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Fazit: Olympianominierung fürs Hurricane Swimteam – Hurricane Festival 2016

Ganz offiziell: Ich nominiere hiermit das Hurricane Swim Team 2016 für die nächsten Olympischen Festivalspiele. Nachdem das LEISE/laut U-Boot nun aus dem Matsch der Scheeßeler Seenplatte wieder aufgetaucht ist, kann ich jetzt endlich für Euch meine Eindrücke vom 20. Hurricane Festival zusammenfassen. Vorab: Trotz aller Wettereskapaden, Programmausfälle und Schlammlawinen war das Hurricane Festival 2016 auf seine ganz eigene Art eines der für mich schönsten und erinnerungswürdigsten Festivals, auf dem ich in den letzten 15 Jahren war.  Fazit: Olympianominierung fürs Hurricane Swimteam – Hurricane Festival 2016 weiterlesen

„Schönste Zeit“ mit Bosse auf „Kraniche“-Tour im FZW Dortmund

Heiß, schwitzig, wunderschön. So könnte man den Dienstagabend, 16. April,  mit Bosse im FZW in Dortmund zusammenfassen. Im Rahmen seiner „Kraniche“-Tour spielte der gebürtige Braunschweiger Musiker dort vor ausverkauftem Haus eine mitreißende Show, die so ziemlich allen Besuchern am Ende ein begeistertes Grinsen ins Gesicht zauberte.

Obwohl wir relativ spät am FZW in Dortmund ankommen, zieht sich die Schlange immer noch beinahe hundert Meter die Straße hinauf. Wie lange musste ich eigentlich schon nicht mehr für ein Konzert ernsthaft anstehen? Ich kann mich nicht mehr an das letzte Mal erinnern. Die Schlange bewegt sich aber relativ flott, sodass meine Begleitung und ich am Kassenfenster recht fix unser Sprüchlein aufsagen dürfen. Alles geht glatt, wir stehen auf der Liste. Ich will mich gerade umdrehen und an der Security vorbei gehen, als mir das nette FZW-Mädel hinter der Glasscheibe noch zuruft: „Moment, hast du noch ein Foto-Dingsda dabei?“ Ich denke Ausweis mit Foto und ziehe gut vorbereitet meinen Perso aus der Tasche. Sie guckt verdattert und hält den Stapel Fotopässe in der Hand: „Äh, ich meinte eine Foto-Kamera. Machst du heute Fotos?“ Mir klappt die Kinnlade runter. Die habe ich natürlich nicht dabei, hatte ich ja auch nicht angefragt. Da wollte mir der Veranstalter wohl etwas Gutes tun. Dumm nur, dass ich nichts davon wusste. Und noch dümmer, dass mir erst nach Konzertbeginn einfällt, dass ein Fotografenfreund von mir in Dortmund wohnt und mir sicher hätte etwas leihen können. Die „Geh doch mit deinem iPhone in den Graben“-Variante schenke ich mir lieber.

Kurz nach 20 Uhr, das Licht wird leicht gedimmt. Bosse kommt relaxt und gut gelaunt auf die Bühne geschlurft und kündigt seine zwei Support Acts an: Sängerin Elif aus Berlin und die Band Tonbandgerät aus Hamburg. Elif macht den Anfang und gibt sich mit ihren deutschen Popsongs redlich Mühe, das Publikum aus der Reserve zu locken. Eine gute Stimme hat sie zwar, jedoch irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen. Mich erinnert der Auftritt an eine groteske Mischung aus Christina Stürmer und Tina Dico, nur eben in nicht so gut. Belanglos und fast schon etwas langweilig ist die Musik. Die Stücke klingen alle sehr ähnlich und schon am Ende des Sets kann ich mich an keine einzige Textzeile mehr erinnern. Kein gutes Zeichen.

Besser wird es da bei Tonbandgerät. Die Gewinner des New Music Awards 2012 wirken zwar recht nervös, machen ihre Sache auf der Bühne aber nicht schlecht. Gut gelaunt spielen sie sich durch ihr halbstündiges Set aus deutschsprachigem Pop mit leichtem Rockeinschlag. Relativ gute Texte, nette Melodien. Den Leuten gefällt’s und immer wieder wird auf das Debüt-Album hingewiesen, was am Freitag, 19. April, erscheinen soll. Bei bei Tonbandgerät durchaus Potenzial vorhanden, nur könnten einige ihrer Songs noch etwas mehr Feuer vertragen. Bis auf ihre Debüt-Single „Irgendwie anders“ klingt alles sehr glatt, vielleicht sogar etwas verkopft, oder wie aus einer KIKA-Serie. Jungs und Mädels, traut Euch mal was! Ein bisschen mehr Distortion kann Wunder bewirken.

