Schlagwort-Archive: blue

Die Happy – Unplugged im Rosenhof


Normalerweise sind Die Happy für ordentlich laute und energiegeladene Rockshows bekannt, bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. Da fiel es dem nicht eingefleischten Fan zunächst doch etwas schwer zu glauben, was es da auf den Tour-Plakaten zu lesen gab: Die Happy – Live & Acoustic Tour 2009. Jawohl, akustisch. Unplugged. Einfach mal den Stecker rausgezogen.

Das so etwas funktioniert, haben große Bands wie zum Beispiel Die Toten Hosen oder Nirvana bereits in den berühmten „MTV Unplugged“ Shows gezeigt. „Warum also eigentlich nicht auch Die Happy?“ fragte sich bestimmt auch so einige der Anwesenden am Freitag Abend im Osnabrücker Rosenhof, während sie gespannt auf den Auftritt der Band um Marta Jandová warteten.

Zum Aufwärmen enterte aber zunächst erst mal Support Act Jake Roeder alleine mit seiner Klampfe die Bühne. Der Regensburger stimmte den gut gefüllten Rosenhof mit einem 30-minütigen Set aus feinstem Gitarrenpop a la John Mayer und Dave Matthews auf das bevorstehende Unplugged-Spektakel ein. Neben einem grandiosen Cover des Counting Crows Songs „Mister Jones“ überzeugte der sympathische Bayer die Die Happy Fans besonders bei seinen eigenen Songs durch seine gefühlvoll soulige Stimme und starke Bühnenpräsenz. Sein Debüt „Finally“ ist übrigens auch seit Freitag im Handel erhältlich, von dem auch so manche Kopie nach dem Konzert über die Merch-Theke wanderte.

Nach Jake Roeder luden dann endlich Die Happy in ihr Unplugged-Wohnzimmer auf der Bühne ein. Mit Lammfellen, kleinen Couchtischchen, roten Tischlampen und dem dazu passenden Rotwein sorgten sie für eine wunderbar gemütliche und intime Atmosphäre. Dass dieser Abend etwas ganz besonderes werden würde, ließ nicht nur die Getränkeauswahl auf der Bühne vermuten, sondern auch der vorherrschende Dresscode: die Band hatte zerrockte Jeans durch schicke, schwarze Anzüge und Kleider ersetzt, und sogar die Techniker hatten sich dementsprechend heraus geputzt.

Mit ihrer eigenen Version von Justin Timberlakes „Señorita“ öffnete Die Happy dann bestens gelaunt die Pforten zu ihrem musikalischen Gala-Abend. Unterstützt durch Percussionist Taifun, Gitarrist Patrick und Lutz am Klavier spielte sich die sonst vierköpfige Band quer durch 16 Jahre Bandgeschichte und ließ kaum einen ihrer Hits aus. Manche Songs präsentierten sich dank des Akustiksets auch in einem ganz anderen Arrangement, so dass man hin und wieder schon mal genauer hinhören musste, um zum Beispiel „Ordinary Song“ hinter seiner neuen, ruhigen, fast schon traurigen Piano-Fassade wieder zu erkennen.

Über zwei Stunden lang wirbelte Sängerin Marta über die Bühne und bewies zusammen mit ihren Bandkollegen, dass nicht alles was gut ist, auch gleichzeitig immer laut sein muss. Vielmehr waren es gerade die ruhigeren Momente, in denen Martas überaus vielseitige Stimme besonders gut zu Geltung kam und in denen man durch ihre vielen Geschichten und Anekdoten auf der Bühne die Verbindung zwischen Band und Fans förmlich spüren konnte. Insgesamt zeigte sich Die Happy an diesem Abend von ihrer musikalisch hochwertigsten Schokoladenseite, und bewiesen auch den Zweiflern, dass sie eine unglaublich sympathische Band sind, die auch unplugged und ohne großen technischen Firlefanz absolut überzeugen kann.

Fotos vom Konzert gibt es hier.


published by blue

Interview mit Die Happy – Von Hundekatzen und Tourbuspannen

Am 27. März haben Die Happy mit ihrer „Live&Acoustic“-Tour Station im Rosenhof in Osnabrück gemacht. Sängerin Marta stand mir für stayblue vor dem Konzert Rede und Antwort und verriet unter anderem warum ihr Hund „Katze“ heißt, beschrieb ihre Traum-Location für ein Konzert und plauderte aus, was für Pannen einem im Tour-Alltag schon mal passieren können.

Ihr seid gerade mit Eurer Live&Acoustic Tour quer durch Deutschland unterwegs. Was ist für Euch das Besondere an dieser Tour?

Marta: Wir haben das schon mal gemacht, vor 5 Jahren. Das Besondere ist einfach, dass wir drei extra Musiker dabei haben, drei Freunde, und die Atmosphäre ist einfach ein bisschen anders. Das werdet ihr ja noch sehen. Wir sind ganz nett angezogen, zumindest denken wir, dass wir ganz nett angezogen sind. Wir sitzen, natürlich, zumindest die meiste Zeit. Ich halte das meistens nicht so lange durch. Fast alle Lieder sind einfach ein bisschen umarrangiert, alles ist einfach viel gemütlicher. Die Jungs haben mir sogar eine Vase mit Blumen auf mein Tischchen auf der Bühne gestellt. Es ist alles ein bisschen aufgeräumter und macht einfach tierisch Spaß, weil es einfach alles viel privater ist, habe ich das Gefühl.

Ist das für Euch der Hauptunterschied zwischen den Unplugged-Shows und den anderen Shows, also dass alles viel ruhiger ist, ihr sitzt und nicht so viel rumspringen könnt wie sonst? Oder gibt es da noch mehr Unterschiede?

Marta: Wir reden einfach viel mehr miteinander, machen viele Witze. Es ist dann auf der Bühne nicht mehr so, dass vier Leute in der Band auf einmal direkt ins Publikum schwitzen, rocken, schreien und total abgehen. Natürlich rocken wir jetzt auch, aber es ist dann eher so: „Ach komm Patrick, jetzt spiel‘ du doch mal das Solo!“ Ich weiß gar nicht genau, wie ich das beschreiben soll. Jetzt ist das so wie ein kleiner Schulausflug. Wir setzen uns einfach auf die Bühne und da sind dann ein paar Leute, wir spielen einfach und machen ganz viele Witze. Es wird ganz viel geredet und wir spielen auch viel länger. Ich glaube gestern hatten wir ein besonders konversationsreiches Konzert. Wir haben glaube ich über zweieinhalb Stunden gespielt, weil wir so viel gequatscht haben zwischendurch. Es war unglaublich witzig. Wir haben insgesamt bestimmt eine halbe Stunde gequatscht.

