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CD Review: Y’akoto – Babyblues

Y‘akoto – Wer ist das überhaupt?

Vom Kultur-TV-Sender arte wird Y‘akoto bereits als echte musikalische Sensation gefeiert. Die junge Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Jennifer Yaa Akoto Kieck heißt, wurde in Hamburg geboren, wuchs in Ghana auf, machte in ihrem Leben Zwischenstopps in Kamerun, Togo und dem Tschad. Inzwischen lebt sie wieder in Hamburg, Lomé und Paris. Als echte Weltenbummlerin hat die staatlich geprüfte Tanz-Pädgogin viele Themen, die sie in ihren gefühlvollen Soul-Nummern verarbeitet. Dabei fällt Y‘akoto besonders durch ihre außergewöhnliche Stimme auf.
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CD Review: Turntablerocker – „einszwei“

Eine durchtanzte Nacht im angesagtesten Club der Stadt – So ähnlich könnte man das Bild skizzieren, dass sich beim hören des neuen Albums „einszwei“ der Turntablerocker entwickelt. Michi Beck, Urgestein der Fantastischen Vier, und DJ Thomilla stoßen mit ihrer dritten Platte zwar keine neuen Türen der elektronischen Musik auf, sind aber weit davon entfernt im Einheitsbrei des wochenendlichen Clubgedudel unterzugehen.

Während viele Elektro-Platten sich gerne mal im Minimal verlieren oder sich mit stampfender Belanglosigkeit von der Tanzfläche rollen, schaffen es die Turntablerocker, diese Gefahr mit aufwändig kreativ produzierten Beats zu umschiffen. Klassische Elektroelemente, gepaart mit dem Retro-Charme der 70s-Disco, eingängigen Sample-Melodien, frechen Texten und einer riesigen Portion Tanzbarkeit sorgen für durchgehenden Bewegungsdrang. Das Besondere: die meisten Instrumente wurden klassisch eingespielt und erst danach elektronisch bearbeitet, kommen also nicht aus der Konserve.

Die ersten beiden Singles des Albums, „Alles auf die 303“ und „Von vorn“ liefern schon einen viel sagenden Vorgeschmack auf das, was da ab 30. März 2012 in den Regalen und Downloadshops zum Kauf bereit steht. Das Wochenende durchfeiern, die Füße wund tanzen und den Alltag vergessen. Das geht mit „einszwei“ wunderbar.

Tipp zum Wochenende: Barton Hollow – The Civil Wars

Man könnte gerade fast meinen, ich wäre heute auf einem kleinen The Civil Wars-Trip hängen geblieben. So ganz falsch ist das gar nicht. Nachdem ich das Duo letzte Woche im Taylor Swift-Video entdeckt habe und gestern Abend auch noch die Nachricht bekam, dass die beiden diesen Frühling nach Deutschland kommen würden, habe ich mir heute morgen kurzerhand auch noch das Album gekauft. Schon nach dem ersten hören muss ich, fast sprachlos, gestehen: Ich bin begeistert.
Joy Williams und John Paul White schaffen es mit ihrer Musik, dass man sich innerhalb weniger Augenblicke vollkommen entspannt. Barton Hollow lebt von den absolut auf das Wesentliche reduzierte Arrangement, wodurch Williams‘ und Whites klaren Stimmen sofort in den Vordergrund treten. Kein unnötiges Trallala, keine überladenen Gesangsmelodien, keine überfrachteten Instrumentalspuren. Die beiden transportieren so auf unglaubliche pure Art und Weise jede Emotion, jedes Fünkchen Freude, jeden Krümel nachhallende Melancholie, die große Liebe und die Furcht vor dem ewigen Abgrund.

Dabei bewegen sich The Civil Wars konstant im Bereich Folk und Country, jedoch ohne ihrer Platte den klischeehaften Cowboyhut aufzusetzen. „The fiddle sobs“, die Geige heult zwar hin und wieder ganz klassisch im Hintergrund, unterstützt die Stücke dabei aber hauptsächlich und dürfte auch europäische Ohren an diesen Stellen nicht zu kitschig klingen. Für die meisten zumindest.