Dann ist es endlich soweit. Das Hauslicht erlischt vollkommen und Bosse entert endlich zusammen mit seiner sechsköpfigen Band die Bühne. Bunte Ballonlampen tauchen den vorderen Teil der Halle in weiches Regenbogenlicht. Die ersten Töne von „Kraniche“, dem Titelsong des aktuellen Albums erklingen und schon lächelt fast das komplette FZW selig. Aki ist bestens gelaunt, fegt über die Bühne, singt voller Inbrunst jede Textzeile und entschuldigt sich immer mal wieder für seinen unfreiwillig komischen Tanzstil. Zwischen den Songs klebt die ganze Halle an seinen Lippen und hört gespannt zu, wenn der super sympathische Kerl da auf der Bühne Anekdoten zu den Songs oder aus dem Musikerleben erzählt. So erzählt er nach ein paar Songs, dass er sich seine Hose extra ausgesucht hat, weil im Laden gesagt wurde, dass man Schweißflecken darauf nicht so schnell sehen würde. „Na toll, und jetzt fühlt sie sich trotzdem schon an, wie so ne Voltigier-Hose. Ich habe sogar mal voltigiert. Ich weiß, wie sich das anfühlt,“ erzählt er. Der Plan geht also nicht so ganz auf, das Publikum ist von Bosses ehrlicher Art aber begeistert.

Überhaupt gibt sich Bosse herrlich natürlich, vollkommen ohne Allüren und ganz nah am Fan. Bei „3 Millionen“ klettert er kurzerhand über die Absperrung mitten ins Publikum und tanzt dort einfach für ein paar Minuten weiter. Ein kleines Mädchen aus der ersten Reihe, das gerade mal zwölf, laut Bosse aber schon auf dem Weg zur kleinen Dame ist und schon jeden Text mitsingen kann, darf später nach dem Konzert für lau den Merchstand leer räumen, so begeistert ist Bosse vom wohl jüngsten Fan im FZW.

Fast zwei Stunden lang spielt sich Aki mehr oder weniger quer durch seine Musikgeschichte. „Liebe ist leise“, „Alter Strand“, „Tanz mit mir“, „Frankfurt Oder“, „Die Schönste Zeit“, „Sophie“, „Alter Affe Angst“, „Vier Leben“, „Istanbul“, „Vive la Danse“, „Yipi“, „Roboterbeine“ und „Konfetti“ sind nur ein paar Songs aus dem Set, die mir spontan wieder einfallen.  Mein persönliches Highlight ist „Niemand vermisst uns“ vom allerersten Album Kamikazeherz. Leider merkt man, dass viele der Anwesenden die ganz alten Sachen gar nicht mehr kennen, aber so können sie diese wenigstens noch zum Teil kennenlernen. Ansonsten wird jeder Song lauthals mitgesungen und das volle Rockstar-Animationsprogramm aus Call & Response, Arme schwenken und mit klatschen begeistert abgearbeitet. Durchgeschwitzte Körper mit glücklichen Gesichtern sind das Resultat, als Bosse sich nach seinem Zugabenblock mit „Konfetti“ von den Dortmundern verabschiedet.

Aki Bosse ist endgültig dort angekommen, wo er hingehört: Im Herzen eines großen Publikums. Das jahrelange Dasein als Geheimtipp in kleinen ranzigen Clubs und Kneipen hat sich ohne Frage gelohnt. Ich wünsche Bosse, dass es für ihn auf diesem hohen Niveau jetzt noch eine ganze Weile weitergehen wird.

Vielen Dank an Britta Flachmeier für die Fotos!

Bosse im Interview: „Viele Geschichten haben einen wahren Anfang“

Kraniche heißt das fünfte Studioalbum von Aki Bosse, das am morgigen Freitag das Licht der Welt erblickt. Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit, mit dem sympathischen Musiker zu telefonieren und im Interview ein bisschen über die neue Platte und die Geschichten hinter den neuen Songs zu quatschen. 
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Bosse mit „Kraniche“ – CD Review

Vor zwei Jahren saß Bosse noch im Wartesaal zum Glücklichsein. Jetzt hebt er wieder ab, ist unter die Zugvögel gegangen: Am Freitag, 8. März, erscheint sein neues Album Kraniche. Frau LEISE/laut hatte Gelegenheit, schon vorab in das neue Werk reinzuhören.

