Schlagwort-Archive: Folk

Owls by Nature und Worst Days Down in der Kleinen Freiheit

Owls by Nature – Konzert Nummer drei in dieser Woche. Man könnte meinen, ich hätte meine alte Form wieder gefunden. Die Kanadier, und besonders ihre Vorband Worst Days Down, sollen mir noch einen sehr schönen Abend bereiten. Nicht nur wegen ihrer großartigen Musik, irgendwo zwischen Frank Turner, Gaslight Anthem und Dave Hause. Eins ist klar, so schnell werde ich diesen Abend wohl nicht vergessen. Owls by Nature und Worst Days Down in der Kleinen Freiheit weiterlesen

Monday Madness: The Head and the Heart – „Shake“

Für die meisten ist heute der erste Arbeitstag im neuen Jahr, die Schule hat wieder angefangen und überhaupt, wieso ist 2014 eigentlich schon wieder eine Woche alt? Um heute gut in die Woche zu starten, habe ich Euch den schönen Gute-Laune-Song „Shake“ von The Head and the Heart rausgesucht. Unser erstes Monday Madness 2014! Monday Madness: The Head and the Heart – „Shake“ weiterlesen

CD Review: The Civil Wars – „The Civil Wars“

Am 23. August erscheint auch endlich in Deutschland das neue Album von The Civil Wars. Bereits vergangene Woche erschien The Civil Wars in UK und USA und landete ebenfalls in meinem Briefkasten. Nach erstem Reinhören kann ich nur sagen, dass es absolut kein Wunder ist, dass das Self-Titled Album auf der anderen Seite des großen Teichs gleich auf Platz 1 der iTunes Charts geschossen ist. Die Platte ist großartig. Aber von Anfang an.

Vor knapp zwei Jahren schafften The Civil Wars mit ihrem Debüt Barton Hollow ihren großen Durchbruch. Das Album schlug ein wie eine Bombe und sahnte in den USA einen riesigen Musikpreis nach dem anderen ab. Der Rummel um die Band war riesig. Ein bisschen zu riesig, die angekündigten Europatour vergangenen Herbst wurde kurzfristig abgesagt. The Civil Wars erklärten, sie würden eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegen, um sich wieder zu ordnen. Dann, vor wenigen Wochen, wurde trotz dieser Auszeit ein neues Album angekündigt – The Civil Wars. Die Single „The One that Got Away“ lieferte schon einen interessanten Vorgeschmack. Und anders als bei vielen Alben ist dieser Song längst nicht der einzige richtig starke Song auf der neuen Platte.

The Civil Wars kommt mit zwölf äußerst berührenden Stücken daher, die einen mal angespannt melancholisch auf die emotionale Erlösung warten lassen und dann doch wieder verträumt dazu einladen, sich entspannt in seinen eigenen Gedanken zu verlieren.

Beinahe hat man das Gefühl, dass das Duo aus Alabama auf diesem Album seinen ganz persönlichen inneren Bürgerkrieg ausgefochten hat. So beginnt die Platte zum Beispiel gleich mit dem vor Schmerz und Enttäuschung nur so sprühenden „The One that Got Away“ und nimmt die Stimmung, nun angereichert mit etwas mehr sehnsüchtiger, reminiszenter ( ja unerfüllter?) Leidenschaft, mit in die nächste Nummer „I Had Me a Girl“, in der sich beide Duett-Partner spürbar aneinander reiben und sich scheinbar ihre Gefühle vom Leib singen. Im Verlauf des Albums schleicht die Stimmung vom großen konfliktbeladenen Ungetüm und vor Verzweiflung und Melancholie schwer beladenen Tsunami-Welle mit ebenso tiefen Wellentälern langsam aber sicher von Track zu Track in etwas hoffnungsvollere Sphären. Emotional ist das definitiv keine leichte Reise. Wer sich dabei zu sehr in die zarten, perfekt durchdachten Lyrics hineindenkt und sich dabei auch noch von den gewaltigen Stimmen der beiden Musiker mitreißen lässt, sollte damit rechnen, hier und da auch schon mal eine Träne verdrücken zu müssen.

Überhaupt bestimmt hier während der gesamten Spielzeit schlichtweg großartiges Songwriting das Bild. Fluffig locker leichte Folkpop-Nummern darf man hier nicht erwarten, dafür umso mehr tief schürfende Geschichten über gewonnene und zerronnene Liebe und Leidenschaft, schicksalhaften Begegnungen und der Suche nach Perspektiven und dem Sinn des Lebens. Dabei ist absolut beeindruckend, mit welch minimalistischer Instrumentierung, ja beinahe allein durch Modulation ihrer Stimmen es Joy Williams und John Paul White hier gelingt, derart kraftvolle, bewegende Stimmungen zu erzeugen. Chapeau!