Man hat das ja meistens, dass einem manche Songs in bestimmten Situationen besonders viel bedeuten. Bedeutet Euch auf dieser Tour ein Song jetzt besonders viel, gerade weil ihr ihn unplugged spielt?

Marta: Ein spezielles Lied, dass eine komplette Umänderung hinter sich hat, ist „Ordinary Song“. Normalerweise ist der so richtig zum Tanzen und Springen. Wir spielen den jetzt nur mit Klavier und obwohl der Text eigentlich sehr witzig ist, ist das ganze Lied so sehr auf traurig gemacht. Das ist glaube ich unser Lieblingslied auf dieser Tour. Das Licht wird dann auch richtig runtergefahren und das ist dann einfach ein tolles Gefühl.

Ihr seid jetzt dann insgesamt zwei Wochen auf Tour und habt dann ja ein bisschen frei, bevor es wieder voll in die Festivalsaison geht. Spielt ihr lieber kleine Clubgigs oder große Festivals?

Marta: Das kommt drauf an. Zu den Clubgigs kommen Leute, die nur uns sehen wollen, weil nur wir spielen. Oder die Vorband. Die kennen dann schon die Texte und es ist ein bisschen einfacher sie rumzukriegen, würde ich sagen. Wobei das manchmal auch schon eine harte Nuss ist, weil manchmal, wenn Leute einfach nur aus Neugierde vorbei kommen, hat man die nicht immer sofort in der Hand. Aber man muss bei den eigenen Konzerten einfach nicht so viel kämpfen. Bei den Festivals, wo es mehr Bands gibt, ist es manchmal schwieriger. Vor allem, in der Schweiz, wo sich dann zum Beispiel Metal-, Rock-, Pop-, und Hiphop-Bands treffen. Da sind dann die Hiphopfans, die uns scheiße finden und unsere Fans, die HipHop scheiße finden. Das ist dann immer ein bisschen schwierig. Aber auf der anderen Seite steht man auf der Bühne, meistens wenn schönes Wetter ist, es weht ein Lüftchen durch die Haare. Festivals bedeuten einfach auch Sommer. Und nach diesem langen Winter freuen wir uns alle auf den Sommer. Heute morgen, als wir irgendwo gegen zehn an der Raststätte kurz halt gemacht haben, und die Sonne so ein bisschen anfing zu scheinen. Alle von uns wollen Sommer und deswegen bedeuten Festivals für uns einfach Sommer, Luft, Freiheit.

Wenn es gerade um Festivals geht oder eben jetzt um eure Unplugged Tour. Euch gibt‘s ja schon seit vielen, vielen Jahren und ihr habt ja vom riesigen, lauten, Festival bis zum leisen und intimen Unplugged Gig alles gespielt. Gibt es da noch irgendwas, zum Beispiel eine besondere Location, was ihr unbedingt noch spielen wollt?

Marta: Ich würde zum Beispiel gerne in Paris spielen. Aber dann nicht nur vor zehn Leuten, die zufällig vorbeikommen oder ein paar deutschen Fans, die extra anreisen würden. Frankreich ist für mich immer so das Ziel. Und sonst überhaupt andere Länder. Wir haben einen großen Teil von Europa schon gespielt. Es gab auch schon Anfragen für Brasilien aber das lohnt sich dann kaum, weil wir ja auch Techniker dabei haben, die auch Geld kosten. Man will nicht draufzahlen. Aber man muss zwar auch nicht unbedingt bei den Auftritten verdienen. Einmal waren wir auf den Azoren, die ja zu Portugal gehören, aber mitten im Ozean zwischen Amerika und Europa liegen. Das war unglaublich speziell. Wir haben einen kompletten Tag für die Anreise gebraucht, weil wir drei Flüge nehmen mussten und dann den halben Tag in Lissabon am Flughafen hatten. Okay, wir kennen uns in Lissabon aus und sind dann mit dem ersten Taxi in die Stadt was Essen gefahren, um uns die Zeit ein bisschen zu verkürzen. Aber das war wirklich unglaublich, weil wir erst um 2 Uhr morgens gespielt haben. Und ich natürlich, ich muss immer alles sehen. Abenteuer Hurra! Ich habe mir dann ein Auto gemietet und niemand wollte mitkommen, bis auf Ralph, unser Bassist. Den habe ich schon am Abend davor überredet: „Ich weck‘ dich, ist mir scheißegal! Wir haben ein Auto und wir fahren jetzt!“ Und dann haben wir noch unseren Schlagzeuger und unseren einen Techniker getroffen, die dann doch morgens früh aufgewacht sind und den Frühstücksraum gesucht haben. Wir haben dann gesagt: „Ach kommt, Jungs. Wann kommen wir denn schon mal wieder auf die Azoren? Lass uns kurz mal rumfahren!“ Wir haben dann auch wirklich in zwei Stunden die komplette Insel geschafft, weil die wirklich miniklein ist. Wir hatten hier dann Frühstück und sind dort ein bisschen spazieren gegangen. Nach dem Soundcheck, weil wir wirklich erst so spät gespielt haben, hatten wir die Idee, dass wir alle von unserer Gage einladen, und sind Wale gucken gegangen. Die Wale haben sich dann aber versteckt und wir haben nur Delfine gesehen. Das war schon sehr speziell dahin zu fliegen. Wir haben die Anfrage wieder dahin zu fliegen, am 1. September. Ich hoffe, dass es klappt. Das war wirklich sehr, sehr speziell. Und genau deswegen würde ich mir auch andere Länder wünschen. Japan zum Beispiel. Wir haben da schon zwei oder drei Platten veröffentlicht, aber bisher hat es sich noch nicht gelohnt, da für Auftritte hinzufliegen. Ich glaube Ausland wäre einfach das Stichwort. Weiteres Ausland.

Ihr habt ja oft auch Gastmusiker auf der Bühne. Im Dezember in Hamburg hattet ihr unter anderem Lotto King Karl dabei. Gerade hast du von deiner Traum-Location erzählt. Wenn ihr freie Auswahl hättet, mit welcher Band oder mit welchem Künstler würdet ihr gerne unbedingt mal zusammen arbeiten oder auftreten?

Marta: Also von den Rockbands, ich liebe wirklich Incubus schon jahrelang und seit etwa einem Jahr finde ich Mutemath, eine Band aus Amerika, auch super geil. Mit denen irgendwo aufzutreten wäre mein absoluter Traum. Und natürlich, so eine Zusammenarbeit wäre auch interessant. Zum Beispiel, John Mayer finde ich auch unglaublich. Wenn der mich fragen würde, ob ich mit ihm ein Lied singe. Oder James Morrison, der Nelly Furtado fragen muss. Hallo, die ist schon berühmt! Die macht schon mit allen was. Warum guckt man nicht nach Europa?

