Music Calling Festival im Rosenhof bot große Bühne für Newcomer

Einen Platz für Newcomer bot vergangenes Wochenende das Music Calling Festival im Osnabrücker Rosenhof. Von Donnerstag bis Samstag präsentierten sich aufstrebende Bands und Künstler aus den Bereichen Hip Hop, Pop und Rock/Indie dem Publikum. Ich war für LEISE/laut beim Pop Day (Freitag) und Rock/Indie Day (Samstag) am Start und mir  den Osnabrücker Singer/Songwriter Fabian von Wegen, Tom Lüneburger aus Berlin, die Hamburger Band Tonbandgerät, die niederländischen Indie-Rocker von Go Back to the Zoo, Mega! Mega! Und Balthazar angehört.

Pop Tag

Los ging es am Freitagabend mit Fabian von Wegen. Der junge Mann kann was, schreibt alle seine Texte selbst und weiß auch, sich auf der Bühne zu präsentieren. Begleitet von seiner Band singt er seine Songs mit viel Hingabe und Emotion.  Zu 100% überzeugen kann er mich jedoch nicht – mir fehlt hier die Abwechslung, die Töne sitzen oft nicht so recht und nach einer guten halben Stunde hört sich doch fast jedes Stück irgendwie gleich an.  Ein bisschen zu schnulzig und radiopoppig ist die Musik für mich, austauschbar… aber mir kann ja auch nicht alles gefallen.

Setlist von Tom Lüneburger

Viel besser gefällt mir da schon Tom Lüneburger. Der Berliner Singer/Songwriter packt mir ab dem ersten Ton mit seiner markant, rauchigen Stimme, einfühlsamen Melodien und schrägen Anekdoten, die angeblich alle sein Pianist erlebt hat. Der sitzt übrigens nicht etwa an einem echten Klavier, auch wenn das erst so aussieht. Da sich die Dinger bekanntlich so schlecht transportieren lassen, hat man dem handlicheren E-Piano einfach ein großes Gehäuse in Klavierform gebaut. Auch nicht schlecht. Darauf steht stilsicher ein Armleuchter mit brennenden Kerzen, daneben eine Stehlampe aus Omas Wohnzimmer. Tom Lüneburger weiß, wie man es schafft, dass das
Publikum einem an den Lippen klebt, jede nächste Textzeile ungeduldig erwartet und jeden Song komplett in sich aufsaugt wie ein hungriger Schwamm. So geht es mir zumindest. Vielleicht ist dieser junge Mann da auf der großen Bühne in zwei, drei Jahren der nächste Aki Bosse? Man weiß es nicht. Ich kaufe mir jedenfalls nach seinem Set beide Alben, die seither in meinem Auto rauf und runter laufen.

Zu fortgeschrittener Stunde lockern Tonbandgerät aus Hamburg die bis hierhin doch sehr gemütliche Stimmung ein wenig auf. Es darf ein bisschen getanzt werden. Ich bin im Vorfeld ein wenig skeptisch, da mich die zwei Jungs und Mädels zwei Wochen zuvor im Vorprogramm von Bosse nicht so ganz überzeugen konnten. Wie schön ist es da zu sehen, dass sie an diesem Abend anscheinend wesentlich weniger aufgeregt sind und sich souverän durch ihr Programm spielen. Manchmal möchte man zwar immer noch zur Gitarristen rennen und für sie ein bisschen am Effektgerät herumspielen, aber längst nicht so dringend wie damals in Dortmund. Gut machen sie ihre Sache und vielleicht trauen sie sich in den nächsten Jahren ja auch bei ihrer Musik mal ein bisschen mehr. Potenzial ist auf jeden Fall genug vorhanden.

Mega! Mega! rocken den Rosenhof mit jeder Menge Party-Attitüde.

