Schlagwort-Archive: Festival

RELOAD Festival 2009 – Fotos und Video Online!

Darüber lesen konntet Ihr gestern schon, jetzt gibt’s auch endlich die passenden Bilder vom RELOAD Festival 2009 in Twistringen. Klickt Euch rein!

Entweder rechts oben über „Leiselaut – Impressionen“ oder ganz einfach HIER!

Das erste Video ist auch fertig geschnitten. Eine kleine Zusammenfassung des Tages könnt Ihr Euch direkt hier ansehen.

RELOAD Festival – Gekautes von der Bloodhound Gang

4. Juli 2009
Es staubt, es ist heiß, das Bier fließt in Strömen. Beste Stimmung auf dem RELOAD Festival in Twistringen zwischen Bremen und Vechta. Für Blue bin ich zusammen mit Kirsten, Freund Felix und Bruder Arne wieder unterwegs, um den lieben Usern der Stayblue Community auch von diesem Festival zu berichten.

Als wir Samstag nachmittags gegen 15:30 Uhr endlich am Gelände ankommen, tummeln sich auf dort gerade einmal ein paar Hundert Leute. Wahrscheinlich schlafen die meisten noch, denn am Vorabend haben unter anderem Anthrax den Besuchern ordentlich eingeheizt. Die Stimmung muss bombig gewesen sein, schließlich liegt zur Begrüßung auch schon eine Alkoholleiche vor dem Eingang auf dem Grünstreifen am Straßenrand. Einen Schuh hat er am Abend vorher verloren. Nette Passanten dekorieren den jungen Mann liebevoll mit Goldfischkräckern und anderen Leckereien. Zur Kunstwerksvollendung werden Blumen niedergelegt. Der weiteren kreativen Entfaltungen bereiten allerdings drei Sanitäter des DRK dann doch vorsichtshalber ein Ende und transportieren den Unbekannten auf einer Trage ins Lazarett. Sein weiteres Schicksal bleibt unklar.

Am Kassenhäuschen dann ein kleiner Schock. Es gibt keine Pressepässe mehr. Wir sollen einfach so mit allem unserem Equipment reingehen. Doof nur, dass die Security das anders sieht. Ohne Pässe keine großen Kameras auf dem Gelände. Und ohne große Kameras keine guten Bilder. Doof. Zum Glück treffen wir zufällig den Veranstalter an, der auf seinem Fahrrad an diesem Wochenende locker seine Hundert und mehr Kilometer zusammen strampelt. Er drückt uns kurzerhand 3 Pässe in die Hand – so werde ich in drei Sekunden vom Pressefuzzi zum Techniker und Kirsten zum VIP und haben so doch vollen Backstage Zugang. Glück gehabt!
Auf der Bühne spielen Accessary vor einer Handvoll Zuschauern gerade ihre letzten beiden Stücke. Es ist ein nettes, sehr überschaubares Festival auf dem Land, mit Bullenreiten, viel Musik und ganzen Schweinen am Grillspieß. Wir drehen unsere ersten Takes vor der Bühne und Backstage, und gucken uns unsere ersten Interviewopfer aus. Die Wahl fällt auf One Fine Day, die sich gerade auf ihren anstehenden Auftritt vorbereiten. Die lieben Jungs aus Kiel und Hamburg legen ein sehr ordentliches Set hin, dass definitiv mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Da sie Abends jedoch noch auf der Breminale spielen werden, haben sie den undankbaren Slot um 16 Uhr erwischt. Trotzdem heizen sie den Leuten vor der Bühne ordentlich ein und verbreiten eine Stunde lang allerfeinste Stimmung. Nach kurzer Verschnaufspause und Stärkung stehen mir dann Marten und Eric Rede und Antwort. Ganz idyllisch, ganz romantisch mitten auf einer grünen Wiese.

Derweil rocken sich The Sorrow die Seele aus dem Leib. Es soll wohl ein ordentliches, bretthartes Set gewesen sein. Das meiste zog jedoch an mir während des Interviews backstage ungewürdigt vorüber. Zu Wirtz bin ich dann aber doch wieder gerade noch rechtzeitig vorne im Graben, und habe genau noch den Rest des laufenden Songs Zeit, um Fotos zu machen. Die Musik mit deutschem Text ist sehr eigenwillig aber irgendwie auch sehr gut. Vor der Bühne ist es inzwischen auch schon um einiges voller. Es gibt nicht mehr ganz so viele riesige, gähnende Lücken im Publikum.

