Underground Köln Cologne

Good Bye, Underground Köln – Erinnerungen an einen Club

Den ganzen Tag schon schreit es mich aus jeder Ecke meiner Facebook Timeline an: Das Underground Cologne schließt. Nach 29 Jahren. Obwohl ich nicht aus Köln komme, kratzt mich das ziemlich an. Denn tatsächlich verbinde ich mit dem Club einige meiner intensivsten und gleichzeitig absurdesten Konzerterinnerungen. In einigen habe ich mich heute Abend verloren.

2006: „Das ist übrigens der Underground“

Meine erste Begegnung mit dem Underground hatte ich im Dezember 2006. Nach einem hochemotionalen Tourabschluss meiner damaligen Lieblingsband in der Live Music Hall wollten meine Begleiterinnen und ich uns im Burger King um die Ecke noch für die 300 Kilometer Heimfahrt nach Germersheim stärken. Gut, insgeheim hofften wir auch noch, dass es der Band aus der Live genauso ging.

Während uns unser Weg an einer bunten Graffiti-Fassade eines Gebäudes und unendlich vielen Konzertplakaten entlang führte, wurde eines meiner Mädels plötzlich ganz hibbelig und erzählte freudestrahlend, was das dahinter doch für ein geiler Club sei und dass wir da unbedingt mal rein müssten. Außerdem hätten dort gerade Alexis on Fire gespielt. Da wäre sie sonst auch so gerne gewesen. 

Mich überkam komischerweise gleich ein vertrautes Gefühl. Wenn Clubs eine Aura haben, dann erinnerte mich dieser hier mit seiner hier draußen an zu Hause, an meinen damals noch heiß geliebten Hyde Park in Osnabrück. Ja, da müssen wir wirklich mal hin. Allein schon, weil das Underground definitiv in der VISIONS Top 50 der besten Clubs Deutschlands stand. Die VISIONS war damals meine Bibel und es daher meine erklärte Mission, jeden dieser Clubs mindestens einmal zu besuchen. 

Als wir am Ende der Mauer links abbiegen, um über eine Baubrache den Weg zum Burger King abzukürzen, sind plötzlich hinter uns laute Stimmen. Alexis on Fire haben offensichtlich auch noch Hunger. Die eben hibbelige Freundin wird noch ein bisschen hibbeliger und drückt mir einige Minuten später grinsend ihre Kamera in die Hand. Ein Fanfoto mit dem Sänger in der BK-Schlange hat schließlich auch nicht jeder.

2007: Rockpalast Bootleg

Keine drei Monate später bin ich tatsächlich zum ersten Mal IM Underground. Beim Rockpalast Bootleg spielen am 1. März ein paar nette Newcomer, darunter der ehemalige Support meiner damaligen Lieblingsband. Und ja, ich finde den Sänger ein bisschen heiß.  Es ist ein bis ins kleinste Detail durchgeplanter, äußerst unschuldig alberner Mädelsausflug nach Köln, bei dem die Outfits fürs Konzert schon Tage vorher feststehen und es ausgesprochenes Ziel ist, aus der Menge herauszustechen, ohne in der ersten Reihe zu stehen. Oder so ähnlich. Wenn ich mich richtig erinnere, lasse ich mir am besagten Tag in Köln sogar noch meine Haare beim Frisör glätten. 

Im Underground ist es relativ leer und der WDR bittet uns, doch auch für die anderen Bands da zu sein. Zum Glück, sonst hätte ich Fertig, Los! wohl nie kennengelernt. Im Nachhinein betrachtet, kann die Band, wegen der wir dort sind, musikalisch nicht mithalten. Dafür fühle ich mich in der kuscheligen Atmosphäre vor der Bühne pudelwohl. Bisher habe ich noch nicht viele Clubs gesehen, bei denen man so nah an der Bühne ist, dass sich die Musiker anschließend über den Körpergeruch einzelner Besucher beschweren können 😉 (So passiert, ich schwöre!). 

