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Hauptsache Dagegen – Anti-Flag liefern heiße Show in der Kleinen Freiheit

Osnabrück. Es ist heiß und stickig, die Luft in der ausverkauften kleinen Freiheit ist zum Schneiden dick. Geballte Fäuste und ausgestreckte Mittelfinger recken sich in enthusiastischer Protesthaltung gen holzvertäfelter Zimmerdecke, die Menge skandiert immer wieder „You’ve gotta die, gotta die, gotta die for your government, die for your country? That’s shit!“ Auf der Bühne steht die amerikanische Punkband Anti-Flag aus Pittsburgh, Pennsylvania und heizen in Hemd und Krawatte dem Osnabrücker Publikum ein.
Mit ihren politisch aufgeladenen Texten, rasend schnell bretternden Gitarrenriffs und wütenden Hooks gibt das Punk-Quartett rund um Frontmann Justin Sane ab der ersten Sekunde Vollgas und peitscht die Menge unweigerlich nach vorne. So sehr, dass nach dem ersten Song zahlreiche Fans aus den vordersten Reihen umgeschubst auf der Bühne liegen. Nach kurzer Ermahnung zur gegenseitigen Achtung geht es weiter – roh, laut, hart, aber dennoch auf ganz eigene Art freundschaftlich. Statt einer „Wall of Death“ fordern Anti-Flag „Wall of Hugs“ – statt wie üblich wild ineinander zu springen, umarmt sich die Menge auf Kommando.
Anti-Flag sind dem Band-Namen entsprechend so ziemlich gegen alles –gegen die Regierung, gegen die Polizei, gegen das System, aber auch gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Justin Sane und seine Mannen werden während ihres schweißtreibenden, mit 18 Stücken vollgestopften 70-minütigen Sets nicht Müde, ihre Überzeugung immer wieder mit plakativen Parolen zu betonen. Der Masse gefällt das. Und so wird in der Zugabe besonders der sehnsüchtig erwartete Klassiker der Band „Die for the government“ noch einmal mit besonders viel Pogo und Crowdsurfing bedacht.

Area4 Festival – Der nicht ganz so „live“ Live-Blog


…hier die Sachen, die ich seit Freitag für die Neue Osnabrücker Zeitung bzw. Blue Online gebloggt habe. Viel Spaß beim Lesen!

Freitag 21.08.2009
Es geht los!!!
Guten Morgen, liebe Stayblue Community!
Es ist soweit. In ein paar Minuten werden Alex (chuck@ec) und ich mich auf den Weg zum Flugplatz Borkenberge in Lüdinghausen bei Münster machen, wo ab heute Nachmittag das Area4 Festival los geht. Von dort aus werden wir Euch das ganzen Wochenende über mehr oder weniger live berichten, was dort auf der Bühne, dem Gelände, backstage und im Fotograben so abgeht. Vorausgesetzt, das Internet ist nicht vollkommen überlastet.
Alex ist schon ganz hibbelig, weil heute Abend ihre absoluten Helden, Die Toten Hosen spielen werden. Wer weiß, vielleicht treffen wir ja nachher den ein oder anderen der Herren und können kurz ne Runde schnacken.
Gerade frage ich mich allerdings eher, wie wir unseren ganzen Mist vom Auto zum Festivalgelände befördern sollen. Die Sackkarre ist unauffindbar. Dazu hoffe ich erst mal, dass uns mein Auto auch brav zum Festival bringt. „Trulla“ hat allein in den letzten 12 Monaten über 35.000 km im Namen von Musik und Festivals zurück gelegt und hat jetzt insgesamt 205.000 km auf dem Buckel. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass sie irgendwann am besten irgendwo auf der Autobahn mal sagt, dass sie keinen Bock mehr hat. Päääm!
Haben wir überhaupt alles dabei???
Tagsüber soll es super warm und nachts arktisch kalt (ok, 8-10 Grad) werden. Da könnte es auch sein, dass wir zu einer Polarexpedition unterwegs sind um Schneefüchse zu fotografieren, wenn man mal einen Blick in unseren Kofferraum wirft. Was Alex alles dabei hat, will sie mir gerade nicht sagen. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Basic- und Presse-Festival-Survival-Package:
Zelt (mit Heringen) – Isomatte – 2 Schlafsäcke – Kabelbinder (Wunderwaffe 1) – Gaffa-Tape (Wunderwaffe 2) – Campingstuhl – Polarexpeditionskleidung – Saharaexpeditionskleidung – mindestens 1 Liter Sonnencreme – Taschenlampe – Klopapier – Flüssignahrung – genug Bifi und Ravioli um ein ganzes Tierheim zu versorgen – Wasser – Gummistiefel (man weiß ja nie) – Ohrstöpsel – Pressepass (sonst wird das nix mit Campino) – Kameraausrüstung – Laptop – Ladegeräte – Notfall-UMTS-Stick (damit der Blog auch läuft!) – Sonnenbrille!!!