Gegen 20 Uhr entern dann die Jungs von Itchy Poopzkid die Bühne und der Knoten in der Menge platzt endgültig. Na endlich! Es wird gepogt, getanzt und gecrowdsurft was das Zeug hält. Die drei Schwaben geben alles und ernten für ihre punkige Geradeaus-Nachvorn-Mucke wohlverdienten Applaus. Ich schieße ein paar schicke Fotos von vorne aus und gucke mir den Rest gechillt von der Seite aus an. Ich werde von der Musik angesteckt und muss meine unbegründete, vorurteilhafte Meinung über die Band „Die sind doch sooo 2007“ ganz schnell revidieren. Von denen kann man noch großes Erwarten, solange sie nicht aus ihrem Bandnamen rauswachsen.

Dann kommt 4Lyn. Was ist passiert? Ich erinnere mich nicht wirklich an das Set, aber auch nicht daran, was ich in der Zeit gemacht habe. Nur der Spruch „Wie viele Mädels sind hier auf dem Platz?“ Mittellautes Kreischen als Antwort. „Hm, das ist nicht Revolverheld. Aber passt.“ Dazu scharwenzeln hinter der Bühne drei Roadies herum, die mir unglaublich bekannt vorkommen. Den Drei scheint nicht anders zu gehen. Immer wieder gucken wir uns verstört an, aber kommen nicht darauf, woher wir uns kennen könnten. Der Revolverheld-Spruch macht die Sache nicht besser. Bis es mir Stunden später wie Schuppen von den Augen fällt: Oktober 2008, Helden 2008, Tour. Ja. da waren sie dabei. Und ich auch. Und jetzt sind sie vestört, warum ich hier backstage hocke…

Nach 4Lyn kommt dann endlich, worauf wirklich jeder hier auf dem Gelände gewartet hat. Die Bloodhound Gang. Im Fotograben ist es eng. Laufend tritt man sich auf die Füße und von hinten kommt ein Crowdsurfer nach dem nächsten geflogen. Die Bloodhoung Gang brettert los, als ob es kein Morgen gäbe. Das Publikum ist außer Rand und Band, die Stimmung ist binnen Sekunden auf dem Siedepunkt. Die drei Songs im Graben kommen mir undendlich lang vor, weil einfach so viel passiert: Rauchfontänen, Bierduschen, Becherwerfer. Auf einmal steht Evil Jared hinter mir und versorgt die erste Reihe mit eiskaltem Jägermeister. Vor lautern Fotografen habe ich ihn fast nicht kommen sehen. Ich knipse drauf los, das muss irgendwie aufs Bild. Plötzlich dreht er sich um, baut sich vor mir auf. Der stiernackige Hüne schaut mir in die Augen, grinst auf einmal extrem frech und mir rutscht das Herz vor Angst in die Hose. Dabei ist er doch ganz lieb. Er will mir doch auch nur etwas vom besten Schnaps Deutschlands einflößen, als einziger der Fotografen. Meine Angst ist wirklich unbegründet.

Einen Moment später das nächste Highlight meines Abends. Kurz vor Beginn des dritten Songs (und damit des letzten, währenddessen man im Graben sein darf), machen Jimmy Pop und Evil Jared den Vorschlag, alle Fotografen könnten während des Songs ja von der Bühne aus Fotografieren. Keiner reagiert. Anscheinend hat kaum einer wirklich verstanden, was die wirklich wollen. Ich gucke mich ungläubig um und mache einen zaghaften Schritt auf den Bühnenaufgang zu. Und schon ziehen mich die beiden Bloodhound Gang Member hoch auf die Bühne. Unglaublich. Nach mir stürmen natürlich alle anderen auch den Bühnenaufgang und knipsen 5 Minuten lang was das Zeug hält die Jungs aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive.

Danach ist mir eigentlich alles egal. Ich genieße nur noch die Show, auch wenn die Aktionen rund um „Ich kotz im Strahl“ und wir bewerfen uns mit „Ge-Ka-Utem“ nicht gerade appetitlich sind. Die Menge tobt und die Band hat einen Mordsspaß. Angeblich sogar mehr als bei Rock am Ring und Rock im Park.

