Schlagwort-Archive: CD

Ein „Masterpiece“ von Big Thief – Albumtipp

Ich bin blitzverliebt. Und habe Gänsehaut. Und Fernweh. Und aus unerfindlichen Gründen eine Träne im Auge. Aber warum? Weil ich gerade in meinem Postfach über das Debütalbum „Masterpiece“ von Big Thief gestolpert bin. Mal kurz reingehört, weil mir das Cover gefiel. Und weil ich neugierig war, weil kein ellenlanger Infotext dabei war, der die Platte oder die Band künstlich in irgendwelche Musik-Olympe heben will. Und jetzt bin ich blitzverliebt. Habe Gänsehaut. Und… Ja ok, ihr wisst Bescheid.  Ein „Masterpiece“ von Big Thief – Albumtipp weiterlesen

Brian Fallon mit „Painkillers“ – CD-Tipp

Brian Fallon von The Gaslight Anthem hat vor knapp zwei Wochen sein Soloalbum Painkillers veröffentlicht.  Mein Konzertoto-Kollege Karsten ist seit dem ersten Ton begeistert. Warum? Lest selbst, im ersten wunderschönen Gastbeitrag im Blog seit Jahren. Viel Spaß damit wünscht Euch Katharina. Brian Fallon mit „Painkillers“ – CD-Tipp weiterlesen

CD-Tipp: A Tale of Golden Keys – Everything went down as Planned

Einen richtigen Albumtipp habe ich schon lange nicht mehr geschrieben. Keine Zeit, keine Lust, keine Inspiration. Vor ein paar Tagen habe ich jedoch das Debütalbum Everything went down as Planned von A Tale of Golden Keys in meinem Posteingang entdeckt. Das Album ist so wunderschön, dass ich heute einfach darüber schreiben muss. CD-Tipp: A Tale of Golden Keys – Everything went down as Planned weiterlesen

Eine „Going Away Party“ von und mit Going Away Party

Going Away Party laden zur „Going Away Party“. Häh? Jawoll. Das britische Trio hat gestern sein Debütalbum veröffentlicht, welches ich gerade rein zufällig in den undurchdringlichen Untiefen meines Posteingangs entdeckt habe. Und es passt gerade so perfekt zu den Gespenstern in meinem Kopf, dass ich es Euch hiermit einfach mal vorstellen möchte. Eine „Going Away Party“ von und mit Going Away Party weiterlesen

Album-Tipp: „Ich bin frei“ von TAIGA

Eine Band, die mir mit ihrer Musik in den letzten Monaten langsam aber sicher immer ein kleines Stückchen mehr ans Herz gewachsen ist, ist die überaus sympathische Osnabrücker Indierock-Kapelle TAIGA. Und das nicht nur, weil sie im September spontan ein ganz famoses, unglaublich intimes Konzert in meinem Wohnzimmer gespielt haben. Die drei Herren haben nach jahrelanger harter Arbeit und einem erfolgreichen Crowdfunding nun vor wenigen Wochen endlich ihr Debütalbum veröffentlicht. Ich bin frei heißt das gute Stück, welches ich Euch heute wärmstens empfehlen möchte. Album-Tipp: „Ich bin frei“ von TAIGA weiterlesen

CD Review: Joga Club – Mosaik Musik

Joga Club. Das sind fünf Osnabrücker aus fünf verschiedenen musikalischen Himmelsrichtungen. So steht es zumindest in ihrem Pressetext zu ihrem zweiten Studioalbum Mosaik Musik. Die neue Platte verspricht laut Beipackzettel von Timezone Records deutschen Pop mit mal poetischen, mal persönlichen Texten, die auch mal über das klassische „du und ich“ hinaus gehen. Oder ganz einfach: Tanzbare Tragödien. Das haben wir uns mal genauer angehört: Ein Eindrucksprotokoll.

Elf Tracks, eine schöne Papphülle. Alles schreit: handgemachte Musik! Das ist schon mal sehr vielversprechend. Aber Cover gaukeln einem bekanntlich viel vor. Das Album landet im Player, los geht’s. Und die ersten Töne gefallen in der Tat. Melancholische Passagen wechseln sich mit tanzbarem Schrammel-Poprock ab. Die Texte sind anscheinend um ein vielfaches durchdachter und ausgefeilter, als das bei vielen anderen Kapellen in letzter Zeit der Fall war. Kein reim dich oder ich fress‘ dich, keine großartig verkopften Hipster-Indie-Experimente, dafür eindrückliche Bilder und kleine Alltagsgeschichten. Sehr schön. Textlich erinnert es manchmal sogar an Bosse. Ob das so weiter geht?

