Archiv der Kategorie: Live gehört

Festivals, Konzerte, Showcases – LEISE/laut liebt Livemusik.

Olli Schulz, Geschichten im Rosenhof

„Mach den Bibo! Mach das Ufo! Mach den Grobi!“ Mach den was?! Mit diesen Zeilen aus seinem Bundesvision Songcontest Hit „Mach den Bibo“ und vielen anderen großartigen Songs begeisterte Olli Schulz am Donnerstag Abend den Rosenhof in Osnabrück.

Zum Warm-Up betrat aber erst mal Support-Act Lee Buddha die Bühne. Leicht hatte er es nicht, den noch halbleeren Rosenhof alleine mit seiner Akustikgitarre und seinen schön verpackten, lustigen Geschichten seiner Songs auf seine Seite zu ziehen. Viel ging im Gemurmel des Publikums unter, womit der junge Mann aber erstaunlich souverän umging. Am Ende seines 30-Minutensets voller netter Anekdoten über seine Songs, gelang es ihm doch noch, das verhaltene Publikum zum Mitsingen zu bewegen und überließ Olli Schulz mit einem Kanon, der keiner war, die Bühne.

Pünktlich zu Ollis Auftritt hatte sich der Raum vor der Bühne doch ordentlich gefüllt, so dass der sympathische Wahl-Berliner zusammen mit seiner Band ordentlich losrocken konnte. Über zwei Stunden lang gaben Olli Schulz und seine Mannen alles bis die Saiten krachten. Neben Songs seiner früheren Alben, gab es fast die ganze neue Platte „Es brennt so schön“ auf die Ohren. Seine schrägen, oft lustigen Texte, die aber trotz allem zwischen den Zeilen, teilweise ungewollt, eine ganz spezielle, gerade zu ungewöhnliche Ernsthaftigkeit beweisen, verpackte Olli geschickt in schönstem Indie-Rock, und begeisterte damit den ganzen Rosenhof ausnahmslos.

Das ganz Besondere an den Shows von Olli Schulz ist aber nicht alleine die Musik. In einer sehr gemütlichen, fast schon familiären Atmosphäre überzeugte der gebürtige Hamburger auch gerade durch seine spontane, charmante und natürlich witzige Art. Das bunt gemischte Publikum genoss sichtlich die Momente zwischen den Songs, in denen Olli offenherzig eine Story nach den nächsten aus seinem Leben zum Besten gab, und sich beim Gitarrenstimmen auf einen Plausch mit seinen Fans einließ. Selten wurde auf einem Konzert im Rosenhof so viel gelacht!

Nach guten zwei Stunden, vielen Zugaben und minutenlangem, begeisterten Applaus tanzte Olli Schulz zusammen mit den Osnabrückern in einer letzten, lautstark geforderten Zugabe auch noch den Bibo und schickte sie so mit einem sicheren Ohrwurm nach draußen in die warme Nacht. „Mach den Bibo! Mach das Ufo! Mach den Grobi!“ Mach…

Fotos gibts später bei Flickr.

Kreuzfahrt durch die Tomte-Welt


„AUSVERKAUFT“ ist dick und fett von mehreren Schildern am Rosenhof zu lesen. Die Nachfrage für das Abschlusskonzert der Frühjahrstour von Tomte am 28. März war so groß, dass bereits ein paar Tage vorher alle Tickets vergriffen waren. Somit waren die Erwartungen auch recht hoch an das, was Thees Uhlmann und seine Mannen am Samstag Abend dort in Osnabrück zum Besten geben würden.

Den Anfang macht um 19.45 Uhr die Münsteraner Kapelle Ghost of Tom Joad, die eigentlich für äußerst tanzbaren Indierock und mitreißende Bühnenshows bekannt ist. Die drei Westfalen spielen ein ordentliches halbstündiges Set, das klar die musikalischen Stärken der Band präsentiert. Jedoch wirken die Jungs streckenweise etwas erschöpft und unkonzentriert, was es ihnen nicht unbedingt leichter macht, das Osnabrücker Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Vielleicht sind das bereits die Nachwirkungen von sieben Tagen Tour mit Tomte, denn ihr aktuelles Album „Matterhorn“ ist wirklich gut und macht sonst Lust auf mehr.

