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Regen, Joga Club & Iron Walrus – Tschüss Maiwoche!

Die Maiwoche ist vorbei. Während die Innenstadt dank des Regens schon recht früh wie leergefegt war, ließen ein paar Hundert Leute an der Timezone Bühne den Abend noch gemütlich ausklingen. Dabei hätte das Programm nicht kontrastreicher sein können: Poppunk von Hi!Spencer trifft Indie Pop von Joga Club, der wiederum von der vollen Portion Noise und Metal von Iron Walrus abgelöst wird.
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16 Musiktipps für die Maiwoche 2016

Wenn das Wetter draußen meint, Dezember spielen zu müssen, muss ich mir wohl ein wenig warme Gedanken machen. Ob man es glaubt oder nicht, die Maiwoche Osnabrück fängt in gerade einmal zwei Wochen an. Vom 13. bis 22. Mai geht’s rund in der Stadt. Dieses Jahr ist vieles anders. Neue Bühnen, ein anders gestaltetes Angebot. Ich habe mich für Euch jetzt schon mal durch das Musikprogramm gewühlt, damit Ihr nicht versehentlich von einem Helene Fischer-Double gequält werdet.  16 Musiktipps für die Maiwoche 2016 weiterlesen

CD Review: Joga Club – Mosaik Musik

Joga Club. Das sind fünf Osnabrücker aus fünf verschiedenen musikalischen Himmelsrichtungen. So steht es zumindest in ihrem Pressetext zu ihrem zweiten Studioalbum Mosaik Musik. Die neue Platte verspricht laut Beipackzettel von Timezone Records deutschen Pop mit mal poetischen, mal persönlichen Texten, die auch mal über das klassische „du und ich“ hinaus gehen. Oder ganz einfach: Tanzbare Tragödien. Das haben wir uns mal genauer angehört: Ein Eindrucksprotokoll.

Elf Tracks, eine schöne Papphülle. Alles schreit: handgemachte Musik! Das ist schon mal sehr vielversprechend. Aber Cover gaukeln einem bekanntlich viel vor. Das Album landet im Player, los geht’s. Und die ersten Töne gefallen in der Tat. Melancholische Passagen wechseln sich mit tanzbarem Schrammel-Poprock ab. Die Texte sind anscheinend um ein vielfaches durchdachter und ausgefeilter, als das bei vielen anderen Kapellen in letzter Zeit der Fall war. Kein reim dich oder ich fress‘ dich, keine großartig verkopften Hipster-Indie-Experimente, dafür eindrückliche Bilder und kleine Alltagsgeschichten. Sehr schön. Textlich erinnert es manchmal sogar an Bosse. Ob das so weiter geht?

Die Textpassagen betten sich auf sehr ordentlich produzierten Arrangements aus treibenden Rockbeats und ebenfalls eher rockigen als poppigen E-Gitarrenlicks und Riffs, die einen schon mal dazu bringen, ein bisschen durch die Wohnung zu tanzen. Die Popanmutung kommt dann doch eher vom großzügig eingesetzten Piano und Keyboard-Sounds. Das gibt dem ganzen immer wieder einen leichten Achtziger-Touch. Elton John lässt grüßen. Hin und wieder übertreiben sie es damit vielleicht ein bisschen. Drama, Drama, Drama. Zusammen mit der stampfenden Basedrum kratzt die erste Single des Albums „Der Plan“ stellenweise hart an der Grenze zum Schlager. Luxuslärm passiert das auch gerne mal. Glücklicherweise revidiert der Rest der Platte diesen Eindruck größtenteils.


Tanzbarer Pop-Rock bestimmt weiter das Bild. Eingängige Hooks, schöne, wenn auch durch die Bank weg melancholische Melodien schleichen sich heimlich aber bestimmt in den Kopf. Ja, ich ertappe mich sogar dabei, dass ich bei „Winter“ plötzlich mitsinge, ohne dass ich den Text oder die Melodie vorher schon einmal bewusst gehört hätte. Das ist in der Regel ein gutes Zeichen. Hier auch? Eigentlich schon. Im Prinzip gefällt nämlich, was da aus den Boxen schallt.

