Archiv der Kategorie: Live gehört

Festivals, Konzerte, Showcases – LEISE/laut liebt Livemusik.

Das Fest 2009 in Karlsruhe – Oder, wie viele Menschen passen auf einen Hügel?


Menschen, Menschen, Menschen. Soweit das Auge reicht. Die Kulisse, die sich dort am Freitagabend im Sonnenuntergang bietet, muss so manchem Künstler schon Pipi in die Augen getrieben haben. Es ist einfach überwältigend, und das nicht nur von der Bühne aus.

Gefühlte 100.000 Menschen drängen sich auf dem Hügel und im Tal vor der Hauptbühne. Die meisten warten auf das Farin Urlaub Racing Team, wiederum viele lauschen gerade bereits ihren Helden: Schandmaul. Die Mittelalterrocker drehen ordentlich auf, bearbeiten ihre Flöten, Dudelsäcke und Drehleiern gekonnt und beeindrucken an vielen Stellen nicht nur die schwarzgekleideten Zuschauer.
Kurz darauf brettert das Farin Urlaub Racing Team (FURT) los und feiert mit der Meute vor der Bühne eine wilde Party. Es wird gehüpft, gepogt und mitgegröhlt was das Zeug hält. Besonders hinter der zweiten Absperrung ist es abartig eng, weil immer mehr Menschenmassen dort hin drängen. Für nicht wenige bleibt da nur die Flucht und das frühe Aus auf der Ersatzbank. Egal, man kann auch im Sitzen feiern.
Wer die Massen bei FURT schon unerträglich fand, sollte am nächsten Tag dann noch einmal sein blaues Wunder erleben.
Während es am frühen Abend bei Tina Dico, die zusammen mit Helgi Johnsson wirklich eine ganz bezaubernde Show hinlegte, noch sehr gechillt zuging, braute sich in den zwei Stunden nach ihrem Auftritt im Umkreis der Hauptbühne ein wahrer Hexenkessel zusammen. Menschen strömten in ungekanntem Ausmaß auf den Hügel, vor, neben und hinter die Bühne. Der Grund? Peter Fox. Bei einigen Eingängen zum Gelände hieß es gegen 21 Uhr zeitweise: „Wegen Überfüllung geschlossen“.
Glück für die, die bereits seit Tina Dico an ihrem Platz festgehalten hatten. Pech für die, die erst später kamen oder sich noch mal am WC Häuschen angestellt hatten. Als Peter Fox mit 20 Minuten Verspätung endlich loslegte, konnte man vor lauter Menschen und je nach Standort überhaupt nichts mehr sehen und teilweise auch kaum etwas hören, obwohl man nicht weit von der Bühne entfernt war. Doch das war den meisten vollkommen egal.
Alles neu, Schüttel deinen Speck, Haus am See, Schwarz zu Blau. Nichts fehlte auf der Setliste und dicht gedrängt feierte man einfach trotzdem, soweit der Bewegungsspielraum es denn zuließ.
Die Kulisse erinnerte zeitweise ironischerweise an Szenen aus alten Bibelfilmen, wo die Menschen auf den Berg strömen um die Bergpredigt zu hören. Unglaublich einfach.
Gedanken für das nächste Jahr:
1) Versuche nicht, deine Freunde wieder zu finden. Zwischen 20 und 23 Uhr klappt das sowieso nicht mehr.
2) Wenn man noch ne Chance hat beim Hauptact nach vorne zu kommen, beachte man Punkt 1 und verteidige seinen Platz mit allen Mitteln die Recht sind.
3) Baby, du siehst gut aus! Vielleicht verirren sich diese Herren von Bakkushan nächstes Jahr ja dort auch auf die Bühne? 😉 Genügend Sticker haben sie dieses Jahr auf jeden Fall schon verteilt.
Fotos folgen!

Großartiger Auftakt in Berlin – Söhne Mannheims und Xavier Naidoo Live im Doppelpack


20.000 bestens gelaunte Menschen, unzählige Regenponchos und erstklassige Musik. Pünktlich zur Veröffentlichung ihres neuen Albums „IZ ON“ enterten die Söhne Mannheims am Freitag Abend nach längerer Pause wieder die Bühne. Der Wettergott hätte der Menge auf der Waldbühne in Berlin zwar besser gesonnen sein können, jedoch taten die allgegenwärtigen Schauer der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die weit gereisten Fans feierten die Mannheimer Herren mit frenetischem Jubel und trotzten tapfer jeder Dusche von oben.