Ich nehme nach diesem Abend nicht nur all diese lustigen Erinnerungen, sondern auch ein Foto mit, über das ich mich damals offensichtlich wohl sehr gefreut habe 😉 (und über das ich heute denke: verdammt, war ich jung! xD) 

Neben dem Underground, 2007.. #tbt.

 

2010-2016 – Biertrinken und… 

Wenn ich jetzt jeden einzelnen meiner Besuche im Underground so ausführlich wie die ersten beiden Erlebnisse verblogge, sitze ich hier noch übermorgen. Vor allem, wenn ich gleichzeitig auch noch meinen alten MySpace-Account (kein Witz!) relativ erfolglos nach Beweisfotos von 2006/07 durchwühle. Also fast forward.

Da war ein Biergartenabend im Frühsommer, bei dem eine Freundin aus Köln und ich vorher ein Konzerten sausen lassen hatten, zu dem wir eingeladen gewesen wären. Die Band kannten wir nicht, dafür jemanden, der die Band dort betreute.  Wir trudelten erst sehr viel später ein und fanden uns plötzlich und ohne Vorwarnung in einem bierschwangeren Haufen schnatternder Fans wieder. Jedoch waren sie an den Mitgliedern der UK-Band anscheinend gar nicht wirklich interessiert. Es stellte sich einen Moment später heraus, dass der Mensch, mit dem ich mich gerade unterhielt, eigentlich auch in der Crew einer anderen Band war und einige Fans dieser Band ihn nun mehr oder weniger hartnäckig belagerten. Als wir nach einem Kloausflug gerade etwas abseits standen, nutzte der Mensch den Moment, huschte mit seinem Bier zu uns hinüber und raunte: „Ich komme mal lieber zu euch, da drüben ist mir zu viel Band Soundso“. Und bei uns beiden blieb er auch. Wenn Blicke töten könnten… 

… Schwitzen

Oder der Abend im Frühling bei der 5. Ausgabe von Feels Like Home. Selten habe ich an einem 11. Mai so sehr geschwitzt wie damals. Während wir in dem einen Raum auf Kissen und Matratzen am Boden saßen, unfreiwillig oder auch freiwillig mit unseren später nicht mehr fremden Sitznachbar_innen kuschelten, Kim Frank bei seiner Lesung und diversen Singer-Songwritern lauschten, spielte im anderen Raum eine Black Metal Band. In den Pausen und nach dem Konzert saßen Metalheads und Hipstermädchen zusammen draußen und tranken Bier. Ein unbezahlbares Bild.

Jimmy Eat World

Meinen letzten, unvergesslichen Moment im Underground hatte ich letzten September. Damals war ich über diesen Blog zu einer der Clubshows von Jimmy Eat World eingeladen worden. Es war eine Komplettentwässerung, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Ein unglaublich intensives Konzert mit einem unglaublich motivierten Publikum. Ich nahm mir fest vor, bis zum nächsten Konzert im Underground nicht wieder so viel Zeit vergehen zu lassen. Doch daraus wird jetzt wohl wahrscheinlich nichts mehr…

Liebes Underground, …

… wenn ich in Köln gewohnt hätte, hättest du mich sicher öfter zu Gesicht bekommen. Vielleicht wärst du dann mein zweites Wohnzimmer geworden. Wer weiß? Sicher hätte ich dich noch besser kennen und noch mehr Dinge an dir schätzen gelernt. Fest steht aber: Mit deiner einmaligen Atmosphäre, deinem unglaublich sympathischen Publikum und all deinen eigenwilligen Ecken und Kanten hast du mich, an den paar Malen als ich bei dir war, so fest um deinen Finger gewickelt, dass du immer noch einen sicheren Platz unter meinen Lieblingsclubs in Deutschland hast.

Ich hoffe, dass ich dich noch einmal sehe, bevor du im September dicht machst.  

Foto Underground: Oguz Ofluoglu via Wikimedia Commons

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