Genialer Wahnsinn: Bonaparte im Skater’s Palace in Münster

Glitzer, Kunstblut, nackte Haut, Clowns und Tierkostüme. Am Montag, 15. April, war die Berliner Visual Art Punkband Bonaparte im Skater’s Palace in Münster zu Gast. Mit seiner Mischung aus konsequenter, optischer Provokation, plakativen Texten und rockbaren Elektrosounds trieb das Band-Kollektiv das Publikum in der Skatehalle in den Ausnahmezustand.

Ich hatte ehrlich gesagt keine richtige Vorstellung, worauf ich mich bei diesem Konzert einlassen würde. Bis auf ein paar sehr bunte Show-Ausschnitte auf Youtube und ein paar Songs vom Feiern kannte ich kaum etwas von der Band. Zumindest nicht bewusst. Aber wie ich jetzt auch hier im Blog schon mehrfach geschrieben habe, sind die Konzerte, zu denen man ohne große Vorahnungen und Erwartungen geht, doch meistens die besten. Und so sollte es auch wieder an diesem Abend werden.

Eigentlich sind Bonaparte gerade in Frankreich und Spanien auf großer Tour, sind aber extra für zwei (Nachhol-)Shows zurück nach Deutschland gekommen. Ohne Support geht es gegen 20.30 Uhr gleich in die Vollen. Kunterbunte, opulente Kostüme, viel Theaterschminke und Bassgewitter – Bonaparte zieht die Menge sofort in ihren Bann und spielt auf zum Durchdrehen. Manchmal komme ich mir ein bisschen so vor, als ob man vor meinen Augen eine Turbonegro-Show mit der durchgeknallten Freakshow eines Wanderzirkus auf LSD gekreuzt hätte. Gut 600 Augenpaare kleben fest an den verkleideten Menschen, die mit ihren Acts mal verzaubern, mal verstören.


Bonaparte spielen konsequent mit Tabus, Klischees und Grenzen, mischen Glitzer und Kunstblut, nackte Brüste mit Regenbögen und Farbeimern, stilisierte Babys mit Krieg und Bananen mit extrem knappen Röcken und dunkel geschminkten Augenhöhlen. Man weiß teilweise gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Kaum hat man sich an ein Bild gewöhnt, flüchtet die Gestalt schon wieder und ein neues Wesen betritt die Bühne. Ich schwanke emotional fast minütlich zwischen Faszination und Verstörung und Partyalarm. Beinahe den ganzen Abend über bleibt mir schleierhaft, wie viele unterschiedliche Menschen da eigentlich unterwegs sind. Obwohl, es sind ja gar keine Menschen, wie sie in einem Song behaupten.

Dieses Show muss wohl eines der ersten Konzerte für mich sein, bei dem ich nur bedingt auf die Musik achte und mich lieber dem Gesamteindruck hingebe. So finde ich erst im Nachhinein heraus, dass Bonaparte an diesem Abend beinahe das komplette aktuelle Album „Sorry, we are open“ gespielt haben. Über zwei Stunden lang ziehen sie ihre Mischung aus Konzert und Freakshow durch, spielen Song auf Song, auch von den älteren Alben, und kommen für gleich für zwei Zugabenblöcke wieder zurück auf die Bühne, weil die Masse einfach nicht genug von diesem genialen Wahnsinn bekommen kann.


Vielen lieben Dank an Karsten Rzehak für die tollen Fotos!

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