Abwechslungsreich ging es zu. Die Band spielte sich durch eine gelungene Mischung aus Songs von ihren alten Alben und ließ keinen großen Hit aus. Natürlich gab es auch Songs ihrer neuen Platte zu hören, die alle beim Publikum bestens ankamen. Zwei Stunden lang wurde sowohl auf als auch vor der Bühne alles gegeben und ausgelassen gefeiert. Die Freude und Überwältigung war allen Beteiligten buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Spätestens bei „Und wenn ein Lied“ war bei wirklich jedem absolutes Gänsehaut-Feeling angesagt: ein Chor aus 20.000 Stimmen sang den Song voller Gefühl zusammen mit Xavier Naidoo und den anderen Söhnen. Man kam sich plötzlich nicht mehr vor wie auf einem riesigen Open Air Gelände, sondern wie auf einem Wohnzimmerkonzert – in einem Wohnzimmer mit 20.000 Freunden.

Das ausverkaufte Konzert, zu dem Fans aus allen Ecken der Republik anreisten, war der fulminante Auftakt zu einer so noch nie da gewesenen Konzertreihe: Söhne Mannheims und Xavier Naidoo Live im Doppelpack. Am nächsten Tag konnte man auch noch Xavier Naidoo Solo live erleben. Im gleichen Format werden Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims, pünktlich zur Veröffentlichung von Xaviers neuen Albums, ab Oktober mit ihrer „IZ ON / Alles kann Besser Werden Tour 2009“ quer durch Deutschland unterwegs sein. Bereits über 100.000 Tickets wurden laut Veranstalter für diese bevorstehende Doppelpack-Tour verkauft, die Ende November unter anderem auch in Bremen, Hamburg und Hannover halt macht. Nach Berlin kann man dazu nur sagen: Es lohnt sich!

RELOAD Festival – Gekautes von der Bloodhound Gang

4. Juli 2009
Es staubt, es ist heiß, das Bier fließt in Strömen. Beste Stimmung auf dem RELOAD Festival in Twistringen zwischen Bremen und Vechta. Für Blue bin ich zusammen mit Kirsten, Freund Felix und Bruder Arne wieder unterwegs, um den lieben Usern der Stayblue Community auch von diesem Festival zu berichten.

Als wir Samstag nachmittags gegen 15:30 Uhr endlich am Gelände ankommen, tummeln sich auf dort gerade einmal ein paar Hundert Leute. Wahrscheinlich schlafen die meisten noch, denn am Vorabend haben unter anderem Anthrax den Besuchern ordentlich eingeheizt. Die Stimmung muss bombig gewesen sein, schließlich liegt zur Begrüßung auch schon eine Alkoholleiche vor dem Eingang auf dem Grünstreifen am Straßenrand. Einen Schuh hat er am Abend vorher verloren. Nette Passanten dekorieren den jungen Mann liebevoll mit Goldfischkräckern und anderen Leckereien. Zur Kunstwerksvollendung werden Blumen niedergelegt. Der weiteren kreativen Entfaltungen bereiten allerdings drei Sanitäter des DRK dann doch vorsichtshalber ein Ende und transportieren den Unbekannten auf einer Trage ins Lazarett. Sein weiteres Schicksal bleibt unklar.

Am Kassenhäuschen dann ein kleiner Schock. Es gibt keine Pressepässe mehr. Wir sollen einfach so mit allem unserem Equipment reingehen. Doof nur, dass die Security das anders sieht. Ohne Pässe keine großen Kameras auf dem Gelände. Und ohne große Kameras keine guten Bilder. Doof. Zum Glück treffen wir zufällig den Veranstalter an, der auf seinem Fahrrad an diesem Wochenende locker seine Hundert und mehr Kilometer zusammen strampelt. Er drückt uns kurzerhand 3 Pässe in die Hand – so werde ich in drei Sekunden vom Pressefuzzi zum Techniker und Kirsten zum VIP und haben so doch vollen Backstage Zugang. Glück gehabt!
Auf der Bühne spielen Accessary vor einer Handvoll Zuschauern gerade ihre letzten beiden Stücke. Es ist ein nettes, sehr überschaubares Festival auf dem Land, mit Bullenreiten, viel Musik und ganzen Schweinen am Grillspieß. Wir drehen unsere ersten Takes vor der Bühne und Backstage, und gucken uns unsere ersten Interviewopfer aus. Die Wahl fällt auf One Fine Day, die sich gerade auf ihren anstehenden Auftritt vorbereiten. Die lieben Jungs aus Kiel und Hamburg legen ein sehr ordentliches Set hin, dass definitiv mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Da sie Abends jedoch noch auf der Breminale spielen werden, haben sie den undankbaren Slot um 16 Uhr erwischt. Trotzdem heizen sie den Leuten vor der Bühne ordentlich ein und verbreiten eine Stunde lang allerfeinste Stimmung. Nach kurzer Verschnaufspause und Stärkung stehen mir dann Marten und Eric Rede und Antwort. Ganz idyllisch, ganz romantisch mitten auf einer grünen Wiese.

