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Torpus & the Art Directors: Moderner Folk aus Norddeutschland

Moderner, richtig toller Folk aus Norddeutschland. Den gibt’s? Ja, und wie! Torpus & the Art Directors sind ein wunderschönes Beispiel dafür, dass gute Musik eben nicht kein perfekt durchdachtes Konzept oder eine vollständig festgezurrte Bandbesetzung braucht. Diesen Monat ist die Truppe rund um Sönke Torpus auf ausgedehnter „From lost Home to Hope“-Tour in Deutschlands Clubs unterwegs und wird am 31. Januar auch in der Kleinen Freiheit in Osnabrück halt machen. Das freut mich sehr!

Hinter Torpus & the Art Directors stehen zum einen Frontmann und Namensgeber Sönke Torpus, der mit seiner markanten Stimme und gelassenen Art für den schönen Wiedererkennungswert der Musik sorgt. Begleitet wird er dabei steht’s von seinen treuen Art Directors, die in ständig unterschiedlicher Besetzung für die richtige musikalische Untermalung der Texte zuständig sind. So ganz wechselnd ist die Besetzung heute jedoch anscheinend auch nicht mehr. Der Hinweis findet sich nur noch auf der Facebookseite, auf der Bandhomepage werden Ove Thomsen (Gesang, Harmonium, Banjo, Trompete, Mandoline), Melf Petersen (Gesang, A-Gitarre, Baritongitarre, Mandoline), Felix Roll (Schlagzeug) und Jenny Apelmo (Gesang, Bass) als feste Besetzung aufgezählt.

Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich auf Herrn Torpus und seine treuen Art Directors vergangenen März im Ringlokschuppen in Bielefeld. Hier supportete die Band Kettcar auf ihrer „Zwischen den Runden“-Tour. Die markante, leicht raue Stimme, die wunderschönen, relaxten Melodien, die Liebe zum Detail und die natürliche Leidenschaft, mit der die fünf Musiker ihre Stücke auf die Bühne brachten, ließen mich selbst während des Auftritts von Kettcar nicht mehr los. Ich kaufte mir nach dem Konzert die EP – Mit einer der am niedlichsten aufgemachten Verpackungen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe. Eine einfache, bedruckte Papphülle, darin eine CD in Vinyl-Optik, und ein Booklet, das fein säuberlich zusammengefaltet und in einem winzigen, mit rotem Siegelwachs versiegeltem Briefumschlag verstaut, der mit einer riesigen Büroklammer an die Hülle geheftet war. 
Leider hatte die CD einen kleinen Fehler: Mein Macbook wollte sie partout nicht lesen und so ließ sich das gute Stück einfach nicht in meine Mediathek importieren. Deshalb dauerte es dann noch fast ein halbes Jahr, bis ich die wohl niedlichste CD der Welt wieder in mein Auto schleppte und ihn dort anhörte. Inzwischen hatten sich in meiner Straße in Osnabrück an den Laternen und Straßenschilder über Nacht die Torpus-Sticker vermehrt, die ein neues Album ankündigten. Ich freute mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit, wenn ich einen neuen Aufkleber an der Ampel entdeckte. 
Foto: Grand Hotel van Cleef

Seit dem 12. Oktober gibt es den Longplayer „From Lost Home to Hope“ aus dem Hause Grand Hotel van Cleef nun käuflich zu erwerben und ist seither auch fester Bestandteil meiner Plattensammlung. In ihren Pressetexten werden Torpus & the Art Directors mal mit Mumford & Sons, Arcade Fire oder auch den Fleet Foxes verglichen. Teilweise trifft das zu. Beruhigend und emotional berührend sind die Stücke, die sich auf der Platte versammelt haben. Ganz ohne Kitsch, trotz einer großen Portion Sehnsucht und Melancholie, die eine interessante Symbiose mit einem Eimer voll Optimismus eingeht. Wunderschön und detailverliebt, jedoch niemals überladen. Und das trotz fünfstimmiger Chöre und einer derart abwechslungsreichen Instrumentation, von der andere Bands oft nur träumen. 

