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Unterwegs mit Rhonda – Record Release Day zu „Wire“

Hey, ich bin neu hier und ich komme jetzt hoffentlich öfter. Mein erster Blogeintrag auf LEISE/laut soll etwas ganz besonderes werden. Und irgendwie scheint mir da der Album-Releasetag meiner Herzensband RHONDA, (die ich nun seit einigen Jahren als Mercherin begleiten darf) genau der richtige Anlass zu sein. Crew Love Is True Love! Unterwegs mit Rhonda – Record Release Day zu „Wire“ weiterlesen

RELOAD Festival – Gekautes von der Bloodhound Gang

4. Juli 2009
Es staubt, es ist heiß, das Bier fließt in Strömen. Beste Stimmung auf dem RELOAD Festival in Twistringen zwischen Bremen und Vechta. Für Blue bin ich zusammen mit Kirsten, Freund Felix und Bruder Arne wieder unterwegs, um den lieben Usern der Stayblue Community auch von diesem Festival zu berichten.

Als wir Samstag nachmittags gegen 15:30 Uhr endlich am Gelände ankommen, tummeln sich auf dort gerade einmal ein paar Hundert Leute. Wahrscheinlich schlafen die meisten noch, denn am Vorabend haben unter anderem Anthrax den Besuchern ordentlich eingeheizt. Die Stimmung muss bombig gewesen sein, schließlich liegt zur Begrüßung auch schon eine Alkoholleiche vor dem Eingang auf dem Grünstreifen am Straßenrand. Einen Schuh hat er am Abend vorher verloren. Nette Passanten dekorieren den jungen Mann liebevoll mit Goldfischkräckern und anderen Leckereien. Zur Kunstwerksvollendung werden Blumen niedergelegt. Der weiteren kreativen Entfaltungen bereiten allerdings drei Sanitäter des DRK dann doch vorsichtshalber ein Ende und transportieren den Unbekannten auf einer Trage ins Lazarett. Sein weiteres Schicksal bleibt unklar.

Am Kassenhäuschen dann ein kleiner Schock. Es gibt keine Pressepässe mehr. Wir sollen einfach so mit allem unserem Equipment reingehen. Doof nur, dass die Security das anders sieht. Ohne Pässe keine großen Kameras auf dem Gelände. Und ohne große Kameras keine guten Bilder. Doof. Zum Glück treffen wir zufällig den Veranstalter an, der auf seinem Fahrrad an diesem Wochenende locker seine Hundert und mehr Kilometer zusammen strampelt. Er drückt uns kurzerhand 3 Pässe in die Hand – so werde ich in drei Sekunden vom Pressefuzzi zum Techniker und Kirsten zum VIP und haben so doch vollen Backstage Zugang. Glück gehabt!
Auf der Bühne spielen Accessary vor einer Handvoll Zuschauern gerade ihre letzten beiden Stücke. Es ist ein nettes, sehr überschaubares Festival auf dem Land, mit Bullenreiten, viel Musik und ganzen Schweinen am Grillspieß. Wir drehen unsere ersten Takes vor der Bühne und Backstage, und gucken uns unsere ersten Interviewopfer aus. Die Wahl fällt auf One Fine Day, die sich gerade auf ihren anstehenden Auftritt vorbereiten. Die lieben Jungs aus Kiel und Hamburg legen ein sehr ordentliches Set hin, dass definitiv mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Da sie Abends jedoch noch auf der Breminale spielen werden, haben sie den undankbaren Slot um 16 Uhr erwischt. Trotzdem heizen sie den Leuten vor der Bühne ordentlich ein und verbreiten eine Stunde lang allerfeinste Stimmung. Nach kurzer Verschnaufspause und Stärkung stehen mir dann Marten und Eric Rede und Antwort. Ganz idyllisch, ganz romantisch mitten auf einer grünen Wiese.

Derweil rocken sich The Sorrow die Seele aus dem Leib. Es soll wohl ein ordentliches, bretthartes Set gewesen sein. Das meiste zog jedoch an mir während des Interviews backstage ungewürdigt vorüber. Zu Wirtz bin ich dann aber doch wieder gerade noch rechtzeitig vorne im Graben, und habe genau noch den Rest des laufenden Songs Zeit, um Fotos zu machen. Die Musik mit deutschem Text ist sehr eigenwillig aber irgendwie auch sehr gut. Vor der Bühne ist es inzwischen auch schon um einiges voller. Es gibt nicht mehr ganz so viele riesige, gähnende Lücken im Publikum.