Ihr habt laut Eurer Myspace-Seite in Eurer Bandgeschichte schon weit über 850 Konzerte gespielt. Da ist auf der Bühne ja auch bestimmt schon einiges schiefgegangen. Was war so das Peinlichste, dass ihr nie vergessen werdet?

Marta: So viel Peinliches ist uns da eigentlich noch nie richtig passiert. Wir haben noch nie Playback gespielt, so dass da irgendwas nicht richtig gelaufen wäre oder so. Wenn dann Faux-Pas passieren, ist das wenn wir uns selber verspielen. Ich weiß, einmal haben wir nicht proben können weil wir im Studio waren, und hatten direkt danach ein Konzert. Wir haben dann einfach das alte Programm rausgeholt und gesagt, wir spielen das, weil einfach keine Zeit war. Mir ist dann bei einem Lied nicht mal mehr die Melodie eingefallen. Ich wusste gar nicht mehr was ich singen soll, nicht mal den Text. Ich habe dann eine Tanzeinlage hingelegt, hab den Jungs gesagt, spielt noch mal den Durchlauf, und bin dann unauffällig zum Gitarristen: „Hey, wie geht nochmal die Melodie und der Text?“ Zum Glück ist mir die Melodie dann eingefallen.

Was aber auch ein bisschen ungeschickt war, als wir Pink! zum ersten mal supportet haben. Ich komme auf die Bühne, ganz selbstbewusst, weil da 3000 Leute standen und dachte so „Ja! Wir zeigen denen dass auch wir gut sind!“. Beim zweiten Lied laufe ich dann rückwärts, stolpere voll übers Schlagzeug und bin dann echt wie so ein Käfer mit allen Vieren nach oben auf dem Rücken gelandet. Das war schon sehr unangenehm. Nicht wegen der Schmerzen sondern wegen den ganzen Leuten.

Aber was gestern zum ersten Mal richtig passiert ist, wir sind ja gerade mit einem Nightliner unterwegs. Wir sind nach dem ersten Konzert von Wuppertal nach Hameln losgefahren. Ich bin schon früh ins Bett gegangen, aber die Jungs erst viel später. Morgens, um halb sieben weckt uns unsere Tourbegleiterin und sagt: „Ich habe schlechte Nachrichten. Wir stehen auf der Autobahn und haben eine Panne.“ Unser Busfahrer Ralf ist unglücklich überall rumgerannt und alles war schön beleuchtet, damit kein anderes Auto in uns rein fährt. Und wir mussten alle aus dem Bus aussteigen. Alle man raus, um sieben Uhr morgens. Es hat geregnet, es war arschkalt, beide Hunde liefen draußen rum und alle wollten ins Bett. Wir wurden dann in die Werkstatt abgeschleppt und durften dann endlich wieder in den Bus und weiterschlafen. Ich habe zum Glück einen super Schlaf und habe deshalb nichts gemerkt. Aber es muss unglaublich laut im Bus gewesen sein. Die anderen haben wohl nicht so gut geschlafen (lacht). Die haben dann überall rum geschraubt und ein Stück Getriebe ausgebaut. Dann kam die Tourbegleiterin wieder und meinte so: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht, dieser Bus wird für die nächste Woche nicht mehr fahren. Die gute Nachricht, es steht ein neuer Bus da.“ Wir mussten dann komplett umziehen. Zum Glück hatte ich die Koffer am Tag vorher gerade erst so in den Bus geschmissen und noch nicht so richtig ausgepackt. Aber unser Gitarrist, sobald der in den Bus einsteigt, macht der gleich seine kompletten Koffer in die Ablagen. Seine T-Shirts und Jeans, oder das Bettchen für seinen Hund. Er musste alles wieder einpacken, nach dem halben Tag, und wieder komplett ausziehen. Und heute Abend ziehen wir schon wieder um. Das war nur ein Ersatzbus. Der muss mit einer anderen Band weiter fahren. Aber das war echt ein verrückter Tag. Wir hätten um elf Uhr in Hameln sein sollen und kamen erst um halb vier an. Wir haben Gott sei Dank so viele gute Techniker, so dass wir es trotzdem geschafft haben, alles so aufzubauen, dass wir nur eine halbe Stunde zu spät anfangen konnten. Das ist bei vier Stunden Verspätung wirklich unglaublich.
Die wirklich peinlichen Sachen passieren eher hinter den Kulissen. Ansonsten, mir ist noch nie eine Brust rausgesprungen oder die Hose runter gerutscht. Das passiert eher unseren Fans.

Wie man ja gerade schon von dir gehört hat, ist so ein Tourbus ja schon wie ein Zuhause. Welche 3 Dinge dürfen bei Euch auf Tour auf gar keinen Fall fehlen?

Marta: Natürlich der iPod. Musik muss dabei sein. Für die Jungs mittlerweile, obwohl ich nicht so oft mitspiele, ist Poker. Also Pokerkarten und Chips. Und, ja, eigentlich immer etwas, mit dem man sich die Zeit vetreiben kann, zum Beispiel Bücher. Wobei, eigentlich noch viel wichtiger ist der Rechner, weil wir so weit von unseren Freunden und Familien weg sind. Der darf nicht fehlen. Dann natürlich noch Internet. Zum Glück haben jetzt immer mehr Clubs auch W-LAN, so dass wir dann noch schnell mit unseren Freunden und Familien chatten können oder noch schnell Interviews per Mail bearbeiten können. Das ist wirklich für uns super wichtig.

Euer aktuelles Album SIX ist jetzt seit knapp einem Jahr draußen. Plant ihr schon Euer nächstes Album oder steht das noch in den Sternen?

Marta: Ja, am 5.6. kommt unser Best Of Album raus. Aber es ist nicht so, dass da einfach nur alle unsere Singles drauf sein werden. Manche Singles werden wir da auch gar nicht drauf packen. Auf der Homepage haben wir schon seit einem halben Jahr ein Voting, wo sich jeder Fan aus allen unseren Songs seine drei Lieblingslieder aussuchen kann, und die mit den meisten Stimmen haben wir neu aufgenommen und packen die dann auf das Album. Dabei ist auch eine neue Version von „Supersonic Speed“. Außerdem ist dann noch ein kompletter Live-Auftritt vom 30.12.2008 aus der Großen Freiheit in Hamburg als DVD mit dabei, alle unsere Videos sind drauf und dann schreiben uns unsere Fans gerade ihre Geschichten, die sie mit den Liedern verbinden. Es wird also eine sehr, sehr bunte Sache und wir kämpfen auch darum, dass es zum kleinen Preis zu haben sein wird. Wenn ich mich nicht irre, gibt es sogar ein 32-Seiten-Booklet mit ganz vielen alten Bildern und unseren Kommentaren dazu. Es ist so ein „Drumherum-Werk“. Und wir werden ab Sommer natürlich wieder anfangen neue Lieder zu schreiben, weil wir nächstes Jahr, also 2010, gerne wieder ein neues Album veröffentlichen würden.