Nach gut zwei Stunden ist alles vorbei. Ich gehe nochmal schnell nach hinten und packe ein. Auf dem Weg zum Ausgang treffe ich noch kurz den Schlagzeuger von Itchy Poopzkid, der mein TWLOHA-Shirt toll findet. Ich sage ihm, dass ich ihn auf der Musikmesse gesehen habe. Er: „Jaaaa, aber du hast nicht hallo gesagt! Nächstes Mal komm vorbei und sag hallo, ja? Das machen so wenige! Das musst du mir jetzt versprechen!“

Okay, versprochen.

——-
Bilder gibt’s wieder bei Flickr, entweder rechts oben über „Leiselaut – Impressionen“ oder ganz einfach hier.

There’s more to come

Auch wenn es draußen nicht wirklich so aussieht und sich schon gar nicht so anfühlt, der Festivalsommer steht bereits vor der Tür und will gut geplant werden. Derzeit verhandelt mein Konto (und vielleicht auch bald meine Redaktion? *Wink mit dem Brückenpfeiler*) mit Rock am Ring Tickets, Hurricane, Highfield, Dithmarscher Rockfestival und noch einigen kleineren Festivals, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Desweiteren hier eine kleine Vorschau der geplanten Events und Berichte für die nächsten Wochen:

Die Happy – Live & Acoustic Tour in Osnabrück
Tomte – Live im Rosenhof in Osnabrück
Musikmesse Frankfurt – Besuchertag
Clueso – Album Release „So sehr dabei LIVE“
Luxuslärm – live im Quasimodo in Pirmasens
Kilians – live in der Kammgarn, Kaiserlautern
Ingrid Michaelson – live in Hamburg und/oder Karlsruhe

Eventuell gibt es noch ein paar Interviewüberraschungen 😉 Mehr wird noch nicht verraten.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer???

Serengeti Festival 28.06.2008 – Revolverheld


Eigentlich sollte heute mein neues Experiment starten: Zwei Festivals an einem Tag. Jedoch machte mir das Wetter in Münster beim Vainstream einen dicken Strich durch die Rechnung und so verkaufte ich dort vor Ort noch schnell mein Ticket und begab mich lieber schon am Nachmittag nach Ostwestfalen, wo im kleinen Städtchen Schloss Holte Stukenbrock heute einmal nicht nur der Safaripark die größte Attraktion sein sollte.

Das Serengeti. Ein schönes, sehr überschaubares Festival auf dem Gelände eines Schulzentrums fand ich dort vor. Eigentlich ist das Serengeti ein einschlägiges Heavy-Metal Festival, so dass Revolverheld und MIA. eigentlich mal so gar nicht ins Line Up passen wollten. Aber jedes Festival braucht ja seine Publikumsmagneten und ich muss ganz ehrlich sagen, ohne diese hätte ich meinen Weg auch nicht unbedingt in die Provinz gefunden.

Nun gut. Eigentlich ist es ja wirklich egal wo das Festival ist, Hauptsache es wird gerockt. Und das wurde es. Natürlich legten die Geheimtipps im Line-Up grandiose Sets hin und wärmten das Publikum ordentlich für die Headliner Revolverheld und MIA. auf. Während bei den Bands des Tages eher schwere, schwarzgekleidete Menschen mit langer Haarpracht den Platz vor der Bühne bevölkerten, hätte das Publikum bei Revolverheld nicht unterschiedlicher sein können. Vom 8-jährigen Metalsohn, über vereinzelt weitgereiste Hardcore-Revolverheldfans, bis hin zu den 17-jährigen Dorfpunks und den Eltern der Halbstarken war an diesem Abend wirklich alles dabei. Die Stimmung war gut, es war laut, es hat gekracht und gerockt. Man sollte es nicht glauben, aber selbst bei den Hamburger Jungs wurde exessiv dem Crowdsurfen gefröhnt, so dass die Securities vorne alle Hände voll zu tun hatten. Yeah! Revolverheld rockten für ca 70 Minuten den Platz und allgemein war es einfach nur eine fette, laute Party.