Derweil rocken sich The Sorrow die Seele aus dem Leib. Es soll wohl ein ordentliches, bretthartes Set gewesen sein. Das meiste zog jedoch an mir während des Interviews backstage ungewürdigt vorüber. Zu Wirtz bin ich dann aber doch wieder gerade noch rechtzeitig vorne im Graben, und habe genau noch den Rest des laufenden Songs Zeit, um Fotos zu machen. Die Musik mit deutschem Text ist sehr eigenwillig aber irgendwie auch sehr gut. Vor der Bühne ist es inzwischen auch schon um einiges voller. Es gibt nicht mehr ganz so viele riesige, gähnende Lücken im Publikum.

Gegen 20 Uhr entern dann die Jungs von Itchy Poopzkid die Bühne und der Knoten in der Menge platzt endgültig. Na endlich! Es wird gepogt, getanzt und gecrowdsurft was das Zeug hält. Die drei Schwaben geben alles und ernten für ihre punkige Geradeaus-Nachvorn-Mucke wohlverdienten Applaus. Ich schieße ein paar schicke Fotos von vorne aus und gucke mir den Rest gechillt von der Seite aus an. Ich werde von der Musik angesteckt und muss meine unbegründete, vorurteilhafte Meinung über die Band „Die sind doch sooo 2007“ ganz schnell revidieren. Von denen kann man noch großes Erwarten, solange sie nicht aus ihrem Bandnamen rauswachsen.

Dann kommt 4Lyn. Was ist passiert? Ich erinnere mich nicht wirklich an das Set, aber auch nicht daran, was ich in der Zeit gemacht habe. Nur der Spruch „Wie viele Mädels sind hier auf dem Platz?“ Mittellautes Kreischen als Antwort. „Hm, das ist nicht Revolverheld. Aber passt.“ Dazu scharwenzeln hinter der Bühne drei Roadies herum, die mir unglaublich bekannt vorkommen. Den Drei scheint nicht anders zu gehen. Immer wieder gucken wir uns verstört an, aber kommen nicht darauf, woher wir uns kennen könnten. Der Revolverheld-Spruch macht die Sache nicht besser. Bis es mir Stunden später wie Schuppen von den Augen fällt: Oktober 2008, Helden 2008, Tour. Ja. da waren sie dabei. Und ich auch. Und jetzt sind sie vestört, warum ich hier backstage hocke…

Nach 4Lyn kommt dann endlich, worauf wirklich jeder hier auf dem Gelände gewartet hat. Die Bloodhound Gang. Im Fotograben ist es eng. Laufend tritt man sich auf die Füße und von hinten kommt ein Crowdsurfer nach dem nächsten geflogen. Die Bloodhoung Gang brettert los, als ob es kein Morgen gäbe. Das Publikum ist außer Rand und Band, die Stimmung ist binnen Sekunden auf dem Siedepunkt. Die drei Songs im Graben kommen mir undendlich lang vor, weil einfach so viel passiert: Rauchfontänen, Bierduschen, Becherwerfer. Auf einmal steht Evil Jared hinter mir und versorgt die erste Reihe mit eiskaltem Jägermeister. Vor lautern Fotografen habe ich ihn fast nicht kommen sehen. Ich knipse drauf los, das muss irgendwie aufs Bild. Plötzlich dreht er sich um, baut sich vor mir auf. Der stiernackige Hüne schaut mir in die Augen, grinst auf einmal extrem frech und mir rutscht das Herz vor Angst in die Hose. Dabei ist er doch ganz lieb. Er will mir doch auch nur etwas vom besten Schnaps Deutschlands einflößen, als einziger der Fotografen. Meine Angst ist wirklich unbegründet.

Einen Moment später das nächste Highlight meines Abends. Kurz vor Beginn des dritten Songs (und damit des letzten, währenddessen man im Graben sein darf), machen Jimmy Pop und Evil Jared den Vorschlag, alle Fotografen könnten während des Songs ja von der Bühne aus Fotografieren. Keiner reagiert. Anscheinend hat kaum einer wirklich verstanden, was die wirklich wollen. Ich gucke mich ungläubig um und mache einen zaghaften Schritt auf den Bühnenaufgang zu. Und schon ziehen mich die beiden Bloodhound Gang Member hoch auf die Bühne. Unglaublich. Nach mir stürmen natürlich alle anderen auch den Bühnenaufgang und knipsen 5 Minuten lang was das Zeug hält die Jungs aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive.