Danach endlich: Tomte. Um 20:45 Uhr entern Thees Uhlmann, Dennis Becker, Nikolai Potthoff, Max Schröder und Simon Frontzek, mit ihren Instrumenten und Rotwein bewaffnet, die Bühne. Sie legen gleich mit Für immer die Menschen los und nehmen so den ganzen Rosenhof mit auf eine Kreuzfahrt durch den Ozean der Tomte-Alben. Ob man Tomte bereits seit ihrem 2000er Album Eine sonnige Nacht wegen ihrer ungewöhnlichen Texte verehrt, oder erst durch Der letzte Große Wal vom aktuellen Album Heureka auf den Geschmack gekommen ist, bei dieser detailverliebten Setliste ist für jeden Fan garantiert etwas dabei.

Frontmann Thees Uhlmann scheint bestens gelaunt, widmet mal allen Leuten über 30, mal sich selber den ein oder anderen Song und spielt mit vollem Einsatz, so dass ihm die Schweißperlen von der Nase tropfen. Zeit zum Ausruhen gibt es für die Band dann zum ersten Mal richtig nach 13 Songs. Begleitet von einem Cello, sorgen die fünf Hamburger mit einem wunderbaren Akustikset, bestehend aus Schrei den Namen deiner Mutter, Voran Voran, Es ist so dass du fehlst und New York, bei den fast 1000 Besuchern sicher für so manche Gänsehaut.

Licht aus, Vorhang, Zugabe. Bevor sich das Konzert endgültig dem Ende zu neigt, überrascht die Band ihre Crew noch mit einem anständigen Lobgesang, wie es sich bei einem ordentlichen Tourabschluss gehört. Rufus Wainwright‘s Hallelujah wird kurzerhand in eine Dankeshymne an die Tomte-Crew umgedichtet, was bei den Technikern für breites Grinsen und im Publikum für anerkennenden Jubel sorgt.

Nach insgesamt 21 Songs und fast zwei Stunden hat das Tomte-Kreuzfahrtschiff auch schon wieder seinen Hafen erreicht. Es war eine schöne Fahrt, aber für einen Tourabschluss war sie recht ruhig. Allerdings stehen die Festivaltermine auch schon wieder auf dem Plan, und wer weiß, vielleicht wagen sich Thees und seine Mannen mit Beginn des Sommers wieder in ganz andere Gewässer.


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Die Happy – Unplugged im Rosenhof


Normalerweise sind Die Happy für ordentlich laute und energiegeladene Rockshows bekannt, bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. Da fiel es dem nicht eingefleischten Fan zunächst doch etwas schwer zu glauben, was es da auf den Tour-Plakaten zu lesen gab: Die Happy – Live & Acoustic Tour 2009. Jawohl, akustisch. Unplugged. Einfach mal den Stecker rausgezogen.

Das so etwas funktioniert, haben große Bands wie zum Beispiel Die Toten Hosen oder Nirvana bereits in den berühmten „MTV Unplugged“ Shows gezeigt. „Warum also eigentlich nicht auch Die Happy?“ fragte sich bestimmt auch so einige der Anwesenden am Freitag Abend im Osnabrücker Rosenhof, während sie gespannt auf den Auftritt der Band um Marta Jandová warteten.

Zum Aufwärmen enterte aber zunächst erst mal Support Act Jake Roeder alleine mit seiner Klampfe die Bühne. Der Regensburger stimmte den gut gefüllten Rosenhof mit einem 30-minütigen Set aus feinstem Gitarrenpop a la John Mayer und Dave Matthews auf das bevorstehende Unplugged-Spektakel ein. Neben einem grandiosen Cover des Counting Crows Songs „Mister Jones“ überzeugte der sympathische Bayer die Die Happy Fans besonders bei seinen eigenen Songs durch seine gefühlvoll soulige Stimme und starke Bühnenpräsenz. Sein Debüt „Finally“ ist übrigens auch seit Freitag im Handel erhältlich, von dem auch so manche Kopie nach dem Konzert über die Merch-Theke wanderte.