Neben den eigenen Stücken ist auf Barton Hollow besonders die fragile Coverversion von Michael Jacksons „Billie Jean“ hervorzuheben. Mit purer musikalischer Leidenschaft und mit großer Achtung für das Original geben die beiden Musiker dem Stück hier ein ganz neues Gesicht.

Fazit: Barton Hollow ist eine perfekte Platte, um sich am Freitagabend schnell vom Arbeitsstress zu entspannen. Musik an und an nichts mehr denken. Danach mit der Platte aufs Sofa, ein gutes Buch in die Hand und einen schönen Rotwein dazu, und der Alltag ist ganz weit weg.

Schönes Wochenende!

(Das war jetzt erst mal der letzte Post über The Civil Wars 😉 Versprochen!)

Lauscher auf! – P:lot – Zuhören

P:lot sind wahrlich nicht erst seit gestern im Musikgeschäft. Am 24.02.2012 erscheint bereits ihr drittes Album „Zuhören“. Grund genug, mal die Lauscher zu spitzen und richtig hinzuhören.



Wer oder was ist P:lot?

Die Kölner Band P:lot spielt sich bereits seit 10 Jahren mit eingängiger, deutscher Indiepopmusik durch die Republik. Ihr erstes, selbstproduziertes Album mit dem Titel „Debüt“ veröffentlichte die Band 2004, trennte sich dann trotz Erfolg von ihrer Plattenfirma und schickte 2008 das zweite Album „Mein Name ist“ ins Rennen. Vier Jahre Später steht jetzt das dritte Album „Zuhören“ in den Startlöchern. Mit „Zuhören“ will P:lot weg von der traurig pessimistischen Melancholie, die man ihrer Meinung nach viel zu oft im deutschen Pop wieder findet, und die auch P:lot lange genug bedient hat.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Weg von der Melancholie, hin zum Optimismus – So könnte man den Plan der Band zusammenfassen. Wenn man auch noch dem Albummotto „Zuhören“ folgt und besonders den Texten „einfach mal zuhört“, merkt man auch, dass P:lot diesen Plan relativ erfolgreich verwirklichen. Während einige Melodien zwar immer noch melancholisch getragen daher kommen, haben doch die meisten Stücke trotz allem einen positiven Grundtenor. Statt überwiegend herzverschmerzter Balladen reiht sich hier eine Midtempo-Popnummer mit leichtem 60er und 70er-Jahre-Rock-Einschlag an die andere. Die ruhigen Momente der Platte erinnern streckenweise an alte Ohrwürmer von Oasis, nur mit etwas weniger Schwere im Unterton. Dabei wirken die Nummern nie wie krampfhaft auf gute Laune oder Friede, Freude, Eierkuchen gebürstet.

Butter bei die Fische…

P:lot erfinden mit „Zuhören“ die deutschsprachige Popmusik nicht neu, verlieren sich aber auch nicht im gerade so präsenten Singer/Songwriter-Einheitsbreigedudel. Die Stücke sind mit viel Liebe fürs Detail arrangiert. Wer die Ohren spitzt, entdeckt immer wieder kleine instrumentale Spielereien, die sich im Radioalltag sonst kaum finden lassen. P:lot gelingt es, ihren ganz eigenen Sound zu basteln und weiter zu entwickeln. Statt auf künstliche Gefühlsduselei in den Texten zu setzen, sagt die Band ohne großen Kitsch wie es ist. Nur manchmal klingt die Stimme von Sänger Alexander Freund dabei fast schon etwas zu emotional, sodass man die positive Message der Songtexte erst richtig wahrnimmt, wenn man konzentriert zuhört. Aber das passt ja zu der Platte.