Gleich vorweg: Es klingt ganz so, als ob Aki Bosse mit Kraniche endlich die Momente, ja die Geschichten (wieder)gefunden hat, auf die er vor zwei Jahren voller Sehnsucht und Melancholie auf Wartesaal wartete. Die immer währende unterschwellige Suche nach dem Glück, der Herzschmerz und die düstere Melancholie sind in den zwölf neuen Stücken deutlich leiser geworden. Ganz verstummt sind sie zwar nicht — Ein Bosse-Album ohne jegliche Melancholie und Sehnsucht wäre wahrscheinlich auch einfach kein echtes Bosse-Werk — Allerdings kommt die ganze neue Platte mit einer positiveren, im Vergleich zum vorigen Album, regelrecht zufriedenen Grundstimmung daher. Man verliert sich in der Vergangenheit („Schönste Zeit“), blickt aber auch hoffnungsvoll auf die schönen Momente der Gegenwart und freut sich auf das was da wohl noch kommen mag.

Inhaltlich und musikalisch versprüht Kraniche eine hoffnungsvolle Weltoffenheit, die es auf Taxi und Wartesaal so noch nicht zu hören gab. Während die Geschichten der letzten Alben irgendwo in einem Mikrokosmos zwischen Braunschweig, Nordseeinseln, Hamburg und Frankfurt/Oder bewegten, zieht es die Geschichten nun auch die europäischen Metropolen. Der Blick über den Tellerrand und die Erweiterung des Handlungshorizonts tut dem Sound Platte unglaublich gut. Statt schwermütiger Balladen überwiegen teilweise durchaus tanzbare Nummern mit internationalem Flair. Die leichten elektronischen Einflüsse („Vive la Danse“) und leicht orientalischen Elemente („Istanbul“) sorgen für frischen Wind in den klassischen Bosse-Klangmustern. Gleichzeitig finden sich auch auf dieser Platte wieder einfach tolle Melodien und schöne musikalische Spielereien, die die Texte sehr gut unterstützen und den einzelnen Stücken zu einer angenehmen Fallhöhe verhelfen.

Besonders textlich hat Bosse sich deutlich weiterentwickelt. Fast jeder Song erzählt eine abgeschlossene Geschichte („Familienfest“), malt ohne verkopftes Getue eindrucksvolle Bilder („Alter Affe Angst“, „Kraniche“) und zieht einen direkt in die Szenen hinein. Zwar gibt es immer mal wieder Stellen, die für einen Lyriker sicherlich eher holperig daher kommen, jedoch machen gerade diese Ecken und Kanten den besonderen Charme der Stücke aus. Insgesamt ist Kraniche ein schönes Album, das aus dem Trott der Gewohnheit ausbricht, neue Wege ausprobiert und dabei doch im Grunde genau eines ist: unverkennbar Bosse.


Bosse – Kraniche

1. Kraniche
2. Schönste Zeit
3. Vier Leben
4. So oder so
5. Istanbul
6. Alter Affe Angst
7. Vive La Danse
8. Familienfest
9. Brilliant
10. Müßiggang
11. Sophie
12. Konfetti

Foto: Universal Music

Bosse hebt wieder ab: Neues Album „Kraniche“ im März

Freude über Freude! Einer meiner liebsten deutschen Musiker, Axel „Aki“ Bosse, veröffentlicht am 8. März sein sechstes Album. Das gute Stück wird auf den Namen „Kraniche“ hören. Den Titelsong gibt’s schon zum Gratis Download und eine ausgedehnte Tour im Frühling darf natürlich auch nicht fehlen. Für LEISE/laut habe ich ein bisschen in meinen Bosse-Erinnerungen geschwelgt.
Bosses Musik hat mich bereits 2006 während einer endlosen Surfsession auf MySpace mit seinen direkten, einfach ehrlichen Texten überzeugt. Die darin herumfliegenden alltäglichen, aber trotzdem so perfekt beobachteten und filigran beschriebenen Bilder waren für mich etwas Neues. Etwas, das ich vorher so noch nie gehört hatte. Dazu die bodenständige, mitreißende Energie, gepaart mit einer ewig mitschwingenden Melancholie in den Melodien passte zu gefühlt zu jeder meiner damaligen Lebenslagen. „Kraft“ wurde für einige Monate mein Profilsong. Die Alben Kamikazeherz und Guten Morgen Spinner gehörten zu den wenigen Alben, die selbst in CD-Form für ein Jahr mit mir in die USA fliegen durften.

Umso mehr habe ich mich 2009 gefreut, als ich Aki am Telefon zu seinem damals neuen Album „Taxi“ interviewen durfte. Das ist inzwischen fast genau vier Jahre her. Es war mein allererstes Telefon-Interview und mein zweites Künstlerinterview überhaupt. Bis dahin hatte ich nur einmal Thees Uhlmann für einen Radiosender interviewt. Der Termin kam überraschend und unerwartet. Ich saß gerade an der Uni in einer sprachwissenschaftlichen Vorlesung, als plötzlich mein Handy klingelte und Bosses Manager mit mir den Termin ausmachen wollte. Ich musste schnell nach draußen rennen.

