Brian Fallon mit „Painkillers“ – CD-Tipp

Brian Fallon von The Gaslight Anthem hat vor knapp zwei Wochen sein Soloalbum Painkillers veröffentlicht.  Mein Konzertoto-Kollege Karsten ist seit dem ersten Ton begeistert. Warum? Lest selbst, im ersten wunderschönen Gastbeitrag im Blog seit Jahren. Viel Spaß damit wünscht Euch Katharina.

Nun ist es also soweit. Premiere für mich. Seit mehr als 10 Jahren bin ich nun als Konzertfotograf unterwegs und wurde seitdem immer wieder von verschiedenen Magazinen gefragt, ob ich nicht nebenbei auch noch CD-Reviews schreiben wolle. Nein, das wollte ich nie. Ganz einfach, weil ich der Meinung bin einer Band und der mir vorliegenden CD nicht gerecht werden zu können. Oder weil ich das auch gar nicht will. Weil ich durch jahrzehntelangen Musikkonsum gemerkt habe, dass mich einige CDs sofort fesseln und die Begeisterung dann auch genauso schnell wieder nachlässt / nachlassen kann wie sie gekommen ist. Oder genau das Gegenteil: Beim ersten Hören ein „naja“ und dann, wenn man sich intensiver mit der Musik beschäftigt oder auch einfach dieselbe CD in einem anderen Abschnitt seines Lebens noch einmal hört, plötzlich eine komplett andere Wirkung und pure Begeisterung. Oft sind dann aber auch die CDs, die man sich „erarbeiten“ muss, die, die am längsten erhalten bleiben und wirken.

Nun aber doch ein Review. Überredet von Katharina einen Gastbeitrag für den LEISE/laut – Musik Blog zu verfassen. Kein Review im typischen Sinne solle es werden. „Schreibe auf, was Dich so jubeln lässt bei der CD“. Als hätte ich das nicht in den letzten beiden Wochen immer wieder getan, in kurzen Facebook-Nachrichten an sie, wenn ich mal wieder die CD gehört habe. Aber auch hier muss ich korrigieren. Dieses Review schreibe ich über eine CD, die ich noch nicht einmal besitze, sondern lediglich mittlerweile bestimmt 20mal bei Spotify gehört habe. Schuld ist das CD-Kaufverbot, das mir vor meinen Geburtstagen immer auferlegt wird. Hoch und heilig musste ich versprechen mir dieses Jahr nicht wieder alles selbst zu kaufen (die neue ENTOMBED A.D. hab ich mir trotzdem gekauft!). Daher kann ich zur Aufmachung und Booklet auch nicht viel sagen, aber das Cover ist schlicht und im Booklet sind im Zweifel die Texte.

Foto: Universal Music
Foto: Universal Music

Brian Fallon – Painkillers

Dann hat aber am 11. März doch die Neugier gesiegt und ich habe direkt morgens die „Painkillers“ von BRIAN FALLON bei Spotify angestellt. Was mich dann das erste Mal jubeln ließ, waren direkt im 1. Song „A wonderful life“ nach 56 Sekunden die Zeilen des Refrain: “I want a life on fire, going mad with desire, I don’t wanna survive, I want a wonderful life”. Kann man sich mal eins zu eins tätowieren lassen (wenn man entsprechend dicke Gliedmaßen besitzt). Es gibt ja so einige Bands und Sänger, die hauen solche Zeilen am Fließband raus, während andere ihr Leben lang krampfhaft versuchen auch nur in die Nähe solcher Gänsehautstellen zu kommen (die 2. Reihe der Metalcore-Fraktion ist da ganz vorne dabei … aber eben auch nicht grundlos nur 2. Reihe). Zu ersteren gehören dann Künstler wie FRANK TURNER oder CHUCK RAGAN, bei denen es aber die große Kunst ist, dass diese Zitate eben nicht krampfhaft konstruiert, sondern nach gelebten Erfahrungen und Emotionen klingen.

Überhaupt war ich beim 1. Song schon mal überrascht. Und zwar sehr angenehm. Mittlerweile gibt es ja eine Flut Singer / Songwriter und leider eben auch viel Ausschuss. Es gibt dabei Frontmänner bekannterer (Punk)Rockbands, bei denen die Solo-Projekte hervorragend funktionieren, allen voran sicher CHUCK RAGAN (HOT WATER MUSIC) und leider auch viele, bei denen es so gar nicht hinhaut (auf die ich aber nicht zeigen mag). Brian Fallon, der seit 2005 mit seiner Band THE GASLIGHT ANTHEM immer größere Erfolge feiern konnte, ist da also nur ein weiterer Frontmann, der sich auf Solopfaden versucht. Bzw. der es mit Nebenprojekten wie z.B. THE HORRIBLE CROWS auch schon gemacht hat.