Bewertung:

Positive Energie: 4/5
Vielseitigkeit: 3,5/5
Klang-Kreativität: 4/5

CD Tipp: YA-HA! – „Immer & Überall“

Einfach mal rausgehen und „YA-HA!“ schreien kann man überall, findet zumindest die gleichnamige Band, hinter der sich unter anderem Florian Schuster von Blumentopf und Janna Wonders verbergen. Wer zur Zeit genug von all den aus dem Boden schießenden Singer/Songwriter-Platten hat, könnte mit „Immer & Überall“ der Münchner Formation glücklich werden, das seit dem 3. Februar zu haben ist. Elektrobeats gepaart mit einer riesigen Portion Achtziger-Oldschool-Sound und einer Prise NDW mit frechen deutschen Texten und vorsichtigen Emotionen zeichnen die Musik von YA-HA aus.

Tanzbar, kritisch, geradeaus. YA-HA labern nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sagen in ihren Songs direkt wie es ist. In ihrer Single „Fake Coco Chanel“ nehmen sie die Fashion Victims der großen Metropolen aufs Korn, in „Made in China“ setzen sie sich mit dem Konsum- und Plastikrausch auseinander. Dabei laufen sie aber nie mit weltverbesserndem, erhobenen Zeigefinger durch die Gegend, sondern halten lediglich tanzend den Spiegel vor. Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.

Death by Chocolate – From Birthdays to Funerals

Auf ihrem Album „From Birthdays to Funerals“ klingen sie ein bisschen wie Oasis, wie der Britpop zu seiner besten Zeit, gemischt einer guten Portion all der Alternative-Rock-Größen, die einem spontan einfallen. Niemals würde man hinter diesem druckvollen, zeitlosen Rock‘n‘Roll eine Schweizer Kapelle vermuten, die ihren Bandnamen von einer Speisekarte übernommen hat.

Death by Chocolate haben am 20. Januar ihr Debütalbum veröffentlicht. 11 Tracks zieren den Silberling, die einen mit ihren raffiniert arrangierten Soundwänden fast schon dazu zwingen, die Arme nach oben zu reißen und die Finger zur Pommesgabel geformt Richtung Himmel zu strecken. Auf „From Birthdays to Funerals“ vereint sich Musik zum Abfeiern, Wut rauslassen, Haare schütteln und Roadtrippen. Keine Spur von künstlicher Schwere oder Melancholie, dafür aber durchaus angefüllt mit kritischen Texten und ernsthaften Themen. Auf 140 kleinen und größeren Gigs, darunter ein Support für Bon Jovi, konnte sich die Band bisher live erfolgreich beweisen. Jetzt hoffen sie, dass sie mit ihrer Platte in möglichst vielen Ländern zünden können.

Marsimoto – Grüner Samt

Zugegeben, die Platte Grüner Samt von Rapper Marsimoto klingt im ersten Moment ganz schön gewöhnungsbedürftig: Eine stark verfremdete Stimme rappt piepsig mit Mickey-Maus-Effekt zu düsteren Beats. Statt klassischem HipHop-Sound treffen dunkle Dubsteb-Töne auf Marsimotos Reime. Auf ganz eigenwillige Art und Weise wirft Marsimoto in seinen Raps Außenseiterthemen und typische HipHop-Plattitüden in einen Topf und widmet sich auffallend, ja fast schon ein bisschen zu viel, betäubenden grünen Substanzen.

Man möchte vorschnell meinen, Grüner Samt wäre einfach noch ein Kiffer-Rap-Album unter vielen. Langweilig. Irrelevant. Allerdings verbirgt sich hinter Marsimoto kein Geringerer als Marten Laciny, besser bekannt als Marteria. Mit seinem zweiten, düsteren Alter Ego „Marsimoto“ packt er hier Themen an, die zu seinem Mainstream gewordenen Materia nicht passen. Eine gelungene Spielerei. Beim Hören das Augenzwinkern also nicht vergessen.

„Grüner Samt“ steht seit dem 13. Januar 2012 in den Regalen.