Schön. Danke, damit wären eigentlich alle meine Fragen beantwortet.

Marta: Ach, falls es dich noch interessiert, ich habe nebenher angefangen, in einem Musical in Prag zu singen. Das heißt Mona Lisa. Ich spiele da die Hauptrolle und habe auch noch eine zweite Rolle. Wenn ich nicht gerade die Hauptrolle spiele, spiele ich die Andere, ihre Schwester. Deshalb bin ich jetzt auch ständig am Hin- und Herreisen. Wir hatten am 4. März in Prag die Premiere und jetzt spielen sie gerade. Ich habe ihnen vorhin schon eine SMS geschrieben und ihnen „viel Spaß“ gewünscht. Pro Rolle gibt es immer drei Künstler, damit man nebenher auch noch andere Sachen machen kann. Es ist für mich auch einfach sehr lustig.

Also wenn du gerade nicht mit Die Happy unterwegs bist, bist du dann in Prag und singst im Musical?

Marta: Genau. Deshalb ist mein Hund auch der größte Reisehund auf der Welt, weil er ständig mit mir überall hin mit fährt. Er ist auch schon ein bisschen ruhiger geworden, weil er sich daran gewöhnt hat.

Du machst ja wirklich wahnsinnig viele verschiedene Sachen nebenher. Du singst mit Oomph zusammen, jetzt das Musical. Wie seid ihr da überhaupt auf die Unplugged-Idee gekommen?

Marta: Ziemlich am Anfang, gerade so als unsere ersten beiden Alben rausgekommen sind, sind wir immer wieder von Radio- und Fernsehsendern eingeladen worden und sollten da spielen. Die wollten aber immer, dass wir Vollplayback machen. Da hatten wir keinen Bock drauf. Wir haben gesagt, dass wir lieber unplugged spielen. Mit einer Gitarre und einem Bass gibt‘s keinen Stress mit dem Sound. Unser Schlagzeuger spielt dann Cajon, diese Holzkiste auf die man so drauf klopfen kann. Seitdem spielen wir einfach lieber unplugged, anstelle uns irgendwo hinzustellen und Vollplayback zu machen. Und dann haben wir gedacht, lass uns das doch machen, als Tour. Dann wurden wir damals noch von Viva Zwei eingeladen und haben dann auf der Party von der Silvestershow unplugged gespielt. Das war so geil, so ganz harte Lieder unplugged zu spielen, und wir haben uns wieder gedacht, lass uns das einfach machen. Vorbild war natürlich immer MTV-Unplugged. Nirvana waren auch phänomenal. Wir haben dann damals eben unsere drei Freunde eingeladen, zwei aus Ulm und ein Mädchen, Percussionistin aus München. Mittlerweile ist von den dreien nur der Gitarrist Patrick geblieben, weil alle Anderen viel zu viel Arbeit haben. Es war einfach eine der schönsten Touren, die wir je gehabt haben. Es ging um nichts. Es ging nicht um den Erfolg sondern nur darum, dass wir das machen, was uns tierisch Spaß macht. Wir ziehen uns gut an. Die Jungs hatten natürlich noch nie ‘nen Anzug im Schrank und mussten dann zu H&M rennen, um sich Anzüge zu kaufen. Ich konnte noch nicht auf Absätzen laufen. Die paar Schritte auf die Bühne habe ich noch geschafft, aber dann sind die Schuhe nach hinten geflogen. Das war einfach so geil, dass wir gesagt haben, das müssen wir wiederholen. Vorletztes Jahr im November haben wir zwei Auftritte gehabt, weil in Dortmund so eine Reihe gelaufen ist. Da haben sie uns angefragt, aber für ein Konzert zwei Wochen lang zu proben hätte sich nicht gelohnt. Deshalb haben wir dann noch ein zweites Konzert in Hamburg gemacht und haben uns nach diesen paar Jahren wieder gesehen und uns gleich gesagt: „Ey, lass uns das bald wieder machen!“ Wir sind dann sofort zu unserer Agentur: „Wir wollen wieder!“ Und dann war jetzt war einfach der passende Zeitpunkt, so zum Frühlingsanfang.

Und warum heißt dein Hund eigentlich Katze???

Marta: Ich war gerade im Urlaub, als ich wusste, dass ich sie eine Woche später abholen würde. Es war Sommer, ich hatte unglaublich gute Laune und war einfach sehr witzig drauf.

(Allgemeines Gelächter)

Schön.

Marta: Ja, dann sehen wir uns später. Viel Spaß beim Konzert.

Danke, das wünschen wir dir auch!


published by blue (edited version)

Abenteuer ECHO 2009 – Mit dabei als VIP


Echo 2009 – der wichtigste Musikpreis Deutschlands wurde am Samstag in Berlin verliehen. Wochenlang gab es für Radio- und Fernsehsender kaum ein anderes Thema. Jeder wollte dabei sein. Die Pop- und Jugendwellen der ARD ermöglichten knapp 150 glücklichen Gewinnern aus ganz Deutschland bei diesem unglaublichen Spektakel hautnah dabei zu sein und selber ein bisschen VIP-Luft zu schnuppern.

Das Abenteuer begann für die Gewinner bereits am Bahnhof. Ganz im Stile der Großen gab es von der Deutschen Bahn gesponsorte An- und Abreise erster Klasse. „Das war total cool! Vor allem, weil alle anderen sich in die 2. Klasse quetschen mussten. Auch ein paar Bands,“ erzählt Angela (20) aus Hamburg bei der Ankunft ganz aufgekratzt.

In der Tat war am Samstag Mittag das Promi-Aufgebot am Berliner Hauptbahnhof ganz beachtlich. Innerhalb von nicht einmal fünf Minuten liefen Angela Fast-Dschungelqueen Lorielle London, Singer/Songwriter Axel Bosse sowie alle fünf Jungs von Revolverheld über den Weg, die auch allesamt auf dem Weg zum Echo waren.

Begleitet von ARD-Hostessen ging es daraufhin stilecht im Shuttle weiter ins komfortable 4-Sterne Hotel, wo sich die meisten Damen unter den Gewinnern sofort auf ihre Koffer stürzten, um sich um „Outfit, Hair & Make-Up“ zu kümmern. „Man will ja bei all dem Glanz und Glamour nicht wie ein Kartoffelsack aussehen,“ so Eileen (18) aus Kassel nervös.