Danach ist mir eigentlich alles egal. Ich genieße nur noch die Show, auch wenn die Aktionen rund um „Ich kotz im Strahl“ und wir bewerfen uns mit „Ge-Ka-Utem“ nicht gerade appetitlich sind. Die Menge tobt und die Band hat einen Mordsspaß. Angeblich sogar mehr als bei Rock am Ring und Rock im Park.

Nach gut zwei Stunden ist alles vorbei. Ich gehe nochmal schnell nach hinten und packe ein. Auf dem Weg zum Ausgang treffe ich noch kurz den Schlagzeuger von Itchy Poopzkid, der mein TWLOHA-Shirt toll findet. Ich sage ihm, dass ich ihn auf der Musikmesse gesehen habe. Er: „Jaaaa, aber du hast nicht hallo gesagt! Nächstes Mal komm vorbei und sag hallo, ja? Das machen so wenige! Das musst du mir jetzt versprechen!“

Okay, versprochen.

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Bilder gibt’s wieder bei Flickr, entweder rechts oben über „Leiselaut – Impressionen“ oder ganz einfach hier.

Rock im Freizeitpark – Belantis Summer Opening 2009

Langsam und tiefrot geht an diesem Samstag Abend in Leipzig die Sonne unter und taucht den Belantis Park in ein gerade zu romantisches Licht. Doch mit Romantik war hier nicht viel – es sollte gefeiert werden was das Zeug hält.

Über 30 Live-Acts und DJs verirrten sich vorgestern in den Park und zeigten, was sie auf der Bühne und an den Turntables so drauf haben. Darunter waren unter anderem die Glitterboys, Northern Lite, Boogie Pimps, sowie als Live-Highlights Sono und Revolverheld.

Sono heizten den Besuchern auf der Live-Bühne am Schlossplatz mit ihren heißen Dancebeats ordentlich ein und sorgten dafür, dass die Muskeln für das anstehende Set von Revolverheld schon mal ordentlich aufgewärmt waren. Die Nacht war doch sehr kalt und so nahmen die Zuschauer die Gelegenheit zum Warmhüpfen doch dankend an. Kaum enterten die 5 Hamburger Jungs die Bühne, wurde gerockt was der Körper her gab. Bestens gelaunt fegten sie über 70 Minuten über die Bretter und feierten vor großer Kulisse mit den Leipzigern eine wilde Party. Das musste auch die Hose von Sänger Johannes zu spüren bekommen: diese gab nämlich bereits am Anfang den Geist auf, so dass es laut Tourtagebuch doch sehr luftig untenrum wurde. Aber wen stört das schon. Rock n Roll!

Insgesamt feierten über 10000 Leute den anstehenden Sommeranfang und tanzten sich auf 7 Dancefloors bis in die frühen Morgenstunden im ganzen Park die Seele aus dem Leib. Wer vom Tanzen genug hatte oder eine Pause brauchte, konnte bis 4 Uhr morgens sämtliche Fahrgeschäfte ausprobieren und sich in der Achterbahn vom Fahrtwind die Frisur zerwuscheln lassen. Die letzten Partywütigen wurden gegen 6 Uhr aus dem Park gekehrt. Ein gelunges Event, das man für kommende Jahre sicher im Hinterkopf behalten sollte.

Eurocity Fest in Münster

Meine persönliche Open Air Saison 2009 ist seit Freitag nun offiziell eröffnet. Eingeläutet wurde das Ganze beim Eurocity Fest in Münster. Auf der LVM Bühne am Domplatz legten Oceana und Revolverheld eine ordentliche Show hin und rockten mit uns bis kurz nach Mitternacht.

Von Oceana haben wir aufgrund mehrerer verspäteter Züge leider nur noch die letzten 3 Songs gesehen. Die waren aber sehr gut und die junge Dame ist wirklich jedem wärmstens zu empfehlen.