Ob die Party später bei MIA. weiter ging, ist mir leider nicht bekannt. Aufgrund allgemeiner Erschöpfungserscheinungen (es lagen ja bereits das Hurricane, die Kieler Woche, ne fette Grippe, Münster und allgemein die Fahrt von Kiel hinter mir) fiel mir die Entscheidung doch schon lieber die Heimfahrt anzutreten, so gar nicht schwer. So ging es wohl auch einigen anderen Festivalbesuchern, denn man hörte immer wieder: „Oh man, die sind sooo schlecht! So nen Scheiß muss ich mir nicht geben!“ – Nun denn: ein Beweis mehr, dass der Clash zwischen Heavy Metal und deutschem Indie Elektro Pop vielleicht doch zu groß ist – egal wie bekannt die Band auch sein mag.

Erkenntnisse des Tages:
::Adapterkassetten halten bei Dauerbetrieb höchstens zwei Jahre::Querschnittsgelähmte können manchmal doch laufen::Schals durchschneiden ist sinnlos – Egal wer ihn vorher angefasst hat::MIA. ist kein Rock. MIA. ist kein Metal. MIA. ist… ach keine Ahnung was sich die Veranstalter dabei gedacht haben.::Sicherheitshinweis: Mikroständer sind KEINE Krücken:: Punkt.

FOTOS gibt es hier.

Hurricane 2008 – Staub, Chaos und eine Unwetterwarnung


Bis kurz vor Abfahrt am Donnerstag Nacht, war das ganze Vorhaben Hurricane 2008 bei mir eine sehr wackelige Geschichte. Gerade mal 5 Tage vor Beginn hatte ich mich endgültig entschieden, mein Weihnachtsgeschenk (2 Tickets) nicht bei ebay zu verticken, sondern mich wirklich wieder auf den Eichenring zu begeben. 2 Tage vorher, als schon so ziemlich alles geplant, eingekauft und gebucht war, sprang mir meine Begleitung ab und ich stand wieder alleine da. Zum Glück fand sich nach einer himmelschreienden facebook- und MySpace Bulletin Aktion, sowie Telefonterror bei meinem gesamten Telefonbuch doch noch jemand, der Zeit, Lust, Geld und ein Zelt hatte.

Vorab: Fotos (hauptsächlich von Tegan and Sara) gibt es hier.

Freitag
Zu nachtschlafender Zeit (2 Uhr morgens) nach der großen Feierei des Halbfinalsieges, machte ich mich also auf Richtung Scheeßel, um mal wieder so richtig schön 3 Tage lang im Staub oder Schlamm zu baden. -Äähm, ich meine um grandiose Musik zu hören. Pünktlich zum Sonnenaufgang holperte mein Auto vollbepackt bis obenhin mit sinnlosen Dingen (besonders zu erwähnen hier die pinken Sangriastrohhalme) auf seine endgültige Parkposition.

Nach einer Mütze Schlaf im Auto und einem erfolglosen Versuch für meine Chefin und unsere Gewinner das grandios schlecht geplante Axe-Camp vor dem Totalabriss zu bewahren, fand ich dann auch endlich meine lieben Chaoten und unser Staubloch. Pardon, Zeltplatz. Zum Glück konnte ich dank meiner in den USA stark verbesserten Überredungskünste unseren ganzen Haufen Halbwüchsiger dazu bewegen, vom Stoppelfeld auf grasähnlichen Boden umzuziehen. Danach war auch meine Festivalseele glücklich und ich konnte mich ganz meiner Berufung widmen. Den Bands.

Durch unsere Völkerwanderung/Umzugsaktion habe ich Enter Shikari leider verpasst. Allerdings bekam ich sie später anderweitig doch noch zu Gesicht.

Los ging es bei mir mit Kettcar. Ein Jahr nachdem ich sie in Münster gesehen hatte, rockten sie nun um 19 Uhr die Green Stage auf dem Eichenring. Ich war natürlich ganz vorne mit dabei und ließ mich von Klassikern wie Landungsbrücken und 48 Stunden verzaubern. Die neuen Hits vom aktuellen Album Sylt durften natürlich auch nicht fehlen und so wurde mit einer bunten Mischung aus neu und alt derbe gerockt, so dass die ersten Popel vor lauter Staub schwarz wurden. Es wurde friedlich fröhlich gesprungen und gefeiert. Nach viel zu kurzen 45 Minuten war dann auch schon leider wieder Schluss und auch die vom Publikum lauthals gewünschte Zugabe Balu war nicht mehr drin. Sehr schade, wie ich fand, aber der Zeitplan bei solchen Festivals lässt solche Spielchen nunmal leider nicht zu.

