GURR – Wunderbarer Girl-Punk in Bielefeld – Bildergalerie

Irgendwie komme ich mit meinem Vorhaben hier wieder ordentlich „Konzerttagebuch“ zu führen, nicht so richtig hinterher. Aber auch wenn das Konzert von Gurr am 2. Juni im Forum in Bielefeld schon über einem Monat her ist, will ich trotzdem noch meine Erinnerungen aufschreiben. Denn Gurr ist eine ganz wunderbare Band. Laut, frech, mit einer unglaublich sympathischen Energie. Und das kann man einfach nicht oft genug sagen.

Warten.

Freitag, 2. Juni. Sommer. Ich laufe ein bisschen hektisch über den Schotterparkplatz vom Forum in Bielefeld. Ich bin spät dran, da bin ich mir sicher. Vor der Tür sitzen ein paar Leute, trinken Bier. Tiefenentspannt. „Einmal bitte“, sage ich zum Typ an der Kasse und krame die 20-Euro-Schein raus, den ich mir gerade noch extra bei der Sparkasse geholt habe. Der Mann sieht, wie ich nervös auf die Uhr schiele. „Ganz ruhig, das dauert noch ein bisschen“, lacht er. 

Das passiert also, wenn im Facebook-Event und auf der Homepage unterschiedliche Zeiten stehen. Drinnen herrscht gähnende Leere. Außer der Band und den Mitarbeitern sind hier vielleicht noch vier andere Menschen, die sich auch zu früh hier her verlaufen haben. „Na toll“, denke ich. Da hätte ich auch noch länger beim Grillen bleiben können. Hinsetzen, Cola trinken, warten. Das Ticket anstarren. The Cheating Hearts, New York Wannabes. Gurr.

Gurr. Auf Gurr freue ich mich schon riesig. Die anderen beiden kenne ich nicht. Für mich entdeckt habe ich die Mädels aus Berlin vergangenen September in Köln, als im Underground als Support für Jimmy Eat World auf der Bühne standen. Seitdem will ich sie noch mal live sehen.

The New York Wannabes

Nach einer nicht nur gefühlten Ewigkeit begeben sich die ersten zwei Gestalten auf die Bühne – Die New York Wannabes aus Darmstadt. Sie am Schlagzeug, er an der Gitarre. Die Herrschaften spielen allerhand düsteren Rock, bei dem ich mich hin und wieder an Tito & Tarantula erinnert fühle. Oder an diesen einen Kinofilm aus den Neunzigern, dessen Titel mir partout nicht einfallen will. Einer der älteren Jungs aus der Nachbarschaft hatte ihn mir damals auf VHS ausgeliehen. Wie hieß der denn noch mal? Nein, nicht der Typ, der Film. Der mit Vampiren. Oder Zombies. Oder beidem? Ich gebe auf, mein Kopf kann sich einfach nicht richtig auf die Musik einlassen oder wird von ihr einfach nicht eingefangen. Sollen sie mich doch alle hassen, aber im Moment hört sich das für mich alles gleich an.

Foto: Katharina Leuck

The Cheating Hearts

Draußen ist es fast schon dunkel. Drinnen sind aus der einen Handvoll Menschen immerhin schon zwei Hände voll geworden, als plötzlich Musik einsetzt und ein Mensch durch den Innenraum Rosenblätter gen Bühne streut. Eine Prozession. Eine Braut wird zum „Altar“ geführt und dem „Bräutigam“, der ein wenig wie Elvis aussieht, übergeben. Elvis nimmt die Gitarre, die böse dreinblickende Braut nimmt hinter dem Schlagzeug Platz und los.  The Cheating Hearts aus St. Pauli. Die Musik ist jetzt auch nicht das, was ich mir sonst einen ganzen Abend lang anhören würde, aber die rohe Energie der beiden und ihr leicht überspitzter, mächtig schräger Act packen mich dagegen schon. Und anscheinend auch den Rest des Publikums. Auf dieser Nicht-Hochzeit wird sogar getanzt. Geht auch fast nicht anders.

Gurr. Endlich!

Nach einer ausgedehnten Umbaupause sind Gurr dann endlich da. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr ganz alleine, ich habe ein paar Menschen getroffen, die ich noch vom Grrrls Skate Fest kenne. Wie passend und wie schön. Und wie großartig sind Gurr bitte? Die Stimmen, die Texte, die Beats, diese Energie, diese unbeschwerte, ungeschminkte Art. Ich bin ein bisschen blitzverliebt und muss aufpassen, nicht alle Fotos zu verwackeln, die ich für den Blog machen will. 

Während ich vorne an der Bühne mit einem dicken Grinsen im Gesicht stehe und Gurr dabei lausche, wie sie sich gut gelaunt fast durch ihr komplettes Debütalbum „In My Head“ und die Vorgänger-EP „Furry Dream“ spielen, driften meine Gedanken wild durch den Raum. Tolle Melodie! Haha, die Textzeile ist lustig. Ach, jetzt verstehe ich den Song. Ich muss mir das Album endlich ins Auto holen. 

Trotz später Stunde haben Gurr immer noch jede Menge Power und wickeln das Forum im wahrsten Sinne des Wortes um den Finger. Und genau das mag ich so an ihnen und ihrer Musik. Ihre herrlich unaufgeregte Art, ihre Spielfreude, die sympathische Ausstrahlung, gepaart mit ihrer  unterschwellig mitschwingenden Don’t give a fuck what others say-Attitüde. Uns kann keiner unterkriegen. Zumindest kommt das so bei mir an. Und das ist großartig. 

Fotos

 

 

 

 

 

 

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