Nach Jake Roeder luden dann endlich Die Happy in ihr Unplugged-Wohnzimmer auf der Bühne ein. Mit Lammfellen, kleinen Couchtischchen, roten Tischlampen und dem dazu passenden Rotwein sorgten sie für eine wunderbar gemütliche und intime Atmosphäre. Dass dieser Abend etwas ganz besonderes werden würde, ließ nicht nur die Getränkeauswahl auf der Bühne vermuten, sondern auch der vorherrschende Dresscode: die Band hatte zerrockte Jeans durch schicke, schwarze Anzüge und Kleider ersetzt, und sogar die Techniker hatten sich dementsprechend heraus geputzt.

Mit ihrer eigenen Version von Justin Timberlakes „Señorita“ öffnete Die Happy dann bestens gelaunt die Pforten zu ihrem musikalischen Gala-Abend. Unterstützt durch Percussionist Taifun, Gitarrist Patrick und Lutz am Klavier spielte sich die sonst vierköpfige Band quer durch 16 Jahre Bandgeschichte und ließ kaum einen ihrer Hits aus. Manche Songs präsentierten sich dank des Akustiksets auch in einem ganz anderen Arrangement, so dass man hin und wieder schon mal genauer hinhören musste, um zum Beispiel „Ordinary Song“ hinter seiner neuen, ruhigen, fast schon traurigen Piano-Fassade wieder zu erkennen.

Über zwei Stunden lang wirbelte Sängerin Marta über die Bühne und bewies zusammen mit ihren Bandkollegen, dass nicht alles was gut ist, auch gleichzeitig immer laut sein muss. Vielmehr waren es gerade die ruhigeren Momente, in denen Martas überaus vielseitige Stimme besonders gut zu Geltung kam und in denen man durch ihre vielen Geschichten und Anekdoten auf der Bühne die Verbindung zwischen Band und Fans förmlich spüren konnte. Insgesamt zeigte sich Die Happy an diesem Abend von ihrer musikalisch hochwertigsten Schokoladenseite, und bewiesen auch den Zweiflern, dass sie eine unglaublich sympathische Band sind, die auch unplugged und ohne großen technischen Firlefanz absolut überzeugen kann.

Fotos vom Konzert gibt es hier.


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N-JOY Soundfiles Live: Bosse


Mal wieder was gewonnen. Dank N-Joy hatte ich am 12.02. Gelegenheit, den lieben Axel Bosse bei einem exklusiven Soundfiles Live Konzert im Foyer von N-Joy Radio live und unplugged zu erleben. Mit mir zusammen drängten sich gerade einmal knapp 100 andere Gewinner vor der kleinen Bühne. Die Leute des Senders bemühten sich schon vor Beginn um die Atmosphäre: kleine (antialkoholische) Drinks vor free im Vorfeld machen das Leben schöner.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Bosse ohne Band die Bühne. Als Verstärkung hat er nur Anne de Wolff an der Bratsche und Tobias Philippen am Klavier dabei. Bosse ist trotz Erkältung bestens gelaunt und legt mit „Wenn wir schlafen“ vom Guten Morgen Spinner – Album los. Das Publikum klebt ihm vom ersten Ton ab an den Lippen und ist mucksmäußchenstill, um auch ja nichts zu verpassen. Zwischen den Songs frenetischer und anerkennender Jubel, während der Songs geschlossene Augen und lächelnde Gesichter. Das Fehlen lauter Gitarren und der intime Rahmen machen das Konzert zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Aki Bosse berührt wohl jeden im Raum auf seine ganz eigene Art.

Bei Frankfurt Oder muss ich unfreiwillig lachen, weil ich zum einen an den Gig 2007 im Hamburger Stadtpark, aber auch an Angis und meinen Trip nach Frankfurt Oder letzten Juni denken muss. „Das Lied handelt von einer schönen Frau, einem geplatzten Urlaub und einer verdammt hässlichen Stadt“, so Aki über den Song. Wie recht er doch hat. Die Stadt ist wirklich unglaublich hässlich.

