FEELS LIKE HOME #3: Ein Abend voll berührender Musik und schwarzem Humor

Hamburg. Eine große weiße Taube hängt über der Bühne im Knust. Wenn sich dann darunter nationale und internationale Musiker sowie bekannte deutsche Autoren versammeln, um eine soziales Projekt zu unterstützen, ist es wieder Zeit für die Music & Reading Benefiz-Reihe FEELS LIKE HOME.

Bereits zum dritten Mal lud die kleine Brieftaube mit einem hochkarätigen Line-Up für den guten Zweck in ihr musikalisch-literarisches Wohnzimmer ein. Dieses Mal um mit den Erlösen des Abends den Verein Live Music Now Hamburg zu unterstützen. Dieser macht sich seit Jahren dafür stark, Musik zu Menschen zu bringen, die selber nicht mehr auf Konzerte gehen können.
„Keine Abendkasse!“
Ausverkauftes Haus. Kein Wunder bei dem Künstleraufgebot: Singer/Songwriter Matt Hires (Florida) und Molly Jenson (Kalifornien), die  diese Woche beide zum ersten Mal in Deutschland auftraten, sowie den „Special Guests“ Philipp Poisel und Ralf Husmann, bekannt als Drehbuchautor der Serien Stromberg und Dr. Psycho.
Dabei war für viele im Publikum sicherlich Philipp Poisel als Highlight der ausschlaggebende Grund zu kommen. Aber auch Matt Hires und Molly Jenson wurden vom Publikum mit offenen Armen empfangen.
Der 24jährige Matt Hires, der gegen 21:30 Uhr als erstes die kleine Bühne betrat, stimmte das Publikum mit Songs aus seinem gefühlvollen Gitarrenpop-Album „Take us to the Start“ auf den Rest des Abends ein. Dabei wickelte er so manche Dame im Publikum nicht nur mit seiner markanten Stimme um den Finger. Sein charmantes, leicht schüchternes Auftreten gepaart mit typischem Florida-Sunnyboy-Lächeln tat bei vielen das Übrige. 
Gar nicht schüchtern, sondern forsch und vollgepackt mit gehörig schwarzem Humor bestritt als nächster Ralf Husmann das literarische Intermezzo des Abends. Der Drehbuchautor sorgte mit vier Auszügen aus seinen Werken und einem humoristischen Rundumschlag durch die „Reizthemen“ Gewalt, Kinder, Beziehung und Selbstmord für ordentliches Lachmuskeltraining –  zumindest bei denjenigen, die auf bitterbösen, trockenen Humor stehen. Stromberg lässt grüßen.
Songs mit Hintergrund
Molly Jenson – Eine Frau alleine mit ihrer Gitarre, irgendwo zwischen Jonatha Brooks und Ingrid Michaelson. Mit ihrer natürlichen, sympathischen Art mit dem Publikum umzugehen und den Zuhörern die Geschichten hinter ihren Songs auf dem Album „Maybe Tomorrow“ zu erzählen – die auffallend viel mit Ex-Freunden zu tun hatten – zog sie nicht nur schnell die Leute auf ihre Seite, sondern es gelang ihr auch genau die intime Wohnzimmeratmosphäre aufzubauen, die den beiden Feels Like Home-Initiatoren Dannie Quilitzsch und Revolverheld-Sänger Johannes Strate so wichtig ist.
Diese heimelige Atmosphäre griff der heimliche Star des Abends Philipp Poisel schließlich nahtlos auf. Mit musikalischer Unterstützung von Florian Ostertag an Gitarre, Akkordeon und Klavier sorgte er mit seinen tiefgründigen Songs voller berührender Geschichten nicht nur einmal für Gänsehaut. Besonders seine Zugabe „Herr Reimer“, die von einem Fabrikarbeiter handelt, dessen Traum es ist, zum ersten Mal in den Urlaub fliegen, sobald er in Rente geht, stimmte so manchen Zuschauer nachdenklich.
Zu später Stunde verabschiedeten sich alle Künstler mit einer gemeinsamen Zugabe vom bestens gelaunten Publikum aus dem Feels Like Home-Wohnzimmer und rundeten mit „You are my Sunshine“ einen gelungen Abend ab. 
Eine einmalige Chance
Dass ein Auftritt bei Feels Like Home auch durchaus ein Sprungbrett für die internationalen Singer/Songwriter in Deutschland sein kann, zeigt das Beispiel Ari Hest. Im Dezember hatte der New Yorker im Zeichen der Taube seinen ersten Auftritt in Deutschland. Ein knappes halbes Jahr später hat er einen Plattenvertrag mit Arctic Records und plant eine Tour durch Deutschland. Man darf also gespannt sein, wo und ob einem Molly Jenson und Matt Hires auch einmal wieder begegnen werden.


Fotos: Katharina Leuck


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