Für den Rest des Tages war ich unglaublich nervös. Ich hatte kein Aufnahmegerät und musste so einen Weg finden, wie ich das Gespräch wohl mitschneiden könnte. Nach gefühlt einer Millionen Testanrufe mit Freundinnen, saß ich dann letztendlich zwei Tage später dick eingepackt an meinem Schreibtisch in meiner eiskalten Altbauwohnung in Germersheim (draußen waren es frostige -18 Grad Celsius), hatte den Lautsprecher meines Handys eingeschaltet und filmte mich mit meiner alten Kamera dabei, wie ich eine gute halbe Stunde lang mit Aki Bosse über Plattenfirmen, Songtexte, emotionale Momente und seine  Lieblingsbars und Lieblingsorte in Hamburg quatschte. Dass Aki munter erzählte, dass er gerade zum Rauchen draußen war und sich jetzt mal in sein Auto gesetzt hatte, weil es draußen so kalt war, nahm mir etwas von meiner Nervosität. Nie wieder fiel mir das Kürzen eines Interviews hinterher so schwer. Das Ergebnis wirkt im Vergleich zu meinen Interviews heute fast schon etwas deletantisch und rumpelig, aber aller Anfang ist eben schwer.

2011 sah das schon ganz anders aus. Wieder durfte ich im Januar Bosse interviewen, dieses Mal zum Album „Wartesaal“. Und wieder war das Interview für mich ein besonderes: Es war das erste in einer professionellen Umgebung, mein erstes Interview als Volontärin der Neuen Osnabrücker Zeitung. Organisiert habe ich es allein, denn der Kontakt war tatsächlich durch meinen Blog entstanden. Die Mail der Promoterin war eine der ersten zehn Nachrichten, die überhaupt an LEISE/laut geschickt wurden. Wir quatschten über die neuen Songs, die organisatorischen Veränderungen (Bosse war wieder bei einem Majorlabel unter Vertrag) und die Videodrehs in Fernost.

Bosse hat das Talent, seine Alben immer dann herauszubringen, wenn bei mir gerade ein Neuanfang oder ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Taxi war der Soundtrack zu meiner Wiederankunft in Deutschland (und dem umgekehrten Kulturschock danach, an dem ich lange zu knabbern hatte), Wartesaal bestimmte die ersten Monate meines Volontariats. Jetzt, wieder fast genau zwei Jahre später, bin ich einfach nur gespannt, wie sich die neuen Songs anhören werden. Vielleicht wird Kraniche ja der Soundtrack zu meinen ersten Gehversuchen im ganz echten Arbeitsleben? 😉

Als kleinen Vorgeschmack hat Bosse bereits eine Akustikversion des Titelsongs „Kraniche“ auf Youtube veröffentlicht.

 

Wunderschön, nicht wahr? Damit man nun nicht den ganzen Tag auf Youtube herumhängen muss, um den Song zu hören, gibt es die mp3 des Tracks auf Bosses Facebookseite zum Free Download.

Live ist Bosse im April und Mai auf großer Tour. Die ersten Termine sind bereits ausverkauft. Für Bremen und Hamburg sind sogar Doppelshows angesetzt, um dem Andrang gerecht zu werden.

Bosse Tour 2013

10.04.2013 Mannheim – Capitol
11.04.2013 Freiburg – Jazzhaus
12.04.2013 Stuttgart – LKA Longhorn
14.04.2013 Saarbrücken – Garage
15.04.2013 Köln – Live Music Hall
16.04.2013 Dortmund – FZW
18.04.2013 Erfurt – HSD
19.04.2013 Leipzig – Werk II
20.04.2013 München – Muffathalle
22.04.2013 Nürnberg – Hirsch
23.04.2013 Frankfurt – Batschkapp – ausverkauft
25.04.2013 Hannover – Capitol
26.04.2013 Hamburg – Große Freiheit – ausverkauft
27.04.2013 Hamburg – Große Freiheit – ausverkauft
29.04.2013 Bremen – Schlachthof
30.04.2013 Bremen – Schlachthof
02.05.2013 Dresden – Alter Schlachthof
03.05.2013 Cottbus – Gladhouse
04.05.2013 Berlin – Columbiahalle

Fotos: Nina Stiller/Universal Music

Monday Madness – I don’t like Reggae, oder Thees Uhlmann und das Faultier Wolfgang

