Sänger Nicholas Müller aus gesundheitlichen Gründen ausstieg. Danach stimmte für mich rein gar nichts mehr. Ändert sich das jetzt mit „Brüllende Fahnen“? Jupiter Jones zurück mit „Brüllenden Fahnen“ weiterlesen

Monday Madness – I don’t like Reggae, oder Thees Uhlmann und das Faultier Wolfgang

Auf der Suche nach einem würdigen Monday Madness-Video stolperte ich gestern über folgendes, unterhaltsames Lichtspiel. Eine seltsames Wesen, das wie eine Mischung aus Flat Eric, dem Yeti und Samson aus der Sesamstraße anmutet, wandert zu den Klängen von Thees Uhlmanns „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf“ durch die Landschaft. In einer Reggae-Version!
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Jupiter Jones in Osnabrück alles andere als „Still“

Jupiter Jones – spätestens seit ihrem Major-Debüt und ihrer Single „Still“ ist die Band in aller Munde. Am Donnerstag rockte die Band aus der Eifel den Rosenhof. Vor ausverkauftem Haus zeigten die Jungs, dass sie nicht nur herzzerreißende Poprock-Balladen auf dem Kasten haben.

Bevor Jupiter Jones jedoch die ausverkaufte Hütte zum Kochen bringen, gehört die Bühne für eine gute halbe Stunde My Glorious aus Wien. Das österreichische Trio holt Osnabrück schnell mit ihrer Kombination aus eigenwilligem Indie und melodiösen Alternativerock-Nummern aus dem Feierabendtran. Mitklatschen, mitsingen, sich warm feiern. Das Rosenhof-Publikum lässt sich vom Wiener Schmäh des Sängers, dessen optisches Vorbild Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl zu sein scheint, bereitwillig um den Finger wickeln.

Mit ein wenig Verspätung entern dann Jupiter Jones die Bühne des alten Kinos und bestimmen mit „Ansage“ das schnelle Grundtempo des Abends. Sympathisch und vollkommen auf dem Boden geblieben spielen sich die vier Jungs durch ihr Programm, dass einen bunten Blumenstrauß durch die musikalische Geschichte der Band liefert. Neben den Songs des aktuellen Albums dürfen Jupiter Jones-Klassiker wie „Das Jahr in dem ich schlief“, „Im Januar, im Schlaf“ oder „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“ natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie die spontanen Polka- und Schlagereinlagen, die per Zuruf aus dem Publikum gefordert werden.

Immer wieder zeigen sie sich absolut überrascht und überwältigt, dass nach insgesamt 8 Jahren Bandgeschichte nun plötzlich fast alle Konzerte so gut wie ausverkauft sind. „Schuld daran ist dieser Song“, ruft Sänger Nicholas, bevor er die ersten Akkorde von „Still“ anstimmt, den er seiner verstorbenen Mutter widmet. Gänsehaut liegt in der Luft und Osnabrück zeigt nicht zum ersten Mal an diesem Abend, dass hier offensichtlich ein höchsttalentierter Chor zu Hause ist.

Jupiter Jones überzeugen an diesem Abend besonders durch ihre musikalische Vielseitigkeit, auch wenn Gastkeyboarder Tobi der einzige ist, der Noten lesen kann, ihre Spielfreude, viel Gefühl und Authentizität. Trotz Grippe, Fieber und Antibiotika spielt sich die Band durch ihre 16 Songs ihrer Setliste, die natürlich nur als Verhandlungsbasis angesetzt ist. Der Zugabe folgen vier weitere Zugaben, die allesamt frenetisch und mit strahlenden Augen gefeiert werden. Die Luft zwischen den 1000 Fans brennt. Wenn es nach ihnen ginge, würde der Abend nie enden.