Wenn jetzt doch noch was fehlt, haben wir eben Pech.
Abfahrt!!!
13:00 Uhr. Angekommen.
Unser Zelt steht. Nach einigem Hin und Her haben wir jetzt unser Zelt auf dem Crew und Presse Campingplatz aufgeschlagen. Premiere!!! Zum ersten Mal in meiner Festivalgeschichte darf ich quasi das Allerheiligste betreten. Ich freu mich zehn Schnitzel!
Wie auf dem normalen Campingplatz herrscht auch hier chronischer Platzmangel. Aber unsere Nachbarn scheinen bisher sehr angenehm. Ein Crew-Camper links und ein Planschbecken rechts, circa 150 Meter hinter uns die Bühne. Da hat gerade CJ Ramone von den legendären Ramones Soundcheck. Der gute Mann eröffnet in etwa 2 Stunden den Festivalreigen. Das heißt, dass ich noch eine Stunde etwa Zeit habe die Sonne zu genießen, bevor ich mich mit ausgestreckten Ellenbogen für Euch in den Fotograben stürzen muss.
Ansonsten geht‘s dann weiter mit Zebrahead, Turbostaat, Mad Caddies, Jet, Deftones und The Offspring weiter. Das Highlight sind heute Abend auf jeden Fall die Toten Hosen. Alex hat jetzt bestimmt schon drei Mal gesagt, dass sie gerne ein Foto mit Campino hätte. Ob das klappt, lest ihr natürlich hier.
Prost!
15:00 Uhr.
Wir haben uns gerade erst mal ordentlich im Backstage verlaufen. Bis zum Artist Catering, wo die ganzen Bands rumhängen, sind wir gekommen, bis wir gemerkt haben, dass da was nicht stimmt. Eigentlich durften wir da nämlich gar nicht hin, aber weil wir uns so nett mit den Securities unterhalten haben, durften wir doch mal um die Ecke luschern. Allerdings nicht so spannend, wie man sich das von außen immer vorstellt. Ein bisschen wie Grillen im Schrebergarten.
Im Moment kämpfen wir hier im Pressezelt mit dem Internet, damit Ihr auch weiter schön mitlesen könnt. Für Fotos ist es aber einfach noch zu lahm. Die kommen dann wohl alle auf einmal am Montag.
Dafür hat CJ Ramone gerade uns Festivalkindern ordentlich eingeheizt. Respekt, was der für sein Alter noch so drauf hat! Die Sonne brennt, die Flüssignahrung fließt bei einigen schon in Strömen. Gleich ab ins Circle Pit bei Zebrahead. Herrlich!
19:48 Uhr.
Chillen am Zelt. Unsere Planschbecken-Nachbarn haben vorhin eine kleine Nacktbaderunde eingelegt. Drei Kerle in einem Kinderplanschbecken. Hochinteressant!
So langsam wird der Tag anstrengend. Man denkt gar nicht, dass ein Festival auch stressig sein kann, wenn man nicht nur zum Feiern da ist. Alle 45 Minuten für drei Songs vorne in den Fotograben und versuchen, um die tollen Fernsehkameras vom WDR und Rockpalast mit ihren nicht so sexy Kabelträgern herum zu knipsen. Dabei immer schön aufpassen, dass man die anderen Fotografen nicht umrennt oder selber umgerannt wird.
Falls sich jemand mal gefragt hat, wie das ist, da vorne rumzuspringen: Einerseits super, weil man so nah dran ist. Andererseits bin ich inzwischen immer froh wenn ich meine Fotos im Kasten habe, denn was da aus den Boxen kommt ist nix für nen Ponyhof. Man könnte sich auch gleich einen Presslufthammer mit rosa Schleife um den Hals hängen.