Kartoffelsäcke waren wahrlich keine dabei. Perfekt bis ins kleinste Detail durchgestylt und mit schicken blauen ARD-Gästepässen um den Hals ging es bereits um 17:30 Uhr im Shuttle Richtung o2 World zum Show Warm Up. In der eigens für die Gewinner hergerichteten ARD-Lounge gab es dann die nächste Runde VIP-Feeling pur: volles Catering mit allem Drum und Dran, ein DJ und dazu Getränke soweit das Auge reichte. Die Schlange am Buffet war endlos. Trotzdem warnte on3radio-Betreuerin Verena ihre Gewinnergruppe: „Esst lieber jetzt was, die Show wird verdammt lang! Und dazwischen kommt man echt schlecht da raus.“

Damit sollte sie recht behalten. Mit dem Einnehmen der Plätze wurde das Sitzfleisch der Gewinner, und all der anderen knapp 10000 Zuschauer in der o2 World, auf eine harte Probe gestellt. Scheinbar unzählige Awards in unzähligen Kategorien folgten auf mehr oder weniger witzige Moderationen von Barbara Schöneberger und Oliver Pocher. Auf grandiose Live-Auftritte von U2 und Depeche Mode folgten mittelmäßige und schon fast peinliche Vollplaybackauftritte, darunter Eurovision Song Contest Kandidat Alex Swings Oscar Sings. „Germany, 2 Points!“ fiel Pocher im Anschluss dazu nur noch ein.

Silbermond, Die Toten Hosen, Lionel Richie, Stefanie Heinzmann, The Scorpions, Helene Fischer, Bruce Darnell, Michael Mittermeier… Nach mehr als 3 langen Stunden Echo-Verleihung waren die meisten Gewinner-VIPs – genau wie die meisten Vollzeit-VIPs – doch froh, endlich in ihre Lounge zurückkehren zu können. Während die Stars und Sternchen der Musikbranche auf der offiziellen Aftershowparty im Postbahnhof am Berliner Ostbahnhof die Nacht zum Tag machten, taten es die Gewinner ihnen gleich, ließen diesen besonderen Abend auf ihrer eigenen Aftershowparty in der ARD-Lounge ausgelassen ausklingen. Todmüde fiel so mancher erst am frühen Morgen ins Bett. „So ein Leben als VIP ist schon anstrengend,“ meint Doro (25) aus Osnabrück erschöpft im Shuttle zurück zum Bahnhof, „aber wenn ich die Chance kriege, bin ich nächstes Jahr trotzdem wieder dabei!“


published by blue

StreetGigs: Rock‘n‘Roll und Popcorn-Schlacht mit Bloc Party

Samstag Abend. Der größte Saal des Cineplex in Münster platzt aus allen Nähten, aber etwas ist heute Abend anders. Den Leuten baumeln bunte VIP-Pässe um die Hälse und vor der Leinwand stehen Absperrgitter und Musikinstrumente. Anstelle des neuesten Hollywood Blockbusters steht ein T-Mobile Street Gig mit Bloc Party ins Haus. Street Gigs sind exklusive Konzerte mit internationalen Musikgrößen an ganz besonderen Locations – für ganz besondere Leute. Die VIP-Passträger sind die 500 glücklichen Gewinner, die heute Abend mit den Londoner Indie-Rockern die Hütte abreißen dürfen.

Die pompöse Kulisse des Kinosaals mit seinen unzähligen roten Samtsitzenreihen lässt so Einige anfangs noch zweifeln, ob hier in einigen Minuten wirklich richtig gerockt werden kann. Michi Ludes, Sänger und Gitarrist der Supportband Mikroboy aus Berlin, kommt sich auf der Bühne auch eher vor wie ein Tennisspieler auf dem Centrecourt: „Der Applaus klingt hier so gedämpft und gesittet!“ Sichtlich nervös aber gleichzeitig charmant gibt er sein Bestes, die gemütlich in die Sessel gelümmelte und mit Popcorntüten bewaffnete Menge mit melodiösem, nachdenklich-fröhlichem Indie-Poprock aus der Reserve zu locken. Etwa zwanzig Minuten und fünf Mikroboy-Songs später hat sich das anfangs noch etwas schwerfällige Publikum mit dem Konzept „Rocken im Kino“ angefreundet.

Zum Glück. So bleibt den Jungs von Bloc Party das Centrecourt-Gefühl erspart und es wird doch gerockt was das Zeug hält. Der Sound ist Dank der grandiosen Akustik des Kinos einfach einmalig und so bringen die Beats und Klangwände schnell auch den faulsten Hintern in Schwung. Jetzt lümmelt sich sicher niemand mehr faul auf seinem Sessel. Die Luft brennt förmlich. Es ist unglaublich heiß. Die Getränke fließen in Strömen und man hat eigentlich eher das Gefühl auf einem großen Festival zu sein. Als dann fast allen vollen Popcorntüten Flügel wachsen, hält Sänger Kele nichts mehr auf der Bühne. Er klettert quer über alle Sitzreihen, mitten hinein in den Popcornhagelschauer und singt beinahe einen kompletten Song mitten aus dem Bad in der Menge.

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Nach nur einer Stunde ist der ganze Zauber auch schon wieder vorbei. Überall sieht man nur verschwitzte, zufriedene Gesichter, von denen für viele die Party im Gleis 22 beim Bloc Party Special sofort weiter geht.
— Wäre Dresden nicht so weit weg, dann wäre der ein oder andere sicher auch wieder beim nächsten Street-Gig im März mit Mando Diao am Start. Ganz sicher!


published by blue

Axel Bosse im Interview – Mit dem Taxi Richtung Sehnsucht


Am 6. Februar geht Axel Bosses drittes Album „Taxi“ an den Start. Die aktuelle Single „3 Millionen“ wird bereits fleißig von vielen Radiosendern gespielt und das Video gibt es bei MTV zu sehen. Ich hatte den netten Wahl-Hamburger zum Interview an der Strippe und habe mir viel zum neuen Album und der anstehenden Tour erzählen lassen. Dazu gab‘s noch Geheimtipps für Hamburg.

Du bist ja schon eine ganze Zeit im Geschäft und bringst jetzt dein drittes Album „Taxi“ raus. Trotzdem kennen viele Leute dich und deine Musik noch nicht so gut. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Bosse: Meine Musik besteht aus ein paar Gitarren, aus ein bisschen Klavier, hier und da einer Akustik Gitarre. Manchmal vielleicht auch ein paar Streicher. Ich singe auf deutsch. Und ich singe auf dem Album über Sehnsucht und über das Ende von Dingen und das Weitermachen.

Dein letztes Album „Guten Morgen Spinner“ hast du schon vor zweieinhalb Jahren heraus gebracht. Würdest du sagen, dass sich dein Sound in der langen Zeit verändert hat oder du dich mit dem neuen Album weiterentwickelt hast?

