CD-Review: Deftones – Diamond Eyes

In mehr als zwanzig Jahren Bandgeschichte haben die Deftones so einige Höhen und Tiefen erlebt. Der größte Schlag traf sie jedoch vor zwei Jahren, als ihr Bassist Chi Cheng bei einem Autounfall schwere Kopfverletzungen davon trug und seither im Koma liegt. 

Allein aus diesem Grund hätte man beim aktuellen Studioalbum Diamond Eyes, das in Deutschland seit dem 30. April in den Läden steht, durchaus eine traurige Platte erwarten können. Aber so einfach hat es sich die Band aus Kalifornien nicht gemacht.
Diamond Eyes hat in einigen seiner elf Tracks zwar dank sphärischer Melodien und der herausstechenden Stimme von Chino Moreno streckenweise durchaus traurig-melancholische Züge, kommt aber trotzdem druckvoll, und wenn man das in einem von tiefer gestimmten Gitarren und Bassgewittern geprägten Genre so überhaupt sagen kann, gerade zu „schön“ daher. 
Zugegeben, um diese Schönheit zu entdecken, muss man dem Album eine Chance geben und es mehrmals hören. Diamond Eyes gehört definitiv zu der Sorte Platten, die mit jedem Hören besser wird, da es immer wieder neue Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Spätestens beim dritten Mal fallen die ausgefeilten Arrangements aus komplizierten Gitarren-, Schlagzeug- und Basslines gepaart mit Morenos emotionsgeladener Stimme voll ins Gewicht. In manchen Stücken haben sich gar einige klassische Streicher versteckt, die zusammen mit subtilen Key-Effekten den teilweise brachialen Soundwänden der Stücke zusätzlich zu einer ganz anderen klanglichen Tiefe verhelfen. 
Insgesamt wirkt Diamond Eyes anders als alles was bisher von den Deftones veröffentlicht wurde. Es klingt gereifter, noch experimenteller und besticht Stück für Stück durch eine kaum geahnte Vielseitigkeit. Um diese aber wirklich genießen zu können, muss man sich auch richtig auf die Platte einlassen, denn Diamond Eyes ist definitiv kein „Easy Listening“-Album. Wenn man sich aber richtig mit dem Werk auseinandersetzt, eröffnet sich einem ein großes Schattenspiel zwischen Licht und Dunkel, laute und leise, sanften Tönen und schreienden Gitarren, gekrönt von hypnotisierenden, energiegeladenen Vocals. Diese bestechen besonders in den Songs „976-Evil“, „Sextape“, „Cmnd/Ctrl“, „Prince“ und „Rocket Skates“.
Alles in allem ist Diamond Eyes ein ordentliches, überraschendes Album, dass sowohl alte eingefleischte Deftones-Fanatiker als auch neue Anhänger der härteren musikalischen Gangart überzeugen kann. Da man sich aber erst mal reinhören muss, gibt es „nur“ 4 von 5 Sternen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.