Alex jammert, dass sie endlich die Hosen sehen und ihr Foto mit Campino machen will. Bis jetzt hat sie brav Zebrahead mit fettem Circle Pit und Wall of Death, Turbostaat (dessen Sänger irgendwie aussah wie der von Revolverheld), die unglaublich lauten Mad Caddies aus Kalifornien und die heißen Australier von Jet („Are you gonna be my girl?“) über sich ergehen lassen. Nur noch drei Stunden, dann hat sie‘s geschafft 😉
Oh, ich muss weg. Die Deftones fangen gleich an und im Fotograben sieht‘s schon wieder aus als gäbe es was zu gewinnen. Ellbogen raus!
Samstag, 22.08.2009
11 Uhr
Guten Morgen!
Der erste Tag und die erste, verdammt kalte kurze Nacht sind gut überstanden. Alex stand bei den Toten Hosen in der zweiten Reihe und hat sich bei der absolut grandiosen Show grün und blau gepogt. Ihr Foto mit Campino hat sie leider nicht mehr bekommen. Warum ist eine längere Geschichte…
Habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum die ganzen offiziellen Leute, Presse, Crew und VIPs bei Festivals trotz Staub, Matsch und Campen immer wie aus dem Ei gepellt aussehen? Perfekte Haare, Make-Up, das volle Programm? Des Rätsels Lösung habe ich gerade gefunden: Es gibt auf deren Campingplatz RICHTIGE Duschen und keine Massenabfertigung wie auf dem normalen Campingplatz. Dazu gibt es doch wirklich noch mal extra Waschbecken, Spiegel und… Steckdosen! Theoretisch könnte also die geneigte MTV-Braut hier mit mit Föhn, Lockenstab, Glätteisen und Epililergerät aufkreuzen und sich bei einer dekadenten Campingplatz-Beautysession den ganzen Tag lang die Haare schön machen. Wenn sie nicht zwischendurch auch mal arbeiten müsste. Stars interviewen und all das andere „anstrengende“ Zeug.
Alles schön und gut, aber ich finde, dass das richtige Festivalfeeling dabei verloren geht. Und genau deshalb gehe ich jetzt auf den „normalen“ Campingplatz. Grillen. Zum Frühstück. Aber vorher noch schnell zur Bühne. Da haben gerade Everlaunch angefangen und die klingen wirklich hervorragend!
15 Uhr
Zurück vom Campingplatz-Ausflug. Das grandiose Wetter und das heute nicht ganz so spektakuläre Line-Up nutzen die meisten dort, um den nächsten Flunky-Ball-Rekord aufzustellen oder mit abgebrochenen Pavillionstangen lustige Ritterspiele zu spielen. Ich selber habe von irgendwem eine Blockflöte in die Hand gedrückt bekommen und das Spektakel mit Weihnachtsliedern untermalt. Schön! So soll ein Festival sein.
Außerdem haben wir gerade auch noch CampFM, dem Area4 Radiosender, der direkt vom Campingplatz aus sendet, einen kurzen Besuch abgestattet. Die liebe Melle und der gute Carsten quatschen sich dort für alle Camper den Mund fusselig, haben die Bands im Studio am Start und lassen sich von jedem der will die Highlights auf dem Campingplatz zeigen. Die 20m Wasserrutsche haben wir allerdings noch nicht gefunden.
Die Toten Hosen stecken uns und vielen anderen irgendwie immer noch in den Knochen. Deshalb liegen wir jetzt gerade fein auf unserer Decke und lassen uns von weitem mit guter Musik beschallen. Gerade spielen Rival Schools ihren letzten Song. Das heißt, dass ich gleich wieder arbeiten muss. Presslufthammer im Fotograben. Kann ich nicht einfach bis zu den Get Up Kids hier liegen bleiben? Ich will AFI sehen. Und Thursday. Und Rise Against. Aber das dauert noch 8 Stunden.
Sonntag, 23.08.2009
14 Uhr
Was ist das beschissenste, das einem bei einem Festival passieren kann, außer dass einem das Bier ausgeht? Ganz einfach, man verliert seinen Autoschlüssel. Das ist mir gestern Abend irgendwann zwischen The Get Up Kids und Thursday passiert. Doof dann, wenn alle überlebenswichtigen Sachen wie Kameras, Laptop und Schlafsack im Auto eingeschlossen sind. Sagen wir es mal so, die Nacht war saukalt und kurz. Da die Festivaljünger auf dem Area4 aber größtenteils sehr sympathische Kollegen sind, hat eine nette unbekannte Person Schicksalsengel gespielt und den Schlüssel am Lost & Found abgegeben. Halleluja!