Um 22.30 Uhr enterten dann die Revolvermannen die Bühne und setzten damit ihrem Live-Winterschlaf ein Ende. Nach über einem halben Jahr standen sie in Münster zum ersten Mal wieder auf der Bühne und waren heiß aufs Livespielen wie selten. Mit allerbester Laune fegten Johannes, Kris, Niels, Flo und Jakob über die Bühne und gaben ihr Bestes, um das Münsteraner Publikum zu begeistern. Das machte nach kleineren Startschwierigkeiten auch freudig mit und gab vor der Bühne zusammen mit den Herren auf der Bühne richtig Vollgas. Pogo, Crowdsurfen, Circle Pit. Für ein Stadtfest echt beachtlich, was die Rockfreunde im Publikum da hinlegten. Über kleinere Patzer wurde wohlwollend hinweg gesehen und gerade das weibliche Publikum war teilweise doch sehr kreischig aufgelegt. Besonders wenn Johannes das Konzert mit einem ersten Date verglich und um Knutscher vor der Haustür oder doch um einen Kaffee später in der Wohnung bat, gab es für viele kein halten mehr. Man kam sich vor wie auf den Konzerten der besten Bravo-Zeiten von 2006. Wenn mir jemand vor 5 Jahren einmal gesagt hätte, dass Karohemden, 10-Tagebärte, enge Hosen und Gitarren einmal solche Begeisterungsstürme auslösen würden, dem hätte ich sehr überzeugt den Vogel gezeigt. Aber jetzt, nett anzusehen war es ja doch schon irgendwie. …;-)

Von der Bühne gab es dafür ein ordentliches, volles 90 Minuten Set auf die Ohren, in dem neben einiger neuer Songs die obligatorischen Singles inklusive des EM Fansong „Helden 2008“ natürlich auch nicht fehlen durfte. Mit den ruhigeren Balladen wie Die Welt steht still, Unzertrennlich oder Mit Dir Chilln verzauberten die charmanten Hanseaten ihre Zuhörer, so dass später lautstark Zugaben gefordert wurden.

Die Herren verabschiedeten sich mit einem erstaunlich guten Fanta Vier Cover von „Was geht“ und ihrem Bundesvision Songcontest Hit „Freunde Bleiben“ und rissen nochmal so richtig die Hütte ab, bevor sie sich später unter das Münsteraner Feiervolk mischten.

Alles in allem eine absolut gelungene Saisoneröffnung. Ich lass mich überraschen, was der Sommer noch so bringt.

Ingrid Michaelson live in Hamburg

Ich bin verliebt! Jawohl, seit gestern. Bis über beide Ohren. Ja, ja. Die Frühlingsgefühle sind pünktlich zum Mai auch bei mir angekommen, könnte man meinen. Mein neues Objekt der Begierde ist jedoch keineswegs ein heißer, amerikanischer Rockstar. Gut, von schlechten Eltern ist Ingrid Michaelson sicherlich auch nicht, aber ihre Stimme übertrifft derzeit bei Weitem alles, was ich mir in letzter Zeit so anhören durfte.

Am ersten Mai hatte sie die Ehre, das letzte Live-Konzert im Hamburger Kultclub Mandarin Kasino zu geben, bevor es Ende des Monats entgültig seine Pforten schließt.
Als Support hatte die junge New Yorkerin zwei absolut liebenswerte Schotten im Gepäck. Martin und James spielten zusammen mit ihren beiden Gitarren und ihren akustischen Folk-Popsongs das Publikum ordentlich in Stimmung. Ihr schottischer Akzent war einfach zum Dahinschmelzen und so gab ich den Jungs nach dem Konzert doch noch gerne ein Paar Tipps, wo sie den Rest des Abends denn so verbringen konnten.

Gegen 20:30 Uhr oder vielleicht sogar schon etwas früher enterte dann Ingrid zusammen mit ihrer Freundin Allie die Bühne. „Hamburg ist toll. Hier gibt es nur so schrecklich viele Penisse“ – damit begrüßte Ingrid das Hamburger Publikum. Anscheinend hatte sie außer der Reeperbahn bei Tag nicht besonders viel von der Hansestadt zu Gesicht bekommen. Schade. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch und so scherzte sich Madame von Song zu Song und begeisterte 100 Prozent. Während ihrer Songs war es muchsmäuschenstill. Der Applaus danach umso lauter.

Ich träumte mich so durch ihr Set, das hauptsächlich aus Stücken ihres akutellen Albums „Boys and Girls“ bestand. Das Publikum war nicht besonders textsicher, sang dafür aber jedes Mal umso schöner mit, wenn es von Ingrid dazu aufgefordert wurde. Am Mandarin Kasino hätte an dem Abend auch ein Chor verloren gegangen sein können.

Gegen kurz nach halb zehn war der Zauber nur leider schon wieder vorbei. Viel zu kurz. Die Zeit war nur so verflogen. Das frühe Ende das Abends wollte wohl keiner so Recht akzeptieren, und so forderten die begeisterten Hamburger lautstark Zugaben und brachten Ingrid ganze drei Mal zurück auf die Bühne. Zuletzt wurde „Can’t help Falling in love with you“ von Elvis Presley angestimmt. Ingrid sang die Strophen, wir sangen den Rest. Gänsehautfeeling pur!