Die Textpassagen betten sich auf sehr ordentlich produzierten Arrangements aus treibenden Rockbeats und ebenfalls eher rockigen als poppigen E-Gitarrenlicks und Riffs, die einen schon mal dazu bringen, ein bisschen durch die Wohnung zu tanzen. Die Popanmutung kommt dann doch eher vom großzügig eingesetzten Piano und Keyboard-Sounds. Das gibt dem ganzen immer wieder einen leichten Achtziger-Touch. Elton John lässt grüßen. Hin und wieder übertreiben sie es damit vielleicht ein bisschen. Drama, Drama, Drama. Zusammen mit der stampfenden Basedrum kratzt die erste Single des Albums „Der Plan“ stellenweise hart an der Grenze zum Schlager. Luxuslärm passiert das auch gerne mal. Glücklicherweise revidiert der Rest der Platte diesen Eindruck größtenteils.


Tanzbarer Pop-Rock bestimmt weiter das Bild. Eingängige Hooks, schöne, wenn auch durch die Bank weg melancholische Melodien schleichen sich heimlich aber bestimmt in den Kopf. Ja, ich ertappe mich sogar dabei, dass ich bei „Winter“ plötzlich mitsinge, ohne dass ich den Text oder die Melodie vorher schon einmal bewusst gehört hätte. Das ist in der Regel ein gutes Zeichen. Hier auch? Eigentlich schon. Im Prinzip gefällt nämlich, was da aus den Boxen schallt.

Trotzdem hat diese Platte, ja eigentlich vielmehr diese Band, für mich persönlich einen großen Wermutstropfen: Die Stimme des Sängers Philipp Rethmann. Es ist nicht so, dass er die Töne nicht trifft. Im Gegenteil. Es ist vielmehr die Art, wie er sie auf Mosaik Musik einsetzt. Die Tonhöhe, die mehrstimmigen Einsätze und die theatralische Dramatik in der Singstimme sind für meinen Geschmack stellenweise schlicht too much. Der Band gelingt es oft nicht, dem ganzen Stimm-Drama genügend Band-Drama entgegenzusetzen. An manchen Stellen können energische Gitarren zwar die überschwängliche Stimme abfedern, nur eben nicht oft genug. Das Gleichgewicht fehlt. Auf Dauer ist das ziemlich anstrengend. Geht es vielleicht auch eine Oktave tiefer? Hin und wieder fühlt man sich gerade so, als ob man in einem Rockmusical gefangen ist, in dem immer weiter Spannung aufgebaut wird, die Entspannung aber einfach nicht kommen will. Schade. Oder ist das ein gewollter Teil der Dramatik dieser tanzbaren Tragödien?

Dass Philipp Rethmann durchaus anders kann, zeigt der Song „Souffleur“. Hier klingt seine Stimme wesentlich natürlicher, entspannter und angenehmer. Und das liegt nicht nur am Sprechgesang, der hier zum Einsatz kommt. Insgesamt ist Mosaik Musik ein schönes Poprock-Album, das durchaus gut gefallen kann. Vorausgesetzt, man mag die Stimme sofort.

Schulnote: 3+

Selbst reinhören? Hier geht’s lang.

Joga Club – Mosaik Musik (2012)
Timezone Records

1. Trauriger Clown
2. Der Plan
3. 3D
4. Winter
5. Fischerdorf
6. Ich Kann’s Nicht
7. Augenringe
8. Zwei Tänzer
9. Lasst Sie Gehen
10. Souffleur
11. Der Mann im Mond

CD Kritik: Schoenholz – Ceylon


Für Schoenholz ist etwas nur wirklich gut, wenn es weh tut. So, oder so ähnlich, könnte man das Album „Ceylon“ vereinfacht zusammenfassen, wenn man sich nicht näher damit auseinander setzen möchte. Und zugegeben, es ist keine leichte Kost, was die Berliner Band mit ihren neun Tracks hier serviert.