Die insgesamt 13 Stücke machen neugierig auf die Tour, neugierig auf Torpus & the Art Directors live. Von Ende Januar bis Mitte Februar ist die Band in Deutschland unterwegs. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder direkt beim Grand Hotel van Cleef-Ticketshop
Torpus & the Art Directors
From Lost Home to Hope – Tour

24.01.2013 Lübeck – Blauer Engel
25.01.2013 Kiel – Prinz Willy
26.01.2013 Rostock – Lohro Klubnacht
27.01.2013 Berlin – BiNuu
28.01.2013 Göttingen – Pools
30.01.2013 Düsseldorf – Forum Freies Theater
31.01.2013 Osnabrück – Kleine Freiheit*
01.02.2013 Essen – Zeche Carl (Lichhof)
02.02.2013 Köln – Stereo Wonderland
03.02.2013 Frankfurt – Ponyhof
05.02.2013 Saarbrücken – Garage (kleiner Club)
06.02.2013 Karlsruhe – Jubez
07.02.2013 Nürnberg – Club Stereo
08.02.2013 Halle – Objekt 5
09.02.2013 Erfurt – Museumskeller
11.02.2013 Jena – Café Wagner
12.02.2013 Leipzig – Kö
13.02.2013 Hannover – Lux
14.02.2013 Bremen – Tower
15.02.2013 Hamburg – Molotow
16.02.2013 Leck – Leck-Hus
* Für das Konzert in der Kleinen Freiheit in Osnabrück gibt es außerdem Karten im Kartenwerk in der Dielinger Straße. Kostenpunkt: schmale 10 Euro plus Gebühren. Einlass ist am 31. Januar um 20 Uhr, los geht’s um 21 Uhr.

Fotos: Eugen Heimböckel

CD Review: Augen auf – „Hier und nicht in Hollywood“

 Albumproduktionen sind teuer. Daher ist es kein Wunder, dass es in der heutigen Zeit immer weniger Bands gibt, die ihr fertig produziertes Baby tatsächlich als Hardcopy an die Medien rausschicken. Allein schon deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich „Hier und nicht in Hollywood“ der Band Augen auf eines Tages überraschend in meinem Briefkasten fand. Das ist inzwischen schon etwas her, aber ich habe den Jungs eine ehrliche Review versprochen. Und Versprechen halte ich – auch, wenn es wie in diesem Fall manchmal etwas länger dauert.