Kurzum, dieses Album hat mich überwältigt. Es ist definitiv keine Platte, die man einfach nur im Hintergrund dudeln lassen sollte. Dafür sind die Songs geradezu zu schade. Dieses Album muss man mit all seinen Sinnen, Fasern und Zellen aufsaugen und spüren – nicht nur hören. Auch wenn es manchmal schon fast wehtut, wenn The Civil Wars einen vollständig entführen und dann so richtig an der eigenen Seele herum kratzen. Aber sie haben für die aufgerissenen Wunden auch ein paar sensitive Pflaster parat, mit denen sie einen am Ende wieder zusammenflicken. Über den Kopf streicheln sie einem dann spätestens mit dem französischen „Sacred Heart“, sodass man zwar tief bewegt und mitunter etwas derangiert, aber nicht emotional vollkommen zerstört aus diesem Civil War wieder nach Hause zurückkehrt.

Für mich ist The Civil Wars bisher eines der besten Alben des Jahres. Nicht mehr und nicht weniger.

The Civil Wars – The Civil Wars
VÖ: 23. August 2013
Sony Music

1. The One That Got Away
2. I Had Me A Girl
3. Same Old Same Old
4. Dust to Dust
5. Eavesdrop
6. Devil’s Backbone
7. From this Valley
8. Tell Mama
9. Oh Henry
10. Disarm
11. Sacred Heart
12. D’arline

Konzerttipp: The Drowning Men im August auf Tour in Deutschland

Ich weiß, es ist gerade absolute Festival-Hochsaison, aber trotzdem möchte ich Euch diesen Sommer  noch eine Indoor-Tour ans Herz legen: The Drowning Men sind im August in Deutschland unterwegs und spielen unter anderem am 16. August im Münchner Strom – wie man auch unschwer auf dem Bild erkennen kann. Doch wer sind diese „ertrinkenden Männer“ überhaupt?

The Drowning Men sind eine Indierock Formation aus Oceanside in Kalifornien. Die Presseankündigung des Konzerts behauptet, dass man die fünf Herren mit all ihren Tattoos und Bärten auch problemlos für Dockarbeiter aus ihrer Heimatstadt halten könnte, aber solche Stereotypen will ich hier gar nicht erst auspacken. Dafür lasse ich mich viel lieber von ihrer Musik überzeugen. Die lässt sich am besten als eine Mischung aus lautem Indie-Rock mit leichtem Folk-Appeal und teils starken elektronischen Synthie-Einflüssen beschreiben. Für mich klingt das manchmal gar ein bisschen so, als ob The Soundtrack of our Lives sehr mit The Gaslight Anthem geflirtet hätten. Wer weiß, vielleicht haben sie das in Gedanken ja sogar?

Ihre Musik kommt auf jeden Fall gut an, so wie meistens, wenn eine Band offensichtlich mit ganzem Herzblut bei der Sache ist. Mit jedem Ton spürt man ein kleines Stückchen der Seele der Band, mit jedem Beat ihrer zwei Alben schwingt einem die Leidenschaft nahezu entgegen. Genauso soll es live zugehen, wenn man diversen Konzertberichten aus ihrer Heimat glaube darf. In den letzten Jahren durften sie dort neben vielen anderen schon Alkaline Trio und Flogging Molly supporten.

Im August wird ihre 2012er Platte All Of The Unknown nun auch in Deutschland veröffentlicht (kleine Hörprobe und Gratis Download: Siehe Soundcloud Link). Passend dazu sind die Herren im Sommer fleißig auf Promotour in Europa und beehren im August auch unsere Breitengrade. Zunächst als Support für den großartigen Chuck Ragan von Hot Water Music und danach für einige Headline-Shows und Festivalauftritte.

Wer gerne The Gaslight Anthem, Dave Hause, Chuck Ragan (oder all die anderen feinen Bands der Revival Tour) hört, dem seien auch The Drowning Men wärmstens empfohlen. Alle Tourdaten sowie Ticketinfos findet Ihr hier.

The Drowning Men in Deutschland und Co.

12. August – Bremen, Lagerhalle (Support für Chuck Ragan)
13. August – Berlin, Lido (Support für Chuck Ragan)
14. August – Hamburg, Fabrik (Support für Chuck Ragan)
15. August – Münster, Skaters Palace (Support für Chuck Ragan)

16. August – München Strom Linienclub
16. oder 18. August – Highfield Festival
17. August – Frequency Festival
20. August – Zürich, Hafenkneipe

21. August – Stuttgart, Stiftskirche (Support für Chuck Ragan)
22. August – Köln, Gebäude 9
23. August – Herford, Club X (X Fest)

Torpus & the Art Directors: Moderner Folk aus Norddeutschland

Moderner, richtig toller Folk aus Norddeutschland. Den gibt’s? Ja, und wie! Torpus & the Art Directors sind ein wunderschönes Beispiel dafür, dass gute Musik eben nicht kein perfekt durchdachtes Konzept oder eine vollständig festgezurrte Bandbesetzung braucht. Diesen Monat ist die Truppe rund um Sönke Torpus auf ausgedehnter „From lost Home to Hope“-Tour in Deutschlands Clubs unterwegs und wird am 31. Januar auch in der Kleinen Freiheit in Osnabrück halt machen. Das freut mich sehr!