Gegen 20 Uhr entern dann die Jungs von Itchy Poopzkid die Bühne und der Knoten in der Menge platzt endgültig. Na endlich! Es wird gepogt, getanzt und gecrowdsurft was das Zeug hält. Die drei Schwaben geben alles und ernten für ihre punkige Geradeaus-Nachvorn-Mucke wohlverdienten Applaus. Ich schieße ein paar schicke Fotos von vorne aus und gucke mir den Rest gechillt von der Seite aus an. Ich werde von der Musik angesteckt und muss meine unbegründete, vorurteilhafte Meinung über die Band „Die sind doch sooo 2007“ ganz schnell revidieren. Von denen kann man noch großes Erwarten, solange sie nicht aus ihrem Bandnamen rauswachsen.

Dann kommt 4Lyn. Was ist passiert? Ich erinnere mich nicht wirklich an das Set, aber auch nicht daran, was ich in der Zeit gemacht habe. Nur der Spruch „Wie viele Mädels sind hier auf dem Platz?“ Mittellautes Kreischen als Antwort. „Hm, das ist nicht Revolverheld. Aber passt.“ Dazu scharwenzeln hinter der Bühne drei Roadies herum, die mir unglaublich bekannt vorkommen. Den Drei scheint nicht anders zu gehen. Immer wieder gucken wir uns verstört an, aber kommen nicht darauf, woher wir uns kennen könnten. Der Revolverheld-Spruch macht die Sache nicht besser. Bis es mir Stunden später wie Schuppen von den Augen fällt: Oktober 2008, Helden 2008, Tour. Ja. da waren sie dabei. Und ich auch. Und jetzt sind sie vestört, warum ich hier backstage hocke…

Nach 4Lyn kommt dann endlich, worauf wirklich jeder hier auf dem Gelände gewartet hat. Die Bloodhound Gang. Im Fotograben ist es eng. Laufend tritt man sich auf die Füße und von hinten kommt ein Crowdsurfer nach dem nächsten geflogen. Die Bloodhoung Gang brettert los, als ob es kein Morgen gäbe. Das Publikum ist außer Rand und Band, die Stimmung ist binnen Sekunden auf dem Siedepunkt. Die drei Songs im Graben kommen mir undendlich lang vor, weil einfach so viel passiert: Rauchfontänen, Bierduschen, Becherwerfer. Auf einmal steht Evil Jared hinter mir und versorgt die erste Reihe mit eiskaltem Jägermeister. Vor lautern Fotografen habe ich ihn fast nicht kommen sehen. Ich knipse drauf los, das muss irgendwie aufs Bild. Plötzlich dreht er sich um, baut sich vor mir auf. Der stiernackige Hüne schaut mir in die Augen, grinst auf einmal extrem frech und mir rutscht das Herz vor Angst in die Hose. Dabei ist er doch ganz lieb. Er will mir doch auch nur etwas vom besten Schnaps Deutschlands einflößen, als einziger der Fotografen. Meine Angst ist wirklich unbegründet.

Einen Moment später das nächste Highlight meines Abends. Kurz vor Beginn des dritten Songs (und damit des letzten, währenddessen man im Graben sein darf), machen Jimmy Pop und Evil Jared den Vorschlag, alle Fotografen könnten während des Songs ja von der Bühne aus Fotografieren. Keiner reagiert. Anscheinend hat kaum einer wirklich verstanden, was die wirklich wollen. Ich gucke mich ungläubig um und mache einen zaghaften Schritt auf den Bühnenaufgang zu. Und schon ziehen mich die beiden Bloodhound Gang Member hoch auf die Bühne. Unglaublich. Nach mir stürmen natürlich alle anderen auch den Bühnenaufgang und knipsen 5 Minuten lang was das Zeug hält die Jungs aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive.

Danach ist mir eigentlich alles egal. Ich genieße nur noch die Show, auch wenn die Aktionen rund um „Ich kotz im Strahl“ und wir bewerfen uns mit „Ge-Ka-Utem“ nicht gerade appetitlich sind. Die Menge tobt und die Band hat einen Mordsspaß. Angeblich sogar mehr als bei Rock am Ring und Rock im Park.

Nach gut zwei Stunden ist alles vorbei. Ich gehe nochmal schnell nach hinten und packe ein. Auf dem Weg zum Ausgang treffe ich noch kurz den Schlagzeuger von Itchy Poopzkid, der mein TWLOHA-Shirt toll findet. Ich sage ihm, dass ich ihn auf der Musikmesse gesehen habe. Er: „Jaaaa, aber du hast nicht hallo gesagt! Nächstes Mal komm vorbei und sag hallo, ja? Das machen so wenige! Das musst du mir jetzt versprechen!“

Okay, versprochen.

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Bilder gibt’s wieder bei Flickr, entweder rechts oben über „Leiselaut – Impressionen“ oder ganz einfach hier.