„Hier und nicht in Hollywood“ ist bereits das zweite Album von Augen auf. Auf der Platte mit dem hübsch gestalteten Cover (das vom Stil her irgendwie an Karpatenhund erinnert) verstecken sich 13 sauber und solide produzierte rockige Indie-Popnummern mit hin und wieder ganz leicht durchschimmernden Pop-Punk-Appeal, zumindest was den Sound angeht. Kurzzeitig catchige Melodien, nicht zu simple Hooks und Texte, in denen sich der typische Mittzwanziger, Bachelor-Student und das eine oder andere verlorene Abiturienten-Fanmädchen wiederfinden kann. Leben, Liebe, Leid und ein bisschen Weltschmerz sind verpackt in schrammelnde Gitarrenbetten und nette deutschsprachige Indie-Poprock-Päckchen. Der Stimme des Sänger kann man gut zuhören, über einige sperrige Textzeilen lässt sich in Anbetracht des großen, hübschen Ganzen guten Gewissens hinweg sehen. Man könnte den Jungs noch etwas wenig Variation und Abwechslung ankreiden, aber die gewohnten Akkorde und Tonlagen spiegeln wohl das Grund-Sentiment des Albums wieder, sodass es irgendwo auf die eine oder andere Art und Weise doch alles wieder passt. Das gefällt. Fein. 
Es könnte alles so schön sein. Wenn, ja wenn, es leider nicht schon so viele andere Bands geben würde, die ähnlich oder fast genauso klingen, wie das, was Augen auf da auf „Hier und nicht in Hollywood“ präsentieren. Bereits nach den ersten fünf Songs schwirren einem diverse andere Namen durch den Kopf, an die die Platte und ihr Sound erinnert. Allen voran Schrottgrenze, dann ein bisschen Herrenmagazin, an einigen Stellen eine etwas rockigere Version von Mikroboy, ein bisschen altes Zeug von Jupiter Jones oder Bosse, Prisen von Madsen, Muff Potter, Kante, Turbostaat. Die Liste ließe sich wohl noch beliebig fortsetzen. 
Zugegeben, es ist wirklich nicht einfach, den ganz eigenen Sound zu finden und sich selbst dann auch noch an den Haaren aus den Untiefen des allgemein schwammigen Independent Rock/Pop-Sumpfes heraus zu ziehen. Vor allen Dingen, wenn man sich dazu dabei auch noch von all den anderen, unzähligen schwimmenden Sumpfbewohnern deutlich abheben müsste. Es gab schließlich fast alles schon mal irgendwann. Augen auf dümpeln mit „Hier und nicht in Hollywood“ keinesfalls ganz tief im Sumpf oder gar am Grund, aber es fehlt der Band leider noch der notwendige Wiederkennungswert und die markanten Alleinstellungsmerkmale, die das sichere Ticket in das Ruderboot oben auf der Wasseroberfläche des Sumpfes bedeuten würden. So müssen Augen Auf wohl leider erst mal noch die Gummistiefel anbehalten, auch den ein oder anderen Tauchgang in Kauf nehmen und weiter um das Boot herum waten. Vielleicht schaffen sie es beim nächsten Mal trockenen Fußes hinein. 
Wertung: 5/10 Sternchen 
(c) Klangapartment
(c) Klangapartment
Mehr Infos zur Band findet Ihr hier.
Augen auf
„Hier und nicht in Hollywood“
Klangapartment
VÖ: 30.09.2012
Trackliste:
01 Alle für Einen
02 Jede Woche wieder
03 Lippenbekenntnisse
04 Dieses Spiel
05 Niemals wie früher
06 Jeder weitere Schritt
07 Heute Nacht
08 Alles um dich herum
09 Kosmetikwerbung
10 Keine Freudentränen
11 An allen Ecken und Enden
12 Luftschlossbau AG
13 4:15 AM

Fotos flashen Osnabrücker Indie-Gemeinde

Inzwischen hat es sich auch bis nach Osnabrück herum gesprochen, dass die Hamburger/Kölner Band Fotos so Einiges kann. Nicht umsonst werden sie mit Genre-Größen wie My Bloody Valentine oder Nick Drake verglichen. Die Kleine Freiheit ist gut gefüllt, mehr als doppelt so viele Besucher als beim letzten Osnabrück-Konzert der Indie-Barden haben den Weg in die Location am alten Güterbahnhof gefunden.

Fotos halten auch gleich ein Novum für Osnabrück parat: Sind sie doch eher selten mit Support unterwegs, so dürfen Justus Parker aus Wuppertal den Abend auf der kleinen Bühne eröffnen. In tiefrotes Licht getaucht rocken sie mit „Tanz Baby“ los und geben damit das Motto des restlichen Abends vor. Eine halbe Stunde lang spielt die Band, die ihr Osnabrück-Debüt vor drei Jahren auf einer Gartenparty bestritt, Songs aus ihrem aktuellen Album „Textil oder Disko“. Ab der Hälfte ihres kurzen Sets können nicht nur die Mädchen aus der ersten Reihe die Füße nicht mehr still halten und so groovt der Raum für den Rest des gelungenen Aufwärmprogramms locker mit. 