Auf der Suche nach einem würdigen Monday Madness-Video stolperte ich gestern über folgendes, unterhaltsames Lichtspiel. Eine seltsames Wesen, das wie eine Mischung aus Flat Eric, dem Yeti und Samson aus der Sesamstraße anmutet, wandert zu den Klängen von Thees Uhlmanns „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf“ durch die Landschaft. In einer Reggae-Version!
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Interview: BOSSE „Im Wartesaal zum Glücklichsein“

Nächste Woche ist es endlich soweit. „Wartesaal“, das neue Album von Bosse, steht endlich in den Startlöchern. Seit Freitag steht schon der Vorbote „Weit Weg“ in den CD-Regalen. LEISE/laut hatte Gelegenheit, eine nette halbe Stunde lang mit Aki am Telefon über die neue Platte zu quatschen.

Dein letztes Album „Taxi“ entstand vollkommen in Eigenregie, jetzt bist du wieder bei einem Major unter Vertrag. Wo steckt mehr Herzblut drin?

Seit Taxi steckt da so viel Herzblut drin, dass uns die Entscheidung zum Major zu gehen echt schwer gefallen ist. Aber trotzdem halte ich es für richtig. Taxi hat für die kleinen Verhältnisse echt gut funktioniert. Wir haben alles selber finanziert, aufgebaut und promotet. Das war ein wahnsinniger Aufwand, hat aber für die Verhältnisse besser geklappt als wir uns je erhofft hatten. Dann kamen auch schnell Angebote von Plattenfirmen. Der Arbeitsaufwand ist jetzt Dank des tollen Teams der Universal viel kleiner. Statt 350 Mails am Tag habe ich selber jetzt nur noch 30 Mails am Tag und habe wieder viel mehr Zeit über Musik nachzudenken, und muss mir nicht mehr selber Interviews organisieren. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben, haben aber Dank Taxi einen ganz anderen Bezug dazu.

Bosse – Band oder Solokünstler?

Bosse ist mein Nachname und ist keine feste Bandkonstellation. Ich war schon immer der Songschreiber und habe ganz viele feste Leute, die schon von Anfang an dabei sind. Bei Wikipedia steht das auch ganz falsch. Wir sind keine „Indie-Rockband aus Braunschweig“. Es ist keine Band, es ist auch nicht Axel Bosse, sondern einfach nur Bosse.

Vom „Taxi“ in den „Wartesaal“ – Worauf wartest du denn?

Ein positiver Wartesaal hätte viel mit Entwicklung, Ruhe, Entspannung und Reflexion zu tun. Da warte ich gerne. So wie man darauf wartet, dass ein Wein ein guter Wein wird. Und sonst hab ich im letzten Jahr ultraoft auf die Deutsche Bahn gewartet. Das nervt.

Wie bist du auf den Titel gekommen?

Wartesaal steht zusammen mit „Weit weg“ im Zentrum des Albums. Zusammengefasst geht‘s auf dem Album darum ob man glücklich wird oder nicht, wie man das hinkriegt. Der Refrain „Wartesaal zum glücklich sein“ war der Grund, warum ich das Album so genannt habe.

Hat sich dein Sound seit „Taxi“ verändert?

Meiner Meinung nach schon. Als ich angefangen habe, hatte ich nur einen Plan: Jedes Album muss mich musikalisch neu kicken. Je öfter ich mich musikalisch wiederhole, desto langweiliger wird das für mich. Bei Wartesaal wollte ich gerne elektronische Einflüsse, ich wollte Musik zu der man tanzen kann, aber der man trotzdem zuhört. Ich wollte Texte, die noch schwerwiegender sind als bei Balladen, die aber trotzdem tanzbar sind. Dann hatte ich noch Lust auf Fremdinstrumente. Flügelhörner, Bratschen, Geigen, mehr Klavier. Das hat mich dann wieder richtig gekickt.

Wie findest du es denn anders als „Taxi“?

Ich finde die Songs auf „Wartesaal“ sind noch eine Ecke melancholischer und sehnsüchtiger als bei Taxi.

Ja, das sehe ich ganz genauso.



Warum ist das so?

Das Album hat ja ein offenes Ende. Mein Grundgefühl am Ende des Albums war einfach noch sehnsüchtiger als bei Taxi, auch wenn das eigentlich gar nicht geht. Taxi war ja eigentlich schon die Sehnsucht schlechthin. Da geht‘s viel ums Reisen und unterwegs sein. Bei Wartesaal ist es schon so, dass viel Songs angekommen sind und man einen Hafen hat, aber trotzdem so viel auf einen prasselt, dass man kurz vor einem Burnout steht und sich einfach neu orientieren muss. Das hat dann noch mal eine andere melancholische Wucht und ist konkreter, weil ich mich da selber und vielleicht auch andere so sehr drin wieder erkenne.