Vielleicht gehe ich Dienstag doch noch nach Frankfurt.

Falls jemand das Konzert verpasst hat und nicht bis zum Winter warten will, der hat nächste Woche noch eine Chance: N-JOY verlost Karten für ein exklusives Soundfiles Live Konzert am 9. Mai im Foyer des Senders. Tickets gibt es hier oder im Laufenden Programm, meist Abends gegen 19 Uhr.

Es lohnt sich!!!

Olli Schulz, Geschichten im Rosenhof

„Mach den Bibo! Mach das Ufo! Mach den Grobi!“ Mach den was?! Mit diesen Zeilen aus seinem Bundesvision Songcontest Hit „Mach den Bibo“ und vielen anderen großartigen Songs begeisterte Olli Schulz am Donnerstag Abend den Rosenhof in Osnabrück.

Zum Warm-Up betrat aber erst mal Support-Act Lee Buddha die Bühne. Leicht hatte er es nicht, den noch halbleeren Rosenhof alleine mit seiner Akustikgitarre und seinen schön verpackten, lustigen Geschichten seiner Songs auf seine Seite zu ziehen. Viel ging im Gemurmel des Publikums unter, womit der junge Mann aber erstaunlich souverän umging. Am Ende seines 30-Minutensets voller netter Anekdoten über seine Songs, gelang es ihm doch noch, das verhaltene Publikum zum Mitsingen zu bewegen und überließ Olli Schulz mit einem Kanon, der keiner war, die Bühne.

Pünktlich zu Ollis Auftritt hatte sich der Raum vor der Bühne doch ordentlich gefüllt, so dass der sympathische Wahl-Berliner zusammen mit seiner Band ordentlich losrocken konnte. Über zwei Stunden lang gaben Olli Schulz und seine Mannen alles bis die Saiten krachten. Neben Songs seiner früheren Alben, gab es fast die ganze neue Platte „Es brennt so schön“ auf die Ohren. Seine schrägen, oft lustigen Texte, die aber trotz allem zwischen den Zeilen, teilweise ungewollt, eine ganz spezielle, gerade zu ungewöhnliche Ernsthaftigkeit beweisen, verpackte Olli geschickt in schönstem Indie-Rock, und begeisterte damit den ganzen Rosenhof ausnahmslos.

Das ganz Besondere an den Shows von Olli Schulz ist aber nicht alleine die Musik. In einer sehr gemütlichen, fast schon familiären Atmosphäre überzeugte der gebürtige Hamburger auch gerade durch seine spontane, charmante und natürlich witzige Art. Das bunt gemischte Publikum genoss sichtlich die Momente zwischen den Songs, in denen Olli offenherzig eine Story nach den nächsten aus seinem Leben zum Besten gab, und sich beim Gitarrenstimmen auf einen Plausch mit seinen Fans einließ. Selten wurde auf einem Konzert im Rosenhof so viel gelacht!

Nach guten zwei Stunden, vielen Zugaben und minutenlangem, begeisterten Applaus tanzte Olli Schulz zusammen mit den Osnabrückern in einer letzten, lautstark geforderten Zugabe auch noch den Bibo und schickte sie so mit einem sicheren Ohrwurm nach draußen in die warme Nacht. „Mach den Bibo! Mach das Ufo! Mach den Grobi!“ Mach…

Fotos gibts später bei Flickr.

Kreuzfahrt durch die Tomte-Welt


„AUSVERKAUFT“ ist dick und fett von mehreren Schildern am Rosenhof zu lesen. Die Nachfrage für das Abschlusskonzert der Frühjahrstour von Tomte am 28. März war so groß, dass bereits ein paar Tage vorher alle Tickets vergriffen waren. Somit waren die Erwartungen auch recht hoch an das, was Thees Uhlmann und seine Mannen am Samstag Abend dort in Osnabrück zum Besten geben würden.

Den Anfang macht um 19.45 Uhr die Münsteraner Kapelle Ghost of Tom Joad, die eigentlich für äußerst tanzbaren Indierock und mitreißende Bühnenshows bekannt ist. Die drei Westfalen spielen ein ordentliches halbstündiges Set, das klar die musikalischen Stärken der Band präsentiert. Jedoch wirken die Jungs streckenweise etwas erschöpft und unkonzentriert, was es ihnen nicht unbedingt leichter macht, das Osnabrücker Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Vielleicht sind das bereits die Nachwirkungen von sieben Tagen Tour mit Tomte, denn ihr aktuelles Album „Matterhorn“ ist wirklich gut und macht sonst Lust auf mehr.