Dafür ist das Konzert umso schöner. Wir sind alle schwer begeistert, singen und klatschen bei den schnellen Nummern fleißig mit und üben uns bei den ruhigeren Songs im andächtigen Schweigen. Natürlich muss ich mich auch heute doch irgendwo wieder blamieren. Am Ende von „Niemand vermisst uns“ muss ich zum Fotografieren leider auf meine Handy-Cam zurück greifen – und die klickt so laut, dass es Bosse bis auf die Bühne hört und sich erstmal herzlich kaputt lacht, mit ihm der ganze Saal. Naja, wenn ein Fettnäpfchen da ist, muss ich auch mal reintreten. Bosse wird so für mich nur noch sympathischer.

Nach 70 Minuten und 3 Zugaben ist der ganze Zauber leider auch schon wieder vorbei. Bei der Wiederholung von seiner aktuellen Single „3 Millionen“ singen wir alle nochmal lautstark mit und hoffen insgeheim, dass er da einfach oben stehen bleibt. Und weiter singt. Und uns einfach weiter träumen lässt.

Luxuslärm begeistern K-Town

23. Januar – Ich entfliehe mal wieder dem grauen Germersheim und mache mit Meike Kaiserslautern unsicher. Im Cottonclub der Kammgarn sind heute Abend die lieben Jungs und Mädels von Luxuslärm am Start. Meike hat ja auch oft genug gesagt und geschrieben, dass Kaiserslautern sicher super wird und sie deshalb dort spielen sollen.

Um 20 Uhr ist es noch nicht besonders voll im Club. Das kann sich aber noch ändern. Wir wärmen uns erst ein bisschen an der Bar auf bevor wir unsere Muffins am Merchstand abgeben. Jinni wird per Telefon extra nach unten beordert und freut sich wie eine kleine Schneekönigin über unser Mitbringsel. Da kommen doch auch tatsächlich ein paar andere Mädels um die Ecke, die die Band bereits im Vorprogramm von Thomas Godoj in Mannheim gesehen haben. Juhu, wir sind endlich mal nicht die einzigen, die die Band kennen und so gerne haben. Trotzdem werden wir schon mal zum Stimmung machen verdonnert.

Das tun wir auch gerne, als die Band pünktlich um 20.45 Uhr die Bühne stürmt. Wie ein Wirbelwind fegt Frontfrau Jinni über die Bühne und versprüht so eine gute Laune, dass überall fleißig mitgewippt und mitgetanzt wird. Die Band überzeugt vollstens – fetzige Rocksongs und langsame Balladen. Gerade bei diesen bekommen einige der Anwesenden Gänsehaut. Das Leute sind wahnsinnig laut und auch wir singen und klatschen mit so gut wir nur können. Alle sind super gelaunt und freuen sich neben der klasse Musik über die kleinen Anekdoten, die es von der Bühne zu hören gibt.

Die Band spielt alle Songs ihres ersten Album sund einen bisher unveröffentlichten Song – „Brauch das nicht“. Als lautstark geforderte Zugabe gibt es nochmal die erste Single „1000 Kilometer bis zum Meer“. Die Begeisterung ist groß und auch viele Leute, die die Band vorher noch gar nicht kannten, sind einfach schwer begeistert und versprechen auch beim nächsten Mal wieder zu kommen.

Nach dem Konzert erzählt uns Jinni zwischen Muffins und Fotos nochmal, dass sie überrascht war wie viele Leute gekommen sind. Dafür, dass Luxuslärm in Süddeutschland noch kaum im Radio gespielt werden, haben doch beinahe 100 Leute ihren Weg in den Keller der Kammgarn gefunden. Beachtlich. Kim Frank hat das im Sommer nicht geschafft.

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Am 13.02. kommt die nächste Single „Unsterblich“ in die Läden. Absolut empfehlenswert! Kaufen, kaufen, kaufen!