Wie viel Persönliches steckt in deinen Songs?

Da ist schon immer ganz schön viel von mir drin. Vieles sind das Sachen die ich gesehen, erlebt oder gefühlt habe und irgendwann kommen die dann wieder raus, wenn ich meine Geschichten schreibe. Ich kann das gar nicht so streng voneinander trennen.

Der Song Frankfurt/Oder war schon auf deinem vorletzten Album „Guten Morgen Spinner“. Wieso hast du den Song neu aufgenommen?

Für mich ist das eins der besten Lieder, das ich je geschrieben habe. Deshalb liegt er mir auch sehr am Herzen. Der Song ist von der alten Plattenfirma gar nicht richtig gewürdigt worden. Ich wollte aber, dass mit dem Song noch mal richtig was passiert. Es lag dann einfach auf der Hand, zusammen mit Anna Loos von Silly ein Liebeslied über die triste Stadt Frankfurt/Oder zu singen.

Welche Geschichte steckt hinter dem Song?

Ich habe irgendwann dieses Liebeslied geschrieben und wollte eigentlich nur sagen, dass ich es am schönsten finde, wenn außen rum eben nicht alles so stimmt, und man trotzdem das Gefühl hat, dass man es trotzdem richtig gut hat, weil man sich hat. Egal wie trist und hässlich es draußen ist, egal was schief geht. Das Bild war für mich Frankfurt/Oder. Die Stadt ist für mich das Sinnbild der Einsamkeit.

Deine neue Single „Weit weg“ erscheint am 11. Februar. Worum geht‘s in dem Text?

Ich habe mir vorgestellt, wie es früher so war wenn man überfordert war, und man sich Musik auf die Ohren gelegt und die Augen zu gemacht hat, um sich kurz rauszunehmen. In dem Song geht es genau um dieses Rausnehmen. Das funktioniert da so, dass man einfach die Augen schließt und sich weit weg denkt um wieder Kraft zu schöpfen, damit man danach wieder klar denken kann und den ganzen Stress besser aushält.

Das Video zu „Weit Weg“ habt Ihr in Tokyo gedreht. Wie kam‘s dazu? Wieso Tokyo?

Der Typ mit dem ich immer Videos drehe, hat jedes Mal immer irre Städte vorgeschlagen. Kapstadt, Shanghai, Istanbul. Aber wir sind nie weiter als bis hinter Berlin gekommen. Dieses Mal hat er Tokyo vorgeschlagen und ich habe sofort gesagt, jau, machen wir. Damit es sich lohnt, haben wir die ganze Zeit durchgearbeitet, trotz Jetlag, und haben dann gleich drei Videos dort gedreht.


(lacht)Das wäre aber auch gekippt als fest stand, dass „Weit Weg“ die erste Single wird. Das war mir fast zu plump. Wir fahren nach Asien, ganz weit weg, der Song heißt „Weit Weg“. Deshalb wollte ich dann auch so Vorstadtszenen und dahin, wo Karate Kid früher trainiert hat, damit das nicht ganz so klischeehaft wird. Ich wollte eher was dokumentarisches machen.

Gestern war Valentinstag. Was hältst du davon? Schöner Brauch oder dumme Erfindnung der Blumenindustrie?

Keine Ahnung. Ich bin eher der Typ, der ab und zu mal Blumen mitbringt, wenn das gar nicht so angesagt ist. Wenn ich am Blumenladen vorbei komme und da gerade zufällig an jemanden denke, kaufe ich dem einfach für ganz viel Geld Blumen. Den Valentinstag brauche ich nicht. Den hatte ich auch gar nicht auf dem Schirm und wusste gar nicht, dass der da ist. Wir sind nicht so ne Valentinstagsfamilie. Aber es kann ja nicht schaden.

In welcher Verbindung stehst du mit Madsen?

Sebastian Madsen und ich sind schon immer sehr gute Freunde und ich hege ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis zu allen Brüdern, Nichtbrüdern und allen, die im Laufe der Jahre zur Band dazu gekommen sind. Wir tauschen Instrumente aus, spielen uns unsere Songs vor bevor sie jemand anders hören darf. Das schon mehr als einfach so‘n Musikergemache.

Du hast auf dem letzten Album mit Sebastian Madsen auch zusammen einen Song gemacht.