Mit den sphärischen Klängen des Intros zu „Alles Schreit“ übernehmen die vier Fotos-Jungs die Bühne und brettern schließlich ungebremst und energiegeladen mit dem Refrain los. Das Publikum ist sofort mit dabei und surft gut gelaunt auf der ihr entgegen kommenden Soundwelle mit. Fotos liefern eine gute Mischung aus neuen Songs aus ihrem aktuellen Album „Porzellan“, ausgewählten Krachern ihres zweiten Albums „Nach dem Goldrausch“ und einer ordentlichen Portion Musik ihres 2006er Albums „Fotos“. Ein schöner Querschnitt durch das gesamte Fotos-Repertoire. Besonders die alten Songs voll jugendlich-rebellischer Frische begeistern die Osnabrücker Indie-Gemeinde und treiben die Tanzwut weiter nach vorne. Es wird freudig mitgesungen und jede Animationseinlage von Frontmann Tom Hessler wärmstens empfangen. Nur die Lautstärke lässt für Toms Geschmack noch etwas zu wünschen übrig. Dabei überlässt man manchmal einfach gerne der Band den Gesang und spart sich seine eigenen Darbietungen lieber für die Dusche auf.
Nach knapp 90 Minuten und drei Zugaben ist das Live-Spektakel im aufgeheizten Wohnzimmer der Kleinen Freiheit vorbei und die Masse bestens aufgewärmt für eine lange Samstagnacht mit dem Starclub. Alle sind sich einig: Fotos dürfen gerne wieder kommen. 

Guido Donot im Interview: „Ich mache Urlaub in Münster“

Rekord für die Donots: Nach nur einer Woche waren alle Karten für ihr Jahresabschlusskonzert am 27.12. im Rosenhof weg. Grund genug für die Band aus Ibbenbüren, eine Zusatzshow am 28.12. anzuhängen. Gitarrist Guido Knollmann hat vorab mit uns über verrückte Shows in Japan, Urlaub in Münster und soziales Engagement gesprochen. 
Eure „The Long Way Home“-Tour ist jetzt erst mal vorbei. Was waren Eure Highlights? 

Da waren schon eine Menge geiler Konzerte dabei. In Wiesbaden war der Laden mit 1600 Leuten rappelvoll und wir haben uns echt gefragt, „für wen sind die denn jetzt alle gekommen?“ Richtig geil war aber auch unsere „Short Way Home“-Tour mit drei Konzerten von ganz klein bis ganz groß in Münster. Erst in der Gorilla Bar, dann im Gleis 22 und dann in der Halle Münsterland vor 3000 Leuten. Wahnsinn!
Das Konzert in der Halle Münsterland war das größte eigene Eurer Bandgeschichte. Was ist das für ein Gefühl, wenn man da steht und weiß „die 3000 Leute sind jetzt nur für uns gekommen“?

Die tun mir dann erst mal alle Leid, weil die ja total verwirrt sein müssen, wenn die wirklich alle nur für uns gekommen sind! (lacht) Das ist schon ein geiles Gefühl, dass das jetzt nach 16 Jahren Bandgeschichte so nach vorne geht. Wir haben die Band gegründet um live zu spielen und wenn dann 3000 Leute bei der Sause mitmachen, ist das um so genialer. 
Anfang Dezember stehen Euch noch ein paar Gigs in Japan ins Haus. Wie kam‘s dazu? 

Das wird jetzt schon unsere sechste Japantour. Über den Import haben die da früher schon laufend Platten von uns gekauft, aber wir wussten da gar nichts von. Als wir dann irgendwann mal in New York gespielt haben, sind wir von ein paar Japanern angesprochen worden. Als sie unseren Bandnamen gehört haben, waren sie ganz begeistert und meinten, dass wir in Japan total angesagt wären. Wir dachten, das wäre nur japanische Höflichkeit, aber es war wirklich so und unsere alte Plattenfirma hat uns dann da drüben rausgebracht. Es macht aber echt Spaß dort zu spielen. Die Leute sind total verrückt, haben immer gute Laune und alles ist bunt. 
Was ist bei den Konzerten da drüben anders als hier?