Danach endlich: Tomte. Um 20:45 Uhr entern Thees Uhlmann, Dennis Becker, Nikolai Potthoff, Max Schröder und Simon Frontzek, mit ihren Instrumenten und Rotwein bewaffnet, die Bühne. Sie legen gleich mit Für immer die Menschen los und nehmen so den ganzen Rosenhof mit auf eine Kreuzfahrt durch den Ozean der Tomte-Alben. Ob man Tomte bereits seit ihrem 2000er Album Eine sonnige Nacht wegen ihrer ungewöhnlichen Texte verehrt, oder erst durch Der letzte Große Wal vom aktuellen Album Heureka auf den Geschmack gekommen ist, bei dieser detailverliebten Setliste ist für jeden Fan garantiert etwas dabei.

Frontmann Thees Uhlmann scheint bestens gelaunt, widmet mal allen Leuten über 30, mal sich selber den ein oder anderen Song und spielt mit vollem Einsatz, so dass ihm die Schweißperlen von der Nase tropfen. Zeit zum Ausruhen gibt es für die Band dann zum ersten Mal richtig nach 13 Songs. Begleitet von einem Cello, sorgen die fünf Hamburger mit einem wunderbaren Akustikset, bestehend aus Schrei den Namen deiner Mutter, Voran Voran, Es ist so dass du fehlst und New York, bei den fast 1000 Besuchern sicher für so manche Gänsehaut.

Licht aus, Vorhang, Zugabe. Bevor sich das Konzert endgültig dem Ende zu neigt, überrascht die Band ihre Crew noch mit einem anständigen Lobgesang, wie es sich bei einem ordentlichen Tourabschluss gehört. Rufus Wainwright‘s Hallelujah wird kurzerhand in eine Dankeshymne an die Tomte-Crew umgedichtet, was bei den Technikern für breites Grinsen und im Publikum für anerkennenden Jubel sorgt.

Nach insgesamt 21 Songs und fast zwei Stunden hat das Tomte-Kreuzfahrtschiff auch schon wieder seinen Hafen erreicht. Es war eine schöne Fahrt, aber für einen Tourabschluss war sie recht ruhig. Allerdings stehen die Festivaltermine auch schon wieder auf dem Plan, und wer weiß, vielleicht wagen sich Thees und seine Mannen mit Beginn des Sommers wieder in ganz andere Gewässer.


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Die Happy – Unplugged im Rosenhof


Normalerweise sind Die Happy für ordentlich laute und energiegeladene Rockshows bekannt, bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. Da fiel es dem nicht eingefleischten Fan zunächst doch etwas schwer zu glauben, was es da auf den Tour-Plakaten zu lesen gab: Die Happy – Live & Acoustic Tour 2009. Jawohl, akustisch. Unplugged. Einfach mal den Stecker rausgezogen.

Das so etwas funktioniert, haben große Bands wie zum Beispiel Die Toten Hosen oder Nirvana bereits in den berühmten „MTV Unplugged“ Shows gezeigt. „Warum also eigentlich nicht auch Die Happy?“ fragte sich bestimmt auch so einige der Anwesenden am Freitag Abend im Osnabrücker Rosenhof, während sie gespannt auf den Auftritt der Band um Marta Jandová warteten.

Zum Aufwärmen enterte aber zunächst erst mal Support Act Jake Roeder alleine mit seiner Klampfe die Bühne. Der Regensburger stimmte den gut gefüllten Rosenhof mit einem 30-minütigen Set aus feinstem Gitarrenpop a la John Mayer und Dave Matthews auf das bevorstehende Unplugged-Spektakel ein. Neben einem grandiosen Cover des Counting Crows Songs „Mister Jones“ überzeugte der sympathische Bayer die Die Happy Fans besonders bei seinen eigenen Songs durch seine gefühlvoll soulige Stimme und starke Bühnenpräsenz. Sein Debüt „Finally“ ist übrigens auch seit Freitag im Handel erhältlich, von dem auch so manche Kopie nach dem Konzert über die Merch-Theke wanderte.

Nach Jake Roeder luden dann endlich Die Happy in ihr Unplugged-Wohnzimmer auf der Bühne ein. Mit Lammfellen, kleinen Couchtischchen, roten Tischlampen und dem dazu passenden Rotwein sorgten sie für eine wunderbar gemütliche und intime Atmosphäre. Dass dieser Abend etwas ganz besonderes werden würde, ließ nicht nur die Getränkeauswahl auf der Bühne vermuten, sondern auch der vorherrschende Dresscode: die Band hatte zerrockte Jeans durch schicke, schwarze Anzüge und Kleider ersetzt, und sogar die Techniker hatten sich dementsprechend heraus geputzt.