Während Monster Magnet dann die Bühne rockten, war bei mir Celebrity Talk angesagt. Dank der Visions gab es einen kurzen Schnack mit Enter Shikari, die wirklich alle herzallerliebst waren und sich wirklich für jeden noch so dämlichen Autogrammwunsch der meist 15-Jährigen, weiblichen Fans Zeit nahmen.

Direkt im Anschluss waren dann meine heimlichen Heldinnen an der Reihe. Tegan and Sara. Ich muss zugeben, dass ich bei den beiden Süßen doch recht nervös war, aber es ist ja alles gut gegangen. Smalltalk über die Show, St. Louis, Deutschland und Kanada. Gleich noch wen Nettes dabei kennengelernt und mit Autogrammen in der Tasche (jaa, ich konnte mich nicht zurück halten) wieder zurück zum Zeltplatz gehüpft, um meine beiden Hauptchaoten einzusammeln.

Nun stand die erste schwere Entscheidung für mich an. Mit den alten Helden NOFX die Bluestage rocken und danach zum 4. mal mit den Beatsteaks die Bühne abreißen… oder lieber das Coca Cola Soundwave Tent stürmen und einen Haufen Newcomer über mich ergehen lassen, um dann später bei Tegan and Sara ganz vorne zu stehen. Da ich den Tegan and Sara Gig in St. Louis schon verpasst hatte, entschied ich mich für letzteres. Von Deichkind habe ich mir noch schnell und pflichtbewusst Remmi Demmi angehört, bevor es zu Jason Mraz ins Zelt ging. Das war die beste Entscheidung des Abends. Jason Mraz, ick liebe dir! Mit seinem Hut und seiner unglaublichen Live-Band versetzte der charmante, junge Mann die Menge in regelrechte Begeisterungsstürme. Unglaublich locker jammte und improvisierte er nicht nur zu seinen eigenen Songs, sondern baute auch gerne mal bekannte Hits a la „Wonderwall“ von Oasis ein. Nach dem Gig war ich eigentlich schon wunschlos glücklich – und vor allen Dingen tot vor Müdigkeit. Trotzdem zwang ich mich noch durch die ersten 3 Songs von Xavier Rudd, der mit einem wirklich atemberaubenden Percussionaufgebot die Bühne betrat. Dijeridoos, Fußtrommeln, Schlagzeuge, Leiern und was weiß der Henker – Man hatte beinahe das Gefühl es gehe mit dem Teufel zu, Xavier da wirklich alles alleine betätigte. Nach 10 Minuten konnte ich dann leider nicht mehr und musste mich am Rand auf den Boden des Zeltes legen, um ein kleines Nickerchen zu halten. Rudds wunderbare Songs lullten mich ein in eine fremde Welt aus Klängen und Farben. Pünktlich zum letzten Song war ich wieder halbwegs fit und konnte mich in der Umbaupause für Tegan and Sara in die erste Reihe kämpfen – was um diese Uhrzeit gar nicht so schwierig war, zumal die Beatsteaks parallel ihr Set eröffneten.


Tegan and Sara – ich will Euch beide heiraten. Auch wenn das nicht geht, haha. Die beiden waren wirklich grandios. Auch wenn sie zwischen den Songs nicht so viel quatschten und Witze rissen wie sonst, war die Stimmung im Zelt sehr ausgelassen und alle folgten Saras Aufruf zum Gruppenkuscheln bei einer ihrer Balladen. Gleichzeitig zum Auftritt liefen mir mein eigener Film über mein Jahr in den USA vor Augen ab, bei dem Tegan and Sara den Großteil des Soundtracks stellen. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich fast jedes Lied mitsingen, was den beiden ein fettes Grinsen ins Gesicht zauberte. Sie spielten viele Lieder ihrer drei Alben und rissen die Leute alle mit, egal wie wenig diese von ihren Witzen und Anekdoten verstanden. Das 60 Minuten Set war natürlich gefühlt auch wieder viel zu kurz und so machte ich mich sehr tot, aber noch viel glücklicher auf zum Zeltplatz. Mein persönliches Highlight des ganzen Festivals. Wer die Zwillinge verpasst hat, ist ganz einfach doof und selber Schuld. Punkt.