Die Leute dort leben ihren Alltag ja sehr geregelt und lassen dafür auf den Konzerten dann so was von die Kuh fliegen. Unfassbar! Es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Beim ersten Mal haben wir unseren ersten Song gespielt, dann gab es 4 oder 5 Sekunden tierischen Applaus und plötzlich war Totenstille. Wir dachten schon wir hätten was falsch gemacht. Das war aber nach jedem Song so. Die Leute wollen einfach die Ansagen nicht unterbrechen, so höflich sind die. Das muss man auch erst mal wissen. 
Auf Festivals bringen die ihren eigenen tragbaren Aschenbecher mit, weil die nicht auf den Boden Aschen wollen. In Deutschland sieht‘s nach Konzerten ja meistens aus, als ob da gerade „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Alles ist im Arsch. Da drüben räumen alle nach den Konzerten zusammen auf. Das ist echt Wahnsinn! 
Was für eine Rolle spielt der traditionelle Jahresabschluss in Osnabrück für Euch?

Das ist schon was ganz besonderes. Ein richtig schönes Fest mit ein bisschen in die Saiten hauen. Über die Jahre hat sich das so etabliert. Das geile ist, dass es keine normale Donots-Show ist. Wir spielen da jedes Mal ein komplett anderes Set als sonst und lassen uns auch ganz spezielle Sachen für die echten Die-Hard-Fans einfallen. Das ist schon was besonderes weil alle unsere Freunde und Familien auch da sind. Ich hab‘s ja nicht so mit Lampenfieber aber wenn meine Eltern da sind, geht mir schon ein bisschen der Kackstift. Da ist dann der Ehrgeiz alles richtig zu machen.  
Wenn man Euch im Netz verfolgt hat man fast den Eindruck dass Ihr jetzt so beliebt seid wie noch selten. Wie geht ihr damit um?

Darüber machen wir uns eigentlich nicht so viele Gedanken. Wir genießen das einfach und freuen uns, das jetzt so viele Leute zu unseren Shows kommen. Das bockt einen als Band auch noch mal ein bisschen an, und wenn es dann jetzt so viele Leute interessiert, was wir machen, ist das umso geiler. 
Wird Euch die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Internet manchmal auch zu viel?

Man darf sich da einfach nicht stressen lassen. Wir haben alle noch eigene Facebook-Profile und wenn ich da online gehe, dauert das keine 3 Minuten und mir schreiben 20 Leute gleichzeitig im Chat „Hey, wie geht‘s?“ und alle fragen immer dasselbe. Ich versuche zwar meistens alles zu beantworten. Aber das ist dann schon etwas schwer, wenn man eigentlich mit seinen richtigen Freunden schreiben will. Das klappt dann nicht immer. 
Wie viele „Freunde“ hast du da?

Puh, so knapp 3000 etwa, glaube ich. Ich kenne mich in dem Laden so schlecht aus.
Respekt, wenn du da versuchst wirklich noch jedem zu antworten.

Ja, ich probier das zumindest. Es ist ja auch erst mal schön, wenn sich die Leute für einen interessieren. Das nimmt zwar manchmal etwas überhand, aber dann sag ich den Leuten halt, dass ich gerade keine Zeit zum Antworten habe. 
Ihr beginnt Euer Bandjahr 2011 mit drei Konzerten im Januar. Was macht ihr danach?

Wir werden uns schon wieder an die neue Scheibe setzen. Ich bin auch jetzt schon wieder dabei, neue Songideen zu sammeln und zu schreiben. Das ist zwar immer ein langwieriger Prozess, aber wir wollen jetzt nicht lange warten, sondern sehr bald ein neues Album nachlegen. Und ich hab schon wieder so Bock auf Studio! Das ist immer das lustige, wenn wir auf Tour sind, will ich ins Studio und im Studio kann ich‘s kaum erwarten wieder auf die Straße zu kommen. Das ist immer ne ganz schöne Abwechslung. 
Also keine Pause?