Musikmarathon der Jugendkulturtage Osnabrück – 2.10.2008

Ein etwas anderer Marathon

Laut war es. Lang war es. Ein Marathon eben. Jedoch wurden am Donnerstag Abend beim Musikmarathon der Osnabrücker Jugendkulturtage nicht die sportlichen Fähigkeiten der Teilnehmer auf die Probe gestellt, sondern eher das musikalische Durchhaltevermögen. Mit insgesamt sechs Bands in drei Locations wurde bis zu später Stunde gejammt und gerockt was das Zeug hielt. Dem Publikum wurde gezeigt, dass in der Osnabrücker Nachwuchsbandszene alles Andere als tote Hose herrscht.
Den Anfang machten gegen 20:30 Uhr die Black Jack Funkers im Haus der Jugend. Die gerade mal 13 und 14-Jährigen Bandmitglieder hatten zwar ein wenig mit dem Sound zu kämpfen, meisterten aber ihre nicht ganz leichte Aufgabe des Openers trotz allem recht anständig. Frontfrau Karla sang mit viel Elan und Freude von Dingen, die wohl jeden Jugendlichen einmal beschäftigen und beschloss das Set der Band mit der Zugabe „Wieder da“ – einer ruhigen Nummer die mit besserem Sound noch viel schöner gewesen wäre.
Ohne große Umbaupausen stürmten im Anschluss auch sofort die Insolvent Insomniacs die Bühne. Mit ihrer fetzigen Mischung aus eigenen und gecoverten Rock‘n‘ Roll und Ska-Nummern rissen sie die Menge sofort mit und verwandelten den Raum in eine einzige große Party, sowohl vor als auch auf der Bühne. Für viele Zugaben blieb leider nicht viel Zeit; denn der Partybus, der die Musikjünger weiter in die nächste Location kutschieren sollte, wartete schon draußen mit laufendem Motor. Im antiken Doppeldecker ging es mit Jongleuren an Bord weiter ins GZ Ziegenbrink.
Dort warteten auch schon die 3 Jungs von Last Wish auf ihren Auftritt, die vielen Besuchern schlicht weg die Sprache verschlugen. Gerade einmal 13 Jahre alt und kaum dem Kindersitz entwachsen, überraschte besonders Sänger Oliver mit einer sehr guten Stimme und einer unglaublich einnehmenden Bühnenpräsenz. Insgesamt lieferten sie dem Publikum eine beachtlich professionelle Show aus beinahe ausschließlich selbstgeschriebenen englischen Rocksongs, die den einzigen Coversong des Sets – „Summer of ‘69“ von Bryan Adams – weit in den Schatten stellten.
Nach so viel Begeisterung hatten die Jungs und Mädels von Therapiezentrum keine leichte Aufgabe, als es darum ging die Menge zu begeistern. Jedoch nahmen die vier Osnabrücker unter der Führung von Frontfrau Gianna auch diese Hürde mit Bravour und brachten den Ziegenbrink mit ihren eigenen deutschen Crossoverstücken schnell zum Kochen. Auf und vor der Bühne wurde gerockt, was die Saiten hergaben und so ging es gut aufgeheizt weiter in den kalten Partybus, der auf direktem Wege den Ostbunker ansteuerte. Für die Pausenunterhaltung auf der Fahrt sorgten dieses Mal keine Jongleure, sondern ein waschechter Schotte mit Tracht und Dudelsack. Durch sein Getröte wurden selbst die kleinsten langsam aufkommenden Müdigkeitserscheinungen schnell weggeblasen, so dass alle fit wie ein „Marathonlaufschuh“ im JKZ Ostbunker ankamen. Mit kurzer Verzögerung bretterten dort direkt Sederial aus Melle los und begeisterten mit ihren politischen Punk- und Metalnummern besonders die Fans der härteren Gangart. Die Stimmung im Bunker brannte förmlich. Begeistert von so viel Pogo vor der Bühne ließ sich Sänger Sebastian zu halsbrecherischen Stagediving-Einlagen hinreißen und wurde einmal quer durch den Raum getragen.
Gegen 0:20 Uhr enterten dann Third Cucumber aus Osnabrück als letzte Band die Ostbunkerbühne und rundeten das Gesamtbild des Abends mit einem sehr guten Auftritt ab. Mit ihrem eingängigen, melodiösen und sehr ausgefeilten Poppunk á la Blink 182 heizten sie dem Publikum noch mal ordentlich ein und verpassten dem Ein oder Anderen noch einen letzten Ohrwurm, bevor es wieder zurück zum Bus, in die dunkle Nacht und ab nach Hause ging.