„Mir fällt es schwer, über rein fröhliche Themen zu schreiben. Das klingt häufig einfach nur banal und berührt keinen. Der Schmerz in all seinen Facetten hat für mich eine viel stärkere Kraft“, erzählt Sängerin Daniela Schönwald über ihre Musik. Das ist während der gesamten Dauer des Albums eindeutig spürbar. Melancholie, Weltschmerz und Zukunftsangst sind ständige Begleiter der Platte. Das macht es nicht gerade leicht, sich Ceylon wirklich von vorne bis hinten an einem Stück anzuhören. Theatralisch singt Schönwald von düster ungewissen Zukunftsszenerien, von zwischenmenschlichen Katastrophen. Stellenweise kann man schon fast von Glück sprechen, dass sich die musikalische Untermalung dieser dunklen Geschichten gleichmäßig beruhigend im Hintergrund hält, anstatt den Hörer ebenfalls noch mit der Melancholie-Keule zu erschlagen.

Die Schwere des Albums ist zum Einen sein größter Feind, jedoch zum Anderen auch gleichzeitig sein stärkstes Wiedererkennungsmerkmal. Denn auch wenn man sich als Hörer immer mal wieder überfordert vorkommt, lohnt es sich doch, genauer auf die Texte zu achten. Auch düstere Geschichten sind immer wieder hörenswert. Lässt man sich darauf ein, entdeck man filigrane und zerbrechliche Passagen, die ein wenig schüchtern verspielt miteinander kokettieren, nur um dann doch wieder kompromisslos direkt zu sein.

Schoenholz liefern auf Ceylon Indiepop mit hohem Anspruch, der interessant daher kommt, geballt seinen Hörern jedoch einiges abverlangt. Deshalb sollte man sich bei der „Lektüre“ des Albums immer wieder einmal eine Pause gönnen, um nicht selbst vollkommen im Strudel aus Weltschmerz und Untergangsstimmung zu versinken.

Schoenholz – Ceylon
VÖ: 6. Juli 2012
Timezone Records
http://www.myspace.com/schoenholz

Ben Schadow – Liebe zur Zeit der Automaten

Der Hamburger Musiker Ben Schadow steht regelmäßig auf den Club-Bühnen des Landes. Nur kennt kaum jemand seinen Namen. Das könnte vor allem daran liegen, dass der vollbärtige junge Mann normalerweise im Hintergrund agiert und die Bass-Saiten zupft, während andere die Position im Mittelpunkt der Bühne einnehmen. Andere Leute wie zum Beispiel Dirk Darmstädter oder Bernd Begemann und Die Befreiung, die vielen dann schon eher ein Begriff sind.


Jetzt muckt der stille Ben Schadow auch selbst einmal auf, veröffentlicht am 18. Mai sein Debütalbum „Liebe zur Zeit der Automaten“beim Label Timezone Records in Osnabrück. Denn Ben Schadow kann viel mehr, als nur bei anderen Leuten für die richtige Bassline zu sorgen. Seit Jahren schreibt er Songs. Abwechslungsreich und vielseitig, irgendwo zwischen unschuldigem Sixties-Pop, Liedermacher-Retrosound und einer Portion Hier und Jetzt. Nachdenklich, melancholisch und gefühlvoll, gleichzeitig aber auch bissig gibt Ben Shadow seine vorwiegend leisen Songs zum Besten. Doch Schadow kann nicht nur leise, in wohldosierten Überraschungsmomenten kommen seine Songs fast schon rockig, laut und vor allen Dingen direkt um die Ecke – zumindest, was die Texte angeht.

Zwischendurch hat man das Gefühl, Olli Schulz hätte sich mit Sportfreunden Stiller an die Bar gesetzt, dabei aber die lauten Instrumente hinter sich gelassen und etwas Neues, Leises ausprobiert. So philosophiert Schadow in seinen Texten über zwischenmenschliche Beziehungen, manche echt, manche wohl eher erfunden, ohne dabei großartig kitschig zu werden. Musikalisch bleibt alles auf das wesentliche reduziert, jedoch ohne dabei platt oder undurchdacht zu wirken.

Insgesamt ein hübsches Album, dem man durchaus eine Chance geben kann. Die richtig schönen Seiten entdeckt man nach und nach beim mehrmaligen Hören.