Bosse: Ja, sehr. Beim letzten Album hatte ich einfach Lust, ein Live Rock‘n‘Roll Album zu machen, wo man einfach fünf Tage mit einem Produzenten ins Studio geht, nicht viel probt, einfach nur jammt und Songs einspielt. Beim neuen Album war der Plan das eben genau nicht so zu machen, sondern sich extrem viel Zeit zu lassen, auf den Sound zu achten, viel auch ohne Band zu machen. Wir haben ganz viel auch nur zu zweit gemacht, mein Produzent Jochen Naaf und ich. Wir haben ziemlich viel an Texten und Songs gearbeitet und haben alles in allem wirklich ein Jahr gebraucht, bis das alles überhaupt so entstanden ist.
Der Sound hat sich auf jeden Fall immens verändert. Es ist keine Rock‘n‘Roll-Scheibe mehr sondern eher eine Indie-Pop-Scheibe, oder wie auch immer man das nennen will. Sie ist vor allem sehr liedlastig. Es geht gar nicht mehr darum, einen geilen Gitarrensound zu haben. Es ging uns in erster Linie um Songs und wie man die Songs umsetzt, damit sie am besten wirken. Darüber habe ich mir bei dem Album davor eigentlich echt superwenig Gedanken gemacht.

Du hast dein neues Album komplett ohne große Plattenfirma im Nacken aufgenommen. Was ist das führ ein Gefühl, das Endprodukt dann endlich in den Händen zu halten? Ist das irgendwie anders als vorher?

Bosse: Eigentlich ist Vieles beim Alten. Man bangt natürlich immer noch mit – Was schreiben die Leute darüber? Wie viele Klicks gibt‘s auf MySpace? Spielt MTV das Zeug? Wie läuft‘s im Radio und wie laufen die Konzerte? Alles das ist gleich geblieben, nur mit dem Unterschied, dass wir das alles gerade selber organisieren und finanzieren. Wir haben jetzt einfach ganz viel mit dem zu tun, was sonst bei der Plattenfirma Promoter übernehmen. Früher bei EMI haben bestimmt 25 Leute für mich gearbeitet und das macht man jetzt alles selber. Alles läuft über unsere eigenen Schreibtische. Das ist dann natürlich was ganz Anderes wenn du dann das Album in der Hand hältst und endlich alles fertig ist. Das ist jetzt umso mehr meins – oder unsers.

Dein neues Album heißt ja „Taxi“. Wenn ich das Wort „Taxi“ höre, denke ich erst mal an gelbe, stinkige Autos, aber auch an Aufbruch und unterwegs sein. Wie bist du auf den Titel Taxi gekommen? Hat der eine Besondere Bedeutung für dich? Kann man dieses Album auch als eine Art Aufbruch für dich sehen?

Bosse: Das ist gar nicht mal so auf mich bezogen. Ich habe einfach nur nach etwas gesucht, dass für mich das Gefühl des Albums, wenn ich es so höre oder auch wenn Andere es hören, zusammenfasst. Am Ende, wenn man das Werk dann seinen drei oder vier Leuten vorspielt, sagt einer vielleicht „wow, klingt aber ganz schön sehnsüchtig“ oder „ganz schön auf der Reise“ oder hier und da auch mal „endlich angekommen“. Taxi fand ich da ganz gut. Es gibt ein Lied auf dem Album, Irgendwo Dazwischen, da setzt sich die Person ins Taxi und fährt dann wirklich für immer weg. Und da es auf dem Album sehr oft um das Gefühl geht, was passiert wenn Sachen aufhören und andere Sachen neu beginnen, fand ich das Taxi ganz geil. Also eigentlich das Taxi zum Flughafen. Oder eben das Taxi nach Paris (lacht).

Am 23. Januar kommt als erste Single vom neuen Album „3 Million“ als Digitaler Download raus. Warum hast du dich gerade für den Song entschieden?

Bosse: Am Ende ist das überhaupt nicht mehr meine Entscheidung. Okay, ich entscheide das zwar schon, aber ich habe mich da auch sehr auf Jochen und meine anderen Leute verlassen. Die vierzehn, fünfzehn Lieder, die man für so ein Album aufnimmt, die höre ich seit einem Jahr andauernd – vom ersten Basston an. Und ich bin dann irgendwann einfach raus wenn‘s darum geht, zu sagen was die Leute berührt oder worauf ich eigentlich Lust habe. Alle empfanden 3 Millionen als einen guten Start, weil der Song auch immer noch so eine kleine Brücke zu meinem zweiten Album spannt. Gerade, weil da noch ein paar mehr Gitarren sind, er aber trotzdem textlich und vom Grundgefüge her das neue Album auch ganz gut zusammen fasst.

Du sagst, dass du nach all der Zeit nicht mehr genau weißt, was andere Leute berühren könnte. Gibt es auf dem Album denn einen Song, der dir selber richtig viel bedeutet und mit dem du persönlich besonders viel verbindest?

Bosse: Mit jedem Song verbinde ich irgendwas, ist ja klar. Ich habe da immer so meine Phasen. Im Moment höre ich schon sehr viel 3 Millionen. Das liegt aber nicht daran, dass ich das mir auf die Ohren lege, sondern weil ich das Video so gerne gucke. Was aber wiederum wohl daran liegt, dass ich da selber gar nicht so drin vorkomme. Ich gucke Laura Tonke ganz gerne beim Laufen zu und finde es toll, dass sie da mitgemacht hat. Deshalb ist das gerade so mein Lied. Ansonsten bleibe ich dann immer eher so bei den ruhigeren Nummern hängen. Gegen Murphy höre ich auch öfter mal.

Das ist schön, denn mir persönlich gefallen auch „Gegen Murphy“ und „Alter Strand“ besonders gut. Erzähl doch mal was zu den beiden Songs.

Bosse: Klar. Gegen Murphy. Darin geht es darum, dass alle immer über Murphys Gesetz sprechen. Ich habe das einfach genommen und auf eine Waagschale gelegt: Was passiert mit deinem Leben, wenn es wirklich Murphys Gesetz gibt und wenn alles immer schlecht ausgeht und man immer Pech hat? Im Song sage ich, dass ich das alles nicht glaube. Auch gerade weil ich im Bezug auf Liebe, Familie, Treue, Vertrauen, aber auch auf Freunde gar nicht darauf stehe, wenn mir jemand einen von Murphys Gesetz erzählt. Ich glaube, man hat superviele Sachen selbst in der Hand und muss manchmal einfach nur danach greifen und sich auch einfach mal vertrauen.

