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Festivalfieber: Mit Kindern zum Festival – Bitte nicht ohne Gehörschutz!

Lisa, auf dem Foto 8 Jahre alt, darf nur mit ihren „Mickymäusen“ auf Konzerte.                                       Foto: K. Leuck

In den vergangenen Wochen war ich wieder auf diversen Festivals unterwegs. Immer häufiger begegnen mir dabei nun auch Eltern mit Kindern, die dort gemeinsam das Wochenende oder zumindest einen Tag verbringen. Hätte ich Kinder, würde ich diese vermutlich auch schon relativ früh zu Festivals und Konzerten mitnehmen, aber niemals ohne dabei vollkommen auf ihr Wohl zu achten. Manche Eltern scheinen sich nur leider nicht bewusst zu sein, was sie ihren Kleinen, und vor allen Dingen ihren Ohren, bei falschem Verhalten mit einem Festivalbesuch antun. Diesen Eltern möchte ich da innerlich immer an die Kehle springen. Deshalb hier ein paar Denkanstöße zum Thema Gehörschutz.

Kleine Kinder auf Festivals sind ja echt niedlich anzusehen. Die meisten, die mir bisher begegnet sind, gehörten indirekt in irgendeiner Weise zur Produktion – Sei es nun über den Papa, der als Tonmann, Backliner, Tourmanager, Musiker, oder Security Guard rund um die Bühne herumläuft oder über die Mama, die die Geschicke im Produktionsbüro steuert. Diese Kinder haben quasi auf dem Infield oder im Backstage laufen gelernt und man erkennt sie schon von weitem daran, dass sie in 99% der Fälle ihre Mickymäuse auf den Ohren haben oder angepassten Gehörschutz tragen. So soll es sein.

Wenn ich dagegen, wie kürzlich beim Reload Festival, eine Metal-Mutter mit ihrem ca. 9-jährigen Sohn keine vier Meter von den Boxen entfernt stehen sehe, ohne jeglichen Gehörschutz, dann wird mir schlecht. Das Gehör von Kindern ist noch wesentlich empfindlicher als das von Erwachsenen. Wenn dann die Mama selbst ohne Gehörschutz vor der Box steht, wie soll das Kind da wissen, dass es zu laut ist? Woher soll es wissen, dass die Schmerzen in den Ohren nicht normal sind (Mama hält es schließlich ja auch aus)? Ich habe schon kurzzeitig überlegt, mir für die laufende Festival-Saison einfach einen Sack Einweg-Ohrstöpsel zuzulegen, um die dann im Bedarfsfall an ungeschützte Kinderohren zu verteilen.

Alles was im Ohr einmal durch hohe Belastung zerstört wurde, ist unwiederbringlich verloren. Liebe Eltern, wollt Ihr daran Schuld sein, wenn Euer Sohn oder Eure Tochter mit 18 Jahren oder noch früher Hörgeräte braucht? Das ist keine Übertreibung, die Sorge ist tatsächlich begründet. Ich habe gerade in den letzten Monaten immer wieder Jugendliche mit massivem Hörschaden kennengelernt, die entweder durch zu laut aufgedrehte Musik zu Hause, im Club oder zu viele „ungeschützte“ Konzertbesuche einen wesentlichen Teil ihrer Hörkraft verloren haben. Und während ich als Kind Hörgeräte nur von meinem altersschwerhörigen Opa kannte, tauchen sie heute inzwischen auch immer häufiger in Klassenräumen auf.

Ich selbst besuche seit Jahren kein Konzert und keinen Club mehr ohne Ohrenstöpsel. Ich möchte auch im Alter noch so gut wie möglich hören können. Das gleiche wünsche ich mir ebenfalls für alle Kinder. Auch für meine, wenn ich denn dann irgendwann mal welche haben sollte. Und da lasse ich die Ausrede Ohrstöpsel oder „Mickymäuse“ wären teuer, nicht gelten. Neue Ohren kann man sich schließlich nicht im Laden kaufen.

Tragt Ihr Ohrstöpsel bei Konzerten? Und was sagt Ihr zu Kindern auf Festivals?