Richtig Pause gönnen wir uns jetzt vielleicht einen Monat, wo wir gar nichts machen. Ich bleib in Münster, ich weiß, nicht ob die anderen weg fahren. Ich werde auf jeden Fall weiter Songs schreiben und Urlaub in Münster machen. In meiner Lieblingskneipe nebenan, da kann man super Urlaub machen (lacht). Danach werden wir uns dann im Probenraum zusammensetzen und an neuen Songs basteln. 
Du sagst du gönnst dir nur einen Monat Ruhe. Was bedeuten Pausen für Euch?

Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich stehe komischerweise gar nicht so auf Urlaub. Ich hab auch schon ein bisschen Bammel vor dem Monat, weil mir da echt schnell die Decke auf den Kopf fällt. Deshalb mache ich da auch nicht die ganze Zeit Pause, sondern schreibe weiter Songs und bleibe hier in Münster. Wenn ich mal wegfahre, ist mir nach einer Woche so stinklangweilig, unglaublich. Die anderen freuen sich immer, wenn sie richtig wegfahren können, wenn wir frei haben. Ich bin da einfach froh, wenn ich mal am Stück zu Hause bin und richtig was mit meinen Freunden in Münster unternehmen oder einfach meine Eltern in Ibbenbüren besuchen kann. Das ist eigentlich so mein Urlaub. 
Ihr unterstützt viele soziale Organisationen wie Viva con Agua oder Peta. Welchen Stellenwert hat soziales Engagement für Euch?

Generell sind wir keine Band, die großartig politische Texte hat. Aber uns ist es wichtig, dass wir uns auch engagieren. So Geschichten wie Viva Con Agua, die Trinkwasserquellen ausbauen, sollte man unterstützen. Das ist echt ne gute Sache. Wenn man als Band schon so eine Art Vorbildfunktion hat, muss man den Leuten auch mal sagen, dass es nicht immer nur Party gibt, sondern auch noch wichtigere Sachen.
Könntet Ihr Euch vorstellen, selber so etwas ins Leben zu rufen?

Das ist natürlich ne Menge Arbeit und wir haben einfach wahnsinnig viel um die Ohren, weil wir ja unser eigenes Label haben. Aber wenn da mal irgendwann etwas mehr Luft wäre, fände ich so etwas in die Richtung aber auch ganz cool.
16 Jahre Punkrock made in Ibbenbüren, Shows in Japan, große Festivals. Ihr habt schon sehr viel erreicht. Wo wollt Ihr mit Eurer Band noch hin?

Das klingt zwar wie ein Klischee, aber eigentlich ist ja der Weg das Ziel. Ich bin einfach dankbar, dass ich das so machen darf. Ich kann von meiner Musik leben, ich bin mein eigener Chef, lerne viele Leute kennen, fahre quer durch die Weltgeschichte und hab ne gute Zeit. Das ist eigentlich das Größte. In dem Sinne haben wir wirklich das Leben bei den Eiern gepackt. Ich will nichts anderes. Wenn das alles so bleibt wie es jetzt ist, wäre dass das allerschönste für mich.

LO PARKER aus Bersenbrück live bei Rock am Ring!