Eigentlich sollten die Chemical Brothers für mich den Freitag Abend beenden. Allerdings war ich nach den Strapazen des Tages dermaßen hinüber, dass ich schon Probleme hatte, heile mein Zelt zu finden. Meinen Zeltkumpanen ging es ähnlich und so fielen wir schon recht früh (gegen 2 Uhr) tot ins Bett.

SAMSTAG

Ziemlich gerädert quälte ich mich in aller Herrgottsfrühe aus dem Zelt, um doch tatsächlich zu duschen. Die Idee hatten leider noch mehr Leute, und so entstand in kürzester Zeit eine Schlange vor dem Duschzelt, die einen glauben lassen wollte, es gäbe Hurricane Tickets fürs nächste Jahr umsonst. Nachdem das auch überstanden war, wurde noch fix gefrühstückt und dann ging es auch schon wieder aufs Gelände. Viel zu früh am Morgen, nämlich um 12 Uhr mittags lag ich schon wieder vor der Absperrung der Blue Stage. Um mich herum lagen, saßen und standen noch ein paar Eidgenossen, ansonsten Totenstille auf dem Hurricane. So sah das vordere Pit bei etwa eine halbe Stunde vor der ersten Band aus. Gähnende Leere. Aber mich erwartete Großartiges. Als braves Streetteamerlein durfte ich mir den Auftritt der Newcomer Bakkushan natürlich nicht entgehen lassen. Die Jungs aus Mannheim hatten den Auftritt beim Hurricane bei der Becks on Stage Festival Challenge gewonnen und legten ein solides 25 Minuten Set hin, dass sich definitiv sehen lassen konnte. Dank ausgedehnter Stickeraktionen an den Vortagen war das Gelände ab dem ersten Song auch gar nicht mehr so lehr wie auf dem Bild zu sehen, und es wurde die erste wilde Party des Tages gefeiert. Die Band kam durchweg gut an und wir sind echt gespannt, ob sich die Jungs jetzt so langsam aber sicher in den Rock-Olymp hochkämpfen können.

Nach Bakkushan’s Set übermannte mich wieder die Müdigkeit, so dass ich mir während die UK Band Johnny Foreigner ihr Bestes gab, in der Sonne eine Pause gönnte und mich von der Sonne bescheinen ließ. Die Damen und Herren waren aber auch keineswegs zu verachten. „Violent Femmes treffen auf Pixies begleitet von XTC“ war die Beschreibung des Hurricane Programms für diesen Act. Den Nagel haben sie damit auf jeden Fall auf den Kopf getroffen. Die Musik machte richtig Spaß und war genau das richtige für einen chilligen frühen Nachmittag.

Danach zog es mich wieder rüber zur Green Stage, wo Apoptygma Berzerk aus Norwegen gerade richtig abgingen. Ich fand ein nettes Plätzchen neben dem TV Tower und sah mir mit Freuden das Spektakel an. Bei She Shine On sprang und tanzte dann auch mindestens das halbe Festivalgelände und ich wusste peinlicher Weise endlich, woher ich die Band kannte. Festivals sind schließlich immer für Überraschungen gut. Also war das dann auch endlich mal geklärt.

Ich weiss nicht, was an diesem Tag mit mir los war, aber irgendwie war Samstag der Tag der totalen Erschöpfung. Die einzige Band heute, bei der ich noch versucht habe vorne rein zu kommen war Rise Against. Die Punk Ikonen aus Chicago legten ein ordentliches Set hin, bei dem die Staubwolken meterhoch stiegen.
Die Kaiser Chiefs, die im Anschluss spielen musste ich mir wieder von weiter hinten angucken, weil es einfach nicht anders ging. Akku leer.