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Rostock – Hanse Sail – Antenne MV Bühne

Der 8.8.08 war nicht nur der Tag der Olympiaeröffnungsfeier, sondern auch der Tag, an dem auf der Rostocker Hanse Sail der Mega Sommerhit 2008 von Antenne Mecklenburg-Vorpommern gekürt werden sollte. Neben einigen verdächtigen C- und D-Promis, die wirklich kein Mensch kannte, rissen wenigstens Revolverheld das Niveau des Abends nach oben.

Ich hatte mit einer Großveranstaltung a la Kieler Woche und einem ähnlichen Besucheraufkommen gerechnet. Dementsprechend wurde überpünktlich Feierabend gemacht, getankt und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 138 km/h über die Autobahn nach Rostock gebraust. Tja. Kaum angekommen stellte sich heraus, dass die „Party“ vor dem Auftritt eher einem Schützenfest glich. Nein, zwischendurch hätte man sich auch auf einer Kaffeefahrt wähnen können. Die beiden Moderatoren rissen einen Kalauer nach dem nächsten und wussten wirklich, wie man jede aufkeimende Partystimmung noch in den letzten Takten des Songs abwürgt. So wunderte es mich nach einer guten halben Stunde auch nicht mehr, warum kaum jemand vor der Bühne stand. Wohl gemerkt, es sollte Revolverheld auftreten und nach eigener Erfahrung stehen normalerweise etwa fünf feste Reihen der hartgesottenen Fans circa 3 Stunden vor Beginn an der Absperrung. Wir kamen gerade mal ein bisschen über eine Stunde vor Beginn an – und konnten sogar ohne „Entschuldigung, darf ich mal vorbei?“ in die erste Reihe durchgehen.

Kurz vor Auftritt wurden die Moderationen der Antenne-MV Moderatoren dann ganz schlimm. Es wurden die alten Anekdoten über Dieter Bohlen und Christian Anders heraus gekramt, dann kam doch tatsächlich auch noch „You’re my heart, you’re my soul“ – und eigentlich hätte man spätestens hier die Flucht ergreifen sollen. Aber Gott sei Dank war es dann wirklich endlich 22.30 Uhr und die Jungs aus Hamburg durften die Bühne stürmen. Wahrscheinlich selbst noch von den grausamen Moderationen eingelullt, wurde auch gleich tief in die Kalauerkiste gegriffen. „Rockstock“ und dieses Festival im Matsch, dass ja sicher genau hier, an diesem sagenumwobenen Ort stattgefunden haben soll. Rockstock, und die Hippies sind auch noch da. Ja. Nein. Musik machen? Ja! Die Herren zwangen sich dann doch dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und legten recht behäbig los. Nach etwa 3 Liedern schienen sie sich dann aber doch auch endlich den Modern-Talking-Schock aus den Knochen gespielt zu haben und so wurde dann doch noch die gewohnte Qualität und Bühnenshow dargeboten. Etwa 70 Minuten lang wurde der Platz vor der Bühne vom Kaffeefahrtgrauen befreit und man feierte eine ordentliche Party.