Sie sind heißbegehrt, die Slots für einen Auftritt bei Rock am Ring. Die ganz besondere  Ehre, beim 25-jährigen Jubiläum des größten Festivals in Deutschland aufzutreten, hat jetzt die junge Rockband LO PARKER aus Bersenbrück – Beim Finale des Rock am Ring Band Contest 2010 in der ausverkauften Zeche Karl in Essen hat sie sich mit ihrem spanischen Rock in die Herzen der Fans gespielt und sich im Publikumsvoting in einer denkbar knappen Entscheidung gegen die vier anderen Final-Bands durchgesetzt. 
Die vier Jungs Daniel Liening-Ewert (Gesang/Gitarre), Florian Gahm (Gitarre), Christian Reinke (Bass) und Johannes Fels (Drums) dürfen nun diesen Samstag um 16:15 Uhr auf der Clubstage ordentlich Alarm machen. Ein absoluter Ritterschlag für die Band, schließlich treten bei dem Festival dieses Jahr internationale Bands wie Muse, Rammstein, Kiss und Rage Against the Machine auf.
Seit gestern sind LO PARKER „on the road“ Richtung Süddeutschland, wo ihnen jetzt wie den alten Hasen bei Rock am Ring unter anderem TV-Termine bevorstehen. Heute Abend sind sie um 22:15 Uhr auf dem digitalen Sender ARD EinsPlus in der Sendung in.puncto zu Gast. Hier werden sie Moderatorin Nicole Köster erzählen wie es sich anfühlt, vor dem größten Auftritt ihres Lebens zu stehen. Natürlich darf hier eine Live-Kostprobe ihrer musikalischen Qualitäten nicht fehlen!
Wie es den Jungs in diesen Tagen bei all diesem Trubel ergeht, könnt Ihr in ihrem Blog nachlesen: www.LoParker.de 
Auf einen Blick
LO PARKER im TV:
01.06.2010 – EinsPlus, in.puncto – 22:15 Uhr
LO PARKER bei Rock am Ring:
05.06.2010 – Clubstage – 16:15 Uhr
Noch mehr Infos auf www.myspace.com/loparkerband

Dúné – Enter Metropolis

Vor einiger Zeit waren Dúné noch der Geheimtipp aus Dänemark. Inzwischen haben sie sich in der Musikszene mit ihrem Indie-Elektrorock als erfolgreicher Export etabliert und touren fleißig durch die Lande, nachdem sie letztes Jahr bereits unter anderem Die Ärzte und Panic At the Disco auf ihrer Deutschlandtour supporten durften. Ab Freitag steht ihr zweites Album „Enter Metropolis“ in den Läden. LEISE/laut hat für Euch schon mal reingehört.

Was da aus den Boxen schallt, klingt erst mal sehr gut. Schöner, melodischer, sehr tanzbarer Indie-Rock mit starkem 80er-Pop- und 70er-Punk-Einfluss, frisch und interessant arrangiert. Eine Prise Elektronische Klänge und nordische Melancholie zu dem Ganzen, fertig ist der typische Dúné-Sound. Die meisten Songs lassen sich grob irgendwo zwischen Shiny Toy Guns, Billy Talent, The Killers und Kraftwerk einordnen. Das klingt für ein Album erst mal nach einer schönen Mischung, mit der man sich wunderbar die Zeit vertreiben kann, egal ob auf einer langweiligen Autofahrt oder einer heißen Partynacht.
Erst mal. Denn „Enter Metropolis“ hat leider einen ganz entscheidenden Haken. Einzeln betrachtet sind alle elf Songs durchweg ordentlich produziert, machen ordentlich Laune, gehen gut nach vorne und besitzen fast alle ihre großen und kleinen musikalischen Highlights. Problematisch wird es, wenn man das Album als Ganzes betrachtet. In der Masse wirken die Songs auf einmal gar nicht mehr so innovativ, da sich das meiste klanglich doch sehr ähnlich anhört. Daran kann auch die fesselnd markante Stimme von Sänger Mattias Kolstrup leider nicht viel ändern.

Man bekommt schnell den Eindruck, dass die Band in Zeiten der Krise auch auf Nummer sicher gehen wollte und vom Sound her sehr vieles beim Alten belassen hat. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Was bei ihrem Debüt-Album „We Are in There You Are Out Here“ funktioniert hat, soll für Dúné auch hier wieder funktionieren. Im Prinzip sicher keine verwerfliche Strategie, denn gegen äußerst tanzbaren Indie-Rock ist ja wirklich nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Jedoch wirkt „Enter Metropolis“ durch die fehlende Abwechslung streckenweise irgendwie beliebig und nicht mehr ganz so leidenschaftlich wie das Vorgängeralbum. Es fehlen in der Masse einfach die Überraschungen.