Ben Shadows erste Single „Ich fall immer auf dieselben Dinge rein“ erscheint am 4. Mai. Passend zur Albumveröffentlichung steht auch gleich eine ausgedehnte Deutschlandtour ins Haus. Mit dabei: Pele Caster.

22.05. Dresden – Zille
23.05. Hildesheim – VEB Club
24.05. Erfurt – E-Burg , Cafe Duck Dich (open air)
25.05. Berlin – Valentinsstüberl (Neu-Kölln)
26.05. Halle – Brohmers
27.05. Kiel – Prinz Willy
30.05. Hamburg – Zentrale (Spätkonzert, n.d. Theatervorstellung)
01.06. Frankfurt – das Bett
02.06. Mannheim – O-Ton
03.06. Tübingen – tba
04.06. München – 8 Below
05.06. Stuttgart – Zwölfzehn
06.06. Dortmund – Pauluskirche
07.06. Köln – Theater/dieWohngemeinschaft
08.06. Itzehoe – Lauschbar“


Wer schon mal ein bisschen in die Platte reinhören will, geht bitte hier entlang. 


Ben Shadow
„Liebe zur Zeit der Automaten“
Timezone Records
Ab 18. Mai 2012

CD Review: Tom Hugo – „Sundry Tales“

Tom Hugo – Ein neues Parfüm?

Auch wenn der Name Tom Hugo eigentlich der perfekte Markenname für ein hochpreisiges Parfüm-Plagiat wäre, versteckt sich dahinter „nur“ ein äußerst talentierter Singer/Songwriter aus Norwegen. Tom Hugo wohnt zur Zeit in Hamburg und in Oslo und hat sich scheinbar fest auf die Fahnen geschrieben, die Radiosender in diesem Jahr mit einem Haufen sommerlicher Ohrwürmer zu versorgen. Zumindest, wenn man nach der allgemeinen Natur seines Debüt-Albums Sundry Tales urteilt. Wohlfühl-Pop bis zum Anschlag. – Vielleicht ist es da auch gar kein Zufall, dass Hugos liebstes deutsche Wort „Ohrwurm“ ist.



Sonnengereifte Geschichten

Eigentlich ist es schwer zu glauben, dass dieses frühlingsfrische Album wirklich aus der Feder eines Norwegers kommt. Der Gedanke an den Polarwinter scheint das im ersten Moment fast kategorisch auszuschließen – Vollkommen unberechtigt. Auf Sundry Tales kommt Tom Hugo mit lauter kleinen, eigenständigen Geschichten um die Ecke, die mal frech direkt („Leave it be“), mal melancholisch schwermütig („Julia“) viele bekannte Szenen und Situationen aus dem alltäglichen Leben skizzieren, ohne dabei in irgendeiner Form aufgesetzt oder belanglos zu wirken. Diesem Mann kauft man hier fast jede Textzeile ab, oft sogar ohne die musikalische Untermalung.

Kommt jetzt der Frühling?

Musikalisch hat besonders Tom Hugos erste Single „Wildest Man Alive“ das Potential, ein echter Frühlingsohrwurm zu werden. Genau wie die meisten anderen Stücke auf der Platte, zwingt er einen fast schon zum Mitsummen. Überhaupt besticht das Album an vielen Stellen besonders durch die vielseitigen Arrangements und Sound-Mixturen aus Rock, Folk und klassischen Popfiguren. Geschickt eingesetzte Kazoo-Tröten und Banjos geben den Stücken ein frühzeitiges Sommer-Sonne-Sonnenscheinfeeling, dass man sich nach diesem grauen Winter lange herbei gewünscht hat. Allerdings hat man dabei manchmal leider das Gefühl, den ein oder anderen Song schon mal irgendwo gehört zu haben. Ob bei Jack Johnson, Reamonn oder Glee weiß man aber nicht so genau. Aber wer stört sich schon daran, wenn man mit einem Grinsen im Gesicht und Frühling in den Kopfhörern durch die Fußgängerzone läuft.

Frühlingsfaktor: 3,5/5
Glaubwürdigkeit: 4/5
Mädchenmusik: 3/5

VÖ: 20. April 2012

CD Review: Silbermond – „Himmel auf“

Silbermond sind erwachsen geworden: Nachdem ihr letztes Album konsequent die Erwartungen der Fans bediente, erobern sie mit „Himmel auf“ neue Gefilde – ohne sich dabei untreu zu werden.