Ja, genau. Vereinfachen. Das war uns auch ganz wichtig, denn früher sind wir immer miteinander verglichen worden, und das wollten wir gar nicht, weil wir eigentlich sehr gut befreundet sind. Da ging es immer nach dem Motto pro und contra Bosse und Madsen. Oasis meets Blur in der Kreisklasse. Darüber haben wir uns immer gewundert, weil wir ja gar keine Rivalen sind und uns auch gar nicht so ähneln.


Das Jahr hat gerade erst angefangen. Was wünschst du dir noch für 2011?

Ich wünsche mir ne tolle Tour, freu mich jetzt erst mal auf die ganzen Konzerte, die Proben und natürlich den schönen Sommer, mit möglichst wenig Regen. Ich freu mich einfach auf alles was kommt.

Foto: Universal Music

Mit Bosse im „Wartesaal“ – Neues Album im Februar

Fast zwei Jahre ist es inzwischen her, dass Axel Bosse sein Album „Taxi“ in Eigenregie auf den Markt gebracht hat. Damals hat er mir hier noch für blue, erzählt, wie es ist, ohne große Plattenfirma im Rücken ein Album zu produzieren und alles im Alleingang zu regeln. Seit diesem netten Telefonat an einem eiskalten Nachmittag im Januar 2009 ist viel passiert. Inzwischen ist der gebürtige Braunschweiger bei Universal Music unter Vertrag und sein neues Album „Wartesaal“ steht in den Startlöchern.

Einen ersten Vorgeschmack, in gewohnt verzaubernder Akustik-Manier, liefert Aki Bosse mit seinem Song „Yipi“. Man darf gespannt sein, was Wartesaal noch so zu bieten haben wird.

Wenn Euch der Song gefällt, hält Axel Bosse ein kleines Weihnachtsgeschenk für Euch parat. „Yipi“ gibt es zur Zeit in der Akustikversion als Gratis-Download auf der Bosse Homepage.

Das Album „Wartesaal“ erscheint am 25. Februar 2011.

Passend dazu geht Bosse ab März auf große Deutschland-Tour. Hier die Termine:

24.03.11 Leipzig, Moritzbastei
26.03.11 Kaiserslautern, Kammgarn
29.03.11 München, 59:11
30.03.11 Stuttgart, Röhre
31.03.11 Frankfurt/Main, Nachtleben
01.04.11 Erfurt, HsD
02.04.11 Dresden, Beatpol
06.04.11 Köln, Luxor
07.04.11 Dortmund, FZW
08.04.11 Osnabrück, Kleine Freiheit
09.04.11 Hamburg, Große Freiheit
14.04.11 Braunschweig, Meier Music Hall
15.04.11 Bremen, Schlachthof
16.04.11 Berlin, Postbahnhof

Earthquake Festival in Lüchow

Wie beginnt man am besten seine Semesterferien? Genau, mit ordentlich viel Musik. Dumm nur, wenn man dann mal wieder den Verstand in der Uni gelassen hat und sich so mal wieder auf eine 600+/-150 Kilometer-Fahrt ins Ungewisse einlässt. So geschehen am Samstag morgen. Zu einer absolut unchristlichen Zeit machen wir uns in Germersheim auf den Weg nach Lüchow im Wendland zum Earthquake Festival. Bis Kassel fliegen wir so dahin, dann kommt ein Staudrama sondergleichen. Ferienende in Niedersachsen, Ferienanfang sonst wo, unzählige Dänen mit Wohnwagen und ein TomTom, dass uns lieber in ein Lüchow irgendwo in Schleswig-Holstein schicken möchte, treiben uns fast in den Wahnsinn. Vor lauter Verzweiflung hören wir geschlagene 20 Minuten NDR 1 Niedersachsen und untermalen die hochintelligenten Texte im Sitzen mit exzessiven Ausdruckstanzeinlagen.