Billy Talent rockten dann um 21:15 Uhr los. Die Staubwolke war wirklich atemberaubend, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Auftritt, naja… Auch wenn die ganze Welt so furchtbar begeistert ist von Billy Talent… ich kann mit Ben und Co. nichts mehr anfangen. Vor 2 Jahren war das ja alles noch toll, schön, gut und neu. Jetzt wird es bei denen wirklich Zeit für was Neues, wenn sie nicht bei mir entgültig in die Sparte hoffnungslos überbewertet rutschen wollen…und damit mit Mando Diao auf einem Level stehen. Gott sei Dank gab es nach Bens unverständlichem Geschrei tatsächlich noch einen neuen Song, der eigentlich Hoffnung bereiten sollte. Aber irgendwie hörte auch der sich an wie alles andere was davor gespielt wurde. Ich war nicht sonderlich begeistert und war eher froh, dass ich oben auf der Converse Tribüne stand und nicht im wilden Mob und Staub unten vor der Bühne. Mein Fazit für den Billy Talent-Auftritt: Meeh, ganz nett. Kann man sich ganz gut angucken, muss man aber nicht.

Irgendwie war es dann auf einmal auch schon wieder dunkel und mein persönliches Highlight (neben Bakkushan 😉 ) stand an: FOO FIGHTERS! Die Jungs sind wirklich der absolute Hammer, hatten Bandverstaerkung in Form von Streichern und Co. dabei. Irgendwo mitten in der Menge stand dann unser ganzer Chaotentrupp und feierte die Party des Tages. Die Ansage: „I don’t care if we are supposed to only play 90 minutes. Usually we play about 2 1/2 hours per show. I say we play until they kick us off stage!“ von Dave Grohl versetzte die Menge in einen riesigen Begeisterungssturm. Sie spielten dann auch tatsächlich länger als vom Veranstalter vorgesehen, was sie mir gleich noch um einiges sympathischer machte. Das Set war unbeschreiblich – alle großen Hits waren dabei, es wurde improvisiert und überhaupt musikalisch nur erstklassige Aktionen geboten. Wer den Auftritt verpasst hat, muss eigentlich auf die Strafbank für den Rest seines Lebens, denn sowas kommt so schnell nicht mehr wieder. Die Atmosphäre war der Hammer, nur leider gaben irgendwann wieder meine Beine nach und ich musste mich mitten in der Menge mal auf den Boden setzen. Nicht so schön, aber doch irgendwie gemütlich.

Nach der Aktion ging es tot ins Bett um für den nächsten Tag wenigstens halbwegs fit zu sein.

SONNTAG

Abreisetag. Der Wetterbericht verhieß nichts gutes, und so packten wir auch gleich nach dem Frühstück schon all unsere Habseligkeiten ins Auto um sie vor möglichen Überschwemmungskatastrophen a la 2006 und 2007 zu retten.

Ich schaffte es gerade so pünktlich zu Panteon Rococo, die die Menge in tanzende Derwische verwandelten und ein solides Ska Set hinlegten. Leider holten sie dieses Jahr keine 50 Leute auf die Bühne, aber trotzdem war es einer der besten Auftritte des Wochenendes, zumindest was die Stimmung anging. Die nun über die Leinwände angezeigte schwere Unwetterwarnung ließ es einigen Besuchern dann unwohl werden, und so ergriffen viele gegen Nachmittag bereits die Flucht. Ich nicht. Gott sei Dank. Unwetterwarnung hin oder her, ich stand ab den Donots festgewachsen in der 2. Reihe vor der Blue Stage und feierte bis zum Ende von Flogging Molly ausgelassen mit ein paar Mädels, deren Namen ich leider schon wieder vergessen habe.

Das Unwetter kam, das Unwetter ging. Wir wurden alle nass, aber waren trotzdem glücklich.
Nach Flogging Molly fand ich dann ein paar meiner Leute (leicht durchnässt) wieder. Während Razorlight machten wir nochmal einen kurzen Ausflug zum Auto um die restlichen unnötigen Dinge loszuwerden, und waren pünktlich zu Sigur Ros wieder da. Die Isländer guckten wir uns ganz gechillt von unserer Decke aus an, aßen Mantaplatte, Pizza und was das restliche Bargeld sonst noch so hergab.