Alles in allem war es ein sehr netter und vor allen Dingen amüsanter Abend, den ich gerne mit einem alten Golf vergleichen möchte. Man muss ihn erst mal warm fahren, bis er richtig rund läuft. Aber wenn er denn dann mal richtig warm ist, ist er nicht mehr zu stoppen und geht ab wie ein geölter Blitz…

Serengeti Festival 28.06.2008 – Revolverheld


Eigentlich sollte heute mein neues Experiment starten: Zwei Festivals an einem Tag. Jedoch machte mir das Wetter in Münster beim Vainstream einen dicken Strich durch die Rechnung und so verkaufte ich dort vor Ort noch schnell mein Ticket und begab mich lieber schon am Nachmittag nach Ostwestfalen, wo im kleinen Städtchen Schloss Holte Stukenbrock heute einmal nicht nur der Safaripark die größte Attraktion sein sollte.

Das Serengeti. Ein schönes, sehr überschaubares Festival auf dem Gelände eines Schulzentrums fand ich dort vor. Eigentlich ist das Serengeti ein einschlägiges Heavy-Metal Festival, so dass Revolverheld und MIA. eigentlich mal so gar nicht ins Line Up passen wollten. Aber jedes Festival braucht ja seine Publikumsmagneten und ich muss ganz ehrlich sagen, ohne diese hätte ich meinen Weg auch nicht unbedingt in die Provinz gefunden.

Nun gut. Eigentlich ist es ja wirklich egal wo das Festival ist, Hauptsache es wird gerockt. Und das wurde es. Natürlich legten die Geheimtipps im Line-Up grandiose Sets hin und wärmten das Publikum ordentlich für die Headliner Revolverheld und MIA. auf. Während bei den Bands des Tages eher schwere, schwarzgekleidete Menschen mit langer Haarpracht den Platz vor der Bühne bevölkerten, hätte das Publikum bei Revolverheld nicht unterschiedlicher sein können. Vom 8-jährigen Metalsohn, über vereinzelt weitgereiste Hardcore-Revolverheldfans, bis hin zu den 17-jährigen Dorfpunks und den Eltern der Halbstarken war an diesem Abend wirklich alles dabei. Die Stimmung war gut, es war laut, es hat gekracht und gerockt. Man sollte es nicht glauben, aber selbst bei den Hamburger Jungs wurde exessiv dem Crowdsurfen gefröhnt, so dass die Securities vorne alle Hände voll zu tun hatten. Yeah! Revolverheld rockten für ca 70 Minuten den Platz und allgemein war es einfach nur eine fette, laute Party.

Ob die Party später bei MIA. weiter ging, ist mir leider nicht bekannt. Aufgrund allgemeiner Erschöpfungserscheinungen (es lagen ja bereits das Hurricane, die Kieler Woche, ne fette Grippe, Münster und allgemein die Fahrt von Kiel hinter mir) fiel mir die Entscheidung doch schon lieber die Heimfahrt anzutreten, so gar nicht schwer. So ging es wohl auch einigen anderen Festivalbesuchern, denn man hörte immer wieder: „Oh man, die sind sooo schlecht! So nen Scheiß muss ich mir nicht geben!“ – Nun denn: ein Beweis mehr, dass der Clash zwischen Heavy Metal und deutschem Indie Elektro Pop vielleicht doch zu groß ist – egal wie bekannt die Band auch sein mag.

Erkenntnisse des Tages:
::Adapterkassetten halten bei Dauerbetrieb höchstens zwei Jahre::Querschnittsgelähmte können manchmal doch laufen::Schals durchschneiden ist sinnlos – Egal wer ihn vorher angefasst hat::MIA. ist kein Rock. MIA. ist kein Metal. MIA. ist… ach keine Ahnung was sich die Veranstalter dabei gedacht haben.::Sicherheitshinweis: Mikroständer sind KEINE Krücken:: Punkt.

FOTOS gibt es hier.

Kieler Woche 2008 – Stanfour und Revolverheld

Am Donnerstag war auf der NDR-Bühne am Ostseekai wieder N-JOY „Life am Kai“ angesagt. Während parallel das EM-Halbfinale ausgetragen wurde, rockten Stanfour aus Föhr und Revolverheld vor etwa 20000 Leuten die Bühne.
Als erstes waren Stanfour dran. Sie legten ein ordentliches knapp 60 Minuten-Set aufs Parkett und heizten die Stimmung schon mal mit Songs aus ihrem „Wild Life“-Album an.