CD Kritik: Jupiter Jones – „Jupiter Jones“

Jupiter Jones kannten bis vor knapp einem Jahr fast nur Leute, die entweder ständig auf Konzerte und Festivals pilgern, oder seit Jahren ihre myspace- und LastFM-Profile wie eine Bibel pflegen. Drei Alben auf eigenem Label haben die Jungs aus Münster und der Eifel in den letzten 7 Jahren produziert. Jetzt steht mit „Jupiter Jones“ seit dem 25. Februar das erste Major-Album in den Läden, die Single „Still“ hat es bereits an die Spitze einiger Hörer-Charts geschafft.

„Still“, der erste Vorbote des Albums, lässt glauben, dass da schon wieder irgendsoeine deutsche Indie-Poprock-Truppe um die Ecke kommt, gefangen irgendwo zwischen Kettcar und Revolverheld. Doch weit gefehlt. Jupiter Jones können weit mehr, als sich nur verschachtelter Texte und gefühlsschwangerer Melodien zu bedienen. Auf ihrem neuen Album beweisen sie durchaus, dass man Jupiter Jones in keine einzelne musikalische Schublade stecken kann.

Statt Schubladen sollte man sich eher ein riesiges Expedit-Regal eines großen schwedischen Möbelhauses vorstellen – In jedes Fach passt ein Stückchen Jupiter Jones: Ein bisschen Pop, viel Rock, ein gehöriges Stückchen Punk, eine dicke Scheibe Indie, ein Brocken Singer/Songwriter, ein Töpfen Gefühlsduselei, ein Glas voll Melancholie, eine Tütchen Wut, eine Reisetasche voll Wortwitz, ein Pott voll rotzig-rauhalsiger Stimme, eine gute Portion Rock‘n‘Roll Attitüde, ein Haufen Lautstärke und ein See voll nachdenklicher Ruhe. Und das sind noch lange nicht alle Bestandteile, die Jupiter Jones auf ihrem gleichnamigen Album vereinen.

Jupiter Jones singen vom Leben. Von Selbstzweifeln und Liebeskummer, komischen und schönen Gefühlen in der Magengegend, vom Nachgrübeln über die Gesellschaft und Zukunft. „Komm niemals nach Bad Bentheim“ warnen sie, wenn man nicht am falschen Ende des Kneipenbretts des Lebens enden will.

Die zwölf Titel auf „Jupiter Jones“ reißen mit. Tracks wie „Der Hund, der Stock, die Tür“ oder „Immerfürimmer.“ machen es fast unmöglich, die Füße stillzuhalten. „Alter Mann wo willst du hin?“ und „Sonne? Scheint!“ haben riesiges Potenzial zum Mitgrölen. Dann die Zäsur – Auf wilden Pogo folgt Gänsehaut. Mit „Still“, „Berlin“ und „Hier oben (…Jupp)“ wissen Jupiter Jones zu berühren ohne dabei zu tief in die Kitschkiste zu greifen. Wo andere Bands sich stumpfer Klischees bedienen und hinter schnulzigen Textzeilen verstecken, macht Jupiter Jones-Sänger Nicholas Müller einfach nur den Mund auf, und drückt mit seiner unverkennbaren rauen Stimme genau das aus, was man sonst selber nie so treffend in Worte fassen kann. Aufrichtig, gefühlvoll und gnadenlos ehrlich, aber immer ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Da fragt man sich, wie es einer Band gelingen kann, immer so passende Texte zu schreiben und diese dann auch noch so treffend mit der richtigen Melodie zu verbinden. Jupiter Jones machen scheinbar einfach das, was ihnen gefällt und stehen zu 100 Prozent hinter ihrer Musik. Das hört man und das spürt man.

Foto: Sony Music / Columbia

Maiwoche: Jupiter Jones rocken gegen Frostbeulen

Samstag, kurz nach 21 Uhr vor der Rosenhof Bühne am Herrenteichswall. Für einen kurzen Augenblick frage ich mich ernsthaft, ob ich mich nicht verlaufen habe, denn auf dem Platz vor der Bühne herrscht gähnende Leere – zumindest im Vergleich zum Vorabend, als Thomas Godoj hier seine DSDS-erprobte Fangemeinde bespaßt hat. Gerade steht die mir noch vollkommen unbekannte Chemnitzer Kombo Kraftklub auf der Bühne und versucht äußerst energiegeladen über Tatsache hinweg zu spielen, dass der erste Zuschauer direkt vor ihnen dort steht, wo gestern Abend in etwa Reihe 40 begann. Dazwischen gähnendes Nichts. 