Alter Strand ist eigentlich ein Lied über alte Freunde und einen guten Ort. Ich hatte dabei die ganze Zeit ein Bild von meiner Lieblingsinsel Amrum vorm Auge. Das ist so ein Ort wo ich seit ich null bin wirklich jedes Jahr bin – jetzt bin ich 28. Da passiert mir das ganz oft, dass ich über den Strand gehe und viele Leute sehe, die mich gar nicht wieder erkennen und ich sie auch nur so halb. Dann hat man oft so das Gefühl: „Alter Schwede! Was ist da eigentlich passiert?“ Früher haben wir zusammen am Strand Löcher gebuddelt und mit Hölzern und Sand zugedeckt, damit irgendwelche Opas reintreten. Und jetzt sitzen wir hier, die Eine ist 35 und hat‘s in der Politik geschafft und der Andere ist Musiker geworden.

Im März geht‘s für dich auf „Taxi“-Tour quer durch Deutschland. Was können die Leute live von dir erwarten?

Bosse: Wir haben unsere Touren früher immer im Sommer gespielt. Das waren immer extrem energiegeladene Konzerte, wo es dann immer so unglaublich heiß war, dass von der Decke getropft hat. Ich glaube, das wird dieses Mal auch so sein. Wobei es eben einfach zwei, drei Momente mehr geben wird, in denen man sich auch mal ausruhen kann. Ansonsten sind wir die gleiche Band. Wir haben noch einen tollen Pianisten dazu bekommen der sonst für Peter Licht spielt. Der und ich sind dann dafür da, dass man hin und wieder auch mal ein paar ruhigere Momente hat. Und sonst werden das wohl alles recht lange Konzerte. Wir haben jetzt ja schon drei Alben, und ich habe jetzt schon so viele Songs, die ich spielen will. Da kann ein Konzert dann wohl so zwei Stunden dauern.

Du wohnst ja schon länger in Hamburg. Hast du da vielleicht einen „Geheimtipp“ für uns, wo man in Hamburg hingehen kann, wenn man nicht das typische Touristenprogramm absolvieren will?

Bosse: Ja, habe ich. Ich wohne etwas außerhalb, in Hamburg-Blankenese. Wenn man da die Elbchaussee runter immer weiter geradeaus fährt, dann kommt man nach Wittenbergen. Wittenbergen ist so eine Art Nordseestrand, nur eben an der Elbe. Den kennen auch gar nicht so viele – die meisten biegen immer zu früh links ab. Da gibt‘s echt ganz schöne, weiße Sandstrände mit so kleinen Dünen und Heidelandschaft. Da mal mit seiner Freundin spazieren zu gehen, das kann ich nur empfehlen. Und ansonsten noch das BP1 auf der Schanze am Schulterblatt. Direkt neben dem Bedford Café. Da ist es auch immer richtig nett, obwohl das auch nicht so viele Leute kennen.

Mehr Infos zu Bosse, Album und Tour gibt es auf www.bosse-rockt.de , www.myspace.com/axelbosse

Bosse „Taxi“ Tour 2009
06.03. Dortmund – VISIONS PARTY @ Suite023
07.03. Bielefeld VISIONS PARTY @ Forum
12.03. Berlin, Kleiner Postbahnhof
13.03. Hamburg, Knust
14.03. Lingen, Alter Schlachthof
17.03. Frankfurt/Main, Nachtleben
18.03. München, 59 to 1
19.03. Köln, Luxor (Ex-Prime Club)
21.03. Stuttgart, Jugendhaus West

—-
published by blue

Einslive Krone 2008 – Königliche Awards, Heiße Acts und Megaparty

Es regnet, stürmt und schneit. Eigentlich sollte man bei diesem nordpolähnlichen Wetter keinen Fuß vor die Tür setzen. Trotzdem stehen sich an diesem 4. Dezember ein paar hundert Fans schon seit Stunden am roten Einslive-Krone-Teppich die Beine in den Bauch, um bei der Einfahrt der Stars und Sternchen an der Bochumer Jahrhunderthalle dabei zu sein. Deutschlands größter Radio Award wird dieses Jahr zum neunten Mal vom Radiosender Einslive vergeben und auch dieses Jahr hat sich alles was in der deutschen Musikszene Rang und Namen hat auf den Weg nach Bochum gemacht, um bei diesem Superevent dabei zu sein.

Für die nominierten Bands handelt es sich hierbei um einen ganz besonderen Preis, da die Gewinner nicht von einer Jury sondern ganz allein von den Fans per Online-Voting bestimmt werden. Mehr als eine Millionen Klicks sind bei der diesjährigen Abstimmung eingegangen und auch viele der frierenden Fans am roten Teppich haben an ihren Computern zu Hause alles gegeben, um ihren Lieblingsbands die Kronenkugel in die Hände zu spielen: „Ich habe bestimmt 200 Mal für Revolverheld abgestimmt,“ sagt ein junges Mädchen nervös im Vorfeld der Show. Den Einsatz wissen die anrollenden Stars auch sehr zu würdigen und so versuchen Fettes Brot, die Donots, Culcha Candela und viele andere Promis trotz eisiger Temperaturen und großem Zeitdruck so viele Autogramm- und Fotowünsche wie möglich zu erfüllen.

Manche Bands sind sichtlich aufgeregt – allerdings nicht nur aufgrund ihrer Nominierung sonder auch wegen der doch sehr verrückten Wahlversprechen, die sie im Kampf um jede Stimme abgegeben haben. So will Ingo von den Donots 24 Stunden lang ohne Pause mit seinen Jungs den Hit „Stop the Clocks“ spielen, wenn seine Band die Krone für die „Beste Single“ gewinnt. Ihre Gegner, die Söhne Mannheims, konnten das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und versprachen ihren Fans genau das Gleiche zu tun, wenn sie gewinnen: auch sie wollen 24 Stunden lang „Stop the Clocks“ von den Donots spielen.

So geht es dann für Viele mit großer Vorfreude und Nervosität im Bauch in die Show. Einslive-Moderatoren Olli Briesch und Michael Imhoff führen gemeinsam durch den als Jahresrückblick gestalteten Abend, dessen Programm mit musikalischen Highlights von Peter Fox, Polarkreis 18, Reamonn, Clueso und Mia., sowie Promi-Talks auf dem Krone-Sofa durchzogen ist.