Nach einer mehr oder weniger kurzen Umbaupause waren dann Revolverheld an der Reihe. Unter frenetischem Jubel enterten sie gegen 21:30 Uhr die Bühne und rockten los. Trotz eines noch recht frischen Bänderrisses am Fuß, war Sänger Johannes sehr gut gelaunt und feixte mit dem Publikum über die EM. Man konnte ihm jedoch ansehen, dass es ihm so gar nicht gefiel, im Sitzen singen zu müssen. Immer wieder stand er auf und hüpfte auf einem Bein umher, was einigen Fans sichtlich die Angst in die Knochen trieb. Der Mikroständer wurde kurzerhand zur Krücke umfunktioniert und es wurde gehüpft, was die heilen Bänder des gesunden Fußes aushielten. Abgesehen von diesen eher unfreiwilligen, wackeligen Showeinlagen waren alle Hits des Debütalbums „Revolverheld“ und des aktuellen Albums „Chaostheorie“ dabei. Von den Zuschauern groß gefeiert, durfte natürlich auch der offizielle EM-Fan-Song „Helden 2008“ nicht fehlen. Ab dem ersten Ton verwandelte sich das Gelände vor der Bühne in eine große Fußballparty, denn alle waren überzeugt: Deutschland wird Europameister. Nach gut 90 Minuten verabschiedeten sich die Jungs vom Publikum, aber legten noch eine Zugabe mit „Freunde Bleiben“ nach. Insgesamt ein ordentlicher Auftritt der Band, bei dem kaum Wünsche offen blieben.

Weiter gefeiert wurde an diesem Abend dann noch bis etwa 3 Uhr morgens im Vinyl und Nachtcafé, wo sich Sänger Johannes und Gitarrist Kristoffer mit ihren iPods als DJ’s verdingten.

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Mehr Fotos gibts hier , allerdings leider nicht von Revolverheld, da der Security nach dem Stanfour-Set plötzlich meine DSLR-Kamera nicht mehr gefiel.

Kieler Woche – Bad Religion

Nach einem anstrengenden Hurricane-Wochenende gab es für mich keine Zeit auszuruhen und es ging sofort weiter mit der Kieler Woche. Am Dienstag hieß es schlicht und ergreifend Arsch hoch und rocken. Von Delta präsentiert standen an diesem Abend die Punk-Urgesteine Bad Religion auf der „Unser Norden“-Bühne, gefolgt von der Indiecator.com Band Orange but Green und One Fine Day.
Das Publikum vor der Bühne war sehr gemischt. Vom Altpunk über Emokind, bishin zum BWL-Studenten mit Stehkragen hatte sich eine bunte Masse an der Hörn versammelt, um die Punk-Legenden zu sehen. Pünktlich um 19 Uhr legten Greg Graffin und Co los. Zunächst wirkte das Ganze auf er Bühne etwas verhalten und unmotiviert. Nach der ersten Hälfte es Sets aber waren auch alle müden Knochen der Musiker warmgerockt und so erzählte Greg eine Anekdote aus der Bandgeschichte nach der Anderen. Vor der Bühne tobte ein wildes Mosh-Pit mit Pogenden sämtlicher Altersgruppen und rockten zu neueren Hits der letzten 3 Alben, aber auch zu Klassikern wie Stranger than Fiction, Suffer und Generator. American Jesus durfte natürlich auch nicht fehlen.

Vor Generator wurde spontan ein Circle Pit gestartet, das auf der Kieler Woche wohl kaum übertroffen werden konnte… 😉

Nach knapp über einer Stunde verabschiedeten sich die Kalifornier auch schon wieder, denn noch am Abend sollte es von Kiel aus nach Norwegen gehen.
Natürlich verließen sie Kiel nicht, ohne vorher noch mal Sorrow gespielt zu haben.

Damit übergaben sie die Bühne an Orange But Green und später One Fine Day, die auch ordentlich abgingen.