Trotzdem hat diese Platte, ja eigentlich vielmehr diese Band, für mich persönlich einen großen Wermutstropfen: Die Stimme des Sängers Philipp Rethmann. Es ist nicht so, dass er die Töne nicht trifft. Im Gegenteil. Es ist vielmehr die Art, wie er sie auf Mosaik Musik einsetzt. Die Tonhöhe, die mehrstimmigen Einsätze und die theatralische Dramatik in der Singstimme sind für meinen Geschmack stellenweise schlicht too much. Der Band gelingt es oft nicht, dem ganzen Stimm-Drama genügend Band-Drama entgegenzusetzen. An manchen Stellen können energische Gitarren zwar die überschwängliche Stimme abfedern, nur eben nicht oft genug. Das Gleichgewicht fehlt. Auf Dauer ist das ziemlich anstrengend. Geht es vielleicht auch eine Oktave tiefer? Hin und wieder fühlt man sich gerade so, als ob man in einem Rockmusical gefangen ist, in dem immer weiter Spannung aufgebaut wird, die Entspannung aber einfach nicht kommen will. Schade. Oder ist das ein gewollter Teil der Dramatik dieser tanzbaren Tragödien?

Dass Philipp Rethmann durchaus anders kann, zeigt der Song „Souffleur“. Hier klingt seine Stimme wesentlich natürlicher, entspannter und angenehmer. Und das liegt nicht nur am Sprechgesang, der hier zum Einsatz kommt. Insgesamt ist Mosaik Musik ein schönes Poprock-Album, das durchaus gut gefallen kann. Vorausgesetzt, man mag die Stimme sofort.

Schulnote: 3+

Selbst reinhören? Hier geht’s lang.

Joga Club – Mosaik Musik (2012)
Timezone Records

1. Trauriger Clown
2. Der Plan
3. 3D
4. Winter
5. Fischerdorf
6. Ich Kann’s Nicht
7. Augenringe
8. Zwei Tänzer
9. Lasst Sie Gehen
10. Souffleur
11. Der Mann im Mond

Joga Club – Natur EP

Brauche ich für Joga Club eine Yogamatte?
Nein, aber die Tanzschuhe dürfen eingepackt werden. Die fünf Jungs von Joga Club liefern glasklaren Pop mit Rock- und Reggae-Einflüssen, direkt aus Osnabrück oder besser gesagt, aus Hagen a.T.W. Sie haben übrigens keine Angst vor Ohrwürmern.

Rettet die Natur-EP von Joga Club den Regenwald?

Das nicht unbedingt, aber sie liefert starke Unplugged-Versionen einiger Songs vom aktuellen Joga Club-Album „Lass es regnen!“. Mit dabei sind die Stücke „Natur“, „Gib Nicht auf! (unplugged)“ und „Bielefeld (unplugged)“, sowie ein schickes Video zum Song „Natur“. Damit hat Joga Club auf jeden Fall das Zeug mit bekannteren Bands mitzuhalten.

Und sonst so?
Joga Club basteln seit 2009 an ihrem ganz eigenen Sound. Bisher kann die junge Band schon auf eine ganze Reihe Live-Gigs in der Region, wie zum Beispiel auf der Maiwoche, zurückblicken. Gerade ist die Band in der Sommerpause und bastelt weiter an ihrem zweiten Album. Am 3. September spielt Joga Club im Musikzentrum in Hannover im Halbfinale von Niedersachsen des Local Heroes Bandwettbewerb.

Geschichten im Song: 4,5/5
Lokales Heldentum: 4/5
Geheimtipp-Potenzial: 3,5/5

Joga Club – Natur EP
VÖ: 5. August 2011
3 Tracks
ca. 3,99€