Hinter Torpus & the Art Directors stehen zum einen Frontmann und Namensgeber Sönke Torpus, der mit seiner markanten Stimme und gelassenen Art für den schönen Wiedererkennungswert der Musik sorgt. Begleitet wird er dabei steht’s von seinen treuen Art Directors, die in ständig unterschiedlicher Besetzung für die richtige musikalische Untermalung der Texte zuständig sind. So ganz wechselnd ist die Besetzung heute jedoch anscheinend auch nicht mehr. Der Hinweis findet sich nur noch auf der Facebookseite, auf der Bandhomepage werden Ove Thomsen (Gesang, Harmonium, Banjo, Trompete, Mandoline), Melf Petersen (Gesang, A-Gitarre, Baritongitarre, Mandoline), Felix Roll (Schlagzeug) und Jenny Apelmo (Gesang, Bass) als feste Besetzung aufgezählt.

Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich auf Herrn Torpus und seine treuen Art Directors vergangenen März im Ringlokschuppen in Bielefeld. Hier supportete die Band Kettcar auf ihrer „Zwischen den Runden“-Tour. Die markante, leicht raue Stimme, die wunderschönen, relaxten Melodien, die Liebe zum Detail und die natürliche Leidenschaft, mit der die fünf Musiker ihre Stücke auf die Bühne brachten, ließen mich selbst während des Auftritts von Kettcar nicht mehr los. Ich kaufte mir nach dem Konzert die EP – Mit einer der am niedlichsten aufgemachten Verpackungen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe. Eine einfache, bedruckte Papphülle, darin eine CD in Vinyl-Optik, und ein Booklet, das fein säuberlich zusammengefaltet und in einem winzigen, mit rotem Siegelwachs versiegeltem Briefumschlag verstaut, der mit einer riesigen Büroklammer an die Hülle geheftet war. 
Leider hatte die CD einen kleinen Fehler: Mein Macbook wollte sie partout nicht lesen und so ließ sich das gute Stück einfach nicht in meine Mediathek importieren. Deshalb dauerte es dann noch fast ein halbes Jahr, bis ich die wohl niedlichste CD der Welt wieder in mein Auto schleppte und ihn dort anhörte. Inzwischen hatten sich in meiner Straße in Osnabrück an den Laternen und Straßenschilder über Nacht die Torpus-Sticker vermehrt, die ein neues Album ankündigten. Ich freute mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit, wenn ich einen neuen Aufkleber an der Ampel entdeckte. 
Foto: Grand Hotel van Cleef

Seit dem 12. Oktober gibt es den Longplayer „From Lost Home to Hope“ aus dem Hause Grand Hotel van Cleef nun käuflich zu erwerben und ist seither auch fester Bestandteil meiner Plattensammlung. In ihren Pressetexten werden Torpus & the Art Directors mal mit Mumford & Sons, Arcade Fire oder auch den Fleet Foxes verglichen. Teilweise trifft das zu. Beruhigend und emotional berührend sind die Stücke, die sich auf der Platte versammelt haben. Ganz ohne Kitsch, trotz einer großen Portion Sehnsucht und Melancholie, die eine interessante Symbiose mit einem Eimer voll Optimismus eingeht. Wunderschön und detailverliebt, jedoch niemals überladen. Und das trotz fünfstimmiger Chöre und einer derart abwechslungsreichen Instrumentation, von der andere Bands oft nur träumen. 

Die insgesamt 13 Stücke machen neugierig auf die Tour, neugierig auf Torpus & the Art Directors live. Von Ende Januar bis Mitte Februar ist die Band in Deutschland unterwegs. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder direkt beim Grand Hotel van Cleef-Ticketshop
Torpus & the Art Directors
From Lost Home to Hope – Tour

24.01.2013 Lübeck – Blauer Engel
25.01.2013 Kiel – Prinz Willy
26.01.2013 Rostock – Lohro Klubnacht
27.01.2013 Berlin – BiNuu
28.01.2013 Göttingen – Pools
30.01.2013 Düsseldorf – Forum Freies Theater
31.01.2013 Osnabrück – Kleine Freiheit*
01.02.2013 Essen – Zeche Carl (Lichhof)
02.02.2013 Köln – Stereo Wonderland
03.02.2013 Frankfurt – Ponyhof
05.02.2013 Saarbrücken – Garage (kleiner Club)
06.02.2013 Karlsruhe – Jubez
07.02.2013 Nürnberg – Club Stereo
08.02.2013 Halle – Objekt 5
09.02.2013 Erfurt – Museumskeller
11.02.2013 Jena – Café Wagner
12.02.2013 Leipzig – Kö
13.02.2013 Hannover – Lux
14.02.2013 Bremen – Tower
15.02.2013 Hamburg – Molotow
16.02.2013 Leck – Leck-Hus
* Für das Konzert in der Kleinen Freiheit in Osnabrück gibt es außerdem Karten im Kartenwerk in der Dielinger Straße. Kostenpunkt: schmale 10 Euro plus Gebühren. Einlass ist am 31. Januar um 20 Uhr, los geht’s um 21 Uhr.

Fotos: Eugen Heimböckel