Mit ihrer eigenen Version von Justin Timberlakes „Señorita“ öffnete Die Happy dann bestens gelaunt die Pforten zu ihrem musikalischen Gala-Abend. Unterstützt durch Percussionist Taifun, Gitarrist Patrick und Lutz am Klavier spielte sich die sonst vierköpfige Band quer durch 16 Jahre Bandgeschichte und ließ kaum einen ihrer Hits aus. Manche Songs präsentierten sich dank des Akustiksets auch in einem ganz anderen Arrangement, so dass man hin und wieder schon mal genauer hinhören musste, um zum Beispiel „Ordinary Song“ hinter seiner neuen, ruhigen, fast schon traurigen Piano-Fassade wieder zu erkennen.

Über zwei Stunden lang wirbelte Sängerin Marta über die Bühne und bewies zusammen mit ihren Bandkollegen, dass nicht alles was gut ist, auch gleichzeitig immer laut sein muss. Vielmehr waren es gerade die ruhigeren Momente, in denen Martas überaus vielseitige Stimme besonders gut zu Geltung kam und in denen man durch ihre vielen Geschichten und Anekdoten auf der Bühne die Verbindung zwischen Band und Fans förmlich spüren konnte. Insgesamt zeigte sich Die Happy an diesem Abend von ihrer musikalisch hochwertigsten Schokoladenseite, und bewiesen auch den Zweiflern, dass sie eine unglaublich sympathische Band sind, die auch unplugged und ohne großen technischen Firlefanz absolut überzeugen kann.

Fotos vom Konzert gibt es hier.


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N-JOY Soundfiles Live: Bosse


Mal wieder was gewonnen. Dank N-Joy hatte ich am 12.02. Gelegenheit, den lieben Axel Bosse bei einem exklusiven Soundfiles Live Konzert im Foyer von N-Joy Radio live und unplugged zu erleben. Mit mir zusammen drängten sich gerade einmal knapp 100 andere Gewinner vor der kleinen Bühne. Die Leute des Senders bemühten sich schon vor Beginn um die Atmosphäre: kleine (antialkoholische) Drinks vor free im Vorfeld machen das Leben schöner.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Bosse ohne Band die Bühne. Als Verstärkung hat er nur Anne de Wolff an der Bratsche und Tobias Philippen am Klavier dabei. Bosse ist trotz Erkältung bestens gelaunt und legt mit „Wenn wir schlafen“ vom Guten Morgen Spinner – Album los. Das Publikum klebt ihm vom ersten Ton ab an den Lippen und ist mucksmäußchenstill, um auch ja nichts zu verpassen. Zwischen den Songs frenetischer und anerkennender Jubel, während der Songs geschlossene Augen und lächelnde Gesichter. Das Fehlen lauter Gitarren und der intime Rahmen machen das Konzert zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Aki Bosse berührt wohl jeden im Raum auf seine ganz eigene Art.

Bei Frankfurt Oder muss ich unfreiwillig lachen, weil ich zum einen an den Gig 2007 im Hamburger Stadtpark, aber auch an Angis und meinen Trip nach Frankfurt Oder letzten Juni denken muss. „Das Lied handelt von einer schönen Frau, einem geplatzten Urlaub und einer verdammt hässlichen Stadt“, so Aki über den Song. Wie recht er doch hat. Die Stadt ist wirklich unglaublich hässlich.

Dafür ist das Konzert umso schöner. Wir sind alle schwer begeistert, singen und klatschen bei den schnellen Nummern fleißig mit und üben uns bei den ruhigeren Songs im andächtigen Schweigen. Natürlich muss ich mich auch heute doch irgendwo wieder blamieren. Am Ende von „Niemand vermisst uns“ muss ich zum Fotografieren leider auf meine Handy-Cam zurück greifen – und die klickt so laut, dass es Bosse bis auf die Bühne hört und sich erstmal herzlich kaputt lacht, mit ihm der ganze Saal. Naja, wenn ein Fettnäpfchen da ist, muss ich auch mal reintreten. Bosse wird so für mich nur noch sympathischer.

Nach 70 Minuten und 3 Zugaben ist der ganze Zauber leider auch schon wieder vorbei. Bei der Wiederholung von seiner aktuellen Single „3 Millionen“ singen wir alle nochmal lautstark mit und hoffen insgeheim, dass er da einfach oben stehen bleibt. Und weiter singt. Und uns einfach weiter träumen lässt.