Ich selbst kenne und verehre THE GASLIGHT ANTHEM seit ihrem 2008er Album „The 59 Sound“ und feiere neben dieser CD auch den Nachfolger „American Slang“. Das danach erschienene Album „Handwritten“ würde ich solide nennen während mich der neueste Output „Get Hurt“ ein wenig enttäuscht hat, da mir dort ein wenig die großartigen Melodien und auch die grandiosen Textzeilen der Vorgänger gefehlt haben (was aber auch irgendwie Jammern auf hohem Niveau ist, denn wirklich schlecht waren auch diese CDs nicht).

So gab es die Befürchtung, dass THE GASLIGHT ANTHEM so langsam ihr Pulver verschossen hatten und BRIAN FALLON es nun eine Nummer langsamer nochmal solo versuchen möchte (oder die Zeit bis zur nächsten CD mit einer Solo-CD „füllt“).

Nun aber zurück zum Anfang und meiner Überraschung: Direkt beim ersten Song ist wieder alles da, was mich seinerzeit begeistert hat. Ein erstaunlich schneller Song (hatte ich so nicht erwartet), mit toller Melodie und Mitgröhl-Refrain. Anders als CHUCK RAGAN, der musikalisch doch weit entfernt von HOT WATER MUSIC agiert, versucht BRIAN FALLON gar nicht sich zwanghaft abzugrenzen. Natürlich sind die Songs eine Runde entspannter und ruhiger als gerade in den Anfangstagen von THE GASLIGHT ANTHEM, aber dennoch nicht weniger mitreißend.

Vieles macht einfach gute Laune und wenn dann beim beschwingten „Among other foolish things“ die Zeile „And they say such foolish things like love, love, love is all we need“ erklingt muss man dann doch einfach beim Gedanken an die BEATLES grinsen. Aber auch ruhigere Songs, allen voran „Steve McQueen“ machen Spaß und lassen, obwohl langsamer, keine Langeweile aufkommen.

Ich werde nun bewusst nicht in die Kerbe einiger Rezensionen hauen die ich gelesen habe, wonach jeder der eine Gitarre halten kann der neue BRUCE SPRINGSTEEN ist, und ich bin ebenfalls der Meinung, dass man nicht immer alles zwangsläufig vergleichen muss. BRIAN FALLON erfindet nicht das Rad neu, er hat nur eine großartige (Rock)CD geschaffen. Ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht beurteilen wie viel „echter“ BRIAN FALLON nun dort drinsteckt, aber es ist (gerade auch wenn man ihn schon mehrfach als Frontmann von THE GASLIGHT ANTHEM bei Konzerten und Festival schüchtern grinsend auf der Bühne gesehen hat) eine CD die absolut grundsolide, ehrlich und im positiven Sinne authentisch (KETTCAR haben mir dieses Wort versaut seit sie gesungen haben „Lieber peinlich als authentisch, denn authentisch war schon Hitler“) rüberkommt. Man nimmt ihm einfach ab, dass es genau die Musik ist, die er machen wollte. Dafür ist es ja dann auch eine Solo-CD. Keine Kompromisse mit anderen Bandmitgliedern, aber auch keine Songs bei denen auch nur die Vermutung aufkommen lässt, sie seien in irgendeiner Art und Weise arrangiert, um höhere Verkaufszahlen oder Radiozeiten zu erzielen. Eben der vollkommene Eindruck, es handele sich einfach um sein Ding, das er genauso machen wollte.

Für mich ist es auf jeden Fall jetzt schon eine der CDs 2016. Eine Sommer-CD, eine Autofahr-CD, eine CD fürs Büro oder zum Relaxen. Zum Joggen, Chillen … oder um auch einfach mal das Leben zu genießen. Eine CD die in ruhigen Momenten funktioniert, bei der ich mir aber genauso vorstellen kann bei Konzerten den Bierbecher in die Höhe zu recken, um bei „Rosemary“ zu fragen: „Where have all the good times gone?“. Auf CD in 12 Songs gepresste gute Laune; zwar oftmals sehr unterschiedlich und variationsreich, aber dennoch, gerade auch wegen der markanten Stimme, unverkennbar immer 100% Brian Fallon. Man findet seine Lieblingssongs, aber man findet auch bei immer neuen Durchgängen keine schlechten Songs, die man weiter skippen müsste.

Nun sind´s noch 2 Wochen bis zum Geburtstag und wehe ich krieg das Teil dann nicht geschenkt!

 

Brian Fallon Painkillers Albumcover - CMS Source

 

2 Gedanken zu „Brian Fallon mit „Painkillers“ – CD-Tipp“

  1. Klasse was ihr jounrnalitisch leistet.
    Kein Schnick Schnack dafür aber sehr viel Content
    Wir sind ein soziales Musikförderprojekt aus Bochum und sind im Rahmen eines Workshops zum Thema „DIGITALE MEDIEN“ auf euch aufmerksam geworden.
    Unsere jungen Teilnehmer werden bestimmt demnächst bei euch vorbei schauen.
    Alles Gute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.