„Durch die Nacht“ und „Symphonie“ hießen die ersten schmachtenden Rockballaden von Silbermond, mit denen die Bautzener Band ihren medialen Durchbruch schaffte. Das ist acht Jahre her. Inzwischen ist Silbermond längst ein fester und groß gefeierter Bestandteil des deutschsprachigen Musik-Mainstreams. Zahlreiche große Musikpreise, Top-10-Hits, Schallplatten in Gold und Platin, ausverkaufte Touren. Statt kleiner Clubs füllt die einstige Schülerband längst die großen Arenen der Republik, im Mai geht es auf eine kleine Europa-Tour. Eine regelrechte Bilderbuchkarriere. 

Doch auch Bands mit Bilderbuchkarrieren haben ihre kreativen Krisen, die bewältigt werden müssen. Vergangene Woche veröffentlichten Silbermond ihr viertes Studioalbum „Himmel auf“. Eine Platte, bei der sich Sängerin Stefanie Kloß, Bassist Johannes Stolle, Gitarrist Thomas Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak entscheiden mussten, ob man sich weiter auf altbewährtes verlässt, sich an den Erwartungen der Masse orientiert, oder ob man nicht doch neue Wege beschreiten will.
Die Band hat sich offenkundig für die neuen Wege entschieden. Während das vorige, überaus erfolgreiche Album „Nichts passiert“ stellenweise so klang, als ob die Band fast schon krampfhaft die Erwartungen ihrer Fans erfüllen wollte, klingt „Himmel auf“ erfrischend freier und luftiger. Man möchte fast schon sagen erwachsener. Dabei beginnt Silbermonds Reise zum aufreißenden Himmel fast altbewährt, ganz Silbermond-typisch mit der melodiösen, eingängigen Rocknummer „Unter der Oberfläche“, die allerdings, mit Synthies und Chören angereichert, schon auf die neuen Wege schließen lässt. Es klingt fast so, als hätten Silbermond hier mit Coldplay und der Rockband The Killers angebandelt. Diesen Eindruck hat man bei dieser Platte nicht nur einmal.
Silbermond probieren sich neu aus, experimentieren mit indie-elektronischen Elementen und neuen Effekten, haben auf dem Weg gar ausprobiert, den Schlagzeug-Sound mit einem Mikrofon auf einer Damentoilette einzufangen. Unterwegs entfernen sie sich zur willkommenen Abwechslung immer weiter von ihrem ursprünglichen Deutschrocksound. Was davon bleibt sind die eingängigen Melodien, die Emotionalität und Authentizität der Band, mit der sie viele ihrer Anhänger in den letzten Jahren so sehr an sich binden konnten. Silbermond gelingt es, sich mit „Himmel auf“ neu zu erfinden, aus ihrer eigenen, eingefahrenen musikalischen Routine auszubrechen. 
Ihren neuen Stücken tut dieser Ausbruch hörbar gut. Statt krampfhaft auf auf authentisch getrimmte Rocknummern und herzzerreißende Balladen zu setzen, verleiht der Ausflug in andere Gefilde den neuen Titeln eine ganz eigene Größe und Tiefe. Eigentlich recht passend, denn trotz aller neuentdeckten musikalischen Spielereien, neuer Sounds und neuer Wege halten Silbermond zumindest an einem Format fest. Auch „Himmel auf“ liefert die für Silbermond nahezu obligatorischen Pop-Hymnen. Dabei kratzen einige auch im neuen Gewand an den Grenzen zu Pomp und Kitsch, aber ein paar typische Eigenheiten kann und sollte man wohl einfach nicht ablegen.
Auch textlich bleiben sich Silbermond treu. Man setzt auf bewährte Rezepte und erprobte Themen: Gefühle, Alltag, Gesellschaftskritik und die Krisen dieser Welt. Wie gewohnt ist alles in leicht verdauliche, anschauliche Bilder verpackt, ohne dabei im Plattitüden-Sumpf zu versinken oder sich etwa in verkopften Wortspielereien zu verlieren. Dieses mal eben alles nur eine Spur erwachsener als früher.