Im Moment ist es wirklich erstaunlich ruhig auf dem Gelände. Gerade spielen Alberta Cross, bereits die dritte Band, und man kann immer noch locker rückwärts und im Handstand in die erste Reihe durchgehen. Scheinbar sind alle noch zu fertig von gestern Abend, wo AFI und Rise Against richtig ordentlich Alarm gemacht haben. Am meisten überrascht haben jedoch die Eagles of Death Metal, die die Headliner eigentlich ganz schön in den Schatten gestellt haben. Auf AFI hatte ich mich am meisten gefreut, leider lieferten die Jungs nur ein mittelmäßiges Set mit extrem schlechten Sound ab. AFI mit schlechtem Sound plus verlorener Autoschlüssel macht eher schlechte Laune. Egal, er ist ja wieder da.
Wie gestern scheint wieder die Sonne wie sonst nur in der Karibik. Wer gerade nicht vollkommen fertig im Zelt liegt und sich mental auf den Showdown des Festivals mit Kettcar, dem Farin Urlaub Racing Team und Faith No More vorbereitet, spielt amüsante Campingplatzspiele. Wie ich gerade erfahren habe, gibt es um 15 Uhr einen Bierbauch-Contest. Zu gewinnen gibt es attraktive Preise: Wasser, Pavillionstangen, Bratwurst und Bier. Treffpunkt ist der „Pavillion mit einer Seite zu“ am Haupteingang zum Gelände. Gut, dass das nicht der mit der Toten Hosen Flagge ist. Davon nämlich nur so circa 10000.
Und da ich diesen Pavillion bestimmt nicht finden werde, gehe ich jetzt lieber zu Panteon Rococó. Heiße Rhythmen aus Mexiko City zu heißem Wetter.
Wie, schon Montag???
24.08.2009
8 Uhr
Huch, wo ist denn der Rest vom Sonntag geblieben? Und wo ist der Zaun, der beim Schlafengehen heute morgen noch unseren Campingplatz vom eigentlichen Backstage und dem „In-Field“ (Festivalgelände) abgeschirmt hat??? Ich blicke gerade in eine chaotische Wüste aus Dixie-Klos, Bauzaunteilen und Gabelstaplern. Aus der Mitte des unwirklichen Geschehens ragen traurig die Reste der riesigen Bühne hoch hinaus, die bereits schon zur Hälfte abgebaut ist. Ist das denn alles schon wieder vorbei? Kann nicht noch mal gestern sein?
Panteon Rococó, Life of Agony, Anti-Flag, Kettcar, Farin Urlaub Racing Team und Faith No More. Gut, vielleicht weiß ich doch wieder was mit dem Sonntag passiert ist. Ab 15 Uhr haben Alex und ich wie die Wilden gerockt was die müden Knochen noch hergegeben haben. Dazwischen immer mal flott in den Fotograben und ein paar Bilder schießen. Da blieb gar keine Zeit um Updates zu schreiben.
Anti-Flag haben gestern eindeutig den Circle-Pit Rekord von Zebrahead gebrochen. Fast das gesamte vordere Pit ist so krass im Kreis gepogt, dass noch Stunden später eine riesige dunkle Staubwolke über dem Publikum hing. Die wurde bei Kettcar auch nicht besser, obwohl sie der Masse mit ihrem Set ein beruhigendes Kontrastprogramm zu diesem allgemein eher härteren Line Up bieten. Bei ihrer wunderschönen Zugabe „Balu“ habe nicht nur ich eine Gänsehaut. Damit die Leute vorne vor der Bühne nicht allesamt an einer Staubvergiftung krepieren, rückt die Security vor dem Farin Urlaub Racing Team kurzerhand mit Feuerwehrschläuchen an. Die Dusche für die Masse und Gelände hilft wenigsten für eine halbe Stunde. Aber bei der Hammerstimmung, für die Farin Urlaub mit seiner Band da sorgt, ist das auch ganz egal. Hüpfen, Springen, Tanzen bis der Arzt kommt. Danach noch der absolute Showdown mit Faith No More: Die alten Herren sind total abgedreht und zeigen allen noch mal wo der Hammer hängt. Wahnsinn! Leider ist alles wie immer viel zu schnell rum…
Oh, gerade läuft hier eine komplette Security-Einheit in Boxershorts zum Duschen. Haben die denn schon Feierabend? Scheint so. Dann sollten wir endlich mal zusehen, dass wir unseren Kram endlich ins Auto bekommen und zurück nach Osnabrück düsen. Schließlich soll es hier ja auch endlich mal Fotos geben.
Good Bye, Area 4! Es war uns ein Fest!