Beste Band des Jahres wird an diesem Abend Ich + Ich vor Culcha Candela und Reamonn. Die Krone der Kategorie „Beste(r) Künstler(in)“ kann der Erfurter Clueso noch vor Thomas D und Peter Heppner mit nach Hause nehmen. Peter Fox lässt mit seiner Platte „Stadtaffe“ Die Toten Hosen und Mia. weit hinter sich und holt damit die Kronenkugel für „Bestes Album“ nach Berlin. Auch wenn sie an diesem Abend in der Show nicht live auftreten, können die Beatsteaks die Krone für „Bester Liveact“ entgegen nehmen und setzen sich damit gegen die Hamburger Jan Delay und Deichkind durch. In der besonders hart umkämpften Kategorie „Beste Single“ gewinnen nicht Donots oder Söhne Mannheims, die Bands mit den verrücktesten Wahlversprechen. Der Award geht ganz klar an die drei Hamburger Jungs von Fettes Brot für ihren Ohrwurm „Bettina, zieh dir bitte etwas an“. Völlig überwältigt und beinahe sprachlos ist Stefanie Heinzmann, als sie ihre wohlverdiente Krone als „Bester Newcomer“ entgegen nimmt, und damit Polarkreis 18 und Stanfour auf die Plätze verweist. Nicht live dabei ist Mario Barth, der sich durch seinen Weltrekord im Berliner Olympiastadion eine Krone für die „Beste Comedy“ sichern kann.

Im Vorfeld bereits von der Einslive Musikredaktion und nicht per Voting entschieden, geht die Einslive Krone für das Lebenswerk an die Beste Band der Welt – Die Ärzte. Die drei Berliner glänzen jedoch mit Abwesenheit, da sie ihr Lebenswerk noch lange nicht als vollendet ansehen.

Nach zweieinhalb langen Stunden beenden Peter Fox und seine Band den offiziellen Teil des Abends mit „Haus am See“. Während es für einen großen Teil der Galagäste nun nach Hause geht, fängt für die Stars der Abend jetzt eigentlich erst richtig an. Das Highlight des Abends – die Aftershowparty. Es wird gefeiert und getanzt was das Zeug hält. Egal ob Kronengewinner oder Verlierer, man macht sich über das riesige Buffet her, trifft im Getümmel und an vielen Bars alte Bekannte oder wagt ein Kicker Match gegen Clueso, der so gut wie jeden Gegner gnadenlos abzieht. Das Foyer der Jahrhunderthalle bebt und als morgens um kurz vor sechs schließlich das Licht an geht, fällt es so manch einem doch schwer zu glauben, dass die Einslive Krone 2008 schon wieder vorbei ist. Nächstes Jahr wird weiter gefeiert. Versprochen.

Fotos von den Gewinnern und vom Roten Teppich gibt’s hier!


published by blue

Musikmarathon der Jugendkulturtage Osnabrück – 2.10.2008

Ein etwas anderer Marathon

Laut war es. Lang war es. Ein Marathon eben. Jedoch wurden am Donnerstag Abend beim Musikmarathon der Osnabrücker Jugendkulturtage nicht die sportlichen Fähigkeiten der Teilnehmer auf die Probe gestellt, sondern eher das musikalische Durchhaltevermögen. Mit insgesamt sechs Bands in drei Locations wurde bis zu später Stunde gejammt und gerockt was das Zeug hielt. Dem Publikum wurde gezeigt, dass in der Osnabrücker Nachwuchsbandszene alles Andere als tote Hose herrscht.
Den Anfang machten gegen 20:30 Uhr die Black Jack Funkers im Haus der Jugend. Die gerade mal 13 und 14-Jährigen Bandmitglieder hatten zwar ein wenig mit dem Sound zu kämpfen, meisterten aber ihre nicht ganz leichte Aufgabe des Openers trotz allem recht anständig. Frontfrau Karla sang mit viel Elan und Freude von Dingen, die wohl jeden Jugendlichen einmal beschäftigen und beschloss das Set der Band mit der Zugabe „Wieder da“ – einer ruhigen Nummer die mit besserem Sound noch viel schöner gewesen wäre.
Ohne große Umbaupausen stürmten im Anschluss auch sofort die Insolvent Insomniacs die Bühne. Mit ihrer fetzigen Mischung aus eigenen und gecoverten Rock‘n‘ Roll und Ska-Nummern rissen sie die Menge sofort mit und verwandelten den Raum in eine einzige große Party, sowohl vor als auch auf der Bühne. Für viele Zugaben blieb leider nicht viel Zeit; denn der Partybus, der die Musikjünger weiter in die nächste Location kutschieren sollte, wartete schon draußen mit laufendem Motor. Im antiken Doppeldecker ging es mit Jongleuren an Bord weiter ins GZ Ziegenbrink.
Dort warteten auch schon die 3 Jungs von Last Wish auf ihren Auftritt, die vielen Besuchern schlicht weg die Sprache verschlugen. Gerade einmal 13 Jahre alt und kaum dem Kindersitz entwachsen, überraschte besonders Sänger Oliver mit einer sehr guten Stimme und einer unglaublich einnehmenden Bühnenpräsenz. Insgesamt lieferten sie dem Publikum eine beachtlich professionelle Show aus beinahe ausschließlich selbstgeschriebenen englischen Rocksongs, die den einzigen Coversong des Sets – „Summer of ‘69“ von Bryan Adams – weit in den Schatten stellten.
Nach so viel Begeisterung hatten die Jungs und Mädels von Therapiezentrum keine leichte Aufgabe, als es darum ging die Menge zu begeistern. Jedoch nahmen die vier Osnabrücker unter der Führung von Frontfrau Gianna auch diese Hürde mit Bravour und brachten den Ziegenbrink mit ihren eigenen deutschen Crossoverstücken schnell zum Kochen. Auf und vor der Bühne wurde gerockt, was die Saiten hergaben und so ging es gut aufgeheizt weiter in den kalten Partybus, der auf direktem Wege den Ostbunker ansteuerte. Für die Pausenunterhaltung auf der Fahrt sorgten dieses Mal keine Jongleure, sondern ein waschechter Schotte mit Tracht und Dudelsack. Durch sein Getröte wurden selbst die kleinsten langsam aufkommenden Müdigkeitserscheinungen schnell weggeblasen, so dass alle fit wie ein „Marathonlaufschuh“ im JKZ Ostbunker ankamen. Mit kurzer Verzögerung bretterten dort direkt Sederial aus Melle los und begeisterten mit ihren politischen Punk- und Metalnummern besonders die Fans der härteren Gangart. Die Stimmung im Bunker brannte förmlich. Begeistert von so viel Pogo vor der Bühne ließ sich Sänger Sebastian zu halsbrecherischen Stagediving-Einlagen hinreißen und wurde einmal quer durch den Raum getragen.
Gegen 0:20 Uhr enterten dann Third Cucumber aus Osnabrück als letzte Band die Ostbunkerbühne und rundeten das Gesamtbild des Abends mit einem sehr guten Auftritt ab. Mit ihrem eingängigen, melodiösen und sehr ausgefeilten Poppunk á la Blink 182 heizten sie dem Publikum noch mal ordentlich ein und verpassten dem Ein oder Anderen noch einen letzten Ohrwurm, bevor es wieder zurück zum Bus, in die dunkle Nacht und ab nach Hause ging.


published by blue