Wie man das Album trotzdem genießen kann? Einfach mit zwei oder drei anderen Alben in eine Playlist gesteckt und auf Shuffle gedrückt. Dann wirken die Songs längst nicht mehr so beliebig wie hintereinander gereiht und können als Kontrastprogramm zeigen, was sie wirklich drauf haben. Noch besser kann man das aber bei den Live-Gigs von Dúné sehen. Am Samstag spielen sie beim Umsonst und Draußen Open Air in Stemwede. Da kann man sich dann von den wirklich großartigen Live-Qualitäten der Band überzeugen – Oder 
„Enter Metropolis“ einfach eine zweite Chance geben.

Yeah Yeah Yeahs – It’s Blitz!

Vielfalt – Das scheint die große Devise der Yeah Yeah Yeahs auf ihrer neuen Scheibe „It‘s Blitz!“ gewesen zu sein. Das bereits dritte Album des New Yorker Trios um Sängerin Karen O steht seit Anfang April in den Läden und besticht außergewöhnlich stark durch seinen Kontrastreichtum. Unter den zehn Titeln auf der Platte, die sich irgendwo zwischen Indie Pop, Art-Punk und Elektro gespickt mit einer ordentlichen Prise 80er-Synthesizer bewegt und sich trotzdem keineswegs in eine Schublade stecken lässt, finden sich neben extrem tanzbaren Uptempo-Nummern gleichermaßen sehr ruhige, verträumte, ja schon fast melancholische Stücke, die „It‘s Blitz!“ eine ganz besondere Note verleihen.

Los geht es sofort mit den beiden absoluten Tanzkrachern der Platte: „Zero“ und „Heads Will Roll“ – Den Ausruf „Dance until you‘re dead“ aus Letzterem muss man sich nicht zweimal sagen lassen. Nicht umsonst sind die beiden Songs auch die ersten Singleauskopplungen des Albums. Beide Nummern haben absolutes Potential zur großen Partyhymne und wenn einem hiernach nicht heiß ist, hat man irgend etwas gehörig falsch gemacht. Netterweise schieben die Jungs und Mädels gleich das ruhigere „Softshock“ und „Skeletons“ als Verschnaufpause nach. Es scheint fast, als ob die Band ihre Fans von nun ab vor einem tanzbedingten Herzinfarkt bewahren will, denn ganz so flott wie in den ersten beiden Songs des Albums geht es auf dem Rest nicht mehr zu. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn was Brian Chase, Karen O und Nick Zinner in den folgenden Nummern zusammengeschustert haben, fesselt die Ohren durch catchige Melodien, kreative Soundgebilde und interessante Arrangements aus elektrischen Gitarren und Synthesizern. Aus allem sticht besonders die einmalige Stimme von Karen O hervor, die auf diesem Album einen ganz wesentlichen Teil zum besonderen Yeah Yeah Yeahs Sound beiträgt. Gerade in den ruhigeren Nummern wie „Runaway“, „Little Shadow“ oder „Hysteric“ beweist ihre Stimme eine fast schon hypnotische Wirkung und entführt einen so beim gechillten Zuhören schnell in andere Sphären.

Was einem an „It‘s Blitz!“ sofort auffällt, ist der extrem synthesizerlastige Sound, der streckenweise durchaus an Shiny Toy Guns oder Tegan and Sara erinnert, und dem punkig-rockigen Alternative Sound der ersten beiden Alben „Fever To Hell“ und „Show Your Bones“ nur noch sehr wenig ähnelt. Trotzdem schreit dieses Album unverkennbar ab dem ersten Ton: Ich bin eine Yeah Yeah Yeahs Scheibe! Gut so. Denn es ist doch immer wieder schön zu wissen, dass eine Band sich so sehr im Sound verändern kann und dennoch gleichzeitig in der Lage ist, einer Platte einen so deutlichen, persönlichen Stempel aufzudrücken.

Wer jetzt Bock auf mehr der drei New Yorker bekommen hat, sollte sich am 7. Juli auf den Weg nach Hamburg machen. Da spielt das Trio nämlich ne ordentliche Show im Docks. Nichts wie hin da!