Rock Tag

„Los, hopp, ab in den Rosenhof! Die Jungs aus Holland haben mehr Publikum verdient!“ schreibt mir eine Freundin am Samstagabend per SMS. Da stehe ich schon längst auf meinem Longboard und bin schon fast am Rosenplatz. Go Back to the Zoo eröffnen heute den Abend des letztes Music Calling Tages und müssen sich vor einer Handvoll Menschen beweisen. Alle, die an diesem Abend nicht dabei waren, haben wirklich etwas verpasst. Die Niederländer spielen straighten Indie-Rock, der auch auf größeren Festivals die Menge begeistern dürfte. Leider sind sie hierzulande noch recht unbekannt, aber das wird sich in den nächsten Monaten hoffentlich ändern. Die Herren haben nämlich echt was auf dem Kasten und bringen schließlich auch das behäbige Osnabrücker Konzertpublikum zum Tanzen.

Weiter geht’s kurz darauf mit Mega! Mega! Die ursprünglich aus dem Saarland stammende Postpunk-Kapelle ist für mich das überraschende Highlight des Abends. Schnell und rau, freche Texte und unterschwellige Partyattitüde. Sehr sympathisch. Die Jungs sprühen nur so vor Energie und verleiten die Leute mit ihren Mitgröhl-Texten zu wilden Tanzeinlagen. Ein volles Moshpit ist das einzige was gerade noch fehlt. Irgendwie erinnert mich die Darbietung an eine durchgeknallte Mischung aus Fotos, Kraftklub und Turbostaat – wenn man diese Band überhaupt mit irgendwas vernünftig vergleichen kann. Was die Jungs da mit mitreißender Spielfreude aus den Boxen donnern lassen, macht unglaublich viel Spaß. Das Debüt-Album erscheint Ende Juni und ich wage es jetzt einfach mal, den Herren einen sehr heißen, sehr erfolgreichen Festivalsommer zu prophezeien. Auf meiner Must-See-Again-Liste stehen sie zumindest schon mal.

Balthazar aus Belgien überzeugen mit hochkarätigem Avantgarde-Indie.

Das absolute Kontrastprogramm liefern im Anschluss Balthazar aus Belgien. Musikalisch extrem hochwertigen Avantgarde Indierock haben die Damen und Herren da im Gepäck. Die Bühne ist vollgepackt
mit Musikern, unterschiedlichsten Instrumenten und jeder Menge experimenteller Klänge. Nach dem ganzen Partyalarm zuvor habe ich ein wenig Schwierigkeiten, mich richtig auf die Band einzulassen und ihr die Aufmerksamkeit zu schenken, die dieser hochkarätigen Leistung da eigentlich gebührt. Zuletzt habe ich mich so gefühlt, als ich das Album von Emanuel and the Fear zum allerersten Mal gehört habe. Das Album ist übrigens absolut großartig, setzt aber für den vollen Genuss eine gewisse Ernsthaftigkeit voraus. An diese großartige New Yorker Band erinnern mich Balthazar sehr. Und auch wenn mein Innerstes an diesem Abend nicht so richtig bei Balthazars Musik ankommen will, genießt der überwiegende Teil des Publikums das anspruchsvolle Set sichtlich. Die Tanzfläche ist im Vergleich zum Rest des Tages proppenvoll, die Menge schwoft und groovt enthusiastisch und verliert sich zufrieden in den raumeinnehmenden Klängen.

Insgesamt ist das Music Calling Festival eine Bereicherung für die Osnabrücker Konzertszene. Super Bands zum fairen Kurs, deren Namen man für die nächsten Jahre auf jeden Fall im Hinterkopf behalten sollte. Bleibt zu hoffen, dass sich der gemeine, musikinteressierte Osnabrücker zukünftig mal etwas beherzter von der Couch herunter traut und sich ganz mutig Konzerte ansieht, bei denen nicht die ganz großen Namen auf dem Line Up stehen. Denn wer weiß, einige der Unbekannten von heute könnten schließlich die ganz großen von morgen sein.

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