Dann stand nochmal eine schwere Entscheidung für mich an. Kooks oder Slut. Da ich mich natürlich nicht entscheiden konnte, rockten wir erst mal eine halbe Stunde mit denn Kooks um dann nochmal dem Coca Cola Soundwave Tent einen Besuch abzustatten, wo die Ingolstädter Jungs von Slut gerade ihr Bestes gaben. Nach ein paar Jahren Abstinenz war das was sie dort neu auf die Bühne brachten zwar nicht mehr das, was ich von früher von ihnen gewöhnt war. Trotzdem war es richtig toll, Rock mit elektronischen Einflüssen, die sich definitiv nicht zu verstecken brauchen.

Mit einem atemberaubenden Himmel über Radiohead endete das Festival dann für uns. Den Headliner konnten wir uns aus Zeitgründen leider nicht mehr ansehen, aber dafür gabs ein paar entschuldigende Fotos des knallrosa Himmels über einer perfekten Lightshow der Engländer.

Persönliches Fazit für 2008: Ich bin keine 21 mehr. Ich kann nicht mehr so pogen wie früher. Mich interessiert auf einmal andere Musik. Ich halte Festivals auch sehr gut ohne Alkohol aus. Das größere Gelände bedeutet zwar längere Wege, aber die Massen verteilen sich wesentlich besser. Jedes Jahr wieder. Irgendwann dann aber auf dem Wohnmobilparkplatz 😉 Man wird ja auch älter 😉

Serengeti+Vainstream Update

Natürlich kann ich es mal wieder nicht abwarten bis die Veranstalter die offiziellen Spielpläne veröffentlichen. Daher habe ich den Nachmittag damit verbracht, die Schedules der bestätigten Bands zu checken und einen vorläufigen Plan zu basteln, an dem ich mich orientieren kann.

So wie es gerade aussieht, gerät mein bisheriger Plan für mein Wahnsinnswochenende leicht ins Wanken. Anstelle von Revolverheld sind MIA. am Samstag Abend Headliner – die Herren mit dem offiziellen EM Song werden wohl „nur“ Co-Head sein.

Das bringt meine Planung leicht durcheinander – jetzt kann ich gerade nur hoffen, dass einige Bands beim Vainstream früher spielen als angenommen, damit ich nicht erstens nicht all zu viel grandiose Kapellen verpasse und obendrein erst beim Intro in Holte auf den Parkplatz rolle.

Ich werde das alles im Auge behalten. Im schlimmsten Fall muss das Serengeti eben dran glauben und mein erster Besuch bei den Helden 2008 muss noch etwas auf sich warten lassen.

Das Line-Up beim Vainstream ist eben doch wesentlich ansprechender. Da täte es um einiges mehr weh dort einige Bands zu verpassen.

Leise Laut – Von kleinsten Clubkonzerten zu den größten Festivals

Seit mehr als dreizehn Jahren gehe ich auf Konzerte – vor 3 Jahren wurde es mindestens 1 Konzert pro Monat und nun seit gut zwei Jahren bin ich in fast jedem Rockschuppen in Deutschland zu Hause und nehme jedes Festival mit, was mir wenigstens halbwegs zusagt. Ich war vor der Bühne und manchmal auch hinter der Bühne.

Jetzt mache ich meine „Drohung“ wahr: Ich werde mich hier meinen geistigen Ergüssen über sämtliche Shows und Festival hingeben, und Euch fleißig nach jedem Gig berichten.

Mein Jahr in den USA geht langsam aber sicher zu Ende, und mit der heißen Klausurenphase beginnt auch die heiße Bookingphase für mich. Wo buche ich mich überall ein? Wo muss man hin und was lässt man lieber sein?

Mein grober Festivalplan sieht bisher wie folgt aus:

Hurricane Festival Scheeßel
Kieler Woche
Vainstream Rock Fest Münster
Serengeti Festival Schloss Holte-Stukenbrock
Stemwede Umsonst und Draußen

Wer die Daten im Kopf hat wird jetzt sicher stutzen und anmerken, dass die ersten vier Termine alle in einer Woche und teilweise am gleichen Tag sind. Ja, da habt Ihr Recht. Aber genau das macht die ganze Sache so spannend. Werde ich das überhaupt überleben?

Ich + Konzert = Extrem

So muss das. So long.

Planungsupdates werden folgen.