Nach unglaublichen 10 Stunden kommen wir endlich in dem kleinen, verschlafenen Nest an. Den Opener adolar haben wir Dank der Staus gleich ganz verpasst und Frida spielt gerade ihren letzten Song, als wir völlig gerädert am späten Nachmittag das Festivalgelände betreten. Es ist nicht besonders voll und überhaupt wirkt die ganze Veranstaltung auf den ersten Blick nicht so, als ob hier gleich ein musikalisches Erdbeben losbrechen würde.
Wir nutzen die Umbaupause um uns mit Flüssignahrung zu versorgen und ein wenig die Lage zu peilen. Gegen 18 Uhr entert dann Aki Bosse die Bühne. Nach einigen Aufforderungen bequemen sich auch so einige Festivalbesucher endlich von den Bierbänken runter vor die Bühne, so dass auch endlich etwas mehr Festivalstimmung aufkommt. Vorher erinnerte das Ganze eher an einen großen Kaffeeklatsch. Jetzt wird gerockt. Bosse spielt über eine Stunde lang Songs vom aktuellen Album Taxi und vom letzten Album „Guten Morgen Spinner“, erzählt zu fast jedem Song eine kleine Anekdote und feiert munter mit dem kleinen Lüchower Mob, der sich inzwischen vor der Bühne gebildet hat. Zum Ende hin springt er kurzerhand auch noch über die Absperrung und singt mitten in der Meute zusammen mit allen „3 Millionen“.
Danach sind One Fine Day an der Reihe. Durch die langen Umbaupausen haben auch sie erst wieder etwas Mühe, die Leute von ihren Sitzgelegenheiten vor die Bühne zu locken. Aber nach und nach sammelt sich dort dann doch eine recht anschauliche Menge, tanzt munter zu feinster Mucke Pogo und lässt sich auch durch Super-Soaker Spritzattacken von der Bühne aus nicht wieder vertreiben.
Zum Einbruch der Dunkelheit laden dann die Jungs von Revolverheld als Headliner zum Tanz. Sie spielen ein volles Set quer durch ihre beiden Alben und lassen auch einen kleinen Einblick auf ihr noch titelloses neues Album zu. Die Jungs wirken gut gelaunt aber auch sehr albern. Mal redet man sich zwischen den Songs um Kopf und Kragen, dann flüchtet Jakob vor einem grabbeligen Johannes per Stagediving ins Publikum. Vielleicht war die Aussicht auf eine Schaumparty im P6 in Dannenberg oder eine der „Apfelschorlen“ auf der Bühne doch zu viel? Egal, den Leute gefällt’s, man lacht und so klingt der Abend in der Pampa noch freudig und feuchtfröhlich aus.

N-JOY Soundfiles Live: Bosse


Mal wieder was gewonnen. Dank N-Joy hatte ich am 12.02. Gelegenheit, den lieben Axel Bosse bei einem exklusiven Soundfiles Live Konzert im Foyer von N-Joy Radio live und unplugged zu erleben. Mit mir zusammen drängten sich gerade einmal knapp 100 andere Gewinner vor der kleinen Bühne. Die Leute des Senders bemühten sich schon vor Beginn um die Atmosphäre: kleine (antialkoholische) Drinks vor free im Vorfeld machen das Leben schöner.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Bosse ohne Band die Bühne. Als Verstärkung hat er nur Anne de Wolff an der Bratsche und Tobias Philippen am Klavier dabei. Bosse ist trotz Erkältung bestens gelaunt und legt mit „Wenn wir schlafen“ vom Guten Morgen Spinner – Album los. Das Publikum klebt ihm vom ersten Ton ab an den Lippen und ist mucksmäußchenstill, um auch ja nichts zu verpassen. Zwischen den Songs frenetischer und anerkennender Jubel, während der Songs geschlossene Augen und lächelnde Gesichter. Das Fehlen lauter Gitarren und der intime Rahmen machen das Konzert zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Aki Bosse berührt wohl jeden im Raum auf seine ganz eigene Art.

Bei Frankfurt Oder muss ich unfreiwillig lachen, weil ich zum einen an den Gig 2007 im Hamburger Stadtpark, aber auch an Angis und meinen Trip nach Frankfurt Oder letzten Juni denken muss. „Das Lied handelt von einer schönen Frau, einem geplatzten Urlaub und einer verdammt hässlichen Stadt“, so Aki über den Song. Wie recht er doch hat. Die Stadt ist wirklich unglaublich hässlich.

Dafür ist das Konzert umso schöner. Wir sind alle schwer begeistert, singen und klatschen bei den schnellen Nummern fleißig mit und üben uns bei den ruhigeren Songs im andächtigen Schweigen. Natürlich muss ich mich auch heute doch irgendwo wieder blamieren. Am Ende von „Niemand vermisst uns“ muss ich zum Fotografieren leider auf meine Handy-Cam zurück greifen – und die klickt so laut, dass es Bosse bis auf die Bühne hört und sich erstmal herzlich kaputt lacht, mit ihm der ganze Saal. Naja, wenn ein Fettnäpfchen da ist, muss ich auch mal reintreten. Bosse wird so für mich nur noch sympathischer.

Nach 70 Minuten und 3 Zugaben ist der ganze Zauber leider auch schon wieder vorbei. Bei der Wiederholung von seiner aktuellen Single „3 Millionen“ singen wir alle nochmal lautstark mit und hoffen insgeheim, dass er da einfach oben stehen bleibt. Und weiter singt. Und uns einfach weiter träumen lässt.