Dafür herrscht unter der Handvoll Leute vor, oder besser gesagt in die Nähe der Bühne  trotz Sicherheitsabstands zur Band rege Tanzwut. Und das nicht nur um bei den gefühlten Weihnachtsmarkttemperaturen keine Frostbeulen zu bekommen. Das Spektakel der Jungs mit den schrägen Nerd-Brillen und College-Jacken klingt anders – jung und rotzig dynamisch. Irgendwo zwischen Indie Elektrorock, Fettes Brot und Atzen-Disco Pogo mit einer guten Portion Anabolika. Passend dazu der Titel ihrer ersten CD: Adonis Maximus. „Zugabe oder ich zieh mich aus!“ brüllt jemand dann am Ende des Sets. Mit so einer Drohung kann man eine Band natürlich auch wieder auf die Bühne zurück holen. Mit „Ich will nicht nach Berlin“, angeblich ungeprobt und noch nie live gespielt, verabschieden sich Kraftklub und machen den Weg frei für Jupiter Jones. 

Die brettern nach einer halben Stunde Umbaupause kompromisslos los. Inzwischen ist der Platz vor der Bühne auch nicht mehr wieder zu erkennen. Wo man vorhin noch die einzelnen Steinchen im Asphalt zählen konnte, stehen jetzt feierwütige junge Menschen so weit das Auge reicht. Von pogenden Punks bis zu knutschenden Pärchen sind alle ab dem ersten Ton dabei und feiern gemeinsam ausgelassen und recht feuchtfröhlich zusammen eine Riesenparty. Auch die Stagediver lassen nicht lange auf sich warten, so dass die Securities vorne im Graben alle Hände voll zu tun haben. 

Die Jungs von Jupiter Jones sind davon selber sichtlich begeistert und liefern mit Songs aus ihrem aktuellen Album „Holiday in Catatonia“ sowie den drei Vorgängern der Menge eine Rockshow, die sich gewaschen hat. Die Band aus Hamburg, Koblenz und der Eifel überzeugt neben eingängigen und mitreißenden Melodien ganz besonders mit ihren vollkommen ehrlichen, direkten deutschen Texten, die gespickt sind mit einer Menge bissig satirisch verpackter Gesellschaftskritik, aber gleichzeitig auch mit viel Humor und Gefühl. Gepaart mit ihrer absoluten Natürlichkeit ziehen die vier „Jungs vom Land“ so an diesem Abend fast jeden Besucher auf ihre Seite. 

Die Osnabrücker sind erstaunlich textsicher, gröhlen mit was das Zeug hält und verwandeln den Bereich direkt vor der Bühne zu einem wilden Hexenkessel, der sich auch vor größeren einschlägigen Festivals nicht verstecken brauch. Mit aller Macht gegen die Wintertemperaturen und vollem Körpereinsatz für die Musik. Als sich die Jungs nach knapp 80 Minuten verabschieden, werden sie von der Meute mit lautstarken Zugabe-Rufen auf die Bühne zurück zitiert. Dem Wunsch kommen die Herren gerne nach. Mit „Hallo Angst, du Arschloch!“ geht es noch mal richtig nach vorne. Bei „Jupp“ hingegen zeigen die (Wahl-)Hamburger, dass sie auch durchaus ruhige Töne anschlagen können – ganz ohne dabei ihren gesellschaftskritischen Biss zu verlieren. 
Die Masse hat sich bis zum Ende mehr als heißgetanzt – Frostbeulen muss heute Abend wohl keiner mehr befürchten.